Slowenien 2020 – Tag 14 – 221 km – daheim

Ein letztes mal geht es zum üppigen Frühstücksbuffet in der Adam Bräu. Wir werden unsere Suite vermissen. Man müsste nur das eine Schlafzimmer gegen eine Küche austauschen und es wäre die perfekte Wohnung. Plan A war mit Sunny zusammen in Kroatien auf Hvar am Strand zu liegen. Plan B war Südnorwegen mit dem Mopped…. Plan „Keine Ahnung welcher Buchstabe“ war dann Slowenien mit dem Mopped und ein bisschen am Strand in Piran rumliegen. Jetzt waren wir zum Abschluss Wellnessen im Bayrischen Wald. Manchmal kanns so gehen. Aber wenn man flexibel ist und auf die Gegebenheiten reagiert dann bietet das Leben immer tolle Gelegenheiten. Man kann sich natürlich auch daheim aufs Sofa setzen und sagen es ist schlechtes Wetter gemeldet, da machts keinen Sinn fort zu fahren. Es liegt immer an einem selbst was man aus der Situation macht. Und heute ist nochmal Kaiserwetter angesagt für den Heimweg.

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Die Strecke heute ist nicht sonderlich lange – nur 220km sind zu genießen. Und wenn man dann am Ende einer Reise ist und das heimische Bett in Reichweite ist dann zieht’s einen trotz Fernweh irgendwie doch immer stärker heim. Ist irgendwie wie ein Magnet – je näher man diesem kommt desto stärker ist die Anziehung. So machen wir heute bei 4,5 Stunden Fahrtzeit nur gute 30 Minuten Pause. Kein Kuchenstopp mehr, nur ein Fotostopp – Je Heimatnäher man kommt desto bekannter wird das Umfeld und der Reiz zu halten und sich umzusehen sinkt. Viel vom Heimweg zu erzählen gibt es daher nicht.

Ein Fazit zu Slowenien bleibt mir aber noch. Slowenien wird total unterschätzt! Wir sind ja auch schon ein paarmal durchgefahren auf dem Weg nach Kroatien, Montenegro, Albanien, Kosovo, und einigen anderen vermeintlich reizvolleren weil ferneren Ländern. Slowenien wollten wir zwar auch schon länger mal intensiver befahren, aber irgendwie waren wir immer der Meinung dafür würde eine Woche locker reichen. Dem ist nicht so. Slowenien hat drei Weinbauregionen, es bietet Berge und Skipisten, Seen und Flüsse, ein Stück Küste am Meer und unglaublich nette gastfreundliche Menschen. Man taucht hier ein in die Kulinarik des Balkans und das quasi direkt vor der Haustüre. Erreichbar ist das Land in einem Tag wenn man die Arschbacken zusammenkneift oder aber bequem in zwei Tagen. Wir werden auf jeden Fall wieder kommen! Auch wenn es schade war dass wir diesen Aufenthalt verkürzt haben, so war es aufgrund des defekten Radlagers doch sinnvoll, auch wenn wir das zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht wussten.

Wie die Pläne für 2021 aussehen? Flexibel sein! Keine fixen Pläne machen sondern Ideen sammeln und dann spontan agieren. Danke fürs mitlesen und die Kommentare sowohl hier als auch in den Foren und auf Facebook, es ist schön Feedback zu bekommen! Und denkt immer dran das Bluesky Navi einzupacken und diesem auch zu folgen!

Slowenien 2020 – Tag 11-13 – 249 km – Bodenmais

Wieder sitzen wir in der ersten Schicht um 7 Uhr beim Frühstück. Es ist so schön ruhig wenn alle anderen noch schlafen 😉 Hab ich schon erwähnt dass wir nicht so die Herdentiere sind? Wir lassen es heute gemütlich angehen. Nach dem Frühstück legen wir uns nochmal paar Minuten hin bevor wir anfangen zu packen. Um 10 Uhr müssen wir allerdings aus dem Zimmer raus sein, was wir dann auch gerade so schaffen. In Berchtesgaden halten wir gleich nochmal an einem Edeka und füllen die Trinkrucksäcke bevor es dann so richtig auf die vorletzte Etappe geht. Anja ist wieder richtig Happy jetzt wo Aris Vorderrad wieder so flüssig rollt.

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Irgendwie stehe ich heute mit dem Garmin auf Kriegsfuss. Wir wollten vermeiden nochmal durch Österreich zu fahren, trotz der Planung um Österreich rum routet mich das Navi allerdings rein. Wir wenden also und fahren halt nach Schildern – voll retro – und überhaupt nicht meine Disziplin. Was sich liebt das neckt sich und so nutzt Anja neuerdings immer wieder die Sena Headsets um mir Ohrwürmer einzupflanzen. Heute fragt sie mich einfach aus dem nichts welcher Ohrwurm der letzten Tage wohl gerade so dominiert… Die Gummibärenbande oder Aus Böhmen kommt die Musik??? Zack… schon kommen die Gummibären aus Böhmen! Habt ihr das auch manchmal dass ihr den ganzen Tag das gleiche Lied im Helm singt? Alleine am Verkehrsaufkommen merkt man schon dass man wieder in Deutschland ist. Es ist wesentlich mehr los auf den Strassen.

Der Weg heute führt uns (weil das Garmin das so will – geplant wars anders) auch durch die Heimatstadt von Bea & Helle mit denen ich gestern noch in Kontakt stand. Helle hatte gemeint wenn wir länger in der Gegend sind könnten wir ja mal ne Runde zusammen drehen. Aber so mitten unter der Woche um die Mittagszeit macht das wenig Sinn. Die beiden haben gerade keinen Urlaub und wir wollen ja in die Adam Bräu. Wir machen noch ein Bild von der Burg zu Burghausen. Diese liegt oberhalb der Altstadt der gleichnamigen Stadt und ist mit 1051 Metern die längste Burganlage Europas. Sie gilt seit einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als „längste Burg der Welt“. Nächster Stopp – Kaffee und Kuchen. Wir ignorieren Madame Garmin und finden in Simbach am Inn einen Bäcker. Die Pfirsich-Käse-Sahnetorte sah besser aus als sie geschmeckt hat. Anja’s Trüffeltorte war aber sehr lecker. Ich lösche noch die Route auf der Madame Garmin und plane nochmal neu – Kurvenreich Strecke.

Der weitere Verlauf auf unserem Weg ist dann auch endlich wieder schöner zu fahren. Das Umplanen hat sich gelohnt. Um 15:30 kommen wir in Bodenmais an der Adam Bräu an und beziehen unser Zimmer… äh unsere Familiensuite… ich glaub ich hätte da am Telefon bissl besser zuhören müssen. Vorteil der Suite ist unser reservierter Privatparkplatz direkt vor unserer Terrasse. Vielleicht haben wir uns ein klein wenig zuviel Dekadenz gegönnt 😉 2 Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad, Toilette, Terasse und der reservierte Parkplatz… alleine drei 50 Zoll TVs haben wir in der Bude… naja wir wollen uns hier ja erholen, da ist das drum rum schon nicht ganz unwichtig. Wir setzen uns erstmal bei einem Ankunftsweizen und einem Prosecco vor die Rezeption und warten auf Anjas Schwester die eigentlich ja noch nichts davon weiß dass wir hier sind. Eigentlich… ich hab meine Technik nicht im Griff und bin zu exhibitionistisch im Social Media… zack schon hab ich meinen Standort geteilt und Sunny hats auch sofort gesehen. Das wars dann mit der Überraschung. Nachdem Sunny dann angekommen ist und ihr Zimmer bezogen hat geht es erstmal ne Runde Schwimmen und in die Sauna. Abends lassen wir uns dann das 6-Gänge Menü schmecken und fallen im Fresskoma ins Bett.

Am Mittwoch fallen wir extra bald aus dem Bett und quälen uns noch vor dem Frühstück ein bisschen auf dem Laufband. Das viele Essen muss ja auch irgendwie im Zaum gehalten werden. Sunnys Geburtstag verbringen wir mit Massageanwendungen, Schwimmen, Whirlpool, Slowenischen Chardonnay vom Weingut Kauran auf der Terasse und ein bisschen Wer-Bin-ich spielen. Die Zimmerer auf dem Hausdach neben unserem Hotel schauten ziemlich erstaunt als sie früh um 10 schon das erste Plopp einer Bierflasche vernahmen. Am Nachmittag prosteten sie uns vom Dach aus zu. Abends dann die gleiche „Quälerei“ wie am Vortag, es gab wieder 6 Gänge die es zu bezwingen galt.

Verzeiht dass es ein bisschen viel Essensbilder sind, aber wir haben quasi nix anderen gemacht außer essen, rumgammeln und schlafen. Am Donnerstag wollten wir eigentlich wandern gehen, aber uns verließ direkt nach dem Aufstehen die Lust. Also wieder eine Runde auf dem Laufband vor dem Frühstück und dann nochmal Massagen, Baden und rumgammeln. Nachmittags hievten wir unsere Hintern dann zumindest noch zu einem Cafè in Bodenmais. Aber auch nur um dort Kuchen zu essen 😉 Na was denkt ihr wohl was es abends gab? Richtig wieder 6-Gänge und ein Fresskoma. Insgesamt war der Aufenthalt in der Adam Bräu echt entspannt und schön.

Slowenien 2020 – Tag 10 – 27 km – Schönau am Königssee

Soderla, nachdem wir es uns gestern am Sonntag Abend gut gehen ließen erinnern wir uns beim frühstück wieder an die Probleme mit Aris Vorderrad. Wir sind direkt um 7 Uhr beim Frühstück (dieses wird in 2 Schichten dargeboten aufgrund der Covid 19 Regelungen). Anfangs sitzen wir alleine beim Essen, die anderen Gäste wollen wohl nicht so bald aus den Federn. Typisch Deutsch ist das Buffet nun wieder und wir vermissen Slowenien jetzt schon. Um 8 Uhr greife ich zum Telefon und rufe die erste Suzuki Werkstatt an ob sie die Radlager vorrätig haben. Leider hat er keine da und erzählt gleich noch dass Suzuki gerade Lieferschwierigkeiten hat weil sie ihr Lager umstrukturieren… beste Vorraussetzungen für uns. Zwei Markengebundene Werkstätten später habe ich weiterhin keine positive Info.
Um 8:45 sitzen wir dann auf den Motorrädern und fahren zu einer freien Werkstatt in 8 km Entfernung. Pünktlich zur Öffnung um 9 Uhr rollen wir auf den Hof des Motorrad Stadl Forler. Der Weg war für Anja nicht sonderlich angenehm. Das Lager kracht inzwischen ziemlich stark und wir sind extrem langsam und vorsichtig mit Warnblinkern ganz am Strassenrand gefahren um den Verkehr möglichst wenig zu behindern.

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Meister Forler trete ich als Bittsteller gegenüber und frage ihn ob er eine „schnelle Bezugsquelle“ für Radlager hat und uns evtl. beim Wechsel unterstützen kann. Er recherchiert kurz online und könnte mit Overnightexpress Lager bestellen. Aber erstmal will er wissen ob es wirklich die Lager sind. Die vorderen Bremsbeläge sind auch ziemlich an der Verschleissgrenze moniert er. (Ersatz liegt schon daheim und sollte direkt nach der Tour montiert werden). Also hängen wir Ari vorne auf und ich darf selbst das Rad ausbauen während er sich einen Kaffee gönnt und mit Anja schnakt. Die Diagnose am offenen Lager bestätigt dann – Totalschaden! Herr Forler schickt mich nun zu einem Elektrohändler ums Eck, ich soll dort mal fragen ob sie passende Lager da haben. Und tatsächlich Elektro-Mechanik Meisl hat passende 2RS Lager da. Ich könnt den Verkäufer knutschen! Nachdem Meister Forler bereits gemerkt hat dass ich viel selber schraube hat er den Einbau auch wieder mir überlassen und sich weiter mit Anja und Kaffee vergnügt. Er hatte aber ein Argusauge darauf dass ich nix falsch mach! VIELEN DANK HIER NOCHMAL AN HERRN FORLER für die unkomplizierte und schnelle Hilfe! Außerdem hatten wir eine sehr nette Unterhaltung auch über Reisen die er in jüngeren Jahren unternommen hatte. Wer hier mal vorbeikommt, das ist noch ein echter Meister der alten Schule der für Motorräder brennt und seine Arbeit aus Liebe macht!

Um ca. 11 Uhr starten wir dann bei Regen wieder und wissen noch nicht so recht was wir jetzt mit dem freien Tag anfangen sollen. Eigentlich wollte ich mit dem Boot über den Konigssee fahren und ein bisschen wandern. Aber es regnet und so haben wir darauf keine rechte Lust. Am Schaubergwerk in Berchtesgaden halten wir kurz an, nur um festzustellen dass der Parkplatz schon ziemlich voll ist und wir keine Lust auf Menschenansammlung haben (und das liegt jetzt nicht vorrangig an Corona sondern eher daran dass wir generell nicht so auf Menschenmengen stehen). Wir halten in Berchtesgaden noch an einem Supermarkt und decken uns mit Semmeln und Getränken ein. Ein Metzger und eine Käseladen liefern den Rest und so bepackt fahren wir wieder zurück zu unserer Unterkunft. Wir besinnen uns auf den eigentlichen Plan für diese Urlaubswochen und gammeln einfach den ganzen Nachmittag im Bett rum, das tut auch mal gut. Das Wetter bestätigt uns indem es einfach den ganzen Tag weiterregnet. Abends vespern wir noch die gekauften Sachen und freuen uns dass der Wetterbericht für den morgigen Fahrtag keinen Regen vorhersagt.

Slowenien 2020 – Tag 09 – 357km – Schönau am Königssee

Der Blick nach draußen führt dazu dass ich gleich wieder ins Bett will. Dichter Nebel, man sieht die Hand vor Augen kaum. Das hilft aber alles nix, wir haben heute gute 350km vor uns. Um 7:30 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Noch ein letztes Mail slowenische Hausmannskost. Alles was auf dem Tisch steht ist entweder von der Hausherrin selbst oder zumindest aus dem Dorf. Verschiedene geräucherte Würste, Schinken, Käse, Paprika, Tomaten, Marmeladen, Kuchen, Brot und Holunderschorle. Wir schlemmen uns durch und sind total zufrieden. Mit unserer Gastgeberin unterhalten wir uns übers Reisen. Sie hat ein Wohnmobil und ist auch viel im Balkan unterwegs. Sie liebt Serbien und Kroatien. Das Essen in Bosnien hat es ihr besonders angetan. Wir sind uns einige, die Balkanstaaten sind einfach die besten Reiseziele! Um 9 Uhr sitzen wir dann wehmütig auf den Motorrädern und verschwinden im Nebel.

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Ziemlich schnell stoppen wir noch an einem Spar Markt und decken uns mit Wasser ein. Es ist Sonntag und in Deutschland haben keine Geschäfte offen. Eine Bäckerei welche offen hat und Burek (fürs Abendessen heute) verkauft finden wir erst kurz vor der Grenze nach Österreich. Auf den letzten 60 km durch Slowenien zeigen die Strassen nochmal was dieses Land zu bieten hat. Kurven ohne Ende! Der Nebel hat sich bald verzogen und der blaue Himmel strahlt über uns. Das morgendliche Licht taucht alles in einen goldenen Glanz und die Natur tut ihr übriges zur tollen Stimmung – entweder leuchten die Blätter der Bäume oder z.B. die Äpfel in bunten Farben. Auf den Strassen ist nichts los und so können wir in vollen Zügen genießen. Die Drava führt uns dann irgendwann nach Österreich. Eigentlich wollen wir hier noch nicht weg, aber im Moment drängt sich diese Entscheidung leider auf. Die Grenze überqueren wir ohne Vorkommnisse.

In Österreich folgen wir immer mal wieder der Drau (hier heisst sie Drau, in Slowenien Drava). Die Strassen hier sind größer und unspektakulärer, das ist aber auch gut so da wir noch einiges an Kilometern vor uns haben. Die Hügel werden mehr zu Bergen und die Spitzen der Berge sind mit Schnee bedeckt. Unsere Entscheidung die Bahnverladung zu nutzen wird dadurch nur bestärkt. Solange wir in der Sonne fahren ist es angenehm, sobald man aber in den Schatten kommt fröstelt es uns. Bei einem Stopp an einer Tankstelle (Luftdruck prüfen und korrigieren, Tee und Kaffee trinken, Austreten) ziehe ich meine gefütterte Jacke unter die Moppedjacke. Anja hatte die Softshell bereits am Morgen druntergezogen. In Mallnitz landen wir auf dem Punkt! Um 13:50 Uhr geht der Zug. Wenn wir diesen verpasst hätten müssten wir eine Stunde warten. Wir sind um 13:36 da, genau zum Beginn der Verladung. Wir fahren als letzte auf den Zug und ein angestellter verzurrt unsere Moppeds. Sowohl dieser als auch der Ticketverkäufer fragen uns was wir hier wollen, es ist kalt und die Moppedsaison bereits vorbei. Dies können wir nicht so ganz nachvollziehen.

Letzter auf dem Zug zu sein hat den Vorteil dass man keinen Stress beim runterfahren hat. Moppedfahrer brauchen immer ein bisschen länger als Autofahrer da wir eben nicht nur einsteigen und losfahren müssen. Da ist es sehr angenehm dass kein ungeduldiges Auto hinter uns steht. Wir rollen gemütlich vom Zug und müssen feststellen dass die Entscheidung goldrichtig war mit diesem zu fahren. Selbst hier unten in Bad Gastein liegt Schnee! Wie hätte es erst auf 1700 Höhenmeter in Obertauern ausgesehen? Auf dem Weg zur Grenze legen wir noch einen Tankstopp ein und genießen die Sonne auf dem Rücken bei einer kurzen Pause. Dann geht es in Richtung Deutscher Grenze. Kurz vor dieser berichtet Anja dass Ari komisch kracht und der Lenker schlägt. Wir halten an und ich drehe eine kurze Testrunde. Erster Verdacht – Radlager vorne defekt. Da wir nur noch 15km bis zur Unterkunft haben beschließen wir langsam dorthin zu fahren. Wir überqueren die Grenze auf einer Ministrasse und rollen in den Hof unserer Unterkunft. Nach einer kurzen Führung durch die Gastwirtin schauen wir nochmal Anjas Mopped an. Die Diagnose Radlagerschaden verhärtet sich und wir überlegen wie wir das beste aus dieser Miesere machen. Also erstmal ein Radler aufgemacht und in den 28 Grad warmen Pool gesprungen.

Mit Blick auf die Schneebedeckten Berge überlegen wir uns zwei Pläne. Plan A: Freie Werkstatt in 5 km Entfernung – wenn diese am Montag morgen grünes Licht gibt bis Dienstag Mittag passende Lager zu haben und diese zu tauschen lassen wir das machen. Plan B: Wenn die Werkstatt das nicht schafft fahren wir auf Elli am Montag heim und direkt mit Auto und Hänger wieder her, laden Ari auf und fahren am Dienstag mit dem Gespann weiter in den bayrischen Wald.
Nach dem Baden geht es unter die heiße Dusche und dann gibt es die letzten Bureks zu essen. Wir sind noch gar nicht eingestellt auf deutsche Küche. Und die Herzlichkeit der Gastgeber in Slowenien vermissen wir auch schon. Das Land hat soviel zu bieten und wir konnten in dieser Woche nur einen Bruchteil davon erkunden. Trotzdem hatten wir viele tolle Erlebnisse und werden definitiv wieder kommen.

 

Slowenien 2020 – Tag 08 – 270km – Ogorevc

Nachdem wir eine Nacht über den ganzen Ideen geschlafen hatten und nochmal aktuelle Statistiken von Österreich gewälzt hatten. Stand die Entscheidung fest. Wir fahren nicht mehr über Cerkno, sondern wir fahren direkt von Ogorevc aus nach Deutschland. Wir legen auch keinen Zwischenstopp mehr in Österreich ein. Zu groß ist das Risiko dass wir in Quarantäne müssen. Wir suchen uns spontan ein Hotel in Berchtesgaden und buchen das für 2 Nächte um die Zeit bis zum Wellnesshotel zu überbrücken. Ich mach dazu noch ne quick’n’dirty Routenplanung um ne grobe Vorstellung von den Distanzen zu haben, dann gehen wir Frühstücken. Es regnet immer noch und so haben wir keine Eile loszukommen. Eine schöne Geste beim Auschecken ist das Lunchpaket welches wir bekommen – Apfel, Birne, 2 Flaschen Wasser. Um kurz nach 10 Uhr haben wir dann aufgepackt und der Regen hat auch aufgehört, so dass wir trocken vom Hof rollen.

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In Maribor tanken wir noch und das Navi ist scheinbar der Meinung dass ich irgendwas mit eingeplant habe wofür wir eine Vignette brauchen. Ich nehme den mautfreien Alternativvorschlag für den Routenbeginn an und wir haben 22km zusätzlich gewonnen – warum das allerdings ein Plus von 50 Minuten bedeuten soll erschliesst sich mir noch nicht. Die Strecke welche das Garmin ausgesucht hat ist wunderschön. Kleinste Strassen und kurvenreich ohne Ende, so schrauben wir uns Höhenmeter um Höhenmeter empor. Dann habe ich plötzlich eine leicht hysterische Stimme im Helm – IST DAS SCHNEE??? Ja, auf 1200 Höhenmetern hat es scheinbar geschneit. Wir fahren durch eine gezuckerte Landschaft. Die Griffheizung wird angeworfen und wir sind froh dass die Lüftungen an den Kombis bereits zu waren. Es ist saukalt! Glücklicherweise bewegen wir uns nicht lange auf dieser Höhe und kommen alsbald wieder in wärmere und tiefer gelegene Gefilde. Die Zeit zu km Bilanz erklärte sich im Nachgang durch die Strecke. Man kam einfach nicht schneller voran.

Am ersten geplanten POI des Tages – einem Kloster – sehen wir ein Cafè welches Strudlij anbietet. Wir können nicht widerstehen und wollen außerdem etwas warmes zu trinken. Für Anja gibt es Tee, für mich Latte Macchiato und für jeden ein Stück Strudlij. Nach dem Essen fahren wir weiter in Richtung Süden. In Novo Mesto wollen wir dann umdrehen und in Richtung Tagesziel wieder nach Norden fahren. Der Weg „runter“ ist relativ unspektakulär. Zügig zu fahrende Strassen, meist herrscht Unklarheit wie schnell wir gerade legal fahren dürfen, also passen wir uns an die Slowenen an. Der Herbst ist definitiv da. Die Bäume verfärben sich und die Wälder beginnen zu leuchten. In Novo Mesto machen wir Bilder der Stadt wie sie sich in der Krka spiegelt. Dann folgen wir dem Fluss bis zum Grad Otocec. Eine Burg welche ein Luxushotel beherbergt. Die Burg ist aufgrund der Bewirtschaftung in einem super Zustand und auch hier machen wir einige Bilder. Sie liegt malerisch auf einer Insel in der Krka.

Der weitere Streckenverlauf ist der Hammer. Es geht an Flüssen entlang durch Täler. Der Strassenbelag ist super, die Wege sind nicht zu klein und nicht zu gross, es herrscht quasi kein Verkehr und wir kommen mal wieder so richtig in einen Flow. Es ist wie fliegen. So vergehen die letzten km recht flott und trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit macht das Fahren noch Laune. Kurz vor der Unterkunft tanken wir nochmal voll und beschließen nichts zu Essen zu kaufen. Wir sind mal wieder satt. Das geht uns im Balkan irgendwie immer so dass wir nach ein paar Tagen mal eine Essenspause brauchen. Die Hausherrin der Tourist Farm Artisek begrüsst uns mit einem Birnen und einem Honigschnaps und spendiert uns noch eine Kanne mit selbstgemachter Holunderlimonade. Einfach lecker! Wir sind die einzigen Gäste und haben das ganze Haus für uns. Die Zimmer sind der Hammer und die Lage des Hauses auf einem Bergkamm ist einfach genial. Schade dass wir nicht länger bleiben.

Ich schaue noch die Moppeds durch – Öl nachfüllen, Ketten spannen, sonst fällt mir nichts ungewöhnliches auf, dann sitzen wir gemütlich im Zimmer, trinken Tee und essen noch das Obst aus dem Lunchpaket. Die Route für morgen sollte uns über Obertauern (1700 Höhenmeter) führen. Aber nachdem wir heute schon auf 1200 Meter Höhe Schnee gefunden hatten konsultieren wir ein paar Webcams und planen nochmal um. Die Tauernschleuse sollte uns helfen unterhalb der Schneefallgrenze zu bleiben. Anja begrüsst diese Planung sehr. Sie hatte schon Angst dass sie erfrieren muss. Das Bett ist kuschelig und so schlafen wir zügig ein.

Slowenien 2020 – Tag 07 – Citywalk Maribor

Als wir ausgeschlafen aufwachen regnet es. Es hatte irgendwann heute Nacht begonnen und sollte heute den Tag über auch nur ab und an kurze Regenpause geben laut Vorhersage. Uns ist das egal da wir heute eh nicht fahren wollen. Wir gammeln noch etwas im Bett und gehen um 9 Uhr Frühstücken. Eier mit Speck, Wurst und Käseauswahl, Aufbacksemmeln und Brot – solide, aber nix Besonderes. Nachdem wir satt sind verkriechen wir uns nochmal ins Bett. Ein bisschen Planung für morgen und wie wir das neue Covid19-Risikogebiet in Slowenien auf dem Weg nach Piran umfahren. Wir wollen ja schließlich noch an die Küste und ein bisschen baden. Um 13:44 fahren wir dann mit dem Bus nach Maribor rein. Vormittags hat es relativ wenig geregnet, just als wir im Bus sitzen fängt es wieder an. Als wir am Glavni trg aus dem Bus aussteigen legt es so richtig los. Also erstmal die Jacken anziehen, die Regenhülle über den Rucksack und die Duschhauben – ja die Duschhauben! Das wichtigste Equipment des Fotografen! – über die Kameras gezogen. Dann legen wir los.

Wir schauen uns das Rathaus an und laufen durch die Fussgängerzone zur Drava (Drau). Hier liegt das Lent Viertel durch welches wir wieder in die andere Richtung zurück laufen. Das Haus der alten Rebe (die älteste noch Früchte tragende Weinrebe der Welt) steht auch hier im Lent Viertel. Wir bestaunen diese und machen ein paar Bilder, dann geht es weiter am Ufer entlang. Wir wenden uns wieder in Richtung Innenstadt und sind alsbald am Denkmal des nationalen Befreiungsschlages (Spomenik) welches von den Slowenen den Spitznamen „Kojak“ bekommen hat. Während ich ein paar Bilder mache schlägt Anjas Spürnase an – da ist ein Kaffeehaus (Moja Kavarna) und die haben Kuchen – Ich stelle sofort das Fotografieren ein – eine Frau die Kuchen gewittert hat darf man nicht warten lassen. Happy Wife – happy life! Wir setzen uns innen in eine Ecke und der Kellner präsentiert uns die Kuchenauswahl. Anja nimmt ganz unerwartet eine Torte mit Marzipan, ich wähle zwei Teile *g* eine Nutellatorte und ein Glas mit dreierlei Schokoladen. Die Kuchen sind ein Gedicht, Kaffee und Tee auch. Als wir das Kaffeehaus wieder verlassen hat es aufgehört zu regnen und wir wollen in die Franziskaner Kirche. Leider ist diese abgeschlossen und so suchen wir das Stadtschloss. Wir umrunden dieses einmal bevor wir realisieren dass wir es bereits gefunden haben.

Nun schlendern wir etwas planlos durch die Gassen und lassen uns einfach treiben. Immer wieder gibt es kurze Schauer. Wir kaufen ein neues leeres Notizbuch für Anjas Reiseaufzeichnungen. Die Kathedrale besichtigen wir auch noch und haben ehrlich gesagt beide am nächsten Tag bereits vergessen wie es innen ausgesehen hat. Lediglich an eines erinnere ich mich noch deutlich. Es gibt hier „neue“ Buntglasfenster. Sie wurden zum Besuch des Papstes 1999 eingesetzt. So etwas sieht man nicht so häufig in Kirchen. Meist sind die Fenster sehr alt. Da wir bereits den Bus um 20:30 erwischen wollen gehen wir früh Abendessen. Wir haben ein bosnisches Gasthaus rausgesucht und beginnen dort bereits um 17:30 mit einem Weißwein den Tag ausklingen zu lassen. Ich wähle eine Grillplatte mit Cevapcici, Rasnici, Hähnchen und Brot. Anja entscheidet sich für Kalb mit einer Pflaumen-Refosk-soße und Spinatreis. Als Nachtisch gibt es mit Walnüssen gefüllte Pflaumen in einer süßen Rotweinsoße. Das Fresskoma ist uns garantiert. Pünktlich zur blauen Stunde verlassen wir das Restaurant und ziehen nochmal durch die Stadt. Gut dass die Hot Spots sehr kompakt liegen. Am Schloss fängt es wieder an zu regnen, deshalb laufen wir zügig zur Bushaltestelle und stellen uns in einem Hauseingang unter. Leider sind wir etwas früh dran und müssen noch einige Zeit auf den Bus warten.

Die Zeit bis der Bus kommt nutzen wir für Brainstorming für die weitere Routenplanung. Das RKI hat Tirol zum Risikotgebiet erklärt. Und es scheint sich abzuzeichnen dass noch mehr Regionen in Österreich in den nächsten Tagen dazukommen könnten. Da wir irgendwie nach Deutschland zurückkommen wollen ohne ein Risikogebiet zu durchfahren, was dazu führen würde dass wir in Quarantäne müssten, beschließen wir den Slowenien Aufenthalt abzukürzen und nach Deutschland zurückzufahren. Nachdem uns der Bus zurückgebracht hatte rufen wir noch im Wellnesshotel Adams Bräu in Bodenmais an und buchen ein Zimmer ab kommenden Dienstag. Anjas Schwester ist dort und wir wollen sie überraschen. Sie hat am Mittwoch Geburtstag und so können wir gemeinsam feiern. Wie wir die Route bis Dienstag gestalten ist noch völlig offen. Wir wissen ledigich dass es morgen nach Ogorevc geht.

Slowenien 2020 – Tag 06 – 202km – Maribor

Heute schlafen wir mal aus. Kein Wecker für den Sonnenaufgang klingelt. Um Punkt 8 Uhr begeben wir uns zum Frühstück welches uns heute Nina – Markos Frau zubereitet. Wir unterhalten uns viel mit ihr über Slowenien und über unsere Reisen. Sie stammt ursprünglich direkt aus Maribor und erzählt uns ein bisschen über die Stadt. Als Gastgeberin meint sie es viel zu gut mit Essen. Sie will immer gleich nachfüllen kaum dass wir etwas gegessen haben. Wir erklären ihr dass die Kinder in Deutschland dazu erzogen wurden „aufzuessen“ und hier eine andere Mentalität herrscht als in Slowenien. Wir Deutschen lassen nichts übrig und wir Essen wie wir arbeiten, zügig und gründlich. Das muss man sich wirklich abgewöhnen! Gesund ist das nicht. Nachdem wir unsere Sachen verpackt haben (nicht ohne noch eine Flasche Chardonnay in den Klamotten zu verstecken) fahren wir um 9:45 vom Weingut.

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Erst geht es noch durch die Weinberge, dann ziehen wir auf ein bisschen größeren Strassen nach Osten in Richtung kroatischer Grenze. Es läuft, wir sind mal wieder im Flow und die Strassen laden ein am Gashahn zu ziehen. An einem kleinen See stoppen wir und machen ein paar Bilder. Stress haben wir heute keinen, die Etappe ist überschaubar und morgen machen wir Pause in der Stadt.

Ich rolle gerade in einen kleinen Ort rein als ich plötzlich Polizisten vor mir sehe. Ich ahne böses. Wie schnell war ich am Ortsschild genau? Diese Frage wird mir alsbald exakt beantwortet. 76 km/h… exakt am Ortsschild. Das macht dann 2500 EUR… Glücklicherweise hat der Polizist noch eine zweite Messung vorgenommen welche ein paar Meter weiter widerspiegelt dass ich deutlich verzögert habe. 66 km/h ist die Geschwindigkeit für die ich abgestraft werde. Das macht dann 250 EUR für Slowenen und für Touristen 125 EUR. Erst glaube ich noch kurz an Nepp wegen dem direkt angebotenen Rabatt aber als dann am Laptop ganz offiziell ein Forumlar ausgefüllt wird, der Polizist noch mit dem Modelltyp des Motorades bei der Eingabe kämpft, ich digital unterschreiben muss und eine mehrseitige Quittung bekomme bin ich mir sicher das ist offiziell und korrekt. Die Frage ob ich Alkohol getrunken habe beantworte ich mit „Um diese Zeit doch noch nicht!“ und darf direkt auch noch einen Test machen. Glücklicherweise versuchen sie nicht auch noch für Anja zu kassieren die direkt hinter mir mit hereingerollt war. Ich verspreche noch ab sofort besser aufzupassen und wir zuckeln langsam weiter.

Der Fahrspass ist erstmal ein wenig gehemmt. Nicht weil ich mich so ärgere… sondern vielmehr weil wir erstmal nur noch auf die Geschwindigkeit achten. Penibel genau halten wir uns auf den nächsten Kilometern an jedes Schild. Die Slowenen hinter uns halten uns wahrscheinlich für bescheuert. Vor Ptuj legen wir nochmal einen Fotostopp ein, dann drehen wir eine kleine Runde durch die Hügel welche südlich von Ptuj liegen. Hier kommt dann auch wieder ein bisschen mehr Fahrspass auf und die Geschwindigkeiten werden wieder ein bisschen lockerer gehandhabt.

Zurück in Ptuj halten wir an der Altstadt und essen den restlichen Burek von gestern Abend, bevor wir uns noch einen Cappucino / Tee gönnen. Der Weg von Ptuj nach Maribor ist dann schön kurvig und kurzweilig. Es geht nochmal durch Weinberge und wir sehen hier fragmentierte Landwirtschaft mit Mini Maisäckern. Das sieht soviel schöner aus als die auf Effektivität getrimmten Landwirtschaftsflächen in manch anderen Gegenden. Bevor wir in unser Motel einchecken drehen wir noch eine kleine Runde in Maribor um einzukaufen. Am Lidl Parkplatz soll man fürs Parken bezahlen (Schranke), das sparen wir uns mit den Moppeds. Wir können über den Gehweg auf die Strasse rausfahren. Unser Motel (Schwarzer Baron) liegt ein bisschen außerhalb Maribors, bietet dafür aber einen großen Parkplatz. Für unseren Stadtbummel morgen gibt es eine Bushaltestelle direkt neben der Unterkunft. Wir checken ein und gammeln noch ein bisschen auf dem Zimmer. Wir waschen noch die Funktionsunterwäsche und begeben uns dann zu Wein und Pizza ins Restaurant. Vier Käse Pizza mit lokalem Slowenischem Käse. Hat nichts mit italienischer Pizza zu tun, war aber trotzdem sehr lecker! Der Hauswein (schon wieder ein Weisswein… wir sind hier einfach nicht in der Gegend für Rotwein) ist auch wieder lecker und so vergeht der Abend viel zu schnell und wir fallen mal wieder total erschöpft ins Bett.