Skandinavientour 2016 – Tag 17 – 326km – Utne

Anja war heute irgendwie so wach und wuselig während ich noch voll faul am rumwanzen war. Schnell packen, schnell noch duschen, schnell frühstücken, schnell los – und alles nur um unseren Rhythmus wieder gerade zu biegen. Das klappt eh net! Das Resultat war, dass wir um kurz nach 10 auf trockenen Straßen unterwegs waren. Eigentlich alles super. Für heute sind gut 300 km angedacht und wir wollen eine kleine Runde in Bergen drehen. Mit diesem Plan sollten wir spätestens um 17 Uhr nach einem Platz für die Nacht suchen können. Sollten…

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Wir sind noch nicht lange unterwegs, da fällt mir ein Haufen Reisebusse am Straßenrand ins Auge. Wo Busse sind, gibt es was zu sehen. Und was das war. Ein schöner großer Wasserfall, direkt neben der Straße mit Parkplatz. Und dieser hier sah mir sofort nach Langzeitbelichtung mit Graufilter aus. Bisherige Fälle erschienen mir immer zu gewaltig, zu roh für diese Verweichlichung durch das glatt ziehen der Wasserspritzer. Also Stativ raus, ND-Filter und Kamera gepackt und losmarschiert. Nachdem ich aufgebaut hatte, wurde es auf einmal ruhig. Alle Busse waren weg. Perfektes timing. Na gut dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 17:30.

Die Straßen sind immer noch trocken wir genießen das Fahren, der Klapphelm bleibt heute offen! In Voss biegen wir rechts ab auf die E16 und lassen fliegen. Es läuft. Immer schön der lila Linie auf dem Navi nach…Moment wo ist die lila Linie? Hmpf, vor lauter Gute Laune fliegen lassen hab ich ne Abzweigung verpasst und das schon vor einiger Zeit. Kurz anhalten und sortieren. Wir entscheiden zurück zu fahren. Na gut dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 18 Uhr.

Wir biegen von der E16 ab auf eine kleine Nebenstraße und landen im Paradies. Niemand außer uns fährt hier. 50 km lang begegnen uns vielleicht 2 Autos und zwei Radfahrer, das wars. Ein Wasserfall reiht sich an den nächsten. Natur, völlig unberührt ist um uns. Wir nehmen uns einmal die Zeit anzuhalten und in Ruhe zu fotografieren. Ansonsten genießen wir das Fahren. Unebene rissige Straßen, sanfte Kurven bis hin zu Spitzkehren, bergauf und bergab geht es dahin. Dieses Revier ist wie gemacht für uns und unsere V-Stroms. Ich möchte behaupten, das war das schönste Stück Norwegen, welches wir erlebt haben. Und das beste, fast völlig im Trockenen. Gut wir sind langsamer vorangekommen als geplant, aber was solls wir sind ja auch im Urlaub und dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 18:30.

Nun aber flott ab nach Bergen. Die E39 bringt uns zügig zu dieser Touri-Metropole. Unmengen an Menschen schieben sich durch diese Stadt. Das ist eigentlich nicht unsere Welt. Mehrere große Kreuzfahrtschiffe liegen vor Anker. Unter anderem eine Aida und eine von den Hurtigruten. Wir parken nicht ganz legal direkt am Fischmarkt. Uns war bewusst, dass hier zu essen kein Schnäppchen wird. Aber die Preise waren dann doch der Hammer. Wir gönnten uns eine halbe Semmel mit Räucherlachs und einen Fischburger mit gegrilltem Gemüse und Dorsch. Geschmacklich der Hammer. Preislich aber mit 220 NOK auch. Gut dass selbst am kleinsten Straßenstand eine Kreditkartenzahlung möglich ist. Plastikgeld senkt die Hemmschwelle. Wir sitzen beim Essen so gut, dass wir den Campingplatz dann wohl doch erst um 19 Uhr suchen werden.

Schnell wieder raus ist das Motto nachdem wir noch eine kleine Fotorunde durch den Markt und den Hafen gedreht haben. Im Randgebiet von Bergen tanken wir noch schnell und dann geht es ab in Richtung Hardangerfjord. Je näher wir dem Fjord kommen desto besser wird das Wetter. Es wird doch nicht? Tatsächlich als wir ihn erreicht haben strahlt uns die Sonne vom blauen Himmel aus an, als ob sie nie weg gewesen wäre. Zuletzt hatten wir sie zu Mitternacht auf den Lofoten gesehen… Wir legen noch den einen oder anderen Fotostopp ein, bevor wir zur Fähre nach Ullensvang rollen. Moment die ist hier gar nicht angeschrieben. Es steht nur die Fähre nach Utne auf den Schildern. Wir fragen den Kassier der am Anleger die Autoschlange durchmacht. Wenn wir nach Ullensvang wollen müssen wir erst nach Utne fahren, dort die Fähre wechseln und dann geht es ans eigentliche Ziel. Aber er würde gleich von Utne aus nach Odda fahren, die Straße ist schöner als die von Ullensvang aus. Alles klar, dann brauchen wir ein Ticket für die Fähre nach Utne.

Inzwischen ist es 19 Uhr und wir sollten dann langsam mal nach einem Campingplatz suchen. Das tun wir während der Fährüberfahrt und finden einen Platz nur 6 km neben Utne. Auch wenn wir diese morgen wieder zurückfahren müssen ist die Verlockung groß, da er heute noch etwas länger Sonne abkriegen sollte als die Plätze welche in Richtung Odda liegen. Wir nehme den kleinen Umweg in Kauf und haben ihn auch nicht bereut. Ein absolut ruhig und idyllisch gelegener kleiner Platz direkt am Fjord lädt uns ein unser Zelt aufzuschlagen. Wir genießen das Abendessen unter blauem Himmel mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages bevor diese hinter den Bergen verschwindet. Das eine oder andere Foto wird noch geschossen und unser Tag/Nachtrhythmus wird wohl nochmal mindestens einen Tag warten müssen bis wir ihn wieder gerade rücken.

Eigentlich wollten wir heute noch die Fähre von Kristiansand nach Hirtshals buchen. Das geht aber aufgrund technischer Probleme nicht. Ich werde wohl morgen um 9 Uhr direkt mal anrufen statt über die Homepage zu gehen. Tagesziel für morgen ist es bis ca. 50 km vor Kristiansand zu kommen um eine gute Ausgangsposition für die Fähre am Mittwoch zu haben.

Skandinavientour 2016 – Tag 16 – 257km – Myrkdalen

Kann man im Urlaub verschlafen? Falls ja haben wir das getan. Ich hab zwar den Wecker gestellt, aber nicht aktiviert. Irgendwas in mir wollte wohl länger schlafen. So um 9 Uhr sind wir dann auch mal aufgewacht. Wir haben dann ganz gemütlich gefrühstückt und uns auf den Tag vorbereitet. Den Jungs in der Nachbarhütte beim Packen zuzusehen war echt lustig. Jedes Teil – Pfanne, Topf, Schöpfer, Wodka Flasche, Handy, Ladekabel fürs Handy, usw. – wurde einzeln zum Auto getragen und verstaut. Bei denen passt das Feng Shui noch nicht so ganz. Um 11:15 Uhr waren wir dann auch soweit, richtig durchzustarten.

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Das Wetter hatte nur auf uns gewartet. Wir fahren los und es beginnt zu nieseln. Aber ganz ehrlich, man stumpft ab. Anja ist nicht mehr so kalt, obwohl es nicht wärmer geworden ist. Den leichten Regen nimmt man gar nicht mehr wahr. Ich glaube man kann sich an das Wetter gewöhnen. Nach gut 25 km sind wir in Lom. Hier ist eine der größten noch erhaltenen Stabkirchen. Wir legen einen ausgiebigen Stopp ein und besichtigen dieses Gotteshaus. Wieder wird Eintritt für eine noch aktiv in Betrieb befindliche Kirche kassiert. Das Thema hatten wir ja schon mal. Interessant sind diese Holzkirchen mit ihrer ganz eigenen Bauart aber trotzdem. Nach der Besichtigung unterhalten wir uns noch ein wenig mit einer Dreiergruppe Motorradfahrer, die wir schon auf dem Campingplatz in Oysand gesehen hatten. Erfahrungsaustausch über Ausrüstung und die gefahrene Route.

Ab Lom geht es nun bergauf. Wir fahren in das Jotunheimengebirge. Jotunheimen ist eine nahezu unberührte Bergregion in Ostnorwegen. Sie umfasst ein Gebiet von rund 3500 Quadratkilometern. Dazu gehören die höchsten Berge Norwegens, der Galdhøpiggen (2469 Meter über dem Meeresspiegel) und der Glittertind (2464 Meter über dem Meeresspiegel) sowie Wasserfälle, Flüsse, Seen, Gletscher und Täler. Eine eindrucksvolle Naturkulisse tut sich vor uns auf. Naja soweit wir bei dem Wetter halt blicken können. Es ist nass und kalt. Links und rechts der Straße sind Unmengen an Schneefeldern. Bei blauem Himmel und Sonnenschein muss das ein Funkeln ohne Ende sein. Wir lassen unsere Fanatasie spielen und versuchen die Kälte aus unseren Gliedern zu verdrängen.

Am Lustrafjorden stoßen wir wieder auf Meereshöhe und schlängeln uns am Ufer entlang. Der Regen heute fängt mal an, dann hört er wieder auf und dann schüttet es mal wieder wie aus Eimern. Über eine kleine Erhebung wechseln wir rüber an den Sognefjorden. Diesen wollten wir ursprünglich fast bis an die Küste folgen, haben diesen Plan allerdings aufgrund der Tagestrecke zu Campingplatzdichte Situation wieder verworfen und überqueren diesen bei Hella mit der Fähre nach Vangsnes. Wir folgen ihm noch ein wenig bevor es wieder auf fast 1000 Höhenmeter in den Schnee geht. Ein letztes Mal für heute wird uns kalt. Nach insgesamt nur 257 km am heutigen Tag finden wir in Myrkdalen einen super Campingplatz. Die Hütten sind top ausgestattet und das Sanitärgebäude ist nagelneu. Wir nutzen die Waschmaschine und bringen unsere Garderobe auf Vordermann für die letzte Woche auf Tour.

Morgen wollen wir eine Runde durch Bergen drehen. Mal sehen was diese Stadt so zu bieten hat.

Skandinavientour 2016 – Tag 15 – 324km – Ottadalen

Highlights, heute gibts Höhepunkte. Atlantikstraße, Trollstiegen und Geirangerfjord warten auf uns. Wir sollten aus dem Bett springen und losflitzen. Unmöglich! Die Erschöpfung ist zu groß. Wir überlegen, die Hütte für eine Nacht länger zu nehmen und einen Pausentag einzulegen. Ein Blick auf die Wetterapp sagt uns, dass wir nichts davon hätten, außer noch mehr Regen. Also doch aufstehen, frühstücken und packen. Je mehr wir ausgepackt haben desto schneller sind wir beim zusammenpacken und desto früher kommen wir los – komische Logik, ist aber so. Bei Regen werden die Moppeds beladen. Als wir dann um kurz vor 10 Uhr in Regenklamotten startbereit sind hört es auf.

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Zur Atlantikstraße ist es nicht weit, aber vorher entdecken wir noch einen Wegweiser zu einer Stabkirche. Also schnell die Route im Kopf geändert und links abgebogen. Der kleine Umweg führt dazu, dass wir die Insel Averoya auf einer kleinen Straße entlang der Küste quasi umfahren, statt den schnellen Weg über die 64 zu nehmen. Egal, wir haben heute dicke Zeit. Zahlreiche Fotostopps und kleine Ausreißer sind heute auch ok. Als wir dann auf den vielen Brücken der Atlantikstraße angekommen sind, regnet es wieder. Trotzdem wird ein Stopp eingelegt und ein Norweger bekommt auf Englisch eine Kaufberatung zur V-Strom. Fast hätte ich noch das Motorrad von Anja während ihrer Abwesenheit verkauft *g*. Ich muss gestehen, ich hatte mir die vielen Brücken imposanter vorgestellt. Ich glaube wir stumpfen hier ab. Fährüberfahrten sind nichts besonderes mehr. Unterseetunnel gibts täglich. Letztens war noch der alte Elbtunnel in Hamburg eine Attraktion. Jetzt ist er nur noch ein mickriges Ding. Und Brücken bauen das können die Norweger auch. Vielleicht ist es aber auch das schlechte Wetter, das schon wieder auf die Laune drückt. Wir kriegen fast jeden Tag ordentlich Regen ab.

Naja es gibt ja noch mehr Highlights heute. Der Trollstiegen steht als nächstes an. Wasserfälle, eine tolle Serpentinenstraße und es geht endlich mal richtig in die Höhe! Erstmal geht es nochmal mit einer Fähre über einen Fjord. Wir bekommen zusammen mit 4 Schweden einen Platz unter Dach zugewiesen und das Personal lässt das kassieren bei uns bleiben. Ob aus Mitleid, weil wir so nass sind oder weil sie uns schlicht vergessen haben bleibt offen. Nach der Fähre gibt sich das Wetter Mühe und wir kommen trocken am unteren Ende des Trollstiegen an. Ein heftig winkender Mann mit Fahne und Warnweste macht uns aufmerksam. Willkommen im heutigen Alptraum! Auf dem Trollstiegen ist ein Triathlon. Er ist aber nicht etwa gesperrt. Nein das wäre zu einfach. Reisebusse, Wohnmobile, Autos mit Wohnwagen, LKW, normale PKW und Motorradfahrer teilen sich die Serpentinen mit den im Wettbewerb befindlichen Radfahrern. Die Hölle bricht über uns herein. Mit schleifender Kupplung im 1. Gang geht es den Berg hoch. Von hinten drängeln Triathleten die sich ihre Zeit nicht versauen wollen. Die Straße ist völlig verstopft. Die Emotionen kochen hoch. Anfeuernde Leute die am Fahrbahnrand parken machen das Ganze nicht besser. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Endlich oben angekommen kochen die Motorräder und unsere Gemüter. Lust auf ein Foto vom Trollstiegen haben wir keine mehr, da am Aussichtspunkt auch noch die Wechselzone von den Fahrrädern zum Laufen ist. Ich kann mich nicht mehr zusammenreißen und blaffe die Ordner an uns durchzulassen damit wir von diesem „fucking mountain“ wieder runterkommen. Das was der Veranstalter hier fabriziert hat ist lebensgefährlich für alle Beteiligten.

Einige km weiter stoppen wir und zwingen uns zur inneren Ruhe. Emotionsgeladen Mopped zu fahren, in einer Kurvenlandschaft wie hier, ist nicht gut. Anja hat ihren inneren Pessimisten wiedergefunden und möchte am liebsten alle Fahrradfahrer der Welt anbrennen. Nach dieser Beruhigungspause geht es weiter zur nächsten Fähre. Den Norddalsfjorden überqueren wir gemeinsam mit einem deutschen Motorradfahrer, der sich wundert wie man mehr als 300km an einem Tag fahren kann. Ich glaube, er ist hier im falschen Land. Die Distanzen hier überwindet man nicht wenn man pro Tag nur 150km schafft. Soviel Urlaub haben wir leider nicht zur Verfügung, um so zu trödeln. Er verbringt 11 Tage hier. Weit kommt er da nicht.
Der Geiranger soll es nun also richten. Er muss den Tag retten. Nichtmal das Nordkapp und die Lofoten sind so touristisch überlaufen wie dieser Fjord. Sofort werden wir angequatscht ob wir ein Gruppenfoto von ein paar Deutschen machen können. Imposant ist der Fjord mit seinen steilen Wänden ja schon. Die Aida Sol liegt vor Anker und wirkt richtig mickrig wenn man so von oben in den Fjord hinabblickt. Wir kommen kurz auf den wahnwitzigen Gedanken hier zu übernachten, lassen diesen aber sofort wieder fallen als wir den ersten Campingplatz sehen.

Am Ende des Fjordes quälen wir uns hinter Reisebussen und mit den Handys aus dem Fenster knippsenden Japanern die Serpentinen hoch. Es geht auf über 1000m in die Höhe. Wir sind umringt von großen Schneefeldern, die Temperatur sackt ab und es schüttet. Es gibt tatsächlich angenehmere Momente als diesen. Die Highlights sind irgendwie alle nicht so toll, wie erwartet oder haben einen riesen Haken und dann noch das: Ewig kommt kein Campingplatz in Sicht und auch keine Einkaufsmöglichkeit. Als wir endlich einen Platz finden, hat dieser zwar eine Ferienwohnung frei, aber die nächste Shopping Möglichkeit ist erst in 25km. Wir beschließen weiterzufahren und diese Entscheidung war endlich mal gut. Wir kommen an einem Coop vorbei und einen km weiter ist eine Hütte für uns frei. Der Regen hat aufgehört. Und kaum sitzen wir bei unseren Nudeln im Warmen, kommt tatsächlich die Sonne raus als möchte sie uns nochmal foppen.

Morgen geht es in die alpinste Landschaft Norwegens mit den höchsten Bergen (bis 2468m über Null) Skandinaviens. Mal sehen wie es uns da ergeht.

Skandinavientour 2016 – Tag 14 – 332km – Kristiansund

In der Hütte neben uns haben heute Nacht auch mal wieder Moppedfahrer geschlafen. Einer hatte eine Honda NTV. Das weckt Erinnerungen. Immerhin hat uns unsere NTV auch so einige km getragen. Erst mich alleine, dann zusammen und zum Schluss hat Anja ihre ersten km damit gemacht. Auch diese Biker sind wieder früher aktiv als wir. Den ersten Wecker versuche ich zu ignorieren. Mal sehen wer das Klingeln länger „ausliegen“ kann – Anja oder ich – okay… sie scheint es gar nicht zu hören. Ich krabbel raus und mach ihn aus. 15 Minuten später das gleiche Prozedere nochmal. Wir bräuchten dringend mal wieder nen Tag an dem wir lange ausschlafen, aber das gibt es erst daheim wieder. Morgenrituale sind gut, sie laufen quasi noch im Schlaf ab. So auch das Rührei machen, Tee kochen und Frühstück zubereiten. Der Blick nach draußen senkt die Lust auf Moppedfahren. Es regnet – mal wieder. Wir packen zusammen und Anja geht noch duschen, während ich abspüle. Die Wartezeit hat gereicht, es trocknet ab.

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Zum Warmwerden geht es erstmal direkt an der Küste entlang und noch nicht die E39. Kurven und schöne Ausblicke belohnen uns für diese Routenplanung. Dann geht es kurz auf die E39, nur um möglichst schnell wieder von ihr runterzukommen auf die 463. Wenigstens mal ein paar kleinere Straßen mitnehmen. Irgendwie kriegen wir heute beide nicht so viel von der Landschaft mit, da die Straßen einfach geil zum fahren sind. Irgendwann treffen wir wieder auf die E39, aber auch diese macht hier in der Region so richtig Laune. Das Ufer des Vinjefjorden ist auch ein Kurvengarant und lässt den Fahrspaß nicht absacken. Der Valsoyfjorden wird schnell überquert und wir streben immer weiter in Richtung Kristiansund. Die Hinweisschilder am Straßenrand versprechen eine schnelle Ankunft, doch das trügt. Wir wollen noch eine Schleife ins Landesinnere fahren. Doch vorher fahren wir mal wieder mit einer Fähre. Den Halsafjord überqueren wir mit der M/F Rauma die im 20-Minuten Takt wechselweise mit einer anderen Fähre verkehrt.

Heute läufts. Wir liegen super in der Zeit und die Straßen wetteifern darum, welche uns mehr mit Kurven begeistern dürfen. Die Zusatzrunde entlang des Tingvollfjorden, Trangfjorden, Alvundfjorden, Sundalsfjorden und auf der anderen Seite des Tingvollfjorden wieder zurück ist ein echter Glücksgriff gewesen. Immer wieder durchsetzt mit Tunneln reiht sich eigentlich Kurve an Kurve. Immer noch keine Zeit großartig auf die Landschaft zu achten. Bei den Fjordwechseln fällt eigentlich nur so richtig auf, dass die Landschaft auch abwechselt von karg, schroff und hoch zu sanft bewaldet und relativ niedrig. Bevor wir wieder auf die E39 treffen, fahren wir noch die „Route“ 666. Von Bergsoya auf die Insel Frei führt einer der längsten unterseeischen Straßentunnel Norwegens. Es ist immer wieder imposant zu sehen was hier an Ingenieurskunst geleistet wurde.

Kurz vor Kristiansund biegen wir ab auf den Campingplatz Byskogen und fragen wie üblich auf Englisch nach einer Hütte. Die Antwort kommt in perfektem aktzentfreien Deutsch. Okay, dann halt so. Wir nehmen für unsere Verhältnisse eine Luxushütte mit zwei Räumen. Doppelbett, Sofa, Küche, Dusche, WC und großem Flatscreen TV. Eigentlich würden wir uns gerne sofort aufs Sofa legen und alle Fünfe von uns strecken. Unser Plan für heute sieht aber noch einen Abstecher nach Kristiansund mit leichtem Gepäck vor. Wir wollen im Restaurant Smia direkt am Hafen essen gehen. Also schnell die Koffer geleert und wieder auf die Maschinen geschwungen. Die 7,5 km sind schnell gefahren. Direkt neben dem Restaurant kann man wunderbar parken. Wir bekommen einen Tisch im 1. Stock und studieren die Karte. Als Vorspeise lassen wir uns Bacalao kommen. Diese Speise besteht aus Stockfisch der mit Olivenöl, Paprika und Tomaten zubereitet wird. Das war allerdings nur ein kleiner Vorgeschnack auf unsere beiden Hauptgerichte: Lachsfilet mariniert in Honig und Wacholdbeeren mit leckerem Gemüse, einer Apfelsoße und gerösteten Kartoffeln / Klippfisch von der Insel Averoy mit leckerem Gemüse, Erbsenpüree, einer Buttercremesoße und Kartoffelpüree mit Speck –> KULINARISCHER ORGASMUS!!!
Ein Dessert musste natürlich dann auch noch sein. Hier wählten wir eine Käseplatte mit lokalen Produkten.
Also solltet ihr irgendwann mal nach Kristiansund kommen, können wir das Smia nur wärmstens empfehlen! Das Ambiente in dieser alten Schmiede ist außerdem auch noch sehr gemütlich.

Als wir nach dem Essen einen kleinen Fotospaziergang am Hafen machen wollen, stelle ich fest dass ich zwar Objektive und Stativ dabei habe, die Kamera aber noch im Tankrucksack in der Hütte liegt. Naja dann muss es eben das Handy richten. Die Runde fällt sowieso recht kurz aus, bevor wir noch zu einem REMA1000 fahren um uns mit Getränken und Frühstückszutaten einzudecken. Wieder an der Hütte angekommen nehmen wir das Sofa in Beschlag und nutzen die super Internetanbindung.

Morgen sollen gleich drei Highlights kommen. Die Atlantikstraße, Trollstiegen und der Geirangerfjord. Mal sehen wie aufnahmefähig unsere Köpfe noch sind.

Skandinavientour 2016 – Tag 13 – 327km – kurz hinter Trondheim

Wir haben super geschlafen. Die dritte Nacht im Zelt in Folge und wir freuen uns, dass das Wetter gehalten hat. Es ist immer noch trocken, auch wenn es nicht mehr blau ist am Himmel. Wir belegen wieder Bank und Tisch vom Vorabend und kochen – unter Überwachung vom Nachbarwohnmobil aus – unsere Rühreier auf dem Benzinkocher. Die Motorräder sind frisch getankt, die Sachen zügig gepackt und so kann es losgehen, die E6 weiter gen Süd-Westen zu fahren. Der Spanier von nebenan erkundigt sich noch nach den Tankstellen in Richtung Norden und ist erstaunt, dass die nächste leer sein soll. Er glaubt uns aber und fährt die 600m zur Statoil zurück um zu tanken. Kurz vor 11 Uhr sind wir dann auch auf der Strasse und reihen uns hinter zwei anderen Motorrädern ein. Auf nach Trondheim!

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Und das wars auch schon fast mit der Geschichte für heute. Die E6 ist ja ganz nett um zügig (naja mit den Begrenzungen ist zügig relativ) von A nach B zu kommen. Paar Kurven sind eingebaut, damit man nicht einschläft. Größere Stopps gibts keine. Wir halten lediglich mal kurz damit ich Handschuhe wechseln und noch eine Weste anziehen kann. Ich fahre immerhin ohne Innenfutter. Ab und an regnet es ein paar Tropfen, aber nie so richtig. Irgendwann treffen wir auf den Trondheimsfjorden und folgen diesem. Moment mal, wollten wir nicht unten um den rum? Das Navi ist da anderer Meinung. Warum… keine Ahnung. Wir entscheiden uns dem Ratschlag des Gadgets zu folgen und die mit der 755 bezeichnete Straße ist tatsächlich eine Verbesserung zur E6. Auf Höhe Trondheim soll es mit der Fähre über den Fjord gehen. Kurz vorher bringt uns ein Schild zu einem kleinen Abstecher nach rechts. Hier finden wir unsere erste Stavkirke (Stabkirche). Die Hindrem Stabkirche kann leider nur gegen Gebühr, nach vorheriger telefonischer Absprache besichtigt werden. Es bleibt also bei einigen Bildern von außen.

Auf den letzten Metern zur Fähre sehen wir, wie diese ablegt und uns davonfährt. Diesmal schaffen wir also keine Punktlandung. Da hier aber aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens zwei Fähren im Pendelverkehr fahren müssen wir nur 20 Minuten warten. Wir sind mal wieder in der ersten Startreihe neben einem Ninja-Fahrer. Was bewegt einen Norweger dazu, sich eine großvolumige Sportler zu kaufen? Schneller als 90 durften wir bisher nirgends fahren. Und auch dieser Kawatreiber zieht nicht davon, sondern hält sich brav an die Beschränkungen.
Wir rollen nach Trondheim rein und suchen einen Parkplatz nahe dem Nidarosdom. Fotoausrüstung zusammen gepackt, Helme am Motorrad angehängt und schon stapfen wir los. Der Dom kostet 9 NOK pro Person Eintritt. Ich finde es ja ein Unding für ein Gotteshaus eine Gebühr zu verlangen. Aber diskutieren braucht man da nicht, wenn man rein will muss man eben zahlen. Der Nidarosdom ist recht eindrucksvoll. Vor allem seine leuchtenden Fensterbilder. Nach einer ausgiebigen Runde in und um den Dom laufen wir in Richtung der Säule mit dem Standbild von Olav Tryggvason. Hier biegen wir rechts ab und stellen fest, dass es fast alles zu Essen gibt in Trondheim, außer einem typisch norwegischen Restaurant. Pizza, Döner, Tapas, Asiatisch – alles kein Problem. Landestypisch sieht man leider nicht. Wir laufen weiter bis zur Bybrua einer roten Holzbrücke die den Nidelv überquert. Hier biegen wir wieder rechts ab und schließen somit den Kreis zu den Motorrädern.

Nachdem wir Trondheim wieder verlassen haben gibt es drei Prioritäten: 1. Tanken, 2.Einkaufen. 3. Hütte finden.
Innerhalb von wenigen km schaffen wir alles drei und sitzen nun in Oysand in einer kleinen Hütte. Der Platz hat leider seine besten Tage hinter sich und ist ziemlich groß. Aber wenn man nur eine Nacht bleibt, dann ist der Wohlfühlfaktor nicht ganz so wichtig. Was wir brauchen ist eine warme Dusche, etwas zu Essen und ein Bett. Und das gibt es hier.

Morgen wollen wir bis kurz vor die Atlantikstraße fahren. Mal sehen, ob uns das Wetter an der Küste jetzt etwas milder gestimmt ist.

Skandinavientour 2016 – Tag 12 – 314km – Namsskogan

Wie immer reisst uns der Wecker viel zu früh aus dem Schlaf. Eine Unsitte auf diesen Motorradreisen ist ja dass man was vom Tag haben will und nicht bis in die Puppen schlafen kann. Gut dass im September noch ein Entspannungsurlaub ansteht. Da werden wir mal alle Wecker auslassen! Gut man kann das Ding auch ignorieren. Naja zumindest kurze Zeit. Also gut wir stehen ja schon auf. Warum ist das Zelt eigentlich nass? Richtig es hat geregnet. Das positive daran ist es hat auch schon wieder aufgehört. Aber wir dürfen wohl alles nass zusammenpacken. Naja auch net so wild. Zum Frühstücken setzen wir uns aus Bequemlichkeit in die Küche des Campingplatzes. Hier ist es schön warm. Zielsetzung heute: Ab in Richtung Süden.

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Die Fähre geht um 10:45 Uhr also haben wir genug Zeit in Ruhe alles zusammenzupacken und zum Anleger zu fahren. Es sind noch zwei weitere Motoradfahrer auf dem Platz, welche die Ruhe weg haben. Wir sind dann pünktlich um 10:30 am Anleger und reihen uns selbstbewusst von vorne ein. Um 10:40 kommen die beiden anderen – wirken leicht gehetzt und fragen ob sie die 10:30 Fähre verpasst haben. Ich glaub die haben gestern zu lange gefeiert. Vor unseren Augen legt gerade die Fähre an. Wir stehen in Pole Position im Laderaum und können auf der anderen Seite angekommen gleich voll durchstarten. Die zwei anderen sind verteilt und leicht unorganisiert (der eine will in Trondheim mal nach Bremsbelägen für seine KTM gucken – da komm ich mir etz doch wieder vorbereitet vor. Wir haben sogar hintere Beläge dabei weil diese bei Anja knapp werden könnten). Wir geben Stoff da die nächste Fähre nicht weit weg ist und wir keine Abfahrtszeiten von Ihr haben. Sind ja nur knapp 30 km von Anleger zu Anleger. Wir fahren in den Hafen und die Fähre steht startklar da um zu laden. Wieder kriegen wir die Pole Position und dürfen feststellen dass diese Überfahrt ca. 70 Minuten dauern wird. Also erstmal die Sachen gepackt und nach dem Aufenthaltsraum gesucht. Der ist im Rumpf des Schiffes unter dem Ladedeck. Nein danke das wird uns zu stickig. Wir gehen aufs Deck hoch und ich komme im Laufe der Überfahrt in den Genuss eine Zeitlang auf der Brücke Gast zu sein.

Was macht denn das Wetter heutre eigentlich so? Es ist relatv frisch, Die Wolken hängen tief und die Luftfeuchte ist ziemlich hoch. Also eher unangenehm. Aber es regnet nicht. Der Weg bis zur dritten und für heute letzten Fähre ist ca. 90 km lang. Mein Tankinhalt neigt sich langsam gen Ende und es kommt und kommt keine Tankstelle. Das Navi zeigt eine bei ca. 330 Gesamtkilometern mit dieser Tankfüllung. Das ist so ziemlich das äußerste Limit. Beruhigend zu wissen dass man 3,5l Sprit am Koffer hängen hat. Auf diesem Streckenstück erreichen wir kurzzeitig Höhenlagen jenseits der 300m, was bedeutet dass wir voll in den Wolken fahren. Nass, kalt und extrem kurze Sichtweiten machen das recht unschön. Aber wir fahren schnell wieder bergabwärts auf den nächsten Fähranleger zu. Direkt am Hafen soll eine Tankstelle sein sagt das Navi. Hoffentlich haut das mit der Fähre gut hin. Wir wissen auch hier keine Abfahrtszeiten. Leider – oder vielleicht auch gut so – liegt die Fähre schon startklar im Hafen. Ich muss hier aber noch tanken. Also schnell mal 22 Liter in den 22 Liter fassenden Tank gekippt und die Schlange wieder von vorne aufgerollt. Den Lademeister von der Seite angequatscht und er nimmt uns grad noch so mit. Punktlandung! Bezahlt wird mit Kreditkarte während der Überfahrt. Auch der Kaffeeautomat schluckt nur Kreditkarten. Mit Bargeld kriegt man keinen Kaffee! Super Sache! Könnte ich mich dran gewöhnen.

Nach nur 20 min. Fahrt sind wir wieder an Land. Diesmal allerdings nicht in Pole Position. Sondern ziemlich weit hinter den ganzen Wohnmobilen. Aber wir verlassen ja bald die Küstenstraße 17 und wollen mal sehen ob das Wetter jenseits der Küste im Landesinneren besser ist. Wir biegen ab auf die 78 und nachdem wir einen 11 km langen Tunnel durchquert haben fliegen Anjas Hände in die Luft (Put your hands up in the air put your hands up in the air!!!). Blauer Himmel und Sonne erwarten uns. Wir blicken in den Spiegel und können sehen dass die Wolken an dem Gebirgszug der die Küste von uns trennt regelrecht hängen bleiben. So vom Wetter motiviert lässt es sich gleich viel gelöster fahren. Alsbald kommt der Wechsel auf die E6 und es geht mit steten 80km/h dahin. Die Laune ist großartig danke des Bombenwetters.

Im Dahinfliegen erblicke ich zu unserer Rechten einen Wasserfall und sehe auch schon ein Hinweisschild. Der Wasserfall Laksforsen  hat eine Fallhöhe von rund 17 Metern und ist eine der meistbesuchten Naturattraktionen Nordlands. Hier muss natürlich der Foto raus. Wir legen eine 45-minütige Pause ein und genießen dieses Spektakel welches uns die Natur hier bietet. So langsam aber sicher bräuchte jetzt langsam auch Anjas kleines Spritsparwunder mal eine Tankstelle, also steuern wir mit knapp über 400 km auf Anjas Tacho eine Tankstelle an. Die nächste soll laut Hinweisschild erst in 70km kommen. Und was müssen unsere Augen erblicken? Es gibt kein Benzin mehr, nur noch Diesel. Die Tanks sind leer. Lieferung kommt erst in zwei Tagen wieder. Na dann auf zu unserem Tagesziel der Ortschaft Namsskogan. Wir folgen auf den nächsten 70 km beschwingt den Kurven welche die E6 hier von einem Tal ins andere Macht. Eine Landschaft wie in Kanada… oder halt Norwegen 😉 lädt zum genießen ein. Der Blaue Himmel tut so gut! In Namsskogan gehe ich schnell noch einkaufen. Anja macht große Augen und ist erstmal garnicht begeistert von meiner gekauften Auswahl. Bevor wir den Campingplatz entern tanken wir endlich nochmal die Motorräder auf. Anja hätte bei 530 gefahrenen km noch 3,5 Liter im Tank. Die Dl650 hat damit also eine Reichweite von 600km!!!