Handschützer Suzuki V-Strom DL1000 K2

Unsere 1000er V-Strom war bereits beim Kauf mit seitlich offenen Handschützern ausgestattet. Um den Schutz bei einem Sturz zu erhöhen wollte ich diese gegen seitlich geschlossene Tauschen wie sie ab späteren Baujahren oder auch bei der 650er verbaut waren. Die Original Suzuki Handschützer kann man leider nicht mehr erwerben also suchte ich im Zubehörhandel nach passenden. Touratech hat hier etwas im Angebot, Sw-Motech auch, Polisport, Bark Buster und noch viele mehr. So richtig gefallen wollte mir aber keine dieser Lösungen. Ich wollte die Lenkerendengewichte behalten. Dies sollte nur mit den Touratech Handschützern möglich sein. Im V-Stromforum wurde hier aber der Anbauanleitung von Touratech wiedersprochen. Es ergab sich dass ich die neue 1000er V-Strom für einen Tag zur Verfügung bekam und ein paar Vergleiche anstellen konnte. Die neuen Handschützer der 2014er V-Strom sollten auch an die alte passen.

 

Kurzerhand habe ich diese inklusive Anbauteile bestellt um das zu verifizieren. Und wie auch schon beim Schalthebel stellte sich heraus sie passen perfekt! Die Form der neuen Handschützer gefällt mir zudem viel besser als die der alten. Ein Passformproblem gibt es nur sollte einmal der Lenker gegen ein Zubehörmodell getauscht werden, was ich allerdings nicht ins Auge gefasst habe. Der Wetterschutz ist mit den neuen Protektoren immer noch ausreichend gegeben (sie sind etwas niedriger als die Originalen) im Sommer jedoch spürt man deutlich dass ein wenig mehr Fahrtwind an die Hände kommt.

Ein Reifen fürs Grobe: Michelin Anakee Wild auf Suzuki V-Strom DL 1000 K2

Gegen Ende 2015 kontaktierte mich Michelin, ob ich Lust hätte, einen neuen Reifen zu testen. Nach ein wenig Beschnuppern und gegenseitigen Erwartungen abklären konnte ich dann kurz vor Ostern den neuen Michelin Anakee Wild in den Dimensionen 110/80 R 19 M/C 59R TL/TT und 150/70 R 17 M/C 69R TL/TT in den Händen halten.
Ein komplett neu entwickelter 50/50 Reifen. Die Werbetexte versprechen einen belastbaren echten Geländereifen mit guten Selbstreinigungseigenschaften, der zugleich auf der Straße guten Grip und eine hohe Lebensdauer bieten soll.

Mit dem Mitas E07 war ich mir schon bewusst, dass ein Reifen immer einen Kompromiss darstellt. Ein Straßenreifen der viele Kilometer hält und Grip bis auf den letzten Milimeter bietet, wird im Gelände enttäuschen und genau andersherum wird ein grobstolliger Geländereifen auf der Straße Schwächen haben. Inwieweit nun welche Kompromisse mit dem Anakee Wild einzugehen sind, bzw welche Erwartungshaltungen man haben darf will ich hier anhand meiner bisherigen Erfahrungen schildern.

Der Reifen wird als 50/50 Reifen betitelt. Einen 50/50 Einsatz wird ein in Deutschland fahrender wohl nicht ganz hinbekommen. Daher war auch mein bisheriger Test ein wenig straßenlastiger.

Die Montage der Reifen warf auch die Frage auf, wie sich der Reifen mit der Hand montieren lässt. Die Anakee Serie von Michelin hat den Ruf knüppelhart zu sein und den manuellen Monteur gewaltig zum schwitzen zu bringen. Der Anakee Wild bleibt dieser Tradition treu. Mit der Hand montieren ist kein Spaß. Das ist leider der erste Kompromiss und gibt einen Minuspunkt für die große Abenteuertour, auf der man eventuell auch Unterwegs mal einen Platten beheben muss.

Die ersten Straßenkilometer mit dem Reifen durfte ich gleich bei Regen erfahren. Von Beginn an baute sich ein stetig wachsendes Vertrauen auf. Keine Rutscher, nichts Unberechenbares. Der Reifen verhielt sich sozusagen „unauffällig“. Genau das ist es, was ein Reifen meiner Meinung nach tun sollte. Er sollte einen nicht dazu bringen, nachzudenken was man auf den Felgen hat, sondern einfach da sein und funktionieren. Erste Fahrten auf Schotter zauberten mir ein Grinsen ins Gesicht und zeigten deutlich, wo ich mit den Mitas E07 den Kompromiss einging. Stabil, Grip ohne Ende und absolut kontrollierbar verhielt sich der Anakee Wild hier. Die nächste Teststrecke war für mich ein Stück Autobahn. Hierfür ist der Reifen nicht gebaut und das spürte ich auf der DL1000 auch. Bis 140 km/h fällt der Reifen nur durch seinen Sound auf. Aber zwischen 140 km/h und 170 km/h zeigte sich ein deutliches Pendeln, welches im Bereich um die 170 fast nicht mehr fahrbar war. Wer allerdings regelmäßig und lange Distanzen auf der Autobahn verbringt wird wohl eher einen Michelin Pilot Road 4 Trail fahren.

Das Vertrauen zum Reifen ist nach 2000 km auf jeden Fall ungebrochen. Auf der Straße leistet er für einen Stollenreifen unglaublich ruhig und unauffällig seinen Dienst. Im Gelände spielt er seine Stärken dann erst richtig aus. Unsere Tour nach Kroatien lässt auch erste Rückschlüsse auf die Haltbarkeit des Reifens zu. Bei Montage hatte der Vorderreifen eine Profiltiefe von 8,5 mm und der Hinterreifen von 11,5 mm. Nach nun 2000 km hat der Vorderreifen noch 6,5 mm und der Hinterreifen noch 5,6 mm Profil. Der Großteil der Kilometer (1554 km) wurde dabei mit Vollbeladung im Soziusbetrieb gefahren. Wenn der Verschleiß des Hinterreifens linear so weitergeht dann ist bei ca. 3500 km Gesamtlaufleistung Schluss. Beim Vorderreifen wären es ca. 7000 km. Wenn man nicht Vollbeladen mit Sozia unterwegs ist sollte da durchaus ein wenig mehr drin sein. Aber mehr als 5000 km mit dem Hinterreifen halte ich für unwahrscheinlich.

Ob der Reifen für einen persönlich geeignet ist, muss man daran festmachen, wo man bereit ist Kompromisse einzugehen. Für den Continental TKC 80 ist der Michelin Anakee Wild meines Erachtens ein ernstzunehmender Konkurrent. Heidenau Scout K60 und Mitas E07 punkten mit deutlich mehr Laufleistung, aber schlechterer Geländeperformance. Ich persönlich werde wieder auf den Mitas E07 zurückwechseln, da dieser Reifen mir deutlich mehr Kilometer bei einem signifikant niedrigerem Preis bietet und besser zu meinem Hauptnutzungsprofil passt. Dabei muss ich auf der Straße im Vergleich zum Michelin Anakee Wild keine, und im Gelände nur geringe Einbußen hinnehmen.

Hier noch zwei Videos zum Michelin Anakee Wild:

 

Hinweis: Michelin hat mir die Reifen freundlicherweise für den Test zur Verfügung gestellt. – Vielen Dank hierfür. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

gröberer Reifen – Mitas E07

Der ambitionierte Motorradfahrer ist wohl immer auf der Suche nach dem perfekten Reifen. Zum einen soll er Grip bieten, zum anderen soll er wenig Verschleiß zeigen, auf Asphalt genauso funktionieren wie auch auf Schotter. Diese eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Man muss immer einen Kompromiss eingehen. Trotzdem arbeiten die Hersteller genau daran den perfekten Reisereifen zu entwickeln. Continental z.B. hat letzte Saison erst den TKC70 auf den Markt gebracht. Ich bin gespannt wie die ersten Laufzeitberichte dazu sind.
Nach meinen bisherigen reinen Straßenreifen wollte ich nun einen etwas gröberen Vertreter der schwarzen Gattung testen. Die erste Hürde bei dem gewählten Reifen ist der Bezugsweg. Sämtliche lokal ansässigen Händler können den Reifen nicht liefern. Nach einem Tipp wurde ich dann bei Reifendirekt.de fündig. Der Mitas E07 ist in den passenden Dimensionen vorrätig. Nach nun inzwischen 15000km mit diesen Reifen ist es Zeit ein Fazit zu ziehen.

Es ist erstaunlich wie ruhig ein so grober Reifen eigentlich läuft. Man kann ihn mit Sicherheit nicht mit einem Michelin Pilot Road vergleichen welcher ganz klar seine Stärken auf der Straße hat. Ich fühle mich aber auch nicht unsicherer auf Asphalt als mit eben diesem. Sowohl hohe Temperaturen als auch Regen brachten den Mitas bisher nicht aus der Ruhe. Der Vorderreifen zeigte nach 9500km deutlich abgeschrägte  und abgenutzte Profilblöcke und wurde daher ausgetauscht. Der Hinterreifen wurde nach 11100km getauscht da er unseren Balkantrip nicht mehr überstanden hätte. Für gute 1000km wäre er wohl noch gut gewesen. Seine große Stärke spielt der Mitas auf Schotter aus. Hier gräbt er sich griffig in den Untergrund und vermittelt einem die nötige Sicherheit.

Aktuell zur Saison 2016 bringt Michelin nun einen neuen Reifen in diesem Segment auf den Markt welcher noch ein wenig gröber ist und am Hinterreifen keinen durchgehenden Steg bietet. Der Michelin Anakee Wild wird in den nächsten Tagen den Weg auf meine V-Strom finden um ausgiebig getestet zu werden bevor es heuer im Juli für ca. 9000km nach Norwegen geht.

Kroatientour 2015 – Tag 8 – 192km – Zavala

Zwei Tage Sightseeing in Dubrovnik forderten Ihren Tribut. Uns taten ganz schön die Füße weh. Und die Treppen zur Unterkunft ließen uns unsere Waden spüren. Schließlich sind wir es auf Reisen eher gewohnt, mit dem Motorrad zu fahren, als alles zu laufen. Der Samstag begann, wie sollte es anders sein mit dem Wecker… Moment welcher Wecker? Warum ist es eigentlich schon so spät. Hmmm… der Urlaub wirkt, hab glatt vergessen den Wecker zu stellen. Naja wir müssen ja nur schnell alles zusammenpacken und dann gehts los. Die Fähre auf die Insel Hvar wollen wir im Idealfall um 13:45 nehmen. Da ist noch genug Luft. Zweimal zu den Motorrädern in die Garage laufen genügte, um alles zu verstauen. Noch schnell von unserer Gastgeberin verabschiedet. AIRBNB war hier wirklich die beste Wahl. Schon saßen wir auf den Motorrädern und fuhren erstmal zu unserem Stammbäcker (wenn man das am dritten Morgen nacheinander so nennen darf). In der Pekarna deckten wir uns noch mit Blätterteiggebäck mit allerlei Käse ein, welches wir dann später bei einem Stopp vernichten wollten.

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Noch einmal ging es an der Stadtmauer der „Old Town“ entlang und schon hatte uns der chaotische Stadtverkehr von Dubrovnik voll im Griff. Es ging in den neueren Teil der Stadt und zum neuen Hafen, wo auch die großen Kreuzfahrtschiffe ihren Anleger haben. Zwei dieser Riesen durften wir im Vorbeifahren bestaunen. Es ist schon Wahnsinn, dass so ein riesiger Metallhaufen schwimmt. Endgültig verließen wir Dubrovnik auf der Jadranska Magistrale – der Küstenstrasse. Wenn ich 25 Jahre zurückdenke dann habe ich von dieser Straße ein gänzlich anderes Bild vor Augen, als den heutigen Zustand. Damals war die Küstenstraße ein kleines Sträßchen an der Küste entlang, mit ungezählten Kurven, in einem schlechten Zustand und Unmengen an Verkehr zu verdauen hatte. Heute ist sie gut ausgebaut und glänzt durch die vielen Beschränkungen auf 60. Trotzdem führt sie immer noch mehr oder weniger direkt an der Küste entlang und bietet so eine wundervolle Aussicht. Auf Höhe der Inseln Lopud und Sipan legten wir dann unseren Frühstücksstop ein und genossen bei wundervoller Aussicht aufs Meer unser Gebäck welches Dank schwarzem Topcase und Sonne immer noch warm war.

Was uns bei solchen Stopps in Kroatien immer wieder auffällt ist die unglaubliche Verschmutzung am Wegesrand. Trotz eines Müllcontainers und eines Mülleimers an diesem Parkplatz scheinen die meisten Leute alles dort fallen zu lassen, wo sie parken. Oftmals sind die Verschmutzer nichtmal die Touristen sondern Einheimische. Genauso fällt uns immer wieder die Unsitte auf, das Auto während der Pause einfach laufen zu lassen. Auch wenn man 20 Minuten stehen bleibt wird der Motor nicht ausgemacht. Hier hinkt Kroatien anderen Ländern noch ein ganzes Stück hinterher. Auf dem weiteren Weg entlang der Küste warfen wir in der Bucht bei Ston noch einen Blick auf die kleine Chinesische Mauer und Anja erklärte mir später dass die ganzen Bojen nicht von einer Fischzucht sondern von der bekanntesten Austernzucht Kroatiens herrührten.

Wir kamen wesentlich besser voran, als ich gedacht hätte und kurzzeitig spielte ich schon mit dem Gedanken die 12 Uhr Fähre noch zu erwischen. Die Grenzübetritte zu Bosnien und wieder zurück machten diese Idee dann allerdings schnell zunichte. Wir hatten zwar keine lange Wartezeit, aber trotzdem zu lange um die Fähre noch zu schaffen. Wieder zurück in Kroatien führte die Jadranska Magistrale uns ein wenig weiter von der Küste weg und wir begleiteten ein kurzes Stück den Fluss Neretva auf seinem Weg zum Meer. Bei Jadranska füllten wir dann nochmals die Tanks, bevor es auf die Insel geht. Bei der Einfahrt nach Drvenik konnten wir der 12 Uhr Fähre zusehen, wie sie davonfuhr. Wir deckten uns im Hafen erstmal mit Getränken ein, um auf Hvar nicht noch einen Stopp einlegen zu müssen. Dann ließen wir uns in einem Cafe direkt vor den Motorrädern, welche an erster Stelle der Warteschlange für die Fähre standen nieder und bestellten uns etwas zu trinken. Jedes Land bietet mehr freie Wlan Zugänge als Deutschland und so konnten wir auch hier die Zeit Wartezeit nutzen um online am Dubrvonik Bericht zu arbeiten. Mit der Zeit kamen immer mehr Fahrzeuge in der Warteschlange dazu und auch die Fähre kam von der Insel zurück. Noch schnell Tickets gekauft und schon brach Hektik im Hafen aus. Möglichst schnell die Fähre vollschlichten hieß das Motto. Die Crew winkte wild und gab Anweisungen und ungewöhnlich pünktlich legte die Fähre vom Festland ab.

Nach dem Anlegen in Sucuraj fuhren wir als 4. Fahrzeug von der Fähre. Dies ließ uns keinen Spieleraum für einen Stop, wenn wir nicht als letzte in einer ewigen Kolonne über die Insel gurken wollten. Also gleich noch die zwei Autos vor uns überholt und an den einheimischen Motorradfahrer geheftet… naja vielleicht zwei Kurven lang, dann gaben wir uns mit einer gemütlichen aber für die Kolonne zu hohen Geschwindgkeit zufrieden. Irgendwie ist Hvar immer wie heimkommen für uns. Ich selbst war inzwischen ungezählte Male auf dieser Insel und Anja immerhin auch schon viermal. Die kleine Straße über den Kamm der Insel wird von Jahr zu Jahr besser ausgebaut und teilweise findet sie auch neue Wege. So wurde seit unserem letzten Aufenthalt hier ein Stück bei Jelsa komplett verlegt und wir erfreuen uns feinster Kurven auf bestem neuem Asphalt. Die Abzweigung nach Pitve nehmen dann schon deutlich weniger Fahrzeuge. Der Weg führt zu einem Tunnel welcher der Graus für jeden ADAC Tester ist. Der 1,4 km lange, einspurige, mit zwei Ausweichstellen versehene Tunnel verbindet die Nord mit der der Südseite der Insel. Wir durchqueren diesen und fühlen uns wie daheim im Wohnzimmer. Nur noch ein paar Schritte bis zum Sofa… äääh km bis zur Skalinada.

Hier legen wir eine Pause von einer Woche ein. So schön Reisen ist, es kostet auch Kraft. Diese wollen wir hier auftanken. Der erste Abend gönnte uns gleich noch ein Highlight in Form von Dalmatinischen Sauerbraten mit Gnochi bevor wir zufrieden ins Bett fallen.

Für alle die uns online folgen, hier gehts weiter wenn wir Zavala wieder verlassen und uns in Richtung Mostar aufmachen.

Kroatientour 2015 – Tag 5 – 319km – Dubrovnik

Heute legten wir uns zur Abwechslung nochmal hin 🙂 also nach dem Frühstück. Mit dem Wissen, dass wir heute „nur“ gute 300km vor uns haben trödelten wir gewaltig rum. Außerdem mussten wir unsere Suite noch ein wenig genießen. Soviel Platz hat man auf Reisen selten. Mir juckte es immer noch in den Fingern einen Abstecher nach Albanien zu machen, aber was bringts einmal rein und gleich wieder rauszufahren. Außer dem Stempel im Reisepass…nix. Also das ganze vertagt auf eine richtige Reise. Nachdem wir dann zum zweiten Mal aufgestanden waren – ja wir mögen Schmerzen – halbwegs zügig die Motorräder aufgepackt und noch schnell eine Tankstelle aufgesucht. Dann konnte es losgehen mit dem Weg nach Dubrovnik.

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Auch heute fuhren wir zuerst ein wenig die Strecke von gestern zurück, um weiter vorwärts zu kommen. Hab ich gestern eigentlich erwähnt, wie sehr uns Montenegro begeistert hat? Der Engländer würde sagen AWESOME!!! Wir hatten ein klein wenig die Hoffnung, auch heute nicht enttäuscht zu werden. Um das Potential zu erhöhen hatten wir uns für den heutigen Start die Moraca Schlucht ausgesucht. Wir folgten der Moraca fast bis zu Ihrer Quelle. Nachdem sie uns zur linken verlassen hatte, richteten wir unser Augenmerk wie gestern schon auf den Durmitor Nationalpark. Eigentlich sollte ganz Montenegro ein Nationalpark sein! Das Verlassen des Nationalparks bemerkte man nur, wenn man aufs Navi schaute. Die Landschaft ging einfach so weiter. Ich lasse hier Bilder sprechen. Nur soviel sei gesagt: Wer noch nicht hier war, sollte seinen nächsten Urlaub planen!

Ein Highlight jagt das nächste. Wenn man nun von den Höhenlagen wieder abwärts fährt stösst man direkt auf den Pivsko jezero den größten Stausee Montenegros welcher als Trinkwasserreservoir dient und zur Stromerzeugung genutzt wird. 33km lang ist der Stausee und erstreckt sich in mehrere Täler. Ein beeindruckender Anblick. Die Straße hinab zum Stausee glänzt mit Spitzkehren in Tunneln, die in den Fels gehauen sind. Den Stausee überquerten wir auf der Brücke und wendeten uns endgültig in Richtung Dubrovnik. Unzählige Fotostops hatten den Tag bereits weit voranschreiten lassen und ich bin froh, dass ich die Route nochmals gekürzt hatte, von ursprünglich 390km auf 320km.

 

Die Europastrasse E762 ist in einem hervorragenden Zustand und so konnten wir fliegen lassen. Nach den kleinen Straßen der letzten Tage fühlten sich 80km/h an wie Lichtgeschwindigkeit. Bei Niksic änderten wir nochmals den Kurs, um noch ein Eckchen Bosnien und Herzegowina mitzunehmen . Gerne hätten wir noch einen Abstecher nach Kotor gemacht, um uns hier die berühmte Bucht anzusehen, dies muss aber auf den nächsten Besuch in Montenegro warten. Die zwei Grenzquerungen waren unspektakulär, wie schon auf der ganzen Reise. Diesmal wurden wir sogar einfach so durchgewunken, ohne Ausweise zeigen zu müssen. Unser letzter Stop des Tages war in Bosnien und Herzegownia um noch die Tanks der Motorräder zu füllen, bevor sie in Dubrovnik für 2 Tage in einer Garage verschwinden. Ja, ihr habt richtig gelesen, wir verbinden auf dieser Reise alles, was wir im Urlaub so lieben. Motorradfahren, Städtetripp und die Insel Hvar! Heute sind wir um kurz nach 18 Uhr am Ziel für unseren Städtetrip angekommen. Via Airbnb haben wir ein perfektes Zimmer gefunden. Die Hausherrin begrüßte uns schon von weitem und öffnete sofort die Garage. Nachdem wir die Motorräder abgeladen hatten und frisch geduscht waren, wollten wir heute nur noch etwas essen gehen bevor wir platt ins Bett fallen.

Wir besuchten dank eines Tipps von travelita.ch das vegan/vegetarische Restaurant Nishta und waren nicht wirklich erstaunt hier fast nur Deutsche anzutreffen. Kroatien ist nicht gerade bekannt dafür, auf Fleisch in der Küche zu verzichten. Wir genießen das Essen trotzdem und werden uns morgen wohl entweder etwas fleischiges oder fischiges jagen. Der Tipp war aufjedenfall gut und wir können das Restaurant nur weiterempfehlen. Ich hatte einen veganen Bar-Bea Burger und Anja Temperitos, eine vegetarische Abwandlung von Burritos. Nach dem Essen noch schnell in einem Konzum mit Getränken eingedeckt und dann die vielen Treppen zu unserer Unterkunft erklommen. Ein letzter Blick vom Balkon über die beleuchtete Altstadt Dubrovniks, die als Kulisse für Game of Thrones dient, dann fallen wir völlig erschöpft ins Bett. Hier ist jetzt erstmal Pause bis wir am Samstag weiterfahren auf die Insel Hvar.

Kroatientour 2015 – Tag 4 – 363km – Podgorica

Die Nacht im ehemaligen Sovjethotel war kurz. Naja für Urlaub war sie kurz. 7 Stunden Schlaf sind sonst Luxus. Nachdem ich Nachts noch irgendwie den Boiler in Betrieb genommen hatte, konnte ich dann um kurz nach Mitternacht heiß duschen. Perfekt so direkt vorm Schlafen gehen. Den Tag begann ich mit einem Blick zum Fenster raus und musste feststellen, dass der Blauanteil des Himmels noch zu wünschen übrig lässt. Naja macht nichts, erstmal Frühstücken. Also Anja aktiviert, welche sich erstmal in der Dusche verbrühte, ja der Boiler geht jetzt. Dann die Suche nach dem Essen. Mit leichten Verständigungsschwierigkeiten bekamen wir zweimal Omlett mit Käse, ein paar Semmeln und zwei Dosen Orangennektar. Genug damit wir starten konnten. Tagesziel heute Podgorica.

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Wir fuhren erstmal 10km zurück um wieder auf die Route zu kommen. Die Hoffnung stieg, dass heute weniger Ortschaften und mehr Wege wie diese 10km auf uns zukommen. Vorweg: Wir wurden nicht enttäuscht! In Vlasenica bogen wir links ab und fuhren erstmal Richtung Skigebiet, welches in einem Prospekt im Hotel beworben wurde. Die Liftanlagen sahen in Real eher so aus als ob sie bereits vor 20 Jahren stillgelegt wurden. Bei Mrkalji stießen wir dann endlich auf Straßen, wie wir sie erwartet hatten. Klein, schlechter Zustand, kurvig und einfach eine Freude die Landschaft zu erkunden. Wir gelangten auf eine Hochebene, die ein wenig Landwirtschaft und Holzabbau darbot. Fotostops mussten wir heute einige mehr einlegen. Ich hatte mich noch gewundert, warum das Navi eine derart lange Fahrtzeit für die 363 km veranschlagte. Inzwischen war mir klar warum. Im Tagesdurchschnitt schafften wir eine Geschwindigkeit von 51km/h. Gefühlt waren es auf der Hochebene eher 30km/h. Dies war aber auch gut so, da wir mehr mit schauen und genießen beschäftigt waren, als mit fahren. Für Schrecksekunden sorgten dann Holztransporter, die plötzlich fahrbahnfüllend in einer Kurve vor uns auftauchten. Gut dass hier gerade genug Platz zum Ausweichen neben die Straße für uns war.

Ab Rogatica orientierten wir uns an der Drina. Der Verlauf eines Flusses ist schließlich auch immer ein Garant für kurvige Wege. In Gorazde machten wir die Tanks nochmal voll, bevor es endgültig in Richtung Grenze nach Montenegro gehen sollte. Auf der R-448 fuhren wir in Richtung eines kleinen Grenzüberganges welcher mitten im Nirgendwo liegen sollte. Völlig prolemlos konnten wir beide Stops passieren und uns über die Stempel in unseren frischen Reisepässen freuen. Die Qualität der Strasse erklärt noch einmal mehr, warum die Fahrtzeit heute so lang sein sollte. In Montenegro folgten wir der R-3 in Richtung Pljevlia, wo wir dann in Richtung Durmitor Nationalpark weiterfuhren. Die Landschaft hatte uns inzwischen vollständig gefesselt und wir fragten uns nur warum wir nicht schon früher nach Montenegro gekommen waren. Eine klare Empfehlung: Wer noch nicht hier war, sollte es auf seine Löffelliste setzen! Das muss man gesehen haben! Und für die Sportlerfahrer … kauft oder leiht euch was mit anständiger Federung!

Die Tara schlängelt sich durch den Durmitornationalpark und hat eine tiefe Schlucht gegraben. An der berühmten Brücke inmitten des Parks legten wir eine längere Pause ein und gönnten uns in einem Market etwas Süßes zu Mittag, bevor wir die Schlucht in Richtung Mojkovac befuhren. Die Gewalten von Wasser sind immer wieder überwältigend. So hinterließ die Taraschlucht bei uns einen bleibenden Eindruck. Den Nationalpark Biogradska Gora streiften wir nur ganz leicht und in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der Gewissheit, dass wir dieses Land nicht zum letzten Mal bereist haben, ließen wir den See einfach links liegen. Die R-19 bis nach Podgorica sollte es noch in sich haben. Man kann nicht in Worte fassen, was für eine unglaubliche Landschaft sich hier offenbart. Eigentlich sollte man mit dem Foto durchs Land laufen. Man kann garnicht oft genug anhalten und vom Motorrad steigen, um die ganzen Erinnerungen im Bild festzuhalten. Eines war uns bereits in Bosnien aufgefallen. Die Dichte der Motorradfahrer ist massiv gesunken. Dafür winkten uns ständig Kinder zu und entgegenkommende Fahrzeuge huppten während die Fahrer winkten. LKWs machten immer wieder Platz und ließen uns passieren. Ein wahrer Genuss, wie freundlich hier im Verkehr miteinander umgegangen wird. In Deutschland undenkbar. Auf der R-19 trafen wir auf eine Gruppe Motorradfahrer aus Tschechien welche einige Kilometer gemeinsam mit uns dahinflogen, bevor wir sie ziehen ließen, während ich wieder einmal die Kamera auspackte um die Erinnerungen zu festigen.

In Bioce wäre eigenlich rechts abbiegen angesagt, aber wir wollen in Podgorica übernachten und so fahren wir die E-65 an der Moraca entlang bis wir in Podgorica am gestern schon ins Auge gefassten Hotel ankommen. Das Hotel Bambis dient uns heute Nacht als Unterkunft. Direkt nebenan ist ein kleiner Market in dem wir uns mit Lebensmitteln und Getränken eindecken. In unserer Suite (dekadent geht die Welt zu Grunde!) genießen wir lokale Köstlichkeiten bevor wir uns dem Verarbeiten der heutigen Eindrücke widmen. Eines steht aufjedenfall jetzt schon fest. In Montenegro waren wir zum ersten aber sicher nicht zum letzten Mal!

Kroatientour 2015 – Tag 3 – 408km – Milici

Und wieder begann der Tag mit Aufstehen. Der blaue Himmel hat aber dafür gesorgt dass wir leichtfüßig wie zwei Elfen aus dem Bett glitten… wer’s glaubt ist selber Schuld! Also das mit dem Himmel ist die Wahrheit, der hätte nicht einfarbiger und blauer sein können. Heute gab es mal kein Frühstücksbuffet wie man es von großen Hotels gewohnt ist sondern es wurde serviert. Kein Wunder, es schien so als ob wir quasi die einzigen Gäste waren. Für heute Abend hatten wir bereits ein Hotel ausgesucht und gebucht also hieß es die Distanz von 408 km muss gefahren werden, dafür muss nicht mehr gesucht werden.

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Wir starteten so, wie wir gestern geendet hatten. Die Straße scheint ein einziges Dorf zu durchqueren. Ortsschild reiht sich an Ortsschild. Dementsprechend langsam kommt man vorwärts. Kroatien wirkt in dieser Gegend sehr „gesund“. Viele neue Häuser, wenig Leerstand und bis auf kurz vor der Grenze zu Bosnien quasi keine Kriegsspuren mehr zu sehen. Dies hätten wir hier nicht erwartet. Aus früheren Reisen kennen wir vor allem die Küstenregion, welche stark vom Tourismus geprägt ist und noch die Gegend direkt dahinter, die sich in unserer Erinnerung vor allem durch Leerstand und Bauruinen auszeichnet. Trotz des schleppenden Vorankommens war die Empfindung nicht lähmend sondern eher entspannt. Es gab viel zu sehen und so hatte die niedrige Geschwindigkeit durchaus ihre Vorteile. Bei 400 Tageskilometern und einem 50er Schnitt bleibt nicht viel Zeit zum anhalten.

Nachdem wir den Grenzfluss (Sava) zu Bosnien und Herzegowina überquert hatten, wandelte sich das Bild ein wenig. Zuerst wurde es hektisch. Der Verkehr wurde wesentlich mehr und immer wieder kam es zu kleineren Staus. Als wir das Gebiet um den Grenzübergang hinter uns gelassen hatten, standen viele zerstörte und verlassene Häuser an der Straße. Einschusslöcher waren immer wieder zu sehen. Deutliche Zeugen des Krieges. Zwischen diesen Ruinen entstehen auch hier neue Häuser und man sieht, dass sich das Land entwickelt. Aber Kroatien ist hier schon deutlich weiter. Optisch sticht noch etwas anderes ins Auge. Die kyrillischen Schriften auf den Wegweisern zeigen deutlich wo man sich hier befindet. Auch Bosnien lässt keine höheren Geschwindigkeitsdurchschnitt zu. So wirklich genau wusste ich eigentlich selten, wie schnell ich fahren durfte. Meist hilft es sich an den Einheimischen zu orientieren. Die Navidaten zu Geschwindigkeitsbeschränkungen stimmen hinten und vorne nicht mit den Beschilderungen überein.

Immer wieder sahen wir nun Minarette und Moscheen in den Ortschaften. Die Zeit schritt voran, aber die Reststrecke des Tages hatte sich nur sehr langsam verringert. Die letzten 40 km des Tages sollten quasi zum Highlight werden. Beim Planen hatte ich überhaupt nicht darauf geachtet ob viele Ortschaften an der Strecke liegen oder ob es perfekte Motorradstrecken sind. Wir wollen das Land kennen lernen, alle Seiten sehen und der Tagesabschluss bietet Motorradspass pur. Kurvenstrecken die ihresgleichen suchen, durch wunderschöne grüne bewaldete Täler.

Ein letzter Tankstopp, dann sagte das Navi „bitte wenden in 15km.“ Von dieser Ansage ein wenig verwirrt betrachtete ich die Route etwas genauer und stellte zu meiner Erleichterung fest, dass dies lediglich der Verkehrsführung geschuldet ist. Schon war die betreffenden Stelle erreicht und ich musste feststellen, die Straße, welche Basecamp vorschlägt, gibt es nicht. Kurz rausgezoomt und improvisiert. Eine befestigte Straße in wenigen hundert Metern führte auch in die Richtung, die wir brauchten und stieß nach wenigen Kilometern wieder auf die geplante Route. Also Blinker links und rein in die Ministrasse. Nach wenigen Metern wurde der Teer schlechter, wurde zu Teerbrocken und schon waren wir auf Schotter unterwegs. Ich stellte mich schon mal auf Mecker von Hinten ein, als ich kurz stoppte um die Situation zu klären. Aber Anja grinste mich an und meinte nur probieren wirs. Weit mussten wir ja nicht. Also gemütlich weiter und trotz abgebrochenen Wegstücken und ordentlichem Gefälle meisterte Anja die Strecke auf den Michelin Pilot Road 4 sehr gut. Lediglich ein paar Bauern guckten komisch, als zwei vollgeladene Motorräder hier entlangfuhren.

Wieder auf der Straße angekommen sahen wir immer wieder wilde Hunde am Fahrbahnrand. Die Sonne verschwand endgültig hinter den Hügeln und wir fuhren die letzten 10 km bis Milici wo wir heute im Motel Milici nächtigen werden. Der Ort ist noch absolut von der sozialistischen Zeit geprägt, so ist auch die Motel Anlage noch ein alter sovjet Bau. Hier findet sich nun auch keine zweisprachige Beschilderung mehr, sondern nur noch kyrillisch. Im Hotel gibt es exakt einen Angestellten der ein wenig englisch spricht. Er ließ uns die Motorräder am umzäunten Pool abstellen. Wir packten ab, ziehen uns um und begaben uns zum Abendessen ins Motel eigene Restaurant. Die Sprachbarriere konnten wir überwinden und bekammen eine Grillplatte für zwei. Mit dieser im Magen sollten wir eine ruhig Nacht haben.

Wir freuen uns schon auf morgen, wenn wir endlich nach Montenegro kommen. Das Ziel für Dienstag lautet Podgorica aber viel wichtiger ist uns der Weg dorthin. ca. 370 km haben wir uns vorgenommen.

Kroatientour 2015 – Tag 2 – 395km – Marija Bistrica

Tag 2 des Urlaubs beginnt mit Aufstehen. Warum muss man eigentlich immer aufstehen, um etwas Tolles zu erleben? Im Liegen wäre es doch noch viel toller. Den Wecker um 7:30 Uhr haben wir mal ignoriert. Um 8:45 waren wir dann endlich beim Frühstück. Dieses knüpfte nahtlos an die Qualität des Abendessens an. Danach noch gemütlich unsere Packtaschen wieder zusammengerollt und auf die Motorräder geschnallt. Der Wetterbericht hatte recht. Die Strassen waren noch nass, aber vom Himmel kam kein Tropfen mehr. Wir starteten frohen Mutes mit dem Ziel vor Augen, heute noch Kroatien zu erreichen. Gespannt waren wir auf die zwei Grenzüberquerungen.