Balkantour 2018 – Tag 7 – 270 km – Dimitrovgrad

Was eine Nacht… Die Betten im Hotel Hamburg waren nicht so der Hit und die Lage genau im Zentrum an einem Freitag Abend auch nicht. Ich bin zwar eine etwas lautere Umgebung beim Schlafen vom Zelten her gewohnt, aber letzte Nacht fiel es mir trotzdem relativ schwer einzuschlafen. Wir waren scheinbar die einzigen Gäste, daher gab es kein Buffet zum Frühstück sondern individuell für uns gemachtes. Ham & Eggs sind solide und gehen immer. Um kurz vor 10 Uhr saßen wir dann im Schweiße unseres Angesichts – es war schon wieder sauwarm – auf den Moppeds und düsten los.

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Erstmal raus aus der Stadt und Geschwindigkeit aufnehmen damit der Fahrtwind kühlen kann. Heute ist es um uns rum schon ziemlich hügelig und wir düsen direkt in die Berge. Die Straßendichte dort ist nicht wirklich hoch und so haben wir heute zwei Sackgassen geplant die wir auch wieder zurückfahren. Die Straßen sind heute durch die Bank kleiner und weniger befahren. In Alna biegen wir zum erstenmal in eine Sackgasse. Gute 25 km fahren wir um von 400 Höhenmeter auf 1500 Höhenmeter zu kommen. Das Ende der Sackgasse wird durch ein Luxushotel und einen Skilift gekennzeichnet. Irgendwie will das nicht so recht zu dem gesehenen der Anfahrt passen. In diesem Tal leben die Landwirte wie vor 50 Jahren. Unwahrscheinlich viel Handarbeit ist hier zu sehen. Heu wird mit Gabeln gewendet und auf Heuböcke aufgeschichtet. Die komplette Familie inklusive gefühlt 80-jähriger Oma ist dabei zu Gange. Die Fahrzeuge hier im Tal wirken als ob sie 50 Jahre alt wären. Es ist wundervoll hier. So ruhig und die Luft duftet nach dem frisch gemachten Heu.

Auf dem Weg zu unserer zweiten Sackgasse folgen wir sanften Kurven auf schlechten Straßen und freuen uns an der wundervollen Natur. Zu unserer Rechten sehen wir einen Wasserfall und stoppe für ein paar Bilder. Die Anwesenden sehen erst unsere Motorräder an wie Aliens, dann Anja als sie Ihren Helm abzieht und zum Schluss unsere Stative und Kameras. So etwas scheint hier nicht so ganz alltäglich zu sein.

Die nächste Sackgasse führt uns zu einem Stausee welchen wir ein Stück weit umrunden bevor wir kehrt machen und auch hier wieder zurück fahren. Es beginnt leicht zu regnen und aus der Ferne hören wir Donnergrollen. Nun müssen wir uns entscheiden ob wir den direkten Weg nach Dimitrovgrad nehmen oder einen Umweg von 70 km durch die Berge welchen das Navi mit 2 Stunden und 20 Minuten ansetzt. Ganz klar, wir wollen weiter Kurven fahren! Die Straßen sind klein und schlecht und unsere Laune gut. Immer wieder kommen uns uralte Holztransporter im Schritttempo entgegen die schwer beladen sind. Hier in den Bergen herrscht vorrangig Holzwirtschaft. Es beginnt stärker zu regnen und wir ziehen die Regenhauben über die Tankrucksäcke und schließen die Lüftungen an den Klamotten. Der Regen ist angenehm da er nicht wirklich kalt ist aber die Außentemperatur absacken lässt. Das Vertrauen in den serbischen Asphalt ist allerdings nicht sonderlich groß. Jede Wasserpfütze könnte zudem ein tiefes Schlagloch sein. Unsere Geschwindigkeit sackt deutlich ab und wir zuckeln ganz gemächlich dahin. Irgendwann lässt der Regen nach und der Asphalt auch. Eine Schotterpiste (in sehr gutem Zustand) führt uns auf dem weiteren Weg und erklärt warum das Navi soviel Zeit für die 70 km veranschlagt hat.

Wir arbeiten uns langsam wieder einige Meter in die Höhe und legen einen Stopp für ein Panorama ein. Der Ausblick ist wundervoll. Man sieht auch deutlich die Grenze der Gewitterzelle. Blitze schießen immer wieder herab und ich muss an den Vortrag von Bernd Römmelt (Jäger des Lichts) denken. Er hatte voller Begeisterung erzählt wie er während einem Gewitter in den Alpen auf einen Gipfel gestiegen ist um zu fotografieren. Zeitgleich während er vor Freude ob der grandiosen Momente jauchzte stand eine Frau neben ihm die sich sicher war dass ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Wir stehen hier genau auf einem Berg und sehen eine Gewitterfront die Kracht und Blitzt vor uns. Der Fotograf in uns schreit: „Stell das Stativ auf und mach Langzeitbelichtungen“, aber die Vernunft siegt. Wir setzen unsere Helme auf machen uns Wetterfest und fahren los. Der kleine verrückte Fotograf blieb im Tankrucksack, der verrückte Moppedfahrer aber machte sich auf in das Gewitter 😉

Die Unwetterzelle meinte es aber gut mit uns und ging uns geflissentlich aus dem Weg. Wir fanden auch irgendwann wieder Asphalt und änderten die Route nochmal ein klein wenig um dem Asphalt auch treu zu bleiben. Dies erwies sich ein paar km weiter als Glücksgriff da an der Einmündung des Schotterweges aus welchem wir gekommen wären eine Grenzpatroulie stand. Diese hätte uns sicherlich kontrolliert wenn wir nicht auf der Straße dahergekommen wären. Die letzten km sind nochmal geprägt vom Ausblick auf das Unwetter und dann sind wir nach 270 km auch schon in Dimitrovgrad angekommen. Schnell eingecheckt, noch Wasser an einem Kiosk gekauft und dann zum Abendessen ins Restaurant. Für umgerechnet 13 Eur gab es Cevapcici, geräucherten und angebratenen Schinken dazu Pommes, Salat und Brot und zwei Cola. Da kann man nicht meckern.

Das Zimmer hat voll meine Farbe!

Die Routenplanung für den Weg nach Mazedonien morgen steht bereits, also noch schnell das Hotel gebucht welches wir ins Auge gefasst hatten. Von der Zeit in Serbien wird uns besonders der heutige Tag im Gedächtnis bleiben.

Balkantour 2018 – Tag 6 – 277 km – Zajecar

Warum hab ich gestern Abend eigentlich wieder so lange gelesen? Achtung Buchtipp: Good Bye Lehmann von Stefan Fay ist absolut fesselnd. Dafür bin ich etz wieder hundemüde. Wir nehmen auf dem Weg zum Frühstück schonmal die ersten Taschen mit zum Mopped und stecken sie in die Koffer. Irgendwie haben wir beide noch nicht so richtig Hunger. Das Abendessen gestern war einfach wieder viel zu viel. Das heutige Frühstücksbuffet beinhaltet wieder lauter leckere selbstgemachte Sachen. So heute z.B. Irgendwas geschichtetes aus Blätterteig das ähnlich wie Pizza schmeckt oder die frisch panierten Zucchini. Wie gesagt wir sind eigentlich noch voll vom Abendessen. Um kurz vor 10 Uhr haben wir uns dann endlich von Mina und ihrer Familie verabschiedet und sitzen auf den Motorrädern.

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Der heutige Tag wird geprägt vom Verlauf der Donau. Auf der einen Seite liegt Rumänien und wir fahren auf der serbischen Seite entlang. Der erste POI in unserer Planung ist die Festung in Golubac. Diese wird momentan allerdings saniert und ist komplett eingerüstet. Also ziehen wir direkt weiter und durchqueren immer wieder kleinere Ortschaften die an der Donau angesiedelt sind. Auf der anderen Seite des Flusses ist gefühlt mehr los. Es sind mehr Häuser, mehr Verkehr, mehr Tourismus, mehr Brücken – gut dass wir auf der ruhigeren Seite unterwegs sind.

Unser nächstes Ziel heute ist das Eiserne Tor. Der Weg bis dahin ist kurzweilig. Angenehme Kurven führen uns am Fluss entlang und die Temperaturen halten sich während der Fahrt in Grenzen (bei Fotostops schlagen sie allerdings erbarmungslos zu). Die Zeit und die km vergehen heute flott. Der Donaudurchbruch ist schneller erreicht als gedacht. In der längsten Schlucht Europas quetscht sich die Donau durch die Berge. Der sonst megabreite Fluss wird hier bis zu 50 m tief. Die Idee doch einmal so eine Renternkreuzfahrt auf der Donau zu machen schleicht sich wieder in meinen Kopf. Im Adac Magazin werden die doch immer beworben. Und schon stehen wir gemeinsam mit einem Rentnerbus aus Ungarn auf einem Parkplatz und fotografieren.

Als wir zum ersten mal durch Kladovo fahren ist das ja noch normal. Dann ziehen wir einer Kurve der Donau folgend auch eine Kurve und stehen wieder in Kladovo… ich brauche kurz bis ich realisiere dass wir im Kreis gefahren sind. Hmmm, da hab ich wohl ne Abzweigung verpasst, also zurück und diese Suchen. Um die Mittagszeit gönnen wir uns an einer Tankstelle ein Eis und legen 30 Minuten Fahrpause ein. Die Landschaft ist inzwischen von blühenden Wiesen geprägt. Als wir dann unserem heutigen Ziel Zajecar näher kommen begleiten uns Obstplantagen (meist Kirschen). Toll in Serbien finde ich die bunte Mischung an Fahrzeugen. In Bosnien sah man z.B. in Massen 1er Golf. Hier in Serbien sind noch sehr viele Zastava und Yugo unterwegs, aber auch neue Dacias sieht man in größerer Anzahl.

Unsere heutige Unterkunft das Hotel Hamburg befindet sich mitten im Zentrum von Zajecar. Wir bekommen einen Stellplatz in der Hotelgarage und beziehen erstmal das Zimmer. Die Hitze im Stadtverkehr hat uns förmlich erschlagen. Wir brauchen ein wenig bis wir uns aufraffen können noch eine Runde zu laufen. Nach der Völlerei der letzten Tage beschließen wir uns nur eine Kleinigkeit beim Bäcker zu kaufen – wir scheitern kläglich. Die Bureks haben es uns einfach zu sehr angetan und so kaufen wir doppelt soviel wie wir später essen können. Ein paar Fotos der serbischen Stadt später essen wir auf dem Zimmer und begeben uns früh zu Bett. Morgen soll es in die Berge gehen, da wollen wir fit sein.

Balkantour 2018 – Tag 4 & 5 – 300km & 0 km – Vinci

Irgendwie kommen wir heute nicht in die Gänge. Aber das ist auf jeder Reise irgendwie immer das gleiche. Von Tag zu Tag wird es später mit dem Aufstehen und Losfahren. Ich denke bereits über einen Pausentag nach. Und das nach nur drei Fahrtagen. Anja lechzt danach weiterzukommen. Wir begeben uns also zum Frühstück in das Haupthaus und bekommen Brot, Ham and Eggs und Tee. So gestärkt starten wir um kurz vor 10 Uhr dann mit der Suche nach einen Geldautomaten unseren Tag. In Serbien gibt es Dinar und wir wollen uns zumindest mit ein paar Scheinen eindecken. Nach dem Geldautomaten gehen wir auch gleich noch Wasser kaufen und füllen die Trinkrucksäcke auf. Während Anja einkaufen war hat mich ein ungarischer Bettler penetrant und fordernd nach Geld gefragt. Er war regelrecht aufdringlich. Ich gebe grundsätzlich gerne etwas ab, aber diese Art der Forderung hat es mir vergrämt. Um kurz nach 11 Uhr können wir dann endlich richtig starten.

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Und was ein Start das werden sollte… laaangweilig… Serbien scheint wie Deutschland zu sein was die Nord-Süd Aufteilung angeht. Im Norden flach und riesige Landwirtschaftlich genutzte Flächen und im Süden dann Gebirge und hoffentlich interessante Landschaften. Wir fahren erstmal ewig geradeaus dahin, vor jeder noch so leichten Kurve steht ein Schild das die Geschwindigkeit von generellen 80 km/h runterdrosselt auf 60 km/h oder gar sogar nur 40 km/h. Da fällt man in der Kurve fast um. Die Ortschaften sind die Highlights am Wegesrand. Winkende Kinder und freundliche Gesichter begegnen einem in fast jedem Dorf. Auch drehen sich die meisten um und gucken uns lange nach.

Unser heutiges Highlight soll ein Gebiet von Sanddünen sein. Wir biegen in einer Ortschaft in eine kleine Nebenstraße ab und fahren durch ein paar zurückgelagerte Siedlungen. Nach dem Verlassen der Ortschaft sticht mir ein komischer Geruch in die Nase und ich sehe Qualm auf der linken Seite. Als wir näher hinkommen nehmen wir wahr dass dies die örtliche Müllkippe zu sein scheint. Dort schwelt ein kleines Feuer vor sich hin und es wühlen Leute im Dreck. Ein bedrückendes Gefühl macht sich in mir breit. In unserer Welt voll Wohlstand müsste es so etwas eigentlich nicht geben. Anders als der Bettler am Morgen der aufdringlich wurde um Geld ohne Gegenleistung zu bekommen sind die Menschen hier selbst bemüht sich das nötigste zu Suchen und das sogar im Müll der anderen.

Die Straße führt uns quasi ins Nichts. Zuerst begegnen uns noch Traktoren, dann ein Imker in seinem Auto und dann endet der asphaltierte Weg und geht in eine Schotterpiste über. Laut Navi scheinen es ca. 20 km Schotterpiste zu sein, kein Problem denken wir. Einige km weiter geht der Weg in einen Anstieg über der relativ sandig wird und ausgewaschen und ausgefahren ist. Auch diesen überstehen wir noch sehr gut. Anja ist mit reiner Straßenbereifung unterwegs und kommt schon etwas mehr ins Schwitzen als ich auf den Mitas E07. In einer kleinen Ansiedlung schauen uns die Dorfbewohner mit großen Augen an als wir vorbeifahren. So etwas haben sie scheinbar hier noch nicht gesehen. Wieder ein paar km weiter ist der Weg so schmal dass wir uns fragen ob wir hier noch richtig sind. Inzwischen ist er auch durchweg sandig und dann passiert es. In einer Rechtskurve kommt uns ein Traktor mit Anhänger entgegen und wir müssen auf dem engen Weg ausweichen. Ich fahre links ran und halte an als ich Anjas Motor aufheulen höre.

Schnell das Mopped abgestellt und umgedreht, da liegt Anjas Mopped auf der Seite und sie steht daneben. Der tiefe Sand in der Kurve kombiniert mit den Straßenreifen und dem plötzlichen Ausweichmanöver hat dem Vorderrad nicht gefallen und es hat sich einfach festgefressen. Anja signalisiert mit einem Daumen nach oben dass ihr nichts passiert ist, was in diesem Moment auch das einzige ist was zählt. Die Serben auf dem Traktor tuckern einfach an uns vorbei als ob nichts gewesen wäre. Wenigstens eine kurze Frage ob alles ok ist hätte ich mir schon erhofft. Wir richten gemeinsam Ari wieder auf und machen eine Bestandsaufnahme. Fahrer -> OK! Mopped: leichte Schrammen an der Verkleidung – ich werde unterbrochen durch Anja – Ist der Lenker gerade? Sind die Hebel noch ganz? Kann ich weiterfahren? – Das ist meine Frau!!! Also nochmal von vorne: Blinker vorne links kaputt, Spiegel links angekratzt, Kratzer in der Verkleidung und der Handprotektor ist ausgehängt. Also quasi nix passiert. Nach dem Check geht es weiter. Ein kleiner Junge treibt auf den folgenden Metern seine Ziegenherde für uns vom Weg und wir bedanken uns im vorbeifahren mit einem „Hvala“ was ihn lächeln lässt.

Wir kommen in der nächsten Ortschaft wieder auf Asphalt nur um am Ende der Ortschaft einen grottenschlechten sandigen Weg vorzufinden. Das wollen wir uns heute nicht nochmal antun. In der Ortsmitte ging eine asphaltierte Straße weg, welcher wir erstmal folgen. Ich improvisiere eine neue Route und wir fahren weiter am Rand der Dünen entlang. Durch die Rotenänderung nähern wir uns einer Fähre über die Donau welche wir eigentlich nicht einplanen wollten da sie nur alle 3 Stunden fährt. Wir beschließen den kurzen Umweg in Kauf zu nehmen um zu sehen ob es sich lohnt auf sie zu warten. Falls wir Glück haben würde sie uns gute 100 km sparen. Und wir haben Glück. Vom Fähranleger weit und breit keine Sicht, aber zwei Restaurants sind direkt am Wasser und der Wirt des einen beteuert dass hier der Fähranleger ist und dass sie in 30 Minuten fährt.

Wir nutzen die Zeit um eine eiskalte Cola bei dem freundlichen Wirt zu trinken und tatsächlich tuckert nach 20 Minuten die Fähre um die Ecke. Der Wirt sagt noch was von hinter dem Restaurant links und dann nochmal links und schon sehen wir wie die Fähre anlegt. Sie rammt ihre Rampe einfach in die Uferböschung und zwei Serben schaufeln die Löcher zwischen Rampe und Weg einfach mit Kies zu. Drei Autos fahren runter und wir drauf. Uns begleitet noch ein polnisches Pärchen die auf einer neuen 650er V-Strom unterwegs sind. Die Sozia füttert noch einen Straßenhund an der spontan beschließt mit uns überzusetzen und sich bedankt indem er nach der Dame schnappt. Die Fährleute und auch ihr Partner fanden es beide nicht witzig dass sie dem Hund immer wieder essbares hinhielt.

Nach der Überfahrt haben wir noch 25 km entlang der Donau vor uns. Dieses Streckenstück war heute das schönste. Wir kommen völlig erschöpft in unserer heutigen Unterkunft in Vinci an. Das kleine „Hotel“ Vila Dunavski Raj hat 8 Gästezimmer und ist familiengeführt. Mina und Ihre Eltern haben hier ein wahres Paradies geschaffen. Inmitten eines kleinen Pinienwaldes liegt ein Ort der absoluten Ruhe. Ein wunderschöner Garten umgibt das Haus und es gibt mehrere kleine Pavillons und Hängematten wo man die Seele baumeln lassen kann. Spontan beschließen wir einen Pausentag einzulegen und für zwei Nächte hier zu bleiben. Mina freut sich und lädt uns erstmal zu selbstgemachtem Saft ein.

Das Abendessen besteht aus einem Drei Gänge Menü welches von ihr und ihrem Vater zubereitet wird. Am ersten Abend bekommen wir eine Hühnersuppe mit Nudeln und Fleischeinlage, Serbische Burger (nur die Pattys), Hähnchenfleisch mit Kartoffeln und Krautsalat und als Dessert eine Erdbeercreme mit zwei Kugeln Eis. Wir sind begeistert! Nach diesem Menü fallen wir beide in einen totengleichen Schlaf.

Tag 5

Tag 5 unserer Reise begann erst um 8:30 mit dem unsanften Klingeln des Weckers. Um 9:15 waren wir dann auch endlich beim Frühstück. Auch hier verzauberte uns die Familie mit lauter selbstgemachten Sachen. Schokokuchen, Pfannkuchen, Marmeladen, verschiedene Brotaufstriche es fehlte uns an nichts. Den Vormittag verbrachten wir auf dem Balkon und im Bett. Die Ruhe tat uns richtig gut. Nachmittags zerlegte ich Elli um die verschmorte Steckverbindung hinter dem Kühler zu überbrücken welche dafür sorgte dass der Scheinwerfer nicht mehr leuchtete. Zuhause hatte ich die Steckverbindung noch gründlich gereinigt und war guter Dinge dass dies genügen würde. Leider hielt das nur 3 Tage. Nachdem Elli wieder zusammengeschraubt war machten wir uns endlich an eine Reiseplanung und mussten dabei feststellen dass wir gar nicht soviel Zeit wie gedacht zur Verfügung haben. Wir werden Griechenland nur kurz ankratzen und auch in Albanien werden wir nicht soviel erkunden können wie wir gehofft hatten. Aber was soll es, die nächste Reise kommt bestimmt. ZACK – schon war der Tag wieder vorbei und Mina brachte das Abendessen – halt nein, vorher hatten wir noch ein besonderes Erlebnis.

Ein Auto kam gefahren und ein Pärchen stieg aus gefolgt von einem Kameramann. Anja witzelte noch dass die beiden auf Hochzeitsreise seien und alles gefilmt wird. Minas Vater und Mutter setzen sich mit dem Pärchen an den Nachbartisch und Mina zauberte Kuchen und Getränke auf. Dann begann ein Interview. Zum Ende wurden wir dann noch auf unsere großen Motorräder angesprochen. Völlige Verblüffung löste die Klarstellung aus dass die weiße Maschine Anja gehört. Wir wurden dann freundlich gefragt ob Anja ein Interview fürs serbische Fernsehen geben möchte. Die beiden Reporter sind zu dem Thema Stärkung der Rolle der Frauen in Serbien unterwegs und da würde eine Frau die ein soooo großes Motorrad selbst fährt wunderbar mit reinpassen. In Serbien fahren Frauen kein Motorrad! Anja war das ganze nur unangenehm und wir lehnten dankbar für diese Aufmerksamkeit ab. Mina meinte hinterher dass sie das auch nicht getan hätte, erst recht nicht auf Englisch.

Nun aber zum Abendessen. Heute gab es eine Fischsuppe und dann als Hauptgang Silberbarsch aus der Donau mit Kartoffelsalat und Krautsalat. Als Dessert gab es heute einen Strudel mit fruchtiger Füllung. Das Fresskoma war gesichert. Nachdem wir gestern alles aufgegessen hatten bekamen wir heute von allem doppelt soviel. Unmöglich das zu schaffen. Nach dem Essen ging es direkt ins Bett. Ich tippe noch diese Zeilen während Anja schon längst schläft.

Balkantour 2018 – Tag 3 – 278 km – Backa Topola

Bad as Conny… halt nein, Badacsony heisst der Ort in dem wir genächtigt haben. Irgendwie krieg ich es nicht hin Badacsony zu sagen, es wird bei mir immer ein Bad as Conny. Wir haben mal wieder geschlafen wie Steine, Steine in einem traumhaften Bett. Unsere Unterkunft (Berkes Vendégház) ist genial und das Frühstück wurde noch viel genialer! Omelett mit Paprika, Zwiebeln, Tomaten, Käse und Schinken. Das macht satt! Eigentlich bräuchten wir nach dem Essen ein Verdauungsschläfchen. Wir müssen (eigentlich nicht… aber wir wollen) packen und heute bis nach Serbien fahren.

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Der Weg am Plattensee entlang zieht sich und ist utz langweilig! In Tyhany lösen wir unser Fährticket und 15 Minuten später setzen wir über den Plattensee. Auf der anderen Seite ist noch mehr Tourismus und die Strecke wird nicht reizvoller. Ich tanke noch bevor wir den See verlassen und wir füllen unsere Trinkrucksäcke mit kaltem Wasser auf. Dann geht es endlich weg aus dem Tourigebiet. Landwirtschaft umgibt uns. Ackerbau herrscht vor während wir uns in Richtung Kalocsa vorwärts schieben. Irgendwann kommen wir an die Donau und müssen feststellen dass hier nur eine Fähre zur Verfügung steht. Ca. 60km Umweg wäre es über die nächste Brücke. Die Fähre geht erst in einer Stunde um 14 Uhr wieder, also machen wir es uns auf einer Bank unter einem Baum bequem und chillen. Ich glaube ich hab auf keiner Reise in den letzten 3 Jahren soviel gelesen wie diesmal bereits während der ersten 3 Tage. Total entspannt. Die Donau plätschert vor sich hin, immer wieder kommen Frachter vorbei und es weht ein angenehmer Wind. Hach ist das Leben schön.

Um kurz vor 14 Uhr kommt dann Hektik auf. Die Fährleute sind aus der Mittagspause zurück und machen den Weg frei zum beladen. Kaum 5 Minuten später geht die Fahrt auch schon los. Der Kassierer auf dem Schiff fragt uns ob wir aus Ansbach kommen, er kennt das da er schon oft in Deutschland war. Wir halten einen kurzen Plausch und bezahlen in EUR – bisher haben wir noch keine Forint benötigt. Entweder wurde Kreditkarte oder Eur aktzeptiert. Der Schiffer meinte nur Geld ist Geld.

Nach dem überqueren der Donau fällt auf dass die Ortschaften verlassener werden. Immer mehr Häuser machen einen leerstehenden Eindruck. Riesige Industrieanlagen liegen brach. Es scheint die Jugend flüchtet von hier. Um Kalocsa ist das weltweit größte Anbaugebiet für Paprika. Wir sind ein wenig zu früh dran, die Paprikafelder zeigen nur einige wenige Blüten. Wäre ein Interessanter Vergleich zwischen den lila Lavendelfeldern der Provence (die wir letztes Jahr gesehen haben) und dem roten Paprika hier geworden, aber das sollte noch nicht sein.

Die Fahrt bis zur Grenze nach Serbien verläuft eher langweilig und unspektakulär. Der Straßenzustand wird schlechter, die Orte noch verlassener und um uns rum hat es immer noch Ackerbau soweit das Auge reicht. An der Grenze sticht einem dann sofort der Zaun ins Auge. Aufgrund der „Flüchtlingskrise“ wurde dieser gebaut um Ungarn abzuschotten. Irgendwie ein komisches Gefühl an einem Grenzzaun zu stehen. So etwas ist man heute einfach nicht mehr gewohnt. Die Kontrollen verlaufen auch nicht so locker wie bisher gewohnt. Der ungarische Grenzer inspiziert die Reisepässe und die KFZ Scheine ausführlich bevor er uns den Weg frei macht. An der serbischen Kontrollstelle nehmen sich die Papiere gleich drei Personen vor. Aber auch hier dürfen wir nach 10 Minuten ohne Beanstandungen passieren.

In Serbien wirken die Orte wieder belebter als in Ungarn. Der Ackerbau erinnert mehr an unsere fränkische Heimat. In Ungarn waren die Äcker riesig, hier in Serbien sind es wieder deutlich kleinere Äcker die wesentlich mehr Vielfalt bieten. Getreide, Olivenbäume, Paprika, Wiesen oder z.B. Mais wechseln sich hier ab. Von der Grenze bis zu unserer Unterkunft in Serbien ist es nur eine gute halbe Stunde. Das Hotel Kaštel liegt in einem Park und hinter der Haus befindet sich ein See. Absolut idyllisch. Nur leider ist die Tür verschlossen…sollte das Hotel geschlossen haben? Wir begeben uns zum Nachbarhaus, welches scheinbar auch ein Hotel mit Restaurant ist und bekommen dort unseren Schlüssel. Die beiden Häuser gehören zusammen und haben scheinbar nur in der Saison getrennte Rezeptionen. Das kleinere Haus in welchem wir die Nacht verbringen gehört uns komplett alleine! Wir sind scheinbar nach dem Winter die ersten Gäste hier im Haus. Erstmal lüften und das Wasser ein wenig laufen lassen da es doch sehr muffig riecht.

Den Abend verbringen wir im Restaurant des Nachbarhauses und genießen eine Fleischplatte für zwei. Für umgerechnet ca. 8 Eur haben wir 600gr Fleisch und Beilagen erhalten, da kann man nicht meckern. Nach dem Essen machen wir uns nochmal kurz über die Routenplanung nur um festzustellen dass wir zu müde dafür sind.