Rumänientour 2019 – Tag 12 – Șteic – 287 km

Das Frühstück heute fand erst ab 8 Uhr statt, was uns sehr entgegenkam. Durch die Stadtbesichtigung gestern kamen wir erst spät ins Bett und dementsprechend noch schlechter als sonst wieder raus. Als wir um kurz nach 8 zum Frühstück kamen mussten wir feststellen dass die anderen (5 Leute) bereits das ganze Brot gefuttert hatten. Eine kleine Info an die Rezeption führte dazu dass die Dame mal kurz einkaufen ging um eine neue Packung Brot zu kaufen 🙂
Gefehlt hat es sonst an nix. Um kurz nach 9 waren wir dann soweit Sibiu den Rücken zu kehren. Noch schnell getankt und dann waren wir auch schon draußen aus der Stadt.

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Um Sibiu gibt es Landwirtschaft die ein bisschen anders aussieht als bisher. Die Felder sind deutlich größer und werden scheinbar auch „industrieller“ bewirtschaftet. Wir fahren auf großen Straßen und machen gut Strecke. Unser einziges Ziel heute hat selbst genug Strecke zu bieten. Bald kommen wir an die Ausläufer des Gebirges und ziehen durch die ersten bewaldeten Täler. Ohne nennenswerten Höhengewinn fahren wir gefühlt ewig auf kurviger Strecke entlang. Die Ortschaften haben aufgehört. Das einzige was die Fahrfreude mindern kann sind ab und an mal langsame Autos. Von Holztransportern werden wir relativ schnell erkannt und vorbeigewunken. Irgendwann geht es dann doch in die Höhe und die Kurven werden enger. Wir kommen an einen Stausee und stoppen für eine kurze Pause. Hier stehen zwei große Gruppen die jeweils nahezu aus BMW GS bestehen. Man muss mal ehrlich sagen, man kann hier eigentlich nur rumfahren wenn man eine GS hat! Alternativ geht zur Not noch eine Africa Twin…. oder man glaubt es kaum: SUZUKI V-STROM!!! Wir haben hier tatsächlich sehr viele V-Stroms gesehen. Allerdings nur 650er, keine einzige 1000er.

Nach dem Stausee werden die Kurven dann bald zu Spitzkehren und es geht richtig in die Höhe. Gut dass wir unten im Tal noch angehalten hatten und was drunter gezogen haben. Die Temperaturen sacken noch mehr ab und es ist ehrlich gesagt arschkalt! Bei einem weiteren Stopp auf knapp 1800 Höhenmetern setze ich als erstes mal meine Fleecemütze auf. Als Glatzenträger hat man hier ein echtes Problem… es ist arschkalt am Kopf während man sich nen Sonnenbrand holt. Der Ausblick von hier ist schon grandios, aber wir haben noch ein paar Höhenmeter vor uns.

Auf dem Bergkamm angekommen ist da erstmal ein Haufen Ramschbuden und ich freue mich schon dass es Lángos gibt… aber der Stand hat als einziger zu. Ich besorg mir nen Aufkleber und wir machen ein paar Bilder, dann geht es erstmal auf dem Bergkamm entlang bevor man durch eine Senke auf einen zweiten Kamm fährt. Ein Audi Quattro Fahrer schiebt uns von hinten an und wir lassen ihn vorbei. Kaum ist er vorne fährt er langsamer als wir – MMMBBBLLLGRMPF HMPF!!!
Achja ich sollte vielleicht mal erwähnen wo wir heute überhaupt sind. Wir fahren heute die Transalpina und durchqueren die Transsilvanischen Alpen. Kaum sind wir auf der Südseite und fahren abwärts spürt man dass es schnell deutlich wärmer wird. Als wir wieder in der Eben ankommen wird Anja ihrem Titel als „Trüffelschwein“ für Schokolade und Kuchen gerecht und findet sofort eine hervorragende Cofeteria (Cofetaria Anca). Wir lassen uns eine Auswahl der angebotenen Kuchen und herzhaften Gebäckstücke schmecken und wärmen uns in der Sonne auf.

Die Transalpina hat im Durchschnitt den schlechteren Asphalt als die Transfăgărășan und gefühlt weniger Spitzkehren. Genau diese zwei Punkte machen sie mir deutlich sympatischer! Außerdem war hier deutlich weniger los als auf der Transfăgărășan.

Nach der Pause kommt der ödere Teil des Tages. Strecke machen. Wir wollen in Richtung Donau und hier in der Gegend ist nix was uns irgendwie interessiert, also schauen wir dass wir vorwärts kommen. Wir umfahren Târgu Jiu nicht ganz so großräumig wie ich es vorhatte, aber doch recht zügig. Dann tanken wir nochmal und gehen in einem Penny fürs Abendessen einkaufen. Lauter Produkte aus Deutschland hat es hier im Markt. Dann noch 6 km bis zu unserer Unterkunft. Wir teilen uns das Haus, welches einige Zimmer mehr hat, mit einem anderen Pärchen. Frühstück gibt es morgen um 8 Uhr – glaube ich – die Dame mit der ich es besprochen habe sprach kein Wort Englisch. Aber ich glaube wir haben uns verstanden 😀

Hier in der Gegend schauen die Häuser größer, gepflegter und „luxuriöser“ aus, ohne abgespacte Villen zu sein. Man hat heute auch nur ganz wenige Pferdefuhrwerke gesehen. Hier scheint es den Menschen finanziell besser zu gehen.

Ein Thema hätte ich noch welches mich vor dem Urlaub ein wenig zum Nachdenken gebracht hat: Straßenhunde
Man hörte immer wieder von Rudeln wilder und bissiger Hunde die einen anfallen, bzw hinterherrennen. Bisher hatten wir exakt keine derartige Begegnung. Wir haben schon einige „wilde“ Hunde gesehen – wenngleich ich auch wesentlich mehr erwartet hatte. Die Hunde machten ALLE einen verängstigten Eindruck. Entweder sie standen in respektvollem Abstand oder sie zogen sich zurück sobald wir kamen. Immer wieder waren Tiere dabei denen ein Bein fehlte oder die sichtbare Verletzungen hatten welche ich auf Kollisionen mit Fahrzeugen zurückführe. Falls Ihr schonmal in Rumänien wart, wie waren eure Erfahrungen mit Straßenhunden?

Rumänientour 2019 – Tag 11 – Sibiu – 249 km

In unserem riesigen Hotelkomplex Rina Sinaia gab es ein unglaublich umfangreiches Frühstück. Das Buffet bot panierte Zucchini, Tomaten mit Parmesan, verschiedene Würstchen, Speck, Eier in den verschiedensten Varianten, mehrere Kuchen, arme Ritter, Salate, Brotaufstriche und noch vieles mehr. Wir waren auf jeden Fall rundum versorgt. Nachdem wir etwas länger beim Frühstück brauchten da wir uns nicht so richtig entscheiden konnten was wir alles essen sollten kamen wir erst um 9 Uhr los. Als ersten POI heute hatten wir uns das Bucegi Gebirge ausgesucht, welches noch einmal zwei km zurückfahren, nach rechts abbiegen und dann in eine Sackgasse fahren und einen Kreis um einen See drehen bedeutete.

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Wir starteten direkt am Rande des Gebirges in Sinaia und zuerst einmal ging es einige Spitzkehren hinauf und dann nach rechts über einen kleinen Pass, bevor wir in ein Tal kamen in welchem der Stausee lag, den wir umrunden wollten. An der Staumauer legten wir unseren ersten Fotostopp ein. Ein paar Boote dienten uns als willkommene Motive. Wir entschieden uns die Runde links um den See zu beginnen. Dieser Weg um den See war in Basecamp als unbefestigte Strecke gekennzeichnet und es stellte sich als richtig heraus. Die unbefestigte Strecke war allerdings eine perfekte planierte Schotterpiste, auf der sich wunderbar fahren ließ. Gegen Ende des Sees, am Beginn des Zuflusses legten wir einen weiteren Halt ein und machten nochmals ein paar Fotos. Als wir nach rechts hätten abbiegen müssen um die Runde abzuschließen, entschlossen wir uns spontan doch noch die Sackgasse bis zur Seilbahnstation hochzufahren. Es waren zwar nur noch ca. 3 bis 4 km aber diesen Weg hätten wir uns eigentlich sparen können. So sehenswert war das Ende des Tales nicht wirklich. Soweit unsere Informationen reichten war die Seilbahn stillgelegt und wir sahen auch keine Gondeln fahren. Am Ende des Tales sind noch einige Hotelanlagen welche leider gestern ausgebucht waren, sonst hätte ich gerne hier übernachtet.

Den Weg auf der anderen Seite des Sees zurück legten wir komplett hinter einem Mercedes ML rumänischer Herkunft her. Dieser lies uns partout nicht vorbei, fuhr allerdings auch nicht sonderlich schnell. Die Straßenbreite ließ allerdings ein Überholen nicht zu. Gegen Ende des Stausees begann es dann leicht zu regnen, so dass wir noch einmal stoppten, die Lüftungen an den Klamotten schlossen und uns dann mit etwas Abstand hinter dem Mercedes wieder auf die Strecke machten. Zurück über den kleinen Pass und auf dem Weg hinab nach Sinaia stoppten wir ein wiederholtes mal, um den Ausblick mit einer total surrealen Lichtstimmung aufgrund der Regenwolken festzuhalten. Zurück im Ort suchten wir noch eine öffentliche Toilette und gingen noch mal kurz einkaufen. Mein Trinkrucksack war nun endgültig leer und wollte wieder befüllt werden. Der Regen schien hier an uns vorbei zu ziehen, so dass wir hoffentlich den restlichen Weg an diesem Tag trocken zurücklegen könnten.

Die Idee mit dem Regen aussitzen hat wunderbar geklappt wir bekamen lediglich noch ein paar wenige Tropfen ab, als wir das Tal in dem Sinaia liegt verließen. Der Weg durch das Tal war allerdings sehr mit Fahrzeugen verstopft, immer wieder Stop-and-Go und eigentlich keine wirkliche Erklärung dafür – vermutlich waren die Fußgängerüberwege schuld.

Im weiteren Verlauf war die Strecke wunderbar kurvig und nagel neuer Asphalt, ein Traum zum fahren. Es war auch relatv wenig Verkehr. Wir kamen wieder in die Gegend um Brașov und auf die Straße welche vorgestern schon mit Baustellen übersät war. Wir fuhren diese jetzt in die andere Richtung, allerdings nur für ein paar Kilometer dann bogen wir rechts ab. Nun bewegten wir uns auf einer Strecke wo uns nahezu keine Fahrzeuge mehr begegneten. Der Asphalt wurde langsam schlechter. Wir hatten bisher noch nicht wirklich schlechte Straßen, von denen alle erzählen wenn sie über Rumänien sprechen, gefunden und auch hier fanden wir, kaum dass wir den Gedanken hatten dass die Straße schlecht ist , die erste Baustelle und der Asphalt wurde erneuert. Wir kamen zeitlich super voran und das Navi sagte dass wir um ca. 15 Uhr in Sibiu wären. Wir legten nahezu keine Fotostopps mehr ein da die Landschaft nicht wirklich herausragend war. Wir sahen links von uns das Gebirge aus dem wir gekommen waren und bogen nach einiger Zeit wieder ab und fuhren dann am Făgăraș Gebirge entlang. Die Lichtstimmung im Gebirge mit den verschiedenen Schattierungen war toll, konnte uns aber nicht zum Anhalten anregen. Die Straße war schnurgerade und es waren viele LKWs unterwegs. Wir fuhren ca 100 km/h und kamen zügig auf Sibiu zu. Um 15:30 Uhr stellten wir die Motorräder im Innenhof unsere Unterkunft dem Guesthouse Trevi ab und bezogen unser Zimmer. Beim hochtragen der Sachen stach mich eine Wespe welche sich unter dem Träger des Rucksacks versteckt hatte. Nachdem der Stich mit unserem Bruzzler (Bite-Away) behandelt war machten wir uns dann auf die Socken um Sibiu zu besichtigen.

Unser erster Stopp war am Markt um uns mit Abendessen einzudecken. Wir probierten endlich Mititei (Cevapcici ähnliche Hackfleischröllchen) und kauften Käse, Wurst, Brot und Gemüse. Nachdem das Essen im Kühlschrank auf dem Zimmer verstaut war wanderten wir dann in die Altstadt. Hier kamen wir unter anderem an einer Herberge für reisende Handwerksgesellen vorbei und sprachen ein wenig mit diesen. Interessant wo sie schon so herumgekommen waren. In Zeiten als es noch kein Internet, keine Videotutorials und sonstiges Lehrmaterial gab war diese Tradition noch extrem wichtig um Wissen zu erlangen und andere Einblicke in den erlernten Beruf zu gewinnen. Heute nutzen diese Möglichkeit nicht mehr viele Handwerker. In der orthodoxen Kirche fand gerade ein Gottesdienst statt. Die Türen standen dabei sperrangelweit offen, so dass man sich als Zuschauer willkommen fühlte. Auf einem der Plätze stand ein Bierzelt und Plakate verkündeten das stattfinden eines Oktoberfestes in Sibiu. Wir gönnten uns noch einen Becher Eis und schlenderten zurück zu unserem Guesthouse. Hier vesperten wir und planten den morgigen Tag. Wir wollen mal wieder in ländlicherer Gegend übernachten und haben einen ehemaligen Bauernhof hierfür ausgesucht.