Lissabon – die Schöne am Tejo – Tag 4 – 6

Am nächsten Tag war unser erstes Ziel die Markthalle – Mercado da Ribeira. Die restaurierte Halle steht nur noch zum Teil als traditioneller Markt, auf dem man Fisch, Fleisch, Käse, Gemüse, Obst, Blumen und Bacalhau erwerben kann, zur Verfügung.

Der andere Teil ist dem Timeout Market gewichen, hier finden sich Restaurants, die alles frisch zubereiten und qualitativ hochwertiges Essen für erschwingliche Preise bieten. Die Bandbreite geht von typisch portugiesisch, über asiatisch, bis hin zu Sushi und Schokotorte.

Das Prinzip ist einfach, Restaurant auswählen, Essen am Tresen bestellen, bezahlen, Piepser mitnehmen und sich einen Platz suchen. Wenn der Piepser loslegt, ist das Essen fertig und kann abgeholt werden.

Wir waren uns sicher, hier unbedingt mal zum Essen her zu müssen, vorher wollten wir uns aber noch einen großen Teil Lissabons, der noch fehlte ansehen: die Alfama und Mouraria – das alte Lissabon.

Die älteste Kirche Lissabons, die Kathedrale Sé machte den Anfang. Von hier aus folgten wir den Schienen, auf denen immer wieder die kleinen Eléctricos vorbeirumpeln, den Berg hinauf.

Das Burgareal an sich hatte ich schon auf dem Schirm, aber irgendwie nicht heute… Ich habe – zum Glück – Tobis Drängen nachgegeben, die Burg gleich heute und jetzt anzusehen… Es gibt nämlich nur einen Eingang, und auf den sind wir geradewegs zugelaufen.

Obwohl es nicht viel zum Ansehen gibt, haben wir doch viel Zeit im Castelo de Sao Jorge verbracht. Nicht zuletzt um einen dieser besch….. Pfaue zu erwischen, wie er gerade ein Rad schlägt. Aber es war uns nicht vergönnt, sogar meine Versuche, einen der Vögel zu bedrohen und als Verteidigungshaltung des Pfaus ein Rad zu bekommen, sind gescheitert.

Danach waren wir mittendrin: die schöne Alfama mit ihrem Gassengewirr und Treppen, Wäsche die aus den Fenstern hängt, Blumentöpfen auf jedem noch so kleinen Plätzchen, der Geruch von südländischem Essen liegt in der Luft und bunte Girlanden, die noch vom letzten Fest im Wind flattern schmücken die Straßen und Plätze. Am Fuß des Hügels angelangt, ging es vorbei am Casa dos Bicos – dem Haus der Spitzen und wir gelangten wieder auf den Handelsplatz. Nach erneutem Fotos schießen – inclusive störendem Pikachu im Bild – trieb uns der Hunger zum Timeout-Market in die Markthalle. Gut gestärkt spazierten wir am Pier entlang, bevor wir uns auf den Rückweg zum Hotel machten.

Und schon ist unser letzter Tag in Lissabon angebrochen. Ein absolutes Muss fehlte uns noch: eine Fahrt mit der Electrico 28. Die Linie rattert an allen Sehenswürdigkeiten Lissabons vorbei und startet auch noch direkt vor unserem Hotel.

Die Erfahrung hat uns früh aus dem Bett geholt, damit wir um kurz nach 8 in eine vollkommen leere Electrico steigen konnten. Ab halb 10 sind diese bis zum Bersten gefüllt und an jeder Haltestelle wollen noch mehr rein.

Wir konnten mit ein paar Lissabonnern eine ganz entspannte Fahrt mit Sitzplatz von unserem Hotel aus, durch die Mouraria, die Alfama, durch das Stadtzentrum, bis hinaus zum großen Friedhof – Cemiterio dos Prazeres genießen. Die kleinen Wagons rumpeln Hügel hinauf und hinunter, Zentimeter nur an Autos und Hauswänden vorbei, in Deutschland undenkbar.

In dem Friedhofsgelände liefen wir kreuz und quer, vorbei an prächtigen Mausoleen und bescheidenen Grabstellen.

Tobi hielt noch einen kurzen Plausch mit einem Studenten, dem der Friedhof sehr am Herzen liegt und der auch immer wieder Führungen anbietet. Es wird sehr viel Zeit und Geld in die Erhaltung und Restauration investiert, damit man gerne herkommt und Zeit für einen Spaziergang mitbringt.

Drei Stationen mit der Linie 28 zurück steht man direkt vor der Basilica da Estrela – die weiße Kuppel mit den beiden Türmen daneben prägt das Stadtbild Lissabons. Für 4 EUR kann man auf das Dach der Basilika und einen Rundgang durch das Innere der Kuppel mit Blick in die Kirche machen.

Von hier aus nahmen wir die Electrico auf demselben Weg zurück in die Alfama, wie wir gekommen sind, mit dem Unterschied, dass die kleine Bahn bis zum Bersten voll mit Leuten war.

In der Nähe der Igreja e Mosteiro de Sao Vicente de Fora stiegen wir aus, und liefen den restlichen Weg bis zur Kirche durch die pittoresken Gassen nach oben.

Unser letzter Halt in der Altstadt  war die Igreja  de Santa Engracia – Portugals National-Pantheon. Auch wieder eine weiße Kirche, deren Kuppel weithin sichtbar ist. Das Innere der Kirche ist harmonisch in Braun- und Cremetönen gehalten. Über ein sehr gut begehbares Treppenhaus kann man bis auf das Flachdach der Kirche steigen. 25 Grad, Sonnenschein, den Blick auf den Tejo und die schmerzenden Füße wollten entlastet werden, da liegt es doch nahe, einfach die Schuhe auszuziehen, und sich auf dem Kirchendach in die Sonne zu legen…. Traumhaft… Wir haben fast vergessen, dass wir hier auf einer Kirche liegen und diesen tollen Platz auch irgendwann wieder aufgeben müssen.

Unser letzter Halt sollte das Areal des Expo-Geländes werden. Für die Weltausstellung wurde 1998 extra die U-Bahnstation Oriente entworfen und gebaut. Die Überdachung erinnert an einen Palmenhain aus Stahl.

Wir verließen die riesige Station, die auch als Knotenpunkt für nationale und internationale Züge fungiert. Am Fluss angekommen hielten wir uns rechts, vorbei am Oceanário, bis zur Seilbahn, die ihre Passagiere am Fluss entlang bis zum Torre Vasco da Gama – Lissabons höchstem Gebäude – bringt. Auf dem Rückweg schlenderten wir noch durch das Einkaufszentrum Centro Comercial Vasco da Gama und verbrachten die Blaue Stunde inmitten der Gebäude, die im Zuge der Expo alle einen Bezug zum Meer und der Seefahrt  bekamen.

Der Abreisetag begrüßte uns bewölkt, was es uns trotzdem nicht leichter machte, diese Stadt wieder zu verlassen. Es ist sauber und gibt viel zu erkunden, auch kulinarisch hat Portugal einiges zu bieten, die Menschen sind freundlich, jederzeit hilfsbereit ohne aufdringlich zu sein und unterstützen die eigenen Leuten genauso, wie die Fremden. Wir können jedem nur empfehlen, sich diese wunderschöne Stadt selbst anzusehen und hoffen ihr irgendwann nochmal einen Besuch abstatten zu können.

Übrigens: Wir waren das erste Mal mit zwei Kameras unterwegs und haben die Eindrücke mit unterschiedlichen Perspektiven festgehalten. Viel Spaß beim Rätseln, wer wohl welches Bild gemacht hat.

Lissabon – die Schöne am Tejo – Tag 1 – 3

Endlich mal wieder fliegen! Tobi lässt es über sich ergehen, ich wiederum finde es aufregend, hier einzusteigen und 3 Stunden später an einem völlig anderen Ort wieder auszusteigen. Tobis Abneigung kann aber auch daher rühren, dass zuerst er und dann sein Koffer einer vollständigen Visitation unterzogen wurden… Ich denke immer noch, dass es an dem Vollbart liegt…

Nach einem geschmeidigen Flug von Nürnberg über München nach Lissabon fanden wir uns  bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad in Portugals Hauptstadt wieder.

Wir benutzten die Metro um in den Stadtkern und damit zu unserem Hotel zu gelangen.

In Lissabon erhält man 24-Stunden-Karten für 6,15 EUR pro Erwachsenem und kann damit alle Metro-, Bus-, Tramlinien und die Elevadores benutzen. Das Ticket läuft los, ab dem ersten Mal „stempeln“, die Karten sind mehrfach verwendbar und können immer wieder aufgeladen werden.

Nach ein bisschen am Hotelzimmer rumtrödeln wollten wir die letzten Stunden des Tages auf eine Art und Weise nutzen, die uns sonst gar nicht ähnlich sieht: Planlos und ohne Gepäck! Nur mit der Kamera und dem Objektiv was dran war bewaffnet, setzten wir uns aufs Geradewohl in Bewegung. Wir liefen um den Klinikkomplex – in der Hoffnung, diesen nie von Innen sehen zu müssen- und zogen uns durch kleine Gassen den gerade erklommenen Hügel wieder nach unten.

Plötzlich fanden wir uns mitten im Getümmel wieder, wir waren auf dem Rossio. Das Pflaster bildet ein kunstvolles Wellenmosaik, Menschen verschiedenster Abstammung gehen hier Ihren Tätigkeiten nach oder warten einfach darauf, dass die Zeit vergeht. Etwas nach hinten versetzt findet sich die Igreja Sao Domingos, wo einst die Inquisition ihre Urteile verlas. Eine Kirche die uns wirklich begeistert hat. Man sieht  ihr den nagenden Zahn der Zeit an, die Kirche ist nicht restauriert, sondern bröselt vor sich hin, trotzdem ein stolzes Gebäude.

Von da aus ging es weiter in Richtung Fluss, wir machten noch einen Abstecher zu unserem ersten Elevador. Der Elevador de Santa Justa ist ein richtiger Aufzug, der in einem verspielten gusseisernen Turm hochgezogen wird. Die Aufzugfahrt ist im Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel inbegriffen. Die Aussichtsplattform oben betreten zu dürfen schlägt mit 1,50 EUR pro Person zu buche. Oben angekommen genossen wir unseren ersten Ausblick auf Lissabon, den Tejo, das Treiben unter uns und die Burg, die im warmen Licht der untergehenden Sonne leuchtete.

Danach zogen wir uns durch die Fußgängerzone über die Rua Augusta bis zum Tejo. Wir erlebten einen rot leuchtenden Sonnenuntergang und ärgerten uns ein bisschen, kein Stativ dabei zu haben.

Unser erster voller Tag in Lissabon begann auf dem Praca dos Restauradores. Hier befindet sich die Talstation des Elevador da Gloria, einer Standseilbahn, die die Unterstadt mit der Oberstadt verbindet. Man fährt vorbei an der Straßenkunstgalerie, wo sich die Graffiti-Künstler der Stadt austoben dürfen, bis zum Miradouro Sao Pedro de Alcantara, ein wunderbarer Aussichtspunkt für einen Blick auf das alte Lissabon mit seinen Kirchtürmen und Kuppeln, sowie der Burg.

Linker Hand steht das gleichnamige Kloster mit einer kleinen Kapelle. Hier ist die Kirche in den für Lissabon so typischen Kacheln verziert, was der Kirche ein ganz eigenes Aussehen gibt. Wir bummelten danach durch die Straße bis zum Park Principe Real. Unterwegs fanden wir eine kleine Bäckerei in der wir uns Pasteis de nata (Kleine Blätterteigtörtchen gefüllt mit Sahnepudding) und Pasteis de Bacalhau mitnahmen. Diese süßen Kleinigkeiten sind unverschämt lecker und ich nehme schon mal vorneweg: wir haben jeden Tag welche gegessen.

Danach bogen wir in die Rua do Seculo, eine ruhige aber relativ steile Straße, um die Oberstadt langsam wieder zu verlassen und legten am Miradouro de Santa Catarina – einem frisch restaurierten Platz – eine kleine Pause ein. Mit Blick auf den Tejo mit der Ponte 25 de Abril (San Francisco Brücke) und der Christo-Rei-Statue ließen wir uns unsere Pasteis schmecken.

Vorbei am kleinsten Elevador der Stadt – Elevador da Bica – über den Largo de Camoes ging es in die belebte Rua Garett. Hier befindet sich Europas älteste Buchhandlung Livraria Bertrand. Ein bisschen versteckt  geht es links die Straße hoch zum Largo do Carmo und damit zur Klosterruine Igreja do Carmo. Der gotische Konvent aus dem 14. Jh. wurde beim Erdbeben 1755 fast vollständig zerstört, stehen geblieben sind nur die eleganten Pfeiler und Bögen.

Zur blauen Stunde befanden wir uns auf dem Praca do Comercio – dem Handelsplatz, an drei Seiten umgeben von gelben Gebäuden mit Arkadengängen.

Typisch portugiesisch war unser Abendessen: wir aßen Bacalhau im Bread4you; ein ganz kleines Bistro, super Essen, freundlicher und bemühter Service und kuschelige Atmosphäre.

Tag 3 verbrachten wir im Stadtteil Belem. Die Tram brachte uns bis vor die Haustüre des Mosteiro dos Jeronimos – das Hieronymuskloster.

Das imposante Gebäude sollte das erste sein, was vom Schiff aus bei der Ankunft in Lissabon zu sehen war. Der Baustil und die üppigen Verzierungen sind eine Mischung aus Gotik, Renaissance und Orientalischen Einflüssen. Farbe braucht es nicht, die feinen und kunstvollen Verzierungen sprechen für sich. Die Kirche ist ohne Eintritt zu besichtigen, für den doppelstöckigen Kreuzgang muss man Eintritt zahlen.

Ich bin auf beiden Ebenen des Kreuzganges mindesten 4 Runden gelaufen und habe trotzdem nicht alles gesehen. Es gleicht keine Säule der anderen, jedes gemeißelte Gesicht trägt einen anderen Ausdruck und die spitzen Türmchen vermitteln den Eindruck irgendwo im Orient unterwegs zu sein.

Der Fußmarsch bis zum Torre de Belem zieht sich etwas, aber wir haben im Kloster ein Kombi-Ticket für 12 EUR erworben, und wollten uns den Turm nicht entgehen lassen.

Auch dieser ist im manuelinischen Stil gehalten und für einen Wehrturm reich verziert; gedacht war er eigentlich auch eher zum Empfang der Schiffe, als zur Verteidigung. Um auf die Terrasse zu gelangen muss man sich nochmals anstellen. Es befindet sich nur eine Treppe in dem Turm, weswegen eine Blockabfertigung stattfindet, 120 Personen dürfen rauf und werden gesammelt wieder nach unten geschickt, bevor die nächsten 120 hoch dürfen.

Unser nächster Stopp war der Padrao dos Desobrimentos – das weiße, 50 m hohe Denkmal schiebt sich wie der Bug einer Karavelle in den Tejo. An der Spitze befindet sich Prinz Heinrich der Seefahrer, dahinter reihen sich wichtige Persönlichkeiten jener Zeit ein. Für 3 EUR darf man mit dem Aufzug nach oben, auf die Aussichtsterrasse fahren. Während wir noch den Ausblick genossen, überlegten wir, was wir mit dem Rest des Tages anfangen wollten.

Ein bisschen auswärts gelegen ist das Aqueduto das Aguas Livres – das Aquädukt der freien Wasser. Ein imposantes Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert, mit dem Wasser 18,5 km unter- und oberirdisch bis in ein Reservoir geführt wurde. Der eindrucksvollste Teil über das Alcantara-Tal besteht aus 35 Bögen, der Größte ist 65m hoch und 29m breit. Der Fußweg über das Aquädukt ist heute gegen Eintritt begehbar, allerdings waren wir zu spät dran und haben uns das Bauwerk nur von unten angesehen.

Teil zwei des Berichtes folgt in einigen Tagen.

 

Prag – Die Goldene Stadt zur Weihnachtszeit

Unser Advents-Städtetripp führte uns 2016 nach Prag. Auch wieder eine Stadt, die für ein verlängertes Wochenende gut zu erreichen ist und uns schon lange mal interessierte. Die Wahl des Transportmittels fiel schnell auf das Auto. Wir können uns weder für eine Zugfahrt, noch für eine Busfahrt wirklich begeistern. Liegt zum Teil auch daran, dass wir trotzdem erst mal auf ein Auto angewiesen sind, um überhaupt zu einem Zug- oder Busbahnhof zu kommen und auch unser voluminöses Gepäck macht es nicht besser (auch für nur 3 Tage schaffen wir es einen Skoda Superb Kofferraum vollzuschlichten – ich weiß, ein Luxusproblem).
Eine Nachfrage bei Sunny, ob sie mitgehen will, hatte strahlende Augen zur Folge. Schnell wurde das Hotel nochmal gewechselt und alles auf 3 Personen ausgelegt.

Wir starteten am Donnerstag Abend nach der Arbeit, das hatte sich die letzten Jahre bewährt. Um kurz nach 21:00 Uhr rollten wir – durch unendliche Einbahnstraßen – in die Altstadt und damit vor unserem Hotel ein. Laut Booking.com und der Homepage des Hotels seien Parkplätze vorhanden, eine Reservierung nicht erforderlich.
Ich staunte nicht schlecht, als Tobi nach dem Check In wieder am Auto war und uns in unseren Parkplatz stauchte: die Lücke zwischen zwei Häusern – das eine wegen Einsturzgefahr abgestützt – war mit einem Eisentor verschlossen. Voila, ein privater Parkplatz für 3 Autos. Unseres war das dritte. An der Rezeption checkte 10 Minuten nach uns jemand ein, der sich auch darauf verlassen hatte, einen abgesperrten Parkplatz zu bekommen… Sie bekam die Aussage, alles sei voll und sie müsse sich auf der Straße irgendwo was suchen. Tja, da erschien mir unser aktuelles Problem, wir sollten für die drei Tage unseren Autoschlüssel hinterlegen, weil wir nun ganz vorne stünden und der BMW hinter uns evtl. raus muss, gar nicht mehr so dramatisch. (Zu diesem Problem sei schon mal gesagt, der von uns eingeparkte BMW stand nach 3 Tagen bei unserer Abreise noch immer unangetastet auf seinem Platz, alle Aufregung umsonst).

Wir schleppten den Inhalt des Superb-Kofferraums auf einmal in unser Hotelzimmer – nach uns wurde ja wieder abgesperrt und packten erst mal aus.

Der erste Tag startete gut gestärkt nach dem Frühstück mit dem Gang zur U-Bahnstation und der Suche nach einem Fahrkartenschalter, an dem wir ein 3 Tagesticket für 310 Kronen erwerben können… Fehlanzeige! Nach längerem Suchen fanden wir in einem Kiosk, welcher in einer Art unterirdischen Einkaufszentrum gelegen war, eine Ticketverkaufsstelle.
Danach folgte nahtlos das nächste Dilemma: wir stiegen in die falsche U-Bahn, stiegen an der nächsten Haltestelle wieder um, hielten an einem U-Bahnhof, der eine Info haben sollte um endlich an einen brauchbaren Plan der Öffentlichen Verkehrsmittel zu kommen, fuhren bis zur Haltestelle an der wir in die Tram wechseln wollten, kamen an einer Stelle wieder ans Tageslicht, an der keine Tramhaltestelle war, liefen wieder in die falsche Richtung, korrigierten 2 Mal die Richtung und konnten dann endlich bis zum Petrin – dem Hausberg – gelangen, wo uns eine Standseilbahn nach oben bringen sollte.

Ich dachte ja immer, einen recht guten Orientierungssinn zu haben. In Prag hatte ich den irgendwie daheim vergessen. Insgesamt 2 Tage lief ich grundsätzlich in die entgegengesetzte Richtung, in die wir eigentlich wollten. Das ist echt frustrierend. Es wollte sich aber auch kein anderer bereit erklären, die Führung zu übernehmen…

Endlich auf dem Petrin angelangt, haben wir wegen des vielen Desorientiert-Seins gleich mal vergessen, ein Bild von diesem Berg aus auf die Stadt zu machen. Wir liefen schnurstracks durch die Parkanlage, am Eifelturm (eine Kopie des Pariser Originals) vorbei bis zum Strahov Kloster. Hier drehten wir wieder ein paar Runden, bis uns Google Maps die richtige Richtung verraten hatte.
Ein bisschen außer Puste kamen wir am Hradschin um Punkt 12 Uhr zum Wachwechsel an. Menschenmassen drängten sich vor dem Tor, hätten wir ein bisschen schneller geschalten und den Wachwechsel sein lassen, hätten wir ohne Anstehen in den Burgkomplex gelangen können. Kaum war das Spektakel zu Ende formte sich aus der unförmigen Masse an Menschen eine 100 m lange Schlange. Wir statteten dem Weihnachtsmarkt direkt nebenan noch einen Besuch ab und reihten uns danach in die Schlange der Wartenden ein. Während des Wartens nahmen wir einen Stehimbiss in Form von mitgebrachten geräucherten fränkischen Bratwürsten zu uns. Da kann man sagen was man will, die sind halt einfach gut.

Der Burgkomplex an sich ist kostenfrei zu betreten, hier wurden nur Sicherheitskontrollen durch die Polizei durchgeführt. Im Innenhof angekommen wollten wir uns die sehenswerten Highlights nicht entgehen lassen. Um in den Sankt-Veits-Dom und das Goldene Gässchen zu kommen benötigt man eine Karte, die den Eintritt in alle Gebäude auf dem Hradschin beinhaltet.
Gerade heute war der Dom für Besucher geschlossen. Was nun?
Die Karte kaufen und den Dom (weswegen wir hauptsächlich hier herauf sind) weglassen? Morgen wiederkommen? Dafür was anderes weglassen?
Nachdem ich meinen inneren Choleriker wieder unter Kontrolle hatte, entschieden wir uns dafür, die Gebäude nur von außen zu betrachten und gelangten auf der anderen Seite des Bergs wieder nach unten.

Von hier aus zogen wir uns in die Kleinseite und fanden uns an der St.-Niklas-Kirche wieder. Am Turmaufgang war nichts los und schon machten wir uns über die 303 Stufen auf den Weg nach oben. Hier war kein Gedränge und so konnten wir uns Zeit lassen, während wir unseren Blick über Prag schweifen ließen und das erste Mal die Karlsbrücke in Augenschein nahmen. Der Kirche selbst hätten wir auch noch einen Besuch abgestattet, aber sie war zu…. Das schien uns irgendwie zu verfolgen…

An der Karlsbrücke auf der Kleinseite angekommen erspähten wir noch die letzten Straßenkünstler und Ramschverkäufer, die in der Dämmerung ihre Stände zusammenpackten. Sunny und ich schlenderten über den Weihnachtsmarkt unterhalb der Brücke, während Tobi sich schon am Ufer der Moldau für die Blaue Stunde einrichtete.

Ziemlich durchgefroren machten wir uns auf die Suche nach was Essbarem. Wir überquerten die Moldau auf der Karlsbrücke und liefen geradeaus durch die Karlova. Vorbei an kleinen Geschäften und den ersten (und fast auch einzigen) Anzeichen von Weihnachten. Das Weihnachtsfeeling fehlte hier ein bisschen. Es waren fast keine Straßen und Gassen geschmückt oder von Lichterketten erleuchtet.

Ich glaube, dass der Weihnachtsmarkt, auf dem wir Prager Schinken gegessen haben, auf dem Marianske namesti war… Sicher bin ich mir aber nicht, das mit der Orientierung war ja nicht so einfach.
Irgendwann fanden wir uns auf dem Altstädter Ring wieder. Genau zur vollen Stunde drängten wir uns mit hunderten von Leuten vor dem Altstädter Rathaus zusammen, um – wenn wir gerade schon mal da sind – die 12 Apostelfiguren sehen zu können, die jede volle Stunde aus zwei Luken in der Astronomischen Uhr schauen. Das ist aber auch schon alles, was dabei passiert, die Uhr bzw. um die Uhr herum bewegt sich sonst nichts.
Die Menschenmassen verschoben sich daraufhin geballt auf den Platz, auf dem der größte und bekannteste Weihnachtsmarkt Prags stattfindet. Wir hatten ja zum Glück schon den größten Hunger gestillt, wollten aber nicht ohne einen Trdelnik ins Bett. Die Baumkuchen haben mich schon in Budapest jeden Abend bis zu meinem Bett begleitet. Auch hier fanden sie sich an jeder Ecke, vor allem auf den Weihnachtsmärkten.
Tobi ist da eher der herzhafte und hat sich noch mit einer Tüte frittierter Kartoffelspiralen für den Rückweg zum Hotel eingedeckt.

Der zweite Tag begann zögerlich, die Füße taten schon vom ersten Tag weh, die Schultern wollten nicht wieder den Rucksack tragen und das Bett wäre auch noch schön warm gewesen.
Heute starteten wir am Wenzelsplatz. Die U-Bahn brachte uns direkt dorthin und wir verschafften uns auf der Seite des 750 m langen Platzes, an der die Wenzel-Statue steht, einen Überblick.
Wir schlenderten durch den kleinen Weihnachtsmarkt und so langsam kam auch die Enttäuschung etwas durch. Die Buden, die Langos, Trdelnik, Prager Schinken, Würstchen und Maronen verkauften waren alle gleich. Gleiches Essen, gleiche Preise, gleiche Aufmachung, sogar die Klamotten der Belegschaft sahen aus, wie auf den anderen Weihnachtsmärkten auch. Also alles von einem Händler. Sehr Schade, lieben wir doch gerade das individuelle, einzigartige und traditionelle. Das haben wir auch letztes Jahr schon in Straßburg festgestellt, mit dem Striezelmarkt in Dresden kann selten einer mithalten.
Nichtsdestotrotz haben wir zumindest Sunny wieder was Neues zeigen können: Langos! Auseinander gezogener Hefeteig, im Fett gebacken, mit Knoblauch, Käse und normalerweise Schmand, wurde hier mit Ketchup ausgegeben. Machte nichts, schmeckt trotzdem lecker.
Sunny hat zuhause direkt den nächsten Weihnachtsmarkt aufgesucht und sich gleich nochmal einen geholt… ohne Ketchup, dafür mit ordentlich Knoblauch und Schmand.

Der Reiseführer sah jetzt die Erlebnistour „Wie man durch Häuser geht – Ein Passagenbummel“ vor. In Prag sind in vielen der Häuser Innenhöfe angelegt, oder einfach nur Gänge, um in die nächste Parallelstraße zu kommen. Manchmal ungeschmückt, manchmal mit kleinen Läden, manchmal finden sich ganze Einkaufscenter. Coole Sache… wenn man den Eingang zu diesen Durchgängen findet… Nach ein bisschen Suchen fanden wir in die Lucerna-Passage, in dem Eisenbetonbau befindet sich neben Kinos, Gaststätten und Geschäften auch der ironische Kontrapunkt zum Heiligen Wenzel auf dem Wenzelsplatz. Der Heilige Wenzel sitzt bäuchlings auf einem an den Beinen aufgehängten Pferd.
Von da aus ging es direkt weiter in die Svetozor-Passage und durch den Franziskanergarten bis zur gotischen Kirche Maria Schnee. Nach einem Besuch in dem eigentlich als Krönungskirche geplanten Gotteshaus zogen wir uns zum Jungmannovo namesti und in die Adria Passage. Ging es bisher noch relativ ruhig zu, so fanden wir uns jetzt wieder im Großstadttrubel wieder. Am Kohlenmarkt angekommen ließen wir uns auf einer der Bänke nieder, genossen die Sonne und überlegten, wie wir den restlichen Tag gestalten wollten.
Wir schlenderten durch die Gassen, ließen uns treiben, schauten in die Schaufenster der Geschäfte. Das Gedränge wurde immer dichter, je näher wir dem Altstädter Ring kamen. Auf dem Platz war nachmittags schon fast kein Durchkommen mehr möglich. Unser eigentliches Ziel, die Teynkirche, hatte noch geschlossen und würde erst wieder in einer halben Stunde öffnen. Wir setzten uns in ein Cafe, tranken was Warmes und ließen den Trubel Trubel sein.
Nach dem Besuch der Teynkirche war es schön wieder draußen zu sein. In den Kirchen ist es eisigkalt, da geht man gerne wieder raus.

Die Goldene Stunde stand an, heute schien sogar die Sonne und wir wollten die Chance nutzen, ein paar Bilder der Goldenen Stadt machen zu können, wenn sie auch gerade golden funkeln sollte. Wir machten uns auf den Weg zum Pulverturm, schauten ohne Eile noch einem Straßenkünstler zu und stiegen die Stufen auf die Aussichtsplattform empor. Auch hier hatten wir Glück, nur Wenige hielten sich mit uns zusammen auf dem Turm auf. Wir sahen der Sonne beim Untergehen zu und Tobi hatte plötzlich die Erkenntnis des Tages! Zur Blauen Stunde auf dem Brückenturm stehen zu wollen.
Von hier oben aus, sah der Turm gar nicht so weit weg aus…. Wir stolperten also die Stufen wieder nach unten, stürmten dann der hakenschlagenden Sunny, die unermüdlich wie ein Duracell-Hase durch die Menge pflügte hinterher und konnten mit viel Hetzerei ein wunderschönes Abendrot am Ufer der Moldau sehen. Danach liefen wir nahtlos weiter zum Brückenturm und eilten die Stufen empor. Da oben ist es echt eng, will man dann auch noch in Ruhe ein paar schöne Bilder machen, verliert man ziemlich schnell die Geduld. Der Ausblick auf die in der Nacht erleuchteten Bauwerke ist wunderschön, aber der Holzboden bewegt sich bei jedem Schritt, damit ist ein ruhiger Stativstandpunkt nicht so einfach zu finden.
Bezüglich des Abendessens hatten wir – noch – die Ruhe weg. Das sollte sich bald als Desaster entpuppen. Wir wollten zum Abschluss noch landestypisch Abendessen gehen. In Ermangelung eines Platzes in einem Lokal fanden wir uns irgendwann auf dem Altstädter Ring wieder. Wir aßen uns durch die Buden und hatten das Essen im Gasthaus auf den nächsten Tag verschoben.

Unser letzter Tag begann – man soll es kaum glauben – mit nur einem mal Verlaufen in der Josefstadt. In dem alten jüdischen Viertel finden sich mehrere Synagogen. Mit dem Eintritt von 480 Kronen ist der Eintritt in allen Synagogen und dem alten jüdischen Friedhof abgedeckt. Sunny konnten wir noch zu einem Schülertarif durchbringen und so reichte unser Bares gerade so – eine Kartenzahlung ist dort nicht möglich.
Unsere erste Synagoge ist die wunderschön in Gold- und Brauntönen verzierte Spanische Synagoge, ein warmes und einladendes Gotteshaus. Der darauffolgende Besuch der Pinkassynagoge war beklemmend, erschütternd und traurig. Die Wände der Synagoge wurden mit 77 297 Namen, Geburts- und Sterbedaten von ermordeten Juden aus Böhmen und Mähren beschrieben. Die Ausstellung im ersten Stock zeigt Tagebücher, Briefe und Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt.

Danach führte der Weg durch den alten Jüdischen Friedhof, ein über die Jahre wegen Platzmangels aufgehäufter Friedhof. Die Toten liegen in mehreren Lagen übereinander, die verwitterten Grabsteine reihen sich dicht an dicht. Wer hier Ruhe sucht, wird sie nicht finden. Es schlängelt sich ein einziger Weg hindurch bis zur Zeremonienhalle, den jeder Touri und jede Reisegruppe nehmen muss. Neben der Zeremonienhalle befindet sich die Klausensynagoge, sie ähnelt – wie auch die Maiselsynagoge mehr einem Museum. Dafür ist die Altneusynagoge eine kleine aber authentische Synagoge in der man auch sieht, dass noch Gottesdienste gehalten werden. Männer bekommen übrigens eine mit Werbung bedruckte Einmal-Kippa, die auf haarlosen Köpfen nicht so richtig halten will…

Als nächstes fuhren wir einfach noch ein bisschen mit der Tram durch Prag, Sightseeing ohne schmerzende Füße. Unser letzter Stop bevor wir die Heimreise antreten konnten war ein Besuch im „Lokal“. Hier gibt es einfache böhmische Küche aus regionalen Zutaten – ein guter Abschluss unserer Prag-Reise.

Bamberg – ein Tag zum Eingewöhnen

Der Straßburg-Trip ist lange her und es wird Zeit die letzten Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke einzulösen.
Wir starten unseren Städtetrip nach Hamburg in Bamberg.

Ohne viel Vorbereitung – weil es die Zeit in den letzten Wochen nicht hergegeben hat – fahren wir Samstag Vormittag nach Bamberg. Nur mit einem Plan der Altstadt, auf dem die Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind, machen wir uns vom Park+Ride Heinrichsdamm aus auf.

Übrigens: Geniales Konzept!
In diesem Park+Ride steht das Auto sicher außerhalb der Stadt und für insgesamt 4,50 EUR kann man auch gleich noch den Bus 930 bis in die Altstadt nehmen. (Parkgebühr fürs Auto 1,20 EUR und Tagesticket für den Bus 1-5 Personen 3,30 EUR)

Nach den zwei Stationen, die dieser Bus anfährt, steht man mitten am ZOB  – Zentraler Omnibus Bahnhof (nach ein bisschen rätseln, für uns das „Zentrum of Bamberch“ – hört sich gleich nicht so spießig an und man steht wirklich in der Bamberger Altstadt)

Wir schlagen die nördliche Richtung über die Promenadenstraße in die Hauptwachstraße ein und finden uns mitten am Wochenmarkt wieder. Herrlich! Ich liebe es über solche Märkte zu schlendern, die frischen Waren und das regionale und oftmals individuelle Sortiment zu bestaunen.
Schon am Maximiliansplatz finden wir unser Mitbringsel aus Bamberg: einen Kochlöffel aus Olivenholz. A arch scheens Dingerla, wenn auch nicht typisch aus dieser Region.

Weiter geht es über den Grünen Markt und Obstmarkt bis zum Alten Rathaus. Von hier aus schlendern wir durch das Kleine Venedig am linken Regnitzarm entlang. Schnuckelige kleine Häuschen, schmale Gassen, aber alles stets sauber.

Von weitem sieht man das Kloster St. Michel auf dem Michelsberg. Das Wetter ist perfekt, wir gut gelaunt und schon finden wir den kleinen Fußweg, der durch eine alte Holztür von der unteren Sandstraße abzweigt. Auf der Rückseite des Hügels machen wir es uns zwischen blühenden Wiesen und Bäumen in der Sonne zum Picknicken gemütlich.
Auf der anderen Seite geht es über den Benediktinerweg flott wieder nach unten. Dort sind es nur ein paar Meter den nächsten Hügel rauf bis zum Dom.

Hier herrscht ein reges Kommen und Gehen, es ist laut, dunkel und kalt. Da ist man gerne wieder draußen in der Sonne.

Wir statten der Alten Hofhaltung mit ihrem romantischen Innenhof noch einen Besuch ab und laufen an der Neuen Residenz entlang Richtung St. Jakob. So sind wir schon auf dem nächsten der 7 Hügel von Bamberg. Die Pilgerstätte ist zwar hell, aber auch kalt und so verweilen wir gar nicht lange, sondern gehen über die Maternstraße mit Schwung auf den nächsten Hügel: den Kaulberg, auf dem das Karmelitenkloster steht. Eine einladende Kirche, in Gold- und Brauntönen gehalten, warm und ruhig. Die vielen Topfpflanzen und frischen Blumen machen es hier drin gemütlich, allerdings sieht man dem Gebäude den Renovierungsbedarf deutlich an.

Der Einfluss der Kirche ist in Bamberg nicht zu übersehen, es reiht sich Gotteshaus an Gotteshaus. Und doch sind wir es nicht müde, uns alle anzusehen. Es gleicht keines dem anderen.

Auf dem Weg zum Stephansberg machen wir noch Halt an der Oberen Pfarre. Schon außen funkelt sie in der Sonne. Innen kann sie sich fast mit einer Kirche in Rom messen. Alles glänzt golden, ist reich verziert und prunkvoll.

Unser letzter Stopp ist St. Stephan… was soll ich sagen… Wohl fühle ich mich da drin nicht, kalt und leer, fast schon befremdlich und skurril wirkt das Gebäude im Inneren.

Danach tun die Füße langsam weh und wir treten den Rückweg zu unserem Zentrum Of Bamberch an.
Das Wasserschloss Concordia ist noch in meinem Plan verzeichnet und mit einem kleinen Umweg zu erreichen. Es ist in Privatbesitz und die Sicht von außen auf dieses Gebäude hat von Tobi nur die Wertung „Der Hit“ bekommen… (Vorsicht! Ironie!)

Ein bisschen planlos biegen wir links und rechts ab, vorbei am Böttingerhaus bis wir wieder am Alten Rathaus stehen. Von da aus laufen wir zurück zum Grünen Markt und sehen noch die letzten Überreste des Marktes.
Ein bisschen Zeit haben wir noch und der Hunger meldet sich auch. Der Imbisswagen „Crepes mit Charme“ wird getestet. Für Süßes bin ich immer zu haben. Ich entschließe mich für einen „Valencia“ (mit Orangenmarmelade) und Tobi für einen herzhaften „Mykonos“ (Gefüllt mit einer Art Fetacreme und Knoblauch). Und das Ergebnis ist wow! Absolut lecker, abwechslungsreich gefüllt und es wird auch mit der Füllung nicht gespart.

Danach versorgen wir uns noch mit Lebensmitteln und fahren zu unserem Auto zurück.

Bamberg ist zwar von uns zu Hause nicht weit weg, trotzdem haben wir uns ein Hotel gebucht. Hier können wir uns entspannt für unseren Abend in der Brose Arena bei „Planet Erde“ fesch machen und haben danach nur eine 10-minütigen Fahrtzeit bis ins Bett.

Am Sonntag früh brechen wir gut gestärkt nach dem Frühstück Richtung Hamburg auf.
Tobi macht hier abends eine geführte Phototour durch die Speicherstadt bei Nacht, während ich einen kurzen Bericht über das bisher Erlebte schreibe.
Ich bin gespannt, was er erzählt und natürlich, auf die Bilder, die er mitbringt.

Hier noch ein kleiner Überblick über unsere Besichtigungstour:

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Dubrovnik in zwei Tagen

Lange ersehnt, jetzt umgesetzt. Für Dubrovnik haben wir uns zwei Tage Zeit genommen. Der Reiseführer war schnell durchgelesen und ich voller Jahreszahlen im Kopf. Die (Alt)Stadt ist zwar nicht groß, hat aber eine lange Geschichte. Am Abend unserer Ankunft war der Plan noch etwas zu essen zu finden und dann erst mal zu schlafen. Die fünf Tage Motorradfahren machten sich so langsam bemerkbar… Wir hatten eine super Unterkunft, mit Blick vom Balkon auf die Altstadt und einer Garage für die Mopeds bei Airbnb gefunden. Was wir nicht bedacht hatten, waren die Unmengen Treppen, die es in Dubrovnik gibt…

Runter war das ja noch kein Problem. Also erst mal essen gegangen. Wir ließen uns nach kurzer Wartezeit in dem kleinen Restaurant Nishta nieder und aßen vegetarisch… oder sogar vegan!?! War zur Abwechslung mal was anderes und definitiv lecker.

Den Rückweg zur Unterkunft nahmen wir zuerst mit Anlauf und dann mit vielen Verwünschungen in Angriff.  Völlig erschöpft, aber happy, hier zu sein, fiel zumindest ich in einen tiefen Schlaf.

Wir wollten es am ersten Tag mal ruhig angehen lassen, sind ja schließlich im Urlaub. Um halb 10 verließen wir unser Zimmer auf der Suche nach Frühstück. Wir deckten uns in der Nähe des Ploče Tors in einem Konzum und einer Pekarna ein. Unser noch warmes Frühstück genossen wir am alten Hafen mit Blick aufs Meer, die Schiffe und die herumwuselnden Touristen.

Die Stadtmauer hatten wir auf den zweiten Tag verschoben und wollten erst mal die eigentliche Altstadt besuchen. Zum Einstieg orientierten wir uns an dem Stadtspaziergang, den der Reiseführer vorschlug. Wir starteten am alten Hafen und liefen über den Platz am Ende der Placa (Stradun) mit dem Sponzapalast, der Kirche des hl. Blasius und dem Rektorenpalast. Vorbei an der Kathedrale Maria Himmelfahrt steuerten wir Richtung Fort Sv. Ivan um dann in den Stadtteil Pustijerna einzutauchen. Kleinste Gassen, mit Grünpflanzen verschönert, Wäsche hängt zum Trocknen an den Leinen, verschiedenste Gerüche steigen einem in die Nase und die Gassen sind teilweise mit Bögen übermauert. Hier drin ging es relativ ruhig zu und auch der Touri-Trubel war nicht so stark zu spüren. Wir genossen die Ruhe und schlenderten kreuz und quer, hoch und runter durch die Gassen. In der Kultbar Buža ließen wir uns kurz für eine 5 Euro-250ml-Cola nieder und saßen direkt auf den Klippen mit Blick aufs Meer.

Der Wind wurde immer stärker, man hörte ein Gewitter vom Meer her anrollen und so langsam wurde es frisch. Wir packten also zusammen und wollten uns wieder mehr Richtung Stradun und Pile-Tor bewegen.
Zuerst waren es nur ein paar Tropfen, aber binnen Sekunden standen wir im Platzregen. Zum Glück war das nächste Stück übermauerte Gasse nicht fern. Nach und nach füllte sich der doch etwas beschränkte Platz unter dem Bogen mit Leuten aus aller Welt, die Schutz vor dem Regen suchten. Es liefen aber auch Dubrovniker an uns vorbei, die schon so durchnässt waren, dass es ihnen einfach egal war und sie gemütlich Ihrer Wege gingen.

Nach kurzer Zeit machte sich noch ein anderes „Problem“ bemerkbar: Die Altstadt besteht nur aus Mauern, Dächern und gepflastertem Boden, die Dachrinnen verlaufen an den Häusern entlang nach unten und enden 10 cm über dem Boden… Binnen kürzester Zeit schoss das Wasser von oben über die Treppen nach unten und wurde mit jedem Haus mehr.
Nachdem es ja nicht wirklich kalt war, kann man daran schon seine helle Freude am Zusehen haben.

Als sich das Wetter wieder ein bisschen beruhigt hatte, bewegten wir uns auf dem nun spiegelglatten Pflaster weiter nach unten. Wir machten noch einen kleinen Bogen über die kleine „spanische Treppe“ zur Kirche St. Ignatius (diese kostet keinen Eintritt) und weil der Regen gleich wieder stärker wurde, verweilten wir für 20 Minuten in der Kirche. Die Atmosphäre war leicht gehetzt, einige fühlten sich wohl etwas eingesperrt und wollten unbedingt wieder nach draußen. Wir hatten Zeit und mögen auch das zur Ruhe kommen, weswegen wir uns oft einfach mal in eine Kirche setzen, und ein wenig inne halten.

Unser weiterer Weg führte uns über den Gundulićeva poljana, wo die letzten Händler ihre Marktstände zusammenpackten, und dann über die Od Puča Richtung Pile-Tor.

Hier angekommen hasteten wir wegen dem erneut stärker werdenden Regen über den kleinen Platz, direkt ins Franziskaner-Kloster. Hier befindet sich die älteste, durchgängig in Betrieb befindliche Apotheke Europas. Um die Apotheke von damals sehen zu können, werden 30 Kn Eintritt notwendig. Man kann sich damit aber auch den Kreuzgang ansehen, in dem kein Kapitell dem anderen gleicht. Der kleine Garten im Inneren des Kreuzgangs ist üppig und gut gepflegt. Wir hatten viel Gelegenheit, uns diesen anzusehen. Wir waren schon wieder auf dem Weg nach Draußen, als sich nochmal ein Gewitter über Dubrovnik austobte, dass die Lampen flackerten. Wir suchten uns also ein Plätzchen, wo wir die nächste Stunde das Ende des Regens abwarteten. Man kann uns nicht nachsagen, wir würden nicht entschleunigen…

Nachdem Tobi anfängt, nachmittags immer nen Kaffee trinken zu wollen (seltsame Angewohnheit…) liefen wir nochmal durch die südliche Altstadt, vorbei an der Rupe (alter Getreidespeicher, von dem man außen nicht viel erkennt) und setzten uns im Pupica mit einem Cappuccino bzw. einer heißen Schokolade unter die Markise.

Tobi wollte heute auch unbedingt noch die Blaue Stunde mitnehmen – natürlich immer unter der Voraussetzung, dass das Wetter einigermaßen mitmacht.
Da wir keine großen Museumsgänger sind, mussten wir also die Zeit noch ein bisschen vertrödeln. Die Treppen zu unserer Unterkunft wollten wir an einem Tag auf keinen Fall ein zweites Mal laufen. Wir ließen uns durch die Gassen treiben, trödelten über die Stradun und landeten am alten Hafen.
Ausflugsschiffe ließen sich schon den ganzen Tag nicht mehr blicken und das eine Kreuzfahrtschiff, welches am Morgen noch vor Anker lag war auch nicht mehr zu sehen. Wir bogen beim Fort Sv. Ivan um die Ecke Richtung Mole. Ganz allein, nur mit Wind und Regen um uns, liefen wir einmal bis ganz raus, machten ein paar Bilder und huschten schnell wieder um die windgeschützte Ecke.

Wir entschieden uns, das Aquarium im Fort Sv. Ivan zu besuchen. Hier ist die Unterwasserwelt des Mittelmeeres ausgestellt und in zum Teil offenen Aquarien zu beobachten. Jetzt bin ich mir definitiv sicher: Tintenfisch werde ich wohl niemals essen!

Zum Abendessen ließen wir uns belegte Baguettes im Buffet Škola schmecken. Als wir aus dem kleinen Laden wieder hinaus und auf die Stradun traten, sahen wir aufklarenden, fast  schon sonnig blauen Himmel.

Der zweite Tag begann mit dem Klingeln des Weckers und strahlend blauem Himmel. Die Beobachtungen des ersten Tages hatten ergeben, dass gleich um 8 Uhr die beste Zeit ist, die Stadtmauer zu besuchen. Wir standen also mit Frühstück und Getränken eingedeckt, den Foto schon fast vor der Nase und dem aufgeklappten Reiseführer um Punkt 8 Uhr am Eingang.

Von den drei Aufgängen entschieden wir uns für den uns am nächsten gelegenen, in der Nähe der Kirche Sv. Lukas. Die Stadtmauer ist eine „Einbahnstraße“, man läuft sie gegen den Uhrzeigersinn ab. Damit haben wir uns gleich zu Beginn den höherliegenden Teil im Norden vorgenommen. Die Treppen gleich am Anfang zu laufen erschien uns eigentlich ganz angenehm. Die Dauer des Rundgangs wird mit 1 ½ bis 2 Stunden angegeben. War ja klar, dass wir insgesamt 3 Stunden brauchten. Aber wir hatten ja auch Zeit. Die erste Stunde waren wir allein, wir holten niemanden ein und es kamen aber auch keine Leute angerannt, die uns überholten.

Die morgendliche, klare Luft war einfach herrlich.

Ab dem Pile-Tor wurde es voller. Der Blick nach unten zeigte Menschenmengen, sortiert nach Herkunft und gruppiert um jeweils einen anders farbigen Regenschirm, der den Reiseleiter kennzeichnete. An der Südmauer angelangt, beschlossen wir, dass ein menschenleeres Stückchen Mauer wohl nicht mehr zu finden ist und frühstückten erst mal.

Jetzt waren wir froh, so früh aufgestanden zu sein und die ruhige erste Stunde nach Öffnung der Stadtmauer genutzt zu haben.

Im Eintrittspreis inbegriffen ist auch der Zugang zur Festung Lovrijenac. So Festungen und Burgen liegen bekanntermaßen immer ziemlich weit oben… Also stiegen wir wieder mal Treppen hoch. Auf halber Strecke sah Tobi eine Bank mit Blick auf die Bucht, etwas abseits der Treppe. Hier blieben wir für eine Stunde sitzen, genossen die Aussicht und den Geruch des Meeres und der Nadelbäume um uns herum.

Man kann auch in der Festung eine Eintrittskarte für 30 Kn erwerben, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass hier der Eintritt zur Stadtmauer inbegriffen ist. Es ist also empfehlenswert, zuerst auf die Stadtmauer zu gehen und dann die Eintrittskarte noch für die Festung aufzuheben.

Hier oben ist wenig los, zu sehen gibt es in der eigentlichen Festung nicht viel, aber man hat eine ganz andere Perspektive auf die Stadt.

Wieder in der Altstadt angekommen, wollten wir unsere Tickets für die Seilbahn auf den Hausberg Srđ in der Tourist-Info kaufen und uns das Anstehen an der Talstation sparen. Tickets kann man dort grundsätzlich schon erwerben, jedoch wollte uns die Dame keine verkaufen. Sollte das Wetter schlechter werden, wird die Seilbahn geschlossen und wir hätten Tickets, die wir nicht nutzen können.

Nachdem wir eigentlich erst zum Sonnenuntergang auf dem Berg sein wollten, würden wir wohl das Anstehen mit in Kauf nehmen müssen.
An der Seilbahn angekommen ist nun wirklich eingetreten, was die Dame in der Tourist-Info vermutet hat, sie hatte auf Grund des Wetters geschlossen.

Es schob sich eine große, graue Wolke über Dubrovnik und den Hausberg. Sie verlor ein paar Tropfen und als sie außer Sichtweite war, öffnete auch die Seilbahn wieder. Das Warten hatte sich gelohnt, wir waren gleich mit der ersten Gondel auf dem Weg nach oben.

412 m ist der Berg Srđ hoch. Man könnte auch hoch wandern… könnte…

Oben angekommen liefen wir einmal um die Bergstation, vorbei an dem noch immer vom Krieg gezeichneten Fort Imperial und suchten uns schon mal für den Sonnenuntergang ein schönes Plätzchen.

Als es schon fast dunkel war und wir an der Talstation ausstiegen, wollten wir unseren letzten Abend mit einem besonderen Essen ausklingen lassen.

Wir gingen ohne Reservierung zum Restaurant Horizont. Dass wir draußen mit Sicht auf die Altstadt keinen Platz mehr bekamen, störte nicht. Wir waren doch ein bisschen durchgefroren und saßen deshalb gerne drinnen. Das Essen war fantastisch, das Personal äußerst bemüht und freundlich, und ich um die Erfahrung reicher, nie mehr etwas „well done“ zu bestellen… Meine Bestellung sorgte beim Kellner für einen kurzen zögerlichen Blick, welcher dann äußerst streng wurde und zu einem konsequenten „NO!!!“  führte. Seine „Empfehlung“ sollte sich als absolut richtig erweisen und ich finde langsam Gefallen an dem Zustand „medium“…

So pappsatt und zufrieden mühten wir uns ein letztes Mal die Stufen Richtung Unterkunft hoch und freuten uns schon, morgen wieder auf den Motorrädern zu sitzen.

Karte zu den Bildern:

Städtetrip: Budapest im Februar

Die spontanen Dinge im Leben sind meist die Interessantesten. So auch dieser kurze Städtetrip. Anja hatte die Idee vor ein paar Wochen und begrüsste mich nach der Arbeit mit einem Browser voller Tabs zu Budapest. Sie hatte die Rechnung nur leider ohne meinen Urlaub gemacht, dies lies sich aber regeln. Fast hätte uns nun noch die Influenza einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber auch dies regelte sich gerade noch rechtzeitig. Also ging es am Mittwoch den 11.02. ab nach Budapest.

Wir hatten den Direktflug mit Lufthansa von München aus gewählt, da dies vom Zeitaufwand her das wirtschaftlichste war. Andere Alternativen, wie selbst mit dem Auto zu fahren oder von Nürnberg aus über Paris zu fliegen, hätten wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen. So war es uns möglich, zu luxuriösen Tageszeiten völlig entspannt hin und zurück zu fliegen. Diesen Artikel schreibe ich übrigens vom Flughafen Liszt Ferenc Budapest aus, während wir aufs Boarding für den Rückflug warten (kostenlosem Wlan sei Dank).

Während unseres Aufenthaltes bezogen wir Quartier im Ibis Budapest City, welches direkt an der Metrolinie 2 liegt und auch mit mehreren Straßenbahnen sehr gut ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist. Auf Städtereisen legen wir Wert auf günstige Zimmer, in verkehrstechnisch guter Lage. Dies ist bei den meisten Ibis Hotels mit einem gleichbleibenden Standard gewährleistet. Da wir uns die wenigste Zeit im Hotel aufhalten, legen wir hier keinen Wert auf Besonderheiten.

k-Budapest Do (1)

Wie auch schon auf unseren bisherigen Städtereisen setzten wir voll auf die Öffentlichen Verkehrsmittel. Diese werden von den Budapesti Közlekedési Központ betrieben. Wir deckten uns direkt nach der Landung in Budapest mit zwei 7 Tage Tickets ein, welche mit ca. 17 EUR pro Ticket zu Buche schlagen, absolut angemessen für das perfekt ausgebaute Netz an Verkehrsmitteln. Man kann damit sämtliche U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse, O-Busse und sogar drei Schiffslinien auf der Donau nutzen. Zwei Besonderheiten fallen hierbei auf. Zum einen sollte man das Ticket immer griffbereit haben da hier noch manuell und das sehr häufig kontrolliert wird. Zum anderen die U-Bahnlinie 1 welche Unesco Weltkulturerbe ist.

Nachdem wir am Mittwoch um kurz nach 18 Uhr im Hotel eingecheckt hatten und noch geschwächt von der Grippe waren, suchten wir uns nur noch kurz etwas zu Abendessen in einem türkischen Imbiss und deckten uns mit Getränken ein bevor wir den Tag bei einem Kürtöskalacs (ungarischer Baumkuchen) für beendet erklärten und die Hotelbetten ausgiebig testeten.

Für Donnerstag hatten wir uns einiges vorgenommen und starteten mit einer kleinen Straßenbahnfahrt bis zum Clark Adam Ter um dort die Siklò (Standseilbahn) auf den Burgberg zu nehmen. Nach einer Runde um den Burgpalast wanderten wir die Theaterstrasse bis zur Matthiaskirche. Das Wetter war uns wohlgesonnen und wir hatten strahlendblauen Himmel bei ca. 5 Grad. Nach der Besichtigung der Matthiaskirche und einem Blick auf die Dreifaltigkeitssäule widmeten wir unsere Aufmerksamkeit der Fischerbastei. Unser weiterer Spaziergang führte uns zum Turm der Maria Magdalena Kirche welche mit einem Glockenspiel alle 15 Minuten angepriesen wird. In freudiger Erwartung eben jenes wurden wir beinahe ein wenig enttäuscht, jede fränkische Kirche läutet (auch zum Leidwesen mancher Anwohner) lieblicher. So machten wir uns durch die Parlamentstrasse auf den Weg zum Alten Rathaus von Buda. Die Promenade auf der Befestigungsmauer des Burgbergs mit Aussicht über die Budaer Stadtviertel bietet bei diesem grandiosen Wetter eine beeindruckende Skyline von Buda. Bänke laden zum Verweilen ein.

Den Weg den Burgberg hinab treten wir zu Fuss an.
Um unser Sightseeing auf dieser Seite der Donau zu vervollständigen nehmen wir noch die Tram und den Bus 27 auf den Gellert Berg. Der Ausblick von der Citadel und der Freiheitsstatue ist den restlichen Fußweg allemal Wert. Nachdem wir den Berg wieder mit dem Bus verlassen haben begeben wir uns noch in die 1. Markthalle von Budapest. Diese hat insgesamt eine Fläche von 25.000 qm und benebelt die Sinne mit ihren vielfältigen Eindrücken. Unmengen Metzger, Gemüsehändler, Gewürzhändler, Bäcker und viele mehr sorgen dafür, dass nicht nur die Augen Eindrücke sammeln können. Im oberen Stockwerk finden sich Essenstände mit allen möglichen ungarischen Gerichten. Heute schlagen wir bei den Langosch zu. Einer ungarischen Brotspezialität welche in Fett gebacken wird. Zur blauen Stunde machen wir uns auf, die Kettenbrücke ins Visier zu nehmen. Als letzte Aktion des Donnerstags kaufen wir uns kurz vor dem Hotel an einem kleinen Stand noch einen Kürtöskalacsn (ungarischer Baumkuchen) und lassen mit diesem den Tag ausklingen.

Den Freitag morgen begannen wir am Donauufer auf der Pester Seite mit einer Runde um das Parlament. Von hier aus erkundeten wir den Weg über den Freiheitsplatz bis hin zur St. Stephans Basilika. Um den Turm dieser zu erkunden, ist ein kleiner Obulus fällig, dafür darf man sich auch gerne die zahlreichen Stufen sparen und wird mit zwei Aufzügen hinaufbefördert, um die Ausicht zu genießen.

Nach einem kurzen Stop bei einem Starbucks genossen wir die Sonne auf dem Erzsébet Ter und entdeckten den Liebesbaum. Wir haben bisher schon nicht die Tradition verstanden Schlösser an Brücken zu hängen, aber dasselbe mit einem Baum zu tun finden wir irgendwie noch seltsamer. Wir erkundeten weiter die Straßen der Pester Donauseite und begegneten erstmals auch der Földalatti (Metro 1), allerdings erstmal nur Oberirdisch. Die Váci Utca bietet mit ihren vielen Läden ein ähnliches Bild wie eine Deutsche Shoppingmeile. Wir beschließen nach der Universitätskirche den Weg zur Földalatti anzutreten, um dieses Unesco Weltkulturerbe näher zu erkunden. Sowohl die U-Bahnlinie als auch die Andrássy Ut (Straße darüber) sollen etwas ganz besonderes sein. Wir wechseln immer wieder, fahren ein Stück, dann laufen wir wieder ein Stück. Wir sehen uns fast jeden Bahnhof der Linie an.

Wir waren noch nie in einer so kleinen U-Bahn gesessen. Die Bahnhöfe sehen aus wie Miniaturmodelle. Sie sind fast alle verklinkert und mit Holz vertäfelt. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. Entlang der Földalatti begegnet uns die Oper, der Liszt Ferenc Ter (Budapester Broadway), der Oktogon Platz und der Hösök tere (Heldenplatz). Am Heldenplatz genießen die Menschen die Sonne und wir laufen weiter zum Vajdahunyadvár – dem Märchenschloss. Der See ist teilweise abgelassen um einer gigantischen Eisfläche Platz zu schaffen, welche gerade für die Schlittschuhläufer aufbereitet wurde. Das Märchenschloss macht seinem Namen alle Ehre und begeistert mit seinen klischeehaften Türmchen nicht nur kleine Prinzessinnen. Nach einer Runde durch ebendieses ziehen wir unsere Bahn in Richtung Zoo und Széchenyi gyógyfürdő dem größten Heilbad seiner Art in Europa welches im Stadtwäldchen gelegen ist.

Den Rückweg treten wir wieder mit der Földalatti an und stoppen diesmal am Vörösmarty Utca um die Markthalle am Hunyadi Ter aufzusuchen. Diese fällt deutlich kleiner aus als die 1. Markthalle. Auch finden wir hier nicht wirklich etwas Essbares, was unsere Gelüste befriedigt. So fahren wir mit der Földalatti weiter um uns zum Batthyany Ter aufzumachen auf der anderen Donauseite des Parlaments, um hier die heutige Blaue Stunde zu nutzen. Eine weitere Markthalle welche an diesem Platz gelegen ist, erweist sich leider als größerer Supermarkt und enttäuscht uns eher. Aber direkt daneben ist der Non Stop Palatschinken Shop. Hier gönnen wir uns das heutige Abendessen und treten danach den Rückweg zum Hotel an welchen wir – wie sollte es anders sein – mit Kürtöskalacsn (ungarischer Baumkuchen) von unserer Stammbude ausklingen lassen.

Unseren letzten Sightseeing Tag starteten wir an der Dohany Utca, an welcher die größte Synagoge Europas liegt. Wie wir mit Bedauern feststellen mussten, ist diese Samstags geschlossen, so dass wir uns mit einigen Blicken von außen begnügen mussten. Im Innenhof der Synagoge befindet sich ein Holocaust Mahnmal.

Im Laufe des Vormittags und frühen Nachmittags erkundeten wir das jüdische Viertel. Der Wechsel aus Ruinen und renovierten Gebäuden prägt diesen Stadtteil. Besonders angetan hatte es uns die Ruinenkneipe Szimpla Kert und der im krassen Gegensatz stehende sanierte Gozsdu Hof, welcher heute einen Trempelmarkt zu bieten hatte. Unseren Weg säumten noch die Rumbachsynagoge und die renovierte Orthodoxe Synagoge. Insgesamt beeindruckten uns im jüdischen Viertel die Gegensätze und die Freundlichkeit der Menschen. Wir wurden an mehreren Straßenecken angesprochen, ob man uns helfen kann da wir mit unserer Straßenkarte wohl manchmal etwas hilflos wirkten.

Die Metro brachte uns nun zum Beginn der Raday Utca, welche eine Restaurantmeile darstellt. Warum sind wir eigentlich immer da wo es was zu essen gibt, wenn wir keinen Hunger haben? Alle Nationalitäten sind hier in der Straße vertreten und bieten ihre Köstlichkeiten feil. Die Tram bringt uns noch zum Kunstgewerbemuseum, auf welches wir einen kurzen Blick im Vorbeigehen werfen. Immer wieder war uns das Gebäude mit dem grünen Dach bereits aufgefallen wenn wir einen Blick von oben auf Pest geworfen haben.

k-Budapest Sa (11)

Wir begeben uns nochmal kurz in die 1. Markthalle und kaufen noch etwas Paprikapulver an einem der Stände, bevor wir uns zweien der Donaubrücken widmen. Der erste Gang führt uns über die Freiheitsbrücke, welche nicht nur von Autos sondern auch von der Straßenbahn befahren wird. Da es nicht sein kann, dass man in Budapest war und die Kettenbrücke nicht überquert hat, drehen wir auch noch eine Runde über diese, bevor wir uns mit der Tram auf den Weg in Richtung Margareteninsel machen. Hier wollen wir noch eine Runde durch den Japanischen Garten drehen, welcher sich im Winter als ziemlich unspektakulär darstellt. So kehren wir relativ zügig zum Donauufer zurück, um noch einen Blick auf das Mahnmal der Schuhe am Donauufer zu werfen, welches an die Progrome an den Juden während des zweiten Weltkrieges erinnern soll. Hier genießen wir den Sonnenuntergang über Buda und erwarten die Blaue Stunde um noch einige Photos zu ergattern.


Mehr aus Zufall begeben wir uns zum ersten mal seit 9 Jahren am Valentinstag zu einem gemeinsamen Dinner. Das Restaurant unserer Wahl ist das Menza am Liszt ferenc ter, welches im Stil der 1970er und 1980er Jahre gehalten ist. Der ganz eigene Flair hier hat uns sofort in seinem Bann. Ich erinnere mich beim Bestellen an den Bericht von Travelita über Budapest und greife ihre Suche nach dem Best Burger in Town auf. Auch wir können leider keinen Vergleich anstellen, aber mit Sicherheit sagen, dass der Burger hier absolut Klasse ist! Anja wählte die Ente mit Kartoffelgratin an einer Kastaniensoße. Vorneweg gönnten wir uns eine Gulaschsuppe und eine Kürbissuppe, beide absolute Empfehlungen. Insgesamt können wir jedem Besucher Budapests eine Einkehr hier im Menza empfehlen. Wir fanden hier einen perfekten Abschluss für unseren Städtetrip. Der Rückweg zum Hotel war noch vom üblichen Baumkuchen geprägt und wir fielen völlig erschöpft von drei Tagen voller Eindrücken ins Bett.

Der Sonntag sollte uns eine entspannte Rückkehr ermöglichen. Mithilfe von Tram, Metro und Bus erreichten wir den Flughafen und konnten während der Wartezeit auf den Flug diesen Artikel fertigstellen. Der kurze Aufenthalt in Budapest hat noch viele Ziele offen gelassen, so dass wir gerne noch einmal einen Stop in dieser tollen Stadt einlegen wollen.