Spanien Herbst 2021 – Tag 14 – 325km – Saint Vite

Theoretisch hätten wir ja früh schlafen können – Anja hat das auch getan – ich mal wieder nicht. Also schlafe ich heute früh bis um 8 Uhr. Frühstück haben wir für 9 Uhr ausgemacht und da sitzen wir dann auch alleine zu zweit im Essensbereich der Unterkunft. Es gibt ganz viele hausgemachte Sachen: Marmeladen, Muffins, Kekse, Apfelsaft dazu bekommen wir getoastetes Brot, eine Platte mit Jamon, Queso und zweierlei Wurst, pürierte Tomate, Kaffee und Tee. Wir könnten auch noch Rühreier haben, wir glauben aber das andere Zeugs reicht uns. Die Entscheidung war absolut richtig, wir sind pappsatt nachdem alles vernichtet ist und würden uns am liebsten wieder hinlegen. Beim Aufpacken der Moppeds widmet Anja mehr Zeit dem Esel der im Nachbarsgarten steht als dem Packen. Der schaut dann ganz unglaublich doof als sie aufhört ihn zu kraulen und einfach davonfährt.

Nach ein paar Kilometern tanken wir noch bevor wir nach Frankreich zurück fahren. Der Sprit war dort ca. 20cent pro Liter teurer. Das Tanken an der Repsol ist allerdings äußerst gewöhnungsbedürftig… der Tankwart fordert uns auf von den Moppeds abzusteigen und wir dürfen die Tanks nicht selbst befüllen. Bei mir passiert das noch mit Respekt – bei Anja arrogant von oben herab und bevormundend. Sowas geht garnet. Als wir weiterfahren regnet es Blätter vom Himmel. Wie ganz dicke Schneeflocken die langsam zur Erde schweben. Total fancy der Anblick während man durch die Blätter fährt. Jetzt kommt der schöne Teil des heutigen Tages, der Col de Ispeguy. Auf der spanischen Seite geht es relativ schnell mit engen Kehren in die Höhe – wobei Höhe, was bedeutet eigentlich Höhe? Der Col de Ispeguy hat „nur“ 672 Höhenmeter. Man fühlt sich aber irgendwie wie auf 1600 Höhenmeter. Die französische Nordrampe geht dann in flüssig zu fahrenden Kurven über einige Kilometer im Tal hinab. Viel schöner als diese Spitzkehren hatz.

Das Wetter heute ist der Hammer. Blauer Himmel, Sonne und warme Temperaturen. In Frankreich wird es dann noch deutlich spürbar wärmer. Die Ausläufer der Pyrenees Atlantiques sind einfach genial zum fahren. Wir fliegen förmlich durch die Kurven – im Rückspiegel immer die schattierten Bergketten. Ein Traum der nie enden sollte. Wir beginnen die Augen nach einer Fromagerie aufzuhalten da wir uns noch mit Käse für heute Abend eindecken wollen. In Zyrax finden wir dann nicht nur einen Laden, sondern wirklich direkt eine Käserei (Fromagerie Lauburu). Sie sieht ziemlich geschlossen aus, da ich aber unbedingt Zwiebelschichten loswerden muss (Isolationsjacke) stehen wir ein wenig im Hof rum und es kommt doch jemand und sperrt den Laden auf. Mit Händen und Füssen kommunizieren wir,  probieren Käse und kaufen zwei Brocken. Einen Brebis und einen Vache nature.

Ein paar Kreisverkehre weiter halten wir an einer Boulangerie, Patisserie & Tarterie an um eine kurze Pause zu machen und Baguette für heute Abend zu kaufen. Wir verdrücken zwei Tartlettes und zwei Croissants. Es ist so warm dass ich den Platz im Schatten vorziehe. Anja steht in der Sonne und saugt die wärme der Sonnenstrahlen förmlich auf. Nun beginnt der üble Teil des Tages. Das Navi sagt 48km bis zum nächsten Kreisverkehr voraus… dass bis dahin nur eine leichte Kurve mit ca. 3° Grad Winkel kommt hatte ich gestern bei der Planung schon geahnt. Drei Planunsgtools haben als kurvenreichste Strecke in der Gegend einfach eine Schnurgerade Linie gemalt. Tja, das war es dann mit Fahrspass. Es gibt wahrlich schlimmeres und so überstehen wir auch das. 150km mit ca. 10 Kreisverkehren und ungefähr 5 Kurven später fällt mir beim anfahren auf dass Elli komische Geräusche macht. Dazu ruckeln beim konstanten dahingleiten. Wir müssen eh tanken, von dem her nutzen wir das gleich mal um die Ketten an beiden Moppeds zu spannen. Sie hatten es definitiv nötig. Bei Elli is etz wieder alles ruhig und sie schnurrt wieder wie eine junge.

An einem Intermarche decken wir uns dann noch mit Wasser und Oliven ein bevor die letzten 20 km wieder kurvig und schön werden. Im goldenen Licht des schwindenden Tages geht es an einem Fluss entlang in dem sich die Ufer spiegeln. Die heutige Unterkunft, das Caday Rouge, wird von Trevor und Patsy geführt, zwei Briten die hier auch BMW Motorräder verleihen und geführte Touren unter dem Namen Caday Rouge Motorcycle Tours anbieten. Das hatten wir beim Buchen nicht gewusst. Trevor würde morgen gerne mit uns eine Tagestour fahren, ich muss allerdings mit britischer politeness (I’m afraid to tell you…) ablehnen da wir weiter in Richtung Heimat müssen. Die Unterkunft ist warm und total kuschelig. Um 19 Uhr geht die Sonne unter und wir sitzen im Zimmer und vespern unseren Käse, das Baguette und die Oliven. Life is good! Morgen gibt es dann wieder mehr Kurven und ein wiedersehen mit einer tollen Unterkunft.

Unterkunft: Caday Rouge

Spanien Herbst 2021 – Tag 13 – 297km – Donamaria

Das Aufstehen fällt uns von Tag zu Tag irgendwie schwerer. Es ist aber auch von Tag zu Tag länger dunkel. Der Blick nach draußen offenbart nichts, es ist neblig und die Sichtweite ist extrem kurz. Wir gehen Frühstücken und bekommen ein für spanische Verhältnisse ausgiebiges Frühstück. Cafè con leche, Tè, frischer O-Saft, ein halber Toast mit Rührei, zwei Scheiben Baguette, zwei Scheiben Jamon, Marmelade, Butter, ein kleines Croissant und zwei Kekse, das ganze pro Person. Nach dem Frühstück sieht man dass die Sonne gegen den Nebel ankämpft, aber wer gewinnen wird ist noch unklar. Wir sind unmotiviert bei der Nässe rauszugehen. Aber es hilft nichts, wir müssen weiter in Richtung Heimat. Wir packen zusammen und verstauen die Sachen in den Koffern, dann geht es um kurz vor 11 Uhr los. Die Hausherrin wünscht uns mit Hilfe von Google Translate noch eine gute Fahrt und wir sollen im Nebel vorsichtig sein.

Keine 500m von unserer Unterkunft entfernt sind wir völlig überrascht. Der Nebel endet hier und wir fahren wesentlich früher als erwartet und erhofft unter blauem Himmel und strahlender Sonne. Der Wahnsinn, so muss das sein! Wir stoppen nochmal für Bilder am Ebro Stausee, dann geht es ab in die Hügellandschaft. Laubbäume und Büsche prägen die ersten Kilometer, die trockenen Gebiete mit dürrem Gras haben wir endgültig hinter uns gelassen. Die Bäume leuchten herbstlich bunt. Sobald man im Schatten fährt wird es wieder spürbar kälter und man will sofort zurück in die Sonne.

In den Dörfern geht es schon wieder geschäftig zu, die Rentner hocken alle in der Sonne und pflegen soziale Kontakte. Viele Leute in Spanien tragen auch an der frischen Luft eine Maske und es begegnen uns auch immer wieder Fahrzeuge mit nur einer Person, die aber trotzdem eine Maske trägt. Gestern wurde unsere Temperatur beim einchecken gemessen. Die digitalen Impfzertifikate wollte bisher nur die Pizzeria in Frankreich sehen, sonst niemand. Covid rückt gedanklich ganz schön in den Hintergrund. Wir kommen wieder zügig voran und ich fange schon wieder an von einem frühen Check in zu träumen. Nach knapp 2 Stunden fahrt legen wir einen Tankstopp ein, gehen noch zur Toilette, essen 4 Mandarinen und dann laufe ich schnell noch zum Supermarkt 300m weiter. Ich kaufe Wasser und finde noch ein paar süße Gebäckstücke. Die verdrücken wir auch gleich noch bevor es nach 45 Minuten Pause weitergeht.
Langsam aber sicher zeichnen sich vor uns die ersten Ausläufer der Pyrenäen ab. Es ist angenehm warm und ich habe meine Daunenjacke beim Tankstopp bereits weggepackt, bin nur noch mit Baselayer und Moppedjacke unterwegs. Ein bisschen traurig sind wir weil heute unser letzter Tag in Spanien ist. Morgen geht es zurück nach Frankreich. Als wir in die ersten Täler kommen beginnen auch wieder Hochhaussiedlungen und Industriegebiete. Wir sehen ein Einkaufszentrum mit einem Burger King und beschließen dort einen kurzen WC Stopp einzulegen. Ich prüfe noch das Motorenöl und fülle etwas nach. Dann siegt unser Heißhunger auf Chickennuggets und ich hole uns eine kleine Portion. Irgendwie vergeht kein Trip ohne eine Portion Chickennuggets. Die Pause hat auch viel länger gedauert als angedacht und so schwindet die Hoffnung auf den frühen Check in.

Es geht jetzt rauf und runter, links und rechts, auf den Strassen liegt Laub und wir wirbeln es mit unserer Kurvenhatz auf. Warum kommen die schönen Streckenstücke heute eigentlich erst zum Schluss. Irgendwie sind wir erschöpft. Wir haben nicht einen Pausentag gemacht und das spürt man so langsam aber sicher. Uns bleibt aber leider nicht genug Zeit um noch einen einzulegen. Wenn wir einen Tag aussetzen müssten wir dafür an den anderen Tagen ordentlich einen drauflegen, was bei der Kürze der Tage undenkbar ist. In irgendeiner Stadt halten wir noch kurz an einer Fruteria und kaufen wieder 4 Mandarinen. Als wir dann nur noch 20 Minuten vor Ankunft an der Unterkunft sind stoppen wir kurz und melden uns telefonisch an. Das hatten die heutigen Gastgeber so erbeten.

Es geht nochmal über kleinste Strassen mit teilweise bis zu 20% Steigung über eine Kuppe, dann sind wir endlich in Donamaria. Heute hat sich nach hinten hinaus ganz schön gezogen. Beim Check in erfahren wir dass das Restaurant nur für Mittagessen geöffnet hat. Das war so nicht eingeplant. Wir setzen uns also vor dem Abpacken nochmal auf die Moppeds und fahren 3 km weiter in den nächsten größeren Ort und suchen eine Einkaufsmöglichkeit. An der Frischetheke des kleinen Supermarktes decken wir uns mit Jamon, Queso (irgendwas von der Ziege) und einer scharfen groben Wurst ein. Dazu noch Oliven, Alioli, Baguette und eine Packung Schokokekse. Dann wieder 3km zurück zur Unterkunft. Im Zimmer vespern wir und sind eigentlich ganz froh so früh essen zu können. Das sollte heute einen frühen Schlaf ermöglichen.

Nach dem Essen planen wir noch schnell die nächsten zwei Tage und buchen die Unterkünfte in Frankreich. Im Zimmer heizt ein Elektrolüfter den ich auf dem Gang gefunden habe. Die eigentliche Heizung bleibt kalt. Das Zimmer ist inzwischen mollig warm und so fällt es uns nicht schwer im kuschligen Bett einzuschlafen.

Unterkunft: Hostal Rural Donamariako Benta 

Spanien Herbst 2021 – Tag 12 – 316km – Ebrostausee

Der erste Gedanke nach dem Aufwachen – etz gibt’s gleich Churros! Yeah! Wir haben wieder super geschlafen und sind gut ausgeruht. Warm angezogen laufen wir im ersten Licht der Morgensonne los zu der Churreria die wir gestern gefunden hatten. Einen Kaffee mit Milch (Cafè con leche),einen Tee und dazu einen Haufen Churros. Hier ist die Hölle los, Unmengen Spanier laufen hier durch hauen sich vor der Arbeit schnell einen Kaffee und ein paar Churros ins Gesicht. Und die Dinger sind genial!!! Zwei Rennradfahrer stürmen den Laden, verdrücken auch einen Haufen Churros als ob sie im Wettkampf wären und zack schon wieder weg. Die Leute stehen Schlange für einen Tisch oder einen Platz am Tresen. Apropos Rennradfahrer – davon hats hier ziemlich viele und die fahren egal ob es windig ist oder warm oder kalt. Spanien hat keine perfekten Radwege, aber auf größeren Strassen eigentlich immer eine abgetrennte gekennzeichnete Spur für Fahrräder. Und noch etwas fällt uns positiv auf. Mehr als 70% der Rennradfahrer haben blinkende Tagfahrlichter dran. Das erhöht die Sichtbarkeit so brutal genial. Warum ist das in Deutschland verboten??? Ach ja da war die Argumentation mit der Ablenkung für die anderen Verkehrsteilnehmer durch das blinken. Also ich bin in Spanien nicht einmal in einen Graben gefahren weil ich durch ein blinkendes Licht an einem Fahrrad abgelenkt wurde. Fazit für mich, die Entscheidung daheim mit blinkenden Tagfahrlichtern am Rad rumzufahren ist absolut richtig, wenn auch nicht legal!

Nach den Chrurros schlendern wir noch über den Wochenmarkt und sabbern die Nahrungsmittelstände an. Zucchini so groß wie Kürbisse, Zwiebeln wie Handbälle und Unmengen Schinken, Chorizo und Käse. Wir sollten so einen Verkaufswagen kapern und mit heimnehmen. Der Start in den Tag war gemütlich und geht auch so weiter. Bis wir zurück im Hotel sind und gepackt haben ist es fast 11 Uhr. Die Temperatur ist inzwischen okay und so verlassen wir Astorga. Der Streckenbeginn geht durch die Ebene welche um Leon liegt. Lange gerade Strassen und immer in der Ferne die ersten Hügel/Berge im Blick. Wir fahren nochmal in Richtung Norden auf die Atlantikküste zu um die Ebene zu verlassen und wieder Kurven zu finden. Die Gebirgskette hinter der Küste ist unser Ziel.

Irgendwann ziehen wir dann nach Osten und fahren an den Hügeln / Bergen entlang durch Landschaftsmischgebiet. Das ist wie ein Gewerbemischgebiet nur eben dass sich die Landschaft nicht so richtig entscheiden kann ob sie Ebene oder Berge sein will. Die Strassen sind in einem super Zustand und einfach genial kurvig. Wir lassen fliegen und die ersten 100km sind auch wie im Fluge vorbei. Wieder sieht es so aus als ob wir um 15 Uhr den Fahrtag schon beenden könnten. Dann kommt eine Bar in Sicht und wir beschließen uns Kaffee/Tee zu gönnen. Dazu gabs dann noch Jamon mit Brot und zack schon war eine Stunde vorbei. Wir haben den Tisch von der Veranda einfach auf den Parkplatz gestellt und waren so direkt in der Sonne. Unsere vom Fahrtwind durchgekühlten Körper haben jeden Sonnenstrahl direkt aufgesaugt und gespeichert. Auch hier war wieder ein reges Kommen und Gehen.

Wir sind jetzt wieder an den Picos de Europa angekommen. Diese garantieren Kurven, garniert mit Fahrspass und Ausblick. Dazu kommen Stauseen die sich über mehrere Täler erstrecken. So zum Beispiel der Embalse de Riano an welchem wir vor gut einer Woche schonmal waren. Anja hatte gesagt es wäre doch interessant diesen See mal noch zu einer anderen Tageszeit mit einer anderen Lichtstimmung zu sehen – Zack – Wunsch erfüllt. War es beim letzten mal noch das goldene Licht des Sonnenunterganges so brennt heute die Mittagssonne runter. Bei den Fotostopps wird uns richtig warm und ich muss alle Lüftungen an den Klamotten aufmachen. Im See gibt es perfekte Spiegelungen der umliegenden Berge – ein Wahnsinns Anblick!

Da hier Tankstellen nicht mehr so häufig vorkommen füllen wir nochmal auf bevor es dann ein bisschen durch die Picos geht. Wir fahren zwei Pässe mit gut 1300 und gut 1400 Höhenmeter und genießen den Blick über die bewaldeten Hügel bevor es an den Ebro Stausee geht. Diesen auf ca. 1000 Höhenmeter liegenden See erreichen wir dann so gegen 18 Uhr. War da nicht was mit 15 Uhr heute morgen… es waren dann wohl doch so einige Fotostopps in der zweiten Hälfte des Tages. Der Hausherr erklärt uns beim einchecken gleich mal ganz Cantabrien. Er brennt für seine Heimatregion, das spürt man sofort. Heute ist mal wieder Wäsche waschen angesagt, damit die Funktionsunterwäsche auch bis nach Hause reicht. Nachdem das erledigt ist und alles zum trocknen hängt laufen wir noch eine Runde am Stausee entlang und erleben einen Wahnsinns Sonnenuntergang am Ufer. Ein kurzer Check ergibt dass das Wasser nichtmal sooooo kalt ist. Man könnte glatt Baden gehen… für ca. 2 Minuten 🙂

Zurück in der Unterkunft steht wieder Orga an – Strecken raussuchen und eine Unterkunft für morgen finden. Wir beschließen nicht mehr an den Atlantik zu fahren. Wir wollen die stark bebaute Küstenregion meiden und lieber ein wenig im Landesinneren von Spanien nach Frankreich wechseln. Morgen bleiben wir aber nochmal in Spanien auf der Südseite der Berge. Um 21 Uhr gibt es dann ein Drei Gänge Menü. Anja hat eine Gemüsesuppe, Kabeljau und einen Flan, Ich habe mich für Fischsuppe, Tintenfisch und eine stichfeste Joghurtartige lokale Spezialität deren Namen ich wieder vergessen habe entschieden. Ein Traum – die Spanier können echt gut kochen und haben eine tolle vielseitige Küche. Nachdem wir unsere Flasche Rioja geleert haben fallen wir zufrieden ins Bett und sehen durchs große Fenster noch Unmengen Sterne am Himmel bevor wir einschlafen.

Unterkunft: Hotel Araz

Spanien Herbst 2021 – Tag 11 – 294km – Astorga

Heute stehen wir mal auf obwohl es noch stockfinstere Nacht ist. Wir schreiben noch die Berichte von gestern und dann ziehen wir uns an und laufen los in Richtung Markthallen. Auf den Strassen ist die Hölle los. Unmengen Kinder mit Ihren Eltern sind auf dem Weg in die Schule oder zum Schulbuss. Um 9:30 Uhr sind wir an den Markthallen und wundern uns dass diese wie ausgestorben wirken. Na gut einige Stände haben noch geöffnet… oder schon geöffnet? Die Dame an der Rezeption des Hotels hatte gestern gemeint dass die Markthallen „sehr früh“ öffnen. Sehr früh wäre für uns Deutsche wohl eher so 5 Uhr Morgens. Für die Spanier ist es wohl eher so 10 Uhr bis 10:30 Uhr. Wir schlendern durch die leeren Hallen und schauen uns die wenigen Stände an welche bereits geöffnet sind. Was zum Frühstücken kriegen wir hier auf jeden Fall noch nicht, also geht es nochmal in die Stadt. Wir laufen zu einer Metzgerei und kaufen dort ein Bocadillo de jamon, welches wir uns teilen. Danach gibt es bei einem Bäcker noch was süßes bevor wir wieder zum Hotel laufen um zu packen und auszuchecken. Um 10:45 starten wir dann in die Tagesetappe.

Heute regnet es zwar nicht, aber die Wolken hängen tief und es ist ziemlich frisch – okay… Anja sagt es ist kalt. Weil Kalt ist dann wenn die Griffheizung voll läuft und das tut sie bei Anja. Die Route heute beginnt unspektakulär. Wir kommen flott voran und so sind die ersten 100km rum bevor wir sie richtig wahrnehmen. Immer schön kurvig und mit wenig Ausblick dank der Wolken. Immer wieder sehen wir Pilger da wir uns heute am Jakobsweg orientieren, nur halt gegen die Richtung. Egal wo man hinguckt findet man Zeichen des Camino. Die Muschel wird für alles hergenommen – Geländer, Gully Deckel, Mülleimer.

In Samos halten wir neben dem Kloster an einer Bar. Uns ist kalt, also wollen wir was warmes trinken. Zum Tee und Kaffee gibt es Schokocroissants. Man merkt wie unsere Körper die Energie und Wärme aufsaugen. Wir sitzen gefühlt ewig hier drinnen und wollen gar nicht mehr los. Zu dröge ist der Weg heute und zu wenig einladend das Wetter. Als wir uns dann endlich doch aufraffen beschließen wir noch ein paar Meter zu laufen und zu fotografieren. Die Bewegung tut gut und wir kommen dabei noch mit einer Pilgerin ins Gespräch. Als wir dann nach über einer Stunde weiterfahren kämpft sich langsam die Sonne ein wenig durch. Das hebt die Laune und spätestens als die ersten blauen Fetzen am Himmel zu sehen sind heisst es wieder – Put your hands up in the air!!! Die Landschaft gibt so beleuchtet auch wieder mehr her, das kann aber auch an den Hügeln liegen die einfach ein anderes Bild abgeben. Schnell noch an einer Repsol Tankstelle die Benzinfässer aufgefüllt, dann geht es auf eine improvisierte Route weil die geplante vollgesperrt ist.

Kleinste Strasse, tolle Kurven, geniale Ausblicke und es wird spürbar wärmer! Zurück auf unserer Route geht es wieder eher langweilig auf einer größeren Strasse durch ein kleines Weinanbaugebiet. In Ponferrada halten wir und ich laufe eine Runde an der Burg herum und mache ein paar Bilder. Der Weg zum Cruz de Ferro ist dann der Wahnsinn! Kurven satt, Bombenwetter und nix los. Auf ca. 1500 Höhenmeter steht ein eisernes Kreuz auf einem Holzstamm, der wiederum auf einem Hügel steht. Die Pilger legen hier einen Stein ab, den sogenannten Sünden- oder auch Sorgenstein. Das Kreuz steht auf dem höchsten Punkt des Camino und die Pilger sollen ab diesem Ort frei von Sorgen den Restweg nach Santiago genießen.

Die Landschaft verändert sich nach dem Überqeueren des Berges mit dem Kreuz deutlich sichtbar. Vorher noch vorrangig grün und saftig sieht jetzt alles braun und verdorrt aus. Keine Farne und saftigen Wiesen mehr sondern dürres Gras. In Astorga dürfen wir die Moppeds in eine Garage stellen und schleppen unser Gepäck dann um zwei Strassenecken zum Hotel und ins Zimmer. Schnell noch umziehen, dann laufen wir los, die Stadt erkunden. Anfänglich hatte es heute so ausgesehen als ob wir bis spätestens 16 Uhr im Hotel wären, nachdem das Wetter und die Landschaft aber deutlich besser wurden haben wir dann doch bis 18 Uhr gebraucht.

Wir schauen uns den neogotischen Bischofspalast von Antonio Gaudi und die Kathedrale Santa Maria von außen an, dann suchen wir die geöffnete Churreria in 220m Entfernung vom Hotel. Endlich Churros! Denkste. Churros gibt es nur vormittags. Somit wäre auch geklärt was wir morgen Frühstücken 😀

Wir schlendern ziellos durch die Stadt, fotografieren ein bisschen und schauen uns die Bars an. Um 20 Uhr setzen wir uns dann in eine rein und bestellen erstmal Dos Vino Tinto de Casa und Anja stellt fest dass wir die Bar mit der schlechtesten Google Bewertung (3,3) in ganz Astorga gewählt haben. Da aber viele Einheimische hier sitzen bestellen wir in einer kurzschlussreaktion beide Croquetas statt einfach auszutrinken und uns etwas anderes zu suchen. Die Croquetas waren dann lecker und wir aufgrund der Anzahl 2×6 auch ziemlich satt. Auf dem Weg zurück zum Hotel überlegen wir ob wir nochmal eine Bar aufsuchen und noch eine Kleinigkeit nachlegen, entscheiden uns dann aber für Süßkram (Spezialitäten aus der Region) aus einem Laden neben dem Hotel. Das Zeugs essen wir dann noch im Zimmer – 2 der 3 Sachen waren richtig lecker. Dann noch schnell Routenplanung und Unterkunft für morgen bevor wir heute mal ein bisschen früher schlafen.

Unterkunft: Hotel Gaudi

Spanien Herbst 2021 – Tag 10 – 195km – Santiago de Compostela

Zum Rauschen des Meeres aufwachen ist einfach schön. Dabei festzustellen dass es regnet eher weniger. Wir haben heute eher wenig Kilometer geplant und wir haben kein Frühstück in der Unterkunft gebucht. Theoretisch sollten wir um 14 Uhr in Santiago ankommen…theoretisch. Auch ohne Frühstück brauchen wir bis 10:15 Uhr um in die Gänge zu kommen und fertig gepackt auf den Moppeds zu sitzen. Der Regen hat aufgehört und der Nebel reisst (zumindest hier an der Küste) auf.

Auf dem Weg in Richtung Kap Finisterre – ja heute geht es zum Ende der Welt – ist unspektakulär. Leider beginnt es unterwegs wieder zu regnen, aber unsere Klim Klamotten sind ein Garant dafür dass wir mollig warm und trocken bleiben und das ganz ohne Regenkombi. Ein echter Komfortgewinn! Irgendwann laufen wir auf eine Gruppe portugiesischer Moppeds auf. Sie tragen alle Nummern auf den Koffern. Während wir sie überholen wird klar dass sie wohl sortiert in Reih und Glied fahren. Die Positionen 1-15 sind wohl für die komplette Reise festgelegt. Wenigstens weiß man so wie weit man mit überholen ist. Wir treffen dann kurz vor Ihnen am Kap ein. Leider sieht es dort fast so aus wie damals am Nordkap 2016. Wie sie sehen…sehen sie nix. Die Regenwolke hängt direkt am Kap Finisterre fest und hüllt es in undurchsichtigen Nebel.

Nach ein paar Minuten umschauen und Bilder machen drehen wir um. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ab jetzt beginnt der Rückweg. 10 Tage haben wir bis hierher gebraucht. Für den Rückweg haben wir 9 Tage zur Verfügung, das sollte also klappen. Am Hafen im Zentrum von Fisterra wollen wir etwas frühstücken, bekommen aber leider nur Schwarzen Tee und Kaffee. Dafür reisst der Himmel ein wenig auf und es kommen immer wieder mal kurz blaue Fetzen durch. Die Wanderer mit Ihren Regencapes und den großen Rucksäcken sehen erschöpft aus. Das Wetter spielt hierbei sicher auch seine Rolle. Heute haben wir einen Caminowanderer gesehen der einen Esel dabei hatte. Wie der das wohl mit den Übernachtungen gemacht hat?

Von Fisterra aus geht es an der Costa Muerte entlang. Früher war hier mal das Ende der (bekannten) Welt. Wenn man hier über den Rand fiel, dann fiel man quasi von der Scheibe. Gut dass wir heute wissen dass die Erde Kugelrund ist und wir einmal rundherum können. Wir folgen der Küste und sehen im Wechsel Städte, Sandstrände, Buchten, Steilküste, Häfen, Flussmündungen. Eine dieser Flussmündungen ist Ria de Muros e Noia – ein besonders tiefer Einschnitt des Meeres ins Landesinnere. In Muros halten wir nochmal an weil unsere Mägen inzwischen deutlich signalisieren dass sie gefüllt werden wollen. Wir kehren in einer kleinen Bar ein und bestellen wieder Tee und Kaffee. Dazu gibt es hier ganz traditionell kleine Tapas. Wir bekommen ein Stückchen Tortilla und eine kleine Schale Paella. Einfach lecker schmecken die Muscheln welche direkt von den Zuchtflößen aus der Bucht kommen. Muros ist bekannt für seine Muschelzuchtflöße. Da es zu jedem Getränk eine Tapa gibt bestellen wir noch eine Cola und bekommen dazu nochmal Paella. Das reicht dann um unsere Mägen zu besänftigen.

Nun geht es ein Stück auf einer Schnellstrasse dahin bevor wir Santiago de Compostela erreichen. Unser Hotel bietet eine Tiefgarage und ich widme mich – dank dem kaputten Kettenöler – der Kettenpflege bevor wir uns einen Überblick verschaffen wie weit wir morgen fahren wollen. Wir werden dem Camino entgegen steuern und finden auf booking.com wieder ein Hotel welches wir gleich buchen. Dann geht es auf Fototour durch Santiago. Hier ist alles geprägt vom „Ende“ des Jakobsweges. Wobei man ja nicht von dem einen Weg sprechen kann. Er ist weit verästelt und es gibt irgendwie nicht DEN EINEN. Immer wieder sehen wir Leute mit Rucksäcken und erschöpften, erleichterten, gelösten, traurigen, glücklichen und noch vielen anderen Gesichtern. Die Stadt ist geschäftig aber doch irgendwie ruhig. Wir möchten nicht im Sommer hier sein wenn auf dem Camino so richtig was los ist. Die Kathedrale von Santiago ist beachtlich. Ein Riesen Teil!!! Und unglaublich pompös ausgestattet. Sie erinnert uns an die Kirchen in Rom. Einlass und Ausgänge sind klar durch Sicherheitspersonal geregelt. Auch das deutet auf die Menschenmassen hin welche zu anderen Jahreszeiten hier durchgeschleust werden.

Um die Kathedrale liegen zahlreiche Souvenirshops. Mit dem Glauben der Leute lässt sich scheinbar gut Geld verdienen. Wir schlendern noch ein wenig durch die Stadt, entdecken die zwei Fressmeilen und schauen uns noch ein wenig einen Park an von welchem man einen guten Ausblick auf die Kathedrale hat. Ab 20 Uhr beginnen wir dann die Augen offen zu halten nach einer Tapasbar. Wir werden fündig und kehren ein. Bald gesellen sich zu unseren zwei Vino tinto de casa zahlreiche kleine Teller und Schüsselchen und wir werden langsam aber sicher satt. Als Nachspeise hätten wir gerne noch Churros gegegessen, aber wir finden leider keine geöffnete Churreria mehr. Dafür schlendern wir noch an den geschlossenen Markthallen vorbei welche wir morgen früh besuchen wollen. Als wir dann ins Bett gehen beginnt es wieder zu regnen. Das nenn ich mal timing.

Unterkunft: Capitol Boutique Hotel 

Spanien Herbst 2021 – Tag09 – 301km – Malpica

Wir haben super geschlafen. Das Zimmer war so richtig schön warm. Draußen ist es neblig und wir haben das Frühstück für 9 Uhr vereinbart, also können wir lange liegen bleiben. Eigentlich sind wir immer noch gut gesättigt von den Schlemmereien gestern Abend, aber wir sind auch gespannt wie das Frühstück hier wohl so ausfällt. Um Punkt 9 Uhr betreten wir also die kleine Bar und schauen uns neugierig um. Die Hausherrin werkelt in der Küche, der Hausherr räumt Sachen her. Gepökeltes Fleisch, Manchego, Tomaten, selbstgemachte Marmeladen, 4 Sorten Brot (unter anderem Kastanien und Walnussbrot), frischgepresster Orangensaft, 3 verschiedene Kuchen, Rosinenbrötchen und Obst. Wir „fressen“ uns einmal quer durch… anders kann man da nicht mehr sagen. Alles selbst gemacht und alles schmeckt super lecker! Wir bedanken uns mehrfach und loben die Köchin/Bäckerin per Google Translate. Beim Check out kaufen wir noch ein kleines Küchenmesser von einer „Artisan“-Schmiede aus Taramundi 

Die Sonne ist inzwischen rausgekommen und hat den Nebel weitestgehend verdrängt. Der Himmel ist blau und die Luft ist noch sehr frisch als wir um 11:15 Uhr endlich loskommen. Auf den Strassen ist nichts los und wir können die Kurven so richtig genießen. Relativ zügig dringen wir wieder zur Küste vor. Überhaupt geht es heute im steten Wechsel ein bisschen weg vom Atlantik und dann wieder hin. Das Landschaftsbild wandelt sich dabei immer wieder. Mal steile Küste, mal Sandstrand, dann eine Flussmündung mit Wassermangel aufgrund der Ebbe. Auch die Häuser sehen anders aus als im Hinterland. Sie sind meist verputzt und nicht der blanke Stein wie in den Bergen. Überall stehen Zitronenbäume die unter der Last der Früchte ächzen. Wenn es dann wieder ein bisschen weg von der Küste geht prägen Eukalyptusbäume die Wälder. Man sieht hier auch deutlich dass aufgeforstet wurde. Die Bäume stehen sauber in Reih und Glied.