Pyrenäentour 2017 – Tag 19 – 319 km – Ounans

Heute Nacht hat es geregnet. Dafür scheint nun die Sonne und wir sitzen im angenehm warmen Sonnenlicht beim Frühstück. Anja ermahnt mich immer wieder mit dem Reifen schön vorsichtig zu fahren. Um 10:45 haben wir aufgepackt und sind startbereit. Angedacht sind ca. 320km bis zu einem drei Sterne ACSI Campingplatz. Mal sehen ob das alles so klappt.

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Die ersten paar km sind wieder so wie gestern, angenehm flott aber trotzdem schön kurvig. Dann ändert sich das Streckenprofil. Leider zum negativen. Es geht kerzengerade auf bundeststraßenartigen Strecken dahin immer wieder ausgebremst durch die zahlreichen Kreisverkehre. Das sollte heute den größten Teil des Tages so bleiben. Einfach öde und langweilig, aber gut für meinen Reifen – in der Mitte hat er ja noch Profil. Erst gegen Spätnachmittag kommen wir wieder auf kleinere und kurvigere Straßen. Die letzten 50 km sind nochmal richtig schön. Der Campingplatz ist super und so geht zumindest dieser Teil des Planes auf, wenn schon die Strecken heute nix waren. Zum Abendessen gibt es heute nur Vesper. Zum kochen sind die Temperaturen heute zu hoch, Anja wanzt noch bisschen in der Hängematte rum während ich Bilder sichere und mich über den Bericht mache.

Ziemlich unspektakulärer Tag… da hat man Zeit bisschen Dinge zu beobachten und darüber zu grübeln. In allen Ländern die wir bisher so befahren haben ist mir immer aufgefallen wie die Stromversorgung so aussieht. In Deutschland z.B. schießen Biogasanlagen, Windräder und Solarflächen wie die Pilze aus dem Boden. In Spanien – welches ja wesentlich sonnenreicher als Deutschland ist – hab ich nicht eine Solarplatte gesehen. In Frankreich exakt ein Privathaus mit Solar auf dem Dach und in der Provence eine Solaranlage auf freiem Feld. Windräder hab ich in Spanien auch keine gesehen. In Frankreich gab es mehrere Anlagen mit einer großen Anzahl an Windrädern. Aber keine vereinzelt stehenden wie in Deutschland. Was im Bereich der Pyrenäen viel zu sehen ist sind Wasserkraftwerke. Es gibt sehr viele Stauseen und gefühlt hat jedes dritte Dorf sein eigenes Wasserkraftwerk. Ich findes es gut dass der Strom dort produziert wird wo er gebraucht wird.
Aber warum kommen in so sonnenreichen Ländern nicht mehr Photovoltaik Anlagen zum Einsatz? Genauso sind keine Platten zur Warmwassererzeugung zu sehen. Diese Technik z.B. ist im Balkan sehr verbreitet. Warmwasser wird in Frankreich z.B. nahezu überall wo ich geschaut habe mit Strom erzeugt. Durchlauferhitzer oder Boiler sind hier im Einsatz.
Ich finde es immer wieder Interessant hier einen Vergleich zu unserer Heimat zu ziehen.

Gegen Ende des heutigen Tages haben wir viel Ackerbau und Viehwirtschaft gesehen und das wieder in einer schönen Mischlandschaft. Dies macht den Eindruck dass es hier ausgewogen und natürlich zu geht. Mal sehen was uns der morgige Tag und die Etappe bis nach Baden Baden so zu bieten hat.

Pyrenäentour 2017 – Tag 18 – 350 km – Saint Paulien

Im Hotel aufzuwachen bedeutet immer etwas schneller auf dem Mopped zu sitzen als wenn man noch Zelt abbauen muss. Und genau so läuft es heute bei uns auch. Um 9:14 sitzen wir auf den Motorrädern und sind abfahrtbereit – naja fast. Tanken und Frühstück fehlt noch. Eine Tankstelle ist gleich um die Ecke. Einen Bäcker finden wir nach 5 Minuten. Wir kaufen uns was herzhaftes und was süßes und setzen uns erstmal hin zum Essen. Leute beobachten die währenddessen beim Bäcker einkaufen ist auch lustig. Um 10 Uhr starten wir dann wirklich.

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Das umplanen der Route macht sich gleich mal bemerkbar. Wir fahren konstant 90km/h und kommen gefühlt wie im Düsenjet voran. Wir haben uns heute aber auch ca. 350 km vorgenommen. Der Himmel ist bewölkt und erste Regentropfen appelieren an unsere Vernunft gleich noch was überzuziehen bevor alles nass ist. Landschaftlich ist erstmal nichts besonderes und das Navi zählt munter die km runter. Um kurz nach 11 geht es dann in den Parc naturel regional du Haut Languedoc und von dort direkt in den Parc naturel regional des Grands Causses die Straßen werden zwar wieder ein wenig kleiner, es lässt sich aber nach wie vor deutlich flotter als in den letzten Tage fahren. Wir nehmen der Zeitberechnung des Navis sogar vereinzelt Minuten ab. Als wir noch einen Zipfel des Park national des Cevennes anschneiden ist es soweit und ich ertrage die Regenklamotten nicht mehr. Inzwischen ist es aufgeklart und auch deutlich wärmer geworden.

An einem Imbiss ziehen wir die Sachen aus und füllen unsere Trinkrucksäcke auf. Das war es nun erstmal mit Nationalparks in Frankreich. Wer nun meint dass die Landschaft jetzt nicht mehr so schön ist der täuscht sich gewaltig. Wir bewegen uns weiterhin zwischen 800 und 1500 Höhenmetern dahin und es ist wunderschön. Hier in der Gegend sieht man auch kaum Tourismus im Gegensatz zu den Nationalparks wo jeder hin will. Wir sind froh die Route geändert zu haben. Es tut einfach gut mal wieder so richtig dahinzufliegen. Die Straßen sind aber immer noch angenehm verkehrsarm und nicht zu groß. Die Kurvenradien sind aber deutlich weiter.

Irgendwo, ich erinnere mich nicht mehr genau daran wo halten wir an einem Straßenstand und kaufen Auberginen, Zwiebeln, Zucchini, Paprika, Gurke, Champignons und eine Melone. Das Abendessen und das Frühstück sind somit gesichert. Heute ist der erste Tag während der kompletten Reise an dem wir trotz einer ordentlichen km Leistung auch zeitlich einigermaßen rumkommen. Um kurz nach 17 Uhr rollen wir auf den angepeilten Campingplatz und haben heute mal alle Zeit der Welt zum Aufbauen und Kochen. Das ganze Gemüse schneiden wir klein, braten es an und werfen es dann zusammen mit ein paar Tortellini in den Topf. Einfach lecker.

Beim Essen fällt mein Blick auf meinen Hinterreifen und irgendetwas sieht daran komisch aus. Es dauert ein wenig bis ich es realisiere. Der Reifen ist ziemlich am Ende. Nach ca. 4500km hat er nur noch in der Mitte ein wenig Profil. An beiden Rändern hat sich ein Streifen gebildet auf dem das komplette Profil fehlt. Anjas Reifen sieht trotz ca 1500km mehr Laufleistung noch deutlich besser aus. Die 1000er erzeugt halt doch einiges mehr an Verschleiß als die 650er. Nunja, ca. 1000km muss der Reifen noch halten. Die neuen liegen bereits daheim und warten nur auf die Montage.

Unsere Entscheidung umzuplanen haben wir nicht bereut. Und so geht es morgen hoffentlich genauso flott weiter. Wir peilen so ca. 320km an und haben auch schon wieder einen Campingplatz im Blick.

Pyrenäentour 2017 – Tag 17 – 175 km – Carcassonne

Kann man als Motorradfahrer Kurven irgendwann satt haben? Mit dieser Frage bin ich eingeschlafen und sie beschäftigt mich direkt nach dem Aufwachen auch wieder. Also ich bin ja nun schon ein klein wenig Motorrad gefahren in meinem Leben und ich hab auch schon einige schöne Gegenden gesehen. Aber das was man hier so erfahren kann das sucht seines Gleichen. Das letzte Stück gestern im Regen hat mir nicht mehr wirklich Spass bereitet. Immer wieder das Motorrad über den Scheitelpunkt ziehen und in die nächste Kurve rein. Blick richtig setzen, Geschwindigkeit einschätzen und dann wieder die Linie versemmelt weil einfach die Energie nicht mehr da ist. Ich bin satt! Nunja, dann gibt es eben Eier zum Frühstück und keine Kurven, die kommen erst danach.

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Da wir wieder an der Küste sind ist das eigentliche Thema des Urlaubs durch. Jetzt beginnt mehr oder weniger der Heimweg. Heute wollen wir allerdings ein paar Kilometer weniger machen und dafür noch ein bisschen laufen gehen. Wir wollen mal sehen ob Carcassonne tatsächlich so aussieht wie eine der Varianten die man im Gesellschaftsspiel so basteln kann. Noch sind wir in den Ausläufern der Pyrenäen und noch hat der Reiseführer was dazu zu sagen. Wir entdecken das aber erst als wir schon ein Stück gefahren sind und uns irgendwelche Finger ähnlichen Steinformationen anschauen an denen wir zufällig gehalten haben. Anja liest schnell mal nach und ich krieg wieder meinen kleinen Zettel für den Tankrucksack.

Die heutige Route war überhaupt nicht ausgearbeitet sondern einfach kurvenreiche Straße nach Carcassonne in Basecamp – und sie war kurvenreich … hatte ich nicht gesagt ich bin satt? Ja ich bin es wirklich. Aber heute hat das mit der Linie wenigstens wieder geklappt. Als nächstes kommen wir an Ansignan vorbei. Hier steht ein aktuell noch in Betrieb befindliches römisches Aquädukt in den Weinbergen. Wir hätten es fast nicht gesehen … so im vorbeifahren.

Dann kommt die Gorges de Galamus, eine 5 km lange Schlucht die echt imposant anzusehen ist. Es ist hier übelst windig und fast hätte ich meine SW-Motech Cap für immer verloren. Ein Busch hat sie gerade noch so gefangen. Wir beobachten wie sich zwei Gruppen fertig machen zum Canyoning. Das würde uns auch mal interessieren. Anja isst noch einen Crepe und wir machen noch ein paar Fotos von der Eremitage die hier in den Felsen gebaut ist.

Auf dem restlichen Weg nach Carcassonne fehlt uns irgendwie der Blick fürs Besondere – da ist er wieder der Begriff „SATT“. Irgendwann ist einfach Schluss mit aufnehmen. Dann muss der Kopf erstmal verarbeiten. Mit einem Regenschauer rollen wir nach Carcassonne rein und checken erstmal im Hotel ein. Wir bekommen einen Garagenstellplatz was uns hocherfreut da wir so nicht die kompletten Moppeds abpacken müssen. Kurz frisch gemacht, den Fotorucksack gepackt und dann geht es zu Fuss weiter. Wir sehen uns das mittelalterliche Carcassone an. Mitten im Touritrubel (der für Anfang Juli und einen Samstag echt überraschend gering ist) entscheiden wir uns etwas zu essen. Ich gönne mir ein Cassoulet Fait Maison (Bohnen mit Wurst, Schweinefleisch und zwei Entenkeulen), Anja gönnt sich Entenbrust mit Pommes. Beides lecker und überraschend günstig dafür dass wir mitten in der Altstadt sitzen. Dann schlendern wir noch ein wenig durch die inzwischen leeren Gassen bevor es anfängt zu Regnen und wir uns auf den Rückweg zum Hotel machen. Die 5 km laufen haben uns echt gut getan nach dem tagelangen sitzen auf dem Mopped.

Im Hotel überlegen wir wie wir nun den Heimweg gestalten und beschließen alles über den Haufen zu werfen. Wir wollen etwas flotter vorankommen und planen daher eine neue Route. Mal sehen wie uns das gelungen ist. Morgen Abend sind wir schlauer. Und nun noch ein paar Bilder aus Carcassonne:

Pyrenäentour 2017 – Tag 16 – 298 km – Argeles sur Mer

Der Wecker klingelt um 7:30 Uhr. Um 9:59 verlassen wir nach einem ausgiebigen Frühstück (Schafskäse, Salsiccia, Brot) den Campingplatz. Ich habe heute bei einem kurzen Check der Motorräder das letzte Öl eingefüllt. Sprich die beiden Maschinen haben bereits 1L verbraucht. Das kommt bestimmt von den hohen Temperaturen, den niedrigen Gängen und den hohen Drehzahlen auf den Pässen. In Norwegen haben wir auf der doppelten Strecke nur haLb soviel Öl benötigt. Ansonsten ist die Technik aktuell angenehm unauffällig. So soll es sein.

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Wir halten in Ripoll an einer Repsol Tankstelle um unseren Spritvorrat aufzufüllen und schauen gleich noch nach Öl. Es gibt zwar 10W40 für Motorräder, aber nur Vollsynthetisches. Auch an drei weiteren Tankstellen an denen wir heute im Laufe des Tages halten gibt es kein teilsynthetisches. Naja noch ist der Ölstand absolut im grünen Bereich. Auf meinem Highlightzettelchen kommt auch schon der erste Punkt. In Sant Joan de les Abadesses erwartet uns die längste mittelalterliche Brücke Spaniens mit einer Reichweite von 32m. Fotos raus und kurz ne Runde gelaufen. Schön anzusehen ist auch der Terassenförmig angelegte Gemüsegarten welcher direkt zwischen der alten und der neuen Brücke am Fluss liegt.

In Camprodon ist bereits die nächste Brücke zu besichtigen, was am Ortskern allerdings malerisch schön sein soll können wir nicht verstehen. So ziehen wir einfach durch und biegen dafür kurz darauf ab nach Beget. Dies soll eines der malerischsten Dörfchen sein. Die Nebenstrecke welche dorthin führt ist es auf jeden Fall wert dass man sie zweimal fährt. Beget ist für uns nämlich eine Sackgasse. Wir müssen nach dem kurzen Spaziergang im Ort – der tatsächlich sehr schön ist – und der Besichtigung der Kirche (Eintritt 1 Eur) den gleichen Weg wieder zurück. Als wir wieder auf der Route ankommen haben wir erst 70 km zurückgelegt, sind aber bereits 3,5 Stunden unterwegs. Und das bei einem heutigen Streckenpensum von knapp 300km. Das geht sich nicht aus…

Wir machen nochmal einen kurzen Abstecher nach Frankreich bevor wir die letzten spanischen Km in Angriff nehmen. Spanien wird uns definitiv fehlen. Land, Leute, Straßen, Essen – einfach alles nach unserem Geschmack. Mit Frankreich werden wir nicht so warm. Wir legen jetzt weniger Stopps ein um endlich etwas vorwärts zu kommen. Kurz nach einer Tankpause fahren wir am Örtlichen Straßenstrich vorbei. Nachmittags um 15:30 stehen hier äußerst leicht bekleidete Damen und bieten sich selbst feil. Eine eher kuriose Situation so mitten auf freiem Feld neben einer Tankstelle. Der nächste Ort ist ein ganzes Stück entfernt.

In Espolla soll es Dolmen und Menhire in den Weinbergen um den Ort geben. Ich sehe nur einen Wegweiser, aber uns sitzt die Zeit ein wenig im Nacken so dass wir diesem nicht nachgehen. Außerdem sieht der Himmel irgendwie immer giftiger aus. Dicke schwarze Wolken kündigen Regen an. Ein letztes Highlight haben wir in Spanien noch. Das Cap de Creus soll unser Zielpunkt für die Küste zu Küste zu Küste Strecke sein. Hier steht ein Leuchtturm und der Ausblick aufs Meer ist besonders schön. Auf dem Rückweg vom Cap de Creus öffnen sich dann die Schleusen und es beginnt zu regnen. In Llanca stellen wir uns beim Tanken mal wieder an einer Repsol unter. Dann wir noch eingekauft damit wir alles fürs Abendessen haben.

Endspurt: noch 50 km bis zum angepeilten Campingplatz. Diese ziehen sich aber dahin. Wir fahren ein Stück Küste, dann über die Grenze nach Frankreich und noch einen kleinen Schlenker von der Küste weg. Hier erwischt uns die Wolke dann wieder. Den Campingplatz erreichen wir heute nach 10 Stunden unterwegs um genau 20 Uhr. Terassenförmig klebt er an der Küste und hat mehrere kleine private Buchten welche hier fast aussehen wie in Kroatien. Kieselsteine füllen die Buchten und nicht Sand. Wir fühlen uns sofort heimisch, beeilen uns das Zelt aufzustellen und Abendessen zu kochen. Wir sind beide total ausgehungert, liegt das letzte Essen doch bereits fast 12 Stunden zurück. Um 21:30 lehnen wir uns dann zufrieden in den Stühlen zurück und machen uns Gedanken wie es morgen weitergehen soll.

Der Heimweg erwartet uns, aber wir wollen auch hier noch ein paar Sightseeing Punkte einbauen. Das morgige Tagesziel ist Carcassonne. Wir suchen uns auf Booking.com ein Hotel damit wir ganz in Ruhe mit den Kameras losziehen können. Nachdem das geregelt ist gehts ab ins Zelt. Es kommt ein ziemlicher Wind auf, das Rauschen des Meeres und der volle Magen führen zu einer tiefen inneren Zufriedenheit. Mal sehen wann wir morgen loskommen.

Pyrenäentour 2017 – Tag 15 – 259 km – Campdevanol

Heute war es zäh, also zäher als sonst. Aufstehen, frühstücken und zusammenpacken… und schon war es 11:30…ja wir sind heute tatsächlich erst um halb zwölf Mittags losgekommen. Aber irgendwie ging das nicht schneller und außerdem sind wir ja immer noch im Urlaub. Wobei das schon ein kleiner Unterschied is ob man reist oder einfach nur zwei Wochen irgendwo rumwanzt. So wirklich ausgeruht sind wir nicht, dafür haben wir aber bisher schon wahnsinnig viele Eindrücke in uns aufnehmen können. Die Temperaturdifferenz von inzwischen über 30 Grad in diesem Urlaub ist auch wie eine Achterbahnfahrt. Mir macht Hitze mehr zu schaffen, Anja Kälte. Nun denn, wir sitzen endlich auf den Moppeds und starten bei angenehm kühlen Temperaturen unsere heutige Fahrt.