Lissabon – die Schöne am Tejo – Tag 4 – 6

Am nächsten Tag war unser erstes Ziel die Markthalle – Mercado da Ribeira. Die restaurierte Halle steht nur noch zum Teil als traditioneller Markt, auf dem man Fisch, Fleisch, Käse, Gemüse, Obst, Blumen und Bacalhau erwerben kann, zur Verfügung.

Der andere Teil ist dem Timeout Market gewichen, hier finden sich Restaurants, die alles frisch zubereiten und qualitativ hochwertiges Essen für erschwingliche Preise bieten. Die Bandbreite geht von typisch portugiesisch, über asiatisch, bis hin zu Sushi und Schokotorte.

Das Prinzip ist einfach, Restaurant auswählen, Essen am Tresen bestellen, bezahlen, Piepser mitnehmen und sich einen Platz suchen. Wenn der Piepser loslegt, ist das Essen fertig und kann abgeholt werden.

Wir waren uns sicher, hier unbedingt mal zum Essen her zu müssen, vorher wollten wir uns aber noch einen großen Teil Lissabons, der noch fehlte ansehen: die Alfama und Mouraria – das alte Lissabon.

Die älteste Kirche Lissabons, die Kathedrale Sé machte den Anfang. Von hier aus folgten wir den Schienen, auf denen immer wieder die kleinen Eléctricos vorbeirumpeln, den Berg hinauf.

Das Burgareal an sich hatte ich schon auf dem Schirm, aber irgendwie nicht heute… Ich habe – zum Glück – Tobis Drängen nachgegeben, die Burg gleich heute und jetzt anzusehen… Es gibt nämlich nur einen Eingang, und auf den sind wir geradewegs zugelaufen.

Obwohl es nicht viel zum Ansehen gibt, haben wir doch viel Zeit im Castelo de Sao Jorge verbracht. Nicht zuletzt um einen dieser besch….. Pfaue zu erwischen, wie er gerade ein Rad schlägt. Aber es war uns nicht vergönnt, sogar meine Versuche, einen der Vögel zu bedrohen und als Verteidigungshaltung des Pfaus ein Rad zu bekommen, sind gescheitert.

Danach waren wir mittendrin: die schöne Alfama mit ihrem Gassengewirr und Treppen, Wäsche die aus den Fenstern hängt, Blumentöpfen auf jedem noch so kleinen Plätzchen, der Geruch von südländischem Essen liegt in der Luft und bunte Girlanden, die noch vom letzten Fest im Wind flattern schmücken die Straßen und Plätze. Am Fuß des Hügels angelangt, ging es vorbei am Casa dos Bicos – dem Haus der Spitzen und wir gelangten wieder auf den Handelsplatz. Nach erneutem Fotos schießen – inclusive störendem Pikachu im Bild – trieb uns der Hunger zum Timeout-Market in die Markthalle. Gut gestärkt spazierten wir am Pier entlang, bevor wir uns auf den Rückweg zum Hotel machten.

Und schon ist unser letzter Tag in Lissabon angebrochen. Ein absolutes Muss fehlte uns noch: eine Fahrt mit der Electrico 28. Die Linie rattert an allen Sehenswürdigkeiten Lissabons vorbei und startet auch noch direkt vor unserem Hotel.

Die Erfahrung hat uns früh aus dem Bett geholt, damit wir um kurz nach 8 in eine vollkommen leere Electrico steigen konnten. Ab halb 10 sind diese bis zum Bersten gefüllt und an jeder Haltestelle wollen noch mehr rein.

Wir konnten mit ein paar Lissabonnern eine ganz entspannte Fahrt mit Sitzplatz von unserem Hotel aus, durch die Mouraria, die Alfama, durch das Stadtzentrum, bis hinaus zum großen Friedhof – Cemiterio dos Prazeres genießen. Die kleinen Wagons rumpeln Hügel hinauf und hinunter, Zentimeter nur an Autos und Hauswänden vorbei, in Deutschland undenkbar.

In dem Friedhofsgelände liefen wir kreuz und quer, vorbei an prächtigen Mausoleen und bescheidenen Grabstellen.

Tobi hielt noch einen kurzen Plausch mit einem Studenten, dem der Friedhof sehr am Herzen liegt und der auch immer wieder Führungen anbietet. Es wird sehr viel Zeit und Geld in die Erhaltung und Restauration investiert, damit man gerne herkommt und Zeit für einen Spaziergang mitbringt.

Drei Stationen mit der Linie 28 zurück steht man direkt vor der Basilica da Estrela – die weiße Kuppel mit den beiden Türmen daneben prägt das Stadtbild Lissabons. Für 4 EUR kann man auf das Dach der Basilika und einen Rundgang durch das Innere der Kuppel mit Blick in die Kirche machen.

Von hier aus nahmen wir die Electrico auf demselben Weg zurück in die Alfama, wie wir gekommen sind, mit dem Unterschied, dass die kleine Bahn bis zum Bersten voll mit Leuten war.

In der Nähe der Igreja e Mosteiro de Sao Vicente de Fora stiegen wir aus, und liefen den restlichen Weg bis zur Kirche durch die pittoresken Gassen nach oben.

Unser letzter Halt in der Altstadt  war die Igreja  de Santa Engracia – Portugals National-Pantheon. Auch wieder eine weiße Kirche, deren Kuppel weithin sichtbar ist. Das Innere der Kirche ist harmonisch in Braun- und Cremetönen gehalten. Über ein sehr gut begehbares Treppenhaus kann man bis auf das Flachdach der Kirche steigen. 25 Grad, Sonnenschein, den Blick auf den Tejo und die schmerzenden Füße wollten entlastet werden, da liegt es doch nahe, einfach die Schuhe auszuziehen, und sich auf dem Kirchendach in die Sonne zu legen…. Traumhaft… Wir haben fast vergessen, dass wir hier auf einer Kirche liegen und diesen tollen Platz auch irgendwann wieder aufgeben müssen.

Unser letzter Halt sollte das Areal des Expo-Geländes werden. Für die Weltausstellung wurde 1998 extra die U-Bahnstation Oriente entworfen und gebaut. Die Überdachung erinnert an einen Palmenhain aus Stahl.

Wir verließen die riesige Station, die auch als Knotenpunkt für nationale und internationale Züge fungiert. Am Fluss angekommen hielten wir uns rechts, vorbei am Oceanário, bis zur Seilbahn, die ihre Passagiere am Fluss entlang bis zum Torre Vasco da Gama – Lissabons höchstem Gebäude – bringt. Auf dem Rückweg schlenderten wir noch durch das Einkaufszentrum Centro Comercial Vasco da Gama und verbrachten die Blaue Stunde inmitten der Gebäude, die im Zuge der Expo alle einen Bezug zum Meer und der Seefahrt  bekamen.

Der Abreisetag begrüßte uns bewölkt, was es uns trotzdem nicht leichter machte, diese Stadt wieder zu verlassen. Es ist sauber und gibt viel zu erkunden, auch kulinarisch hat Portugal einiges zu bieten, die Menschen sind freundlich, jederzeit hilfsbereit ohne aufdringlich zu sein und unterstützen die eigenen Leuten genauso, wie die Fremden. Wir können jedem nur empfehlen, sich diese wunderschöne Stadt selbst anzusehen und hoffen ihr irgendwann nochmal einen Besuch abstatten zu können.

Übrigens: Wir waren das erste Mal mit zwei Kameras unterwegs und haben die Eindrücke mit unterschiedlichen Perspektiven festgehalten. Viel Spaß beim Rätseln, wer wohl welches Bild gemacht hat.

Lissabon – die Schöne am Tejo – Tag 1 – 3

Endlich mal wieder fliegen! Tobi lässt es über sich ergehen, ich wiederum finde es aufregend, hier einzusteigen und 3 Stunden später an einem völlig anderen Ort wieder auszusteigen. Tobis Abneigung kann aber auch daher rühren, dass zuerst er und dann sein Koffer einer vollständigen Visitation unterzogen wurden… Ich denke immer noch, dass es an dem Vollbart liegt…

Nach einem geschmeidigen Flug von Nürnberg über München nach Lissabon fanden wir uns  bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad in Portugals Hauptstadt wieder.

Wir benutzten die Metro um in den Stadtkern und damit zu unserem Hotel zu gelangen.

In Lissabon erhält man 24-Stunden-Karten für 6,15 EUR pro Erwachsenem und kann damit alle Metro-, Bus-, Tramlinien und die Elevadores benutzen. Das Ticket läuft los, ab dem ersten Mal „stempeln“, die Karten sind mehrfach verwendbar und können immer wieder aufgeladen werden.

Nach ein bisschen am Hotelzimmer rumtrödeln wollten wir die letzten Stunden des Tages auf eine Art und Weise nutzen, die uns sonst gar nicht ähnlich sieht: Planlos und ohne Gepäck! Nur mit der Kamera und dem Objektiv was dran war bewaffnet, setzten wir uns aufs Geradewohl in Bewegung. Wir liefen um den Klinikkomplex – in der Hoffnung, diesen nie von Innen sehen zu müssen- und zogen uns durch kleine Gassen den gerade erklommenen Hügel wieder nach unten.

Plötzlich fanden wir uns mitten im Getümmel wieder, wir waren auf dem Rossio. Das Pflaster bildet ein kunstvolles Wellenmosaik, Menschen verschiedenster Abstammung gehen hier Ihren Tätigkeiten nach oder warten einfach darauf, dass die Zeit vergeht. Etwas nach hinten versetzt findet sich die Igreja Sao Domingos, wo einst die Inquisition ihre Urteile verlas. Eine Kirche die uns wirklich begeistert hat. Man sieht  ihr den nagenden Zahn der Zeit an, die Kirche ist nicht restauriert, sondern bröselt vor sich hin, trotzdem ein stolzes Gebäude.

Von da aus ging es weiter in Richtung Fluss, wir machten noch einen Abstecher zu unserem ersten Elevador. Der Elevador de Santa Justa ist ein richtiger Aufzug, der in einem verspielten gusseisernen Turm hochgezogen wird. Die Aufzugfahrt ist im Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel inbegriffen. Die Aussichtsplattform oben betreten zu dürfen schlägt mit 1,50 EUR pro Person zu buche. Oben angekommen genossen wir unseren ersten Ausblick auf Lissabon, den Tejo, das Treiben unter uns und die Burg, die im warmen Licht der untergehenden Sonne leuchtete.

Danach zogen wir uns durch die Fußgängerzone über die Rua Augusta bis zum Tejo. Wir erlebten einen rot leuchtenden Sonnenuntergang und ärgerten uns ein bisschen, kein Stativ dabei zu haben.

Unser erster voller Tag in Lissabon begann auf dem Praca dos Restauradores. Hier befindet sich die Talstation des Elevador da Gloria, einer Standseilbahn, die die Unterstadt mit der Oberstadt verbindet. Man fährt vorbei an der Straßenkunstgalerie, wo sich die Graffiti-Künstler der Stadt austoben dürfen, bis zum Miradouro Sao Pedro de Alcantara, ein wunderbarer Aussichtspunkt für einen Blick auf das alte Lissabon mit seinen Kirchtürmen und Kuppeln, sowie der Burg.

Linker Hand steht das gleichnamige Kloster mit einer kleinen Kapelle. Hier ist die Kirche in den für Lissabon so typischen Kacheln verziert, was der Kirche ein ganz eigenes Aussehen gibt. Wir bummelten danach durch die Straße bis zum Park Principe Real. Unterwegs fanden wir eine kleine Bäckerei in der wir uns Pasteis de nata (Kleine Blätterteigtörtchen gefüllt mit Sahnepudding) und Pasteis de Bacalhau mitnahmen. Diese süßen Kleinigkeiten sind unverschämt lecker und ich nehme schon mal vorneweg: wir haben jeden Tag welche gegessen.

Danach bogen wir in die Rua do Seculo, eine ruhige aber relativ steile Straße, um die Oberstadt langsam wieder zu verlassen und legten am Miradouro de Santa Catarina – einem frisch restaurierten Platz – eine kleine Pause ein. Mit Blick auf den Tejo mit der Ponte 25 de Abril (San Francisco Brücke) und der Christo-Rei-Statue ließen wir uns unsere Pasteis schmecken.

Vorbei am kleinsten Elevador der Stadt – Elevador da Bica – über den Largo de Camoes ging es in die belebte Rua Garett. Hier befindet sich Europas älteste Buchhandlung Livraria Bertrand. Ein bisschen versteckt  geht es links die Straße hoch zum Largo do Carmo und damit zur Klosterruine Igreja do Carmo. Der gotische Konvent aus dem 14. Jh. wurde beim Erdbeben 1755 fast vollständig zerstört, stehen geblieben sind nur die eleganten Pfeiler und Bögen.

Zur blauen Stunde befanden wir uns auf dem Praca do Comercio – dem Handelsplatz, an drei Seiten umgeben von gelben Gebäuden mit Arkadengängen.

Typisch portugiesisch war unser Abendessen: wir aßen Bacalhau im Bread4you; ein ganz kleines Bistro, super Essen, freundlicher und bemühter Service und kuschelige Atmosphäre.

Tag 3 verbrachten wir im Stadtteil Belem. Die Tram brachte uns bis vor die Haustüre des Mosteiro dos Jeronimos – das Hieronymuskloster.

Das imposante Gebäude sollte das erste sein, was vom Schiff aus bei der Ankunft in Lissabon zu sehen war. Der Baustil und die üppigen Verzierungen sind eine Mischung aus Gotik, Renaissance und Orientalischen Einflüssen. Farbe braucht es nicht, die feinen und kunstvollen Verzierungen sprechen für sich. Die Kirche ist ohne Eintritt zu besichtigen, für den doppelstöckigen Kreuzgang muss man Eintritt zahlen.

Ich bin auf beiden Ebenen des Kreuzganges mindesten 4 Runden gelaufen und habe trotzdem nicht alles gesehen. Es gleicht keine Säule der anderen, jedes gemeißelte Gesicht trägt einen anderen Ausdruck und die spitzen Türmchen vermitteln den Eindruck irgendwo im Orient unterwegs zu sein.

Der Fußmarsch bis zum Torre de Belem zieht sich etwas, aber wir haben im Kloster ein Kombi-Ticket für 12 EUR erworben, und wollten uns den Turm nicht entgehen lassen.

Auch dieser ist im manuelinischen Stil gehalten und für einen Wehrturm reich verziert; gedacht war er eigentlich auch eher zum Empfang der Schiffe, als zur Verteidigung. Um auf die Terrasse zu gelangen muss man sich nochmals anstellen. Es befindet sich nur eine Treppe in dem Turm, weswegen eine Blockabfertigung stattfindet, 120 Personen dürfen rauf und werden gesammelt wieder nach unten geschickt, bevor die nächsten 120 hoch dürfen.

Unser nächster Stopp war der Padrao dos Desobrimentos – das weiße, 50 m hohe Denkmal schiebt sich wie der Bug einer Karavelle in den Tejo. An der Spitze befindet sich Prinz Heinrich der Seefahrer, dahinter reihen sich wichtige Persönlichkeiten jener Zeit ein. Für 3 EUR darf man mit dem Aufzug nach oben, auf die Aussichtsterrasse fahren. Während wir noch den Ausblick genossen, überlegten wir, was wir mit dem Rest des Tages anfangen wollten.

Ein bisschen auswärts gelegen ist das Aqueduto das Aguas Livres – das Aquädukt der freien Wasser. Ein imposantes Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert, mit dem Wasser 18,5 km unter- und oberirdisch bis in ein Reservoir geführt wurde. Der eindrucksvollste Teil über das Alcantara-Tal besteht aus 35 Bögen, der Größte ist 65m hoch und 29m breit. Der Fußweg über das Aquädukt ist heute gegen Eintritt begehbar, allerdings waren wir zu spät dran und haben uns das Bauwerk nur von unten angesehen.

Teil zwei des Berichtes folgt in einigen Tagen.

 

Prag – Die Goldene Stadt zur Weihnachtszeit

Unser Advents-Städtetripp führte uns 2016 nach Prag. Auch wieder eine Stadt, die für ein verlängertes Wochenende gut zu erreichen ist und uns schon lange mal interessierte. Die Wahl des Transportmittels fiel schnell auf das Auto. Wir können uns weder für eine Zugfahrt, noch für eine Busfahrt wirklich begeistern. Liegt zum Teil auch daran, dass wir trotzdem erst mal auf ein Auto angewiesen sind, um überhaupt zu einem Zug- oder Busbahnhof zu kommen und auch unser voluminöses Gepäck macht es nicht besser (auch für nur 3 Tage schaffen wir es einen Skoda Superb Kofferraum vollzuschlichten – ich weiß, ein Luxusproblem).
Eine Nachfrage bei Sunny, ob sie mitgehen will, hatte strahlende Augen zur Folge. Schnell wurde das Hotel nochmal gewechselt und alles auf 3 Personen ausgelegt.

Wir starteten am Donnerstag Abend nach der Arbeit, das hatte sich die letzten Jahre bewährt. Um kurz nach 21:00 Uhr rollten wir – durch unendliche Einbahnstraßen – in die Altstadt und damit vor unserem Hotel ein. Laut Booking.com und der Homepage des Hotels seien Parkplätze vorhanden, eine Reservierung nicht erforderlich.
Ich staunte nicht schlecht, als Tobi nach dem Check In wieder am Auto war und uns in unseren Parkplatz stauchte: die Lücke zwischen zwei Häusern – das eine wegen Einsturzgefahr abgestützt – war mit einem Eisentor verschlossen. Voila, ein privater Parkplatz für 3 Autos. Unseres war das dritte. An der Rezeption checkte 10 Minuten nach uns jemand ein, der sich auch darauf verlassen hatte, einen abgesperrten Parkplatz zu bekommen… Sie bekam die Aussage, alles sei voll und sie müsse sich auf der Straße irgendwo was suchen. Tja, da erschien mir unser aktuelles Problem, wir sollten für die drei Tage unseren Autoschlüssel hinterlegen, weil wir nun ganz vorne stünden und der BMW hinter uns evtl. raus muss, gar nicht mehr so dramatisch. (Zu diesem Problem sei schon mal gesagt, der von uns eingeparkte BMW stand nach 3 Tagen bei unserer Abreise noch immer unangetastet auf seinem Platz, alle Aufregung umsonst).

Wir schleppten den Inhalt des Superb-Kofferraums auf einmal in unser Hotelzimmer – nach uns wurde ja wieder abgesperrt und packten erst mal aus.

Der erste Tag startete gut gestärkt nach dem Frühstück mit dem Gang zur U-Bahnstation und der Suche nach einem Fahrkartenschalter, an dem wir ein 3 Tagesticket für 310 Kronen erwerben können… Fehlanzeige! Nach längerem Suchen fanden wir in einem Kiosk, welcher in einer Art unterirdischen Einkaufszentrum gelegen war, eine Ticketverkaufsstelle.
Danach folgte nahtlos das nächste Dilemma: wir stiegen in die falsche U-Bahn, stiegen an der nächsten Haltestelle wieder um, hielten an einem U-Bahnhof, der eine Info haben sollte um endlich an einen brauchbaren Plan der Öffentlichen Verkehrsmittel zu kommen, fuhren bis zur Haltestelle an der wir in die Tram wechseln wollten, kamen an einer Stelle wieder ans Tageslicht, an der keine Tramhaltestelle war, liefen wieder in die falsche Richtung, korrigierten 2 Mal die Richtung und konnten dann endlich bis zum Petrin – dem Hausberg – gelangen, wo uns eine Standseilbahn nach oben bringen sollte.

Ich dachte ja immer, einen recht guten Orientierungssinn zu haben. In Prag hatte ich den irgendwie daheim vergessen. Insgesamt 2 Tage lief ich grundsätzlich in die entgegengesetzte Richtung, in die wir eigentlich wollten. Das ist echt frustrierend. Es wollte sich aber auch kein anderer bereit erklären, die Führung zu übernehmen…

Endlich auf dem Petrin angelangt, haben wir wegen des vielen Desorientiert-Seins gleich mal vergessen, ein Bild von diesem Berg aus auf die Stadt zu machen. Wir liefen schnurstracks durch die Parkanlage, am Eifelturm (eine Kopie des Pariser Originals) vorbei bis zum Strahov Kloster. Hier drehten wir wieder ein paar Runden, bis uns Google Maps die richtige Richtung verraten hatte.
Ein bisschen außer Puste kamen wir am Hradschin um Punkt 12 Uhr zum Wachwechsel an. Menschenmassen drängten sich vor dem Tor, hätten wir ein bisschen schneller geschalten und den Wachwechsel sein lassen, hätten wir ohne Anstehen in den Burgkomplex gelangen können. Kaum war das Spektakel zu Ende formte sich aus der unförmigen Masse an Menschen eine 100 m lange Schlange. Wir statteten dem Weihnachtsmarkt direkt nebenan noch einen Besuch ab und reihten uns danach in die Schlange der Wartenden ein. Während des Wartens nahmen wir einen Stehimbiss in Form von mitgebrachten geräucherten fränkischen Bratwürsten zu uns. Da kann man sagen was man will, die sind halt einfach gut.

Der Burgkomplex an sich ist kostenfrei zu betreten, hier wurden nur Sicherheitskontrollen durch die Polizei durchgeführt. Im Innenhof angekommen wollten wir uns die sehenswerten Highlights nicht entgehen lassen. Um in den Sankt-Veits-Dom und das Goldene Gässchen zu kommen benötigt man eine Karte, die den Eintritt in alle Gebäude auf dem Hradschin beinhaltet.
Gerade heute war der Dom für Besucher geschlossen. Was nun?
Die Karte kaufen und den Dom (weswegen wir hauptsächlich hier herauf sind) weglassen? Morgen wiederkommen? Dafür was anderes weglassen?
Nachdem ich meinen inneren Choleriker wieder unter Kontrolle hatte, entschieden wir uns dafür, die Gebäude nur von außen zu betrachten und gelangten auf der anderen Seite des Bergs wieder nach unten.

Von hier aus zogen wir uns in die Kleinseite und fanden uns an der St.-Niklas-Kirche wieder. Am Turmaufgang war nichts los und schon machten wir uns über die 303 Stufen auf den Weg nach oben. Hier war kein Gedränge und so konnten wir uns Zeit lassen, während wir unseren Blick über Prag schweifen ließen und das erste Mal die Karlsbrücke in Augenschein nahmen. Der Kirche selbst hätten wir auch noch einen Besuch abgestattet, aber sie war zu…. Das schien uns irgendwie zu verfolgen…

An der Karlsbrücke auf der Kleinseite angekommen erspähten wir noch die letzten Straßenkünstler und Ramschverkäufer, die in der Dämmerung ihre Stände zusammenpackten. Sunny und ich schlenderten über den Weihnachtsmarkt unterhalb der Brücke, während Tobi sich schon am Ufer der Moldau für die Blaue Stunde einrichtete.

Ziemlich durchgefroren machten wir uns auf die Suche nach was Essbarem. Wir überquerten die Moldau auf der Karlsbrücke und liefen geradeaus durch die Karlova. Vorbei an kleinen Geschäften und den ersten (und fast auch einzigen) Anzeichen von Weihnachten. Das Weihnachtsfeeling fehlte hier ein bisschen. Es waren fast keine Straßen und Gassen geschmückt oder von Lichterketten erleuchtet.

Ich glaube, dass der Weihnachtsmarkt, auf dem wir Prager Schinken gegessen haben, auf dem Marianske namesti war… Sicher bin ich mir aber nicht, das mit der Orientierung war ja nicht so einfach.
Irgendwann fanden wir uns auf dem Altstädter Ring wieder. Genau zur vollen Stunde drängten wir uns mit hunderten von Leuten vor dem Altstädter Rathaus zusammen, um – wenn wir gerade schon mal da sind – die 12 Apostelfiguren sehen zu können, die jede volle Stunde aus zwei Luken in der Astronomischen Uhr schauen. Das ist aber auch schon alles, was dabei passiert, die Uhr bzw. um die Uhr herum bewegt sich sonst nichts.
Die Menschenmassen verschoben sich daraufhin geballt auf den Platz, auf dem der größte und bekannteste Weihnachtsmarkt Prags stattfindet. Wir hatten ja zum Glück schon den größten Hunger gestillt, wollten aber nicht ohne einen Trdelnik ins Bett. Die Baumkuchen haben mich schon in Budapest jeden Abend bis zu meinem Bett begleitet. Auch hier fanden sie sich an jeder Ecke, vor allem auf den Weihnachtsmärkten.
Tobi ist da eher der herzhafte und hat sich noch mit einer Tüte frittierter Kartoffelspiralen für den Rückweg zum Hotel eingedeckt.

Der zweite Tag begann zögerlich, die Füße taten schon vom ersten Tag weh, die Schultern wollten nicht wieder den Rucksack tragen und das Bett wäre auch noch schön warm gewesen.
Heute starteten wir am Wenzelsplatz. Die U-Bahn brachte uns direkt dorthin und wir verschafften uns auf der Seite des 750 m langen Platzes, an der die Wenzel-Statue steht, einen Überblick.
Wir schlenderten durch den kleinen Weihnachtsmarkt und so langsam kam auch die Enttäuschung etwas durch. Die Buden, die Langos, Trdelnik, Prager Schinken, Würstchen und Maronen verkauften waren alle gleich. Gleiches Essen, gleiche Preise, gleiche Aufmachung, sogar die Klamotten der Belegschaft sahen aus, wie auf den anderen Weihnachtsmärkten auch. Also alles von einem Händler. Sehr Schade, lieben wir doch gerade das individuelle, einzigartige und traditionelle. Das haben wir auch letztes Jahr schon in Straßburg festgestellt, mit dem Striezelmarkt in Dresden kann selten einer mithalten.
Nichtsdestotrotz haben wir zumindest Sunny wieder was Neues zeigen können: Langos! Auseinander gezogener Hefeteig, im Fett gebacken, mit Knoblauch, Käse und normalerweise Schmand, wurde hier mit Ketchup ausgegeben. Machte nichts, schmeckt trotzdem lecker.
Sunny hat zuhause direkt den nächsten Weihnachtsmarkt aufgesucht und sich gleich nochmal einen geholt… ohne Ketchup, dafür mit ordentlich Knoblauch und Schmand.

Der Reiseführer sah jetzt die Erlebnistour „Wie man durch Häuser geht – Ein Passagenbummel“ vor. In Prag sind in vielen der Häuser Innenhöfe angelegt, oder einfach nur Gänge, um in die nächste Parallelstraße zu kommen. Manchmal ungeschmückt, manchmal mit kleinen Läden, manchmal finden sich ganze Einkaufscenter. Coole Sache… wenn man den Eingang zu diesen Durchgängen findet… Nach ein bisschen Suchen fanden wir in die Lucerna-Passage, in dem Eisenbetonbau befindet sich neben Kinos, Gaststätten und Geschäften auch der ironische Kontrapunkt zum Heiligen Wenzel auf dem Wenzelsplatz. Der Heilige Wenzel sitzt bäuchlings auf einem an den Beinen aufgehängten Pferd.
Von da aus ging es direkt weiter in die Svetozor-Passage und durch den Franziskanergarten bis zur gotischen Kirche Maria Schnee. Nach einem Besuch in dem eigentlich als Krönungskirche geplanten Gotteshaus zogen wir uns zum Jungmannovo namesti und in die Adria Passage. Ging es bisher noch relativ ruhig zu, so fanden wir uns jetzt wieder im Großstadttrubel wieder. Am Kohlenmarkt angekommen ließen wir uns auf einer der Bänke nieder, genossen die Sonne und überlegten, wie wir den restlichen Tag gestalten wollten.
Wir schlenderten durch die Gassen, ließen uns treiben, schauten in die Schaufenster der Geschäfte. Das Gedränge wurde immer dichter, je näher wir dem Altstädter Ring kamen. Auf dem Platz war nachmittags schon fast kein Durchkommen mehr möglich. Unser eigentliches Ziel, die Teynkirche, hatte noch geschlossen und würde erst wieder in einer halben Stunde öffnen. Wir setzten uns in ein Cafe, tranken was Warmes und ließen den Trubel Trubel sein.
Nach dem Besuch der Teynkirche war es schön wieder draußen zu sein. In den Kirchen ist es eisigkalt, da geht man gerne wieder raus.

Die Goldene Stunde stand an, heute schien sogar die Sonne und wir wollten die Chance nutzen, ein paar Bilder der Goldenen Stadt machen zu können, wenn sie auch gerade golden funkeln sollte. Wir machten uns auf den Weg zum Pulverturm, schauten ohne Eile noch einem Straßenkünstler zu und stiegen die Stufen auf die Aussichtsplattform empor. Auch hier hatten wir Glück, nur Wenige hielten sich mit uns zusammen auf dem Turm auf. Wir sahen der Sonne beim Untergehen zu und Tobi hatte plötzlich die Erkenntnis des Tages! Zur Blauen Stunde auf dem Brückenturm stehen zu wollen.
Von hier oben aus, sah der Turm gar nicht so weit weg aus…. Wir stolperten also die Stufen wieder nach unten, stürmten dann der hakenschlagenden Sunny, die unermüdlich wie ein Duracell-Hase durch die Menge pflügte hinterher und konnten mit viel Hetzerei ein wunderschönes Abendrot am Ufer der Moldau sehen. Danach liefen wir nahtlos weiter zum Brückenturm und eilten die Stufen empor. Da oben ist es echt eng, will man dann auch noch in Ruhe ein paar schöne Bilder machen, verliert man ziemlich schnell die Geduld. Der Ausblick auf die in der Nacht erleuchteten Bauwerke ist wunderschön, aber der Holzboden bewegt sich bei jedem Schritt, damit ist ein ruhiger Stativstandpunkt nicht so einfach zu finden.
Bezüglich des Abendessens hatten wir – noch – die Ruhe weg. Das sollte sich bald als Desaster entpuppen. Wir wollten zum Abschluss noch landestypisch Abendessen gehen. In Ermangelung eines Platzes in einem Lokal fanden wir uns irgendwann auf dem Altstädter Ring wieder. Wir aßen uns durch die Buden und hatten das Essen im Gasthaus auf den nächsten Tag verschoben.

Unser letzter Tag begann – man soll es kaum glauben – mit nur einem mal Verlaufen in der Josefstadt. In dem alten jüdischen Viertel finden sich mehrere Synagogen. Mit dem Eintritt von 480 Kronen ist der Eintritt in allen Synagogen und dem alten jüdischen Friedhof abgedeckt. Sunny konnten wir noch zu einem Schülertarif durchbringen und so reichte unser Bares gerade so – eine Kartenzahlung ist dort nicht möglich.
Unsere erste Synagoge ist die wunderschön in Gold- und Brauntönen verzierte Spanische Synagoge, ein warmes und einladendes Gotteshaus. Der darauffolgende Besuch der Pinkassynagoge war beklemmend, erschütternd und traurig. Die Wände der Synagoge wurden mit 77 297 Namen, Geburts- und Sterbedaten von ermordeten Juden aus Böhmen und Mähren beschrieben. Die Ausstellung im ersten Stock zeigt Tagebücher, Briefe und Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt.

Danach führte der Weg durch den alten Jüdischen Friedhof, ein über die Jahre wegen Platzmangels aufgehäufter Friedhof. Die Toten liegen in mehreren Lagen übereinander, die verwitterten Grabsteine reihen sich dicht an dicht. Wer hier Ruhe sucht, wird sie nicht finden. Es schlängelt sich ein einziger Weg hindurch bis zur Zeremonienhalle, den jeder Touri und jede Reisegruppe nehmen muss. Neben der Zeremonienhalle befindet sich die Klausensynagoge, sie ähnelt – wie auch die Maiselsynagoge mehr einem Museum. Dafür ist die Altneusynagoge eine kleine aber authentische Synagoge in der man auch sieht, dass noch Gottesdienste gehalten werden. Männer bekommen übrigens eine mit Werbung bedruckte Einmal-Kippa, die auf haarlosen Köpfen nicht so richtig halten will…

Als nächstes fuhren wir einfach noch ein bisschen mit der Tram durch Prag, Sightseeing ohne schmerzende Füße. Unser letzter Stop bevor wir die Heimreise antreten konnten war ein Besuch im „Lokal“. Hier gibt es einfache böhmische Küche aus regionalen Zutaten – ein guter Abschluss unserer Prag-Reise.

V-Strom kurzer Kupplungs- und Bremshebel

Warum wechselt man Kupplungs- und/oder Bremshebel?

1. ) Weil sie durch einen Sturz beschädigt sind –> Nein, sie sind absolut intakt

2.) Weil sie nicht einstellbar sind –> Nein, die originalen der V-Strom sind einstellbar

3.) Weil man sich erhofft die Hebelkräfte zu verändern –> JA!

Ich habe die original Hebel der Maschine gegen günstige Hebel des Herstellers AVDB Moto ausgetauscht. Diese sind voll einstellbar in 6 Stufen. Außerdem habe ich die kurze Variante der Hebel gewählt welche super mit 2 Fingern zu bedienen sind. So verbleiben Ring und kleiner Finger am Lenker und sorgen für mehr Halt. Die Kröpfung der AVDB Hebel erleichtert außerdem die Betätigung der Hebel und steigert somit den Komfort und die Langstreckentauglichkeit.

Ein weiterer Vorteil ist das im Falle eines Sturzes die kürzeren Hebel nicht so gefährdet sind was das Abbrechen angeht.

Nach nun über 10.000km mit den neuen Hebeln und einem massiven Sturz kann ich die Vorteile definitiv bestätigen. Gerade auf längeren Etappen sind die anders gekröpften Hebel wesentlich angenehmer zu bedienen. Bei meinem Sturz im Oktober 2015 musste zwar der Handprotektor gewechselt werden da er gebrochen war. Der Kupplungshebel war aber gänzlich unversehrt.

My EDC – 2016

Im Mai 2013 hatte ich einen Artikel über meine EDC Tools geschrieben. So langsam aber sicher ist es Zeit für ein Update. Aber auch hier erstmal die Frage: Was ist eigentlich EDC?

Everyday Carry (EDC) oder every day carry bezieht sich auf eine kleine Sammlung von Werkzeugen, Instrumenten und Ausrüstungen, die auf einer täglichen Basis mitgeführt werden, um bei der Bewältigung von allgemeinen oder speziellen Aufgaben hilfreich zu sein.“

Es gibt viele mögliche Tools und auch viele Webseiten die darüber berichten. Die Zusammenstellung der Werkzeuge richtet sich immer nach den persönlichen Vorlieben und erwarteten Aufgaben.

Meine 2016 täglich am Mann getragenen Tools sind:

edc-2016-01

Ergänzt wird das ganze dann je nach Situation durch weitere Tools:

Endurobrille – alternative Befestigung Quick Straps

Wer einen Crosshelm im Alltag fährt hat sich mit Sicherheit auch schon einmal geärgert wie unpraktisch es ist die Brille unter der Fahrt aufzusetzen oder abzunehmen. Genau diese Thematik adressieren die Quick Straps.

Setzt man die Brille mit dem normalen Brillengummi einfach nach unten aufs Kinnteil leiert der Brillengummi auf Dauer aus. Zieht man die Brille mit einer Hand runter bis man sie um den Hals hat kriegt man sie mit einer Hand nicht mehr in Position. Die Quick Straps bestehen aus vier Teilen. Ein runder 3M Klettkleber, ein Kunststoffhalter mit 3M Kleber und die beiden Gummis für links und rechts. Man befestigt die Kleber entsprechend der Anleitung am Helm nachdem man die Klebestellen entfettet hat. Nun muss man noch den Gummi der Brille gegen die beiden Quick Straps austauschen und schon ist man die Probleme los. Auf der rechten Seite ist die Brille drehbar eingeclipst so dass sie auch ganz entfernt werden kann. Sie hängt dann einfach auf der rechten Seite am Helm herunter. Wenn man sie aufsetzen will führt man sie einfach in Position und klettet sie auf der linken Seite fest. Die 3M Klettflächen sollten auch auf Dauer guten Halt garantieren. Erste Probefahrten steigerten die Begeisterung über das System enorm!

Zelt: Vaude Chapel L 3P unser Raumwunder für Unterwegs

Für unsere Skandinavientour 2016 suchten wir ein neues Zelt. Unser Mc Kinley Katmai 3 ist zwar weder defekt noch haben wir den Gefallen daran verloren. Aber ein Geodät Zelt mit 1,2o Sitzhöhe und zwei nicht nennenswerten Apsiden ist nicht das richtige für eine drei Wochen Tour. Wir setzen dieses Zelt weiterhin auf kürzeren Touren ein.

vaude-chapel-l-3p-4

Vaude Chapel L 3P in Schweden im Einsatz

Erwartungen

Die Suche nach einem Zelt beginnt man am besten damit einige Erwartungen zu klären:

  1. Wir wollten einen niedrigen Schlafraum, welcher uns noch Platz für ein zwei Taschen bietet –> also ein 3 Personen Zelt
  2. Eine Apside (Vorzelt) in der wir zu zweit sitzen und mit dem Benzinkocher Essen zubereiten können
  3. Qualität: Das Zelt soll uns mehrere Jahre begleiten und bei Regen auch nicht im Stich lassen
  4. Packmaß: Gewicht und Gestängesegmentlänge spielt hier eine große Rolle, wir wollen das Zelt ja auf dem Motorrad mitnehmen
  5. Man sollte das Zelt auch mal alleine aufbauen können
  6. komplett außenliegendes Gestänge zwecks Aufbau im Regen

Lange haben wir gesucht und verglichen. Zwangsläufig landet man bei diesen Anforderungen erstmal bei reinen Tunnelzelten. Wenn man nun in der Apside noch stehen können möchte dann wird sowohl Packmaß als auch Gewicht schnell zu hoch. Ein Tunnelzelt mit 1,20 Höhe sagt uns aber auch nicht so richtig zu. Der Wunsch mit den Helinox Chair One in der Apside sitzen zu können steht dem entgegen. Irgendwann stolperte ich dann auf der Homepage von Vaude über das Chapel L 3P. In der Folgezeit galt es mehr Informationen zu diesem Zelt zu sammeln. Viel war da leider nicht zu finden. Also galt es das Zelt im Fachhandel zu erwerben und selbst zu testen.

Es zeichnet sich durch seine besondere Konstruktion aus, welche es deutlich von anderen Zelten am Markt abgrenzt. Geführt wird es als Tunnelzelt, diese Zeltkategoriebasiert normalerweise auf Gestängebögen, welche abgespannt werden müssen. Beim Vaude Chapel L 3P ist die Gestänge Konstruktion des Vorzeltes selbststehend. In der Apside wird dadurch eine Stehhöhe von 1,70 m erreicht, während der Liegebreich maximal eine Höhe von 1,20m bietet. Die Hybridkonstruktion mit einem Schlafbereich und dem geräumigen Vorbau mit Stehhöhe ist ideal um auch mal einen Regentag aussitzen zu können. Dabei hat das Zelt ein Packmaß von 55 x 30 cm bei 3,9kg Gewicht. Das erinnert eher an ein günstiges Igluzelt.

Aufbau

Wer schon einmal ein Tunnelzelt aufgebaut hat wird mit dem Chapel sofort zurechtkommen. Die Gestängebögen für den Schlafbereich werden durch Kanäle geschoben, am Gestänge für die Apside wird das Zelt mit Clips befestigt. Selbst Anja mit ihrer Körpergröße 1,68 m kommt noch gut an die oberen Clips, wenn der mittlere als erster eingehängt wird. Das Abspannen des Zeltes mit Hilfe der Schnüre ist nur bei absehbar schlechtem Wetter nötig. Für die Befestigung am Boden werden zehn Heringe benötigt.

Innenzelt/Schlafraum

Mit einem Maß einer Liegefläche von 1,65 m x 2,20 m ist das Zelt komfortabel für zwei Personen plus Bekleidung/Taschen geeignet. Die Innenhöhe beträgt im Kopfbereich 1,20 m und im Fußbereich immerhin noch 0,95 m. Selbst große Personen stoßen so nicht an die Grenzen dieses Zeltes. Das Innenzelt kann beim Auf- bzw. Abbau eingehangen bleiben, dies erleichtert und beschleunigt dies enorm. Die Aufhängungen sind robust und auf breiter Fläche vernäht. Im Bedarfsfall trennt man das Innenzelt vom Außenzelt in weniger als 2 Minuten.

Apside

Der Vorraum zeichnet sich durch seine Größe aus. 2 m x 2 m misst die Fläche welche abgedeckt wird. Die abgeschrägten Ecken sind hierbei vernachlässigt. Der Platz reicht auf jeden Fall aus um sich zu zweit mit Helinox Chair One und einem Tisch gemütlich zum Essen zu setzen. Besonders angenehm ist dabei die Höhe von 1,70 m. So muss man sich beim vorwärmen des Benzinkochers nicht gleich Gedanken um die Flammenhöhe machen, oder man kann sich gemütlich im Stehen an- oder ausziehen.

Zubehör

Die Anzahl der mitgelieferten Y-Heringe genügt nicht ganz um das Zelt vollständig abzuspannen. Man sollte sich noch 4 weitere Heringe zulegen.
Der optional angebotene passgenaue Footprint ist für uns ein Muss. Hierdurch erhält man nicht nur einen angenehmen Boden im Vorraum und einen zusätzlichen Schutz für den Boden des Innenzeltes. Man reduziert auch die Menge der aus einer Wiese aufsteigenden Kondensfeuchte die sich morgens am Außenzelt anlegt.

Bergzeit.de

Fazit und weitere Details

Das Zelt hat ein super Packmaß und ist dafür ein wahres Raumwunder. Im regnerischen Norwegen ließ es uns nicht im Stich und lieferte einen bequemen Aufenthaltsraum. Selbst bei Regen kann man die beiden Fenster in der Apsis öffnen und dem Treiben draußen zusehen. Die Insektengitter werden von Außen durch kleine Dächer vor dem Regen geschützt. Vaude begeistert mit kleinen sehr praktischen Detaillösungen. So gibt es im Innenzelt und auch in der Apside je eine Wäscheleine auf der man seine Sachen zum trocknen/lüften aufhängen kann. Die Reißverschlüsse des Einganges können durch Kunststoffclips verriegelt und damit entlastet werden. Auch die Organizertaschen im Innenzelt (3 Stück) sind an den richtigen Stellen. Die Packtasche erfordert kein Stopfen und wird mit einem Rollverschluss geschlossen. Die Spanner an den Leinen dienen gleichzeitig als Aufwickler für diese beim Transport.
Wir sind nach drei Wochen Tour mit diesem Zelt rundum zufrieden und können es guten Gewissens weiterempfehlen.

Herstellerlink zum Vaude Chapel L 3P

Skandinavientour 2016 – Tag 20 – 22 – 1180 km – Bürglein

Wir wachen heute in Dänemark auf. Hier waren wir 2012 bereits für zwei Wochen mit dem Auto. Haben damals das Land von oben bis unten und von links nach rechts durchgemacht. Die Erinnerung an die langweiligen Straßen war wohl etwas verblasst als wir auf die Idee kamen durch Dänemark nach Hause zu fahren. Eine Fähre von Oslo nach Deutschland wäre wohl doch eine sehr gute Alternative gewesen. Das Interessanteste auf der Strecke war noch eine Fährüberfahrt. Ansonsten geht es mit sturen 80 km/h äußerst zäh durch dieses Land. Irgendwann hatten wir es dann geschafft. Die ersten km in Deutschland zaubern ein Lächeln auf unsere Lippen. Endlich wieder 100 km/h auf Landstrassen. An unserem zwanzigsten Reisetag rollen wir noch bis Friedrichstadt. Nach 346 km werden wir auf der Suche nach einem Campingplatz auf dem Eider & Treenecamp Nordfriesland fündig. Wir stellen das Zelt auf und kochen uns Nudeln.

Einmal mehr wird uns bewusst, wie gut ausgerüstet wir sind. Bequem sitzen wir in unseren Helinox Chair One an unserem Tisch aus Koffern vor dem Primus Benzinkocher mit unserem Trangiageschirr. Das Wasser kommt aus dem Ortlieb Wasserbeutel, das dreckige Geschirr kommt in die Ortlieb Faltschüssel. Bei Regen können wir im Vorzelt des Vaude Chaple L3p sitzen. Unsere Exped Matten sind saubequem und jeder hat zwei Kopfkissen dabei. Uns gegenüber das genaue Gegenteil. Ein älteres dänisches Pärchen, beide schon mit grauen Haaren. Sitzen am Boden, kochen auf einem Spirituskocher, essen direkt aus dem Topf und schlafen in einem uralten einfachen Igluzelt. Aber sie albern rum wie zwei 18-jährige. Liegen gemeinsam auf dem Bauch vor dem Zelt und lösen Kreuzworträtsel. Zwei Junge Kerle teilen sich neben uns ein – unserer Meinung nach – 1-Mann Zelt, essen die Ravioli kalt aus der Dose und ihre Isomatten sind gefühlt so voluminös wie unsere komplette Campingausrüstung. Da hat sich über die Jahre so einiges an Ausrüstung bei uns angesammelt. Und wir wollen auch nicht wirklich auf diesen Luxus beim Campen verzichten.

Die Nacht war trocken, aber unruhig. Der Platz liegt direkt an einer Hauptstrasse und Tankstelle, was für einen gewissen Lärmpegel sorgt. Wir müssen leider auch sagen, dass wir bereits deutlich ansprechendere Plätze gesehen haben. Die sanitären Einrichtungen sind schmutzig und werden auch während unserem Aufenthalt nicht einmal gereinigt. Der Platzwart ist bemüht und äußerst freundlich. Die Besitzerin unfreundlich und nicht wirklich kundenorientiert. Wir dürfen für 2 Zelte und 2 Autos bezahlen da wir ja zwei Motorräder dabei haben. Das soll mir mal einer erklären. Naja Schwamm drüber. Der nächste Platz wäre 50 km entfernt gewesen. Wir starten gemütlich um 10 Uhr in Tag 21. Das heutige Ziel heißt Königslutter am Elm. Die größten Hürden des Tages sind die Elbe und Hamburg. Der Tag beginnt mit Temperaturen um die 30 Grad. Wir schwitzen uns einen ab, während wir auf kleinsten Landstraßen in Richtung Hamburg fahren. Wiedermal setzen wir mit einer Fähre über. Und wir hatten gedacht, dass wir die letzte Schifffahrt für diese Reise längst hinter uns hatten. Wir kommen aufgrund der kleinen und kleinsten Strassen nur sehr langsam vorwärts und beschließen daher Hamburg per Autobahn zu umfahren.

Diese Idee ist auch mal wieder ein Zeichen dafür, dass wir unser Gedächtnis im Urlaub mit lauter frischen Erinnerungen gefüllt haben. Hätten wir ein wenig nachgedacht, wäre uns die Baustelle vor Hamburg auf der A7 in Erinnerung gekommen und wir hätten das bleiben lassen. Wir entkommen dem Stau über einen Rastplatz und fahren doch wieder die geplante Route. Leider habe ich nicht weit genug um Hamburg herum geplant. Es zieht sich wie Kaugummi. Bei Start hatte uns das Navi noch eine Ankunftszeit um kurz nach 15 Uhr prognostiziert. Als wir Hamburg endlich hinter uns lassen sieht es nach einer Ankunft gegen 19 Uhr aus. Kurz vor 17 Uhr gönnen wir uns eine Bockwurst und lassen das Navi die schnellste Route planen. Lüneburg umfahren wir und dann geht es zügig die B4 Richtung Königslutter. Der bisher warme sonnige Tag ändert seine Meinung und weicht uns so richtig ein. Die Landschaft gerät mal wieder in den Hintergrund. Um kurz vor 19 Uhr sind wir dann endlich in Königslutter. Noch schnell Abendessen einkaufen und dann geht es zur Unterkunft, der Alten Mühle. Wir waren hier schon für eine Nacht als wir 2013 die Ostroute der Motorradstrasse Deutschland gefahren sind. Frau Schön bietet uns einen Kellerraum an um die tropfenden Klamotten aufzuhängen, dann können wir aufs Zimmer. Zu Essen gibt es nur ein wenig vesper. Wir wollen den Kocher hier im Zimmer nicht anschüren. Den Tag lassen wir mit ein wenig TV Programm ausklingen.

Der Duft des Frühstücks weckt uns und wir genießen das mit viel Liebe zubereitete Essen. Einfach mal nichts selber machen müssen ist auch schön. Wir haben ja schließlich Urlaub. Die Sachen sind heute schnell gepackt und so sitzen wir schon bald auf den Motorrädern. Nun gilt es für uns nur noch zügig heimzukommen. Gefühlt ist der Trip bereits zuende. Zu gewohnt ist die Umgebung. Wir setzen uns auf die Autobahn und hoffen trocken bis nach Hause zu kommen. Ganz bleibt uns dieser Wunsch nicht gegönnt. Eine gute Stunde in strömendem Regen müssen wir noch durchstehen bevor es dann in Gollhofen von der BAB runtergeht und wir die letzten km wieder durch uns gut bekannte Kurven cruisen. Zuhause heisst es dann: Alles abpacken, Sachen trocknen, Eindrücke sacken lassen, Viel Erzählen und Pizza essen!

Hier noch die restlichen drei Tage auf der Karte und zum Download als gpx-Datei.

Download

Noch ein paar Daten zur Tour:

Gesamtstrecke: 8532km (inkl. Fähren)
Fahrtage: 21
Pausentage: 1
Anzahl Fährverbindungen: 16
Gefahrene Reifen: Dl1000 – Mitas E07 / DL650 – Michelin Pilot Road 4 beide haben noch locker Reserve
Liter Benzin: DL1000 – 507 Liter / DL650 – 348 Liter
Ölverbrauch: DL 1000 – ca. 1 Liter / DL 650 – 0,0 Liter

 

 

Skandinavientour 2016 – Tag 19 – 274 km – Dänemark

Aufwachen und freuen. Alles trocken heute. Das Zelt steht in der Sonne es strahlt der blaue Himmel. Moment mal warum ist das Zelt nass? Und wo ist die Sonne? Das Zelt neben uns steht doch auch in der Sonne. Wir waren so intelligent und haben das Zelt in den Schatten gestellt. Naja die Sonne kommt schon noch rum. Und tatsächlich um kurz vor 10 Uhr ist es endlich soweit. Die Sonne scheint aufs Zelt. Einerseits ist das gut, weil wir so nicht in dem von der Sonne aufgeheizten Zelt aufgewacht sind. Andererseits ist halt noch alles nass. Uns bleibt dann auch nichts anderes übrig, als das Zelt noch feucht zusammenzupacken. Auf Umbauen hatten wir keine Lust.

Download

Um kurz nach 11 Uhr starten wir also von unserem letzten Zeltplatz in Norwegen zur Fähre nach Kristiansand. Die restlichen 30 km sind völlig unspektakulär. Der Checkin für die Fjordline Fähre geht flott und ohne Wartezeiten. Wir werden direkt nach vorne durchgewunken. Die Fjordcat – unsere Fähre – ist ein Katamaran und legt gerade an. Schnell entlehren sich Massen an Fahrzeugen in den Hafen. Wir hätten nicht gedacht dass so viele Fahrzeuge und Menschen auf dieses „kleine“ Boot gehen. Wir fahren die Rampe hoch und blicken ins innere der Fähre. Jetzt wird mir so einiges klar. Der Laderaum ist aufgebaut wie ein Parkhaus mit engen Auf- und Abfahrten. Hier wird auch vom Personal akribisch geschlichtet, nicht wie auf der Stenaline Kiel – Göteborg. Die Motorräder stehen Koffer an Koffer. Mehr Platz geben die Stellplätze nicht her. Um sie abzuspannen müssen wir die Koffer abhängen und nach dem Verzurren wieder anbauen. Wir schnappen uns zwei Basic Sitze, strecken die Beine aus und üben uns 2 Std und 15 Minuten in Geduld.

Unvorteilhaft ist, dass auf der Fjordline Fähre nur DKK oder Karten als Zahlungsmittel aktzeptiert werden. Wir hätten noch NOK die wir sinnlos verfressen hätten, aber so sparen wir uns das Geld. Auf der Stenaline Fähre hätte man in Euro und Schwedischen Kronen bezahlen können. Viel flexibler. Es geht mehr Leuten so wie uns. Die restlichen NOK wären sinnlos verbraten worden. So kauft man nichts. Nach einer Stunde werden die Kinder auf der Fähre unruhig, was zu einem deutlich gestiegenen Lärmpegel führt. An dösen ist nicht mehr zu denken. Eine Mutter mit Kind die uns gegenüber sitzt hat die Situation vorbildlich im Griff und ist vorbereitet. Ihr Kleiner sitzt gefesselt neben ihr und lauscht den Geschichten die sie ihm vorliest. Nach dem Anlegen geht alles ganz schnell. Die Spanngurte sind schon gelöst. Die Autos stehen kreuz und quer, wir haben das Gefühl, dass es Stunden dauern wird bis dieses Gewirr gelöst ist, dem ist aber nicht so. Nach wenigen Minuten können wir schon die Fähre verlassen. Willkommen Dänemark.

Hier hatten wir vor einigen Jahren schon einmal Urlaub gemacht und der Funke zwischen uns und diesem Land war nicht wirklich übergesprungen. Heute wollen wir noch ca. 100 km gut machen bevor wir uns einen Platz für die Nacht suchen. Stur gerade aus mit 80 km/h. Das ist extrem nervig. Das Land ist flach wie eine Flunder. Wir tanken nochmal voll, kaufen Wasser und schon sind wir auf dem angepeilten Platz. Schnell ne ruhige Stelle fürs Zelt gesucht, den Kocher angeschürt und wir schaffen es tatsächlich mal vor 22 Uhr in die Schlafsäcke.

Morgen steht uns eine der langweiligsten Etappen bevor. Schnurgerade durch Dänemark runter.

Skandinavientour 2016 – Tag 18 – 362 km – Irgendwo im Nirgendwo kurz vor Kristiansand

Heute ist es zum ersten Mal passiert. Und nicht nur zum ersten Mal auf diesem Trip, nein auch zum ersten Mal überhaupt soweit ich mich erinnere. Wir mussten ein komplett nasses Zelt einpacken. Unser Plan mit dem Vaude Chapel L3P ging voll auf. Im Vorzelt kann man bequem zu zweit mit den Helinox Chair One (Affiliate Link) Stühlen sitzen. Die Koffer nutzen wir hierbei als Tisch. Die Rühreier brutzeln in der Pfanne während der Tee gerade durchzieht. Es ist ungemütlich kühl, aber der Kocher strahlt bereits nach kurzer Zeit eine angenehme Wärme aus. Die Leute neben uns in Zelten mit ca. 1 m bis 1,20 m Höhe fluchen. Vor allem gibt es auf diesem Campingplatz nur eine kleine Kochgelegenheit, aber keinen Aufenthaltsraum. Die meisten trinken nur schnell was, packen zusammen und verschwinden. Wir genießen unser Frühstück. Der Anruf bei Fjordline klappt auch endlich und die Plätze auf der Fähre für Morgen sind gebucht. Die Online Buchung hatte da gestern Abend zicken gemacht. Dann packen wir im Vorraum alles zusammen und hängen die Koffer nur noch ans Mopped. Lediglich das Zelt müssen wir dann im nassen zusammenlegen und just in diesem Moment hat auch der Himmel ein einsehen und der Regen lässt nach.

Download

Wir starten in Richtung Odda. Auf der anderen Seite des Fjordes als geplant, da ja die angedachte Fährverbindung nicht existiert. Der Regen ist uns inzwischen irgendwie egal. Wir fahren heute die E134 welche in unserem Reiseführer als Haukelistraße bezeichnet wird und als „besonders“ gilt. Warum konnten wir nicht so richtig erkennen. Es ist zwar landschaftlich schön und es kommen immer wieder große Wasserfälle in Sicht, aber so besonders ist das hier in Norwegen nun ja auch nicht. Auf über 1000 Höhenmeter kommen wir heute und fahren auch wieder zwischen Schneefeldern dahin.

Hier ist es echt kalt und ausgerechnet hier meint Petrus auch mal wieder, dass wir es nötig haben. Man könnte glatt meinen, Norwegen will sich von uns reinwaschen. An einer Baustelle kommen wir mit dem „Verkehrsregler“ ins Gespräch. Ich finde dieses Prinzip sowieso witzig. Statt zwei Ampeln wie in Deutschland stehen oft zwei Personen mit Funkgeräten vor und hinter einer Baustelle. Sie halten den Verkehr auf und können auch Auskunft geben wie lange es dauert. Dann kommt ein Fahrzeug welches die wartende Kolonne durch die Baustelle führt, wieder wendet und das selbe Spiel von vorne. Drei Personen mit nem Ganztagsjob. Alle drei spechen perfekt Englisch und sind top gepflegt. Wie klappt das in Norwegen? In Deutschland wäre das ein Hilfsarbeiterjob mit einem Bildungsniveau das weder Deutsch noch Englisch voraussetzt. Aber wir stellen ja eh Ampeln hin.

Wir biegen ab auf die Straße mit der Nummer 9. Wie uns der Bauarbeiter versprochen hat wird das Wetter umso besser, je weiter wir gen Süden kommen. Gegen 17 Uhr und ca. 70 km vor Kirstiansand gehen wir einkaufen und beginnen nach einem Campingplatz zu suchen. Wir wollen eine gute Startposition für die Fähre morgen um 13:30 Uhr ab Kristiansand haben. Das Wetter schreit nach Zelten und so suchen wir uns einen abgelegenen mini Campingplatz. Die sanitären Einrichtungen sind alt aber top gepflegt. Die Übernachtung kostet 100 NOK. Warmwasser kostet nichts extra. Der Platz ist absolut ruhig gelegen und aufgrund dessen, dass er so abseits liegt auch recht wenig frequentiert. Ein Traum!

Wir haben uns heute zum Abschluss des Norwegenkapitels zwei Rinderfilets gegönnt welche wir uns auf dem Einweggrill schön medium zubereiten. Ein wenig Salz und Pfeffer und ein Stück Brot und glücklich grinsen wir beide bei blauem Himmel, Sonnenschein, 20° C und einem traumhaften Ausblick auf einen kleinen See vor uns hin. So kann man es aushalten.

Morgen wird ein ruhiger Tag. Um 11 Uhr wollen wir los nach Kristiansand zur Fähre. Das lässt uns aufjedenfall genug Zeit, ganz in Ruhe zu Frühstücken.