Sardinien 2017 – Tag 5 – Orgosolo – 176 km

Ausgeschlafen aufwachen ist toll. So soll Urlaub sein. Wir sehen durchs Fenster schon den blauen Himmel und springen förmlich aus dem Bett – NEIN! Wir sind natürlich müde wie immer und wer will früh schon aufstehen? Erst recht wenn er in einem saubequemen Bett mit Panoramafenster und Blick aufs Meer aufwacht. Naja wir haben ja keinen Stress die Tagesdistanzen sind eher kurz. Wir machen uns erstmal Rühreier und frühstücken gemütlich – irgendwie hab ich beim einkaufen gestern Pompelmo Saft erwischt statt Orangensaft… Grapefruitsaft am Morgen, das ist echt übel!!! Dann wird gepackt, die Moppeds aus der Garage geholt und verzurrt. Um 10:25 starten wir dann endlich das Abenteuer Sardinien.

Download

Die SS125 an der Küste entlang soll sehr schön sein und bei Motorradfahrern beliebt… soll? Naja der Funke springt nicht so recht über. Die SS125 ist auf jeden Fall viel befahren und die Kurven sind überschaubar. Besser wird das heute erst als wir sie verlassen und die SS129 ins Landesinnere nehmen. Hier herrscht weniger Verkehr und die Kurven machen schon mehr Laune. Landschaftlich merkt man deutlich dass es bis gestern 8 Monate lang keinen Regen gab. Alles ist vertrocknet und staubig. Wir verlassen die SS129 um zu einer besonderen Quelle zu fahren. Die Quelle liegt am Nordhang des bis zu 1463 m hohen Supramontemassivs. Sie ist der Ausgang eines riesigen, bis zu einer Tiefe von 135 Metern erforschten Karsthöhlensystems. Das Wasser entspringt einem bläulich schimmernden Quelltopf, an dessen Grund sich die Austrittstelle, eine Spalte im Kalkfelsen, befindet. Der dort entspringende Bach mündet schon nach wenigen Metern in den Fluss Cedrino, der in das Mittelmeer fließt. Die Karstquelle ist mit einer mittleren Schüttung von 300 Liter pro Sekunde die wichtigste Quelle Sardiniens und wurde als Naturdenkmal ausgewiesen. Die Schüttung kann in Spitzenzeiten auf über 50.000 l/s ansteigen. Hier begegnen wir einem anderen Pärchen aus Würzburg (die Franken sind aber auch überall) welche Sardinien mit dem Mietwagen erkunden.

Der Nächste Stopp ist auf dem Monte Ortobene, dem Hausberg von Nuoro, geplant. Der Weg dorthin zaubert ein Lächeln auf unsere Gesichter und wir genießen die Kurven und den nicht vorhandenen Verkehr. Der Ausblick vom 900 Meter hohen Berg kann sich sehen lassen. Wir beobachten ein wenig die Wolken beim ziehen bevor wir die letzten km des Tages unter die Räder nehmen. Wieder erfreut uns die kurvige Strecke, allerdings ist sehr viel Sand durch den gestrigen Regen auf die Fahrbahn geschwemmt worden, was unseren Fluss beim Fahren etwas einschränkt. In Orgosolo angekommen suchen wir das Bed and Breakfast welches wir gestern auf Booking.com reserviert haben. Ohne Navi wäre das echt knifflig geworden. Kleinste Gässchen, nahezu alle Einbahnstrassen und das ganze an einem Hang gelegen. Als wir es endlich gefunden haben wird uns sofort der Privatparkplatz aufgesperrt. Inmitten der eng an eng stehenden Häuser tut sich ein Innenhof von der Größe eines halben Fussballplatzes auf. Wir staunen nicht schlecht und stauchen die Moppeds rein und verschließen nach dem Abpacken das Tor hinter uns.

Mit den Kameras bewaffnet ziehen wir los um Orgosolo zu Fuss zu erkunden. Die Stadt ist berühmt für ihre „Murales“ genannten Wandgemälde.

Die Wandmalereien in Orgosolo drückten zunächst den Protest gegen den geplanten NATO-Truppenübungsplatz auf dem Pratobello aus. Auch gegen die Mailänder Konzern-Chefs, die Gelder des Aufbauplans für Sardinien veruntreut haben, richtet sich der Protest. Neuere Bildnisse kommentieren z. B. die Weltpolitik – so wird Helmut Schmidt wegen Stammheim als „Experte in Sachen Staatsmord“ bezeichnet, ein Sieg der kambodschanischen und vietnamesischen Kämpfer gegen die USA am 25. April 1978 gefeiert und die Zahl der unschuldigen Opfer für den Sturz Saddam Husseins wird hinterfragt. Andere Bilder stellen das einfache Hirten- und Dorfleben dar, setzen sich für die Erhaltung der Sardischen Sprache ein. Viele der ca. 120 Murales orientieren sich stilistisch am Kubismus in der Art von Picassos Guernica, aber auch realistischere Gemälde sind darunter. Trotz einiger Beschädigungen etwa durch Umbauten von Häusern oder Witterung sind alle Murales weitgehend sehr gut erhalten. Leider verstehen wir aufgrund der Sprachbarriere viele der Murales nicht. Andere sind aufgrund der Bilder eindeutig. Nachdem wir gute 2 Stunden durch die Stadt gewandert sind suchen wir uns ein Restaurant um Abend zu essen. Ausschließlich lokale Gerichte lassen wir uns servieren und sind begeistert. Vor allem von der Nachspeise: Seadas mit warmem Honig. So gestärkt treten wir den Rückweg zu unserer Unterkunft an und lassen den Tag bei der Routenplanung für morgen und dem Sichern der Bilder ausklingen.

Sardinien 2017 – Tag 3 & 4 – Genua & Capo Coda Cavallo – 242 km & 26 km

Wir starten äußerst gemütlich in den Tag. Die Nacht im Zelt war erholsam, obwohl sie relativ unruhig war. Direkt neben dem Campingplatz verläuft eine große Strasse und eine Bahnlinie, welche für einen gewissen Lärmpegel sorgen. Bis 11 Uhr sollten wir den Campingplatz verlassen und das wollen wir auch vollständig ausreizen. Erstmal gibt es Frühstück, dann lungern wir noch ein wenig herum, bevor wir so langsam beginnen unsere Sachen zusammenzupacken. Immerhin haben wir heute nur 230 km vor uns und die Fähre in Genua läuft erst um 21:30 Uhr aus.

Download

Tatsächlich haben wir es geschafft den Platz erst um 11:10 Uhr zu verlassen. Wir fahren erstmal wieder auf einer relativ großen Strasse kerzengerade dahin. Die Strecke bis Piacenza lässt sich mit einem Wort beschreiben: Laaaaaaangweilig!!! Wenn wir nicht extrem viel geschlafen hätten, wäre ich unterm Fahren einfach weggepennt. Landschaftlich war auch nicht viel geboten. Lediglich was mir immer wieder auffällt, ist wieviele Ruinen von augenscheinlich früher großen Betrieben es in anderen Ländern gibt. In Deutschland sieht man viel weniger verfallene Gebäude. Auf der Umfahrung von Piacenza legen wir eine Kaffeepause an einer Tankstelle ein. Anja trinkt puddingartige heiße Schokolade und kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Ich genieße meinen Cappuccino und freue mich darüber wieder etwas wacher zu werden.

Was nun folgt hätte ich nicht im Traum erwartet. Eingestellt war ich auf weitere 100 langweilige Kilometer. Aber so ist das wenn man nicht viel vorbereitet hat und Basecamp die Routenplanung überlässt – man wird auch mal positiv überrascht. Die Strecke von Piacenza nach Genua sollte man definitiv mal gefahren sein. Wenig bis garkein Verkehr. Kurve an Kurve und landschaftlich einfach nur geil! Da macht das fahren auch wieder Laune! Um kurz vor 16 Uhr nach 3 Stunden und 50 Minuten Fahrtzeit passieren wir das Ortsschild von Genua und stoppen erstmal an einer Repsol Tankstelle. Die Motorräder nochmal volltanken und kurz innehalten bevor es in den Stadtverkehr geht.

Nach einer halben Stunde starten wir das Abenteuer einmal quer durch eine italienische Hafenstadt. An Hässlichkeit ist Genua wohl nur schwer zu überbieten. Ich muss mich tatsächlich auch mal schlau machen, ob es hier etwas Sehenswertes gibt. Hochhaus reiht sich an Hochhaus und die Kampfgeschwader bestehend aus Rollern attackieren uns heftig. Unsere Mission: Etwas zu Essen und zu Trinken kaufen und dann zur Fähre. Um 16:50 stoppen wir an einem Supermarkt neben dem ein Dönerladen liegt. Die Motorräder auf dem Gehweg abgestellt gehe ich Wasser kaufen und bestelle uns zwei Döner, welche wir direkt vor dem Laden verspeisen. Dann noch eine Pide zum mitnehmen. Diese wird frisch für uns gemacht. Das kenne ich aus den Dönerbuden in Deutschland so nicht. Die wärmen eine Pide immer nur auf. Nach knapp 45 Minuten satteln wir wieder auf und begeben uns aufs Hafengelände. Der Checkin verläuft reibungslos und wir stellen uns als erste Motorräder neben die Schlangen von Autos, welche schon warten.

Nach einer Stunde Wartezeit beginnt um 18:30 Uhr das verladen. Wir stellen die Motorräder an den zugewiesenen Positionen ab, packen das nötigste in den Rucksack und machen uns auf den Weg zur Kabine. Eng sind diese ja schon, vor allem wenn man nicht der kleinste und schlankste ist – so wie ich. Irgendwie halte ich es nie lange in diesen Kabinen aus. Nach einer Dusche suchen wir das Deck auf und führen die Kameras nochmal aus. Die blaue Stunde bietet einige schöne Motive im Hafen. Nur die Stative gehen uns ein wenig ab, würden auf dem Schiff aber keinen Sinn machen.

Pünktlich um 21:30 Uhr legen wir ab und verlassen den Hafen von Genua. Wir ziehen uns zurück auf unsere Kabine und beginnen doch noch mit ein wenig Routenplanung für Sardinien. Insgesamt erscheinen uns die Distanzen als relativ kurz und eine Inselumrundung sollte in den uns zur Verfügung stehenden 10 Tagen locker zu schaffen sein. Der eine oder andere Abstecher ins Landesinnere sollte dabei auch drin sein. Die Tagesstrecken werden sich dabei an verfügbaren Campingplätzen orientieren. Müde und voller Vorfreude fallen wir in einen tiefen Schlaf.

Um 6:20 Uhr klingelt der Wecker. Wir wollen unter den ersten beim Frühstück sein. Bei der Buchung konnte ich leider nur ein Frühstück auswählen. Ein zweites war nicht mehr buchbar. An der Theke ist dies dann kein Problem, allerdings trifft uns an der Kasse fast der Schlag. Insgesamt haben wir nun 30 Eur für Rühreier mit Speck, zwei Croissants, zwei Semmeln, 4 Scheiben Wurst& Käse, einen Kaffee, eine heiße Schokolade und zweimal Orangensaft bezahlt. Echt heftig für die Qualität welche hier geliefert wird. Nach dem Frühstück heisst es packen und warten dass die Fähre anlegt und wir aufs Parkdeck dürfen. Die Motorräder stehen so dass wir ziemlich als letzte die Fähre verlassen werden, insofern haben wir keine Eile. Andere Biker zwängen sich schonmal in Ihre Regenkombi, was bei uns erstmal für Verwunderung sorgt. Wir hatten schon lange keinen Blick mehr nach draußen geworfen.

Als wir die Fähre verlassen sehen wir uns dunklen Wolken gegenüber, aber noch ist es trocken. Als wir Olbia verlassen fängt es dann an zu regnen. Ein paar Kilometer weiter stoppen wir an einer Tankstelle um uns unterzustellen. Ein kurzer Blick aufs Handy – okay, das Wetter soll die nächsten Tage perfekt sein, aber heute nur Regen bis ca. 18 Uhr. Regen an sich stört uns nicht, aber der Ausblick ist durch die Wolken stark eingeschränkt. Wir öffnen kurzerhand booking.com und sehen uns nach einem Zimmer um, schließlich haben wir ja Urlaub also warum nicht einfach faul sein? In 5 km Distanz finden wir freie Zimmer im Cala Paradiso Residence Wir fahren kurzentschlossen hin und checken ein. Die Motorräder bekommen einen Platz in der Garage neben einer ansehnlichen Sammlung von alten BMWs. Den Tag verbringen wir damit zu schlafen, den ersten Bericht online zu stellen, einkaufen zu gehen und gegen Abend gehen wir an den Strand und machen ein paar Langzeitbelichtungen.

Nach dem Abendessen (Ravioli mit Ricotta an gebratenem Gemüse) werfen wir noch einen sehnsüchtigen Blick gen Himnmel. Für Milchstraßenbilder ist es aber leider zu bewölkt, obwohl es ab 17 Uhr aufgehört hatte zu regnen und aufgerissen ist. Wir haben auch unsere Planung nochmal abgestimmt und wollen morgen bis Orgosolo fahren, wo wir spontan nochmal ein Bed and Breakfast gebucht haben um Abends die Straßen der Stadt mit ihren Murales (Wandbilder) zu erkunden.

Sardinien 2017 – Tag 1 & 2 – Reschenpass & Lago d’Iseo – 678 km

Urlaubsplanung, das ist normalerweise ein Thema in dem wir fast schon Weltmeister sind. Anja liest Reiseführer, ich lese Foren und tüftle Routen aus. Wochen vor einem Trip haben wir dann meistens ziemlich genaue Vorstellungen was wir im Zielgebiet sehen wollen und wie die geplante Route grob aussehen soll. Hat das heuer in den Pyrenäen gerade noch so ganz gut geklappt, so ist es diesmal für unseren geplanten Sardinien Trip ganz anders. Anja hat den Reiseführer zwar gelesen, wir haben aber noch nicht ein Wort darüber gesprochen. Wir haben Fährtickets ab Genua nach Olbia und auch wieder zurück. Eine Route um nach Genua zu kommen war mit Basecamp schnell gestrickt. Augenmerk auf nicht zu hohe Pässe. Das Stilfser Joch z. B. liegt schon im Schnee. Ein obligatorischer Halt im Garni Wallnöfer am Reschensee bei Elisabeth bietet sich an. Also dort noch ein Zimmer für den ersten Abend klar gemacht. Und das war es dann auch schon. Weiter sind wir nicht mehr gekommen. Wir sind beide aktuell jobtechnisch so eingebunden dass wir abends (wenn wir mal daheim sind) einfach völlig platt umfallen. Gut, dann agieren wir diesmal eben spontaner.

Download

Pünktlich zum Start am 23.09.2017 hat Anja sich noch eine Grippe eingefangen und schnieft nur so vor sich hin. Die Motorräder packen wir Freitag Abends um 22 Uhr – früher hat das einfach nicht geklappt – und den Rest am Samstag morgen. Wir lassen es langsam angehen. Das Zimmer für den Abend ist gebucht und die 400km bis zum Reschen sitzen wir normalerweise auf einer Arschbacke ab. So läuft es dann auch. Um kurz vor 11 starten wir nachdem wir in einem Anflug von Aktionismus noch die Wohnung geputzt hatten. Die Strecke durch Deutschland und Österreich langweilt uns. Wir kennen sie quasi auswendig und der dichte Verkehr in Österreich trägt nicht dazu bei dass wir sie ansprechender finden. Über Füssen und den Fernpass geht es dem Tagesziel – Pizzaessen entgegen.

Kurz nach 18 Uhr rollen wir direkt in die Garage bei Elisabeth – dies führt direkt zu Verwirrung bei der Gruppe BMW Fahrer welche erstmal ein Ankunftsbier getrunken hat und nun die Motorräder nach uns in die Garage sortieren darf. Kurz umgezogen und schon sind wir dank Taxiservice auf dem Weg in die Pizzeria Hans direkt am Pass. Eine Suppe, Pizza für mich und Gnocchi für Anja später warten wir wieder auf den Fahrservice welcher um 20 Uhr die BMW Fahrer bringen sollte und uns mit zurück nehmen soll. Die Gruppe hatte wohl aber ein oder zwei Bierchen mehr und war 20 Minuten zu spät dran. Egal, wir sind im Urlaub und auf uns wartet heute eh nur noch das Bett. Anja kann den Schlaf gut gebrauchen um gegen die Grippe anzukämpfen.

Download

Um 7 Uhr klingelt der Wecker und schickt uns unter die Dusche. Gemütlich frühstücken und die paar Sachen welche wir ausgepackt hatten wieder verstauen. Um kurz nach 9 Uhr sitzen wir wieder im Sattel und starten in Richtung Meran. Endlose Apfelplantagen im Val Venosta und wieder sehr dichter Verkehr heben die Stimmung immer noch nicht wirklich an. Anjas Nase läuft schneller als wir fahren können. Ab Lana wird die Verkehrsdichte dann endlich besser. Wir fahren über den Passo delle Palade und den Passo del Tonale. Auf 1800 Meter kommen wir der Schneegrenze schon ziemlich nahe. Die Strecke wird jetzt noch langweiliger und die Straßen größer. Die letzten 50km bis zum Lage d’Iseo sind schon fast autobahnähnlich. Ich habe heute massive Probleme zu erkennen, wie schnell ich eigentlich fahren darf. Die Beschilderung ist sehr lückenhaft, nur aufs Garmin Navi will ich mich nicht verlassen und nach den Italienern kann man sich nicht mal ansatzweise richten. Der eine krabbelt mit 30 km/h dahin während der andere bei jeder Gelegenheit mit 100 km/h überholt. Wir sind froh als wir heute nach knapp 280 km auf den Campingplatz Covelo am Lago d’Iseo rollen.

Anja ist der Meinung dass die Temperaturen okay sind um mit Grippe die Nacht im Zelt zu verbringen. Ich kann auf dem Campingplatz irgendwie nix mit mir anfangen. Wir sind es nicht gewohnt um 15 Uhr schon Zelt aufzubauen und quasi noch den halben Tag Zeit zu haben. Meist nutzen wir die Tage um vorwärts zu kommen. Diesmal haben wir uns aber bewusst 3 Tage Zeit genommen für den Weg nach Genua, da wir nicht abschätzen konnten welche Wege uns eventuell der Schnee madig macht. Zum Sonnenuntergang bekommen wir noch die Gelegenheit die Kameras zum Einsatz zu bringen. Direkt danach legen wir uns ab.

Morgen haben wir nur 230km bis nach Genua, das sollte in guten 4 Stunden erledigt sein. Das heisst wir lassen uns früh auf jeden Fall viel Zeit. Unsere Fähre geht um 21:30 Uhr, so dass wir in diesem Urlaub definitiv entschleunigt unterwegs sein können. Wie wir nun Sardinien erkunden, lassen wir auf uns zukommen. Vielleicht haben wir ja auf der Fähre noch Lust auf ein wenig Routenplanung, sonst gehts einfach der Nase nach.

Projekt Flachköpper: Mal schnell nen Tag ans Meer – Tag 4 – 385km

Der Tag der Abreise. Wenn man nur 5 Tage Zeit hat, um mal schnell ans Meer zu fahren, dann muss man leider nach nur einem Tag am Meer schon wieder den Rückweg antreten. Nach einer milden Nacht holte uns der Wecker um 7 Uhr aus dem Schlaf. So langsam hatte sich der Körper wieder an Schlafsack und Isomatte gewöhnt und heute hätten wir gefühlt noch 5 Stunden schlafen können. Die Bilder vom gestrigen Sonnenuntergang noch im Kopf kamen wir nicht so richtig in die Gänge. Wir wollten vor dem Frühstück schon einiges zusammenpacken und so legten wir los. Um 8 Uhr machte der Laden am Campingplatz auf und wir deckten uns nochmals mit Brot, Aufstrich und Salami ein. Die gewohnten Rühreier brutzelten auf dem Kocher und wir genossen die letzten ruhigen Minuten. Nochmal ein Bild auf die Webcams vom Felbertauern – was ist denn das? Nord und Südseite komplett weiß. Heute Nacht hatte es geschneit. Na da sind wir mal gespannt, wie es heute Nachmittag dort aussieht.

Download

Nach dem Essen das restliche Zeugs gepackt, noch kurz vom Meer verabschiedet und dann ab auf die Straße. Noch einige wenige Kilometer Kroatien, dann kurz mit Tankstop durch Slowenien. Eine Bäckerei durfte uns noch zwei Burek verkaufen. Und schon waren wir in Italien. Genauer gesagt in Triest. Und zwar mittendrin im italienischen Stadtverkehr. So als Deutscher der den Straßenverkehr im Heimatland gewohnt ist, wundert man sich immer wieder wie wenig hier eigentlich passiert. Scheinbar völlig chaotische Zustände (ja ich weiß aus Erzählungen dass es noch deutlich schlimmere Länder gibt) funktionieren hier einfach. Rote Ampel? Völlig egal, einfach drüber. Fahrspuren? Fehlanzeige, irgendwie kommt man schon durch. Nun ja, zu dritt auf zwei Motorrädern erforderte es ein wenig Gewöhnung und erhöhte Aufmerksamkeit hier unbeschadet durchzukommen.

Wir fuhren noch ein wenig am Golf von Triest entlang, bis kurz vor Monfalcone, dann bogen wir ab in Richtung Udine. Die Landschaft hier ist eher als langweilig zu bezeichnen. Das schönste war der Blick auf die Berge vor uns, denen wir uns unaufhörlich näherten. Dunkle Wolken hingen über Ihnen und verheißen nichts gutes. Noch aber hatten sie Zeit sich zu verziehen. Udine umfuhren wir großzügig und richteten uns nun nach Tolmezzo aus. An einer Tankstelle legten wir noch eine Pause ein, um die Burek zu verdrücken. So gestärkt querten  wir den Tagliamento und fuhren am Lago di Cavazzo entlang.

In Tolmezzo mussten wir einen Verkehrsunfall zweier Autos umgehen und folgten danach dem Fluss But. In den Bergen geben die Täler den Weg vor. Langsam ging es auch ein wenig höher. Der Plöckenpass / Passo di Monte Croce Carnico brachte uns auf einer Höhe von 1357m über die Grenze nach Österreich. Die dunklen Wolken hatten sich komplett verzogen und wir fuhren unter blauem Himmel dahin. Schnell ging es wieder einige Höhenmeter hinab und wir folgten erst der Drau und dann der Isel, um uns dem heute höchsten Punkt zu nähern, dem Felbertauerntunnel. Hier lag heute morgen noch frischer Schnee. Bei unserer Ankunft am Felbertauern gegen 17 Uhr war davon auf der Südseite nichts und auf der Nordseite fast nichts mehr zu sehen. Wir hätten noch einige Höhenmeter mehr überwinden müssen um eine geschlossene Schneedecke wie am Morgen vorzufinden.

Über Mittersil und Kitzbühel ging es vorbei am Skigebiet Wilder Kaiser im Brixental. Das Tagesziel rückte in greifbare Nähe. In Kufstein kauften wir in einem MPreis ein, um uns mit Gösser Kracherl und Ringo einzudecken. Die letzten Kilometer nach Vorderthiersee zum Campingplatz Hiasenhof zogen sich gefühlt nochmal ein wenig. Der See liegt ruhig in seinem Talkessel. Kurz nach Ankunft am Platz fing es an, ein wenig zu nieseln. Schnell stellten wir die Zelte auf, nur um festzustellen, dass es direkt nachdem sie standen aufhörte zu regnen. Der Abend war bereits fortgeschritten und es wurde zunehmend kühler. Erst recht, wenn man vom Mittelmeer kommt. Die Mädels bereiteten das Abendessen zu, während ich nochmals ein wenig mit den Graufilter vor der Kameralinse am See spielte. Das warme Essen tat gut nach diesem anstrengenden Tag. Die Nacht würde kühl werden und so kuschelten wir uns nach dem Essen schnell in die Schlafsäcke, um morgens fit für den endgültigen Heimweg zu sein.

 

Projekt Flachköpper: Mal schnell nen Tag ans Meer – Tag 2 & 3 – 313km

Die Kühle der Nacht noch in den Knochen begrüsste uns der zweite Tag unserer Reise wieder mit bomben Wetter! Blauer Himmel und Sonne lockten uns schnell aus dem Zelt und machten das Frühstück gleich viel angenehmer. Rührei vom Benzinkocher, dazu Toasties und Brioche mit Marmelade. So gestärkt packten wir die Zelte und starteten in die zweite Etappe. Heute standen Österreich, Slowenien, Italien und Kroatien auf dem Programm. Und zum Tagesabschluss noch das Wichtigste: Unsere Ankunft am Meer.

Download

Wir folgten der Möll, welche in die Drau übergeht. Ein Fluss ist immer ein Garant für Kurven. So auch hier. Nach knapp 100 km Kurvenhatz in den Bergen, überquerten wir die erste Grenze des Tages. An Italien wollten wir uns aber erst gar nicht gewöhnen, verließen wir das Land doch direkt wieder über den Passo di Predil. Der größte Anteil des heutigen Tages sollte durch Slowenien gehen. Angefangen mit dem Triglav Nationalpark. Den Vrsic Pass hatten wir bewusst ausgelassen, da die Höhe noch Schnee versprach, welchen wir meiden wollten. Ein kurzer sehnsüchtiger Blick zum Mangart zeigte, dass dieser noch gesperrt ist. Später sollte ich noch lesen, dass er nach 4 km Fahrtstrecke tatsächlich unpassierbar für Kräder ist. Gut, dass wir es nicht versucht haben. Inzwischen zum dritten mal hier vorbeigefahren und das Wetter oder die Schneelage verhindern das befahren. Aber das werden wir irgendwann noch nachholen.

Den Triglav Nationalpark verlassen wir entlang der Soca. Ein Fluss, der uns immer wieder mit seiner Wasserfarbe in seinen Bann zieht. Schon einige Male folgten wir seinem Lauf, daher kamen uns die Straßen bereits wohlbekannt vor. Srpenica, Kobarid und Tolmin ließen wir zügig hinter uns und eilten gen Nova Gorica. Hier verabschiedeten wir uns von der Soca und drehten nochmal ab, um parallel zum Meer weiterzufahren. Triest und die Italienische Küste wollten wir uns für den Rückweg aufsparen. Der nächste Wendepunkt kam mit erreichen der A1. Entlang dieser nahmen wir nun endlich das Salzwasser ins Visier. In Koper, der einzigen Seehafenstadt Sloweniens, kam die Adria zum ersten mal in Sichtweite und führte zu unruhigem Zappeln auf meinem Soziusplatz. Ein paar wenige km galt es allerdings noch auszuhalten. Ein Stück unterhalb von Umag  kamen wir gegen 16:30 auf dem Campingplatz Finida Umag an. Bevor die Zelte aufgeschlagen wurden, musste erstmal das Meer angefasst werden. Ein moderner, sehr gepflegter Platz erwartete uns.