Route des Grandes Alpes – Tag 10 – 193km – Le Sappey en Chartreuse

Heute haben wir Zeit. Die geplante Strecke ist kurz, der Campingplatz ist klein und deshalb haben wir angerufen und reserviert und wir rechnen damit zügig voran zu kommen. Trotzdem sind wir erholt und ausgeschlafen. Vor dem Frühstück packen wir noch ein wenig zusammen. Dann gibt es exakt dasselbe wie gestern und wir sind eigentlich viel zu früh startklar. Um 10 Uhr rollen wir aus dem Hof der Unterkunft.

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Zuerst geht es zurück durch die Gorges de la Méouge. Heute am Dienstag sind fast keine parkenden Autos zu sehen und der Fluss ist auch sich selbst überlassen. Wir machen ein paar Fotostopps und freuen uns an der Natur. Dann kommt aber ein Parkplatz an dem doch ein paar Autos mehr stehen. Wir halten und ich wandere mit dem Foto hinab an den Fluss. Hier ist ein kleiner Wasserfall welcher ein etwas tieferes Becken ausgespült hat, so dass das Wasser ca. 1,75m tief ist. Ich mache ein paar Fotos dann wandere ich wieder hoch zu Anja und wir fahren weiter.

Auf dem Weg zurück zur Route Napoleon fahren wir wieder durch Obstplantagen welche von einem gigantischen Kanal durchzogen sind welcher das Wasser für die Plantagen führt. Nutzschifffahrt findet hier nicht statt, dafür sind die Brücken zu niedrig die über den Kanal führen. Im Hintergrund sehen wir wieder Berge und freuen uns schon darauf dass es endlich wieder etwas kühler wird.

Ein Stück weiter stoppen wir an einem abgeernteten Getreidefeld. Die großen Strohrundballen liegen noch hier und im Hintergrund sieht man Schneebedeckte Gipfel. Ein gegensätzlicher Anblick der mich fasziniert. Wir haben über den Col Bayard (1246 Hm) die Provence verlassen und die Hitze lässt nach. Die Landschaft wandelt sich direkt nach dem Pass total. Es ist wieder viel grüner und die Wälder sehen deutlich saftiger aus. Wir atmen durch und genießen die heutige Streckenführung. Endlich geht es wieder durch Berge, auf und ab und immer sieht man irgendwo eine weiße Spitze. In Saint Bonnet en Champsaur entdecke ich die La Fromagerie du Champsaur. Ich werfe den Anker und entscheide spontan dass es heute Abend und morgen früh wieder Käse gibt. Wir decken uns direkt beim Erzeuger mit drei Sorten Käse und einer groben Schweinswurst welche mit einem Likör veredelt wurde ein bevor es weitergeht.

Während wir den Park National des Ecrins streifen sehen wir ein paar Stauseen (z.B. Lac du Sautet) und folgen dann dem Fluss Le Drac. Der Weg entlang des Le Drac ist zwar nicht direkt die Route Napoleon, aber diese ist uns zu gut ausgebaut, deshalb machen wir Abstecher davon und fahren parallel zu ihr.

In Champ sur Drac suchen wir nach einer Boulangerie (Bäckerei) und werden nicht fündig. Eigentlich wollten wir noch eine Pause mit Tartellets machen und noch ein bisschen Zeit vertrödeln da der Campingplatz erst um 16 Uhr öffnet. Nachdem wir leider nicht fündig werden fahren wir auf der Schnellstrasse weiter nach Grenoble wo doch sicher ein Bäcker für uns zu finden ist. Pustekuchen!!! Heute ist Dienstag und wir haben inzwischen die Vermutung dass die französsische Boulangerieinnung den Dienstag zum Ruhetag ausgerufen hat. Keine Ahnung warum, aber jeder Bäcker an dem wir vorbeikommen hat geschlossen. Grenoble könnte sich mal ein Beispiel an den Schwaben nehmen. Da hat es Bäcker ohne Ende und die hatten auch offen als wir kamen 😉

In Grenoble zeigt es auf einer Reklametafel auch die aktuelle Temperatur an. Hier in der Stadt hat es 40° Grad Celsius und wir kochen in unseren Klamotten! Wir erwischen keine einzige Ampel bei Grün. Das ist keine gefühlte Übertreibung! Nein, ALLE Ampeln an denen wir vorbeifahren sind rot und wir müssen stoppen. Wir wollen einfach nur noch raus. Auf dem Weg aus der Stadt werde ich langsam nervös, es sind nur noch wenige km bis zum Campingplatz und wir waren noch nicht einkaufen. Baguette, Wasser, Obst und Gemüse fehlen noch völlig. Es ist ja nicht so dass wir verhungern müssten. Aber ich hab auch nicht wirklich Lust zum Käse Couscous mit Thunfisch zu essen…

In Grenoble endet die Route Napoleon. Sie ist bei weitem nicht so imposant wie die Route des Grands Alpes. Es sind weniger Pässe und diese sind bei weitem nicht so hoch. Dafür lässt sie sich viel flüssiger fahren und man kommt flotter voran. Die richtige Entspannung nach der Kurvenhatz auf der RdGA. Ich habe so eine Vorahnung dass wir gerade an der letzten Einkaufsmöglichkeit für Baguette vorbeigefahren sind und Anja und ich diskutieren dass über die Senas. Da es aber nur noch 8km bis zum Campingplatz sind besteht Anja darauf dass es dort bestimmt auch noch eine Boulangerie gibt. Also gut dann essen wir halt Käse mit Couscous… Wir machen nochmals ein paar Höhenmeter und kommen am heutigen Tagesziel in Le Sappey en Chartreuse an. Siegessicher verweist Anja auf die Marktstände welche aber nur Obst und Gemüse anzubieten haben. Na gut, dann gibts eben Käse mit Gurke und Tomate. Neben dem Marktplatz ist eine Brasserie in der wir uns zwei Stücke Tarte, eine Cola und eine Limonade für lässige 18,50 EUR gönnen… spinnen die Franzosen??? Die wissen schon warum sie keine Preise dazu schreiben. Wir haben immer noch kein Baguette.

Um kurz nach 16 Uhr beziehen wir dann unseren reservierten Platz und bauen das Zelt auf. Danach drehen wir nochmal eine Runde durch den Ort und finden eine kleine Epicerie – vielleicht gibt es doch noch Baguette 🙂 aber wir werden enttäuscht – ich hab es gewusst – es gibt natürlich kein Baguette mehr. Wir jagen aber die letzte Packung „Plain“ (16 Scheiben Toast für 3,50 Eur). Anja hängt noch ein wenig in der Hängematte ab während ich mal den Hauptscheinwerfer von Elli anschaue und feststelle dass ein Stecker zur rechten H4 Birne total verschmort ist. Das muss wohl die Ursache für die ständig fliegende Sicherung sein. Das gute an den V-Stroms ist dass sie zwei Scheinwerfer haben. Somit lasse ich einfach den Rechten abgesteckt und es sollte für den Rest der Reise alles ok sein. (Nachtrag: der Stecker war es nicht, und auch nicht der vergammelte hinter der rechten Verkleidung, und auch nicht der gelbe aus dem „Zappenduster“ Thread im V-Stromforum – Nein, es war eine Scheuerstelle im Kabelbaum und es hat mich insgesamt 17 Sicherungen gekostet bis ich sie gefunden hatte.)

Wir essen noch die Hälfte des Käses und der Wurst mit unserem exquisiten Toast (statt dem Baguette was wir 8 km vor dem Campingplatz noch hätten kaufen können wenn wir angehalten hätten) und ein paar Tomaten. Danach heisst es ab in den Helinox / die Hängematte und den Tag in Textform Revue passieren lassen. Sobald die Sonne weg ist sinkt die Temperatur in einen äußerst angenehmen Bereich. Ich bin gespannt wie kühl es heute Nacht wird.

Route des Grandes Alpes – Tag 08 & 09 – 208km & 40km – Barret sur Mèouge

Ich habe geschlafen wie ein Toter. Die Hitze macht einen echt fertig. Um diese ein wenig abzumildern wollen wir heute wieder zügig los. Zum Frühstück gibt es Gurke, Paprika, Tomate, dunkles Baguette, einen vegetarischen Brotaufstrich und Melone. Die Melonen hier schmecken viel intensiver und besser als das was man bei uns im Laden bekommt. Dann zügig das Zelt abgebaut und aufgepackt. Um 9:30 verlassen wir den Platz.

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Zu Beginn der heutigen Strecke vollenden wir die Umrundung des Lac de Sante Croix. Wir können den kompletten See und sogar noch die Ebene dahinter mit den Lavendelfeldern überblicken. Es ist ein herrlicher Ausblick. Auf dem See ist bereits wieder total viel los. Kleine Boote ohne Ende. Dann folgen wir wieder der Gorges du Verdon. Allerdings heute nicht durch die Schlucht, sondern über ihr. Dieser Ausblick gefällt uns fast besser als der Blick von unten. Außerdem ist hier quasi kein Verkehr. Ob das nun an der Uhrzeit liegt oder an der Streckenwahl können wir nicht sagen. Wir halten immer wieder an um unsere Eindrücke auf den Sensor der Kameras zu bannen.

Die Strasse D71 welche wir heute entlang der Schlucht fahren ist auf den Karten als kleine weisse Strasse dargestellt. Die D952 welche wir gestern durch die Schlucht gefahren sind ist als gelbe etwas größere Strasse dargestellt. Die Realität ist genau andersrum. Die D71 ist besser ausgebaut und lässt sich viel zügiger fahren. So kommen wir trotz der vielen Fotostopps flotter voran als gedacht. Nach den Aussichtspunkten Balcons de la Mescla (Felsterrassen) kommen wir zur Brücke Pont de l’Artuby wo sich just als wir eintreffen gerade einer in den Abgrund stürzt. Gesichert ist er dabei durch ein elastisches Seil – Bungeejumping nennt man das und es gibt hier scheinbar eine ganze Menge Leute die daran Gefallen finden.

Bei Castellane verlassen wir den Fluss Le Verdon und die Strassen werden wieder ein bisschen größer und flüssiger. Das kommt uns heute entgegen. Wir merken die Kurvenhatz und die Hitze der letzten Tage ganz schön. Deshalb haben wir für die nächsten zwei Nächte auch ein Hotel gebucht und werden morgen einen lässigen Pausentag einlegen. Ein bisschen Erholung muss im Urlaub ja auch mal sein 😉 Spätestens ab Barreme muss man die Strasse dann als gut ausgebaute Bundesstrasse beschreiben. Wir lassen fliegen (im Rahmen der legalen Möglichkeiten…) und freuen uns dass es weiter so flott voran geht. Die Temperaturen steigen nochmal deutlich an und die Luft brennt richtig im Gesicht.

In Digne les Bains suchen wir nach einem Laden um ein bisschen Käse zu kaufen. Wir haben noch Baguette und wollen eine Kleinigkeit vespern. Als wir durch die Innenstadt fahren dämmert uns dass ja Sonntag ist und viele Läden geschlossen haben. Wir akzeptieren das bereits und verlassen die Stadt wieder als ich einen Wegweiser auf ein großes Gewerbegebiet sehe. Dort finden wir einen großen Carrefour der Sonntags auch geöffnet hat. Anja verläuft sich in diesem fast und braucht über eine halbe Stunde um zwei Käse und Wasser zu kaufen. Wir klappen das Topcase auf und nutzen den Deckel als „Vesperwannenbrett“. Der Parkplatz des Carrefour ist nicht der romantischste Picknickplatz, aber wir stehen im Schatten, es geht ein bisschen Wind und wir lassen es uns schmecken.

Nach einer Stunde Pause machen wir uns dann auf die letzte Etappe vor dem Pausentag. Weiterhin geht es auf einer „Bundesstrasse“ nach Sisteron das wir bereits von weitem an seiner mächtigen Zitadelle die förmlich aus dem Kalkfelsen über dem Ort herauszuwachsen scheint erkennen. Nach Sisteron verlassen wir die große Strasse und fahren durch ein Obstanbaugebiet. Links und rechts der Strasse sind mit Netzen abgedeckte Apfelbäume die mit dem Wasser des nahegelegenen Flusses bewässert werden.

Wir fahren in den Park Natinole des Baronnies Provencales. Und genauer gesagt in die Gorges de la Méouge eine weitere Schlucht welche von ihrem Fluss geprägt wird. Heute am Sonntag ist jede mögliche Ecke an der Strasse mit Autos zugeparkt und die Besitzer der Fahrzeuge sitzen im seichten Wasser des Flusses um vor der Hitze zu fliehen. Wir sind gespannt wie es unter der Woche dort aussieht und überlegen ob wir am morgigen Pausentag auch mal ein bisschen planschen gehen. Man muss dazu sagen dass (zumindest an den Stellen welche wir einsehen konnten) das Wasser meist maximal knietief ist.

In Barret sur Mèouge stoppen wir an unserer Unterkunft für die nächsten zwei Tage. Der Wirt lacht mich aus als ich ihn frage ob wir hier Maske tragen müssen und zeigt auch gleich was er von dem Maskenthema hält: „Mask only for TV!“ Social distancing fällt uns hier nicht schwer da wir fast die einzigen hier sind. Wir packen die Motorräder ab und parken sie im Innenhof unter Dach. Dann beginnen wir unkontrolliert zu schwitzen. In der Sonne dürfte es locker über 40 Grad haben. Wir bleiben erstmal im abgedunkelten Zimmer und versuchen uns zu akklimatisieren. Später checken wir mal noch die Motorräder durch, ersetzen bei Elli die durchgebrannte Sicherung des Hauptscheinwerfers (Ursachenforschung betreibe ich dazu erst zuhause – es ist bereits die 3 Sicherung innerhalb eines Monats) und gönnen beiden Moppeds einen kräftigen Schluck Motorenöl. Bei heißen Temperaturen haben beide einen erhöhten Verbrauch an Öl.

Nach einer Dusche begeben wir uns dann zum Abendessen. Wir hatten auf Booking.com in den Bewertungen von der herausragenden Küche hier gelesen. Die Karte überforderte uns dann aber ein wenig. 3 Menüs mit je 2 Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts, welche auch alle einzeln bestellt werden können. Die Bedienung spricht kein Wort Englisch, wir immer noch nur 4-6 Worte Französisch. Google Translate ist hilfreich bei der Auswahl auf der Karte. Die Preise sind sehr gehoben, entsprechen aber absolut der Qualität und der Darbietung der Speisen!
Wir gönnen uns beide eine Vorspeise und als Hauptgang hat Anja Lamm und ich Schweinebäckchen. Das Essen war ein Gedicht! Die Flasche Wein dazu sorgte dafür dass wir auch bei den hohen Temperaturen einigermaßen schlafen konnten. Wir hatten noch einen taktischen Fehler gemacht. Kurz vor dem zu Bett gehen alle Fenster geschlossen und für 10 Minuten das Licht im Zimmer an. An den Scheiben tummelten sich von außen 1000 Insekten. Diese wollten wir auf keinen Fall ins Zimmer lassen und so schliefen wir bei geschlossenen Fenstern ein.

Irgendwann Nachts war Anja mal kurz wach und machte die Fenster im dunklen auf. Dies hatte zur Folge dass es früh fast ein wenig „frostig“ war. Es dürfte um 8 Uhr so zwischen 15 und 20 Grad gehabt haben. Das waren wir nicht mehr gewohnt und kuschelten uns um so enger zusammen. Um 9:30 waren wir dann beim Frühstück. Hier merkte man deutlich auf was der Franzose wert legt. Und das ist nicht das Frühstück. Nicht falsch verstehen. Für französische Verhältnisse war es hervorragend. Aber die Klasse des Abendessens hier konnte es nicht einmal ansatzweise halten. Baguette, Croissant, Käse, Wurst, Schinken, Marmeladen, Joghurt und Kaffe/Tee wurden dargereicht. Als Serviette ein Zewa, der Käse – Scheibletten – und das in einem Land aus dem Käse wie Comte, Reblochon, Beaufort, Mortier, und noch viele mehr kommen. Fazit: Das frühstück hier wird nur gereicht weil der Gast es erwartet. Die Liebe steckt im Abendessen.

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Wir satteln doch die Motorräder auf um eine kleine Runde zu drehen. Das Hotel nimmt nur Bargeld und wir haben definitiv nicht genug einstecken. Außerdem ist Ellis Tank fast leer. 18 km weiter in das Tal hinein ist sowohl ein Geldautomat als auch eine Tankstelle. Außerdem kaufen wir noch eine Melone für Mittags. Den Nachmittag vergammeln wir dann auf dem Zimmer und lassen die Hitze draußen. Am frühen Abend machen wir uns auf zum Fluss um noch ein wenig zu baden. Erst spazieren wir ihn ein wenig im seichten Wasser entlang bis wir eine Stelle finden die tief genug ist um sich reinzusetzen. So verbringen wir noch eine Stunde am/im Wasser bevor wir zurücklaufen und uns fürs Abendessen fertig machen.

Heute gönnen wir uns jeweils ein ganzes Menü – Sprich Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Und es war wieder ein Absolutes Gedicht! Wir sind begeistert und neue Vokabeln haben wir auch gelernt – Tres bien (Sehr gut). Die Bedienung freut es und wir sind zufrieden und fallen ins Bett.