Schottland 2019 – Tag 11 & 12 – Pause in Drumnadrochit (Loch Ness) – 234km

Ich wache um kurz nach 6 Uhr auf und mein erster Blick geht an die Zeltplane – trocken – wir sollten abbauen für heute ist Regen vorhergesagt. Das nächste mal denke ich darüber nach als ich den Wecker um kurz nach 7 Uhr zum zweiten mal ausmache. Es ist immer noch trocken, während ich mit Anja beratschlage was wir machen – frühstücken oder abbauen – fängt es an zu regnen. Damit ist die Entscheidung gefallen. Wir frühstücken heute drinnen und lassen uns Zeit. Anja geht erstmal duschen und ich mach ein wenig Platz im Zelt. Es hört währenddessen wieder auf zu regnen, scheint auch heute „very cheangeable“ zu sein das Wetter. Bis Anja wiederkommt habe ich Tee gekocht und die Rühreier fast fertig. Das Zelt trocknet tatsächlich fast ab bis wir gegessen haben und das andere Zeug verpackt ist. Die Strecke heute dürfte relativ unspektakulär werden laut den Infos von Peter und Simone.

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Wir starten erstmal noch zum Leuchtturm und laufen dort eine kleine Runde. Wenn man schonmal am nördlichsten Ende vom schottischen „Mainland“ ist. Wie ist das eigentlich mit dem Begriff Festland? Ab wann ist eine Insel Festland? Und ist nicht alles Festland eigentlich auch eine Insel? Das wechselhafte Wetter beendet unsere Gedankengänge am Leuchtturm. Wir setzen den Helm als Regenschutz auf und fahren los. Die Route führt uns heute auf etwas größeren Straßen an der Küste entlang in Richtung Süden. Die Küstenlinie ist grün und relativ flach. Ab und an gibt es ein paar felsige Abschnitte. Wir kommen an mehreren Schlössern vorbei, halten für Fotostopps, aber können uns nicht durchringen auch in eines hineinzugehen und es anzusehen. Sind wir oberflächliche Besucher des Landes? Eine Frage die mich heute längere Zeit beschäftigt. Keine Führung in einer Brennerei, kein Schloss besichtigt, nicht mit dem Boot auf die Orkneys gefahren, am Glenfinnan Viadukt einfach vorbeigezogen. Unsere Motorradreisen haben den Fokus auf dem „erfahren“ des Landes. Wir haben auch beschlossen in Edinburgh keinen Pausentag einzulegen um die Stadt anzusehen. Wir wollen lieber mal einen 3-4 Tages Städtetrip nach Edinburgh machen um mehr Zeit zu haben und nicht die Motorräder dabei zu haben. So schön dieses Fortbewegungsmittel ist, manchmal ist es auch störend. Man kann das Gepäck nicht immer sinnvoll sichern und man hat Moppedklamotten an und die sind nicht unbedingt der Hit zum wandern. Man sollte Länder auf verschiedene Arten bereisen um sie auch von verschiedenen Seiten kennenzulernen.

Oberflächlich sind wir nicht habe ich für mich beschlossen. Und genau deshalb gönnen wir uns auch was in einem lokalen Cafe. Heiße Schokolade, Cappuccino und dazu Cheese Cone, Schokoladenkuchen und hausgemachte Pralinen. Alles ein Gedicht, aber dann fast ein wenig zu viel Süßes. Wir sitzen hier über eine Stunde und lassen es uns gut gehen. Im weiteren Verlauf der heutigen Route stoppen wir noch kurz am Dunrobin Castle und an der Glenmorangie Destillerie. Hier kaufe ich dann noch eine kleine (10cl) Flasche Whiskey weil wir den ja doch mal probieren sollten wenn wir hier schon im Land des Whiskeys sind.

Die Straßen um Inverness sind groß und gut befahren. In Inverness selbst biege ich einmal falsch ab und wir brauchen ein wenig um den richtigen Weg raus wieder zu finden. Am Loch Ness gibt es noch einen kurzen Fotostopp bevor wir im Coop in Drumnadrochit fürs Abendessen einkaufen. Wir haben uns für die nächsten zwei Nächte im Kilmichael Bed and Breakfast ein Zimmer gesichert. Morgen legen wir einen Tag gammeln ein. Mir tun die Arme weh, der Bluterguss am Knie ist auch deutlich spür- und sichtbar und wir sind ja schließlich auch im Urlaub. Die Dame des Hauses macht klare Ansagen. Frühstück gibt es nicht VON / BIS, sondern UM 8:30 Uhr. Das Zimmer ist geräumig und die Motorräder parken hinterm Haus auf dem großzügigen Grundstück. Abends vespern wir noch ein bisschen Käse und Brot bevor wir erschöpft im weichen warmen Bett einschlafen.

Unseren Pausentag beginnen wir mit einem „kontinentalen Frühstück“. So ein echtes englisches Frühstück fehlt uns immer noch. Es gibt hier aber selbstgemachte Marmelade und selbstgemachten Joghurt und beides ist megalecker. Wir freuen uns schon aufs zweite mal Frühstücken hier. Den Tag verbringen wir weitestgehend im Bett. Die Motorräder bekommen noch ein wenig Liebe. Elli kriegt den Blinker wieder mit Gaffa tape angeklebt und an beiden Maschinen muss die Kette justiert werden. Das Wifi nutze ich um die ersten Teilebestellungen für kommende Wartung und Reparaturen zu tätigen. So werden uns zuhause schon einige Päckchen erwarten. Für 18 Uhr haben wir uns einen Tisch im Fiddler’s Highland Restaurant reserviert. Mal sehen was wir heute typisches auf der Karte finden.

Soderla, zurück vom Essen sind wir nur begrenzt überzeugt von der Location. Das zweierlei vom Lamm welches ich hatte war lecker, Anjas Hühnchenfilet auf Haggis mit Kartoffelbrei war angebrannt und hat relativ fad geschmeckt. Der Lemon/Ginger Cheescake war dafür sehr lecker. Den angekündigten Naturalrabatt in Form zweier freier Getränke für „early bird reservations“ haben wir nicht erhalten. Wenn wir nochmal in Drumnadrochit wären würden wir das Fiddler’s Restaurant nicht noch einmal aufsuchen, das Fiddler’s Cafe nebenan wo es Fish and Chips gibt würden wir vorziehen. Mehr Auswahl hat man hier fussläufig nicht zur Verfügung. Anja liegt jetzt noch in der heißen Badewanne und ich überlege ob ich das auch noch mache. Die Entspannung tut den Muskeln sicherlich gut. Morgen soll es dann bis in den Cairngorms National Park gehen.

Schottland 2019 – Tag 5 – 190 km – Kilwinning

Wir hatten eine unruhige Nacht, es hat gestürmt und viel geregnet. Zweimal bin ich aufgewacht und habe die Abspannungen des Zeltes geprüft (na gut, ich hab es nur per Gehör getan…aber immerhin). Um kurz vor 7 Uhr waren wir beide wach. Anja ging duschen und ich baute fürs Frühstück auf. Direkt vor unserem Zelt, neben ein paar Sträuchern fielen sofort hunderte kleine Mücken über mich her. Also stellte ich Tisch und Stühle mitten auf dem Platz auf. Hier wehte ein wenig Wind und schon waren deutlich weniger Mücken da. Zum Frühstück gab es wieder Rühreier, Gurke, Brot und Brioche. Nachdem wir gut gesättigt waren, begannen wir zu packen. Wir wurden durch einen kurzen Regenschauer unterbrochen und fluchten weil nun alles wieder nass war. Aber auch das nahm ein Ende und so waren wir um 10:30 startklar.

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Unser Weg führte uns erstmal noch ein Stück gen Süden nach Port Logan. Eine kleine Hafenstadt mit einigen wenigen Booten die bei Ebbe auf dem Sand liegen. Wir schnappten uns die Kameras aus und gingen ein bisschen knipsen. Nach gut 30 Minuten packten wir wieder zusammen und machten uns auf den Weg in Richtung Norden. Es gab heute keine nennenswerten Pois, welche wir gezielt anfahren wollten. Wir ließen uns einfach so treiben und genossen die kleinen Straßen mit unzähligen Kurven. Und immer noch sind die Straßen zu den Äckern und Grundstücken mit Zäunen, Mauern oder einer Hecke begrenzt. Dies hat zur Folge, dass die Straßen oftmals zwischen Zweien dieser Begrenzungen verlaufen. Wenn man nun im Auto sitzt sieht man kilometerlang nur die Mauer an der man gerade entlangfährt, da sind wir auf dem Motorrad schon flexibler und haben einfach den schöneren Ausblick.

Außerdem ging mir heute ein Licht auf, was die Straßenbezeichnungen angeht. Es gibt A und B Straßen welche dann etweder durch 2,3 oder 4-stellige Zahlen ergänzt werden. A = Hauptstrassen, B= Nebenstraßen; je mehr Stellen die Zahl hat, desto kleiner die Straße -> z.B. B6365 einspurige Nebenstraße; A75 teilweise zweispurige Hauptverbindungsstrecke.
Wir drehten immer wieder ab von der Küste, um dann in einem Bogen doch wieder an selbige zu fahren. In Girvan machten wir am Hafen einen Fotostopp, nutzten gleich noch die öffentlichen Toiletten und legten noch einen Stopp an einem Fish & Chips Imbiss ein. Wir bestellen Double Fish & Chips with Garlic Mayo und bereuten, dass wir die „double“ Portion genommen haben. Die normale hätte locker gereicht. Aber was bezahlt ist, wird auch gegessen. Während wir im Imbiss saßen, begann es zu Regnen. Nach dem Essen starteten wir vorerst noch ohne Regenzeugs überzuziehen. Ein paar Kilometer weiter korrigierten wir das und warfen uns in Schale. So dick eingepackt machte das Fahren aber nur noch begrenzt Spass und der Regen wurde auch nicht weniger. Wir entschieden uns kurz vor Kilmarnock dazu, den Tag zu beenden und eine feste Unterkunft zu suchen.

In ganz Kilmarnock fand ich aber kein Bed and Breakfeast. Also stoppten wir kurz, um mit dem Smartphone auf Booking.com etwas zu suchen.
5 Minuten später hatten wir uns ein nettes Zimmer im Nethermains House in Kilwinning reserviert und fuhren auf direktem Weg dorthin.
Die Hausdame war sichtlich erfreut darüber, Motorradfahrer beherbergen zu dürfen, sie erzählte uns auch sogleich, dass sie in jüngeren Jahren mit dem Motorrad in ganz Europa unterwegs war. Wir nahmen ihren Tipp für eine gute Location zum Abendessen dankbar an und sie reservierte für uns einen Tisch im The Corner House.
Nach einem kurzen Fussmarsch waren wir um 19 Uhr dann dort und konnten uns fast nicht entscheiden was wir essen sollten. Als Vorspeise nahmen wir gemeinsam fritiertes Haggis. Diese schottische Spezialität sollte man mal probiert haben. Unser Fazit war einstimmig -> sehr lecker!!!
Anja entschied sich für Steakfleisch welches Gulasch-ähnlich zubereitet als Pie kam und ich blieb bei einem Burger mit Zwiebelringen und Pommes.

Nachdem wir dann mit MRS (Maximale Ranzen Spannung) ausgestattet den Rückweg gemeistert hatten, musste noch die Kette an Anjas Motorrad nachgespannt werden. Diese schien ihr Lebensende nun unerfreulich schnell zu erreichen. Hatten wir sie doch erst vor 1200km gespannt. Vielleicht hätten wir sie doch noch vor der Reise wechseln sollen.
Gut gesättigt begaben wir uns um kurz vor 22 Uhr ins Bett und freuten uns aufs hoffentlich bessere Wetter morgen.