Projekt Flachköpper: Mal schnell nen Tag ans Meer – Tag 4 – 385km

Der Tag der Abreise. Wenn man nur 5 Tage Zeit hat, um mal schnell ans Meer zu fahren, dann muss man leider nach nur einem Tag am Meer schon wieder den Rückweg antreten. Nach einer milden Nacht holte uns der Wecker um 7 Uhr aus dem Schlaf. So langsam hatte sich der Körper wieder an Schlafsack und Isomatte gewöhnt und heute hätten wir gefühlt noch 5 Stunden schlafen können. Die Bilder vom gestrigen Sonnenuntergang noch im Kopf kamen wir nicht so richtig in die Gänge. Wir wollten vor dem Frühstück schon einiges zusammenpacken und so legten wir los. Um 8 Uhr machte der Laden am Campingplatz auf und wir deckten uns nochmals mit Brot, Aufstrich und Salami ein. Die gewohnten Rühreier brutzelten auf dem Kocher und wir genossen die letzten ruhigen Minuten. Nochmal ein Bild auf die Webcams vom Felbertauern – was ist denn das? Nord und Südseite komplett weiß. Heute Nacht hatte es geschneit. Na da sind wir mal gespannt, wie es heute Nachmittag dort aussieht.

Download

Nach dem Essen das restliche Zeugs gepackt, noch kurz vom Meer verabschiedet und dann ab auf die Straße. Noch einige wenige Kilometer Kroatien, dann kurz mit Tankstop durch Slowenien. Eine Bäckerei durfte uns noch zwei Burek verkaufen. Und schon waren wir in Italien. Genauer gesagt in Triest. Und zwar mittendrin im italienischen Stadtverkehr. So als Deutscher der den Straßenverkehr im Heimatland gewohnt ist, wundert man sich immer wieder wie wenig hier eigentlich passiert. Scheinbar völlig chaotische Zustände (ja ich weiß aus Erzählungen dass es noch deutlich schlimmere Länder gibt) funktionieren hier einfach. Rote Ampel? Völlig egal, einfach drüber. Fahrspuren? Fehlanzeige, irgendwie kommt man schon durch. Nun ja, zu dritt auf zwei Motorrädern erforderte es ein wenig Gewöhnung und erhöhte Aufmerksamkeit hier unbeschadet durchzukommen.

Wir fuhren noch ein wenig am Golf von Triest entlang, bis kurz vor Monfalcone, dann bogen wir ab in Richtung Udine. Die Landschaft hier ist eher als langweilig zu bezeichnen. Das schönste war der Blick auf die Berge vor uns, denen wir uns unaufhörlich näherten. Dunkle Wolken hingen über Ihnen und verheißen nichts gutes. Noch aber hatten sie Zeit sich zu verziehen. Udine umfuhren wir großzügig und richteten uns nun nach Tolmezzo aus. An einer Tankstelle legten wir noch eine Pause ein, um die Burek zu verdrücken. So gestärkt querten  wir den Tagliamento und fuhren am Lago di Cavazzo entlang.

In Tolmezzo mussten wir einen Verkehrsunfall zweier Autos umgehen und folgten danach dem Fluss But. In den Bergen geben die Täler den Weg vor. Langsam ging es auch ein wenig höher. Der Plöckenpass / Passo di Monte Croce Carnico brachte uns auf einer Höhe von 1357m über die Grenze nach Österreich. Die dunklen Wolken hatten sich komplett verzogen und wir fuhren unter blauem Himmel dahin. Schnell ging es wieder einige Höhenmeter hinab und wir folgten erst der Drau und dann der Isel, um uns dem heute höchsten Punkt zu nähern, dem Felbertauerntunnel. Hier lag heute morgen noch frischer Schnee. Bei unserer Ankunft am Felbertauern gegen 17 Uhr war davon auf der Südseite nichts und auf der Nordseite fast nichts mehr zu sehen. Wir hätten noch einige Höhenmeter mehr überwinden müssen um eine geschlossene Schneedecke wie am Morgen vorzufinden.

Über Mittersil und Kitzbühel ging es vorbei am Skigebiet Wilder Kaiser im Brixental. Das Tagesziel rückte in greifbare Nähe. In Kufstein kauften wir in einem MPreis ein, um uns mit Gösser Kracherl und Ringo einzudecken. Die letzten Kilometer nach Vorderthiersee zum Campingplatz Hiasenhof zogen sich gefühlt nochmal ein wenig. Der See liegt ruhig in seinem Talkessel. Kurz nach Ankunft am Platz fing es an, ein wenig zu nieseln. Schnell stellten wir die Zelte auf, nur um festzustellen, dass es direkt nachdem sie standen aufhörte zu regnen. Der Abend war bereits fortgeschritten und es wurde zunehmend kühler. Erst recht, wenn man vom Mittelmeer kommt. Die Mädels bereiteten das Abendessen zu, während ich nochmals ein wenig mit den Graufilter vor der Kameralinse am See spielte. Das warme Essen tat gut nach diesem anstrengenden Tag. Die Nacht würde kühl werden und so kuschelten wir uns nach dem Essen schnell in die Schlafsäcke, um morgens fit für den endgültigen Heimweg zu sein.

 

Projekt Flachköpper: Mal schnell nen Tag ans Meer – Tag 2 & 3 – 313km

Die Kühle der Nacht noch in den Knochen begrüsste uns der zweite Tag unserer Reise wieder mit bomben Wetter! Blauer Himmel und Sonne lockten uns schnell aus dem Zelt und machten das Frühstück gleich viel angenehmer. Rührei vom Benzinkocher, dazu Toasties und Brioche mit Marmelade. So gestärkt packten wir die Zelte und starteten in die zweite Etappe. Heute standen Österreich, Slowenien, Italien und Kroatien auf dem Programm. Und zum Tagesabschluss noch das Wichtigste: Unsere Ankunft am Meer.

Download

Wir folgten der Möll, welche in die Drau übergeht. Ein Fluss ist immer ein Garant für Kurven. So auch hier. Nach knapp 100 km Kurvenhatz in den Bergen, überquerten wir die erste Grenze des Tages. An Italien wollten wir uns aber erst gar nicht gewöhnen, verließen wir das Land doch direkt wieder über den Passo di Predil. Der größte Anteil des heutigen Tages sollte durch Slowenien gehen. Angefangen mit dem Triglav Nationalpark. Den Vrsic Pass hatten wir bewusst ausgelassen, da die Höhe noch Schnee versprach, welchen wir meiden wollten. Ein kurzer sehnsüchtiger Blick zum Mangart zeigte, dass dieser noch gesperrt ist. Später sollte ich noch lesen, dass er nach 4 km Fahrtstrecke tatsächlich unpassierbar für Kräder ist. Gut, dass wir es nicht versucht haben. Inzwischen zum dritten mal hier vorbeigefahren und das Wetter oder die Schneelage verhindern das befahren. Aber das werden wir irgendwann noch nachholen.

Den Triglav Nationalpark verlassen wir entlang der Soca. Ein Fluss, der uns immer wieder mit seiner Wasserfarbe in seinen Bann zieht. Schon einige Male folgten wir seinem Lauf, daher kamen uns die Straßen bereits wohlbekannt vor. Srpenica, Kobarid und Tolmin ließen wir zügig hinter uns und eilten gen Nova Gorica. Hier verabschiedeten wir uns von der Soca und drehten nochmal ab, um parallel zum Meer weiterzufahren. Triest und die Italienische Küste wollten wir uns für den Rückweg aufsparen. Der nächste Wendepunkt kam mit erreichen der A1. Entlang dieser nahmen wir nun endlich das Salzwasser ins Visier. In Koper, der einzigen Seehafenstadt Sloweniens, kam die Adria zum ersten mal in Sichtweite und führte zu unruhigem Zappeln auf meinem Soziusplatz. Ein paar wenige km galt es allerdings noch auszuhalten. Ein Stück unterhalb von Umag  kamen wir gegen 16:30 auf dem Campingplatz Finida Umag an. Bevor die Zelte aufgeschlagen wurden, musste erstmal das Meer angefasst werden. Ein moderner, sehr gepflegter Platz erwartete uns. 

Schnell beide Zelte aufgestellt und in Badesachen geworfen. Ja richtig, Mai – Pfingsten – Adria – Baden. Wenn man schon am Meer ist, dann muss man auch rein. Der erste Versuch direkt am Hauptstrand des Campingplatzes lies Ernüchterung aufkommen. Nicht wegen der Temperatur, die war überraschend angenehm, sondern wegen dem Untergrund. Dieser erinnerte eher an einen Badesee. So wanderten wir erstmal ein Stück und starteten einen zweiten erfolgreichen Versuch.

Glücklich und zufrieden futterten wir uns nach einer heißen Dusche durch unsere Vorräte. Experimentierfreudig wollten wir mal versuchen Thunfisch im Öl direkt in der Dose zu kochen. Verfeinert mit ein wenig Kräutern, Zwiebeln und Knoblauch überraschte uns das Experiment derartig, dass wir es zwei Tage später direkt wiederholten. Die Nacht gestaltete sich bei 12 Grad recht angenehm. Und unser Tag am Meer erlaubte uns am Montag in Ruhe auszuschlafen.

Der erste Weg führte uns noch vor dem Frühstück in den kleinen Markt des Campingplatzes, um uns mit frischen Eiern, Weißbrot, Linolada und Salami auszustatten. So konnte das Frühstück kommen. Den ruhigen Tag nutzten wir um die Bucht zu Fuss etwas mehr zu erkunden und das Fotoequipment rauszuholen. So kamen zum ersten Mal die neuen Graufilter zum Einsatz. Ich durfte mit der Technik spielen, die Mädels spielten im Meer und alle waren glücklich.

Mindestens einmal sollte man sich was gönnen und außerdem hat man ein Land erst wirklich bereist, wenn man landestypisch gegessen hat. Also wanderten wir zum Abendessen zur 1,3 km entfernten Gostionica More. Hier wählten wir landestypische Vorspeisenplatten und eine große Fischplatte. Die Bestellung führte dazu dass uns der Kellner aufforderte, an einen größeren Tisch zu wechseln. Wir hätten es ahnen sollen… Hungrig haben wir in Kroatien noch nie ein Lokal verlassen. Die Fischplatte für zwei kam und meine Mädels machten große Augen. 2 Doraden, 2 Wolfsbarsche, 4 Scampi, ein Berg Muscheln, Tintenfischtuben und dazu noch Salzkartoffeln und Mangold schienen unbezwingbar. Ich erbarmte mich und unterstütze sie nachdem ich meinen gemischten Tintenfisch (paniert, gegrillt, gefüllt) verdrückt hatte, nach Leibeskräften. Gemeinsam bezwangen wir den schier unendlichen Berg an Essen. Glücklich und zufrieden machten wir uns auf, den Sonnenuntergang noch am Meer zu genießen, bevor es wieder ins Zelt ging. Morgen früh hieß es wieder packen und es geht ab zurück in die Kälte.

Kroatientour 2015 – Tag 17 – 276km – Cerkno

Eine lange Nacht lag hinter mir als, heute morgen der Wecker klingelte. Zuerst der Besuch bei Franjo und als wir wieder in unserer Unterkunft waren, noch das Schreiben des Berichts. Trotzdem fühlte ich mich relativ frisch und erholt. Die Auszeit zeigt so langsam, wozu sie gut ist. Schnell noch den Korrektur gelesenen Bericht online gestellt und schon gings ab zum Frühstück. Seit wir 2011 hier waren, wurde massiv gebaut. Zwei Bungalows und ein eigenes Gebäude nur fürs Frühstück, mit extra Küche und Toiletten… und das für 3 Gästezimmer und zwei Bungalows. Nachdem wir das Essen verdrückt hatten, packten wir mal wieder die Moppeds auf, inzwischen geht das quasi Blind. Um 10 Uhr konnte es dann losgehen. Die Straßen waren noch nass, der Himmel war grau in grau und es sah nach Regen aus. Tagesziel heute: Cerkno in Slowenien. Dort wollen wir nochmals ein paar Tage bleiben, um in Slowenien noch die eine oder andere Runde zu drehen.

Download

Die Gegend in der wir heute starteten ist uns bereits von unseren Flitterwochen bekannt. Diverse Werbetafeln am Strassenrand wecken unsere Erinnerungen wie z.B. die Tropfsteinhöhlen von Baraceve Spilje oder auch der Ort Slunj Rastoke. Beides sollte man mal gesehen haben, wenn man die Plitvicer Seen besichtigt. Aber heute war kein Sightseeing angesagt, sondern Motorradfahren. Wir hatten letztes Jahr einen super Eindruck von Slowenien gewonnen, den wir nun weiter ausbauen wollen. Direkt nach Slunj verließen wir die gut ausgebaute Strasse und biegen in Richtung Ogulin auf kleinste Sträßchen ab. Kurve reihte sich an Kurve. Der Himmel war nach wie vor grau, die Fahrbahn immer wieder gut nass, so dass wir es eher gemütlich angehen ließen. Wir befanden uns in einer von Wäldern geprägten Gegend (was sich heute nicht großartig ändern sollte) und so langsam aber sicher zeigte sich endlich der Herbst in seiner Farbenpracht. Auf der aktuellen Strasse legten wir einen kurzen Fotostopp ein und konnten gerade so vor einem 40 Tonner wieder starten. Einige km weiter konnten wir nicht mehr glauben, dass der LKW hier entlangfahren will. Engste Kurven und eine minimale Fahrbahnbreite werden dem Fahrer mit Sicherheit einige graue Haare verpassen.

Nachdem wir Ogulin hinter uns gelassen haben, nähern wir uns schon der Grenze, noch aber wollten wir sie nicht überqueren, sondern auf der kroatischen Seite noch ein wenig die genialen Strassen genießen. Geniale Strassen? Zu meiner Freude ist das Kartenmaterial von Garmin nicht sonderlich deutlich wenn es um den Begriff befestigte Strasse geht. Auch heute landeten wir wieder auf einem Weg, der wie gemacht für unsere Motorräder ist. Inzwischen brachen immer wieder Sonnenstrahlen durch die Blätter und die Feuchtigkeit verdampfte auf dem Asphalt. Eine geniale Lichtstimmung, die für super Laune bei uns sorgte. Zwei besondere Leckerbissen lagen noch auf dem Weg innerhalb Kroatiens. Zuerst der Nationalpark Risnjak, in dem wir uns aber nur kurz befanden. Hier begann bereits der Wunsch in mir zu reifen, ein anderes Motorrad unter mir zu haben. Er sollte sich ins Unermessliche steigern. Ich liebe meine Elli, aber auf einer Bergrennstrecke ist eine vollbepackte Reiseenduro mit Mitas E07 einfach nicht das, was man sich in diesem Moment wünscht.

Richtig gelesen in Smrecje findet alljährlich ein Lauf zur kroatischen Bergmeisterschaft statt und die Strecke hat es in sich. Im normalen Alltag erkennt man sie nur an den rot-weißen Markierungen der Bordsteine. Man hat das Gefühl den Berg hinauf zu fliegen. Hier mal ein kleiner Eindruck, wenn auch aus einem Auto bei einem der Rennen.

Hier wäre eine Supermoto genau das richtig *g* Aber man kann nicht alles haben, also freuten wir uns einfach, dass uns niemand in die Quere kam und wir die Strecke so genießen konnten. Der folgende Grenzübertritt gestaltete sich wiedermal völlig unspektakulär und schon waren wir in Slowenien. Nur einige km weiter legten wir eine kurze Kaffeepause an einer Tankstelle ein und machten gleich noch die Motorräder voll. Uns fiel eine 1200er GS auf, welche in vollem Touratech Ornat in die Tankstelle gefahren kam. Der Fahrer selbst hatte nagelneue Bekleidung von Touratech an, die noch keine einzige Fliege gesehen hatte und sprach uns direkt an wo wir denn herkommen würden. Er selbst stand gerade am Anfang seines 14-tägigen Urlaubes und wusste eigentlich nur, dass er nach Kroatien will. Wir gaben ihm noch den Tipp mit der Bergrennstrecke und schon zog der Schweizer wieder von dannen. Er hätte wunderbar auf einen Messestand des besagten Ausrüsters gepasst, lediglich das Glänzen der gesamten Ausrüstung erschien irgendwie unwirklich. Bei mir sieht nach drei Tagen Fahren irgendwie schon immer alles aus wie Sau…

Anja übernahm nun die Führung auf dem Weg durch Cerknica ins Tal des Flusses Idrijca. Bei Straza wichen wir vom Lauf des Flusses wieder ab und folgten seinem Zufluss der Cerknica bis zu unserem heutigen Tagesziel in Cerkno. Unsere Unterkunft haben wir aufgrund einer Empfehlung in Mikemotos Reiseforum ausgewählt und können diese nach unserem ersten Eidnruck sehr gut nachvollziehen. Falls ihr auch mal etwas hier in der Gegend sucht, findet ihr mehr Infos unter http://www.cerkno.com. Wir werden hier für drei Nächte verweilen und je nach Wetterlage Slowenien erkunden bevor es wieder weiter in Richtung Heimat geht.

Kroatientour 2015 – Tag 16 – 341km – Smoljanac

DVDA – Der „Depp vom Dienst Award“; hätte ich gewusst was mir heute blüht, wäre ich einfach nicht aufgestanden. Überhaupt war das Bett so dermaßen flauschig, dass wir gar nicht raus wollten. Hilft alles nix. Wir hatten für heute Abend eine Verabredung mit Franjo und die wollten wir unbedingt einhalten. Der Haufen Koffer im Zimmer steigerte die Motivation aufzupacken ungemein. Aber was solls, erstmal hieß es frühstücken. Das Buffet war grandios und so steigerte sich unsere Faulheit nochmal um einiges. Wir packten dann trotzdem auf und pünktlich mit nur 30 Minuten Verspätung saßen wir startklar auf den Motorrädern. Auf dem Balkon über uns eine Gruppe Zuschauer vor denen man sich nicht unbedingt blamieren wollte und dann kam, was kommen musste. Kurzer Gasstoß, Kupplung kommen lassen und der Müdigkeit Ihren Lauf lassen… oder wollte ich doch dem Wettergott nochmal mit einem Kniefall huldigen? Nein das vermaledeite Bremsscheibenschloss wars. Das hatte ich vergessen und lag mit Schwung im Hof des Hotels. Ein fulminanter Start in den Tag.

Download

Nachdem Elli wieder Stand und wir von beiden Bikes das Bremsscheibenschloss entfernt hatten (Anja war Gott sei Dank noch nicht losgefahren), kam eine kurze Bilanz. Halteplatte für die rechte Alubox verbogen, sonst nix. Glücklicherweise hatte der Vulcanizer (Reifenhändler) gegenüber auch am Sonntag geöffnet. Sein größtes Montiereisen diente als wunderbarer Hebel um die Platte zu richten. Und schon gings auf zum zweiten Versuch. Mostar ließen wir nun zügig hinter uns und die Huldigung an den Wettergott schien auch erstmal angekommen zu sein. Die schwarzen Wolken blieben vor uns, immer schön im Blick konnten wir rechts und links ausweichen, wenn wir den Wolken zu nahe kamen. Die erste Etappe des Tages hieß 1000 Höhenmeter gewinnen. Dabei wandelte sich die Landschaft von hügelig bewaldet und richtig satt grün (herbstliche Farben vermissen wir hier noch völlig), hin zu bergig, steinig und karstig. Nachdem wir die 1000m über N.N. erreicht haben, öffnet sich uns der Blick auf einen großen See, den Busko jezero, ein künstlich geschaffenes Gewässer, welches als Puffer für ein Pumpspeicherkraftwerk dient. Am Ufer des Sees entlang fiel uns leider einmal mehr die unglaubliche Menge Müll auf, die am Strassenrand abgeladen wird.

Nach dem See zogen wir nach Norden und schlängelten uns durch ein paar Berge, um uns in einer erneut veränderten Landschaft wiederzufinden. Auf den nächsten ca. 70km bewegten wir uns auf einer „Hochebene“ (knapp über 700m N.N.) welche teilweise landwirtschaftlich genutzt wird und sich ansonsten durch bräunlich gelbe Gräser auszeichnet. Links, rechts, vor und hinter uns von den Bergen eingeschlossen scheint die Ebene ewig zu reichen. Die Straße ist anfänglich schnurgerade, um dann in sanfte Kurven überzugehen. Die Berghänge, die uns einschließen zeigen nun endlich erste, zarte herbstliche Spuren. Einige LKW lassen uns passieren und zeigen per Blinker an, dass der Weg für uns frei ist. Später überholen sie uns bei einem Fotostopp wieder.

Kurz vor der Stadt Drvar verließen wir die Ebene wieder, indem wir nochmals den heute höchsten Punkt von ca. 1000m N.N. übersteigen. Besagte LKWs ließen uns auch ein zweites Mal vorbei und grüßten freundlich. Nun folgten wir dem Fluss Unac, um zur Ortschaft Martin Brod zu gelangen. Hier überquerten wir die zerstörte Brücke und legten eine kurze Pause mit Fotostopp ein. Die Flüsse Una und Unac vereinigen sich und immer wieder sieht man in ihnen Fliegenfischer stehen, die ihr Glück versuchen. Im weiteren Verlauf folgten wir der Una auf einer Schotterstrecke in Richtung Kulen Vakuf. Langsam aber sicher macht auch mir das Blinken meiner Tankanzeige Gedanken. Wenn wir nicht bald eine Tankstelle erreichen, muss ich doch noch den Ersatzkanister zum Einsatz bringen. In Richtung Bihac stießen wir schon bald auf die Europastrasse E-761, die ein spritsparendes Dahingleiten im Overdrive ermöglichte. In Ripac konnten wir dann endlich einen Stop einlegen und die Tanks der Motorräder wieder befüllen. 1,5 Liter hatte ich noch zur Verfügung. Die Sprachbarriere beim Einkauf im Tankstellenshop wurde mal wieder mit Händen und Füßen überwunden, so dass unsere Vorräte nach der Pause auch wieder aufgefüllt waren.

Das Tagesziel Smoljanac rückte immer näher. Nach dem Durchqueren der Stadt Bihac verließen wir auch die Ufer der Una und wendeten uns direkt in Richtung Grenze zu Kroatien. Unsere insgesamt elfte Grenzüberquerung in diesem Urlaub brachte uns wieder zurück nach Kroatien, wo wir dem Lauf der Korana noch für einige Kilometer folgten, um später zu erfahren dass es eine neue Straße gibt, welche uns 13km gespart hätte. Aber wenn wir km sparen hätten wollen, dann hätten wir gar nicht erst auf Reise gehen dürfen. Die heutigen 341km ware verflogen, als ob es nur 50km gewesen wären. Das wechselnde Landschaftsbild und die wunderbaren Strecken in einem Teil von Bosnien und Herzegowina, der genau so ist wie wir uns dieses Land vorgestellt haben (unendlich weit und wenig besiedelt), haben ihren Teil dazu beigetragen. Gegen Ende des Tages wurde das Landschaftsbild auch zunehmend herbstlicher und wir sind schon gespannt, was uns im bewaldeten Slowenien an Farbenpracht erwartet.

Unsere heutige Unterkunft im Gästehaus Zafran ist uns von einem Besuch der Plitvicer Seen 2011 bereits bekannt. Damals hatten wir am gegenüberliegenden Market einen Kroaten kennengelernt, der,so wie wir Motorradfahrer und vor allem auch Treffengänger ist. Mit ihm hatten wir seitdem einen losen Kontakt gehalten und uns für heute verabredet. Der Weg zu seinem abseits gelegenen und komplett selbstgebauten Haus ist nach deutschem Massstab ein wenig abenteuerlich. So verbrachten wir einen schönen Abend mit Franjo, der uns noch zum Essen einlud. Sein selbstgemachter geräucherter Schinken und das frische selbstgebackene Brot waren absolut himmlisch und so wollten wir eigentlich den Abend garnicht enden lassen, aber morgen soll es wieder weitergehen und der Rückweg im Dunkeln, bergab auf einem teils steinigen Waldweg hat es doch ein wenig in sich. Aber auch hier zeichnete sich meine Huldigung für den Wettergott nochmals aus. Wir hatten eine perfekte Punktlandung. Direkt nach unserer Rückkehr in die Untekrunft setzte ein starker Regenschauer ein, welcher den Rückweg für Anja mit den Michelin Pilot Road 4 extrem schwierig gemacht hätte. Froh einen so besonderen Menschen kennengelernt zu haben und nach nun 4 Jahren endlich wieder besucht zu haben, schlafen wir zufrieden ein, um morgen ausgeruht den Weg nach Slowenien anzutreten.

Kroatientour 2015 – Tag 15 – 171km – Mostar

Jeder Urlaub hat mal ein Ende… naja außer man ist dekadent und verbindet Urlaub mit Reisen, so wie wir. Also unsere Woche Urlaub auf Hvar ist zwar zu Ende, aber unsere Reise noch lange nicht. Da die Fähren inzwischen auf Winterfahrplan umgestellt haben (wir waren auch die letzen beiden Tage alleine in unserer Unterkunft, ein echt romantisches Erlebnis) gilt es die geplante Fähre auf jedenfall zu erwischen, da man sonst mehrere Stunden warten muss. Der Wecker klingelte daher heute zur absolut unmenschlichen Uhrzeit: 6:00 Uhr. Ein eindeutiges Zeichen, dass der Urlaub vorbei ist. Beim Motorräder packen hatte ich mich dann erstmal aus unserer Unterkunft ausgesperrt. Half alles nix, nach einer halben Stunde kam endlich die Dame, welche das Frühstück zubereitet und ließ mich wieder rein. Anja hatte mich noch nichtmal vermisst… mir würde immer noch was einfallen… schnell noch den Öler checken, oder Lenker anders einstellen oder Kupplungsflüssigkeit wechseln. Bin ich wirklich so schlimm??? Pünktlich wie vereinbart um 7:15 Uhr saßen wir dann beim Essen und wie angepeilt um 8:15 auf den Motorrädern. Die geplanten Gesamtkilometer heute sind eher niedlich, dafür folgte nochmal ein wenig Sightseeing in Mostar.

Download

57km quer über die Insel Hvar, damit wir um 9:45 die Fähre von Sucuraj nach Drvenik erwischten. Vorteil für uns, die Motorräder dürfen immer zuerst auf die Fähre, wir mussten uns also keine Gedanken um die Schlange machen. Die Fähre fasst nur ca. 30 Autos und die nächste würde erst um 13:45 Uhr gehen. Also 4 Stunden Wartezeit. Die neu gemachten Straßen auf Hvar lassen einen wahnsinns Fahrspass aufkommen, wenn da nicht ständig die Beschränkungen wären. Naja wir nahmens so halbwegs ziemlich bisschen genau. Um 9:14 Uhr rollten wir im Hafen von Sucuraj an einer mindestens 50 Fahrezeuge langen Schlange vorbei und verspürten ein wenig Mitleid mit denjenigen, die 30 Minuten vor Abfahrt der Fähre schon wissen dass sie nochmal 4 Stunden warten dürfen. Die Fähre kam dann auch fast pünktlich und spuckte erstmal 4 Reisebusse und 200 Passagiere dazu aus. Der erste Bus entlockte uns ein Lächeln. Wellhöfer – Windsbacher Knabenchor Bus aus dem Landkreis Ansbach. Die Welt ist klein. Beim Vollschlichten der Fähre stand direkt hinter uns ein VW Bus mit dem Kennzeichen V – W 1, ich konnte mir nicht verkneifen den Fahrer anzuquatschen, wieviel er für das Kennzeichen gelöhnt hat. So stellten wir fest, dass er bereits mehrfach beim MC Gunzendorf auf Motorradtreffen war, ebenso wie wir. Und wieder ist die Welt ein Dorf.

Nach einer unspektakulären Überfahrt bogen wir ungewohnterweise nicht in Richtung Split (Richtung Deutschland) ab, sondern Richtung Dubrovnik. Es ist ein tolles Gefühl, wenn der Urlaub mit Reisen endet und nicht mit heimkommen. Die Jadranska Magistrale (Küstenstrasse) hatte uns wieder. Bis Bacina folgten wir ihr und genossen den Ausblick aufs Meer. Dann bogen wir ab in Richtung heutigem Tagesziel: Mostar! Vor uns tauchte ein Einschnitt in der Landschaft auf. Es ist immer wieder imposant was Kroatien mit dem Bau der A1 leistet. Volles Verständnis haben wir für die auf der Autobahn kassierte Mautgebühr. Außerhalb der Urlaubszeit ist die Autobahn komplett leer. Allerdings wollten wir diese mit den Motorrädern natürlich nicht nutzen, sondern eher die kleineren Stässchen. Zur besten Mittagszeit legten wir einen Tankstop ein und berieten, wie wir weitermachen. Zum aktuellen Stand würden wir um 12:30 Uhr in Mostar ankommen. Viel zu früh. Ich hatte noch ein Derwisch Kloster im Kopf, welches in der Nähe von Mostar liegen soll. Also kurz das kostenlose, freie Wlan an der Tankstelle (sowas gibts in Deutschland nicht… warum nur? War da nicht was mit Störerhaftung? Wann wacht unsere Regierung endlich auf. Es wird Zeit dass sich hier etwas tut.) genutzt um die Infos aufzufrischen. Neues Ziel ins Navi gehackt und auf ging es nach Blagaj zur Quelle der Buna. Je näher wir dem Ziel kamen, desto mehr Touris fielen uns auf. Die Anzahl der Reisebusse stieg und unsere Lust auf das Ziel sank. Nachdem wir schon da waren, ignorierten wir die ersten Parkplätze und fuhren direkt bis zum Kloster. Da wir die Bikes nicht sicher abstellen konnten, blieb einer beim Gepäck und der andere sah sich um, dann wechselten wir. Der Ansturm am Kloster ließ uns nach 10 Minuten den Rückzug antreten.

Eine halbe Stunde später waren wir an unserem Hotel (Vila Milas) in Mostar angekommen. Zwar immer noch zu früh, aber ein early checkin war kein Problem für das megafreundliche Personal. Allerdings wurden wir gebeten, die Koffer von den Motorrädern abzunehmen und im Zimmer unterzubringen. Ist Mostar wirklich so unsicher? Wir zogen uns zügig um und gingen los und die Altstadt, die Neue Stadt und natürlich die Alte Brücke zu erkunden. Zum Ende des Abends waren wir dann gute 7km gelaufen und haben nochmal einige Fotos auf Speicherkarte. Der Bereich um die Alte Brücke ist vollkommen den Touristen gewidmet. Verkaufsstände ohne Ende. Restaurants ohne Ende und teilweise penetrante Schlepper die einen in die Etablissements locken wollen. Zwischendrin sitzen immer wieder Bettler. Vor allem junge Frauen mit Baby. Die Alte Stadt kann uns auf Anhieb nicht so richtig begeistern. Erst nach 18 Uhr als die Reisebusse ihre Ladungen wieder aufgenommen haben und es deutlich ruhiger wurde, gewinnt der Bereich um die Brücke an Charme. Wenn man die Alte Stadt verlässt und sich in Richtung neues Zentrum wagt, oder auf der anderen Seite der Neretva die Straßen erkundet dann ist der Krieg wieder präsent. Hier gibt es noch viele leerstehende Ruinen mit Einschusslöchern zwischen nagelneuen Bauten, andere Häuser sind teilsaniert. Aber was uns immer wieder auffiel, ist die Anzahl an Überwachungskameras an neueren Häusern. Nochmals stellt sich uns die Frage ist Mostar so unsicher? Das Gefühl hatten wir auch in den kleinen Gassen eigentlich nicht.