Spanien Herbst 2021 – Tag 10 – 195km – Santiago de Compostela

Zum Rauschen des Meeres aufwachen ist einfach schön. Dabei festzustellen dass es regnet eher weniger. Wir haben heute eher wenig Kilometer geplant und wir haben kein Frühstück in der Unterkunft gebucht. Theoretisch sollten wir um 14 Uhr in Santiago ankommen…theoretisch. Auch ohne Frühstück brauchen wir bis 10:15 Uhr um in die Gänge zu kommen und fertig gepackt auf den Moppeds zu sitzen. Der Regen hat aufgehört und der Nebel reisst (zumindest hier an der Küste) auf.

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Auf dem Weg in Richtung Kap Finisterre – ja heute geht es zum Ende der Welt – ist unspektakulär. Leider beginnt es unterwegs wieder zu regnen, aber unsere Klim Klamotten sind ein Garant dafür dass wir mollig warm und trocken bleiben und das ganz ohne Regenkombi. Ein echter Komfortgewinn! Irgendwann laufen wir auf eine Gruppe portugiesischer Moppeds auf. Sie tragen alle Nummern auf den Koffern. Während wir sie überholen wird klar dass sie wohl sortiert in Reih und Glied fahren. Die Positionen 1-15 sind wohl für die komplette Reise festgelegt. Wenigstens weiß man so wie weit man mit überholen ist. Wir treffen dann kurz vor Ihnen am Kap ein. Leider sieht es dort fast so aus wie damals am Nordkap 2016. Wie sie sehen…sehen sie nix. Die Regenwolke hängt direkt am Kap Finisterre fest und hüllt es in undurchsichtigen Nebel.

Nach ein paar Minuten umschauen und Bilder machen drehen wir um. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ab jetzt beginnt der Rückweg. 10 Tage haben wir bis hierher gebraucht. Für den Rückweg haben wir 9 Tage zur Verfügung, das sollte also klappen. Am Hafen im Zentrum von Fisterra wollen wir etwas frühstücken, bekommen aber leider nur Schwarzen Tee und Kaffee. Dafür reisst der Himmel ein wenig auf und es kommen immer wieder mal kurz blaue Fetzen durch. Die Wanderer mit Ihren Regencapes und den großen Rucksäcken sehen erschöpft aus. Das Wetter spielt hierbei sicher auch seine Rolle. Heute haben wir einen Caminowanderer gesehen der einen Esel dabei hatte. Wie der das wohl mit den Übernachtungen gemacht hat?

Von Fisterra aus geht es an der Costa Muerte entlang. Früher war hier mal das Ende der (bekannten) Welt. Wenn man hier über den Rand fiel, dann fiel man quasi von der Scheibe. Gut dass wir heute wissen dass die Erde Kugelrund ist und wir einmal rundherum können. Wir folgen der Küste und sehen im Wechsel Städte, Sandstrände, Buchten, Steilküste, Häfen, Flussmündungen. Eine dieser Flussmündungen ist Ria de Muros e Noia – ein besonders tiefer Einschnitt des Meeres ins Landesinnere. In Muros halten wir nochmal an weil unsere Mägen inzwischen deutlich signalisieren dass sie gefüllt werden wollen. Wir kehren in einer kleinen Bar ein und bestellen wieder Tee und Kaffee. Dazu gibt es hier ganz traditionell kleine Tapas. Wir bekommen ein Stückchen Tortilla und eine kleine Schale Paella. Einfach lecker schmecken die Muscheln welche direkt von den Zuchtflößen aus der Bucht kommen. Muros ist bekannt für seine Muschelzuchtflöße. Da es zu jedem Getränk eine Tapa gibt bestellen wir noch eine Cola und bekommen dazu nochmal Paella. Das reicht dann um unsere Mägen zu besänftigen.

Nun geht es ein Stück auf einer Schnellstrasse dahin bevor wir Santiago de Compostela erreichen. Unser Hotel bietet eine Tiefgarage und ich widme mich – dank dem kaputten Kettenöler – der Kettenpflege bevor wir uns einen Überblick verschaffen wie weit wir morgen fahren wollen. Wir werden dem Camino entgegen steuern und finden auf booking.com wieder ein Hotel welches wir gleich buchen. Dann geht es auf Fototour durch Santiago. Hier ist alles geprägt vom „Ende“ des Jakobsweges. Wobei man ja nicht von dem einen Weg sprechen kann. Er ist weit verästelt und es gibt irgendwie nicht DEN EINEN. Immer wieder sehen wir Leute mit Rucksäcken und erschöpften, erleichterten, gelösten, traurigen, glücklichen und noch vielen anderen Gesichtern. Die Stadt ist geschäftig aber doch irgendwie ruhig. Wir möchten nicht im Sommer hier sein wenn auf dem Camino so richtig was los ist. Die Kathedrale von Santiago ist beachtlich. Ein Riesen Teil!!! Und unglaublich pompös ausgestattet. Sie erinnert uns an die Kirchen in Rom. Einlass und Ausgänge sind klar durch Sicherheitspersonal geregelt. Auch das deutet auf die Menschenmassen hin welche zu anderen Jahreszeiten hier durchgeschleust werden.

Um die Kathedrale liegen zahlreiche Souvenirshops. Mit dem Glauben der Leute lässt sich scheinbar gut Geld verdienen. Wir schlendern noch ein wenig durch die Stadt, entdecken die zwei Fressmeilen und schauen uns noch ein wenig einen Park an von welchem man einen guten Ausblick auf die Kathedrale hat. Ab 20 Uhr beginnen wir dann die Augen offen zu halten nach einer Tapasbar. Wir werden fündig und kehren ein. Bald gesellen sich zu unseren zwei Vino tinto de casa zahlreiche kleine Teller und Schüsselchen und wir werden langsam aber sicher satt. Als Nachspeise hätten wir gerne noch Churros gegegessen, aber wir finden leider keine geöffnete Churreria mehr. Dafür schlendern wir noch an den geschlossenen Markthallen vorbei welche wir morgen früh besuchen wollen. Als wir dann ins Bett gehen beginnt es wieder zu regnen. Das nenn ich mal timing.

Unterkunft: Capitol Boutique Hotel 

Spanien Herbst 2021 – Tag09 – 301km – Malpica

Wir haben super geschlafen. Das Zimmer war so richtig schön warm. Draußen ist es neblig und wir haben das Frühstück für 9 Uhr vereinbart, also können wir lange liegen bleiben. Eigentlich sind wir immer noch gut gesättigt von den Schlemmereien gestern Abend, aber wir sind auch gespannt wie das Frühstück hier wohl so ausfällt. Um Punkt 9 Uhr betreten wir also die kleine Bar und schauen uns neugierig um. Die Hausherrin werkelt in der Küche, der Hausherr räumt Sachen her. Gepökeltes Fleisch, Manchego, Tomaten, selbstgemachte Marmeladen, 4 Sorten Brot (unter anderem Kastanien und Walnussbrot), frischgepresster Orangensaft, 3 verschiedene Kuchen, Rosinenbrötchen und Obst. Wir „fressen“ uns einmal quer durch… anders kann man da nicht mehr sagen. Alles selbst gemacht und alles schmeckt super lecker! Wir bedanken uns mehrfach und loben die Köchin/Bäckerin per Google Translate. Beim Check out kaufen wir noch ein kleines Küchenmesser von einer „Artisan“-Schmiede aus Taramundi 

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Die Sonne ist inzwischen rausgekommen und hat den Nebel weitestgehend verdrängt. Der Himmel ist blau und die Luft ist noch sehr frisch als wir um 11:15 Uhr endlich loskommen. Auf den Strassen ist nichts los und wir können die Kurven so richtig genießen. Relativ zügig dringen wir wieder zur Küste vor. Überhaupt geht es heute im steten Wechsel ein bisschen weg vom Atlantik und dann wieder hin. Das Landschaftsbild wandelt sich dabei immer wieder. Mal steile Küste, mal Sandstrand, dann eine Flussmündung mit Wassermangel aufgrund der Ebbe. Auch die Häuser sehen anders aus als im Hinterland. Sie sind meist verputzt und nicht der blanke Stein wie in den Bergen. Überall stehen Zitronenbäume die unter der Last der Früchte ächzen. Wenn es dann wieder ein bisschen weg von der Küste geht prägen Eukalyptusbäume die Wälder. Man sieht hier auch deutlich dass aufgeforstet wurde. Die Bäume stehen sauber in Reih und Glied.

In einer Stadt halten wir an einer Fruteria und kaufen Mandarinen, später kommt noch ein Tankstopp und ein Espresso/Tee um die Toilette der Bar zu nutzen. Ansonsten gibt es nur kurze Fotostopps. Wir kommen trotz der Tatsache dass wir so spät gestartet sind super voran. Obwohl hier an der Küste viel bebaut ist darf man meist 70 oder sogar 90 km/h fahren. Eines fällt uns gegen Ende des Tages noch auf. Der Leerstand an Industriegebäuden aber auch an Wohnhäusern nimmt zu. Es tauchen immer wieder Ruinen auf, teilweise auch Rohbauten die einfach nicht zu Ende gebracht wurden.

Um 17:30 sind wir dann am Casa da Vasca Restaurant & Pension und checken ein. Das Zimmer ist relativ kalt, die Heizung läuft nicht und draußen pfeift der Wind. Wir machen uns gleich mal noch über die Suche nach einer Unterkunft in Santiago de Compostela für morgen Abend. Dabei verpassen wir wie die Sonne hinter der Landzunge links von uns versinkt und starten zu spät zu unserem Spaziergang mit den Kameras an der Küste entlang. Ich könnte mich in den Arsch beißen! Wir genießen die Stimmung am Wasser trotzdem noch ein wenig und sind froh über unsere Daunenjacken. Das Rauschen des Meeres und die brechenden Wellen haben eine ungemein beruhigende Wirkung auf uns. Bevor es um 20:30 zum Essen geht schauen wir nochmal kurz aufs Zimmer und fangen an zu schreiben. Unsere Unterkunft ist so nah am Meer dass wir die Brandung auch im Zimmer noch deutlich hören.

Als Vorspeise teilen wir uns Sardinen Baskischer Art – sauer salzig eingelegte Sardellen auf Käsescheiben mit einem Stück Tomate drauf dazu Öl und süße Baiser Brösel. Eine Geschmacksexplosion im Mund – erst BÄÄÄMMM Sauer Salzig und dann BÄÄÄMMM in die andere Geschmacksrichtung süß. Der Wahnsinn. Als Hauptgang habe ich Scampi/Wolfsbarsch Spieße mit Couscous und Anja mit Bacalao gefüllte Paprika in einer cremigen Tomatensoße. Postres fallen heute für uns aus. Wir sind froh mal nicht völlig überfressen zu sein. Frühstück lassen wir morgen auch ausfallen und gönnen uns erst unterwegs etwas. Als wir das Restaurant verlassen geht es hier erst richtig los. Um 21:30 füllt es sich langsam und die Leute beginnen zu bestellen. Für uns eher ungewohnte Zeiten um noch so richtig groß zu Essen. Wir kuscheln uns lieber ins Bett.

Unterkunft: Casa da Vasca