Sardinien 2017 – Tag 1 & 2 – Reschenpass & Lago d’Iseo – 678 km

Urlaubsplanung, das ist normalerweise ein Thema in dem wir fast schon Weltmeister sind. Anja liest Reiseführer, ich lese Foren und tüftle Routen aus. Wochen vor einem Trip haben wir dann meistens ziemlich genaue Vorstellungen was wir im Zielgebiet sehen wollen und wie die geplante Route grob aussehen soll. Hat das heuer in den Pyrenäen gerade noch so ganz gut geklappt, so ist es diesmal für unseren geplanten Sardinien Trip ganz anders. Anja hat den Reiseführer zwar gelesen, wir haben aber noch nicht ein Wort darüber gesprochen. Wir haben Fährtickets ab Genua nach Olbia und auch wieder zurück. Eine Route um nach Genua zu kommen war mit Basecamp schnell gestrickt. Augenmerk auf nicht zu hohe Pässe. Das Stilfser Joch z. B. liegt schon im Schnee. Ein obligatorischer Halt im Garni Wallnöfer am Reschensee bei Elisabeth bietet sich an. Also dort noch ein Zimmer für den ersten Abend klar gemacht. Und das war es dann auch schon. Weiter sind wir nicht mehr gekommen. Wir sind beide aktuell jobtechnisch so eingebunden dass wir abends (wenn wir mal daheim sind) einfach völlig platt umfallen. Gut, dann agieren wir diesmal eben spontaner.

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Pünktlich zum Start am 23.09.2017 hat Anja sich noch eine Grippe eingefangen und schnieft nur so vor sich hin. Die Motorräder packen wir Freitag Abends um 22 Uhr – früher hat das einfach nicht geklappt – und den Rest am Samstag morgen. Wir lassen es langsam angehen. Das Zimmer für den Abend ist gebucht und die 400km bis zum Reschen sitzen wir normalerweise auf einer Arschbacke ab. So läuft es dann auch. Um kurz vor 11 starten wir nachdem wir in einem Anflug von Aktionismus noch die Wohnung geputzt hatten. Die Strecke durch Deutschland und Österreich langweilt uns. Wir kennen sie quasi auswendig und der dichte Verkehr in Österreich trägt nicht dazu bei dass wir sie ansprechender finden. Über Füssen und den Fernpass geht es dem Tagesziel – Pizzaessen entgegen.

Kurz nach 18 Uhr rollen wir direkt in die Garage bei Elisabeth – dies führt direkt zu Verwirrung bei der Gruppe BMW Fahrer welche erstmal ein Ankunftsbier getrunken hat und nun die Motorräder nach uns in die Garage sortieren darf. Kurz umgezogen und schon sind wir dank Taxiservice auf dem Weg in die Pizzeria Hans direkt am Pass. Eine Suppe, Pizza für mich und Gnocchi für Anja später warten wir wieder auf den Fahrservice welcher um 20 Uhr die BMW Fahrer bringen sollte und uns mit zurück nehmen soll. Die Gruppe hatte wohl aber ein oder zwei Bierchen mehr und war 20 Minuten zu spät dran. Egal, wir sind im Urlaub und auf uns wartet heute eh nur noch das Bett. Anja kann den Schlaf gut gebrauchen um gegen die Grippe anzukämpfen.

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Um 7 Uhr klingelt der Wecker und schickt uns unter die Dusche. Gemütlich frühstücken und die paar Sachen welche wir ausgepackt hatten wieder verstauen. Um kurz nach 9 Uhr sitzen wir wieder im Sattel und starten in Richtung Meran. Endlose Apfelplantagen im Val Venosta und wieder sehr dichter Verkehr heben die Stimmung immer noch nicht wirklich an. Anjas Nase läuft schneller als wir fahren können. Ab Lana wird die Verkehrsdichte dann endlich besser. Wir fahren über den Passo delle Palade und den Passo del Tonale. Auf 1800 Meter kommen wir der Schneegrenze schon ziemlich nahe. Die Strecke wird jetzt noch langweiliger und die Straßen größer. Die letzten 50km bis zum Lage d’Iseo sind schon fast autobahnähnlich. Ich habe heute massive Probleme zu erkennen, wie schnell ich eigentlich fahren darf. Die Beschilderung ist sehr lückenhaft, nur aufs Garmin Navi will ich mich nicht verlassen und nach den Italienern kann man sich nicht mal ansatzweise richten. Der eine krabbelt mit 30 km/h dahin während der andere bei jeder Gelegenheit mit 100 km/h überholt. Wir sind froh als wir heute nach knapp 280 km auf den Campingplatz Covelo am Lago d’Iseo rollen.

Anja ist der Meinung dass die Temperaturen okay sind um mit Grippe die Nacht im Zelt zu verbringen. Ich kann auf dem Campingplatz irgendwie nix mit mir anfangen. Wir sind es nicht gewohnt um 15 Uhr schon Zelt aufzubauen und quasi noch den halben Tag Zeit zu haben. Meist nutzen wir die Tage um vorwärts zu kommen. Diesmal haben wir uns aber bewusst 3 Tage Zeit genommen für den Weg nach Genua, da wir nicht abschätzen konnten welche Wege uns eventuell der Schnee madig macht. Zum Sonnenuntergang bekommen wir noch die Gelegenheit die Kameras zum Einsatz zu bringen. Direkt danach legen wir uns ab.

Morgen haben wir nur 230km bis nach Genua, das sollte in guten 4 Stunden erledigt sein. Das heisst wir lassen uns früh auf jeden Fall viel Zeit. Unsere Fähre geht um 21:30 Uhr, so dass wir in diesem Urlaub definitiv entschleunigt unterwegs sein können. Wie wir nun Sardinien erkunden, lassen wir auf uns zukommen. Vielleicht haben wir ja auf der Fähre noch Lust auf ein wenig Routenplanung, sonst gehts einfach der Nase nach.

Pyrenäentour 2017 – Tag 20 – 22 – 596 km – Geroldsau, Baden Baden und der Heimweg

Tag 20 unserer Tour begann total entspannt im Zelt. Es ist einfach geil schön eingemummelt im Schlafsack mit dem Zelt im Schatten aufzuwachen, aber bereits durch die Zeltplane zu sehen dass die Sonne scheint. Du weisst das Zelt wird trocken sein wenn du es in 2 Stunden einpackst, du kannst dich zum Frühstücken in die Sonne oder in den Schatten setzen und es folgt ein Tag mit Motorradfahren. Was kann es besseres geben? Richtig, Rühreier am Morgen! Wenn der Drecks Primus Omnilite Ti Kocher denn mal mag… Warum das Ding bei uns mit Reinbenzin immer so schnell verrusst das weiß der Teufel. Düse raus und reinigen, Spindel raus und reinigen – alles wieder zusammen und schon brennt das Ding wieder wie das ewige Höllenfeuer. Ist ja kein großes Ding, aber eigentlich will ich das nicht in 3 Wochen 4 mal machen müssen. Naja die Eier waren trotzdem super und so kann der Tag losgehen.

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Prio hat das zügige vorankommen. Heute Abend haben wir ein Hotel in Geroldsau bei Baden Baden reserviert. Hier bleiben wir zum Abschluss nochmal zwei Nächte. Die Straßenwahl von Basecamp ist heute wieder besser als gestern. Zügig, kurvig geht es voran. Allerdings nicht weit, dann sticht mir eine Mühle an einem Fluss ins Auge. Eine traumhafte Spiegelung, also Warnblinker rein, wenden, parken, Stativ und Filter raus. Anja mag irgendwie noch nicht so recht, das Motiv sagt ihr nicht so zu. Ich bin voll in meinem Element. Soviel zum Thema zügig vorankommen. Es sollte einer von zwei Fotostopps am heutigen Tag sein. Also kann man den schonmal ausdehnen.

Wir fliegen heute erstmal an Flüssen entlang. Das bietet zum einen viele Kurven und zum anderen einen schönen Ausblick. Und so geht die Zeit schnell dahin. Den zweiten Fotostopp legen wir in Clerval ein, auch hier bietet sich eine glasklare Spiegelung im Fluss direkt an. Durch Belfort zieht es sich verkehrsmäßig ein wenig und die steigenden Temperaturen machen es nicht besser. Bald darauf kommen wir an den Rhein. Hier geht es schnurgerade entlang bis wir auf eine Fähre stoßen welche wir zum Übersetzen nach Deutschland nutzen. Endlich wieder 100km/h auf der Landstrasse…denkste. Feierabendverkehr in Richtung Offenburg, das zieht sich. Wir beschließen auf die A5 zu fahren um das ganze zu beschleunigen. Ob wir jetzt B3 oder A5 fahren ist auch schon egal. Die letzten 13km geht es dann nochmal auf kleinen Straßen bis nach Geroldsau. Hier checken wir im Schwarzwaldhotel Sonne ein welches uns schon 2015 als Basis für eine Woche Schwarzwald/Frankreich gedient hatte.

Schnell geduscht und angezogen und zum uns gut bekannten Landgasthof Hirsch zum Abendessen gelaufen. Wir hatten die Hoffnung auf das badische Grillbuffet, dieses findet aber leider immer Freitags und Sonntags statt. Heute ist Dienstag. Also gabs erstmal Carpaccio und dann für mich Lende mit Pfifferlingen und Spätzle vom Brett. Anja hatte eine Perlhuhnbrust auf einer Mango Zwiebel Soße mit Kroketten. Ein Schokotörtchen und eine Käseplatte später waren wir dann endgültig bewegungsunfähig. Der Rückweg gestaltete sich mühsam.

Den folgenden Pausentag am Mittwoch nutzten wir für zweierlei Dinge. Zum einen fuhren wir mit dem Bus zum Friedrichsbad nach Baden Baden. Dieses römisch-irische Bad zeichnet sich durch 17 Stationen von Heißluft über Dampf, eine Seifenbürstenmassage, Warmwasserbecken, Sprudelbad, kühles Bewegungsbecken, Kaltwasserbecken, eine Crememassage bis hin zum Ruheraum und einem Lesebereich aus. Wenn man hier 4 Stunden gechillt hat dann ist man danach auch noch grundgereinigt wie es die antiken Römer schon in den Caracalla Thermen getan hatten. Wer mal hier in der Gegend ist sollte sich das definitv gönnen! Erst recht nach gut 5000km auf dem Motorrad.

Wieder mit dem Bus zurück haben wir den Fotorucksack gepackt, die Five Fingers angezogen und uns auf den Weg zum Geroldsauer Wasserfall gemacht. Hier waren wir auch schon 2015, damals allerdings noch mit ganz anderer Kameraausstattung und vor allem anderem Wissensstand. Wir laufen direkt zum Wasserfall und fotografieren uns dann den Weg zurück. Die Five Fingers (Zehenschuhe) ermöglichen es uns ganz unbedarft  bis zu den Knien im Bach rumzulaufen. Einen anderen Fotografen beobachten wir dabei wie er tunlichst versucht von Stein zu Stein zu kommen und ja keine nassen Füsse zu kriegen. Uns ist das Egal. Was tut man nicht alles für die richtige Perspektive. 3 Stunden und 45 Minuten später ist es 20 Uhr und wir sitzen auf dem Balkon und essen Abend. Die Stative und unsere Schuhe trocknen hinter uns.

Die letzte Nacht auswärts ist nochmal sehr erholsam. Das lange Baden und der Spaziergang an der frischen Luft lassen uns tief und fest schlafen. Das Frühstücksbuffet im Hotel ist wie schon bei unserem letzten Aufenthalt genial und so genießen wir es nochmal in Ruhe zu schlemmen. Die letzten ca. 250 km Landstrasse sind auch ganz schön, können uns aber keine AAAhs und OOOhs entlocken. Zu oft sind wir diese Strecken bereits gefahren. Fotostopps gibt es keine mehr. Wenn man so am Ende einer Reise ist will man dann auch mal ankommen. So geht es zumindest uns immer wieder, wenn man mal im Umkreis von 300km um das heimische Bett ist und es unvermeidlich ist dass man die Reise beendet dann werden wir zielstrebig.

Zuhause angekommen freuen sich alle dass wir wieder gut zurück sind… was hätte uns denn passieren sollen? Die Reiseutensilien sind schnell überall verstreut. Die Waschmaschinen gefüllt und so klingt dieser Urlaub aus wie es so jeder Motorradurlaub tut. Erstmal erzählen und dann die Ausrüstung wieder auf Vordermann bringen. Ein Haufen Bilder wartet darauf gesichtet zu werden, die Berichte wollen veröffentlicht werden und ich hoffe sie haben auch ein wenig Anklang bei euch gefunden.

Die Pyrenäen sind auf jeden Fall einen oder auch mehrere ausgiebige Touren mit dem Motorrad wert und ich glaube auch wir werden irgendwann noch einmal eine Tour dorthin fahren um noch ein paar mehr kleine Strässchen und den einen oder anderen Schotterweg zu erkunden.

Pyrenäentour 2017 – Packen & Tag 1 – 639km – Col de la Faucille

Es ist Mittwoch der 14.06.2017 ca 15 Uhr und ungewöhnlicherweise beginnen wir zu Packen. Wir haben es beide frühzeitig von der Arbeit nach Hause geschafft und nutzen die Zeit um es gemütlich anzugehen. Kurz keimt in mir die Idee auf heute noch zu starten und über Land bis in den Schwarzwald zu fahren. Da bremst mich aber auch schon Anja aus. Wir starten diesmal gemütlich. Um kurz nach 22 Uhr fallen wir ins Bett. Die Motorräder stehen fertig beladen in den Garagen und warten darauf dass wir sie starten. Wir stellen uns den Wecker auf kurz vor 7 Uhr. Noch schnell Duschen, etwas frühstücken und dann soll es um 8 Uhr losgehen.

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Donnerstag morgen 6:55 der Wecker klingelt, 7:00 Uhr der Wecker klingelt wieder, 7:05, 7:10,… okay vergiss 8 Uhr starten. Wir haben ja locker Zeit. Sind heute ja nur 640 km, davon knapp 400 km deutsche Autobahn um erstmal ein Stück voranzukommen. Um 8:45 Uhr haben wir es dann tatsächlich geschafft. Wir sitzen auf den Motorrädern und beginnen unseren Trip nach Frankreich und Spanien. Wir fahren Bundestrasse bis Aurach, dort geht es dann auf die A6 welche ungewöhnlich leer ist. Wir genießen es frei fahren zu können und legen die Distanz bis zur A5 ohne Auffälligkeiten zurück. Es wird immer wärmer und die Sonne brennt unerbittlich auf den Asphalt. In der Gegend um Karlsruhe kommt es dann zum Stillstand. So leer die A6 war, so voll ist die A5 und hier gibt es eine massive Baustelle welche zu einem noch massiveren Stau führt. Über eine Stunde benötigen wir um dieses Hindernis zu überwinden. Als Ziel hatten wir uns eigentlich 12 Uhr = Französische Grenze gesetzt. Das wird nix. Der Stau und unser behäbiger Start in den Tag führen dazu dass wir erst um 14 Uhr die Grenze passieren.

Ab hier geht es nun über Land weiter. Aber zuerst müssen wir das Ballungszentrum um Mulhouse irgendwie überleben. Wir haben uns entschieden in Frankreich zu bleiben und keinen Abstecher durch die Schweiz zu fahren. Zu schlecht sind unsere Erinnerungen an den Verkehr bei den Eidgenossen. Wir kommen zügig voran und die Straßen werden immer kleiner und kurviger. Wir genießen es die schwer bepackten Maschinen von links nach rechts und wieder zurück zu werfen. Ein Stop bei Aldi um die Trinkrucksäcke wieder zu füllen (sie sind unser Lebensretter bei Temperaturen um die 35 Grad! Kann man echt jedem empfehlen der ein bisschen weiter als nur eine Feierabendrunde fährt), ein Tankstopp und ein Toilettenstop sind unsere einzigen Pausen. Dies ist wohl auch der Tatsache geschuldet dass wir das getrunkene Wasser direkt wieder rausschwitzen.

Die letzten 80 km des Ersten Tages führen uns durch den Parc naturel régional du Haut-Jura. Kurven hats hier! Eine wahre Pracht! Das entschädigt vollends für die Autobahnfahrt während der ersten Tageshälfte. Wir gewinnen auch immer mehr an Höhe und Anja vergleicht die Landschaft mit einer Mischung aus Allgäu und Auenland. Alles ist grün und bewaldet. Unser heutiges Tagesziel ist das Hotel La Petite Chaumiere in einem Skigebiet am Col de la Faucille. Nach 640km wollen wir heute kein Zelt aufstellen und auch nicht selbst kochen. Der erste Abend soll völlig entspannt sein. Wir gönnen uns noch ein 3 Gänge Menü im Restaurant und sind hin und weg von der Qualität des Essens bevor wir uns aufs Zimmer zurückziehen und nach einer Dusche noch den Tag Revue passieren lassen. Jeder auf seine Weise, ich hier mit diesen Worten, Anja in einer Art Reisetagebuch welches letztes Jahr schon in Norwegen Ihre doch sehr zwiespältigen Gefühle aufgenommen hat. Heute, da bin ich mir sicher, steht nur positives darin und vor allem dass es schön warm war.

Morgen geht es weiter bis nach Valensole. Hier legen wir gleich einen ersten Pausentag ein um ein wenig zu fotografieren.

Skandinavientour 2016 – Tag 20 – 22 – 1180 km – Bürglein

Wir wachen heute in Dänemark auf. Hier waren wir 2012 bereits für zwei Wochen mit dem Auto. Haben damals das Land von oben bis unten und von links nach rechts durchgemacht. Die Erinnerung an die langweiligen Straßen war wohl etwas verblasst als wir auf die Idee kamen durch Dänemark nach Hause zu fahren. Eine Fähre von Oslo nach Deutschland wäre wohl doch eine sehr gute Alternative gewesen. Das Interessanteste auf der Strecke war noch eine Fährüberfahrt. Ansonsten geht es mit sturen 80 km/h äußerst zäh durch dieses Land. Irgendwann hatten wir es dann geschafft. Die ersten km in Deutschland zaubern ein Lächeln auf unsere Lippen. Endlich wieder 100 km/h auf Landstrassen. An unserem zwanzigsten Reisetag rollen wir noch bis Friedrichstadt. Nach 346 km werden wir auf der Suche nach einem Campingplatz auf dem Eider & Treenecamp Nordfriesland fündig. Wir stellen das Zelt auf und kochen uns Nudeln.

Einmal mehr wird uns bewusst, wie gut ausgerüstet wir sind. Bequem sitzen wir in unseren Helinox Chair One an unserem Tisch aus Koffern vor dem Primus Benzinkocher mit unserem Trangiageschirr. Das Wasser kommt aus dem Ortlieb Wasserbeutel, das dreckige Geschirr kommt in die Ortlieb Faltschüssel. Bei Regen können wir im Vorzelt des Vaude Chaple L3p sitzen. Unsere Exped Matten sind saubequem und jeder hat zwei Kopfkissen dabei. Uns gegenüber das genaue Gegenteil. Ein älteres dänisches Pärchen, beide schon mit grauen Haaren. Sitzen am Boden, kochen auf einem Spirituskocher, essen direkt aus dem Topf und schlafen in einem uralten einfachen Igluzelt. Aber sie albern rum wie zwei 18-jährige. Liegen gemeinsam auf dem Bauch vor dem Zelt und lösen Kreuzworträtsel. Zwei Junge Kerle teilen sich neben uns ein – unserer Meinung nach – 1-Mann Zelt, essen die Ravioli kalt aus der Dose und ihre Isomatten sind gefühlt so voluminös wie unsere komplette Campingausrüstung. Da hat sich über die Jahre so einiges an Ausrüstung bei uns angesammelt. Und wir wollen auch nicht wirklich auf diesen Luxus beim Campen verzichten.

Die Nacht war trocken, aber unruhig. Der Platz liegt direkt an einer Hauptstrasse und Tankstelle, was für einen gewissen Lärmpegel sorgt. Wir müssen leider auch sagen, dass wir bereits deutlich ansprechendere Plätze gesehen haben. Die sanitären Einrichtungen sind schmutzig und werden auch während unserem Aufenthalt nicht einmal gereinigt. Der Platzwart ist bemüht und äußerst freundlich. Die Besitzerin unfreundlich und nicht wirklich kundenorientiert. Wir dürfen für 2 Zelte und 2 Autos bezahlen da wir ja zwei Motorräder dabei haben. Das soll mir mal einer erklären. Naja Schwamm drüber. Der nächste Platz wäre 50 km entfernt gewesen. Wir starten gemütlich um 10 Uhr in Tag 21. Das heutige Ziel heißt Königslutter am Elm. Die größten Hürden des Tages sind die Elbe und Hamburg. Der Tag beginnt mit Temperaturen um die 30 Grad. Wir schwitzen uns einen ab, während wir auf kleinsten Landstraßen in Richtung Hamburg fahren. Wiedermal setzen wir mit einer Fähre über. Und wir hatten gedacht, dass wir die letzte Schifffahrt für diese Reise längst hinter uns hatten. Wir kommen aufgrund der kleinen und kleinsten Strassen nur sehr langsam vorwärts und beschließen daher Hamburg per Autobahn zu umfahren.

Diese Idee ist auch mal wieder ein Zeichen dafür, dass wir unser Gedächtnis im Urlaub mit lauter frischen Erinnerungen gefüllt haben. Hätten wir ein wenig nachgedacht, wäre uns die Baustelle vor Hamburg auf der A7 in Erinnerung gekommen und wir hätten das bleiben lassen. Wir entkommen dem Stau über einen Rastplatz und fahren doch wieder die geplante Route. Leider habe ich nicht weit genug um Hamburg herum geplant. Es zieht sich wie Kaugummi. Bei Start hatte uns das Navi noch eine Ankunftszeit um kurz nach 15 Uhr prognostiziert. Als wir Hamburg endlich hinter uns lassen sieht es nach einer Ankunft gegen 19 Uhr aus. Kurz vor 17 Uhr gönnen wir uns eine Bockwurst und lassen das Navi die schnellste Route planen. Lüneburg umfahren wir und dann geht es zügig die B4 Richtung Königslutter. Der bisher warme sonnige Tag ändert seine Meinung und weicht uns so richtig ein. Die Landschaft gerät mal wieder in den Hintergrund. Um kurz vor 19 Uhr sind wir dann endlich in Königslutter. Noch schnell Abendessen einkaufen und dann geht es zur Unterkunft, der Alten Mühle. Wir waren hier schon für eine Nacht als wir 2013 die Ostroute der Motorradstrasse Deutschland gefahren sind. Frau Schön bietet uns einen Kellerraum an um die tropfenden Klamotten aufzuhängen, dann können wir aufs Zimmer. Zu Essen gibt es nur ein wenig vesper. Wir wollen den Kocher hier im Zimmer nicht anschüren. Den Tag lassen wir mit ein wenig TV Programm ausklingen.

Der Duft des Frühstücks weckt uns und wir genießen das mit viel Liebe zubereitete Essen. Einfach mal nichts selber machen müssen ist auch schön. Wir haben ja schließlich Urlaub. Die Sachen sind heute schnell gepackt und so sitzen wir schon bald auf den Motorrädern. Nun gilt es für uns nur noch zügig heimzukommen. Gefühlt ist der Trip bereits zuende. Zu gewohnt ist die Umgebung. Wir setzen uns auf die Autobahn und hoffen trocken bis nach Hause zu kommen. Ganz bleibt uns dieser Wunsch nicht gegönnt. Eine gute Stunde in strömendem Regen müssen wir noch durchstehen bevor es dann in Gollhofen von der BAB runtergeht und wir die letzten km wieder durch uns gut bekannte Kurven cruisen. Zuhause heisst es dann: Alles abpacken, Sachen trocknen, Eindrücke sacken lassen, Viel Erzählen und Pizza essen!

Hier noch die restlichen drei Tage auf der Karte und zum Download als gpx-Datei.

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Noch ein paar Daten zur Tour:

Gesamtstrecke: 8532km (inkl. Fähren)
Fahrtage: 21
Pausentage: 1
Anzahl Fährverbindungen: 16
Gefahrene Reifen: Dl1000 – Mitas E07 / DL650 – Michelin Pilot Road 4 beide haben noch locker Reserve
Liter Benzin: DL1000 – 507 Liter / DL650 – 348 Liter
Ölverbrauch: DL 1000 – ca. 1 Liter / DL 650 – 0,0 Liter

 

 

Skandinavientour 2016 – Tag 1 – 696km – Kiel

Lange haben wir gefiebert, wenig haben wir vorbereitet – gut, da hat jeder ne andere Meinung dazu, ich hab meiner Meinung nach aber deutlich weniger getan, als vor anderen Urlauben. Die Campingausrüstung haben wir komplett überholt und getestet. Irgendwann im Januar haben wir uns mal damit beschäftigt, wie wir von Deutschland am besten „da hoch“ kommen. Gebucht haben wir dann eine Stenaline Fähre von Kiel nach Göteborg. Abfahrt 18:45 – Ankunft am Folgetag um 9 Uhr. Das bringt uns mal schlappe 400 km im Schlaf. Aber um die Fähre zu erreichen stehen uns am Starttag 700 km Strecke bevor. Das geht nur via Autobahn. Die frisch aufgezogenen Reifen hatten unser Mitleid bereits im Vorfeld sicher.

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Nun war es also endlich soweit. Freitag 18 Uhr, die Motorräder stehen fertig gepackt in der Garage, wir lassen den Abend gemütlich ausklingen und gehen bald ins Bett. Der Wecker sollte uns am Samstag um 5:30 aus dem Tiefschlaf reißen. Völlig im Eimer ging es nochmal schnell unter die Dusche, dann gab es noch Spiegeleier zum Frühstück und schon packten wir uns in die Motorradklamotten um zu starten. Unsere Familie erwartete uns auch schon zur großen Verabschiedungsrunde. Wir hatten ja nicht daran geglaubt, aber wir rollten tatsächlich um kurz vor 7 Uhr vom Hof. Das Navi zeigte zähe 700 km fast nur Autobahn und versprach eine Ankunft um ca. 13 Uhr in Kiel. Kurz überlegte ich ob ich nochmal ne Stunde ins Bett sollte. Aber wer weiß, was da noch so kommt. Auf den ersten Metern begann es ein wenig zu tröpfeln. Die nasse Fahrbahn, die nagelneuen Reifen und die vollgepackten Moppeds mahnten uns zur Ruhe. Wir cruisten also gemütlich in Richtung A7, welche wir dann bei Gollhofen enterten und für laaaange Zeit nicht mehr verließen.

Das Wetter blieb heute wechselhaft. Anfangs tröpfelte es, dann wurde es trocken. Den ersten Tankstopp zogen wir ein wenig vor, da es begann wie aus Eimern zu schütten. Die neuen Regenklamotten konnten dann gleich mal beweisen, dass sie 1. passen – ja ich hatte meine tatsächlich nicht einmal anprobiert – und 2. dicht sind. Beides konnten wir positiv beantworten. Nach gut 150 km im Dauerregen ließ auch dieser wieder nach und wir konnten die Regenkleidung im Fahrtwind trocknen, um sie beim nächsten Tankstopp wieder zu verpacken. 100 km vor Hamburg durften wir dann ein wenig im Stau stehen – und schon war das Navi nicht mehr so überzeugt davon, dass es uns 13 Uhr als Ankunftszeit genannt hatte. Die letzten km auf der A7 in Richtung Kiel zogen sich im Baustellen Stop and Go, bevor wir auf die A215 abbogen und nochmal kräftig am Gashahn ziehen konnten. Kurz nach 16 Uhr kamen wir in Kiel an und suchten uns erstmal wieder eine Tankstelle und einen Supermarkt, um noch etwas zum Abendessen auf der Fähre zu kaufen. Moppeds vollgetankt, Trinkrucksäcke aufgefüllt und Essen im Tankrucksack – so ausgestattet steuerten wir den Schwedenkai an und reihten uns in die Schlange der Wartenden. Die Verladung hatte bereits kurz vor 17 Uhr begonnen und so konnten wir nach kurzer Wartezeit unsere Kräder in den Bauch der Fähre lenken.

Schnell alles Nötige abgeladen und die Bikes verzurrt (1. Gang, Seitenständer, Spanngurt übern Sitz). Eine nette Dame erklärte uns, wie wir unsere Kabine finden und schon hatten wir unsere Dreier Luxuskabine mit Meerblick bezogen. Raus aus den Moppedklamotten, rein in was Leichtes, den Foto gepackt und ab aufs Sonnendeck. Überpünktlich um 18:40 Uhr machte die Stena Scandinavica die Leinen los und tuckerte im Rückwärtsgang aus dem Kieler Hafenbecken. Sah es, als wir auf die Fähre fuhren noch nach einem regnerischen Abend aus, überraschte uns das Wetter beim Ablegen mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Ich nutze das Wetter und die Gelegenheit für ein paar Spielereien mit der Kamera, bevor wir uns zum Essen auf die Kabine zurückzogen.