Sardinien 2017 – Tag 5 – Orgosolo – 176 km

Ausgeschlafen aufwachen ist toll. So soll Urlaub sein. Wir sehen durchs Fenster schon den blauen Himmel und springen förmlich aus dem Bett – NEIN! Wir sind natürlich müde wie immer und wer will früh schon aufstehen? Erst recht wenn er in einem saubequemen Bett mit Panoramafenster und Blick aufs Meer aufwacht. Naja wir haben ja keinen Stress die Tagesdistanzen sind eher kurz. Wir machen uns erstmal Rühreier und frühstücken gemütlich – irgendwie hab ich beim einkaufen gestern Pompelmo Saft erwischt statt Orangensaft… Grapefruitsaft am Morgen, das ist echt übel!!! Dann wird gepackt, die Moppeds aus der Garage geholt und verzurrt. Um 10:25 starten wir dann endlich das Abenteuer Sardinien.

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Die SS125 an der Küste entlang soll sehr schön sein und bei Motorradfahrern beliebt… soll? Naja der Funke springt nicht so recht über. Die SS125 ist auf jeden Fall viel befahren und die Kurven sind überschaubar. Besser wird das heute erst als wir sie verlassen und die SS129 ins Landesinnere nehmen. Hier herrscht weniger Verkehr und die Kurven machen schon mehr Laune. Landschaftlich merkt man deutlich dass es bis gestern 8 Monate lang keinen Regen gab. Alles ist vertrocknet und staubig. Wir verlassen die SS129 um zu einer besonderen Quelle zu fahren. Die Quelle liegt am Nordhang des bis zu 1463 m hohen Supramontemassivs. Sie ist der Ausgang eines riesigen, bis zu einer Tiefe von 135 Metern erforschten Karsthöhlensystems. Das Wasser entspringt einem bläulich schimmernden Quelltopf, an dessen Grund sich die Austrittstelle, eine Spalte im Kalkfelsen, befindet. Der dort entspringende Bach mündet schon nach wenigen Metern in den Fluss Cedrino, der in das Mittelmeer fließt. Die Karstquelle ist mit einer mittleren Schüttung von 300 Liter pro Sekunde die wichtigste Quelle Sardiniens und wurde als Naturdenkmal ausgewiesen. Die Schüttung kann in Spitzenzeiten auf über 50.000 l/s ansteigen. Hier begegnen wir einem anderen Pärchen aus Würzburg (die Franken sind aber auch überall) welche Sardinien mit dem Mietwagen erkunden.

Der Nächste Stopp ist auf dem Monte Ortobene, dem Hausberg von Nuoro, geplant. Der Weg dorthin zaubert ein Lächeln auf unsere Gesichter und wir genießen die Kurven und den nicht vorhandenen Verkehr. Der Ausblick vom 900 Meter hohen Berg kann sich sehen lassen. Wir beobachten ein wenig die Wolken beim ziehen bevor wir die letzten km des Tages unter die Räder nehmen. Wieder erfreut uns die kurvige Strecke, allerdings ist sehr viel Sand durch den gestrigen Regen auf die Fahrbahn geschwemmt worden, was unseren Fluss beim Fahren etwas einschränkt. In Orgosolo angekommen suchen wir das Bed and Breakfast welches wir gestern auf Booking.com reserviert haben. Ohne Navi wäre das echt knifflig geworden. Kleinste Gässchen, nahezu alle Einbahnstrassen und das ganze an einem Hang gelegen. Als wir es endlich gefunden haben wird uns sofort der Privatparkplatz aufgesperrt. Inmitten der eng an eng stehenden Häuser tut sich ein Innenhof von der Größe eines halben Fussballplatzes auf. Wir staunen nicht schlecht und stauchen die Moppeds rein und verschließen nach dem Abpacken das Tor hinter uns.

Mit den Kameras bewaffnet ziehen wir los um Orgosolo zu Fuss zu erkunden. Die Stadt ist berühmt für ihre „Murales“ genannten Wandgemälde.

Die Wandmalereien in Orgosolo drückten zunächst den Protest gegen den geplanten NATO-Truppenübungsplatz auf dem Pratobello aus. Auch gegen die Mailänder Konzern-Chefs, die Gelder des Aufbauplans für Sardinien veruntreut haben, richtet sich der Protest. Neuere Bildnisse kommentieren z. B. die Weltpolitik – so wird Helmut Schmidt wegen Stammheim als „Experte in Sachen Staatsmord“ bezeichnet, ein Sieg der kambodschanischen und vietnamesischen Kämpfer gegen die USA am 25. April 1978 gefeiert und die Zahl der unschuldigen Opfer für den Sturz Saddam Husseins wird hinterfragt. Andere Bilder stellen das einfache Hirten- und Dorfleben dar, setzen sich für die Erhaltung der Sardischen Sprache ein. Viele der ca. 120 Murales orientieren sich stilistisch am Kubismus in der Art von Picassos Guernica, aber auch realistischere Gemälde sind darunter. Trotz einiger Beschädigungen etwa durch Umbauten von Häusern oder Witterung sind alle Murales weitgehend sehr gut erhalten. Leider verstehen wir aufgrund der Sprachbarriere viele der Murales nicht. Andere sind aufgrund der Bilder eindeutig. Nachdem wir gute 2 Stunden durch die Stadt gewandert sind suchen wir uns ein Restaurant um Abend zu essen. Ausschließlich lokale Gerichte lassen wir uns servieren und sind begeistert. Vor allem von der Nachspeise: Seadas mit warmem Honig. So gestärkt treten wir den Rückweg zu unserer Unterkunft an und lassen den Tag bei der Routenplanung für morgen und dem Sichern der Bilder ausklingen.