Korsika 2024 – Tag01 – 356 km – Mutters

Die letzten Wochen waren sehr herausfordernd. Ein Jobwechsel steht bei mir (Tobi) an und dieser Trip soll zwischen den beiden Firmen den Kopf frei machen. Donnerstag noch den letzten Arbeitstag abgeschlossen, Freitag dann frei um schonmal bisschen was zu erledigen – naja ich war zumindest Fahrrad fahren 😀 Wir sind Abends noch auf einen Geburtstag eingeladen und die Frage ob wir schon gepackt haben führt bei Anja nur zu kichern. Samstag früh stehen wir um kurz nach 6 Uhr auf und machen nach einem Espresso erstmal Yoga, dann gehen wir 8km laufen und putzen noch die Wohnung. Nun ist Zeug zusammen suchen und in Taschen / Moppedkoffern verstauen angesagt. Um 13 Uhr sind wir dann endlich soweit, haben die Packesel beladen und fahren vom Hof.

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In Schwabach füllen wir noch die Fässer der Moppeds mit Sprit, dann geht es auf die Autobahn. Wir wollen heute zügig Strecke machen. Viel gibt es dazu erstmal nicht zu erzählen. A9 bis kurz vor München dann paarmal gewechselt und kurz durch München um in Richtung Garmisch weiterzukommen. Das Wetter ist Bombe, die Autobahn ziemlich leer und so geht das ganze ziemlich flott und entspannt von statten. Eine kurze Pause haben wir auf irgendeiner Raststätte eingelegt um bisschen Paprika und Knäckebrot zu essen. In Garmisch dann die erste und einzige Toilettenpause des Tages an einem Burger King. Wir verdrücken jeder noch schnell ne Banane, dann geht es bei Scharnitz über die Grenze und in Seefeld halten wir am M-Preis. Wasser für die Trinkrucksäcke, Sonnencreme für die verbrannte Nase, Cola für Zucker und Koffeinhaushalt und neues Knäckebrot.

In Völs füllen wir die Tanks wieder auf – ich hab knapp 330km auf dem Tacho stehen und noch ca. 3 Liter im Tank. Nochmal 10 Minuten den Berg hoch, schon checken wir in Mutters im Sporthotel Schieferle ein und beziehen unser Zimmer im 2.Stock. Die Moppeds stehen hinterm Haus unterm Carport und wir trödeln ausnahmsweise mal nicht rum. Zügig umziehen und ab ins nächste Gasthaus – unsere Mägen hört man schon aus einem km nach Essen verlangen. Während wir auf Salat, Cordonbleu und Schweinefilet mit Spargel warten lassen wir den Tag Revue passieren. Das Wetter hätte nicht besser sein können, fast schon ein bisschen zu warm – Anja ist der Meinung da geht noch was. Die Landschaft schön – es ist Frühling, alles ist grün und blüht. Die Sträucher, welche in bunten Farben leuchten, duften und es fühlt sich einfach gut an draußen unterwegs zu sein.

Der Gasthof Stauder hat beim Essen überzeugt und wir spazieren gemütlich zurück zur Unterkunft. Dabei genießen wir die Lichtstimmung der untergehenden Sonne welche die Schneebedeckten Berggipfel um uns in ein rötliches Licht taucht. Als wir dann endlich den „unendlich langen“ Anstieg zum Hotel hinaufgelaufen sind (ca. 300m) nehmen wir noch den Aufzug in den 2. Stock. Wir waren schließlich heute morgen schon laufen 😀
Kurz genießen wir noch den Ausblick vom Balkon, dann wird noch schnell die Route zum Gardasee für morgen aufs Navi kopiert und der Bericht getippt und schon schlummern wir beide.

Spanien Herbst 2021 – Tag 18 – 427km – daheim

Ein letztes mal wachen wir in fremden Betten auf bevor es wieder in die Eigenen geht. Ein letztes Mal geht es zum Frühstücksbuffet. 11 EUR kostet das Buffet pro Person, also schlagen wir um 8 Uhr auch für 11 EUR zu *g* wir geben alles und finden uns nach frisch gepresstem O-Saft, Tee, Kaffee, Baguette, Wurst, Käse, Eier, Croissants, Schokocroissants, einer Art Brioche und Blätterteiggebäck im Fresskoma. Am liebsten würden wir uns einfach wieder hinlegen und weiterschlafen. Aber die Autobahn ruft. Noch ein Grund im Bett zu bleiben. Wir packen, das Feng Shui passt und alles rutschts an seinen Platz als ob es nie wo anders gewesen wäre… warum ist das eigentlich am ersten Tag einer Reise nicht auch schon so? Prinzipiell haben wir seit Jahren fast das gleiche Zeugs dabei… also müsste es doch auch am ersten Tag schon passen.

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Um kurz nach 10 Uhr zockeln wir los. Erstmal noch zur Tankstelle, an der Autobahn ist es unverschämt teuer, also wollen wir hier nochmal für 1,56 EUR/L vollmachen. Dann folgt noch ein Halt an einem Gemüsestand neben einem Bäcker. Anja kauft gesund ein – 4 Clementinen. Ich kaufe genussvoll ein – 3 Tartelettes und für eine Freundin die uns immer Herzchenaugensmilies geschickt hat wenn wir ein Eclair Bild im Status hatten noch ein paar Eclairs als Überraschung. Dann geht es bereits auf der Autobahn über den Rhein und wir sind zurück in Deutschland. Die Trinkrucksäcke ermöglichen es uns gleich mal am Stück 260 km durchzuballern. Mit Genuss hat das nicht mehr viel zu tun, gehört aber genauso zur Reise wie ein geiler kurviger Fahrtag. Und ja wir hätten auch nochmal über Land fahren können, aber da wir morgen wieder auf Arbeit müssen wollen wir nicht zu spät heimkommen. Der Halt nach 260km ist auch nur fällig da Elli einfach kein Spritsparmopped wie Ari ist. Bei der kleinen 650er reicht ein Tank schonmal für mehr als 500km. Bei der Großen ist bei 320-330km Schluss. Ich tanke für 1,99Eur/L ganze 7 davon ins Fass. Uns sprechen mehrfach Leute an – es ist immerhin der 1.11. und nicht sonderlich warm. Wenn man dann erzählt dass man aus Spanien kommt machen die meisten große Augen.

Achja, es ist der 1.11. und wir haben dafür Bombenwetter. Es ist trocken, nicht zu kalt und wir sehen immer mal wieder fetzen von blauem Himmel. Insgesamt hatten wir auf dieser Reise mal wieder unglaubliches Glück mit dem Wetter. Und nicht nur damit. Die kulinarischen Genüsse waren alle super, die Unterkünfte meist echte Glücksgriffe und kein einziger Griff ins Klo. Die Auswahl der Gegend war phänomenal! Wir dürfen uns wahrlich nicht beklagen, nein wir müssen ein Fettes Danke an unseren Dussel richten immer wieder die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Auch der Reifen ist immer noch dicht. Meine Flickkünste sind somit „Meisterhaft“.
Als wir Aurach passieren ist auf einmal die Fahrbahn nass, aber von oben kriegen wir auch auf den letzten Kilometern nichts mehr ab. Die Schuhe werden trotzdem nass vom Spritzwasser und die Temperatur sackt nochmal merklich ab. Wir freuen uns dass dies nicht schon früher passiert ist. In Aurach fahren wir dann von der BAB und fahren durch Ansbach. Das Autobahnbollern hat uns nochmal die Gelegenheit gegeben die Eindrücke der Reise Revue passieren zu lassen und zu verarbeiten. Wir fahren noch einen kurzen Umweg um die Überraschungseclairs abzugeben und bereiten damit jemandem eine kleine Freude.  Rund 2 Stunden nachdem wir zuhause angekommen sind nimmt man schon fast nicht mehr wahr dass wir weg waren, die Waschmaschinen laufen bereits und das Gepäck ist fast restlos verräumt. Zuhause genießen wir dann auch noch unsere letzten Tartelettes dieses Trips. Wir sind schon gespannt wo uns die nächste Reise hinführen wird. Aktuell haben wir noch keinerlei Plan.

Ich möchte die Gelegenheit heute auch noch nutzen mich bei allen Kommentatoren egal ob hier, auf Facebook, im Mimoto Reiseforum oder im V-Stromforum zu bedanken. Der Applaus ist der Lohn der Künstler und es bestätigt uns immer wieder diese Beiträge zu schreiben und unsere Fotografien zu teilen wenn wir so tolles Feedback bekommen. DANKE!

Spanien Herbst 2021 – Tag01 – 511km – Baume-les-Dames

2021 war irgendwie noch verhexter als 2020. Letztes Jahr hatte uns „nur“ Corona ausgebremst, dieses Jahr auch noch Anjas Schlittenunfall im Februar. Die Folge: statt 3 Wochen Portugal mit den Motorrädern im Juni gab es eine Woche Nordsee mit dem Auto. Wenigstens der Aufenthalt in Kroatien für 2 Wochen im September hat geklappt, dieser war verschoben von 2020. Die zwei Wochen rumliegen, nix tun und regelmäßig schlemmen haben sau gut getan. Eines fehlt uns aber… neue Sinneseindrücke. Der letzte Trip welcher dieses Bedürfniss fütterte war unsere Route des Grand Alpes Tour Mitte 2020. Der Slowenien Trip war schon wieder zu bekanntes Terrain. An verfügbaren Urlaubstagen mangelte es nicht, so haben wir uns die letzten zwei Oktoberwochen freigeschaufelt und einfach mal nix geplant. Kurzfristig dann die zwei Wochen noch um zwei weitere Tage nach vorne verlängert, den Donnerstag genutzt um die neuen Reifen zu montieren und die Moppeds nochmal komplett durchzuchecken. Schnell noch ne Schraube rund zu drehen und rauszubohren (Kupplungsflüssigkeitsdeckel). Damit sollten dann die Missgeschicke für den Trip auch schon erledigt sein… hoffentlich.

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Am Freitag 15.10. solls dann früh losgehen. Wir kommen nicht so recht in die Gänge und merken erst kurz vor Abfahrt dass Anjas SW Motech Quick Lock Evo Tankrucksack nicht mehr auf dem Ring einrastet. Egal wir haben noch einen dritten Tankrucksack – ich schraub nur schnell die Halter um -> dreh ne Schraube ab und muss sie rausbohren… und täglich grüsst das Murmeltier. Dann sind wir um 10:45 Uhr endlich soweit und düsen los. Wohin eigentlich? Achja wir haben Donnerstag um 21 Uhr beschlossen in Richtung Spanien aufzubrechen. Der Plan für heute – Strecke machen. In Deutschland öde Autobahn bis Mulhouse und dann noch ca. 130km französische Bundesstrassen. In Summe 500km. 50% des diesjährigen Moppedpensums mal eben an einem Tag drauflegen 🙂 so gefällt uns das. Rein wettermäßig war die Entscheidung Freitag zu starten absolut richtig. Donnerstag den ganzen Tag Nieselregen, heute blauer Himmel und Sonne. Die Zeit auf der Bahn vergeht relativ Flux. Einen Tankstopp mit Bockwurst gibt es, dann sind wir schon an der Französischen Grenze. Die geplante Brücke über den Rhein ist gesperrt, also nehmen wir die nächste und verwirren das Navi ein bisschen. Hab ich schonmal erwähnt dass ich zum Garmin Zumo 590LM eine intensive Hassliebe habe? Diesen Winter gibt’s das Zumo XT! Ich schwör!!! Und dann wird alles besser… Nachdem das Navi nicht so will wie ich will beschließe ich kurz zu halten um nicht während der Fahrt dran rumzudrücken. Wir fahren also rechts ran, ich klicker auf dem Navi rum und Anja meint ganz lässig: „Tobi du hast nen Platten!“ Wie Plattfuss? Das sind nagelneue Reifen! Ich steig ab und guck meinen Hinterreifen an und es ist wie es immer ist mit den Ehefrauen… sie haben Recht! Anja hat haarscharf analysiert was ich jetzt auch erkennen muss. Die Luft ist raus.

Die kleine Lücke zum Anhalten hatte überraschenderweise einen großen Metallspan für mein Hinterrad übrig. Also Mopped abgeladen, Hinterrad aufgebockt und das Flickset rausgesucht. Seit Jahren fahren wir es mit uns rum und haben es noch nie gebraucht. Jetzt schlägt die große Stunde. Metallspan raus, Reibahle rein, Loch sauber bohren, ekliges Klebezeugs reinstopfen, 15min warten und dann den kleinen Kompressor ran. 10 Minuten später hat der dann 3,2 Bar in den Reifen gequält und sie bleiben auch drin. Es kann weitergehen. Jetzt kommen französische Bundestrassen und das Fahren macht endlich Laune. Das Navi konnte ich in den 15 Minuten warten bis der Kleber trocken ist auch dazu überreden das zu tun was ich will und so geht es zielstrebig in Richtung Baume-les-Dames. Die Sonne sinkt immer mehr gen Horizont und wir befürchten schon im Dunklen anzukommen. Wir haben bewusst aufs Zelt verzichtet weil die Tage eh schon so kurz sind und wir das Tageslicht zum Fahren ausnutzen wollen, nicht mit auf und abbauen.

An einer Fromagerie kaufen wir einen großen Brocken Comtè und einen kleinen Chevre. Die nächste Boulangerie überfallen wir und decken uns mit Baguette und Wasser ein. Das Abendessen ist damit gesichert. Wir lieben es Käse direkt beim Erzeuger in Frankreich zu kaufen. Zum Abschluss des Tages geht es noch durch ein Flusstal, Wir überqueren den Le Doubs und halten für ein paar wenige Fotos an. Das Abendlicht wirkt total beruhigend, das Wasser bildet einen perfekten Spiegel und wir kommen trotz des anstregenden Tages zur Ruhe. Eine innere Ausgeglichenheit stellt sich ein. Die letzten Meter bis zur Unterkunft verfliegen und mit dem Einbruch der Dunkelheit checken wir um 19 Uhr ein. Wir vespern und planen noch den morgigen Tag, dann werden noch die Helme geputzt… das hatte ich daheim irgendwie vergessen… damit wir morgen auch was sehen von Frankreich. Mit vollem Magen und müden Augen entsteht noch dieser Text und dann geht es ins Bett.

Unterkunft: La Colline auc Yeux Doubs

Slowenien 2020 – Tag 14 – 221 km – daheim

Ein letztes mal geht es zum üppigen Frühstücksbuffet in der Adam Bräu. Wir werden unsere Suite vermissen. Man müsste nur das eine Schlafzimmer gegen eine Küche austauschen und es wäre die perfekte Wohnung. Plan A war mit Sunny zusammen in Kroatien auf Hvar am Strand zu liegen. Plan B war Südnorwegen mit dem Mopped…. Plan „Keine Ahnung welcher Buchstabe“ war dann Slowenien mit dem Mopped und ein bisschen am Strand in Piran rumliegen. Jetzt waren wir zum Abschluss Wellnessen im Bayrischen Wald. Manchmal kanns so gehen. Aber wenn man flexibel ist und auf die Gegebenheiten reagiert dann bietet das Leben immer tolle Gelegenheiten. Man kann sich natürlich auch daheim aufs Sofa setzen und sagen es ist schlechtes Wetter gemeldet, da machts keinen Sinn fort zu fahren. Es liegt immer an einem selbst was man aus der Situation macht. Und heute ist nochmal Kaiserwetter angesagt für den Heimweg.

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Die Strecke heute ist nicht sonderlich lange – nur 220km sind zu genießen. Und wenn man dann am Ende einer Reise ist und das heimische Bett in Reichweite ist dann zieht’s einen trotz Fernweh irgendwie doch immer stärker heim. Ist irgendwie wie ein Magnet – je näher man diesem kommt desto stärker ist die Anziehung. So machen wir heute bei 4,5 Stunden Fahrtzeit nur gute 30 Minuten Pause. Kein Kuchenstopp mehr, nur ein Fotostopp – Je Heimatnäher man kommt desto bekannter wird das Umfeld und der Reiz zu halten und sich umzusehen sinkt. Viel vom Heimweg zu erzählen gibt es daher nicht.

Ein Fazit zu Slowenien bleibt mir aber noch. Slowenien wird total unterschätzt! Wir sind ja auch schon ein paarmal durchgefahren auf dem Weg nach Kroatien, Montenegro, Albanien, Kosovo, und einigen anderen vermeintlich reizvolleren weil ferneren Ländern. Slowenien wollten wir zwar auch schon länger mal intensiver befahren, aber irgendwie waren wir immer der Meinung dafür würde eine Woche locker reichen. Dem ist nicht so. Slowenien hat drei Weinbauregionen, es bietet Berge und Skipisten, Seen und Flüsse, ein Stück Küste am Meer und unglaublich nette gastfreundliche Menschen. Man taucht hier ein in die Kulinarik des Balkans und das quasi direkt vor der Haustüre. Erreichbar ist das Land in einem Tag wenn man die Arschbacken zusammenkneift oder aber bequem in zwei Tagen. Wir werden auf jeden Fall wieder kommen! Auch wenn es schade war dass wir diesen Aufenthalt verkürzt haben, so war es aufgrund des defekten Radlagers doch sinnvoll, auch wenn wir das zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht wussten.

Wie die Pläne für 2021 aussehen? Flexibel sein! Keine fixen Pläne machen sondern Ideen sammeln und dann spontan agieren. Danke fürs mitlesen und die Kommentare sowohl hier als auch in den Foren und auf Facebook, es ist schön Feedback zu bekommen! Und denkt immer dran das Bluesky Navi einzupacken und diesem auch zu folgen!

Route des Grandes Alpes – Tag 02 – 206km – Belp

Wir haben gefühlt ewig geschlafen… um kurz nach 8 Uhr mache ich die Augen auf. Erster Check – es regnet nicht. Das ist gut. Ich mache mich gleich mal an die Vorbereitungen für das Frühstück. Anja kommt wenig später dazu und wir lassen es uns schmecken. Wir sind völlig gechillt unterwegs und unser Packfengshui passt auch noch nicht wirklich. So brauchen wir ewig bis wir endlich los kommen. Um kurz nach 11 Uhr verlassen wir den Platz. Aber noch geht es nicht richtig los. Wir wollen erst noch einkaufen. Da wir uns bei so Dingen wie Brot, Obst, Gemüse und Wasser die Schweizer Preise sparen wollen machen wir noch kurz halt an einem Penny. Nachdem die Einkäufe verstaut sind geht es dann endlich richtig los.

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Irgendwie bin ich heute ein wenig träumerisch unterwegs und verpasse eine Abzweigung nach der anderen. Bis wir an der Grenze sind musste ich schon dreimal wieder zurück zur Route suchen. Über die Grenze sind wir noch trocken gekommen, dann fängt es an zu tröpfeln. Wir waren uns ja bewusst dass Regen angesagt war, aber was heute noch kommen sollte stellte uns dennoch auf die Probe. Erstmal folgten nun aber die ersten „kleinen“ Pässe. Wenige Hundert Höhenmeter aber doch schon mit ein paar schönen Kurven gesegnet fuhren wir kleine und kleinste Strässchen durch die grünen Hügel. Weinberge und Kuhweiden säumten den Weg und wir legten den einen oder anderen kurzen Stopp für ein Foto ein. Die meiste Zeit quasselten wir auch entspannt über die Headsets und ich verpasste wieder eine Abzweigung nach der anderen.

Der Regen wurde mehr und mehr. Und hier hört auch die Beschreibung des weiteren Weges auf. Anja wollte nicht durch die Schweiz fahren da wir in der Schweiz bisher immer schlechtes Wetter hatten. Ich dagegen wollte durch die Schweiz fahren weil wir hier immer schlechtes Wetter hatten. Wir hatten nur beide unterschiedliche Gedanken wie dieser Aufenthalt laufen könnte. Anja behielt recht. Den Rest des Tages regnete es in Strömen. Die Schweiz hat echt schöne Strassen und Landschaften zu bieten, nur wenn man sie nicht sieht vor lauter Wolken und Wasser das vom Himmel fällt, dann hilft das nicht viel. Nach mehreren Stunden im Regen und in den Wolken fassten wir den Entschluss uns noch in einer Käserei mit lokalem Käse zu versorgen und dann ein Hotel anzusteuern. Die Lust aufs Zelten war im wahrsten Sinne des Wortes weggeschwemmt worden. Die Route wurde ein wenig korrigiert und im Speckgürtel von Bern fanden wir in Belp den QCM-Campus. Eigentlich ein Qualitätsmanagement Betrieb für die Flugbranche. Aber im Campus gibt es auch ein paar Zimmer für Tagungsteilnehmer oder eben spontane Gäste wie uns. Die Dame am Empfang sah mich ein wenig mitleidig an als ich so triefend nass vor ihr stand. Mir tat es leid dass ich eine Pfütze vor Ihren Tresen machte. Schnell waren die Details geklärt, die Kreditkarte machte den Rest und schon waren wir in einem warmen Zimmer mit großzügigem Balkon und bestem Ausblick auf das Regenwetter.

Zwei heisse Schokoladen und ein bisschen Tee später hatten wir uns dann auch akklimatisiert und ich versuchte die Kamera im Sena 10C Evo wieder zum Leben zu erwecken – „Keine SD-Karte gefunden“ ist die einzige Meldung die dem Gerät noch zu entlocken ist. Na toll, gerade erst gekauft und schon kaputt. Ich bin gespannt was Sena dazu sagt. Bilder und Videos während der Fahrt sind dann ab jetzt mal gestorben. Ein super Start in 2 Wochen Motorradreise.

Zum Abendessen gönnen wir uns Käse, Brot, Paprika, Gurke und Tomaten. Dann gibt es noch eine heisse Dusche und ich veröffentliche endlich den Bericht unserer Tour durch den Bayerischen Wald. Kurz vor 21 Uhr kommt dann doch noch ein bisschen die Sonne raus und der Ausblick vom Balkon ist sehenswert. Wir sind allerdings schon dabei uns fürs Bett fertig zu machen und lassen den Abend ausklingen. Morgen solle es dann endlich nach Frankreich gehen und wir wollen den ersten Pass der Route des Grandes Alpes erklimmen.

Route des Grandes Alpes – Tag 01 – 353km – Eberfingen

Eigentlich beginnt diese Reise mit Tag 0 – Und der Tag 0 ist Samstag der 01. August 2020. Eigentlich wollten wir an diesem besagten Samstag losfahren. Aber es kommt dieses Jahr (Jahr der Coronakrise 2020) alles anders als man denkt. Unsere bisherigen Pläne für 2020 wurden alle etwas durchkreuzt. Istanbul im März – gecancelt, der spontane Ersatztrip in den Harz genauso spontan wieder abgebrochen. Der Trip in den Hunsrück musste wegen Lichtmaschinenschaden an Anjas 650er etwas umgestaltet werden und die folgende Woche Erzgebirge gecancelt werden. Spontan waren wir dann noch ein verlängertes Wochenende im Bayrischen Wald. Danach hatte die 650er „Schluckauf“ was letztendlich nach dem Tausch des Benzinfilters (im Tank verbaut) auf einen Wackelkontakt an einem Stecker zur Zündung zurückgeführt werden konnte. Einmal auseinander und wieder zusammen und schon war der Schluckauf weg. Also die Steckverbindung noch mit einem Kabelbinder gesichert und seither läuft sie wieder tadellos. Aufgrund des Lima Schadens haben jetzt beide Moppeds ein Voltmeter bekommen damit wir sowas zukünftig frühzeitig erkennen können und nicht erst wenn die Batterie leer ist. An der Dicken wurden noch die Heizgriffe getauscht weil sie glatt wie ein Babypopo waren und keinerlei Grip mehr boten. Und dann könnte es ja eigentlich am Samstag den 01.August losgehen. Aber wir hatten die Rechnung ohne das Wetter gemacht. 37 Grad im Schatten und ausreichend Zeit für das was wir gesamtstreckenmässig ins Auge gefasst haben machte uns die Entscheidung leicht einen Tag später loszufahren. Für den Sonntag war zwar Regen gemeldet, aber dafür angenehme 20° – 25° Grad Celsius. Das Packen wurde dadurch auch etwas stressfreier weil es nicht am Freitag nach der Arbeit erledigt werden musste. So sattelten wir also die „Pferde“ am Sonntag morgen. Um 9:45 Uhr waren wir dann, wie immer einen gute Stunde später als geplant, startklar und verließen Bürglein auf wohlbekannten Wegen.

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Über Feuchtwangen ging es nach Dinkelsbühl wo wir massiven Gegenverkehr bekamen – da musste wohl ein Stau auf der Autobahn sein weil alle möglichen „nordischen“ KFZ-Kennzeichen plötzlich auf der typischen Ausweichstrecke unterwegs waren. In Dinkelsbühl ging dann im dahinrollen plötzlich Elli (die 1000er) aus. Nanu… was ist denn da los. Erstmal wieder auf den Anlasser gedrückt – sie springt an, stottert und geht wieder aus – wieder auf den Anlasser, direkt ein bisschen Gas und das gehalten – läuft – Gas weg – stottern, aus. Ich lege meinen Kopf auf den Tankrucksack und fühle mich einfach nur erschöpft. Jetzt ist die 650er wieder in Ordnung, da muss etz die große Anfangen zu zicken… Die zwei Diven machen es uns nicht leicht. Also nochmal anlassen und mit ordentlich Gas erstmal raus auf einen Parkplatz. Mal ein bisschen mit dem Gas gespielt und sie geht zumindest nicht mehr aus. Allerdings ist die Leerlaufdrehzahl gefühlt zu niedrig 800 – 1000 Umdrehungen. Naja bleib ich eben erstmal etwas mehr am Gas. An der Jet Tanke in Dinkelsbühl noch schnell die Fässer gefüllt und schon geht es weiter. Der angesagte Regen bleibt erstmal aus und wir erfreuen uns an den angenehmen Temperaturen.

Als wir durch Ellwangen fahren merkt Anja an dass sie Hunger bekommt und fragt ob wir nach Aalen reinfahren oder nur vorbei. Ich hab keine Ahnung was das Navi für uns bereithält und wir lassen uns an Aalen vorbei navigieren. Ein Bäcker wäre jetzt toll. So fahren wir noch bis nach Bartholomä. Der einsetzende Regen bekräftigt uns darin nach einem geöffnetem Cafè / Bäcker Ausschau zu halten. Aber es ist nichts zu sehen. Plötzlich der vehemente Hinweis über das Sena Headset: „Dreh um! Das Kind da hatte ne Bäckertüte in der Hand!“ Was tut man da wenn Frau Hunger hat? Richtig umdrehen und den Bäcker suchen. Dieser war ein Glücksgriff gute Kuchenauswahl und um kurz nach 12 Uhr auch noch bereit uns ein „Schwoba Frühstück“ zuzubereiten. Den Titel hat das Frühstück nicht umsonst. Preis Leistung stimmt. Schwäbisch niedriger Preis zu einer Scheibe Salami und einer Scheibe Käse. Der Schwabe spart nicht nur am Geld, nein auch am Essen 🙂 Wir schieben einfach noch einen russischen Zupfkuchen und eine Schokobanane hinterher.

Nach dem Essen zücke ich das Leatherman und stelle meine Leerlaufdrehzahl auf 1200-1300 Umdrehungen ein und schon geht Elli auch nicht mehr aus wenn man die Kupplung zieht und vergisst am Gas zu bleiben. Ich liebe einfache Lösungen. Der restliche Streckenverlauf war abwechslungsreich und schön zu fahren. Bundestrassen, kleine Strässchen, Umleitungen, hügelig und irgendwann sieht man dann schon fast was bergiges. Kleiner Wehmutstropfen dabei… die nun immer heftiger fallenden Regentropfen und der aufkommende Wind. Kurz vor dem Tagesziel halten wir nochmal zum Tanken an und Anja quatscht kurz mit einem anderen Moppedpärchen. Wir beschließen die Schweizer Grenze erst morgen zu überqueren und heute noch in Deutschland zu bleiben. In Eberfingen finden wir einen kleinen etwas in die Tage gekommenen Campingplatz auf dem wir bei Regen das Zelt aufstellen. Obwohl wir ein wenig aus der Übung sind gelingt es uns in Rekordzeit. Das lag bestimmt an der Super Absprache über die Headsets, da wir aufgrund des Regens während dem Aufbau die Helme aufgelassen haben. Neben uns benötigt ein holländisches Pärchen über eine Stunde zum Aufbau des Hauszeltes. Wir haben es uns derweil unter einem Pavillon gemütlich gemacht und lassen uns Banane, Apfel, Gurke, Eier, Brot und zwei Dosen Fisch schmecken – komische Kombi – nicht wenn man es nacheinander isst!
Morgen geht es dann ganz gemütlich in die Schweiz die ersten Pässe fahren.

Bayerischer Wald – noch eine Corona Alternative

Vorgeschichte:

Eigentlich wären wir im Mai 3,5 Wochen in Portugal gewesen. Und dann im August mal ne Woche in Deutschland unterwegs. Das Thema Corona Pandemie hat uns heuer aber ein paar Striche durch die Rechnung gemacht. Wir wollen uns aber nicht beschweren, schließlich geht es uns super gut! Spontan waren wir dann im Mai schon in Deutschland unterwegs, genauer gesagt im Hunsrück. Dabei hat dann die Lichtmaschine von Ari (die 650er) das Zeitliche gesegnet. So mussten wir das Erzgebirge in der zweiten Urlaubswoche ausfallen lassen. Der Stator an der 650er ist inzwischen getauscht und die Technik somit wieder einsatzbereit. Spontan zwei Gleittage bekommen und schon kann man ins verlängerte Wochenende starten. Sa – Di ab in den Bayerischen Wald.

Tag 1 – Anfahrt:

Die Route für die Anfahrt führte uns erstmal über Weißenburg in Richtung Süden. Wir querten das Altmühltal und die Donau, bevor es langsam in Richtung Osten ging. In Schweitenkirchen gab es dann einen kleinen, aber feinen Zwischenstopp. Hier residiert Stephan Jaspers mit seiner auf Africa Twins spezialisierten Motorradwerkstatt – African Queens. Moment was wollen denn die Suzuki V-Strom Freaks bei nem Honda Africa Twin Spezialisten? Die werden doch wohl nicht?
Nein, werden sie nicht! African Queens ist auch DER Klim (Motorradbekleidung) Fachhhändler im süddeutschen, wenn nicht sogar im gesamtdeutschen Raum. Nachdem meine Revit Poseidon Hose nicht mehr aus der Reklamation zurückkommt und ich den Neupreis erstattet bekommen habe soll es jetzt eine Klim Hose werden. Ich probiere eine Klim Badlands Pro Hose von 2019 und weil sie mir so gut gefällt teste ich spontan auch noch eine 2020er Badlands Pro Jacke dazu. Dem Geldbeutel tut’s kurz weh, mein Grinsen ist dafür für die nächsten Tage/Wochen gesichert. Fast, aber auch nur fast hätte ich auch noch einen neuen Helm mitgenommen…

Nun endlich wieder in regenfesten Klamotten unterwegs kann es weiter in Richtung Osten gehen. Der Himmel deutet auch schon an, dass wir die Klamotten brauchen könnten. In der Bäckerei Weinzierl in Ergoldsbach kehren wir ein und gönnen uns was kleines zu Mittag. Moppedfahren und shoppen macht schließlich hungrig. Falls jemand ein Rezept für eine Tegernseertorte hat – immer her damit, wir sind leider nicht fündig geworden. Aber die müssen wir definitiv mal nachbauen.

Wir kommen flott voran, die Kilometer fliegen nur so dahin. Die neuen Sena Headsets (10C Evo und 30K) funktionieren hervorragend und wir quasseln quasi die ganze Zeit. Das Fahren in Deutschland ist irgendwie so unkompliziert, unanstrengend, fast schon langweilig. Um den Straßenzustand muss man sich keine Gedanken machen, für alles gibt es klare Regeln und 99% der Leute halten sich auch daran. Wir sind anderes von unseren Reisen gewohnt. Es ist erfreulich wenig los auf den Straßen. Das mag am nicht ganz so guten Wetter liegen.
Bis wir dann den Naturpark Bayerischen Wald erreichen kommen wir tatsächlich noch unter ein paar Regenwolken durch. Fazit – Sowohl Anjas Klim Artemis als auch meine Klim Badlands Pro sind dicht. Und das ganz ohne Regenklamotten drüberzuziehen. So muss das sein! Im Naturpark geht es nun stetig auf und ab und es stehen dichte Wälder neben den Strassen. Wir stoppen noch an einem Aldi und decken uns mit Wasser für die nächsten Tage ein, bevor es endgültig nach Herzogsreut zum Landgasthof Zur Neuen Post geht. Wir hatten zwecks Planung einfach mal in Garmin Basecamp die Routen der letzten 10 Jahre übereinander gelegt und geschaut wo Lücken sind, dabei ist uns der Bayerische Wald ins Auge gestochen. Booking.com hat dann den Landgasthof ausgespuckt und wir haben dort reserviert.

Das Deluxe Zimmer ist eine ehemalige Ferienwohnung mit zwei Zimmern und einer kleinen Küche (keine Kochplatten, aber eine Microwelle). Der Balkon ist riesig und geht ums Hauseck, so dass wir den ganzen Tag Sonne hätten. Bevor wir uns zum Abendessen in den Gasthof im Haupthaus begeben laufen wir noch eine „kleine“ 5km Runde durch die Natur. Auch dabei geht es auf und ab. Hungrig vom fahren und wandern gönnen wir uns dann Brotsuppe, eine riesige Vesperplatte und Zwiebelrostbraten. Mit maximaler Ranzenspannung (MRS) liegen wir direkt danach im Fresskoma in unseren Betten und freuen uns schon auf den nächsten Tag.