Über Tobias Seidel

Tobias Seidel wurde 1981 geboren und hat sein Hobby IT zum Beruf gemacht. In seiner Freizeit beschäftigt er sich viel mit den Themen Android, Motorräder, Geocaching, Fotografie und Tanzen (Standard).

Bayerischer Wald – noch eine Corona Alternative

Vorgeschichte:

Eigentlich wären wir im Mai 3,5 Wochen in Portugal gewesen. Und dann im August mal ne Woche in Deutschland unterwegs. Das Thema Corona Pandemie hat uns heuer aber ein paar Striche durch die Rechnung gemacht. Wir wollen uns aber nicht beschweren, schließlich geht es uns super gut! Spontan waren wir dann im Mai schon in Deutschland unterwegs, genauer gesagt im Hunsrück. Dabei hat dann die Lichtmaschine von Ari (die 650er) das Zeitliche gesegnet. So mussten wir das Erzgebirge in der zweiten Urlaubswoche ausfallen lassen. Der Stator an der 650er ist inzwischen getauscht und die Technik somit wieder einsatzbereit. Spontan zwei Gleittage bekommen und schon kann man ins verlängerte Wochenende starten. Sa – Di ab in den Bayerischen Wald.

Tag 1 – Anfahrt:

Die Route für die Anfahrt führte uns erstmal über Weißenburg in Richtung Süden. Wir querten das Altmühltal und die Donau, bevor es langsam in Richtung Osten ging. In Schweitenkirchen gab es dann einen kleinen, aber feinen Zwischenstopp. Hier residiert Stephan Jaspers mit seiner auf Africa Twins spezialisierten Motorradwerkstatt – African Queens. Moment was wollen denn die Suzuki V-Strom Freaks bei nem Honda Africa Twin Spezialisten? Die werden doch wohl nicht?
Nein, werden sie nicht! African Queens ist auch DER Klim (Motorradbekleidung) Fachhhändler im süddeutschen, wenn nicht sogar im gesamtdeutschen Raum. Nachdem meine Revit Poseidon Hose nicht mehr aus der Reklamation zurückkommt und ich den Neupreis erstattet bekommen habe soll es jetzt eine Klim Hose werden. Ich probiere eine Klim Badlands Pro Hose von 2019 und weil sie mir so gut gefällt teste ich spontan auch noch eine 2020er Badlands Pro Jacke dazu. Dem Geldbeutel tut’s kurz weh, mein Grinsen ist dafür für die nächsten Tage/Wochen gesichert. Fast, aber auch nur fast hätte ich auch noch einen neuen Helm mitgenommen…

Nun endlich wieder in regenfesten Klamotten unterwegs kann es weiter in Richtung Osten gehen. Der Himmel deutet auch schon an, dass wir die Klamotten brauchen könnten. In der Bäckerei Weinzierl in Ergoldsbach kehren wir ein und gönnen uns was kleines zu Mittag. Moppedfahren und shoppen macht schließlich hungrig. Falls jemand ein Rezept für eine Tegernseertorte hat – immer her damit, wir sind leider nicht fündig geworden. Aber die müssen wir definitiv mal nachbauen.

Wir kommen flott voran, die Kilometer fliegen nur so dahin. Die neuen Sena Headsets (10C Evo und 30K) funktionieren hervorragend und wir quasseln quasi die ganze Zeit. Das Fahren in Deutschland ist irgendwie so unkompliziert, unanstrengend, fast schon langweilig. Um den Straßenzustand muss man sich keine Gedanken machen, für alles gibt es klare Regeln und 99% der Leute halten sich auch daran. Wir sind anderes von unseren Reisen gewohnt. Es ist erfreulich wenig los auf den Straßen. Das mag am nicht ganz so guten Wetter liegen.
Bis wir dann den Naturpark Bayerischen Wald erreichen kommen wir tatsächlich noch unter ein paar Regenwolken durch. Fazit – Sowohl Anjas Klim Artemis als auch meine Klim Badlands Pro sind dicht. Und das ganz ohne Regenklamotten drüberzuziehen. So muss das sein! Im Naturpark geht es nun stetig auf und ab und es stehen dichte Wälder neben den Strassen. Wir stoppen noch an einem Aldi und decken uns mit Wasser für die nächsten Tage ein, bevor es endgültig nach Herzogsreut zum Landgasthof Zur Neuen Post geht. Wir hatten zwecks Planung einfach mal in Garmin Basecamp die Routen der letzten 10 Jahre übereinander gelegt und geschaut wo Lücken sind, dabei ist uns der Bayerische Wald ins Auge gestochen. Booking.com hat dann den Landgasthof ausgespuckt und wir haben dort reserviert.

Das Deluxe Zimmer ist eine ehemalige Ferienwohnung mit zwei Zimmern und einer kleinen Küche (keine Kochplatten, aber eine Microwelle). Der Balkon ist riesig und geht ums Hauseck, so dass wir den ganzen Tag Sonne hätten. Bevor wir uns zum Abendessen in den Gasthof im Haupthaus begeben laufen wir noch eine „kleine“ 5km Runde durch die Natur. Auch dabei geht es auf und ab. Hungrig vom fahren und wandern gönnen wir uns dann Brotsuppe, eine riesige Vesperplatte und Zwiebelrostbraten. Mit maximaler Ranzenspannung (MRS) liegen wir direkt danach im Fresskoma in unseren Betten und freuen uns schon auf den nächsten Tag.

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Tag 2 – Naturpark Bayerischer Wald:

Um Punkt 8 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Bedingt durch das aktuelle Hygienekonzept gibt es kein Buffet sondern alles steht am Tisch, bzw. wird auf Wunsch gebracht. Wurst, Käse, Obst, Gemüse, Brot, Semmeln, Käsekuchen, Müsli, Eier, Saft und Tee – es fehlt an nichts und wir schießen uns wieder ins Fresskoma. Nach dem Frühstück legen wir uns nochmal „kurz“ hin. Der Vorteil dabei war dann, dass wir quasi den ganzen Regen verschlafen haben. Der Vormittag war von Nässe geprägt und wir habens verpasst.

Um kurz nach 12 Uhr wachen wir wieder auf und überlegen ob wir nun noch die geplante Tour durch den Bayerischen Wald fahren wollen. Das Navi sagt wir schaffen es bis um 18:30 der Tisch reserviert ist, also starten wir durch. Es ist Sonntag und die Straßen sind wie leergefegt. Das lässt uns dahinfliegen und wir genießen die Hügel und Kurven. Überall sattes Grün und frische Luft. Der Regen hat die Luft quasi nochmal extra reingewaschen. Es ist kunterbunt an den Strassenrändern – man merkt, dass man in einem Naturpark unterwegs ist. Hier blüht es überall.
Wir legen einen kleinen Stop ein um unsere mitgenommenen Äpfel zu essen und dann kurz vor der Unterkunft noch einen zweiten zum Tanken. Ansonsten sind wir voll im Flow und fliegen die 250km quasi am Stück ab.

Auch heute gehen wir vor dem Essen noch eine Runde laufen und erkunden die Gegend um Herzogsreut ein wenig. Es ist schon schön da!
Die Speisekarte im Landgasthof wird scheinbar täglich ein wenig angepasst und so gibt es heute eine Fleischstrudelsuppe, Hirschkalbsbraten und Krustenschweinebraten. Das Essen war ein Gedicht! Gut gesättigt, ausgelaugt und zufrieden fallen wir wieder früh ins Bett. Morgen wollen wir ein paar km mehr im Nachbarland Tschechien fahren.

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Tag 3 – Böhmer Wald (CZ):

Wieder pünktlich um 8 Uhr gab es Frühstück. Heute mit frischen Semmeln vom Bäcker. Sonntags hat dieser scheinbar zu, daher gab es gestern Aufbacksemmeln. Wir sind begeistert und schlemmen nach Herzenslust um uns für den Tag zu stärken.

Heute legen wir uns nach dem Essen auch nicht wieder hin, sondern ziehen uns an und sitzen bei strahlendem Sonnenschein und blauen Himmel alsbald auf den Motorrädern. Nach nicht einmal 10km haben wir bereits die Grenze überquert und meine Zweifel, zu große Straßen eingeplant zu haben zerstreuen sich auch sofort. Kaum ist man etwas östlicher unterwegs werden die vermeintlich als „Bundesstraßen“ in den Karten gekennzeichneten Strecken zu kleinen kurvigen Traumpassagen. Der Grenzübertritt war unspektakulär und ohne Kontrollen. Sobald die Straßenschilder nicht mehr Deutsch sind fühlen wir uns irgendwie wohler. Das Gras ist grüner, die Luft frischer und irgendwie beginnt hier erst so richtig der Kurztrip. Wir sind raus, wir haben die Freiheit noch, die uns Corona kurzzeitig eingeschränkt hatte.

Der Weg zum Lipno Stausee ist kürzer als wir dachten. Hier wollten wir schon seit Jahren immer mal vorbeischauen, aber irgendwie hat es nie gepasst. Jetzt sind wir hier und legen gleich mal ein paar Fotostopps ein. Rund um den See findet man Campingplätze und touristische Angebote. Es gibt tolle Fahrradwege was dafür sorgt, dass die Strassen frei befahrbar sind. Nachdem ich ja neuerdings auch unter die Radfahrer gegangen bin, freut mich das umso mehr. Der See war nicht nur schneller erreicht als gedacht, nein wir waren auch schneller als gedacht daran vorbei. Wir fliegen auch heute nur so dahin, ergeben uns ganz dem Flow und genießen es an Flüssen entlang zu fahren, Hügel hoch und runter, durch saftige Wiesen und tiefgrüne Wälder zu cruisen führt zu einem Dauergrinsen. Die Ortschaften sind dünn gesät und der Verkehr ebenso.

Irgendwann kommen wir in ein Skigebiet, ich habe eigentlich keine Ahnung wo genau wir sind, verlasse mich völlig aufs Navi und die geplante Route. Hier ist deutlich mehr los und wir freuen uns als wir wieder abwärts fahren und weniger Menschen unterwegs sind. Einen Tankstopp müssen wir noch einlegen bevor es wieder über die Grenze nach Deutschland geht und wir eigentlich viel zu früh um kurz vor 16 Uhr wieder an der Unterkunft ankommen.

Der fahrerische Teil des Tages war perfekt und wir haben noch massig Zeit bis zum Abendessen um 18:30 Uhr, deshalb beschließen wir wieder eine kleine Wanderung zu unternehmen. Laut Karte führt uns der „Große Rundwanderweg Nr. 5“ in Richtung Hinterschmiding. Wenn wir dann irgendwann von diesem auf den Wanderweg Nr. 2 wechseln, sollten wir wieder zurück nach Herzogsreut kommen. Gesehen, ausgesprochen und schon laufen wir los. Ich habe die Kamera dabei und immer wieder machen wir Halt, um diese auch zu nutzen. Die Wiesen hier blühen so schön bunt und im Wald ist eine solche Vielfalt an Pflanzen zu sehen – warum muss man dazu einen Naturpark ausrufen? Warum kann es nicht überall so sein? Wir laufen 3,5 km Bergab…und was dann kommt war eigentlich klar. Wir müssen auch wieder rauf. In dieser Natur macht aber selbst das Spaß!

Zurück in der Unterkunft geht es schnell noch unter die Dusche und dann kommt was kommen muss… wir bauen wieder MRS auf. Heute mit einem Grillteller und einem Ratsherrenteller (Lende überbacken mit Käse und Pilzrahmsosse). Den Abend lassen wir dann auf dem Zimmer ausklingen und liegen wieder früh im Bett. Morgen geht es ja leider schon wieder nach Hause.

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Tag 4 – Heimweg:

Man sollte den Bericht direkt an dem Tag schreiben über den er ist. Irgendwie ist mir das beim Heimweg aus dem Bayerischen Wald nicht gelungen, inzwischen sind wir schon unterwegs nach Frankreich und es ist August. Ich kann mich aber noch an viele Kurven, blauen Himmel genialen Fahrspass und Käsekuchen nach langer Suche nach einem Cafè erinnern. Der Ausflug in den Bayerischen Wald war aufjedenfall Bombe und wir hatten eine geniale Unterkunft mit super Essen! Das Fernweh ist wieder geweckt. Mal sehen was heuer noch möglich ist.

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Rumänientour 2019 – Tag 19 & 20 – Steinbach an der Steyr & daheim – 290 km & 377 km

Tag 19 -Steinbach an der Steyr

Das alte Gemäuer war heute Nacht echt saukalt. Da will man gar nicht aus dem warmen Bett raus. Da wir aber so bald im Bett waren sind wir auch relativ bald wieder wach. Ab 8 Uhr gibt es Frühstück und wir packen vorher schon die ersten Sachen auf die Moppeds. Nach dem Essen dann den Rest und um 9:15 Uhr ging es dann los. Nochmal ein paar Kilometer durch Slowenien.

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Unser Ziel heute liegt in Österreich: Steinbach an der Steyr (grob gesagt bei Linz). Die Strecke welche uns Basecamp vorschlägt sind wir so ähnlich 2018 schon gefahren, aber in die andere Richtung. Es ist echt interessant einen Weg den man schon gefahren ist mal in die andere Richtung zu fahren. Blickwinkel um 180° Grad gedreht und schon entdeckt man ganz neue Dinge. Zu Beginn der Strecke liegen noch ziemlich viele Ortschaften, aber auch kurvige Straßen, welche noch am abtrocknen von dem nächtlichen Regen sind. Im späteren Verlauf wurden die Ortschaften dann weniger.
Längere Zeit folgend wir der B115 welche auch als Eisenstraße bekannt ist. Sie führt uns am Erzberg vorbei wo alle zwei Jahre ein großes Enduro Rennen (Erzberg Rodeo) stattfindet. Geprägt ist die Landschaft hier vom Eisenerzabbau und den verarbeitenden Industrieanlagen. Diese ziehen sich durch ganze Täler. Allerdings sind hier auch viele alte verlassene Industrie Gebäude. Das kennt man aus Österreich eher weniger. Dann folgen wir der Enns. So ein Fluss der sich ein Tal gegraben hat, hat immer den Vorteil dass die Straße daneben in Kurven verläuft. Insgesamt war es heute einfach geschmeidig zu fahren.

Die heutige Unterkunft (Sandner Linde) ist uns bereits gut bekannt. 2015 haben wir hier unseren ersten Stopp auf dem Weg nach Montenegro eingelegt und 2018 unsere erste Nacht auf dem Weg nach Albanien verbracht. Diesmal ist es genau andersrum. Wir verbringen unsere letzte Nacht bevor wir heimkommen hier. Christian Finner der Hausherr und kreative Chef in der Küche erkennt mich wieder und freut sich dass wir zum dritten mal bei ihm nächtigen, wenn auch immer nur für eine Nacht.
Das Zimmer ist wie bisher auch schon immer perfekt und wir chillen ein wenig bis wir um 18 Uhr zum Abendessen gehen. Heute gibt es eine Rinderbrühe mit Kaspressknödel und dann rosagebratenen Gamsrücken an Gemüse, Serviettenkloß und Kroketten für Anja und Eierschwammerlgulasch mit Serviettenkloß für mich. Ein Gedicht! Wir liegen wieder bald im Bett und gucken noch eine Doku über Montenegro was auch ein wundervolles Land zum bereisen ist bevor wir einschlafen.

Tag 20 – daheim

Der letzte Tag beginnt mit einem wundervollen Sonnenaufgang in den Bergen. Da kann man die Seele nochmal baumeln lassen. Ich gehe vor dem Frühstück noch eine Runde spazieren und fotografieren. Beim Frühstück sind wir alleine und haben das ganze Buffet nur für uns. Ein letztes mal schlemmen. Christian macht uns noch frisches Rührei und das Wetter spendet noch einen Regenschauer welcher kurz vor Ende unseres Frühstücks endet. Beste Vorraussetzungen um in die letzten Kilometer zu starten. Die Moppeds sind schnell gepackt und schon geht es los.

Auch heute ist wieder relativ unspektakulär. Schnell sind wir zurück in Deutschland und bewegen uns auf Bundesstraßen zügig in Richtung Heimat. Zur Mittagszeit gibt es dann noch einen obligatorischen Stopp an einem MC Donalds und 9-er Chicken Nuggets. Irgendwie schaffen wir keinen Motorradtrip ohne einmal Nuggets. Wobei Schottland heuer haben wir ohne überstanden, da haben die Fish and Chips wohl das Bedürfnis nach fettig frittiert gedeckt. Auf den letzten Metern von Allersberg bis nach Hause spielte uns das Wetter dann noch einen Streich und wir wurden nochmal so richtig Nass. Aber wir wollen uns mal nicht beklagen. Insgesamt sind wir auf dieser Reise wettermäßig mal wieder super weggekommen. Den heutigen GPS Track gibt es dann noch nach den letzten Bildern.
Insgesamt sind wir 5808km in Gesamt 20 Tagen mit zwei Pausentagen gefahren. Rumänien werden wir wohl nicht zum letzten Mal besucht haben. Es gibt doch noch ein paar Regionen die wir nicht oder nicht ausführlich genug besucht haben.

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Rumänientour 2019 – Tag 18 – Cankova – 256 km

Puh, so eine Weinverkostung die merkt man auch noch am Tag danach. Wir hatten einen Bärenhunger und den wusste Antun zu stillen. Das Frühstück war äußerst umfangreich! Die Kanadier kamen auch wieder dazu und wir unterhielten uns wieder super. Dann zügig die Sachen gepackt und um 9:30 waren wir startklar. Der heutige Weg versprach utzlangweilig zu werden. Zügig vorwärts kommen auf dem Weg nach Hause lag bei der Planung im Fokus.

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Aber bevor es langweilig wurde kamen erst noch ein paar Kurven. Über einen kleinen Pass ging es aus Kutjevo zur „Bundesstrasse Nr. 2“ Parallel zur ungarischen Grenze ging es Richtung Deutschland. In Virovitica halten wir kurz an einem Prubkbau an um ein paar Bilder zu machen. Anja beschließt Ihren Helm nicht abzunehmen da ein riesiger Mückenschwarm um uns herumschwirrt. Überhaupt sehen wir heute immer wieder riesiger solche Schwärme. Eine Zeit lang bin ich froh hinter einem kleinen LKW zu fahren da dieser mich vor den Mücken schützt. Wenn man in so einen reinfährt hilft nur Kopf nach unten neigen, sonst ist das Visir komplett dicht.

Die Landschaft ist im weiteren Verlauf absolut eben und unspektakulär, die Straße fast schnurgerade. Irgendwann dann der fast schon erlösende Blick auf den Ausgleichsbehälter meiner Kupplung. Da fehlt doch was. Kurz nach unten gegriffen an den Kupplungsnehmerzylinder und da ist es feucht. Ist es komisch jetzt zu denken „Na endlich isses wieder soweit.“? An einer der nächsten Tankstellen machen wir halt und ich schau mir das nach dem Tanken mal genauer an. Die Bremsflüssigkeit tropft schon runter, also höchste Zeit etwas zu unternehmen. Da dies eine bekannte Schwachstelle der 1000er V-Strom ist habe ich alles dabei was nötig ist. Ich baue den Kupplungsnehmerzylinder ab, wir saugen die Bremsflüssigkeit mit einer Spritze und einem Schlauch aus dem System. Kolben rausgedrückt, Dichtung gewechselt, Kolben wieder rein, alles wieder angebaut und das System mit frischer Bremsflüssigkeit befüllt. Keine halbe Stunde für den Dichtungswechsel. Die Kupplung funktioniert wieder tadellos und das System ist wieder dicht. Insgesamt haben wir eine Stunde an der Tankstelle verbracht und unsere Hintern danken uns die Abwechslung zum heute monotonen sitzen auf dem Mopped.

Als wir dann irgendwann endlich die Grenze nach Slowenien überqueren ändert sich die Landschaft spürbar. Es wird hügelig und die Straßen werden kurvig. Wir kommen zwar immer noch ständig durch Ortschaften, aber die Verbindungen dazwischen machen wieder Spass! Um 16 Uhr rollen wir auf den Hof der heutigen Unterkunft. Ein ehemaliger Gutshof welcher mit Fremdenzimmern hergerichtet wurde. Zum Abendessen gehen wir ein paar Häuser weiter und gönnen uns eine Zwiebelsuppe, Cevapcici mit Bratkartoffeln, Lende mit Bratkartoffeln und Krautsalat mit Bohnen.

Danach setzen wir uns noch ins Bistro im Gutshof trinken noch etwas und sichten die wenigen Bilder des heutigen Tages. Bald begeben wir uns aufs Zimmer und liegen um 20 Uhr schon im Bett. Wir versuchen es mal wieder mit TV gucken, stellen aber fest dass sich das Programm nach wie vor zum negativen entwickelt und beschließen einfach bald zu schlafen. Wir hätten den Heimweg theoretisch auch in einem Tag weniger meistern können, dann wäre uns aber so etwas wie die Weinprobe gestern entgangen und wir hätten deutlich mehr km pro Tag fahren müssen. Das wollten wir nicht. Lieber lassen wir diese Reise langsam ausklingen.

Rumänientour 2019 – Tag 17 – Kutjevo – Sontacchi Vinarija – 336 km

Da es hier im Hotel Eden kein Frühstück gibt können wir ein bisschen länger schlafen und sind trotzdem früher am Start. Wobei… es regnet… wir trödeln einfach noch mehr rum. Als wir um 9 Uhr losfahren hat es aufgehört. Erster Stopp an einer Bäckerei, ein paar herzhafte und  ein paar süße Teilchen zum Frühstück holen. Dann wollen wir tanken. Allerdings sind die Tankstellen in Timișoara immer irgendwie auf der falschen Straßenseite und so fahren wir knapp 40 km bis zur vorletzten Tankstelle vor der Grenze nach Serbien. Hier vertanken wir unser letztes Bargeld und stellen schonmal die Uhren um. Zack schon haben wir eine Stunde gewonnen.

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Der Grenzübertritt nach Serbien ist unspektakulär. Die Dame interessiert lediglich wo wir heute noch hinwollen. Serbiens Norden ist jetzt nicht so das Highlight zum Moppedfahren. Wir haben hier letztes Jahr echt schöne Regionen entdeckt und finden Serbien im ganzen ein tolles Land. Im Norden allerdings herrscht wie in Ungarn Landwirtschaft auf riesigen Feldern vor. Dementsprechend geht es wieder viel geradeaus oder durch Ortschaften/Städte. Die Straßenqualität ist okay, nur das Wetter ist lovely changeable like in Scotland. Sprich wir werden heute immer mal wieder feucht. Regenklamotten anziehen rentiert sich allerdings nicht wirklich. Ein Nebeneffekt des Regens ist dass wir dreckig sind wie die frisch gesuhlten Schweine.

Irgendwann erreichen wir dann die Grenze nach Kroatien und auch diese ist unspektakulär. Zumindest für uns. Als LKW Fahrer möchte ich hier nicht stehen. Eine kilometerlange Schlange wartet hier auf die Einreise. Kroatien beginnt auch relativ öde und auf großen Straßen geradeaus. Ab Osijek (wo wir nochmals tanken und ein paar Nüsse essen) wird es dann langsam kurviger. Wir biegen von der großen Straße ab und finden noch ein paar Hügel zu den Kurven, schon ist der Moppedfahrer glücklich.

Unsere Unterkunft in Kutjevo ist die Vinarija Sontacchi. Ein Weingut welches im Nebenerwerb betrieben wird und zusätzlich ein paar Zimmer anbietet. Antun der Herr über die Gastwirtschaft begrüsst uns und bietet an für uns zu Grillen und eine Weinverkostung zu machen. Wir freuen uns darüber und sagen zu. Die Moppeds stehen im Innenhof und wir duschen erstmal heiß. Das Schmuddelwetter heute hat uns richtig ausgekühlt. Um 18 Uhr sitzen wir dann zusammen mit Pam und John, zwei Kanadiern, im überdachten Außenbereich und erfreuen uns an Wurst und Käse als Vorspeise.
Antun bringt unmengen Fleisch und Zucchini vom Grill und schenkt uns schonmal den ersten Wein ein. Ein Weißer welcher fruchtig prickelt. Ich hab in den letzten 7 Jahren nahezu keinen Alkohol getrunken, das wird ein lustiger Abend…

Zwei Sorten Wein später geht es in die Keller zur Besichtigungstour. Es hat sich noch ein dänisches Pärchen zu uns gesellt und sie guckt komisch als Antun über Veganer herzieht. Interessant was er so alles über den Weinanbau und die Geschichte des Weingutes erzählt. Lediglich ich hab mir wenig davon merken können…. die 7-8 Gläser Wein merk ich schon ziemlich deutlich.
Er holt noch einen Weißwein aus 2014 raus. Dieser stammt aus einem völlig verregneten Jahr und er lässt ihn uns als Negativbeispiel probieren. Der Unterschied ist deutlich und der Wein wirklich nicht gut. Antun sagt allerdings dass es Leute gibt die speziell diesen mögen… John der Kanadier gehört wohl dazu…also IIIIIIch brauch des ja net.
Dann kommt noch ein 2011er aus dem Keller welcher auch wieder einen ganz anderen Geschmack hat. Ich habe das bei Wein noch nie so wahrgenommen…bin ich doch nicht wirklich der Weinkenner. Insgesamt war der Abend saulustig und interessant. Um kurz nach halb neun liegen wir dann angeschickert im Bett und freuen uns über unseren Zustand. Die Vinarija Sontacchi ist definitiv eine Empfehlung wert wenn Ihr mal in die Gegend kommen solltet!

Natürlich haben wir uns eine Flasche Wein für daheim im Koffer versteckt *g*

Rumänientour 2019 – Tag 16 – Timișoara – 0 km aber 12000 Schritte

Heute ist Pause angesagt, also schlafen wir auch länger… naja net wirklich, wir waren ja bald im Bett dementsprechend wachen wir auch bald wieder auf. Allerdings gibt es kein Frühstück und wir müssen ja nicht raus aus dem Bett. Wir gammeln also erstmal noch ein wenig rum, Anja liest und ich schreibe Blog. Um 10 Uhr werden wir dann langsam lebendig und machen uns startklar für eine Runde durch die Stadt. Wir laufen erstmal ein Stück bis zu einer Tram Haltestelle und kaufen uns zwei Tagestickets für insgesamt 5,05 EUR. Dafür könnte ich in Nürnberg gerade einmal eine einfache Fahrt kaufen…keine Wunder dass keiner mit den Öffis fahren will. Damit können wir nach Herzenslust mit Tram, Bus und Oberleitungsbus rumfahren. Ja hier hat es Oberleitungsbusse. Viel effektiver als Elektrobusse mit Akku. Aber halt nicht so schön, weil überall die Stromleitungen rumhängen. Aber irgendeinen Tod muss man sterben. Wir warten auf die nächste Tram und steigen ein. Aus dem Fenster gucken und eine Stadt anschauen macht irgendwie auch Spass. Dabei kann man so herrlich faul sein.
Plötzlich regt sich Anja: Hey, da stehen Buden, da gibt es was zu essen, komm hier steigen wir aus. Also hektisch raus aus der Tram, eigentlich keine Ahnung wo wir sind, aber hier ist ein Platz auf dem Holzbuden aufgebaut sind. Wir kaufen uns einen Palačinke mit Schinken und Käse und einen mit Käse und Dill. Danach dann noch zwei Mici mit Brot und Senf. Davon will Anja allerdings glücklicherweise fast nichts abhaben :-Dabei

Nach 30 Minuten steigen wir in die nächste Tram und fahren zum Piața Libertății. Das alte Rathaus und noch mehr alte prunkvolle Gebäude umkreisen den Platz. Wir drehen uns zweimal im Kreis, dann laufen wir los zum nächsten Platz. Am Piața Victoriei liegt das Opernhaus von Timișoara. Hier ist auch ein wenig grün mit in die Gestaltung des Platzes eingeflossen. Am anderen Ende findet sich die orthodoxe Kathedrale welche wir uns etwas genauer von innen angucken. Auf einmal werden die Nonnen ganz wuselig und dann kommt ein asiatisches Filmteam und baut Kameras auf. Wir verkrümeln uns dann mal wieder.

Rund um den Platz sind viele Gebäude eingerüstet und werden gerade saniert. Wird bestimmt schön wenn das mal alles fertig ist.
Wir machen uns auf den Weg zum Markt. Wir haben Lust auf geschäftiges Treiben, lautes Verhandeln und buntes Gemüse. Was wir vorfinden ist ein Trauerspiel. Wir machen nicht ein Foto auf dem Markt der quasi wie leergefegt ist. Es sitzen zwar einige Händler lustlos rum, aber Kunden sind quasi keine zu sehen. Irgendwie springt der Funke dieser Stadt nicht so richtig auf uns über.
Wir drehen einen kleinen Halbkreis um die Altstadt um zum dritten großen Platz zu kommen. Unterwegs fällt Anja ein dass sie jetzt Kuchen will. Also steuern wir auf ein Cafe zu und decken und mit Kuchen und Limonade ein. Wir setzen uns und lassen die Zeit verstreichen. Beobachten Leute und mir fällt wieder ein Sprichwort von Anjas Oma ein: „Der Herrgott hat einen großen Tiergarten“. Was da modisch so rumläuft ist unglaublich. Wir sind ja nun nicht gerade modebewusst sondern folgen eher dem Motto „form follows function“, aber das was wir hier so sehen ist schon … nennen wir es mal …. Besonders.