Spanien Herbst 2021 – Tag09 – 301km – Malpica

Wir haben super geschlafen. Das Zimmer war so richtig schön warm. Draußen ist es neblig und wir haben das Frühstück für 9 Uhr vereinbart, also können wir lange liegen bleiben. Eigentlich sind wir immer noch gut gesättigt von den Schlemmereien gestern Abend, aber wir sind auch gespannt wie das Frühstück hier wohl so ausfällt. Um Punkt 9 Uhr betreten wir also die kleine Bar und schauen uns neugierig um. Die Hausherrin werkelt in der Küche, der Hausherr räumt Sachen her. Gepökeltes Fleisch, Manchego, Tomaten, selbstgemachte Marmeladen, 4 Sorten Brot (unter anderem Kastanien und Walnussbrot), frischgepresster Orangensaft, 3 verschiedene Kuchen, Rosinenbrötchen und Obst. Wir „fressen“ uns einmal quer durch… anders kann man da nicht mehr sagen. Alles selbst gemacht und alles schmeckt super lecker! Wir bedanken uns mehrfach und loben die Köchin/Bäckerin per Google Translate. Beim Check out kaufen wir noch ein kleines Küchenmesser von einer „Artisan“-Schmiede aus Taramundi 

Die Sonne ist inzwischen rausgekommen und hat den Nebel weitestgehend verdrängt. Der Himmel ist blau und die Luft ist noch sehr frisch als wir um 11:15 Uhr endlich loskommen. Auf den Strassen ist nichts los und wir können die Kurven so richtig genießen. Relativ zügig dringen wir wieder zur Küste vor. Überhaupt geht es heute im steten Wechsel ein bisschen weg vom Atlantik und dann wieder hin. Das Landschaftsbild wandelt sich dabei immer wieder. Mal steile Küste, mal Sandstrand, dann eine Flussmündung mit Wassermangel aufgrund der Ebbe. Auch die Häuser sehen anders aus als im Hinterland. Sie sind meist verputzt und nicht der blanke Stein wie in den Bergen. Überall stehen Zitronenbäume die unter der Last der Früchte ächzen. Wenn es dann wieder ein bisschen weg von der Küste geht prägen Eukalyptusbäume die Wälder. Man sieht hier auch deutlich dass aufgeforstet wurde. Die Bäume stehen sauber in Reih und Glied.

In einer Stadt halten wir an einer Fruteria und kaufen Mandarinen, später kommt noch ein Tankstopp und ein Espresso/Tee um die Toilette der Bar zu nutzen. Ansonsten gibt es nur kurze Fotostopps. Wir kommen trotz der Tatsache dass wir so spät gestartet sind super voran. Obwohl hier an der Küste viel bebaut ist darf man meist 70 oder sogar 90 km/h fahren. Eines fällt uns gegen Ende des Tages noch auf. Der Leerstand an Industriegebäuden aber auch an Wohnhäusern nimmt zu. Es tauchen immer wieder Ruinen auf, teilweise auch Rohbauten die einfach nicht zu Ende gebracht wurden.

Um 17:30 sind wir dann am Casa da Vasca Restaurant & Pension und checken ein. Das Zimmer ist relativ kalt, die Heizung läuft nicht und draußen pfeift der Wind. Wir machen uns gleich mal noch über die Suche nach einer Unterkunft in Santiago de Compostela für morgen Abend. Dabei verpassen wir wie die Sonne hinter der Landzunge links von uns versinkt und starten zu spät zu unserem Spaziergang mit den Kameras an der Küste entlang. Ich könnte mich in den Arsch beißen! Wir genießen die Stimmung am Wasser trotzdem noch ein wenig und sind froh über unsere Daunenjacken. Das Rauschen des Meeres und die brechenden Wellen haben eine ungemein beruhigende Wirkung auf uns. Bevor es um 20:30 zum Essen geht schauen wir nochmal kurz aufs Zimmer und fangen an zu schreiben. Unsere Unterkunft ist so nah am Meer dass wir die Brandung auch im Zimmer noch deutlich hören.

Als Vorspeise teilen wir uns Sardinen Baskischer Art – sauer salzig eingelegte Sardellen auf Käsescheiben mit einem Stück Tomate drauf dazu Öl und süße Baiser Brösel. Eine Geschmacksexplosion im Mund – erst BÄÄÄMMM Sauer Salzig und dann BÄÄÄMMM in die andere Geschmacksrichtung süß. Der Wahnsinn. Als Hauptgang habe ich Scampi/Wolfsbarsch Spieße mit Couscous und Anja mit Bacalao gefüllte Paprika in einer cremigen Tomatensoße. Postres fallen heute für uns aus. Wir sind froh mal nicht völlig überfressen zu sein. Frühstück lassen wir morgen auch ausfallen und gönnen uns erst unterwegs etwas. Als wir das Restaurant verlassen geht es hier erst richtig los. Um 21:30 füllt es sich langsam und die Leute beginnen zu bestellen. Für uns eher ungewohnte Zeiten um noch so richtig groß zu Essen. Wir kuscheln uns lieber ins Bett.

Unterkunft: Casa da Vasca

Spanien Herbst 2021 – Tag08 – 286km – San Martin de Oscos

Unser Rhythmus verschiebt sich immer mehr und irgendwie widerstrebt mir das. Um 8 Uhr ist es noch vollständig dunkel, das lässt uns früh kein bisschen in die Gänge kommen. Es passt ja eigentlich gut mit dem späten Abendessen der Spanier zusammen, aber der Mensch ist halt irgendwie ein Gewohnheitstier und ich/wir sind es gewohnt im Urlaub früh ins Bett zu gehen und früh in den Tag zu starten. Das Frühstück heute ist spanisch spartanisch. Baguette, Marmelade, irgendwas süßes und als Entgegenkommen für die nicht Spanier ein klein wenig Wurst und Käse. Es ist neblig und regnet, das ist auch nicht förderlich uns in Wallung zu bringen. Um 10:30 starten wir dann trotzdem warm und wasserdicht verpackt in den Tag.

Der Weg aus den Picos de Europa ist geprägt von dem Gedanken an nasses Laub auf den kurvigen Strassen. Dazu kommt die schlechte Sicht durch den Nebel. Wir können nur erahnen was uns an Ausblicken auf die Landschaft hier entgeht. In Cangas de Onis gibt es eine alte römische Brücke, ich nutze den Fotostopp um meine Brille vom Regen zu befreien und damit die Sicht wieder ein wenig zu verbessern.

Nun geht es auf eine größere Strasse und wir kommen immer wieder durch Dörfer und Städte. Die Ausblicke sind schön, aber nicht superlativ. Wir sind verwöhnt vom Wetter und den Picos gestern. Der Regen, der Nebel welcher sich nur langsam auflöst und die „gewöhnliche“ Gegend üben da wenig Reiz aus. Anja will mir etwas übers Sena Headset sagen, ich höre noch ein knacken und die ersten drei Buchstaben, dann ist es still in meinem Helm. Das Sena 10 EVO hat sich verabschiedet. Mal wieder… scheinbar darf man das Gerät nur im trocknen benutzen. Wir halten an und ich versuche es irgendwie wieder zur Arbeit zu überreden. Das Mikro funktioniert und Anja kann mich hören, aber die Kopfhöhrer bleiben stumm, ich höre weder Anja noch Ansagen vom Sena selbst. Nach 15 Minuten gebe ich entnervt auf. Dann eben wieder wie früher ohne Stimmen im Kopf… oder halt nur noch mit meinen Eigenen.

Wir fahren auf Oviedo zu als das zweite technische Gerät heute anfängt zu streiken – das Garmin Zumo 590LM meint mal wieder nicht meine geplante Route fahren zu müssen sondern eigene Ideen verwirklichen zu können. Die Neuberechnung der Route ist ausgeschalten, also dürfte das Gerät solche Ideen gar nicht bekommen… aber hier habe ich eine Fallback Lösung – Die Route ist immer noch als Track mit auf dem Gerät und so kann ich dieser Linie folgen. Durch eine Stadt wie Oviedo ist dies allerdings deutlich unbequemer als mit Abbiegehinweisen und Fahrspurassistent. Wie haben wir das eigentlich früher gemacht? So mit laminierten Landkarten in der Kartentasche…ohne die Möglichkeit in die Karte zu zoomen, Navi ansagen im Helm zu bekommen, den Hintermann einfach fragen zu können ob er die Ampel noch geschafft hat, vor einem Kreisverkehr dem Hintermann mitteilen zu können welche Ausfahrt man nimmt.
Da sind wir wieder beim Beginn des Tages. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und er gewöhnt sich schnell an angenehme Verbesserungen. Technische Geräte sind dazu da unser Leben leichter zu machen, den Fokus eigentlich mehr auf das Leben an sich richten zu können. Heute gelingt mir das nicht. Der Fokus liegt voll auf den technischen Geräten die nicht tun was sie sollen. Ich bin genervt von den Geräten und eigentlich noch viel mehr von mir selbst weil ich mich selbst so abhängig von eben diesen mache. Nach Oviedo fällt mein Blick eher zufällig auf meine Tankanzeige und ich stelle fest dass da noch eine Abhängigkeit ist. Die nächste Tankstelle nutzen wir für eine Pause. Anja sieht mir an wie genervt ich bin und umarmt mich erstmal einfach. Dann füttert sie mich mit frischer spanischer Mandarine während ich das Sena nochmal auf Werkseinstellungen zurücksetze. Siehe da es tut wieder was es soll. Das Zumo braucht 15 Minuten Überredungskunst, dann navigiert es auch wieder wie es soll. Und der Regen hat auch aufgehört.

Gefühlt beginnt der heutige Tag jetzt erst. Nach Oviedo biegen wir auf kleinere Strasse ab, haben wieder einen Ausblick und die Technik steht nicht mehr im Fokus. Trotzdem ist heute so ein Tag an dem man fährt um vorwärts zu kommen. Ich nehme mein Umfeld nur begrenzt wahr und der Genussfaktor ist beschränkt. Wir suchen nach einer Möglichkeit etwas warmes zu trinken, evtl was zu essen und uns ein bisschen aufzuwärmen. In einer Dorfbar werden wir fündig. Einige Einheimische spielen Karten, wir gönnen und Kaffee, Tee, was süßes und ein Bocadillo. Es macht Laune den Kartenspielern zu lauschen auch wenn wir nicht verstehen was sie mit Leidenschaft skandieren, aber es wirkt einfach Lebendig. Im Anschluss fahren wir durch Täler, folgen Flüssen, kommen an riesigen Industrieanlagen vorbei, überqueren noch einen Pass und mit eben dieser Überquerung wird die Laune schlagartig wieder gut. Warum das so ist… keine Ahnung. Vielleicht liegt es an dem Regenbogen welcher uns kräftig anleuchtet als wir den Puerto de Palo mit 1146 Höhenmetern überquert haben. An einem Stausee entdecken wir noch Mienenanlagen im Steilhang gegenüber. Spontan schießt mir Herr der Ringe in den Kopf, die Mienen von Moria…

Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserer heutigen Unterkunft. Und wir haben mal wieder einen Jackpot gezogen. Die Hausherren sprechen keinen einzigen Brocken Englisch. Wir verständigen uns mit Gesten, Nicken, Kopfschütteln, den paar Brocken Spanisch die wir inzwischen können und Google Translate – da war sie wieder die Technik die alles so bequem und einfach macht. Das Haus ist ein altes Herrenhaus welches liebevoll restauriert wurde. Der alte Charakter wurde dabei komplett erhalten. Man fühlt sich wie im Museum. Die Zimmer sind warm und wunderschön. Die Frage nach Cena y Desayuno wurde mit Si beantwortet und so sind wir um 20 Uhr in einem Gewölbekeller um Abend zu essen. Es gibt drei Gänge – Nudelsuppe, für Anja Rinderfilet mit Kartoffeln und für mich eine Platte mit Chorizo, Jamon, Huevas (Eier) und Kartoffeln, als Postres gibt es Dulce de Leche und Milchreis. Zum Niederknien genial das Essen! Vino Tinto de casa und Wasser sind obligatorisch, dann gibt es noch einen Selbstgebrannten und zwei Sorten Cider zum Probieren. Wir müssen uns nun leider von der illustren Gesellschaft trennen da wir sonst morgen nicht fahrtüchtig wären wenn es so weitergeht. Buenas noches!

Unterkunft: Cabeza da Vila

Spanien Herbst 2021 – Tag07 – 314km – Soto de Sajambre

Die Betten in unserem Hipster-Surfer-Hotel waren saugut und so haben wir perfekt geschlafen. Es ist noch stockfinster als wir aufwachen. Über Nacht war ziemlich starker Wind und es scheint ein wenig geregnet zu haben. Wir beschließen vor dem Frühstück noch eine Runde Yoga zu machen und nutzen dafür einen lustigen Kuppelförmigen Raum im Garten des Hotels. Die Idee hatten scheinbar nicht nur wir, aber wir waren die ersten und so ziehen die anderen wieder davon um uns nicht zu stören. Das Frühstück ist einfach, aber vollständig. Uns wird mal wieder das Bedürfnis nach Ruhe bewusst… hier geht es zu wie im Bienenstock. Nicht unsere Welt.

Um 10:15 Uhr starten wir auf „großen“ Strassen in Richtung Bilbao. Hier folgt das 1. Highlight des Tages, eine Fährüberfahrt. Was ist daran ein Highlight? Die Puente de Vizcaya ist eine von 8 verbliebenen Schwebefähren weltweit. Insgesamt wurden davon nur ca. 20 Stück gebaut weil der Aufwand im Vergleich zur Effektivität nicht gerechtfertigt war. Die Überfahrt kostet 1,35 pro Motorrad mit Fahrer. Eine riesige Stahlbrücke spannt sich über den Fluss und an dicken Drahtseilen hängt daran eine „Gondel“ auf welcher 8 Autos platz finden. Die Überfahrt geht so flott dass ich es fast nicht schaffe Bilder zu machen. Durch die Überfahrt spart man sich 20km Weg um/durch Bilbao.

Nun wird es öde. Wir fahren durch dicht bebautes Gebiet an der Küste. Die Strassen sind zwar relativ groß, aber wir kommen nur schleppend voran. An einem kleinen Obst/Gemüseladen halten wir und kaufen 4 frische spanische Mandarinen für 37 Cent. Dann kommen wir an eine ausladende Bucht in welcher viele Surfer im kalten Wasser sind und auf die perfekte Welle warten. Diese sind hier viel größer / intensiver als in Sopelo. Hier wirbelt es die Surfer auch richtig vom Brett wenn sie fallen. Wir sehen eine Weile zu und genießen die Ruhe und die Brandung. Wenn sich die Wellen brechen zaubert die Gischt kleine Regenbogen über dem rauen Meer.

Santander zu umfahren dauert eine Ewigkeit und ich zweifle schon an unserer Distanzplanung für heute. Um Die Städte gibt es viel Industrie am Meer. Sowohl Metallindustrie als auch Petrochemie nimmt viel Fläche ein. Bevor wir die Küste verlassen geht es nochmal für 5 Minuten in einen kleinen Naturpark (Oyambre). Dieser besteht eigentlich nur aus der Überflutungszone durch den Gezeitenhub des Meeres. Hier hat sich ein Sumpfgebiet gebildet welches von grünem niedrigwachsendem „Zeug“ überwuchert wird.
Wir biegen ab auf die N-621 – und der Wahnsinn beginnt! Kurven und eine Schlucht die einfach nur superlativ ist. Steile Felswände die schroff gen Himmel ragen und zwischendurch geht perfekter Asphalt mit wenig bis keinem Verkehr. Ein Traum. Wir reißen den Gashahn auf und grooven durch die Kurven. Nach vielen Kurven und Kilometern ziehen sich langsam die schroffen Felsen zurück und die Hänge werden flacher und bewaldet. Gold-gelb-rot in allen Herbstfarben leuchten die Berge um uns.

Es geht langsam aber sicher in die Höhe wir erklimmen einen Pass mit gut 1600 Höhenmeter und es wird merklich kalt. Der Ausblick ist grandios. Man muss hier nochmal deutlich die Verkehrsdichte erwähnen. Wir bewegen uns am Rand der Picos de Europa entlang und es ist hier nichts los. Gut wir sind außerhalb der Saison unterwegs und im Sommer sind hier sicherlich einige Urlauber zum Wandern unterwegs. Wenn man sich aber mal typische Motorradzeitschriften aus Deutschland her nimmt… die Picos de Europa sucht man da vergeblich. Die Dolomiten sind in jeder zweiten Ausgabe enthalten. Das liegt wohl an der Entfernung zu Deutschland. Nachdem wir den Pass überquert haben kommen wir zum Embalse de Riano einem gigantischen Stausee. Der Wasserstand ist zum Ende des Sommers deutlich unter Maximum. Auf dem sonst überfluteten Grund des Sees sind Strassen und Brücken zu sehen. Wir machen nochmal ein paar Fotostopps bevor es zum Endspurt für heute geht.

Jetzt fahren wir direkt in die Picos rein. Es geht nochmal über einen kleineren Pass mit ca. 1200 Höhenmetern und dann wieder in eine Schlucht. Der Ausblick in die Schlucht erinnert an Filmkulissen. Für die letzten 4km geht es dann nach rechts weg in ein kleines Nebental. Wir fahren die einspurige Strasse in die Sackgasse ganz gemütlich. Pedro begrüsst uns freundlich auf spanisch und wir können die Motorräder direkt vor der Unterkunft stehen lassen. Beim Check in stellen wir fest dass Pedro kein Wort Englisch spricht, aber das nötige lässt sich auch mit Zeichensprache klären – Hand zum Mund -> Essen, Uhrzeiten auf Zettel 20:30 Uhr / 9:00 Uhr. Somit wäre Abendessen und Frühstück auch geklärt. Wir bringen unser Zeugs aufs Zimmer, ziehen uns um und laufen noch eine Runde durch den kleinen Ort. Überall sind Freiluftmuseumartige Stationen mit Schildern die erklären was hier war/ist. Leider alles auf spanisch. Ein bisschen Englisch wäre schön gewesen, man merkt aber auch hier deutlich dass wenige Besucher kommen welche nicht aus Spanien sind.

Nach der Laufrunde gibt es Essen. Nudelsuppe, Spargel, Hähnchenschlegel in Soße mit Pommes, Schweinefleisch Natur mit Pommes und eine Zitronenmousse. Dazu leeren wir eine Flasche Vino Tinto. Nach dem Essen ist dann noch Routenplanung und Zimmersuche angesagt. Geschrieben haben wir beide nichts mehr. Wir waren einfach zu müde. Der Vollmond scheint direkt zum Fenster rein und wir schlummern mit diesem Anblick ein.

Unterkunft: Hostal Peña Santa

Spanien Herbst 2021 – Tag06 – 214km – Sopela

Wir starten den Tag heute mal ganz anders… wir hatten es uns schon häufiger vorgenommen, oder hinterher gedacht, aber eigentlich noch nie so richtig durchgezogen. Kein Frühstück im Hotel, aber auch nicht sofort losfahren. Da wir erst um 12 Uhr auschecken müssen haben wir genügend Luft um früh nochmal eine Runde durch Pamplona zu drehen und in Ruhe Frühstücken zu gehen. Wir finden die Cafeteria & Panderia la Belena welche fast voll mit einheimischen ist. Das ist ein gutes Zeichen und so schnappen wir uns den letzten Tisch. Wir gönnen uns Espresso, Tee, frisch gepressten Orangensaft und zu futtern gibt es Tortilla mit Thunfisch und Salat gefüllt, Tortilla mit Schinken und ein Croissant. Wir schauen dem geschäftigen Treiben ums Rathaus zu und genießen den Morgen und die Wärme. Es tut so gut Ende Oktober noch bei deutlich über 20 Grad draußen sitzen zu können. Nach dem ausgiebigen Frühstück schlendern wir zurück zum Hotel, packen und ziehen uns an. Als wir die Motorräder aus der Tiefgarage holen wollen sind gerade ein Porsche und ein Ferrari auch dabei in den Tag zu starten. Wir haben selten Menschen gesehen die Fahrzeuge so dermaßen vorsichtig bewegt haben… Ja die zwei Teile sind sackteuer… aber es sind immer noch Autos und wenn man nicht fahren kann dann sollte man es vielleicht mal mit nem 3er Golf versuchen. Oder die Hochleistungsboliden einfach dort bewegen wo sie hingehören – auf einer Rennstrecke und nicht in einem Parkhaus in Pamplona. Vor dem Hotel halten wir nochmal kurz und packen unsere Taschen ein, dann geht es los.

 

Das Garmin beschließt mal wieder zu streiken… ist ja auch nicht wichtig wie man aus den Gassen der Stadt rauskommt. Ich schände so vor mich hin und Anja darf das ganze übers Sena mit anhören. Als wir dann endlich aus Pamplona raus sind geht es erstmal flott dahin, zu unserer Linken ein Bergkamm über welchen sich Wolken quetschen. Entlang des Hanges entsteht ein relativ heftiger Fallwind welchen wir dann unten voll von der linken Seite abkriegen. Das optische Schauspiel ist es aber Wert den Wind beim fahren immer wieder abzukriegen. Wir ziehen parallel zur A-10 entlang bis rechts von uns der Parque Natural de Aralar auftaucht. Diese grünen Flecken auf der Landkarte haben wir irgendwie lieb gewonnen und so haben wir auch hier die Route durchgelegt. Wieder mal eine goldrichtige Entscheidung. Kurve reiht sich an Kurve und es geht ein wenig auf und ab. So macht das Spass.

Überhaupt muss man es mal wieder deutlich sagen… wir sind zum Moppedfahren hier. Sprich Prio1 ist es zu fahren. Manchmal denken wir uns dass wir zu wenig Zeit ins Sightseeing investieren, aber wir sind nicht zum Wandern hier, sondern eben zum Fahren. Wir wollen einen Teil des Landes Erfahren – im wahrsten Sinne des Wortes. Im folgenden Streckenverlauf erfahren wir einiges über die Gegend indem wir einfach nur die Augen offen halten und uns umsehen. Wir fahren durch Täler und wechseln diese immer mal wieder. Es ist hier relativ viel Bebaut. Die Wohngebäude sind meist 7 bis 9 Stockwerke hoch und von diesen Gebäuden hat es Unmengen. Wir wundern uns noch was hier – gefühlt im Nirgendwo –  so viele Menschen arbeiten, dann fahren wir an der Erklärung vorbei. Metallindustrie! Wie in Österreich z.B. um den Erzberg liegen im Verlauf der Täler lange Hallen in welchen sich Walzwerke befinden. Um die Metallindustrie haben sich dann auch viele von Ihr abhängige Branchen angesiedelt. Es gibt so einige alte Hallen welche sichtbar verfallen, aber insgesamt sieht die Gegend aktiv aus. Vom Wohnraum her nehmen wir fast keinen Leerstand wahr.

Wir sind heute spät gestartet, haben aber auch wenig km geplant und so liegen wir gut in der Zeit. Wir liegen in einer der Industriestädte einen Stopp ein und setzen uns zu den vielen Rentnern in den Außenbereich einer Cafeteria. Das Wetter ist genial und wir gönnen uns für schlappe 4,50 EUR einen Espresso, einen Tee, ein Schokocroissant und ein kleines Baguette mit Jamon (Schinken). Life is good!!!

Der Nächste Naturpark – Reserva Natural del Urdaibai liegt direkt am Atlantik um eine tief ins Landesinnere einschneidende Bucht. Wir halten einige Male um Bilder zu machen und genießen den Geruch von gegrilltem Fisch. Wir müssen unbedingt Fisch essen gehen… am besten noch heute…falls es sich ergibt. Eine Temperaturanzeige am Fahrbahnrand zeigt 28 Grad an und macht uns bewusst warum wir schwitzen. Nun geht es an der schroffen Küste entlang zu einem Aussichtspunkt auf eine kleine Kirche die auf einer vorgelagerten Landzunge steht. Wir halten einige Male mit der Hoffnung einen Blick zu erhaschen an bevor dir doch endgültig auf den Touriparkplatz fahren. Ich laufe zuerst hinab zum Aussichtspunkt und habe noch eine bahnbrechende Idee für Anja. Der Abstieg ist sausteil und sie hat mit den 6cm Absatz ihrer Daytona Stiefel gerade bei Gefälle immer wieder zu kämpfen – also einfach mal schnell die Lowa Lighthiker rausgeholt und schon läuft es sich viel bequemer. Warum komm ich eigentlich immer für Anja auf tolle Ideen? Selber laufe ich die Strecke aber in Moppedstiefeln und mit Motorradjacke? Ich bin klatschnassgeschwitzt als ich die Küste wieder hochgeklettert bin.

Nun sind es nur noch ca. 35km bis zur heutigen Unterkunft. Wir sehen immer wieder Sandstrände und Hochhäuser in den Buchten hinter den Stränden. Die Spanier bauen scheinbar echt gerne in die Höhe. Dann sind wir endlich am Hotel und checken ein. Ein totaler Surfer-Hipster Schuppen. Die Karte vom Restaurant spricht uns nciht wirklich an. Burger und Veganes Zeugs. Das verbinden wir einfach nicht mit Spanien… Hummus will ich hier nicht essen. Wir packen die Kameras und laufen zum Strand. Auf dem Weg gesellen sich immer mehr Surfer mit Ihren Brettern unterm Arm zu uns und auch Paraglider hasten zur Steilküste. Die Thermik hier erlaubt es aus dem Stand zu starten und direkt aufzusteigen. Echt krass was da so möglich ist. Im Wasser sind massenhaft Surfer und warten auf die perfekte Welle um sie zu reiten. Wir ziehen die Schuhe aus und laufen durch den kalten Sand bis an die Linie wo er nass wird. Hier verweilen wir ein wenig, verteidigen unsere Schuhe gegen die herumlaufenden Hunde und machen Fotos von den Surfern. Irgendwann will ich aber näher ran und es ist mir egal dass ich nasse Füsse krieg.

Wir bleiben bis es fast dunkel ist. Der Sonnenuntergang war traumhaft und die Natur hat mal wieder alles gegeben. Und nochmal: LIFE IS GOOD!!! Zurück im Hotel lassen wir die Kameras zurück und laufen los um uns eine Bar zu suchen in der wir spanisches Essen kriegen. Wir finden Bäcker, einen Churros Stand und ein paar Bars die uns auf den ersten Blick nicht ansprechen bevor wir nach ca. 1,6km die Cervecera El Molino finden. Wir stellen uns in der Schlange am Tresen an und bestellen als wir dran sind 2 Vino Tinto, einmal Patatas Fritas Case, Croquetas Caseras und Pimientos Carne. Anja setzt sich mit dem Wein schonmal an einen Tisch im Außenbereich, ich warte auf das Essen und geselle mich als ich es habe zu ihr. So stellen wir uns Essen in Spanien vor. Die Portionen sind üppig und so brauchen wir nichts nachordern sondern sind gut gesättigt und treten den Rückweg an. Leider kommen wir nicht mehr an dem Churros Stand vorbei. Irgendwie sind wir heute leicht außer Takt gekommen. Bis wir mit der Routenplanung für morgen, der Unterkunftssuche, Duschen und Bericht schreiben fertig sind ist es 1 Uhr. Aber wir können ja auch bis 7:30 schlafen. Es wird eh erst um 8 hell und Frühstück gibt es erst ab 8:30 Uhr.

Unterkunft: Moana Eco Surf House

Spanien Herbst 2021 – Tag05 – 265km – Pamplona

Das Essen gestern war klasse – was erwartet man für 14,95 EUR inklusive Wasser und Hauswein (1 Flasche für zwei)? Wir haben uns für das Menue de Dias entschieden. Anja hatte Melone mit Schinken, Thunfisch und Erbsenpüree und Schokokuchen, ich hatte Spiegeleier mit Schinken und frittierten Kartoffeln, Rindersteak mit Pommes und dann noch einen Hüttenkäse-flan. Und es war super! Wir waren echt positiv überrascht! Nach dem Essen und der Flasche Rotwein sind wir sofort in einen tiefen Schlaf gefallen. Auch das Frühstücksbuffet hat uns überrascht und mit seiner Vielfalt (für Spanien) beeindruckt. Vorher sind wir aber nicht so recht in die Gänge gekommen, man merkt wie weit westlich wir schon sind. Die Sonne geht echt spät auf und wir brauchen früh ewig bis wir in die Gänge kommen. Um kurz nach 10 Uhr verlassen wir dann endlich die Tiefgarage und fahren in Richtung Pamplona. Naja nicht direkt, erstmal noch weiter raus aus den Pyrenäen und dann geht es weiter in Richtung Westen.

In Spanien sind die Strassen mit Nummern versehen – zweistellige Strassen sind gross und flott zu befahren (so wie Bundestsrassen in D), dreistellige sind wie typische Staatsstrassen in D und vierstellige sind eher so Kategorie Flurbereinigungsweg. Heute geht es viel auf vierstelligen Strassen dahin. Wir lieben diese Kategorie Wege. Wir sind nahezu alleine unterwegs, es geht wieder hinauf in Berge und wir genießen die Ausblicke welche sich im „Morgenlicht“ (so um 11 Uhr…) ergeben. Wir überqueren einen Pass auf gut 1300 Höhenmetern und haben schon so einige Fotostopps hinter uns. Die Aha Effekte bei den Ausblicken auf die Pyrenäen hinter uns sind der Wahnsinn! Die Hänge der Bergkämme sind geprägt von Nadelbäumen und zwischendrin sticht immer mal wieder ein leuchtend gefärbter Laubbaum raus und zieht unseren Blick auf sich.

Dann gibt es zu heute nur noch eines zu sagen… KURVEN! achja und Kurven! und dann waren da auch noch KURVEN!!! und ein paar Kurven. Wir genießen es alleine zu sein, unseren eigenen Stiefel fahren zu können und die Landschaft zu genießen. Und Kurven! Über den Pass waren die Wälder herbstlich, dann kamen schroffe Felswände und wieder in niedrigeren Lagen sehen wir Felder. Die Farbe der Erde gleicht Sand oder auch fast schon kalk. Die Ackerfläche wirkt als ob niemals etwas in ihr wachsen könnte, aber dann sehen wir Wein. Und die Äcker werden bearbeitet, also wird hier auch etwas angebaut. Im Verlauf des Tages wird die Landschaft hügeliger und bekommt sanfte Wellen.

Irgendwann kommen wir an einen Stausee über den eine Brücke führt. Wir überqueren diese obwohl sie nicht auf unserem Weg liegt. Die Staumauern des Sees und die Konstruktionen zum Wasserablassen sind beeindruckend und fesseln uns einige Zeit. In der Gegend um den Stausee verändert sich die Landschaft nochmal deutlich. Die Hänge der Hügel sind wie mit Beton übergossen – grau und glatt. Was uns in der ersten Tageshälfte gefehlt hat kommt langsam mit der nachmittäglichen Wärme. Gerüche! Der Geruch trockener Nadelwälder z.B. hatte uns am Vormittag in den kühlen Höhenlagen gefehlt. Hatten wir anfänglich sogar mal 50km Fahrweg ohne eine Unterbrechung, so kommen jetzt immer wieder Dörfer die sich an Hügel schmiegen, dicht gebaut und meist als Haufen um eine Kirchen angeordnet.