Sardinien 2017 – Tag 7 – Sarroch – 254 km

Die Nacht im Zelt war bis auf ein paar wilde Hunde und eine Kröte welche Lärm im Laub machte ruhig. Das verscheuchen der Hunde nutzten wir gleich für einen Toilettengang und dann waren wir wach! Gefühlt war es 7 Uhr morgens, real war es 2 Uhr. Wir brauchten ca. eine halbe Stunde bis wir wieder eingeschlafen waren. Den Wecker um 7:30 Uhr ignorierte ich bewusst und auch Anja träumte wohl noch zu schön um schon aufzuwachen. Genauso ging es dann auch weiter als wir uns dann irgendwann aus den Schlafsäcken gequält hatten. Wir kamen nur sehr langsam in die Gänge. Zum Frühstück gab es nochmal Käse, Salsicia und Ciabatta. Diesmal hatten wir auch tatsächlich Orangensaft gekauft, nicht wie am ersten Tag auf der Insel Pompelmo (Grapefruit)-saft. Ich war nur nach dem Bild auf der Packung gegangen und wunderte mich noch beim einschenken über die Farbe. Mein erster Schluck hatte dann bei Anja für unbändiges Gelächter gesorgt. Mir ist wohl total das Gesicht entglitten. Um kurz nach 11 Uhr waren wir dann endlich soweit und starteten in den Tag.

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Zügig ließen wir die Küste hinter uns und fuhren wieder durch bewaldete Täler ins Hinterland. Gestern waren mir schon einige Solarstromanlagen aufgefallen. Heute erblickten wir unzählige Windräder als wir einen Bergkamm erklommen. Die Energiewende scheint hier in Sardinien auch angekommen zu sein. Die Landschaft hier im Hinterland ist total nach unserem Geschmack. Endlose Täler, grün bewaldete Hügel, immer wieder schroffe Felsen und zwischendrin sieht man immer wieder von Menschen angebautes. Olivenbäume, Kakteen und ein bisschen Wein begleitet uns über die Insel. Die kleinen Dörfer welche an den Berghängen zu kleben scheinen sind kunterbunt. Die Straßen sind immer wieder geschmückt mit Girlanden und überall blicken wir in freundliche Gesichter. Die Kinder lachen uns an und jauchzen wenn wir Gas geben, gestern platzierte sich eine Gruppe von Jungs sogar extra mit ausgetreckten Händen um abzuklatschen, ein Spass den wir gerne mitmachten.

Am Fluss Flumendosa legen wir eine Pause ein. Kurz vor der Ortschaft Ballao bildet er ein Becken aus neben welchem Tische und Bänke stehen um einen Picknickplatz zu schaffen. Wir sind völlig alleine hier. Die Stille legt sich förmlich um uns. Wir machen ein paar Fotos und genießen die Sonne und das Gezwitscher der Vögel. Nach dieser Pause geht es wieder in Richtung Küste. Die Straßen heute sind viel größer und besser ausgebaut als gestern. Wir kommen zügig voran und ich habe schon bedenken dass wir uns zu wenig vorgenommen haben für heute…da war er wieder der Plan. Das hatte heuer irgendwie noch nie funktioniert mit dem Planen.

Die Küste erreichen wir am Capo Ferrato. Auf dem Weg direkt ans Meer übersehe ich ein Schlagloch und krache voll mit dem Motorschutz auf einen Stein. Dank diesem ist nichts passiert außer dass er jetzt etwas krumm ist. Wir stehen mit den Motorrädern direkt am Sandstrand, lassen die Jacken und Helme liegen und fotografieren ein wenig. Nach der Pause geht es weiter in Richtung Süden. Die Küste wird schroffer und gefällt uns immer besser. Unser Favorit ist nach wie vor die Kroatische Küste. Wer einmal die Jadranska Magistrale gefahren ist wird diese nie wieder vergessen und immer versuchen Vergleiche zu ziehen. Wir stoppen nochmal hoch über dem Meer und genießen den Ausblick und unterhalten uns. Wir vergessen beinahe die Zeit.

Der Campingplatz Pini e Mare in Capitana ist eigentlich unser heutiges Tagesziel… eigentlich. Der Platz war komplett leer. Kein einziger Gast. Auch an der Rezeption war keiner zu finden, nur ein Schild dass in 15 Minuten wieder jemand da ist. Wir nutzen die Gelegenheit um uns die Sanitären Einrichtungen anzusehen und beschließen sofort weiterzufahren. Kein Wunder warum hier niemand ist. Nun liegt Cagliari die größte Stadt Sardiniens, Hauptstadt der Autonomen Region Sardinien in Italien sowie Hauptstadt der Metropolitanstadt Cagliari vor uns. Wir überlegen ein B&B im Umfeld der Stadt zu nehmen und fahren zwei auf Booking.com gefundene an, nur um festzustellen dass keiner die Tür aufmacht. Na gut dann doch weiter zum nächsten Campingplatz, bevor wir hier noch lange rumsuchen. Wir versuchen die Stadt weitestgehend zu umfahren und stellen fest dass sie sehr industriell geprägt ist. An der Küste westlich von Cagliari hat sich Petrochemie breit gemacht. Endlose Anlagen reihen sich aneinander. Es ist dreckig, es stinkt und der Verkehr ist reinstes Chaos. Wir stoppen an einem Supermarkt um unsere Essens- und Geränkevorräte aufzufüllen. Während Anja einkaufen ist recherchiere ich nochmal die kommenden Campingplätze und finde nichts gutes über diese. Aber in 10 km Entfernung finde ich noch zwei B&Bs welche super Bewertungen haben. Wir beschließen kurzerhand nochmal einen Versuch zu starten und fahren zum Agriturismo Santa Barbara.

Der Besitzer spricht leider nur Italienisch und so beschränkt sich die Kommunikation aufs nötigste. Wir werden uns binnen 2 Minuten einige dass wir „una Notte“ + Handzeichen für Schlafen und einmal auf mich deuten und zwei Finger hochhalten wollen. Er zeigt mir ein Zimmer, ich zeige ihm Daumen hoch und schon haben wir eingecheckt. Um 8 Uhr soll es morgen Frühstück geben. Auch das wurde per Handzeichen geklärt. Das Wort Wifi führte zu einem Lte Router von dem ich mir das Passwort abfotografierte. Ich liebe diese einfache Kommunikation. Wenn beide wollen dann klappt das wunderbar. Die Zimmer scheinen nagelneu gemacht zu sein und sind sehr geräumig. Noch einmal vespern wir Käse, Salsicia, Ciabatta und einen einfachen Salat. Die Route für morgen noch kurz abgesprochen und schon geht es nach einer heißen Dusche ab ins Bett.

Heute morgen hatte ich mir noch Gedanken gemacht dass wir uns für heute zu wenig vorgenommen haben. Nach 254 km und einer nicht ganz reibungslosen Suche nach einer Unterkunft ist es nun 22 Uhr und der Tag war gut ausgefüllt so dass wir die schönen Betten genießen. Trotzdem freuen wir uns darauf morgen wieder das Zelt aufzubauen und draußen zu schlafen.