Skandinavientour 2016 – Tag 20 – 22 – 1180 km – Bürglein

Wir wachen heute in Dänemark auf. Hier waren wir 2012 bereits für zwei Wochen mit dem Auto. Haben damals das Land von oben bis unten und von links nach rechts durchgemacht. Die Erinnerung an die langweiligen Straßen war wohl etwas verblasst als wir auf die Idee kamen durch Dänemark nach Hause zu fahren. Eine Fähre von Oslo nach Deutschland wäre wohl doch eine sehr gute Alternative gewesen. Das Interessanteste auf der Strecke war noch eine Fährüberfahrt. Ansonsten geht es mit sturen 80 km/h äußerst zäh durch dieses Land. Irgendwann hatten wir es dann geschafft. Die ersten km in Deutschland zaubern ein Lächeln auf unsere Lippen. Endlich wieder 100 km/h auf Landstrassen. An unserem zwanzigsten Reisetag rollen wir noch bis Friedrichstadt. Nach 346 km werden wir auf der Suche nach einem Campingplatz auf dem Eider & Treenecamp Nordfriesland fündig. Wir stellen das Zelt auf und kochen uns Nudeln.

Einmal mehr wird uns bewusst, wie gut ausgerüstet wir sind. Bequem sitzen wir in unseren Helinox Chair One an unserem Tisch aus Koffern vor dem Primus Benzinkocher mit unserem Trangiageschirr. Das Wasser kommt aus dem Ortlieb Wasserbeutel, das dreckige Geschirr kommt in die Ortlieb Faltschüssel. Bei Regen können wir im Vorzelt des Vaude Chaple L3p sitzen. Unsere Exped Matten sind saubequem und jeder hat zwei Kopfkissen dabei. Uns gegenüber das genaue Gegenteil. Ein älteres dänisches Pärchen, beide schon mit grauen Haaren. Sitzen am Boden, kochen auf einem Spirituskocher, essen direkt aus dem Topf und schlafen in einem uralten einfachen Igluzelt. Aber sie albern rum wie zwei 18-jährige. Liegen gemeinsam auf dem Bauch vor dem Zelt und lösen Kreuzworträtsel. Zwei Junge Kerle teilen sich neben uns ein – unserer Meinung nach – 1-Mann Zelt, essen die Ravioli kalt aus der Dose und ihre Isomatten sind gefühlt so voluminös wie unsere komplette Campingausrüstung. Da hat sich über die Jahre so einiges an Ausrüstung bei uns angesammelt. Und wir wollen auch nicht wirklich auf diesen Luxus beim Campen verzichten.

Die Nacht war trocken, aber unruhig. Der Platz liegt direkt an einer Hauptstrasse und Tankstelle, was für einen gewissen Lärmpegel sorgt. Wir müssen leider auch sagen, dass wir bereits deutlich ansprechendere Plätze gesehen haben. Die sanitären Einrichtungen sind schmutzig und werden auch während unserem Aufenthalt nicht einmal gereinigt. Der Platzwart ist bemüht und äußerst freundlich. Die Besitzerin unfreundlich und nicht wirklich kundenorientiert. Wir dürfen für 2 Zelte und 2 Autos bezahlen da wir ja zwei Motorräder dabei haben. Das soll mir mal einer erklären. Naja Schwamm drüber. Der nächste Platz wäre 50 km entfernt gewesen. Wir starten gemütlich um 10 Uhr in Tag 21. Das heutige Ziel heißt Königslutter am Elm. Die größten Hürden des Tages sind die Elbe und Hamburg. Der Tag beginnt mit Temperaturen um die 30 Grad. Wir schwitzen uns einen ab, während wir auf kleinsten Landstraßen in Richtung Hamburg fahren. Wiedermal setzen wir mit einer Fähre über. Und wir hatten gedacht, dass wir die letzte Schifffahrt für diese Reise längst hinter uns hatten. Wir kommen aufgrund der kleinen und kleinsten Strassen nur sehr langsam vorwärts und beschließen daher Hamburg per Autobahn zu umfahren.

Diese Idee ist auch mal wieder ein Zeichen dafür, dass wir unser Gedächtnis im Urlaub mit lauter frischen Erinnerungen gefüllt haben. Hätten wir ein wenig nachgedacht, wäre uns die Baustelle vor Hamburg auf der A7 in Erinnerung gekommen und wir hätten das bleiben lassen. Wir entkommen dem Stau über einen Rastplatz und fahren doch wieder die geplante Route. Leider habe ich nicht weit genug um Hamburg herum geplant. Es zieht sich wie Kaugummi. Bei Start hatte uns das Navi noch eine Ankunftszeit um kurz nach 15 Uhr prognostiziert. Als wir Hamburg endlich hinter uns lassen sieht es nach einer Ankunft gegen 19 Uhr aus. Kurz vor 17 Uhr gönnen wir uns eine Bockwurst und lassen das Navi die schnellste Route planen. Lüneburg umfahren wir und dann geht es zügig die B4 Richtung Königslutter. Der bisher warme sonnige Tag ändert seine Meinung und weicht uns so richtig ein. Die Landschaft gerät mal wieder in den Hintergrund. Um kurz vor 19 Uhr sind wir dann endlich in Königslutter. Noch schnell Abendessen einkaufen und dann geht es zur Unterkunft, der Alten Mühle. Wir waren hier schon für eine Nacht als wir 2013 die Ostroute der Motorradstrasse Deutschland gefahren sind. Frau Schön bietet uns einen Kellerraum an um die tropfenden Klamotten aufzuhängen, dann können wir aufs Zimmer. Zu Essen gibt es nur ein wenig vesper. Wir wollen den Kocher hier im Zimmer nicht anschüren. Den Tag lassen wir mit ein wenig TV Programm ausklingen.

Der Duft des Frühstücks weckt uns und wir genießen das mit viel Liebe zubereitete Essen. Einfach mal nichts selber machen müssen ist auch schön. Wir haben ja schließlich Urlaub. Die Sachen sind heute schnell gepackt und so sitzen wir schon bald auf den Motorrädern. Nun gilt es für uns nur noch zügig heimzukommen. Gefühlt ist der Trip bereits zuende. Zu gewohnt ist die Umgebung. Wir setzen uns auf die Autobahn und hoffen trocken bis nach Hause zu kommen. Ganz bleibt uns dieser Wunsch nicht gegönnt. Eine gute Stunde in strömendem Regen müssen wir noch durchstehen bevor es dann in Gollhofen von der BAB runtergeht und wir die letzten km wieder durch uns gut bekannte Kurven cruisen. Zuhause heisst es dann: Alles abpacken, Sachen trocknen, Eindrücke sacken lassen, Viel Erzählen und Pizza essen!

Hier noch die restlichen drei Tage auf der Karte und zum Download als gpx-Datei.

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Noch ein paar Daten zur Tour:

Gesamtstrecke: 8532km (inkl. Fähren)
Fahrtage: 21
Pausentage: 1
Anzahl Fährverbindungen: 16
Gefahrene Reifen: Dl1000 – Mitas E07 / DL650 – Michelin Pilot Road 4 beide haben noch locker Reserve
Liter Benzin: DL1000 – 507 Liter / DL650 – 348 Liter
Ölverbrauch: DL 1000 – ca. 1 Liter / DL 650 – 0,0 Liter

 

 

Skandinavientour 2016 – Tag 1 – 696km – Kiel

Lange haben wir gefiebert, wenig haben wir vorbereitet – gut, da hat jeder ne andere Meinung dazu, ich hab meiner Meinung nach aber deutlich weniger getan, als vor anderen Urlauben. Die Campingausrüstung haben wir komplett überholt und getestet. Irgendwann im Januar haben wir uns mal damit beschäftigt, wie wir von Deutschland am besten „da hoch“ kommen. Gebucht haben wir dann eine Stenaline Fähre von Kiel nach Göteborg. Abfahrt 18:45 – Ankunft am Folgetag um 9 Uhr. Das bringt uns mal schlappe 400 km im Schlaf. Aber um die Fähre zu erreichen stehen uns am Starttag 700 km Strecke bevor. Das geht nur via Autobahn. Die frisch aufgezogenen Reifen hatten unser Mitleid bereits im Vorfeld sicher.

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Nun war es also endlich soweit. Freitag 18 Uhr, die Motorräder stehen fertig gepackt in der Garage, wir lassen den Abend gemütlich ausklingen und gehen bald ins Bett. Der Wecker sollte uns am Samstag um 5:30 aus dem Tiefschlaf reißen. Völlig im Eimer ging es nochmal schnell unter die Dusche, dann gab es noch Spiegeleier zum Frühstück und schon packten wir uns in die Motorradklamotten um zu starten. Unsere Familie erwartete uns auch schon zur großen Verabschiedungsrunde. Wir hatten ja nicht daran geglaubt, aber wir rollten tatsächlich um kurz vor 7 Uhr vom Hof. Das Navi zeigte zähe 700 km fast nur Autobahn und versprach eine Ankunft um ca. 13 Uhr in Kiel. Kurz überlegte ich ob ich nochmal ne Stunde ins Bett sollte. Aber wer weiß, was da noch so kommt. Auf den ersten Metern begann es ein wenig zu tröpfeln. Die nasse Fahrbahn, die nagelneuen Reifen und die vollgepackten Moppeds mahnten uns zur Ruhe. Wir cruisten also gemütlich in Richtung A7, welche wir dann bei Gollhofen enterten und für laaaange Zeit nicht mehr verließen.

Das Wetter blieb heute wechselhaft. Anfangs tröpfelte es, dann wurde es trocken. Den ersten Tankstopp zogen wir ein wenig vor, da es begann wie aus Eimern zu schütten. Die neuen Regenklamotten konnten dann gleich mal beweisen, dass sie 1. passen – ja ich hatte meine tatsächlich nicht einmal anprobiert – und 2. dicht sind. Beides konnten wir positiv beantworten. Nach gut 150 km im Dauerregen ließ auch dieser wieder nach und wir konnten die Regenkleidung im Fahrtwind trocknen, um sie beim nächsten Tankstopp wieder zu verpacken. 100 km vor Hamburg durften wir dann ein wenig im Stau stehen – und schon war das Navi nicht mehr so überzeugt davon, dass es uns 13 Uhr als Ankunftszeit genannt hatte. Die letzten km auf der A7 in Richtung Kiel zogen sich im Baustellen Stop and Go, bevor wir auf die A215 abbogen und nochmal kräftig am Gashahn ziehen konnten. Kurz nach 16 Uhr kamen wir in Kiel an und suchten uns erstmal wieder eine Tankstelle und einen Supermarkt, um noch etwas zum Abendessen auf der Fähre zu kaufen. Moppeds vollgetankt, Trinkrucksäcke aufgefüllt und Essen im Tankrucksack – so ausgestattet steuerten wir den Schwedenkai an und reihten uns in die Schlange der Wartenden. Die Verladung hatte bereits kurz vor 17 Uhr begonnen und so konnten wir nach kurzer Wartezeit unsere Kräder in den Bauch der Fähre lenken.

Schnell alles Nötige abgeladen und die Bikes verzurrt (1. Gang, Seitenständer, Spanngurt übern Sitz). Eine nette Dame erklärte uns, wie wir unsere Kabine finden und schon hatten wir unsere Dreier Luxuskabine mit Meerblick bezogen. Raus aus den Moppedklamotten, rein in was Leichtes, den Foto gepackt und ab aufs Sonnendeck. Überpünktlich um 18:40 Uhr machte die Stena Scandinavica die Leinen los und tuckerte im Rückwärtsgang aus dem Kieler Hafenbecken. Sah es, als wir auf die Fähre fuhren noch nach einem regnerischen Abend aus, überraschte uns das Wetter beim Ablegen mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Ich nutze das Wetter und die Gelegenheit für ein paar Spielereien mit der Kamera, bevor wir uns zum Essen auf die Kabine zurückzogen.

Den Sonnenuntergang erlebten wir dann bei einem kleinen Verdauungsspaziergang. Nun spielt Deutschland in der EM gegen Italien und ich nutze die Zeit den ersten Bericht zu schreiben. Wann und wie die weiteren Berichte online gehen, ist davon abhängig, wie wir Internetzugang und Lust haben. Diesmal soll das Reisen und Fotografieren im Vordergrund stehen. Daher bitte nicht böse sein falls die Berichte ein wenig auf sich warten lassen oder gar erst nach dem eigentlich Urlaub online gehen. So, und nachdem Deutschland nun nach Elfmeterkrimi weiter ist, gehts jetzt ins Bett.

3 Tage Hamburg – was lange währt…

…wird endlich gut. Ursprünglich wollten wir 2012 schon mal nach Hamburg, jetzt haben wir es endlich geschafft. Der Reiseführer von 2012 war jetzt auch nicht mehr topaktuell, aber wir sind zurechtgekommen.

Während Tobi gleich am Ankunftstag seine geführte Phototour bei Nacht hatte, habe ich versucht, die Sehenswürdigkeiten in 3 Tage zu packen und die Wege zu optimieren.

Eigentlich wollten wir uns zur Benutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel eine Hamburg-Card für 3 Tage holen. Unser erster Tag war in groben Zügen eine Runde beginnend in der Nähe unseres Hotels und dort auch wieder endend. Wir entschlossen uns daher die Hamburg Card auf den nächsten Tag zu verschieben und auf zwei Tage zu begrenzen. Nach so vielen Kilometern hat das auf der Karte gar nicht ausgesehen…

Wir starteten am Montag – etwas verschlafen, weil Tobi von der Fototour erst um halb 12 zurückkam und wir die Bilder noch ansehen wollten – mit dem Gang durch die Hamburger Altstadt.

Zuerst schlenderten wir vormittags durch die Mönckebergstraße. Unser erster Stopp war die Hauptkirche St. Jacobi. Darin befindet sich eine riesige Arp-Schnitger-Orgel mit über 4000 Pfeifen. Während wir uns in der Kirche aufhielten, durften wir dem Organisten bei seinen Proben zuhören; tiefe, einmalig intensive Töne füllten die Kirche bis in den letzten Winkel aus. Ein Orgelkonzert ist bestimmt hörenswert.
Weiter ging es an der ältesten Stadtkirche Hamburgs, der St. Petri, vorbei bis zum Rathaus. Wir überquerten die älteste Verbindung zwischen Altstadt und Neustadt, die Trostbrücke und standen einige Schritte weiter vor dem Mahnmal St. Nikolai. Die Kirche und der Turm sind 1943 komplett ab- bzw. ausgebrannt. Ein Wiederaufbau wurde aus Kostengründen nicht vorgenommen, nur der Turm steht noch und ist mit einem Aufzug ausgestattet, der den Ausblick von der Aussichtsplattform ermöglicht. Leider ist der rußgeschwärzte Kirchturm aktuell von oben bis unten eingerüstet und wird renoviert.

Der weitere Weg führte uns über den Alster- und Herrengrabenfleet bis zum Michel – einem der Wahrzeichen Hamburgs. Hier nahmen wir die Fahrt mit dem Aufzug auf die Aussichtsplattform mit. Gleich um die Ecke findet sich das letzte Beispiel für eine typische Wohnanlage aus dem 17. Jahrhundert. Hätte uns der Reiseführer nicht hierher gelotst, wir hätten es nicht gefunden. Von außen sieht man nur eine alte Tür, dahinter befindet sich aber noch eine winzige Gasse mit eng zusammenstehenden Fachwerkhäusern.

Bei den Landungsbrücken angekommen, gönnten wir uns erst mal eine Pause mit Currywurst und den Blick auf den Hafen.

Danach ging es in den alten Elbtunnel. Mir persönlich war dabei schon etwas mulmig zumute… So viel Wasser über mir… Wenn das runter kommt… Andererseits hält der Tunnel nun schon Hundert Jahre.

Nachdem Tobi die restliche Runde durch die Speicherstadt und Hafencity nochmal bei untergehender Sonne, bzw. zur Blauen Stunde ablaufen wollte, saßen wir erstmal ein bisschen planlos rum. Wir entschieden uns, Richtung Fischhalle und Altona loszulaufen.

Die Füße taten zu diesem Zeitpunkt schon weh und abends sollte uns das GPS die Erklärung geben: 23 km waren wir da gelaufen… Sah im Reiseführer gar nicht so weit aus.

Pünktlich wie von Tobi gewünscht streiften wir bei untergehender Sonne und zur blauen Stunde durch die Speicherstadt und Hafen-City. Das frieren, bis die Bilder fertig waren hat sich wieder mal gelohnt.

Am Nächsten Tag holten wir uns noch eine Hamburg-Card für die verbleibenden 2 Tage. Zuerst ging es mit der S-Bahn bis Blankenese ins Treppenviertel. Fast wie in südländischen Städten reiht sich ein kleines Häuschen ans andere, nur durch Treppen und kleine Gassen verbunden.
Definitiv einen Ausflug wert.

Von da aus zogen wir uns wieder Richtung Zentrum, benutzten die Hadag-Fähren, die in der Hamburg-Card inbegriffen sind und fanden uns an den Landungsbrücken wieder.

Eine typische Hafenrundfahrt stand natürlich auch noch auf dem Programm. Hätte ich ein bisschen darüber nachgedacht, hätten wir diese schon morgens gemacht. Nachmittags ist der Wasserstand zu niedrig, um in die Speicherstadt zu fahren. Zurück an den Landungsbrücken, setzten wir uns in die U-Bahn zum Stephansplatz und erkundeten den Jungfernstieg und die Umgebung.

Auf der Suche nach Alternativen zu den bekannten Huren-Touren (diese sind nur an gewissen Tagen in der Woche) wurden wir auf die Kiez Jungs aufmerksam. Das hörte sich auf jeden Fall interessant an. Gesagt – Getan, wir waren angemeldet und am Dienstagabend sollte es losgehen. Vorher nochmal ein Abstecher ins Hotel, alles bis auf die Kamera selbst loswerden und danach direkt auf den Kiez.

Wir hatten Glück, es kamen keine weiteren Teilnehmer, so dass wir eine Privattour mit Michael hatten. Es ging vom Millerntorplatz über die Reeperbahn durch die „Ritze“ ins ehemalige Etagenbordell bis zur Großen Freiheit. Unser Fazit: ein interessanter und lustiger Abend, der uns den Kiez von einer Seite gezeigt hat, die wir alleine nicht kennengelernt hätten.

Zurück am Ausgangspunkt Millerntorplatz schlenderten wir noch über den Hamburg Dom (Volksfest, welches dreimal jährlich stattfindet), während langsam alle Buden die Rollläden schlossen.

Auch an diesem Tag kamen wir nicht vor Mitternacht zum Schlafen. Dieser Trip brachte meinen Biorhythmus ganz schön durcheinander.

Am dritten Tag ließen wir es ein bisschen ruhiger angehen. Vormittags streiften wir durch das Schanzenviertel, hier könnte man definitiv etwas ausgefallenes zu Essen finden, alles ziemlich alternativ, kreativ und multikulti. Da hatten wir aber noch keinen Hunger…

Danach nahmen wir den vom Reiseführer vorgeschlagenen „Spaziergang“ in Angriff. Von Winterhude an der Außenalster entlang bis zum Jungfernstieg.

Gleich vorneweg: das muss man nicht gesehen haben! Wir latschten uns die Füße zwischen eingewachsenen und versteckten Villen Richtung Außenalster platt, dann standen wir endlich am Schiffsanlieger und haben diesen Kutter um 10 Minuten verpasst, der nächste würde erst in einer Stunde kommen und dann passierte auch noch das: ich hatte Hunger und es nicht gemerkt! Dafür Tobi umso mehr…
Der arme Kerl musste mich ertragen, bis wir mit dem Bus am Park Planten un Blomen waren und von dort aus das Heiligengeistfeld erreicht hatten.
Kaum, hatten wir uns einmal quer durch das Volksfest gegessen, war meine Laune schlagartig besser. Da sag nochmal einer, Essen würde nicht glücklich machen. 🙂

Unseren letzten Abend ließen wir im Musical „Der König der Löwen“ ausklingen. Absolut sehens- und hörenswert! Klingt kitschig, ist aber so.

Hamburg hat sich uns von seiner besten Seite gezeigt und wir haben endlich unsere eigenen Bilder und Erinnerungen an diese Stadt.

Hier noch die Ausbeute der geführten Phototour: Danke an Sven Jakobsen von der Fotoschule im Norden.

Projekt Flachköpper: Mal schnell nen Tag ans Meer – Tag 5 – 330km

Der letzte Tage begann, wie der Vorletzte endete. Mit der Kamera auf dem Stativ am See. Das erste Licht des Tages lockte mich direkt wieder ans Ufer des Thiersee, um die Ruhe hier zu genießen. Man soll nicht glauben, wie viele Jogger, Angler oder Familien mit Kinderwagen um kurz nach 6 Uhr an einem Mittwoch morgen am See unterwegs sind. Trotzdem war es hier noch herrlich ruhig. Die Bewegung brachte die Muskeln in Wallung und wärmte auf. Die Nacht war schon deutlich frischer als noch in Kroatien am Meer. Ich ignorierte die Absprache nichts vom Bäcker zu holen und hoffte, dass die Mädels sich über die frischen Semmeln freuen. Um kurz nach sieben begann ich Kocher & Co. aufzubauen und das Frühstück zu richten, als Sandra mich anguckte und sagte, dass ihr kalt ist. Im Scherz entgegnete ich: “lauf halt mal um den See, dann ist dir warm”. Eine gute Stunde später war sie wieder da und wir konnten frühstücken. Ich hätte nicht gedacht, dass sie tatsächlich um den See läuft. Immerhin hatte ich recht, jetzt war ihr nicht mehr kalt. Es gab Rührei, Semmeln, Tee und Marmelade, gepaart mit einem Ausblick auf den See. Die Sonne kam langsam raus und wir stellen fest, dass unsere Zelte komplett im Schatten standen. Das Thema Platzwahl fürs Zelt kann ich noch optimieren.

Wir kamen äußerst gemütlich in die Gänge. Es waren auch nur gute 300km geplant und in Deutschland sollten wir zügig vorankommen, so dass es keinen Grund zur Eile gab. Wir lüfteten die Zelte und ließen sie trocknen, packten gemütlich zusammen und unterhielten uns noch mit den Platznachbarn. Aber alles Verzögern half nichts, um 10:30 waren wir startklar und richteten die Moppeds gen Deutschland.

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Der Weg über Landl und Bayrischzell zeigte noch mal ein wunderschönes Tal, mit kurviger Straßenführung. Bis zum Schliersee ging es noch durch die Berge, dann wurde es deutlich flacher. Am Tegernsee vorbei, zum Starnbergersee. Man könnte meinen wir machten eine Tour der Seen. Dem ist aber nicht so. Wir bekamen fast nichts von den Seen zu Gesicht. In Geretsried stellten wir kurz kreischend wie Groupies fest, dass A Life Divided (eine unserer Lieblingsbands) ja von hier kommen. Aber das bremste uns nicht aus, flott waren wir in Füstenfeldbruck, Augsburg umgingen wir östlich und fuhren ein ganzes Stück parallel zur B2, bevor wir auf diese wechselten. Die Heimat rückte näher, die Strecken werden bekannter und Baustellen zwangen uns, umzuplanen. Treuchtlingen, Weißenburg und Pleinfeld ließen wir hinter uns und den Brombachsee links liegen. Bei einer Pause verabredeten wir uns für den Abend zum Grillen. In Windsbach legten wir noch einen Stopp zum Einkaufen ein, um Material für den Grill zu haben. Nach fast 7 Stunden kammen wir kurz nach 17 Uhr wieder zu Hause an. Beim Auspacken mussten wir feststellen, dass Getränkedosen früher robuster waren – eine Dose Gösser Kracherl hatte sich in meinem Seitenkoffer verteilt.

Die ersten Geschichten wurden erzählt, während wir die Bikes abluden und begannen unsere Ausrüstung zu sortieren. Die Augen leuchteten nochmal, auf beim Gedanken zurück an die ersten Momente am Meer und die Erinnerungen festigten sich durch die Erzählung. Wir sind gespannt auf die gemachten Bilder und freuen uns schon auf den nächsten Trip. Der ursprüngliche Grund für diesen Trip – Camping Equipment für unsere Skandinavientour im Juli testen – ist auch nicht in Vergessenheit geraten. Das Vaude Chapel L3P Zelt, der Primus Omnilite Multifuel Kocher, das Trangia Geschirr und noch einige andere kleine Neuanschaffungen haben sich mit Bravour geschlagen. Die Tour war somit in jeglicher Hinsicht erfolgreich!

An vier Fahrtagen konnten wir 1454 km zurücklegen, drei tolle Campingplätze kennen lernen, kulinarische Genüsse erleben und das wichtigste: FLACHKÖPPER MACHEN!!!

Projekt Flachköpper: Mal schnell nen Tag ans Meer – Tag 1 – 426km

Da Ostern für uns krankheitsbedingt nicht ganz so ideal verlaufen war planten wir eine weitere Testtour für unsere runderneuerte Campingausrüstung. Pfingsten bot sich dank dem verlängerten Wochenende dafür an. Erste Ideen waren schnell erdacht und so wollten wir zu dritt für 5 Tage nach Österreich an den Thiersee fahren. Ein entscheidender Satz sollte diese Planung nochmals ein wenig ändern: “Ich hab noch nie das Meer gesehen.” Das kann man doch nicht so stehen lassen dachte ich mir und so kam mir spontan der 4. Werner Film – “Gekotzt wird später!”  in den Sinn und das Projekt „Flachköpper“ war geboren. Fünf Tage Zeit, zwei Motorräder, zwei Zelte und damit zu dritt mal schnell  für nen Tag ans Meer. Wo fährt man an Pfingsten hin wenn man auch im Meer baden will und nur begrenzt Zeit hat? Richtig: Kroatien!
Die Routenplanung konnte beginnen und es wurde der Campingplatz Finida Umag als Ziel am Meer auserkoren. Das ganze natürlich noch als Überraschung unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.

Am Freitag vor Pfingsten versammelten wir dann alle Ausrüstungsgegenstände und uns selbst zum gemeinsamen Packen. Die Anspannung der letzten Wochen zeigte sich beim Taschen- und Koffertetris deutlich und führte dazu dass wir das Packen auf Samstag morgen vor der Abfahrt vertagten. Der Wecker holte uns viel zu früh aus dem dringend benötigten Schlaf, aber das Wetter stimmte uns versöhnlich. Die Vorhersagen schwankten in den Tagen vor der Abfahrt doch sehr bedenklich und so waren wir hocherfreut dass es trocken war und die Sonne uns begrüßte. Nach einem kräftigen Frühstück verstaute sich das Gepäck fast schon von alleine und wir konnten endlich aufbrechen um nach Österreich zu fahren (noch war das Endziel ja geheim).

Der erste Tag war, so wie die meisten ersten Tage einer Tour, von Bekanntem geprägt. Erstmal grob in Richtung Landshut und Strecke machen. Anvisiert hatten wir heute die Tauernschleuse zu schaffen. Ab Berching folgten wir wie schon häufiger auf dem Weg gen Süden der B299. Mit dem Motorrad eine angenehm zu fahrende Strecke um zügig voranzukommen ohne Autobahn zu fahren. Den Chiemsee ließen wir rechts liegen und überquerten die erste Landesgrenze bei Schneizlreuth. In Österreich folgten wir der Saalach bis Saalfelden. Das Wetter überrascht uns bisher mit angenehmen Temperaturen und wir kommen dem ersten Tagesziel flott näher. Wir wollen etwas neues versuchen. Bisher haben wir noch nie die Tauernschleuse genutzt um die Berge zu überwinden. Die Fahrzeuge werden auf einen Zug verladen und durch den 8.371m langen Tauerntunnel befördert. Dies hat mehrere Vorteile. Zum einen kommt man ohne Nutzung der Autobahn über die Berge, zum anderen meist ohne Stau (dieses Problem hätten wir an Pfingsten ohnehin nicht) ein weiterer Vorteil ist nicht höher als 1200 m.ü.A. fahren zu müssen und somit die noch winterlichen Witterungen zu meiden. An der Tauernschleuse angekommen waren wir überrascht wie wenig Fahrzeuge wir vorfanden obwohl der Zug in weniger als 15 Minuten fahren sollte. Die Verladung verlief unspektakulär – drauffahren – 1.Gang – Seitenständer – das Personal verzurrt die Bikes – wir setzen uns in den Personenwaggon.

12 Minuten nach Abfahrt kommen wir in Mallnitz an, wo die Entladung genauso easy erfolgt wie die Verladung. Nur noch wenige km trennen uns nach heute gut 400 gefahrenen Kilometern vom Aktiv-Sport-Erlebnis-Camp in Obervellach. Ein Naturcampingplatz mit relativ neuen Sanitäranlagen der idyllisch im Mölltal direkt am Flussufer gelegen ist. Hier schlagen wir zum ersten mal unsere Zelte auf, packen den Kocher aus und genießen ein Gösser Kracherl (alkoholfreies Naturradler). Der erste Tage klingt bei Nudeln aus und es wird Zeit das Geheimnis zu lüften. Auf die Frage warum wir hier nur eine Nacht bleiben folgt kurzes Staunen und dann unbändige Freude. Nach dem anstrengenden Tag liegen wir relativ bald in unseren Schlafsäcken und freuen uns schon auf die noch anstehenden Länder auf unserer kurzen Tour.

Track zum ersten Tag:

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Bamberg – ein Tag zum Eingewöhnen

Der Straßburg-Trip ist lange her und es wird Zeit die letzten Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke einzulösen.
Wir starten unseren Städtetrip nach Hamburg in Bamberg.

Ohne viel Vorbereitung – weil es die Zeit in den letzten Wochen nicht hergegeben hat – fahren wir Samstag Vormittag nach Bamberg. Nur mit einem Plan der Altstadt, auf dem die Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind, machen wir uns vom Park+Ride Heinrichsdamm aus auf.

Übrigens: Geniales Konzept!
In diesem Park+Ride steht das Auto sicher außerhalb der Stadt und für insgesamt 4,50 EUR kann man auch gleich noch den Bus 930 bis in die Altstadt nehmen. (Parkgebühr fürs Auto 1,20 EUR und Tagesticket für den Bus 1-5 Personen 3,30 EUR)

Nach den zwei Stationen, die dieser Bus anfährt, steht man mitten am ZOB  – Zentraler Omnibus Bahnhof (nach ein bisschen rätseln, für uns das „Zentrum of Bamberch“ – hört sich gleich nicht so spießig an und man steht wirklich in der Bamberger Altstadt)

Wir schlagen die nördliche Richtung über die Promenadenstraße in die Hauptwachstraße ein und finden uns mitten am Wochenmarkt wieder. Herrlich! Ich liebe es über solche Märkte zu schlendern, die frischen Waren und das regionale und oftmals individuelle Sortiment zu bestaunen.
Schon am Maximiliansplatz finden wir unser Mitbringsel aus Bamberg: einen Kochlöffel aus Olivenholz. A arch scheens Dingerla, wenn auch nicht typisch aus dieser Region.

Weiter geht es über den Grünen Markt und Obstmarkt bis zum Alten Rathaus. Von hier aus schlendern wir durch das Kleine Venedig am linken Regnitzarm entlang. Schnuckelige kleine Häuschen, schmale Gassen, aber alles stets sauber.

Von weitem sieht man das Kloster St. Michel auf dem Michelsberg. Das Wetter ist perfekt, wir gut gelaunt und schon finden wir den kleinen Fußweg, der durch eine alte Holztür von der unteren Sandstraße abzweigt. Auf der Rückseite des Hügels machen wir es uns zwischen blühenden Wiesen und Bäumen in der Sonne zum Picknicken gemütlich.
Auf der anderen Seite geht es über den Benediktinerweg flott wieder nach unten. Dort sind es nur ein paar Meter den nächsten Hügel rauf bis zum Dom.

Hier herrscht ein reges Kommen und Gehen, es ist laut, dunkel und kalt. Da ist man gerne wieder draußen in der Sonne.

Wir statten der Alten Hofhaltung mit ihrem romantischen Innenhof noch einen Besuch ab und laufen an der Neuen Residenz entlang Richtung St. Jakob. So sind wir schon auf dem nächsten der 7 Hügel von Bamberg. Die Pilgerstätte ist zwar hell, aber auch kalt und so verweilen wir gar nicht lange, sondern gehen über die Maternstraße mit Schwung auf den nächsten Hügel: den Kaulberg, auf dem das Karmelitenkloster steht. Eine einladende Kirche, in Gold- und Brauntönen gehalten, warm und ruhig. Die vielen Topfpflanzen und frischen Blumen machen es hier drin gemütlich, allerdings sieht man dem Gebäude den Renovierungsbedarf deutlich an.

Der Einfluss der Kirche ist in Bamberg nicht zu übersehen, es reiht sich Gotteshaus an Gotteshaus. Und doch sind wir es nicht müde, uns alle anzusehen. Es gleicht keines dem anderen.

Auf dem Weg zum Stephansberg machen wir noch Halt an der Oberen Pfarre. Schon außen funkelt sie in der Sonne. Innen kann sie sich fast mit einer Kirche in Rom messen. Alles glänzt golden, ist reich verziert und prunkvoll.

Unser letzter Stopp ist St. Stephan… was soll ich sagen… Wohl fühle ich mich da drin nicht, kalt und leer, fast schon befremdlich und skurril wirkt das Gebäude im Inneren.

Danach tun die Füße langsam weh und wir treten den Rückweg zu unserem Zentrum Of Bamberch an.
Das Wasserschloss Concordia ist noch in meinem Plan verzeichnet und mit einem kleinen Umweg zu erreichen. Es ist in Privatbesitz und die Sicht von außen auf dieses Gebäude hat von Tobi nur die Wertung „Der Hit“ bekommen… (Vorsicht! Ironie!)

Ein bisschen planlos biegen wir links und rechts ab, vorbei am Böttingerhaus bis wir wieder am Alten Rathaus stehen. Von da aus laufen wir zurück zum Grünen Markt und sehen noch die letzten Überreste des Marktes.
Ein bisschen Zeit haben wir noch und der Hunger meldet sich auch. Der Imbisswagen „Crepes mit Charme“ wird getestet. Für Süßes bin ich immer zu haben. Ich entschließe mich für einen „Valencia“ (mit Orangenmarmelade) und Tobi für einen herzhaften „Mykonos“ (Gefüllt mit einer Art Fetacreme und Knoblauch). Und das Ergebnis ist wow! Absolut lecker, abwechslungsreich gefüllt und es wird auch mit der Füllung nicht gespart.

Danach versorgen wir uns noch mit Lebensmitteln und fahren zu unserem Auto zurück.

Bamberg ist zwar von uns zu Hause nicht weit weg, trotzdem haben wir uns ein Hotel gebucht. Hier können wir uns entspannt für unseren Abend in der Brose Arena bei „Planet Erde“ fesch machen und haben danach nur eine 10-minütigen Fahrtzeit bis ins Bett.

Am Sonntag früh brechen wir gut gestärkt nach dem Frühstück Richtung Hamburg auf.
Tobi macht hier abends eine geführte Phototour durch die Speicherstadt bei Nacht, während ich einen kurzen Bericht über das bisher Erlebte schreibe.
Ich bin gespannt, was er erzählt und natürlich, auf die Bilder, die er mitbringt.

Hier noch ein kleiner Überblick über unsere Besichtigungstour:

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Kurztrip: Pizzaessen am Reschenpass – 1120km

2015 war das Jahr mit unseren meisten Touren bisher. Genau aus diesem Grund hinke ich mit den Berichten ein wenig hinterher. 3 Wochenenden nacheinander unterwegs und dann eine drei Wochen Tour. Das genießen war mir dann doch wichtiger als das Bloggen *g* Überhaupt eine interessante Perspektive die Rolf Henniges in seinem Buch Endstation Abfahrt aufgreift. Ist das Posten tatsächlich wichtiger als das Erleben? Für mich ist das Posten eigentlich eine Art zu reflektieren und Erinnerungen zu bewahren. So eine Art Tagebuch an dem ich euch teilhaben lasse.
Pizzaessen – das kann man einfach beim Italiener um die Ecke, oder man kann es auf einer Tour mit Freunden weit weg tun. Der Begriff „Pizzaessen“ stand für einen Freund immer für eine Tour zur Pizzeria Hans am Reschenpass. Leider fanden wir nie die Zeit diese Tour mit ihm zu fahren. Dieses Jahr traten wir sie in einer bunt zusammengewürfelten Gruppe aus seinen Freunden an. Nur einer fehlte. Er selbst. Wir hatten zu lange gewartet bis wir die Zeit fanden diese Tour zu fahren, er konnte uns leider nicht mehr begleiten.