Spanien Herbst 2021 – Tag07 – 314km – Soto de Sajambre

Die Betten in unserem Hipster-Surfer-Hotel waren saugut und so haben wir perfekt geschlafen. Es ist noch stockfinster als wir aufwachen. Über Nacht war ziemlich starker Wind und es scheint ein wenig geregnet zu haben. Wir beschließen vor dem Frühstück noch eine Runde Yoga zu machen und nutzen dafür einen lustigen Kuppelförmigen Raum im Garten des Hotels. Die Idee hatten scheinbar nicht nur wir, aber wir waren die ersten und so ziehen die anderen wieder davon um uns nicht zu stören. Das Frühstück ist einfach, aber vollständig. Uns wird mal wieder das Bedürfnis nach Ruhe bewusst… hier geht es zu wie im Bienenstock. Nicht unsere Welt.

Um 10:15 Uhr starten wir auf „großen“ Strassen in Richtung Bilbao. Hier folgt das 1. Highlight des Tages, eine Fährüberfahrt. Was ist daran ein Highlight? Die Puente de Vizcaya ist eine von 8 verbliebenen Schwebefähren weltweit. Insgesamt wurden davon nur ca. 20 Stück gebaut weil der Aufwand im Vergleich zur Effektivität nicht gerechtfertigt war. Die Überfahrt kostet 1,35 pro Motorrad mit Fahrer. Eine riesige Stahlbrücke spannt sich über den Fluss und an dicken Drahtseilen hängt daran eine „Gondel“ auf welcher 8 Autos platz finden. Die Überfahrt geht so flott dass ich es fast nicht schaffe Bilder zu machen. Durch die Überfahrt spart man sich 20km Weg um/durch Bilbao.

Nun wird es öde. Wir fahren durch dicht bebautes Gebiet an der Küste. Die Strassen sind zwar relativ groß, aber wir kommen nur schleppend voran. An einem kleinen Obst/Gemüseladen halten wir und kaufen 4 frische spanische Mandarinen für 37 Cent. Dann kommen wir an eine ausladende Bucht in welcher viele Surfer im kalten Wasser sind und auf die perfekte Welle warten. Diese sind hier viel größer / intensiver als in Sopelo. Hier wirbelt es die Surfer auch richtig vom Brett wenn sie fallen. Wir sehen eine Weile zu und genießen die Ruhe und die Brandung. Wenn sich die Wellen brechen zaubert die Gischt kleine Regenbogen über dem rauen Meer.

Santander zu umfahren dauert eine Ewigkeit und ich zweifle schon an unserer Distanzplanung für heute. Um Die Städte gibt es viel Industrie am Meer. Sowohl Metallindustrie als auch Petrochemie nimmt viel Fläche ein. Bevor wir die Küste verlassen geht es nochmal für 5 Minuten in einen kleinen Naturpark (Oyambre). Dieser besteht eigentlich nur aus der Überflutungszone durch den Gezeitenhub des Meeres. Hier hat sich ein Sumpfgebiet gebildet welches von grünem niedrigwachsendem „Zeug“ überwuchert wird.
Wir biegen ab auf die N-621 – und der Wahnsinn beginnt! Kurven und eine Schlucht die einfach nur superlativ ist. Steile Felswände die schroff gen Himmel ragen und zwischendurch geht perfekter Asphalt mit wenig bis keinem Verkehr. Ein Traum. Wir reißen den Gashahn auf und grooven durch die Kurven. Nach vielen Kurven und Kilometern ziehen sich langsam die schroffen Felsen zurück und die Hänge werden flacher und bewaldet. Gold-gelb-rot in allen Herbstfarben leuchten die Berge um uns.

Es geht langsam aber sicher in die Höhe wir erklimmen einen Pass mit gut 1600 Höhenmeter und es wird merklich kalt. Der Ausblick ist grandios. Man muss hier nochmal deutlich die Verkehrsdichte erwähnen. Wir bewegen uns am Rand der Picos de Europa entlang und es ist hier nichts los. Gut wir sind außerhalb der Saison unterwegs und im Sommer sind hier sicherlich einige Urlauber zum Wandern unterwegs. Wenn man sich aber mal typische Motorradzeitschriften aus Deutschland her nimmt… die Picos de Europa sucht man da vergeblich. Die Dolomiten sind in jeder zweiten Ausgabe enthalten. Das liegt wohl an der Entfernung zu Deutschland. Nachdem wir den Pass überquert haben kommen wir zum Embalse de Riano einem gigantischen Stausee. Der Wasserstand ist zum Ende des Sommers deutlich unter Maximum. Auf dem sonst überfluteten Grund des Sees sind Strassen und Brücken zu sehen. Wir machen nochmal ein paar Fotostopps bevor es zum Endspurt für heute geht.

Jetzt fahren wir direkt in die Picos rein. Es geht nochmal über einen kleineren Pass mit ca. 1200 Höhenmetern und dann wieder in eine Schlucht. Der Ausblick in die Schlucht erinnert an Filmkulissen. Für die letzten 4km geht es dann nach rechts weg in ein kleines Nebental. Wir fahren die einspurige Strasse in die Sackgasse ganz gemütlich. Pedro begrüsst uns freundlich auf spanisch und wir können die Motorräder direkt vor der Unterkunft stehen lassen. Beim Check in stellen wir fest dass Pedro kein Wort Englisch spricht, aber das nötige lässt sich auch mit Zeichensprache klären – Hand zum Mund -> Essen, Uhrzeiten auf Zettel 20:30 Uhr / 9:00 Uhr. Somit wäre Abendessen und Frühstück auch geklärt. Wir bringen unser Zeugs aufs Zimmer, ziehen uns um und laufen noch eine Runde durch den kleinen Ort. Überall sind Freiluftmuseumartige Stationen mit Schildern die erklären was hier war/ist. Leider alles auf spanisch. Ein bisschen Englisch wäre schön gewesen, man merkt aber auch hier deutlich dass wenige Besucher kommen welche nicht aus Spanien sind.

Nach der Laufrunde gibt es Essen. Nudelsuppe, Spargel, Hähnchenschlegel in Soße mit Pommes, Schweinefleisch Natur mit Pommes und eine Zitronenmousse. Dazu leeren wir eine Flasche Vino Tinto. Nach dem Essen ist dann noch Routenplanung und Zimmersuche angesagt. Geschrieben haben wir beide nichts mehr. Wir waren einfach zu müde. Der Vollmond scheint direkt zum Fenster rein und wir schlummern mit diesem Anblick ein.

Unterkunft: Hostal Peña Santa

Spanien Herbst 2021 – Tag06 – 214km – Sopela

Wir starten den Tag heute mal ganz anders… wir hatten es uns schon häufiger vorgenommen, oder hinterher gedacht, aber eigentlich noch nie so richtig durchgezogen. Kein Frühstück im Hotel, aber auch nicht sofort losfahren. Da wir erst um 12 Uhr auschecken müssen haben wir genügend Luft um früh nochmal eine Runde durch Pamplona zu drehen und in Ruhe Frühstücken zu gehen. Wir finden die Cafeteria & Panderia la Belena welche fast voll mit einheimischen ist. Das ist ein gutes Zeichen und so schnappen wir uns den letzten Tisch. Wir gönnen uns Espresso, Tee, frisch gepressten Orangensaft und zu futtern gibt es Tortilla mit Thunfisch und Salat gefüllt, Tortilla mit Schinken und ein Croissant. Wir schauen dem geschäftigen Treiben ums Rathaus zu und genießen den Morgen und die Wärme. Es tut so gut Ende Oktober noch bei deutlich über 20 Grad draußen sitzen zu können. Nach dem ausgiebigen Frühstück schlendern wir zurück zum Hotel, packen und ziehen uns an. Als wir die Motorräder aus der Tiefgarage holen wollen sind gerade ein Porsche und ein Ferrari auch dabei in den Tag zu starten. Wir haben selten Menschen gesehen die Fahrzeuge so dermaßen vorsichtig bewegt haben… Ja die zwei Teile sind sackteuer… aber es sind immer noch Autos und wenn man nicht fahren kann dann sollte man es vielleicht mal mit nem 3er Golf versuchen. Oder die Hochleistungsboliden einfach dort bewegen wo sie hingehören – auf einer Rennstrecke und nicht in einem Parkhaus in Pamplona. Vor dem Hotel halten wir nochmal kurz und packen unsere Taschen ein, dann geht es los.

 

Das Garmin beschließt mal wieder zu streiken… ist ja auch nicht wichtig wie man aus den Gassen der Stadt rauskommt. Ich schände so vor mich hin und Anja darf das ganze übers Sena mit anhören. Als wir dann endlich aus Pamplona raus sind geht es erstmal flott dahin, zu unserer Linken ein Bergkamm über welchen sich Wolken quetschen. Entlang des Hanges entsteht ein relativ heftiger Fallwind welchen wir dann unten voll von der linken Seite abkriegen. Das optische Schauspiel ist es aber Wert den Wind beim fahren immer wieder abzukriegen. Wir ziehen parallel zur A-10 entlang bis rechts von uns der Parque Natural de Aralar auftaucht. Diese grünen Flecken auf der Landkarte haben wir irgendwie lieb gewonnen und so haben wir auch hier die Route durchgelegt. Wieder mal eine goldrichtige Entscheidung. Kurve reiht sich an Kurve und es geht ein wenig auf und ab. So macht das Spass.

Überhaupt muss man es mal wieder deutlich sagen… wir sind zum Moppedfahren hier. Sprich Prio1 ist es zu fahren. Manchmal denken wir uns dass wir zu wenig Zeit ins Sightseeing investieren, aber wir sind nicht zum Wandern hier, sondern eben zum Fahren. Wir wollen einen Teil des Landes Erfahren – im wahrsten Sinne des Wortes. Im folgenden Streckenverlauf erfahren wir einiges über die Gegend indem wir einfach nur die Augen offen halten und uns umsehen. Wir fahren durch Täler und wechseln diese immer mal wieder. Es ist hier relativ viel Bebaut. Die Wohngebäude sind meist 7 bis 9 Stockwerke hoch und von diesen Gebäuden hat es Unmengen. Wir wundern uns noch was hier – gefühlt im Nirgendwo –  so viele Menschen arbeiten, dann fahren wir an der Erklärung vorbei. Metallindustrie! Wie in Österreich z.B. um den Erzberg liegen im Verlauf der Täler lange Hallen in welchen sich Walzwerke befinden. Um die Metallindustrie haben sich dann auch viele von Ihr abhängige Branchen angesiedelt. Es gibt so einige alte Hallen welche sichtbar verfallen, aber insgesamt sieht die Gegend aktiv aus. Vom Wohnraum her nehmen wir fast keinen Leerstand wahr.

Wir sind heute spät gestartet, haben aber auch wenig km geplant und so liegen wir gut in der Zeit. Wir liegen in einer der Industriestädte einen Stopp ein und setzen uns zu den vielen Rentnern in den Außenbereich einer Cafeteria. Das Wetter ist genial und wir gönnen uns für schlappe 4,50 EUR einen Espresso, einen Tee, ein Schokocroissant und ein kleines Baguette mit Jamon (Schinken). Life is good!!!

Der Nächste Naturpark – Reserva Natural del Urdaibai liegt direkt am Atlantik um eine tief ins Landesinnere einschneidende Bucht. Wir halten einige Male um Bilder zu machen und genießen den Geruch von gegrilltem Fisch. Wir müssen unbedingt Fisch essen gehen… am besten noch heute…falls es sich ergibt. Eine Temperaturanzeige am Fahrbahnrand zeigt 28 Grad an und macht uns bewusst warum wir schwitzen. Nun geht es an der schroffen Küste entlang zu einem Aussichtspunkt auf eine kleine Kirche die auf einer vorgelagerten Landzunge steht. Wir halten einige Male mit der Hoffnung einen Blick zu erhaschen an bevor dir doch endgültig auf den Touriparkplatz fahren. Ich laufe zuerst hinab zum Aussichtspunkt und habe noch eine bahnbrechende Idee für Anja. Der Abstieg ist sausteil und sie hat mit den 6cm Absatz ihrer Daytona Stiefel gerade bei Gefälle immer wieder zu kämpfen – also einfach mal schnell die Lowa Lighthiker rausgeholt und schon läuft es sich viel bequemer. Warum komm ich eigentlich immer für Anja auf tolle Ideen? Selber laufe ich die Strecke aber in Moppedstiefeln und mit Motorradjacke? Ich bin klatschnassgeschwitzt als ich die Küste wieder hochgeklettert bin.

Nun sind es nur noch ca. 35km bis zur heutigen Unterkunft. Wir sehen immer wieder Sandstrände und Hochhäuser in den Buchten hinter den Stränden. Die Spanier bauen scheinbar echt gerne in die Höhe. Dann sind wir endlich am Hotel und checken ein. Ein totaler Surfer-Hipster Schuppen. Die Karte vom Restaurant spricht uns nciht wirklich an. Burger und Veganes Zeugs. Das verbinden wir einfach nicht mit Spanien… Hummus will ich hier nicht essen. Wir packen die Kameras und laufen zum Strand. Auf dem Weg gesellen sich immer mehr Surfer mit Ihren Brettern unterm Arm zu uns und auch Paraglider hasten zur Steilküste. Die Thermik hier erlaubt es aus dem Stand zu starten und direkt aufzusteigen. Echt krass was da so möglich ist. Im Wasser sind massenhaft Surfer und warten auf die perfekte Welle um sie zu reiten. Wir ziehen die Schuhe aus und laufen durch den kalten Sand bis an die Linie wo er nass wird. Hier verweilen wir ein wenig, verteidigen unsere Schuhe gegen die herumlaufenden Hunde und machen Fotos von den Surfern. Irgendwann will ich aber näher ran und es ist mir egal dass ich nasse Füsse krieg.

Wir bleiben bis es fast dunkel ist. Der Sonnenuntergang war traumhaft und die Natur hat mal wieder alles gegeben. Und nochmal: LIFE IS GOOD!!! Zurück im Hotel lassen wir die Kameras zurück und laufen los um uns eine Bar zu suchen in der wir spanisches Essen kriegen. Wir finden Bäcker, einen Churros Stand und ein paar Bars die uns auf den ersten Blick nicht ansprechen bevor wir nach ca. 1,6km die Cervecera El Molino finden. Wir stellen uns in der Schlange am Tresen an und bestellen als wir dran sind 2 Vino Tinto, einmal Patatas Fritas Case, Croquetas Caseras und Pimientos Carne. Anja setzt sich mit dem Wein schonmal an einen Tisch im Außenbereich, ich warte auf das Essen und geselle mich als ich es habe zu ihr. So stellen wir uns Essen in Spanien vor. Die Portionen sind üppig und so brauchen wir nichts nachordern sondern sind gut gesättigt und treten den Rückweg an. Leider kommen wir nicht mehr an dem Churros Stand vorbei. Irgendwie sind wir heute leicht außer Takt gekommen. Bis wir mit der Routenplanung für morgen, der Unterkunftssuche, Duschen und Bericht schreiben fertig sind ist es 1 Uhr. Aber wir können ja auch bis 7:30 schlafen. Es wird eh erst um 8 hell und Frühstück gibt es erst ab 8:30 Uhr.

Unterkunft: Moana Eco Surf House

Spanien Herbst 2021 – Tag05 – 265km – Pamplona

Das Essen gestern war klasse – was erwartet man für 14,95 EUR inklusive Wasser und Hauswein (1 Flasche für zwei)? Wir haben uns für das Menue de Dias entschieden. Anja hatte Melone mit Schinken, Thunfisch und Erbsenpüree und Schokokuchen, ich hatte Spiegeleier mit Schinken und frittierten Kartoffeln, Rindersteak mit Pommes und dann noch einen Hüttenkäse-flan. Und es war super! Wir waren echt positiv überrascht! Nach dem Essen und der Flasche Rotwein sind wir sofort in einen tiefen Schlaf gefallen. Auch das Frühstücksbuffet hat uns überrascht und mit seiner Vielfalt (für Spanien) beeindruckt. Vorher sind wir aber nicht so recht in die Gänge gekommen, man merkt wie weit westlich wir schon sind. Die Sonne geht echt spät auf und wir brauchen früh ewig bis wir in die Gänge kommen. Um kurz nach 10 Uhr verlassen wir dann endlich die Tiefgarage und fahren in Richtung Pamplona. Naja nicht direkt, erstmal noch weiter raus aus den Pyrenäen und dann geht es weiter in Richtung Westen.

In Spanien sind die Strassen mit Nummern versehen – zweistellige Strassen sind gross und flott zu befahren (so wie Bundestsrassen in D), dreistellige sind wie typische Staatsstrassen in D und vierstellige sind eher so Kategorie Flurbereinigungsweg. Heute geht es viel auf vierstelligen Strassen dahin. Wir lieben diese Kategorie Wege. Wir sind nahezu alleine unterwegs, es geht wieder hinauf in Berge und wir genießen die Ausblicke welche sich im „Morgenlicht“ (so um 11 Uhr…) ergeben. Wir überqueren einen Pass auf gut 1300 Höhenmetern und haben schon so einige Fotostopps hinter uns. Die Aha Effekte bei den Ausblicken auf die Pyrenäen hinter uns sind der Wahnsinn! Die Hänge der Bergkämme sind geprägt von Nadelbäumen und zwischendrin sticht immer mal wieder ein leuchtend gefärbter Laubbaum raus und zieht unseren Blick auf sich.

Dann gibt es zu heute nur noch eines zu sagen… KURVEN! achja und Kurven! und dann waren da auch noch KURVEN!!! und ein paar Kurven. Wir genießen es alleine zu sein, unseren eigenen Stiefel fahren zu können und die Landschaft zu genießen. Und Kurven! Über den Pass waren die Wälder herbstlich, dann kamen schroffe Felswände und wieder in niedrigeren Lagen sehen wir Felder. Die Farbe der Erde gleicht Sand oder auch fast schon kalk. Die Ackerfläche wirkt als ob niemals etwas in ihr wachsen könnte, aber dann sehen wir Wein. Und die Äcker werden bearbeitet, also wird hier auch etwas angebaut. Im Verlauf des Tages wird die Landschaft hügeliger und bekommt sanfte Wellen.

Irgendwann kommen wir an einen Stausee über den eine Brücke führt. Wir überqueren diese obwohl sie nicht auf unserem Weg liegt. Die Staumauern des Sees und die Konstruktionen zum Wasserablassen sind beeindruckend und fesseln uns einige Zeit. In der Gegend um den Stausee verändert sich die Landschaft nochmal deutlich. Die Hänge der Hügel sind wie mit Beton übergossen – grau und glatt. Was uns in der ersten Tageshälfte gefehlt hat kommt langsam mit der nachmittäglichen Wärme. Gerüche! Der Geruch trockener Nadelwälder z.B. hatte uns am Vormittag in den kühlen Höhenlagen gefehlt. Hatten wir anfänglich sogar mal 50km Fahrweg ohne eine Unterbrechung, so kommen jetzt immer wieder Dörfer die sich an Hügel schmiegen, dicht gebaut und meist als Haufen um eine Kirchen angeordnet.

Ca. 60 km vor Pamplona halten wir an einer Tankstelle. Der Kartenzahlungsautomat welchen wir nutzen müssen da gerade Siesta ist braucht gefühlt 10 Minuten pro Zahlungsvorgang. Mit frisch gefüllten Tanks geht es dann auf die letzten km und die Fahrt ins Stadtgebiet. Ich hab mir grob angeschaut wo auf dem Weg Motorradwerkstätten sind da ich noch Kettenspray besorgen will – dank des defekten Ölers. Wir finden auch direkt die Taller De Motos (im Nachgang fand ich raus dass Taller einfach nur Werkstatt heisst… eigentlich war es die Garaje 87) und ich bekomme das erhoffte lubricante de cadenas de motocicletas … und was steht auf der Dose? „Kettenspray“.

Das Hotel Maisonnave liegt mitten in der Stadt und bietet eine Tiefgarage. Wir packen ab und stellen die Motorräder sicher ein, dann noch kurz Orga (Route für morgen, Hotel für morgen) dann laufen wir nur mit den Kameras los. Ein bisschen Camino Feeling, Kirchen angucken, die Stadt genießen, das geniale Wetter bei 25 Grad und blauem Himmel aufsaugen, Cookies bei The Cookieshop essen und einfach nur die spanische Geselligkeit spüren. Als es langsam düsterer wird setzen wir uns in die erste Bar und genießen den ersten Vino tinto und Tapas.

Die Spanier sind schon ein komisches Volk 😉 Nachmittags bei schönstem Wetter ist alles wie ausgestorben. Siesta ist angesagt, die Fensterläden überall geschlossen und keiner unterwegs. Ab 16 Uhr kommen sie dann aus allen Löchern und bevölkern die Strassen oder beginnen wieder zu arbeiten. Wenn dann Feierabend angesagt ist durchzieht die Strassen ein Grundrauschen an geselligen Gesprächen und Lachen. Die Bars füllen sich und jeder trinkt etwas und isst. Die Plätze sind voll mit Menschen und alles fühlt sich so lebendig an.

Danach geht es noch ein bisschen weiter mit dem Sightseeing und blauer Stunde bevor Bar Nr.2, Vino Tinto Nr. 2 und noch ein paar mehr Tapas kommen. Und weil es so gut war… nochmal ein paar Bilder und eine dritte Bar mit Vino Tinto und Tapas 🙂 LIFE IS GOOD!!! Um kurz vor 22 Uhr kaufen wir dann noch Wasser um den Wein im Magen vorm Schlafen gehen ein wenig zu verdünnen und für morgen, dann geht es zurück zum Hotel und wir schreiben noch unsere Gedanken zum Tag nieder und hören ein bisschen Musik.

Unterkunft: Maisonnave

 

Spanien Herbst 2021 – Tag04 – 205km – Escalona

Das Himmelbett war himmlisch! Wir haben komplett durchgeschlafen. Erst um kurz vor 9 Uhr krabbeln wir aus den Federn. Wir haben für heute kein Frühstück gebucht und konnten es uns somit erlauben so lange liegen zu bleiben. Der Blick aus dem Fenster führt auch nicht dazu dass wir schneller zusammenpacken – es ist neblig. Um kurz vor 10 Uhr sitzen wir dann auf den Moppeds und starten in Richtung Pyrenäen.

Der Nebel verzieht sich glücklicherweise relativ flott und der blaue Himmel kommt durch. Die Strecke ist trotzdem öde. Relativ geradeaus und glücklicherweise wenig bebaut mit Ackerland umgeben geht es flott dahin. Nach ungefähr der halben Strecke halten wir die Augen offen nach einer Patisserie und einer Tankstelle. Was das Frühstück angeht werden wir zuerst fündig. Croissant, Schokocroissant, Schokoeclair, nochmal irgendwas mit Schokolade und Pudding und ein Stück Pizza (nicht mal ansatzweise mit der von gestern vergleichbar!) gönnen wir uns und genießen es auf dem Marktplatz des Ortes.

Die Tankstelle folgt dann nochmal ein paar Kilometer weiter. Von hier aus sehen wir schon deutlich den Gebirgszug der Pyrenäen. In östlicher Richtung sieht man wundervoll schattiert die in der Tiefe gestaffelten Bergrücken welche im Schatten liegen. In westlicher Richtung sieht man deutlich von der Sonne angestrahlt die bewaldeten Bergrücken. Nur ganz wenige Spitzen der Berge sind bereits weiß, das stimmt uns zuversichtlich was die Überquerung angeht. Es ist einfach der Wahnsinn was unser Planet hier tolles geschaffen hat. Wir fühlen uns sofort wieder wohl hier in den Bergen. Heute soll es nicht über einen Pass gehen, sondern durch den auf 1825 Höhenmeter gelegenen Tunnel d’Aragnouet-Bielsa der Frankreich mit Spanien verbindet. Vorher geht es schön gemütlich ein Tal entlang und wir gewinnen langsam und geschmeidig an Höhe. Als die Spitzkehren losgehen informiert mich Anja dass irgendwas an meinem Hinterreifen komisch aussieht. Wir halten kurz an und gucken. Der Schlauch vom Kettenöler ist gerissen und baumelt lose an der Schwinge. Ich lege kurzerhand die Pumpe still und packe den Schlauch ein. Das Problem wie sich die Kette nun ölt vertage ich erstmal.

Die Spitzkehren fahren sich irgendwie hakelig, aber von Kurve zu Kurve wird es besser. Dann kommt der Tunnel und mit der Einfahrt in diesen geht es wieder bergab. Am Ende des Tunnels ist dann das ersehnte Schild – ESPANA. Wir sind angekommen. Ja wo eigentlich? Wir haben immer noch keinen Plan was wir nun eigentlich in Spanien machen, oder in welche Richtung wir weiterfahren. Im Moment geht eh nur raus aus dem Tal. In Bielsa stoppen wir kurz und kaufen Wasser, dann lassen wir es nochmal fliegen. Als wir 2017 in den Pyrenäen waren hatten wir im Valle de Pineta übernachtet, von dem her haben wir neblige Wiedererkennungseffekte auf dieser Strecke. Wir legen noch einen Fotostopp ein bevor wir in Escalona am Hotel ankommen. Es ist kurz vor 15 Uhr und wir sind froh heute nur gute 200km geplant zu haben. Wir parken die Moppeds in der Tiefgarage und begeben uns aufs Zimmer, den ersten Satz Funktionsunterwäsche waschen und nochmal grübeln wohin uns der Weg führen soll.