Pyrenäentour 2017 – Tag 9 – 234 km – Canfranc Estacion

Der Wecker klingelt. Ich frage mich wo ich bin, ich hatte doch gerade erst noch Probleme einzuschlafen und habe mich hin und her gewälzt. Ich bin diese Nacht nicht einmal aufgewacht! Das ist mir im Zelt schon lange nicht mehr passiert. Ich realisiere dass ich im Schlafsack eingepackt bin. Auch das ist ungewöhnlich. War es doch die letzten Tage meist sehr heiss. Dann gehen langsam meine Augen auf und ich stelle fest dass keine Sonne scheint. Anja öffnet auch gerade die Augen und wir bleiben einfach noch ein paar Minuten liegen. Es ist still hier, die Kinder von dem Zeltlager, welches auf dem Campingplatz Quartier bezogen hat schlafen scheinbar auch noch. Na gut Aufstehen muss sein, also los. Die Zelttür fasst sich irgendwie komisch an. Sie ist nass. Es hat heute Nacht scheinbar geregnet. Wir haben beide nichts davon mitbekommen.

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Nach einem kurzen Frühstück haben wir reltiv zügig aufgepackt und starten munter in den Tag. Die Temperaturen sind äußerst angenehm, es scheint keine Sonne. Wir haben geschlossene Wolkendecke. Wie schön!!! Noch keine 2 km auf dem Motorrad kommen schon die ersten Kehren und der Hourquette d`Ancizan begrüsst uns nach einer kurzen Nebel/Wolkendurchfahrt im schönsten Sonnenlicht. Die Wolkendecke hängt unter uns und es bietet sich ein wundervoller Ausblick den wir intensiv mit den Kameras festhalten.

Das erste Highlight des Tages ist nicht weit entfernt. Der Col du Tourmalet, einer der bekanntesten Pässe der Tour de France zaubert uns ein Lächeln auf die Lippen. Wenig Spitzkehren, dafür eine lang gezogene kurvige Auffahrt, so muss das sein! Genauso geht es Ihn nach einem Fotostopp und einem Schwätzchen mit einem Niederländer auch wieder hinab. Ein perfekter Pass! Noch dazu einer der höchsten auf unserer gesamten Tour, ist er doch auch der höchste asphaltierte befahrbare Pass der französischen Pyrenäen. Die Zeit verfliegt, wir haben schon ziemlich viele Fotostopps eingelegt. So geht es zügig weiter zum Col des Borderes und dem Col du Soulor. Diese beiden Pässe machen nur beschränkt Spass. Zum einen herrscht hier dichter Nebel so dass wir im zweiten Gang mit maximal 30km/h voran kommen. Stellenweise noch deutlich langsamer. Zum anderen Ist oben auf dem Col du Soulor Schluss mit unserer geplanten Route. Ein Bauarbeiter erklärt mir mit Händen und Füssen dass wir entweder 1,5 Stunden warten müssen oder einen anderen Weg weiter fahren dürfen. Erinnerungen an unseren Kleinen Umweg letztes Jahr in Norwegen kommen auf. 180km hatte uns das Umfahren eines kompletten Fjordes beschert.

Heute sollte es nicht so schlimm kommen. Im Gegenteil, wir wissen zwar nicht wie die geplante Route gewesen wäre, aber die alternative war der Hammer. Grüne bewaldete Täler, die einen gefühlt in die Filmwelten aus Avatar versetzten. Der Hammer! Dazu Kurven satt und ein französisches Pärchen auf einer BMW vor uns die einen flotten Stiefel vorlegten. Ich genoß es mich hinten dran zu hängen und ließ mich mitziehen. Bremspunkte waren schön zu erkennen und Gefahrenstellen kannten die beiden scheinbar aus dem FF. Hinterherfahren ist auf unbekannten Straßen schon ganz angenehm.
Nachdem wir wieder auf unserer geplanten Route zurück waren stellten wir fest dass der Umweg uns nur 15 Minuten gekostet hatte. Perfekt! Nach dem Col du Porteigt folgte gleich der Col de Marie Blanque und wir legten noch einen kurzen Tankstopp ein um für die ersten km in Spanien ausgerüstet zu sein. Das heutige Tagesziel rückte näher als Anja mit der Idee aufkam wir könnten uns doch im nächsten Ort mal schnell einen Snack aus Käse und etwas Süßem besorgen um eine kurze Pause einzulegen. Gesagt, getan. Zwei Sorten Ziegenkäse, Baguette und eine kleine Tartellete kombiniert mit einer Bank führten fast zu einem kulinarischen Orgasmus. So muss das sein im Urlaub. Also auf die letzten 40 km sitzen wir auch noch ab.

In Urdos mussten wir dann nochmal einen Stopp einlegen um die in die Felswand gebaute Festung Fort du Portalet zu fotografieren. Immer wieder bin ich froh das 70-200mm Objektiv doch mitgenommen zu haben. Die Festung ist leider nicht zugänglich, so blieb uns nur das Teleobjektiv aus der Distanz. Ein letzter Pass trennt uns noch von Spanien.

Der Col de Somport führt uns direkt zu unserem heutigen Tagesziel: Canfranc-Estacion einem stillgelegten Bahnhof, welcher bei Fotografen sehr beliebt ist. Wir haben uns für heute im Hotel & Spa Real Villa Anayet ein Zimmer gesichert. So können wir unser Gepäck und die Motorräder sicher verstaut zurücklassen während wir uns einen ausführlichen Fotowalk durch das alte Bahnhofsgelände gönnen. Ein wahres Paradies für Lost Place Liebhaber (oder wie es neuerdings heisst Urbex Fotografen). Nach Motiven muss man hier nicht suchen, sie springen einen an. Das Gelände des Bahnhofes ist gut zugänglich und man kann zahlreiche alte Waggons und die Bahnsteige besichtigen. Das eigentliche Bahnhofgebäude ist eingezäunt und wird per Videoanlage überacht. Es bieten sich hunderte Motive und Eindrücke für welche man sich eigentlich eine Woche Zeit nehmen sollte. Gute 2 Stunden vergnügen wir uns bevor es Zeit wird zu duschen und etwas zu Abend zu essen.

Wir passen uns an die Spanischen Gebräuche an indem wir erst relativ spät für unsere Gewohnheiten ins Restaurant gehen. Um 21:30 beginnt unser Kampf mit der Sprachbarriere. Jamon Schinken als Vorspeise und Rinderfilet als Hauptgang soll es sein. Da ist er der kulinarische Orgasmus, welcher sich schon beim Ziegenkäse angekündigt hatte. Die Filets werden vor unseren Augen im offenen Kamin von der Flamme geküsst um dann perfekt Medium rare unseren Gaumen zu erfreuen. Das Hotel ist der Hammer… und das zu einem Preis der in Deutschland mindestens doppelt so hoch wäre. Um 23:30 sind wir endlich auf dem Zimmer und schwelgen noch immer im Genuss des Tages. Sowohl die Fahrtstrecke, die Fotomotive als auch das Essen welches wir heute genossen haben waren unbeschreiblich. Beim schreiben dieser Zeilen fallen mir bereits mehrfach die Augen zu. Aber ich muss die Erinnerungen festhalten solange sie frisch sind denn morgen gibt es schon wieder ganz viele Neue! Hier nun noch eine etwas umfangreichere Auswahl an Bilder des alten Bahnhofsgeländes.

 

Pyrenäentour 2017 – Tag 8 – 252 km – Guchan

Die Nacht war kalt, ja ihr lest richtig. Mir war kalt. Ich hatte beschlossen Anja meinen leichteren Schlafsack zu überlassen und ich wollte mir zur Not nur den Cocoon (so ein Schlafsackinlet) überwerfen. Es sollte ja minimal 18 Grad haben heute Nacht. Ich hab keine Ahnung wie kalt es wirklich war, aber ich habe gefroren und das im Cocoon. Deshalb war es mir zum Frühstück dann auch nach Tee. Anja schaute mich verstört an als ich bei 24 Grad Tee aufbrühte, trank aber auch brav 2 Tassen. Ist ja schließlich gut für den Flüssigkeitshaushalt. Wir kamen nicht so richtig in die Pötte und so wurde es 11:09 Uhr bis wir endlich starteten. Tagesziel war so grob angepeilt der Lac d’Aumar um dort auf über 2000 Höhenmetern an einem See wild zu campen und evtl. ein paar schöne Sonnenuntergangs und Sonnenaufgangsbilder zu machen. Und bei ganz viel Motivation evtl. auch noch einen Milchstrassenshot. Pläne und so… man sollte keine machen.

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Wir begannen den Tag auf der Route des Corniches einer im Reiseführer als besonders schön erwähnten kleinen Bergstrasse. Sind nicht alle kleinen Begrstrassen besonders schön? Noch dazu in so einer Gegend wie den Pyrenäen? Überhaupt muss man hier mal etwas zur Gegend sagen. Trotz der Hitze und Trockenheit die hier herrscht ist alles saftig Grün. Die Wälder bestehen zu großen Teilen aus Laubbäumen und die Wiesen blühen kunterbunt. Wenn man den Blick mal von der Strasse und der nächsten Kurve abwendet dann ist es hier echt schön. Man bewegt sich durch Täler an Flüssen entlang, findet Wasserfälle fährt über den einen oder anderen Pass, hier Col genannt. Heute eine ganze Reihe von den Dingern:
– Les Port de Ers
– Col de Agnes
– Col de Latrape
– Col de Core
– Col du Portet d Aspet
– Col de Mente
– Col du Peyresourde
– Col de Azet
Acht von den Dingern sind wir heute hoch und auch wieder runter gefahren. Manche mit Spitzkehren und manche ziehen sich einfach ewig lang ein Tal entlang hoch. Auf jeden Fall bleib ich dabei. Alle schöner als das was die Dolomiten so bieten.

Eines zeichnet die Franzosen aus. Baustellen und Rollsplit! Auf nahezu allen Cols wird die Strasse ausgebessert. Schäden vom Winter werden beseitigt oder ein neuer Fahrbahnbelag wird aufgebracht. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen und etwas Geduld ließen uns die Bauarbeiter immer passieren auch wenn eine komplette Seite des Passes gesperrt war und quasi jede Kehre repariert wurde. Das wäre so in Deutschland nicht möglich.

Wir kamen prizipiell den Tag über gut voran, legten aber relativ viele Stopps ein. Es soll ja auch paar Bilder von der Tour geben 😉 Und bis man mal das Stativ und die Filter ausgepackt und danach wieder eingepackt hat dauert eben. So zeichnete sich irgendwann ab dass unser Tagesziel der Lac d’Aumar eigentlich nicht mehr sinnvoll zu erreichen ist. Noch dazu zog über uns ein Gewitter auf und wenn etwas nicht sein muss dann ist es wild Campen auf über 2000 Höhenmeter bei Gewitter in den Pyrenäen an einem See. Unsere Mütter wären stolz auf uns ob solch kluger Entscheidungen und so suchten wir uns kurzerhand wieder einen ACSI Campingplatz und steuerten diesen an.

Zelt aufbauen, kochen, duschen, morgen planen… ja mal wieder ein Plan! Es geht nach Canfranc Estacion einem verlassenen Bahnhof an der spanischen Grenze. Dort haben wir uns bei Booking.com ein Hotel gesucht da in größerem Umkreis kein Campingplatz zu finden war und wir wollen abends noch ein bisschen knipsen gehen.

Pyrenäentour 2017 – Tag 7 – 214 km – Ax les Thermes

Um 6:45 holt mich der Wecker aus dem Schlaf. Ich widme mich kurz der Morgentoilette und ziehe mich an. Dann fahre ich mit Anjas Motorrad nach Perpignan wo ich um 8 Uhr bei CIR (so ähnlich wie in Deutschland Trost) eintreffe. Hier soll ich laut dem Rollerhändler Conflent Cycles das Lager abholen. Ich sehe aber erstmal nur in ratlose Gesichter. Das Teil ist nicht vorrätig. Ich verweise nochmals auf den Anruf vor zwei Tagen und endlich erinnert sich ein Mitarbeiter an den „Allemand“ der heute etwas abholt. Nun wird man auch im Computersystem fündig. Das Teil wird für 11 Uhr erwartet. Also nochmal warten. Ich lege mich neben das Motorrad auf den Parkplatz und versuche im Schatten eines Baumes noch ein wenig zu dösen. Sind ja nur drei Stunden. Um 10:45 fährt ein Postauto auf den Hof und ein Mitarbeiter von CIR kommt herausgelaufen, reißt noch auf dem Parkplatz das Paket auf und winkt mir mit dem Lager. Alles wird gut! Ich nehme das Lager in Empfang und mache mich auf den Weg zurück nach Prades zu Conflent Cycles.

Zuerst sammle ich Anja noch am Hotel ein und wir tauschen wieder Motorräder. Um 11:50 stehe ich beim Schrauber auf dem Hof und berichte ihm begeistert dass ich das Lager jetzt habe und frage wann wir es tauschen können. Er verweist mich auf 14 Uhr da jetzt erstmal Mittagspause ist. Ich bin ja kein unfreundlicher Mensch und schlucke runter was ich in dem Moment denke. Die Aktion dauert höchstens 10 Minuten. Na gut ein freundliches Lächeln und nochmal zwei Stunden warten. Diese verbringen wir bei Mc Donalds im Schatten mit Toiletten in der Nähe und Free-WIFI. Na gut wir essen entgegen unseren Gewohnheiten auch etwas. Schon zum zweiten Mal in diesem Urlaub. Aber es ist wie immer nicht wirklich befriedigend was man da so bekommt. Auf dem Weg zur Werkstatt decken wir uns noch mit Wasser ein und pünktlich um 14 Uhr (der Deutsche schlägt da voll durch) sitzen wir auf den abgebauten Koffern vor der Halle und warten dass die Tür auf geht. 14:15 nix ist passiert… ich schlendere mal um die Halle und siehe da hinten ist offen und zwei Mann sind am werkeln. Nix Pause, ich soll meine Maschine von hinten in die Werkstatt schieben. Schnell ist das Heck an einem Kran aufgehängt, das Rad draußen und die Misere begutachtet. Für mich sieht das verbaute Lager aus wie aus dem Laden. Es ist auch nicht im geringsten ausgeschlagen. Egal, jetzt wird es getauscht! Also das Alte raus, das Neue rein. Achja und da war ja noch was. Sitzen die Spacer richtig? Ja sie waren beide korrekt montiert. KEINE Ursache für das Wackeln des Kettenrades erkennbar! Also das Rad wieder rein und geprüft und siehe da: Es ist besser, aber nicht weg. Es wackelt immer noch, na gut es hat weniger Spiel, aber es wackelt immer noch. Der Franzose kommentiert mit einem lässigen: le normal! Und ich sitz etz da mit dem Ding. Also gut dann geht es eben so weiter. Wir werden es gut im Auge behalten und zu Hause dann nochmal gründlich prüfen. Ich bin jetzt jedenfalls sicher dass das Lager 100% in Ordnung ist!

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Nachdem wir uns ausführlich bedankt haben für die Hilfe packen wir wieder alles auf und fahren noch schnell tanken bevor es endlich weiter in Richtung Westen geht. Grobes Ziel für heute – es ist ja bereits 15 Uhr – ein ACSI Camping Platz in Ax les Thermes. Endlich wieder fahren! Die Hitze lässt mit jedem Höhenmeter den wir gut machen nach. Das ist echt angenehm! Wir erklimmen den ersten Col des Tages – den Col de Jau. Von dort geht es direkt weiter zum Col du Garavel und im Anschluss zum Col de Moulis. Die Aussicht ist sagenhaft, die Straßen ein Traum – wer die Dolomiten liebt war noch nicht hier! Die kleinen Dörfer die sich an die Hänge schmiegen oder auf kleinen Gipfeln thronen sind wunderschön anzuschauen. Allerdings muss ich auch sagen dass es mir schwer fällt die Umgebung richtig in mich aufzunehmen. Es sind einfach zu viele Kurven die unsere Aufmerksamkeit benötigen. Und auf Anhalten habe ich nach der Zwangspause keine Lust. Ich will endlich wieder vorwärts kommen.

Der letzte Pass des Tages und unser erster 2000er auf der Tour wird der Col de Pailheres mit 2006m. Direkt auf der Passhöhe steht eine Herde Pferde die mit „Kuhglocken“ ausgestattet sind. Der Pass selbst ist über und über bedeckt mit plattgefahrenen Pferdeäpfeln. Wir legen hier einen kurzen Fotostopp ein und genießen den Ausblick. Ein Schild weist auf Investitionen in Höhe von 1.300.000 Eur hin. Und nur wenige Meter weiter ahnen wir auch in was die gerade aktuell investiert werden. Die Straße den Pass hinab in Richtung Ax les Thermes ist gesperrt. Jetzt kommt wieder der korrekte Deutsche durch und ich überlege ob wir es trotzdem probieren sollen als ich einen wild winkenden Bauern sehe der uns bedeutet einfach weiterzufahren. Also gut wenn der das sagt, er kennt sich hier besser aus als wir. Nach einigen Kehren passieren wir eine frisch geteerte Fläche, die Bauarbeiter weisen uns genau ein wo wir entlangfahren sollen.

Nachdem die Reifen wieder sauber gefahren sind und die frisch geteerte und mit Rollsplit bestreute Straße wieder in alten Teer übergegangen ist stellt sich auch wieder Kurvenspass ein. Da nähert sich aber auch schon unser Tagesziel. Die Straßen werden nass , es scheint hier erst geregnet zu haben. Wir rollen durch Ax les Thermes, kaufen noch kurz ein und tanken die Motorräder voll. Dann stellen wir das Zelt auf und kochen uns was leckeres um den Abend vor dem Zelt ausklingen zu lassen. Der Platz ist toll! Die Temperaturen sind endlich erträglich. Wir freuen uns auf die Nacht im Zelt. Es ist jetzt 22:30 der Bericht ist geschrieben, wir haben Wäsche gewaschen und einen tief zufriedenen Zustand. Ich glaube jetzt sind wir im Urlaub angekommen.

Pyrenäentour 2017 – Tag 5 + 6 – 209 km – gestrandet in Prades

Wir versuchen möglichst früh aufzustehen um der größten Hitze aus dem Weg zu gehen. Unsere Erschöpfung verhindert dies aber halbwegs. So kommen wir erst um 7:30 Uhr aus dem Zelt und brauchen auch relativ lang bis wir gepackt haben. Wir wunderten uns noch dass es uns nicht aus dem Zelt geglüht hat um dann freudig zu erkennen dass zum Unmut unserer Platznachbarn der Himmel komplett bewölkt war. Zum Frühstück gab es schnell noch Croissants aus dem Shop des Campingplatzes. Um 9:30 Uhr sind wir dann endlich wieder unterwegs.

Unsere Zielsetzung für heute: Endlich in die Pyrenäen! Das restliche Stück Küste bis Argeles Sur Mer läuft ganz gut, auch wenn uns die Landschaft nicht reizen kann. Wir erreichen das erste Etappenziel für heute gegen 12 Uhr und legen einen kleinen Stop ein bei dem ich Elli ein wenig Öl gönne. Bei den Temperaturen verbraucht sie davon so einiges. Das war in Norwegen irgendwie auch weniger.

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Von nun an soll es also gen Westen gehen bis wir den Atlantik erreichen. Das beginnt erstmal mit dem Verlassen des Großraumes Argeles Sur Mer auf etwas größeren Straßen. In Saint Jean Pla de Cortes biegen wir rechts ab und es beginnt. Kleinste Sträßchen, Kurve an Kurve ein Traum für jeden der nicht zwingend Rennstreckentempo haben muss. Wenn, ja wenn da nicht die Hitze wäre. Die Dörfchen auf oder an den Hängen sind dicht bebaut, meist kann man nur nebenan Parken und um in Moppedklamotten reinzulaufen ist es uns einfach viel zu warm. Ohne unsere Trinkrucksäcke würden wir das nicht überstehen. Sie ermöglichen es uns dem Körper regelmäßig Flüssigkeit zuzuführen. Unser Geschwindigkeitsdurchschnitt sackt ins Bodenlose, den zweiten Gang verlasse ich nur selten. Aber die Straßen machen Spass und es nimmt kein Ende. Wir fahren über den Col Xatard und den Col de Polomere. Straßenarbeiter warnen uns vor frischem Rollsplit und wir bedanken uns. Anja hat das „Merci“ schon mehr verinnerlicht als ich. Bei mir kommt immer noch automatisch ein „Thanks“ und dann erst ein „Merci“. Wir benötigen drei Stunden für 91 km. Es war eine wunderschöne Strecke genau so wie es uns gefällt und doch haben wir es nur zum Teil genossen. Anja kommt mit der Hitze besser zurecht als ich. Ich ziehe mich daran hoch dass es in Richtung Atlantik besser wird.

In Prades wollen wir tanken und unsere Wasservorräte auffüllen. Einen Plan machen wo wir heute Campen wollen. Ca. 50 km wollen wir noch fahren dann soll Schluss sein für heute. Während Anja einkaufen geht drehe ich meine übliche Runde um die Motorräder checke Ölstand, Reifen und die Ketten. Und dann fällt mein Blick auf den Spacer am Kettenradträger und ich sehe deutlich dass dieser sich in der Dichtung bewegt. Dies sollte nicht sein. Sofort liege ich am Boden und wackle am Kettenrad und tatsächlich es lässt sich 2-3 mm hin und her bewegen. F..k das Kettenradträgerlager hatte ich noch kurz vor dem Urlaub gewechselt. Nach nun knapp 1800km scheint dieses wieder defekt zu sein. Was sind die Folgen? Kann ich so weiterfahren? Kann ich so weiter in die Pyrenäen fahren wo wir noch schwieriger an Ersatzteile kommen? Klare Antwort: Nein!

Anja kommt mit dem Einkaufswagen zurück und sieht mich am Boden hinter dem Motorrad liegen. Wir beschließen eine Werkstatt in Prades zu suchen. Kein Wort Französisch zu sprechen erweist sich als nicht besonders hilfreich. Hier in Prades begegnet uns aber jeder freundlich und hilfsbereit. Mit Hilfe einer Dame aus einer Renault Werkstatt finden wir eine „Moto garage“. Der Mechaniker versteht mein mit Händen und Füssen beschriebenes Problem und hat leider kein passendes Lager vorrätig. Er kann aber eines bestellen welches Mittwoch vormittags in Perpignan verfügbar wäre. Da heute bereits kurz vor Ladenschluss ist und wir keine andere Alternative sehen bestellen wir es.

Nun heisst es hier abwarten bis wir das Teil am Mittwoch abholen können um es dann in der Werkstatt zu wechseln. Wir suchen uns über booking.com ein Hotel und fallen nach einem kurzen Vesper völlig erschöpft ins Bett. Bei mir ist irgendwie total die Luft raus. Wie schaffen es manch Langzeitreisende sich bei Defekten immer wieder zu motivieren? Ich bewundere diese Lebenseinstellung. Anja versucht mich aus der Depriphase wieder rauszuziehen dies gelingt ihr aber nicht bevor uns der Schlaf übermannt.

13 Stunden später wachen wir auf und sind immer noch völlig platt. Wir gehen nochmal die Optionen durch welche wir nach dem Lagerwechsel haben. Fazit ist wir müssen erstmal sehen was die Ursache für das Versagen nach nur 1800km ist. Wir brauchen etwas zu Essen also laufen wir los in Richtung Ortsmitte und stoßen auf einen fröhlichen französischen Markt. Hier gibt es alles was man fürs tägliche Leben so braucht. Nicht nur Nahrungsmittel und Kleidung sondern auch Matratzen oder Fenster kann man hier kaufen. Wir Essen Crepe und Churros zum Frühstück. Das technische Problem rückt für den Moment in den Hintergrund. Wir lauschen einer Musikgruppe und beobachten tanzende Menschen. Und das alles an einem Dienstag Vormittag! Wir kaufen Käse, Wurst, Obst, Gemüse und Brot um heute Abend etwas zu Essen zu haben. Dann geht es zurück zum Hotel. Die Hitze wird wieder unerträglich. Wir verbringen den Nachmittag im Zimmer. Anja liest und ich widme mich den Berichten der letzten zwei Tage und unseren Bildern.

Hoffentlich können wir das Problem mit dem Lager morgen Vormittag nachhaltig lösen so dass wir weiter fahren können. Wir wollen heute wieder bald schlafen und ich will um 7 Uhr bereits nach Perpignan aufbrechen um das Ersatzteil zu holen.

Pyrenäentour 2017 – Tag 4 – ca. 372 km – Narbonne

Der Ausflug zu den Lavendelfeldern war definitiv genial! Unglaublich wie sich die lilafarbenen bis zu hüfthohen Büsche in sauber gepflegten Reihen bis zum Horizont erstrecken. Das ist definitiv eine Location die jeder Fotografie begeisterte mal aufgesucht haben sollte. Mein Tipp: Paar Tage Zeit nehmen. Unser eigentliches Ziel sind ja die Pyrenäen, daher hatten wir nur den einen Abend / Sonnenuntergang um ein paar Eindrücke festzuhalten. Aber das wichtigste ist nicht nur durch den Sucher zu gucken, sondern auch mal die Szenerie einfach auf sich wirken zu lassen. Tief einzuatmen und den Duft in sich aufzunehmen. Um ca. 23 Uhr waren wir wieder zurück im Hotel und fielen wieder in einen tiefen Schlaf.

Um kurz vor 7 Uhr holte uns der Wecker aus eben diesem. Packen war angesagt. Dann die erste Ladung Zeugs zu den Motorrädern bringen und direkt noch im kleinen Laden Frühstück kaufen. Brie, Hartkäse, Baguette und Croissants. Damit kann der Tag beginnen. Nach dem Frühstück zügig den Rest zusammengepackt und um 9:03 Uhr ging es dann los, erstmal in Richtung Westen weiter durch den Parc naturel régional du Verdon. Diese Naturschutzparks haben es uns sehr angetan. Schöne Landschaft, kurvige Straßen und wenig Verkehr. So kann es weitergehen. Wir können immer noch nicht richtig glauben dass hier Mitte Juni noch Nebensaison ist. Uns glüht es fast durch die Motorradklamotten.