Pyrenäentour 2017 – Tag 7 – 214 km – Ax les Thermes

Um 6:45 holt mich der Wecker aus dem Schlaf. Ich widme mich kurz der Morgentoilette und ziehe mich an. Dann fahre ich mit Anjas Motorrad nach Perpignan wo ich um 8 Uhr bei CIR (so ähnlich wie in Deutschland Trost) eintreffe. Hier soll ich laut dem Rollerhändler Conflent Cycles das Lager abholen. Ich sehe aber erstmal nur in ratlose Gesichter. Das Teil ist nicht vorrätig. Ich verweise nochmals auf den Anruf vor zwei Tagen und endlich erinnert sich ein Mitarbeiter an den „Allemand“ der heute etwas abholt. Nun wird man auch im Computersystem fündig. Das Teil wird für 11 Uhr erwartet. Also nochmal warten. Ich lege mich neben das Motorrad auf den Parkplatz und versuche im Schatten eines Baumes noch ein wenig zu dösen. Sind ja nur drei Stunden. Um 10:45 fährt ein Postauto auf den Hof und ein Mitarbeiter von CIR kommt herausgelaufen, reißt noch auf dem Parkplatz das Paket auf und winkt mir mit dem Lager. Alles wird gut! Ich nehme das Lager in Empfang und mache mich auf den Weg zurück nach Prades zu Conflent Cycles.

Zuerst sammle ich Anja noch am Hotel ein und wir tauschen wieder Motorräder. Um 11:50 stehe ich beim Schrauber auf dem Hof und berichte ihm begeistert dass ich das Lager jetzt habe und frage wann wir es tauschen können. Er verweist mich auf 14 Uhr da jetzt erstmal Mittagspause ist. Ich bin ja kein unfreundlicher Mensch und schlucke runter was ich in dem Moment denke. Die Aktion dauert höchstens 10 Minuten. Na gut ein freundliches Lächeln und nochmal zwei Stunden warten. Diese verbringen wir bei Mc Donalds im Schatten mit Toiletten in der Nähe und Free-WIFI. Na gut wir essen entgegen unseren Gewohnheiten auch etwas. Schon zum zweiten Mal in diesem Urlaub. Aber es ist wie immer nicht wirklich befriedigend was man da so bekommt. Auf dem Weg zur Werkstatt decken wir uns noch mit Wasser ein und pünktlich um 14 Uhr (der Deutsche schlägt da voll durch) sitzen wir auf den abgebauten Koffern vor der Halle und warten dass die Tür auf geht. 14:15 nix ist passiert… ich schlendere mal um die Halle und siehe da hinten ist offen und zwei Mann sind am werkeln. Nix Pause, ich soll meine Maschine von hinten in die Werkstatt schieben. Schnell ist das Heck an einem Kran aufgehängt, das Rad draußen und die Misere begutachtet. Für mich sieht das verbaute Lager aus wie aus dem Laden. Es ist auch nicht im geringsten ausgeschlagen. Egal, jetzt wird es getauscht! Also das Alte raus, das Neue rein. Achja und da war ja noch was. Sitzen die Spacer richtig? Ja sie waren beide korrekt montiert. KEINE Ursache für das Wackeln des Kettenrades erkennbar! Also das Rad wieder rein und geprüft und siehe da: Es ist besser, aber nicht weg. Es wackelt immer noch, na gut es hat weniger Spiel, aber es wackelt immer noch. Der Franzose kommentiert mit einem lässigen: le normal! Und ich sitz etz da mit dem Ding. Also gut dann geht es eben so weiter. Wir werden es gut im Auge behalten und zu Hause dann nochmal gründlich prüfen. Ich bin jetzt jedenfalls sicher dass das Lager 100% in Ordnung ist!

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Nachdem wir uns ausführlich bedankt haben für die Hilfe packen wir wieder alles auf und fahren noch schnell tanken bevor es endlich weiter in Richtung Westen geht. Grobes Ziel für heute – es ist ja bereits 15 Uhr – ein ACSI Camping Platz in Ax les Thermes. Endlich wieder fahren! Die Hitze lässt mit jedem Höhenmeter den wir gut machen nach. Das ist echt angenehm! Wir erklimmen den ersten Col des Tages – den Col de Jau. Von dort geht es direkt weiter zum Col du Garavel und im Anschluss zum Col de Moulis. Die Aussicht ist sagenhaft, die Straßen ein Traum – wer die Dolomiten liebt war noch nicht hier! Die kleinen Dörfer die sich an die Hänge schmiegen oder auf kleinen Gipfeln thronen sind wunderschön anzuschauen. Allerdings muss ich auch sagen dass es mir schwer fällt die Umgebung richtig in mich aufzunehmen. Es sind einfach zu viele Kurven die unsere Aufmerksamkeit benötigen. Und auf Anhalten habe ich nach der Zwangspause keine Lust. Ich will endlich wieder vorwärts kommen.

Der letzte Pass des Tages und unser erster 2000er auf der Tour wird der Col de Pailheres mit 2006m. Direkt auf der Passhöhe steht eine Herde Pferde die mit „Kuhglocken“ ausgestattet sind. Der Pass selbst ist über und über bedeckt mit plattgefahrenen Pferdeäpfeln. Wir legen hier einen kurzen Fotostopp ein und genießen den Ausblick. Ein Schild weist auf Investitionen in Höhe von 1.300.000 Eur hin. Und nur wenige Meter weiter ahnen wir auch in was die gerade aktuell investiert werden. Die Straße den Pass hinab in Richtung Ax les Thermes ist gesperrt. Jetzt kommt wieder der korrekte Deutsche durch und ich überlege ob wir es trotzdem probieren sollen als ich einen wild winkenden Bauern sehe der uns bedeutet einfach weiterzufahren. Also gut wenn der das sagt, er kennt sich hier besser aus als wir. Nach einigen Kehren passieren wir eine frisch geteerte Fläche, die Bauarbeiter weisen uns genau ein wo wir entlangfahren sollen.

Nachdem die Reifen wieder sauber gefahren sind und die frisch geteerte und mit Rollsplit bestreute Straße wieder in alten Teer übergegangen ist stellt sich auch wieder Kurvenspass ein. Da nähert sich aber auch schon unser Tagesziel. Die Straßen werden nass , es scheint hier erst geregnet zu haben. Wir rollen durch Ax les Thermes, kaufen noch kurz ein und tanken die Motorräder voll. Dann stellen wir das Zelt auf und kochen uns was leckeres um den Abend vor dem Zelt ausklingen zu lassen. Der Platz ist toll! Die Temperaturen sind endlich erträglich. Wir freuen uns auf die Nacht im Zelt. Es ist jetzt 22:30 der Bericht ist geschrieben, wir haben Wäsche gewaschen und einen tief zufriedenen Zustand. Ich glaube jetzt sind wir im Urlaub angekommen.

Pyrenäentour 2017 – Tag 5 + 6 – 209 km – gestrandet in Prades

Wir versuchen möglichst früh aufzustehen um der größten Hitze aus dem Weg zu gehen. Unsere Erschöpfung verhindert dies aber halbwegs. So kommen wir erst um 7:30 Uhr aus dem Zelt und brauchen auch relativ lang bis wir gepackt haben. Wir wunderten uns noch dass es uns nicht aus dem Zelt geglüht hat um dann freudig zu erkennen dass zum Unmut unserer Platznachbarn der Himmel komplett bewölkt war. Zum Frühstück gab es schnell noch Croissants aus dem Shop des Campingplatzes. Um 9:30 Uhr sind wir dann endlich wieder unterwegs.

Unsere Zielsetzung für heute: Endlich in die Pyrenäen! Das restliche Stück Küste bis Argeles Sur Mer läuft ganz gut, auch wenn uns die Landschaft nicht reizen kann. Wir erreichen das erste Etappenziel für heute gegen 12 Uhr und legen einen kleinen Stop ein bei dem ich Elli ein wenig Öl gönne. Bei den Temperaturen verbraucht sie davon so einiges. Das war in Norwegen irgendwie auch weniger.

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Von nun an soll es also gen Westen gehen bis wir den Atlantik erreichen. Das beginnt erstmal mit dem Verlassen des Großraumes Argeles Sur Mer auf etwas größeren Straßen. In Saint Jean Pla de Cortes biegen wir rechts ab und es beginnt. Kleinste Sträßchen, Kurve an Kurve ein Traum für jeden der nicht zwingend Rennstreckentempo haben muss. Wenn, ja wenn da nicht die Hitze wäre. Die Dörfchen auf oder an den Hängen sind dicht bebaut, meist kann man nur nebenan Parken und um in Moppedklamotten reinzulaufen ist es uns einfach viel zu warm. Ohne unsere Trinkrucksäcke würden wir das nicht überstehen. Sie ermöglichen es uns dem Körper regelmäßig Flüssigkeit zuzuführen. Unser Geschwindigkeitsdurchschnitt sackt ins Bodenlose, den zweiten Gang verlasse ich nur selten. Aber die Straßen machen Spass und es nimmt kein Ende. Wir fahren über den Col Xatard und den Col de Polomere. Straßenarbeiter warnen uns vor frischem Rollsplit und wir bedanken uns. Anja hat das „Merci“ schon mehr verinnerlicht als ich. Bei mir kommt immer noch automatisch ein „Thanks“ und dann erst ein „Merci“. Wir benötigen drei Stunden für 91 km. Es war eine wunderschöne Strecke genau so wie es uns gefällt und doch haben wir es nur zum Teil genossen. Anja kommt mit der Hitze besser zurecht als ich. Ich ziehe mich daran hoch dass es in Richtung Atlantik besser wird.

In Prades wollen wir tanken und unsere Wasservorräte auffüllen. Einen Plan machen wo wir heute Campen wollen. Ca. 50 km wollen wir noch fahren dann soll Schluss sein für heute. Während Anja einkaufen geht drehe ich meine übliche Runde um die Motorräder checke Ölstand, Reifen und die Ketten. Und dann fällt mein Blick auf den Spacer am Kettenradträger und ich sehe deutlich dass dieser sich in der Dichtung bewegt. Dies sollte nicht sein. Sofort liege ich am Boden und wackle am Kettenrad und tatsächlich es lässt sich 2-3 mm hin und her bewegen. F..k das Kettenradträgerlager hatte ich noch kurz vor dem Urlaub gewechselt. Nach nun knapp 1800km scheint dieses wieder defekt zu sein. Was sind die Folgen? Kann ich so weiterfahren? Kann ich so weiter in die Pyrenäen fahren wo wir noch schwieriger an Ersatzteile kommen? Klare Antwort: Nein!

Anja kommt mit dem Einkaufswagen zurück und sieht mich am Boden hinter dem Motorrad liegen. Wir beschließen eine Werkstatt in Prades zu suchen. Kein Wort Französisch zu sprechen erweist sich als nicht besonders hilfreich. Hier in Prades begegnet uns aber jeder freundlich und hilfsbereit. Mit Hilfe einer Dame aus einer Renault Werkstatt finden wir eine „Moto garage“. Der Mechaniker versteht mein mit Händen und Füssen beschriebenes Problem und hat leider kein passendes Lager vorrätig. Er kann aber eines bestellen welches Mittwoch vormittags in Perpignan verfügbar wäre. Da heute bereits kurz vor Ladenschluss ist und wir keine andere Alternative sehen bestellen wir es.

Nun heisst es hier abwarten bis wir das Teil am Mittwoch abholen können um es dann in der Werkstatt zu wechseln. Wir suchen uns über booking.com ein Hotel und fallen nach einem kurzen Vesper völlig erschöpft ins Bett. Bei mir ist irgendwie total die Luft raus. Wie schaffen es manch Langzeitreisende sich bei Defekten immer wieder zu motivieren? Ich bewundere diese Lebenseinstellung. Anja versucht mich aus der Depriphase wieder rauszuziehen dies gelingt ihr aber nicht bevor uns der Schlaf übermannt.

13 Stunden später wachen wir auf und sind immer noch völlig platt. Wir gehen nochmal die Optionen durch welche wir nach dem Lagerwechsel haben. Fazit ist wir müssen erstmal sehen was die Ursache für das Versagen nach nur 1800km ist. Wir brauchen etwas zu Essen also laufen wir los in Richtung Ortsmitte und stoßen auf einen fröhlichen französischen Markt. Hier gibt es alles was man fürs tägliche Leben so braucht. Nicht nur Nahrungsmittel und Kleidung sondern auch Matratzen oder Fenster kann man hier kaufen. Wir Essen Crepe und Churros zum Frühstück. Das technische Problem rückt für den Moment in den Hintergrund. Wir lauschen einer Musikgruppe und beobachten tanzende Menschen. Und das alles an einem Dienstag Vormittag! Wir kaufen Käse, Wurst, Obst, Gemüse und Brot um heute Abend etwas zu Essen zu haben. Dann geht es zurück zum Hotel. Die Hitze wird wieder unerträglich. Wir verbringen den Nachmittag im Zimmer. Anja liest und ich widme mich den Berichten der letzten zwei Tage und unseren Bildern.

Hoffentlich können wir das Problem mit dem Lager morgen Vormittag nachhaltig lösen so dass wir weiter fahren können. Wir wollen heute wieder bald schlafen und ich will um 7 Uhr bereits nach Perpignan aufbrechen um das Ersatzteil zu holen.

Pyrenäentour 2017 – Tag 4 – ca. 372 km – Narbonne

Der Ausflug zu den Lavendelfeldern war definitiv genial! Unglaublich wie sich die lilafarbenen bis zu hüfthohen Büsche in sauber gepflegten Reihen bis zum Horizont erstrecken. Das ist definitiv eine Location die jeder Fotografie begeisterte mal aufgesucht haben sollte. Mein Tipp: Paar Tage Zeit nehmen. Unser eigentliches Ziel sind ja die Pyrenäen, daher hatten wir nur den einen Abend / Sonnenuntergang um ein paar Eindrücke festzuhalten. Aber das wichtigste ist nicht nur durch den Sucher zu gucken, sondern auch mal die Szenerie einfach auf sich wirken zu lassen. Tief einzuatmen und den Duft in sich aufzunehmen. Um ca. 23 Uhr waren wir wieder zurück im Hotel und fielen wieder in einen tiefen Schlaf.

Um kurz vor 7 Uhr holte uns der Wecker aus eben diesem. Packen war angesagt. Dann die erste Ladung Zeugs zu den Motorrädern bringen und direkt noch im kleinen Laden Frühstück kaufen. Brie, Hartkäse, Baguette und Croissants. Damit kann der Tag beginnen. Nach dem Frühstück zügig den Rest zusammengepackt und um 9:03 Uhr ging es dann los, erstmal in Richtung Westen weiter durch den Parc naturel régional du Verdon. Diese Naturschutzparks haben es uns sehr angetan. Schöne Landschaft, kurvige Straßen und wenig Verkehr. So kann es weitergehen. Wir können immer noch nicht richtig glauben dass hier Mitte Juni noch Nebensaison ist. Uns glüht es fast durch die Motorradklamotten.

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Wir verlassen den Verdon um uns in Richtung Küste zu begeben. Ein Ziel des heutigen Tages ist der Parc naturel régional de Camargue. Hier setzen wir auch mal wieder mit einer Fähre über wobei Anja unfreiwillig das Motorrad gehalten wird. Der Fährmann traut ihr scheinbar nicht zu die V-Strom selbst zu halten. Bei mir sorgt dies für Erheiterung, bei ihr nicht so ganz. Hier gibt es Salzseen und eine Sumpflandschaft. Wie gewohnt von den Parks sind auch hier schöne kleine kurvige Straßen zu finden. Der Fahrbahnbelag ist nicht immer der beste, aber das spielt für uns keine Rolle. Das Klima spielt dafür mehr eine Rolle. Es wird so richtig dämpfig und schwül. Das ist echt unangenehm auf dem Motorrad. Plötzlich erblicke ich eine Kolonie von wilden Flamingos, einer der Gründe warum man hier mal vorbeischauen sollte. Schnell am Fahrbahnrand gestoppt, die Nikon D5500 mit dem Tamron 70-200 verschraubt und ein paar Schüsse gemacht. Sie sind zwar auch mit dieser Kombi noch weit weg, aber wir haben sie gesehen! Been there, done that! Naja vielleicht haben wir ja noch Glück und sehen noch welche die Näher an der Strasse sind. Einen längeren Aufenthalt mit Laufen wollen wir aufgrund des Klimas nicht in Kauf nehmen. Kurz vor dem verlassen der Carmargue sehen wir auch noch ein paar Wildpferde die interessiert näher kommen als wir anhalten.

Hab ich schon erwähnt dass mir das Klima heuer  bisher mindestens so auf den Zeiger geht wie Anja letztes Jahr in Norwegen? Wir waren ja schon einige male im Balkan unterwegs. Juli in Kroatien ist uns auf dem Motorrad auch nicht unbekannt. Aber hier ist es ganz anders! Die Hitze ermüdet deutlich mehr. Die Sonne brennt unerbittlich. Und im ganzen Körper macht sich einfach nur Erschöpfung breit. Nachdem wir die Carmargue verlassen haben heisst es an der Küste entlang einfach nur gen Süden. Den Einstieg in die Ost – West Route wollen wir in Argeles Sur Mer nehmen. Auf Höhe von Narbonne finden wir einen Campingplatz welcher für heute unser Tagesziel sein soll. Zum ersten Mal in unserer Reisehistorie nächtigen wir auf einem 4-Sterne Platz auf dem jede Parzelle ein eigenes Sanitärhäuschen hat. Dekadenz ist heute angesagt. Den Pool des Platzes nutzen wir um unsere Körper etwas runterzukühlen und die verspannten Muskeln zu lockern. Um ca. 21 Uhr liegen wir erschöpft und auf der Flucht vor kleinen Stechmücken im unangenehm warmen Zelt und schließen die Augen.

Wir sind gespannt wie morgen der Einstieg in die Pyrenäen werden wird und was die Küste vorher noch zu bieten hat. Der Teil Küste den wir heute gesehen haben hat uns nicht begeistern können. Endlose Parkplatz Reihen vor einem windigen Sandstrand wechseln sich ab mit Vergnügungsparks welche aktuell noch leer sind da hier noch keine Saison ist.

Pyrenäentour 2017 – Tag 2 + Tag3 – 431km Saint Martin de Bromes + Pausentag

Planen kann man viel… sich etwas nur grob vorzunehmen reicht in der Regel auch schon aus, damit es nicht klappt. Nunja, dazu aber später mehr. Der Wecker holte uns um 7:30 aus dem erholsamen Schlaf. Die Temperatur draußen war auf dem Col de la Faucille äußerst angenehm und ließ noch nicht erahnen was uns heute noch blühen sollte. Wir gingen gemütlich zum Frühstück, welches um 8 Uhr beginnen sollte und mussten feststellen dass ein Bus voller Senioren wie ein Heuschreckenschwarm über das Buffet hergefallen war. Semmeln? Fehlanzeige! Für uns wurde dann extra Baguette aufgebacken. Das sollte aber bei 11 Eur pro Person fürs Frühstück auch selbstverständlich sein. Der Bus fuhr jedenfalls um 8:15 ab und wir konnten in aller Seelenruhe die Reste vom Buffet genießen. Um 9:30 saßen wir dann gut gestärkt und voller Tatendrang auf den Motorrädern und starteten die Motoren.

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Wo man hochfährt muss man auch wieder runter. Die letzten km gestern waren schön, und die ersten heute wurden es auch. Lediglich die Kurven gingen noch nicht ganz so flüssig am frühen Morgen. Aber das wurde mit jeder besser. Nach ca. 50 km verlassen wir bei Bellegarde sur Valserine den Parc naturel régional du Haut-Jura und folgen der Rhone. Ein Fluss bedeutet automatisch immer Kurven. So auch hier. Der Verkehr fließt in angenehmer Geschwindigkeit und die Temperaturen steigen so langsam aber sicher an. Immer wieder bildet die Rhone natürliche Seen aus oder wird durch die Energiegewinnung zu künstlichen Seen gestaut. An einem dieser natürlichen Seen erblicken wir eine Kolonie von Schwänen. Man kann das wirklich nicht anders sagen. Es waren geschätzt so um die 70 Tiere die hier im seichten Wasser nach Nahrung tauchten. Man sah Schwanenhinterteil neben Hinterteil in die Höhe gereckt. Nur zum Luftholen kamen die Köpfe kurz nach oben. Ein Schauspiel dass wir so noch nie gesehen hatten.

Nachdem wir die Rhone verlassen hatten ging es direkt in Richtung Parc naturel régional du Vercors. Kurz vor dem Erreichen desselbigen säumten den Fahrbahnrand unendliche Reihen von Bäumen in gepflegten Plantagen. Während ich mich noch fragte was hier angebaut wird hatte Anja die Antwort schon parat: Walnüsse. Sauber gepflegt in Reih und Glied stehen sie hier in schier unendlicher Anzahl und spenden riesigen Arealen Schatten. Wie gerne hätten wir uns für ein Stündchen ins Gras gelegt und ein kleines Schläfchen gehalten. Aber wir haben heute noch etwas vor und wir kommen deutlich langsamer voran als gedacht. Die schönen kurvigen Straßen fordern ihren Tribut und das sollte nicht besser werden… wobei doch eigentlich wurde es besser. Nur nicht für unsere Zeitplanung.

Direkt nach dem Erreichen des Parc naturel régional du Vercors wurden die Straßen noch kleiner und führten uns wieder in die Höhe. Höhe bedeutet angenehmere Temperaturen und das begrüßen wir sehr. Wir kommen nach vielen kleinen Kurven plötzlich an einem Wasserfall an. Der schreit danach das Stativ rauszuholen und Anja ihre ND Filter ausprobieren zu lassen. Leider schleicht sich ein Franzose ins Bild und Anjas Laune sinkt. Außerdem steigen die Temperaturen auch hier stetig an und so fahren wir nach ein paar wenigen Fotos wieder weiter. Ein kritischer Blick auf die Uhr ermunterte uns zusätzlich. Immerhin ist die Unterkunft für die nächsten beiden Tage bereits gebucht und wir wollen heute Abend und Nacht noch die Lavendelfelder und eventuell die Milchtstrasse in Valensole ablichten. Soviel zum Plan…

Der Parc naturel régional du Vercors wäre aufjedenfall mal ein paar Tage mehr Wert. Eine wunderschöne Gegend um Motorrad zu fahren oder zu wandern. Unser heutiges Tagesziel ist aber der Parc naturel régional du Verdon. Und bis wir diesen erreichen vergeht noch viel Zeit. Als wir den Parc naturel régional du Vercors verlassen ist es bereits 17 Uhr. Wir brauchen dringend eine Tankstelle und etwas zum Abendessen wollten wir auch noch einkaufen. Als wir dann einen Intermarche gefunden haben meint Anja noch, dass wir einkaufen lieber später erledigen damit wir das Zeug nicht so lange in der Sonne rumfahren… Das klingt nach einem Plan. Allerdings kommen wir nur sehr langsam voran und so halten wir um kurz nach 19:30 wieder an einem Intermarche nur um festzustellen dass dieser bereits um 19:30 geschlossen hat. Der nächste Stop ergab das gleiche Problem. Um 19:55 stoppten wir dann an einem Contact Markt nur um festzustellen, dass dieser 10 Minuten vor Ladenschluss bereits die Türen verschlossen hatte. Zum Ausgang ließ man uns nicht mehr rein und um 19:58 wurde auch dieser verschlossen. Soviel zum Plan… naja wir haben ja genug haltbare Sachen dabei, dann gibt es halt nix Frisches.

Um 20 Uhr ging es dann endlich in den Parc naturel régional du Verdon und die ersten Lavendelfelder kamen in unser Blickfeld. Allerdings hatte uns auch eine unwahrscheinliche Erschöpfung gepackt. Es hatte immer noch um die 35 Grad, wir schwammen in unseren Klamotten und wollten erstmal nur Duschen und etwas Essen. Um 20:30 Uhr erreichten wir endlich das Hotel La Fontaine in Sant Martin de Bromes. Der Check In erfolgte mit Händen und Füßen da hier niemand Englisch spricht. Das 2 Sterne Hotel ist sehr einfach und man darf sich mit den anderen Gästen eine Toilette auf der Etage teilen. Trotzdem ist das Haus in der Altstadtlage ein echtes Kleinod und wir fühlten uns hier direkt wohl. Nachdem wir unser Gepäck einmal ums Haus und dann noch 2 Stockwerke in die Höhe getragen hatten tropfte uns der Schweiß aus allen Poren. Schnell unter die Dusche und etwas gegessen. Der Plan um 0 Uhr zu den Lavendelfeldern zu fahren wurde einstimmig verworfen da wir stehend KO waren. Unsere Priorität in diesem Urlaub liegt auf dem Motorradfahren. Fotgrafieren läuft nebenher. Wir fielen sofort in einen totengleichen Schlaf der 11 Stunden andauerte.

1080 km in 2 Tagen und das bei Temperaturen nahe der 40 Grad fordern einfach Ihren Tribut. Das war letztes Jahr in Norwegen einfacher. Aber immerhin friert es Anja diesmal nicht. Und wehe sie meckert weil es zu warm ist!!! Direkt neben dem Hotel ist ein kleiner Tante Emma Laden in welchem ich Baguette, Croissants und eine Guadeloupe Melone holte, was unser Frühstück darstellte. Wir ließen es extrem langsam angehen. Erstmal die Funktionswäsche rauswaschen. Der Geruch war selbst mir zuviel. Dann gammelten wir noch ein bisschen im Zimmer rum bis die größte Mittagshitze vorbei war. Nachmittags unternahmen wir einen kleinen Spaziergang mit den Kameras durch den Ort. Hier ist man nicht dem Massentourismus erlegen. Der historische Kern der Ortschaft Sant Martin de Bromes ist extrem ruhig und das Zentrum stellt der Platz vor unserer Unterkunft dar. Hier genießen wir dann auch noch einen Smoothie und einen Frappe bevor um 16:30 der kleine Laden wieder öffnet in welchem wir uns mit Käse und Baguette eindecken um ein frühes Abendbrot zu uns zu nehmen. Zum Sonnenuntergang soll es heute nämlich wirklich zu den Lavendelfeldern um Valensole gehen. Bevor wir uns hierfür wieder in die Moppedklamotten werfen entstehen aber noch diese Zeilen.

Morgen soll es wieder weitergehen in Richtung Mittelmeerküste. Wir hoffen dort in der Carmargue wilde Flamingos zu sehen und vielleicht auch das ein oder andere Foto zu schießen, bevor es dann in die Berge geht.

Pyrenäentour 2017 – Packen & Tag 1 – 639km – Col de la Faucille

Es ist Mittwoch der 14.06.2017 ca 15 Uhr und ungewöhnlicherweise beginnen wir zu Packen. Wir haben es beide frühzeitig von der Arbeit nach Hause geschafft und nutzen die Zeit um es gemütlich anzugehen. Kurz keimt in mir die Idee auf heute noch zu starten und über Land bis in den Schwarzwald zu fahren. Da bremst mich aber auch schon Anja aus. Wir starten diesmal gemütlich. Um kurz nach 22 Uhr fallen wir ins Bett. Die Motorräder stehen fertig beladen in den Garagen und warten darauf dass wir sie starten. Wir stellen uns den Wecker auf kurz vor 7 Uhr. Noch schnell Duschen, etwas frühstücken und dann soll es um 8 Uhr losgehen.

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Donnerstag morgen 6:55 der Wecker klingelt, 7:00 Uhr der Wecker klingelt wieder, 7:05, 7:10,… okay vergiss 8 Uhr starten. Wir haben ja locker Zeit. Sind heute ja nur 640 km, davon knapp 400 km deutsche Autobahn um erstmal ein Stück voranzukommen. Um 8:45 Uhr haben wir es dann tatsächlich geschafft. Wir sitzen auf den Motorrädern und beginnen unseren Trip nach Frankreich und Spanien. Wir fahren Bundestrasse bis Aurach, dort geht es dann auf die A6 welche ungewöhnlich leer ist. Wir genießen es frei fahren zu können und legen die Distanz bis zur A5 ohne Auffälligkeiten zurück. Es wird immer wärmer und die Sonne brennt unerbittlich auf den Asphalt. In der Gegend um Karlsruhe kommt es dann zum Stillstand. So leer die A6 war, so voll ist die A5 und hier gibt es eine massive Baustelle welche zu einem noch massiveren Stau führt. Über eine Stunde benötigen wir um dieses Hindernis zu überwinden. Als Ziel hatten wir uns eigentlich 12 Uhr = Französische Grenze gesetzt. Das wird nix. Der Stau und unser behäbiger Start in den Tag führen dazu dass wir erst um 14 Uhr die Grenze passieren.

Ab hier geht es nun über Land weiter. Aber zuerst müssen wir das Ballungszentrum um Mulhouse irgendwie überleben. Wir haben uns entschieden in Frankreich zu bleiben und keinen Abstecher durch die Schweiz zu fahren. Zu schlecht sind unsere Erinnerungen an den Verkehr bei den Eidgenossen. Wir kommen zügig voran und die Straßen werden immer kleiner und kurviger. Wir genießen es die schwer bepackten Maschinen von links nach rechts und wieder zurück zu werfen. Ein Stop bei Aldi um die Trinkrucksäcke wieder zu füllen (sie sind unser Lebensretter bei Temperaturen um die 35 Grad! Kann man echt jedem empfehlen der ein bisschen weiter als nur eine Feierabendrunde fährt), ein Tankstopp und ein Toilettenstop sind unsere einzigen Pausen. Dies ist wohl auch der Tatsache geschuldet dass wir das getrunkene Wasser direkt wieder rausschwitzen.

Die letzten 80 km des Ersten Tages führen uns durch den Parc naturel régional du Haut-Jura. Kurven hats hier! Eine wahre Pracht! Das entschädigt vollends für die Autobahnfahrt während der ersten Tageshälfte. Wir gewinnen auch immer mehr an Höhe und Anja vergleicht die Landschaft mit einer Mischung aus Allgäu und Auenland. Alles ist grün und bewaldet. Unser heutiges Tagesziel ist das Hotel La Petite Chaumiere in einem Skigebiet am Col de la Faucille. Nach 640km wollen wir heute kein Zelt aufstellen und auch nicht selbst kochen. Der erste Abend soll völlig entspannt sein. Wir gönnen uns noch ein 3 Gänge Menü im Restaurant und sind hin und weg von der Qualität des Essens bevor wir uns aufs Zimmer zurückziehen und nach einer Dusche noch den Tag Revue passieren lassen. Jeder auf seine Weise, ich hier mit diesen Worten, Anja in einer Art Reisetagebuch welches letztes Jahr schon in Norwegen Ihre doch sehr zwiespältigen Gefühle aufgenommen hat. Heute, da bin ich mir sicher, steht nur positives darin und vor allem dass es schön warm war.

Morgen geht es weiter bis nach Valensole. Hier legen wir gleich einen ersten Pausentag ein um ein wenig zu fotografieren.

Städtetrip: Adventszeit in Strassburg

Es war mal wieder soweit, die Adventszeit rückte näher und es hat uns in den letzten Jahren eigentlich immer ganz gut gefallen, in der Vorweihnachtszeit einen Ausflug in eine andere Stadt zu unternehmen. Eine kleine Abweichung gab es heuer, Sandra begleitete uns auf unserem Städtetrip.

Dieses Mal wollten wir uns Straßburg näher ansehen. Weihnachtshauptstadt und Stadt der Lichter. Ich muss schon sagen, dass es die Erwartungen ganz schön hebt, wenn sich eine Stadt selbst so bezeichnet.
Der Plan war schnell gefasst, ein günstiges Hotel für das erste Advent-Wochenende gebucht und ein Reiseführer in der Tasche.
Beim Durchlesen des Reiseführers hatte ich festgestellt, dass die Altstadt wohl eher überschaubar ist, Straßburg aber eine Menge Museen zu bieten hat. Dummerweise sind wir keine Museumsgänger… Die Wünsche von uns dreien ließen sich gut unter einen Hut bringen.

Los ging es am Donnerstagabend nach der Arbeit (um es hier mal klar zu stellen: Ja, wir gehen arbeiten!). Wir wollten am Freitagvormittag mit Frühstück und ausgeschlafen starten können, weswegen wir eine Nacht früher anreisten als nötig.

Das Frühstück war schon ein bisschen mau, und wo ist eigentlich die Wurst und das Frühstücksei? Für einen herzhaften Frühstücker ist das nichts, die Franzosen sind da eher die Süßen.

Das Wetter begrüßte uns mit Grau in Grau, aber es war zumindest trocken.

Vor dem Hotel hatten wir eine Tramstation, die uns direkt in die Altstadt brachte.
Und wieder einmal kann sich Deutschland eine Scheibe von anderen Ländern abschneiden. Wir konnten für 6,80 EUR zu dritt den ganzen Tag durch Straßburg fahren.
Das Ticketsystem ist einfach zu verstehen, günstig und mit Kreditkarte am Automaten bezahlbar.

Wir stiegen an der Haltestelle „Broglie“ aus und liefen Richtung Münster. Dabei streiften wir den noch im Aufbau befindlichen Weihnachtsmarkt auf dem langen Place de Broglie.

Vor dem Münster befindet sich der wohl bekannteste Weihnachtsmarkt Straßburgs. Auch hier wurde noch fleißig aufgebaut, eingeräumt und verziert. Wir gingen zuerst in die Kirche, die frühe Stunde machte sich bezahlt, wir konnten die Kirche ohne große Menschenmassen besichtigen. Beim Durchqueren des Kirchenschiffs, betrachteten wir die meterlange Krippe, die mit echten Pflanzen bestückt ist.

Ein besonderes Highlight: die Astronomische Uhr. Diese stammt aus dem 16. Jahrhundert und es ist verblüffend, dass zu damaliger Zeit etwas so Komplexes möglich gemacht wurde. In der Uhr sind u. a. die Mondphasen, das kopernikanische Planetarium mit den Tierkreiszeichen, Wochentage und der Jahreskalender vereint. Zu jeder Viertelstunde setzt sich der riesen Apparat in Bewegung und die personifizierten Lebensalter ziehen vor dem Sensenmann vorbei.

Unser nächster Stopp hätte eigentlich auf der Aussichtsplattform der Kathedrale sein sollen. Auf Grund angespannten Sicherheitslage anlässlich der Anschläge in Paris war jedoch der Aufgang bis auf weiteres geschlossen. Wer kann´s ihnen verdenken…

Also schlenderten wir über den Platz bis zum Palais Rohan, sahen uns im Innenhof um (wie bereits geschrieben, sind wir keine Museumsgänger) und schlugen die entgegengesetzte Richtung ein.

Vorbei am Maison Kammerzell (einem der wohl schönsten Fachwerkhäuser) ließen wir uns in die Altstadt treiben und schlenderten durch die kleinen Gassen.

Wir drückten uns bei so allerlei kulinarischen Freuden die Nasen am Schaufenster platt; Käseläden, die man noch auf der Straße riechen kann, Baguettes, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen und Süßes sowie Schokolade in scheinbar unbegrenzten Mengen…

Aber wir sind ja nicht nur zum Essen da, wir ließen uns treiben. Bogen links ab, dann wieder rechts… scheinbar planlos streiften wir über die Altstadtinsel. Weihnachtsmärkte – unser Hauptziel an diesem Wochenende – waren noch im Aufbau begriffen und wir landeten im Petit France.
Klein und schnuckelig, verträumt und romantisch schlängeln sich die kleinen Kopfsteinpflasterwege durch die Fachwerkhäuser und Kanäle. Auf jeden Fall einen Besuch wert und im Sommer bestimmt eine gute Adresse um einen Abend im Freien ausklingen zu lassen.

Unser nächstes Ziel: die Krutenau. Laut Reiseführer eine kulinarische Stadtteilbegehung. So schnell wie wir drin waren, so schnell waren wir auch wieder raus… Vielleicht hatten wir auch noch nicht die richtige Tageszeit erwischt, fanden wir doch so ziemlich alles verschlossen vor. Eigentlich schade, denn so langsam machte sich auch Hunger breit.

Es war später Nachmittag und die Weihnachtsmarktbuden öffneten nacheinander Ihre Läden. Sehr zu empfehlen ist der warme Apfelsaft, kein pappiger Kinderpunsch wie wir ihn kennen, sondern ein stark mit Weihnachtsgewürzen aromatisierter Apfelsaft. Wir schlenderten über fast jeden Weihnachtsmarkt, den Straßburg zu bieten hatte. Und doch hatte man immerzu das Gefühl allein unterwegs zu sein. Fast schon totenstill war es, kein Weihnachtslied dudelte aus den Buden, nur wenige Menschen waren auf den Straßen unterwegs. Das Militär und die Polizei allzeit und überall präsent.

Die Weihnachtsbeleuchtungen – keine Gasse gleicht hierbei der anderen – hingen zwar, waren aber nicht an.

Soviel zum Thema Weihnachtshauptstadt und Stadt der Lichter…

Durchgefroren und ein klein wenig enttäuscht machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel.

Wir hatten ja noch mindestens einen vollen Tag vor uns.

 

Nachdem wir eigentlich die komplette Altstadtinsel bereits erkundet hatten, stand am zweiten Tag eine Bootsrundfahrt auf dem Plan. Wieder hatten wir Glück mit dem Wetter, es war zwar kalt, aber trocken. Wir fuhren mit der Tram bis zur Kirche Eglise St. Paul – wie viele anderen Kirchen war auch diese verschlossen – und zogen uns danach an den Ill-Kais zwischen Fluss und Fachwerkhäusern entlang. Wir ließen uns Zeit, liefen mal auf den Gehsteigen, mal direkt an der Ill.

Die Tickets für eine Bootsrundfahrt kann man für eine kleine Tour kaufen, oder aber für die Große, die um die Altstadtinsel herum bis zum Europaparlament und wieder zurückgeht.

Wir entschlossen uns für die längere Tour und stellten uns am Boot an.
Angenehm warm, mit Müsliriegeln und Keksen eingedeckt, machten wir es uns bequem und lauschten den Erklärungen über Kopfhörer.
Vieles hatte man ja schon gesehen und doch ist es nochmal ein anderer Blickwinkel.

Als wir wieder vor dem Münster standen, hatten wir Sonnenschein und blauen Himmel. Damit läuft sich´s gleich viel besser, es war zwar noch immer kalt, aber auch die Stadt machte den Eindruck aufzutauen. Menschen schoben sich durch die Stadt, Straßenmusiker rissen die Mengen mit, kein Vergleich zum vorherigen Tag.

Die Kirche Temple Neuf hatte es uns ein bisschen angetan. Sie war offen, an die Rucksackkontrollen hatte man sich schon gewöhnt und im Inneren fanden wir ein buntes Treiben. Keine verordnete Stille – die durchaus auch ihren Reiz hat – sondern Tische überall, ein Kuchenbuffet, Kinder an Basteltischen vor dem Altar und ein geschäftiges Durcheinander von Erwachsenen und Kindern. Die Atmosphäre war einfach zum Wohlfühlen.

Danach schlenderten wir über den Place Kléber, suchten uns ein sonniges Plätzchen, verweilten ein wenig und kämpften mit der Neugier, aber auch der Abneigung Austern zu probieren. Dort scheint täglich ein Stand mit Austern zu sein, der auch zum Probieren einlädt. Wir konnten uns nicht überwinden das mal zu probieren, aber die Neugier blieb… vielleicht beim nächsten Mal…

Nachdem heute das Wetter nicht mehr so trüb war, konnten wir Tobi den Wunsch nicht abschlagen, nochmal ins Petit France zu laufen und ein „Blaue Stunde Bild“ vom Barrage Vauban auf die Wehrbauten zu machen.

Aber wie auch am Tag davor, war der Aufgang auf die Panoramaterasse geschlossen (Laut Beschilderung sollte er eigentlich bis 19:00 Uhr offen sein).

Noch einmal wollten wir nicht über die Weihnachtsmärkte laufen. Es war zwar mehr los, auch schienen alle Lichterketten heute eingeschalten zu sein, aber die Auswahl der angebotenen Waren überzeugte uns nicht. Wir hatten mehr Regionales und Individuelles erwartet, stattdessen fanden wir viel Fabrikware und auf fast jedem Markt das gleiche.

Deshalb wollten wir zumindest heute mal ganz traditionell elsässisch Essen gehen. Das Lokal unserer Wahl hatte leider eine größere Gesellschaft und damit keinen Platz mehr für uns. Wir landeten im le Boucanier bei Flammkuchen und Pizza mit regionalem Käse. Ein absolut gelungener Abschluss für diesen Tag.

Der Sonntag weckte uns mit starkem Wind und Regen. Das was wir sehen wollten, hatten wir bereits gesehen. Die Motivation nochmal in die Stadt zu gehen schwand. Nach dem Frühstück checkten wir aus und wollten auf dem Heimweg noch einen Baumwipfelpfad im Schwarzwald besuchen, aber auch hier Wind, Regen und Nebel.

Wir entschieden uns daraufhin, das Wochenende in Straßburg für beendet zu erklären und machten uns auf den Heimweg.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Straßburg durchaus einen Besuch wert ist und hierfür auch zwei Tage völlig ausreichend sind. Von den Weihnachtsmärkten und der Atmosphäre hatten wir uns auf Grund des Titels „Weihnachtshauptstadt und Stadt der Lichter“ einfach mehr erwartet. Dresden z. B. bietet vergleichsweise mehr Abwechslung, das Angebot an Waren ist regionaler, vielseitiger und individueller.

Würden wir nochmal nach Straßburg reisen, würden wir im Sommer kommen, um die lauen Sommerabende in Petit France zu genießen.

Schwarzwald Tag 6 – Frankreich – 283km

Die Tatsache dass ich bei Touratech war und nichts gekauft hatte beschäftigte mich immer noch. Bin ich kaufsüchtig? Konnte ich meine Sucht nicht befriedigen? Egal. Für den letzten Tag unseres Aufenthaltes hatten wir noch eine Tour ins Nachbarland im Blick. Lust darauf hatten wir auch, also nach dem Frühstück direkt auf die Motorräder und die geplante Route im Garmin 590LM gestartet.

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Schnell durch Baden Baden in Richtung Grenze und schon überquerten wir den Rhein auf einer Brücke. Wir hatten keine Ahnung, was uns in Frankreich erwarten sollte. Ich war vor Jahrzehnten zuletzt im Nachbarland und da hatten wir nicht viel Zeit für Sightseeing. Gelesen hatten wir von vielen Fachwerkhäusern und Burgen. Wir ließen uns überraschen. Wir wechselten zwischen gelben und weißen Straßen auf der Karte. Gelb = Zügig, Weiß = klein und kurvig. Nur wenige Fotostops verzögerten unser Vorankommen. Viel zu zügig näherten wir uns dem ersten Wendepunkt des heutigen Tages bei Lemberg. Umgehauen hatte uns die Gegend bis jetzt nicht. Es sind durchaus schöne Motorradstrecken, die Geschwindigkeitsbegrenzungen erinnerten uns ein wenig an die Schweiz was unserem Fahrstil nicht sonderlich entgegen kam. Nach der Wende in Richtung Osten trafen wir irgendwann auf ein Armeegelände. Hier sind die Straßen ewig kerzengerade, dann eine Kurve und dann wieder ewig geradeaus. Richtiger Fahrspass kam nicht auf. Dafür sieht man ab und an in den Wäldern alte Panzer, welche wohl zu Übungszwecken hier rumstehen. Mehrere Kilometer Rollsplit begleiteten uns auf dem Weg zum nächsten Wendepunkt bei Weißenburg.

Kurz nachdem wir wieder gen Westen fuhren, überquerten wir die Grenze zurück nach Deutschland. Komischerweise kam direkt im Anschluss auch wieder mehr Fahrfreude auf. Hier in der Gegend waren wir heuer schon auf der Westroute der Motorradstrasse Deutschland. Einen kleinen Teil der damaligen Strecken waren wir in entgegengesetzter Richtung unterwegs. Wir beschlossen ein kleines Stück abzukürzen und Anja übernahm für einige Kilometer die Führung. Unsere flotte Gangart lockte Nachahmer an. Ein anderer Biker ließ sich von uns ein Stück mitziehen, wir verloren ihn aber nach einigen Kilometern. Insgesamt war heute sowohl in Frankreich als auch in Deutschland nicht viel los auf den Straßen. Wir genossen es, frei fahren zu können und nicht ständig hinter Autos, LKWs oder Traktoren festzuhängen. Bei Bad Bergzabern winkten wir kurz der Unterkunft, die wir auf der MSD Tour genutzt hatten und steuerten nochmal auf die Grenze zu. Wir fuhren ein wenig an ihr entlang, bis wir sie schließlich bei Scheibenhardt überquerten. Ein Highlight hatte ich noch unbewusst für heute mit eingeplant: Die Rheinfähre Plittersdorf – Seltz.
Hier stießen wir wiedereinmal auf eine Gierfähre. In mir regt sich das Bedürfnis eine Liste aller deutschen (oder europäischen?) Gierfähren zu erstellen und diese alle zu besuchen. Immer wieder sind uns in den letzten Jahren Fähren dieses Typs begegnet, die von der Strömung angetrieben werden und dadurch majestätisch lautlos übersetzen. Nach einer kurzen Wartezeit querten wir den Rhein und begaben uns auf den Rückweg zum Hotel. Noch einmal durch Baden Baden und und schon war die Tour vorbei und die Motorräder standen heimfahrbereit in der Garage.

Den Tag ließen wir beim Abendessen mit einem Badischen Barbecue nochmals Revue passieren: Fachwerkhäuser hatten wir gesehen, Burgen sind uns auch ein paar aufgefallen. Die Strecken in Frankreich waren eher unspektakulär, teiweise sogar ein wenig langweilig. Wir werden wohl einen anderen Teil von Frankreich besuchen müssen um Begeisterung für dieses Land entwickeln zu können. Eigentlich war dieser Urlaub viel zu kurz, so lechzen wir schon nach der großen Tour Ende September welche uns wieder mehr in Richtung Osten ziehen wird. Gefühlt liegt uns diese Richtung beim Motorradreisen mehr.