Lissabon – die Schöne am Tejo – Tag 1 – 3

Endlich mal wieder fliegen! Tobi lässt es über sich ergehen, ich wiederum finde es aufregend, hier einzusteigen und 3 Stunden später an einem völlig anderen Ort wieder auszusteigen. Tobis Abneigung kann aber auch daher rühren, dass zuerst er und dann sein Koffer einer vollständigen Visitation unterzogen wurden… Ich denke immer noch, dass es an dem Vollbart liegt…

Nach einem geschmeidigen Flug von Nürnberg über München nach Lissabon fanden wir uns  bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad in Portugals Hauptstadt wieder.

Wir benutzten die Metro um in den Stadtkern und damit zu unserem Hotel zu gelangen.

In Lissabon erhält man 24-Stunden-Karten für 6,15 EUR pro Erwachsenem und kann damit alle Metro-, Bus-, Tramlinien und die Elevadores benutzen. Das Ticket läuft los, ab dem ersten Mal „stempeln“, die Karten sind mehrfach verwendbar und können immer wieder aufgeladen werden.

Nach ein bisschen am Hotelzimmer rumtrödeln wollten wir die letzten Stunden des Tages auf eine Art und Weise nutzen, die uns sonst gar nicht ähnlich sieht: Planlos und ohne Gepäck! Nur mit der Kamera und dem Objektiv was dran war bewaffnet, setzten wir uns aufs Geradewohl in Bewegung. Wir liefen um den Klinikkomplex – in der Hoffnung, diesen nie von Innen sehen zu müssen- und zogen uns durch kleine Gassen den gerade erklommenen Hügel wieder nach unten.

Plötzlich fanden wir uns mitten im Getümmel wieder, wir waren auf dem Rossio. Das Pflaster bildet ein kunstvolles Wellenmosaik, Menschen verschiedenster Abstammung gehen hier Ihren Tätigkeiten nach oder warten einfach darauf, dass die Zeit vergeht. Etwas nach hinten versetzt findet sich die Igreja Sao Domingos, wo einst die Inquisition ihre Urteile verlas. Eine Kirche die uns wirklich begeistert hat. Man sieht  ihr den nagenden Zahn der Zeit an, die Kirche ist nicht restauriert, sondern bröselt vor sich hin, trotzdem ein stolzes Gebäude.

Von da aus ging es weiter in Richtung Fluss, wir machten noch einen Abstecher zu unserem ersten Elevador. Der Elevador de Santa Justa ist ein richtiger Aufzug, der in einem verspielten gusseisernen Turm hochgezogen wird. Die Aufzugfahrt ist im Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel inbegriffen. Die Aussichtsplattform oben betreten zu dürfen schlägt mit 1,50 EUR pro Person zu buche. Oben angekommen genossen wir unseren ersten Ausblick auf Lissabon, den Tejo, das Treiben unter uns und die Burg, die im warmen Licht der untergehenden Sonne leuchtete.

Danach zogen wir uns durch die Fußgängerzone über die Rua Augusta bis zum Tejo. Wir erlebten einen rot leuchtenden Sonnenuntergang und ärgerten uns ein bisschen, kein Stativ dabei zu haben.

Unser erster voller Tag in Lissabon begann auf dem Praca dos Restauradores. Hier befindet sich die Talstation des Elevador da Gloria, einer Standseilbahn, die die Unterstadt mit der Oberstadt verbindet. Man fährt vorbei an der Straßenkunstgalerie, wo sich die Graffiti-Künstler der Stadt austoben dürfen, bis zum Miradouro Sao Pedro de Alcantara, ein wunderbarer Aussichtspunkt für einen Blick auf das alte Lissabon mit seinen Kirchtürmen und Kuppeln, sowie der Burg.

Linker Hand steht das gleichnamige Kloster mit einer kleinen Kapelle. Hier ist die Kirche in den für Lissabon so typischen Kacheln verziert, was der Kirche ein ganz eigenes Aussehen gibt. Wir bummelten danach durch die Straße bis zum Park Principe Real. Unterwegs fanden wir eine kleine Bäckerei in der wir uns Pasteis de nata (Kleine Blätterteigtörtchen gefüllt mit Sahnepudding) und Pasteis de Bacalhau mitnahmen. Diese süßen Kleinigkeiten sind unverschämt lecker und ich nehme schon mal vorneweg: wir haben jeden Tag welche gegessen.

Danach bogen wir in die Rua do Seculo, eine ruhige aber relativ steile Straße, um die Oberstadt langsam wieder zu verlassen und legten am Miradouro de Santa Catarina – einem frisch restaurierten Platz – eine kleine Pause ein. Mit Blick auf den Tejo mit der Ponte 25 de Abril (San Francisco Brücke) und der Christo-Rei-Statue ließen wir uns unsere Pasteis schmecken.

Vorbei am kleinsten Elevador der Stadt – Elevador da Bica – über den Largo de Camoes ging es in die belebte Rua Garett. Hier befindet sich Europas älteste Buchhandlung Livraria Bertrand. Ein bisschen versteckt  geht es links die Straße hoch zum Largo do Carmo und damit zur Klosterruine Igreja do Carmo. Der gotische Konvent aus dem 14. Jh. wurde beim Erdbeben 1755 fast vollständig zerstört, stehen geblieben sind nur die eleganten Pfeiler und Bögen.

Zur blauen Stunde befanden wir uns auf dem Praca do Comercio – dem Handelsplatz, an drei Seiten umgeben von gelben Gebäuden mit Arkadengängen.

Typisch portugiesisch war unser Abendessen: wir aßen Bacalhau im Bread4you; ein ganz kleines Bistro, super Essen, freundlicher und bemühter Service und kuschelige Atmosphäre.

Tag 3 verbrachten wir im Stadtteil Belem. Die Tram brachte uns bis vor die Haustüre des Mosteiro dos Jeronimos – das Hieronymuskloster.

Das imposante Gebäude sollte das erste sein, was vom Schiff aus bei der Ankunft in Lissabon zu sehen war. Der Baustil und die üppigen Verzierungen sind eine Mischung aus Gotik, Renaissance und Orientalischen Einflüssen. Farbe braucht es nicht, die feinen und kunstvollen Verzierungen sprechen für sich. Die Kirche ist ohne Eintritt zu besichtigen, für den doppelstöckigen Kreuzgang muss man Eintritt zahlen.

Ich bin auf beiden Ebenen des Kreuzganges mindesten 4 Runden gelaufen und habe trotzdem nicht alles gesehen. Es gleicht keine Säule der anderen, jedes gemeißelte Gesicht trägt einen anderen Ausdruck und die spitzen Türmchen vermitteln den Eindruck irgendwo im Orient unterwegs zu sein.

Der Fußmarsch bis zum Torre de Belem zieht sich etwas, aber wir haben im Kloster ein Kombi-Ticket für 12 EUR erworben, und wollten uns den Turm nicht entgehen lassen.

Auch dieser ist im manuelinischen Stil gehalten und für einen Wehrturm reich verziert; gedacht war er eigentlich auch eher zum Empfang der Schiffe, als zur Verteidigung. Um auf die Terrasse zu gelangen muss man sich nochmals anstellen. Es befindet sich nur eine Treppe in dem Turm, weswegen eine Blockabfertigung stattfindet, 120 Personen dürfen rauf und werden gesammelt wieder nach unten geschickt, bevor die nächsten 120 hoch dürfen.

Unser nächster Stopp war der Padrao dos Desobrimentos – das weiße, 50 m hohe Denkmal schiebt sich wie der Bug einer Karavelle in den Tejo. An der Spitze befindet sich Prinz Heinrich der Seefahrer, dahinter reihen sich wichtige Persönlichkeiten jener Zeit ein. Für 3 EUR darf man mit dem Aufzug nach oben, auf die Aussichtsterrasse fahren. Während wir noch den Ausblick genossen, überlegten wir, was wir mit dem Rest des Tages anfangen wollten.

Ein bisschen auswärts gelegen ist das Aqueduto das Aguas Livres – das Aquädukt der freien Wasser. Ein imposantes Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert, mit dem Wasser 18,5 km unter- und oberirdisch bis in ein Reservoir geführt wurde. Der eindrucksvollste Teil über das Alcantara-Tal besteht aus 35 Bögen, der Größte ist 65m hoch und 29m breit. Der Fußweg über das Aquädukt ist heute gegen Eintritt begehbar, allerdings waren wir zu spät dran und haben uns das Bauwerk nur von unten angesehen.

Teil zwei des Berichtes folgt in einigen Tagen.

 

Prag – Die Goldene Stadt zur Weihnachtszeit

Unser Advents-Städtetripp führte uns 2016 nach Prag. Auch wieder eine Stadt, die für ein verlängertes Wochenende gut zu erreichen ist und uns schon lange mal interessierte. Die Wahl des Transportmittels fiel schnell auf das Auto. Wir können uns weder für eine Zugfahrt, noch für eine Busfahrt wirklich begeistern. Liegt zum Teil auch daran, dass wir trotzdem erst mal auf ein Auto angewiesen sind, um überhaupt zu einem Zug- oder Busbahnhof zu kommen und auch unser voluminöses Gepäck macht es nicht besser (auch für nur 3 Tage schaffen wir es einen Skoda Superb Kofferraum vollzuschlichten – ich weiß, ein Luxusproblem).
Eine Nachfrage bei Sunny, ob sie mitgehen will, hatte strahlende Augen zur Folge. Schnell wurde das Hotel nochmal gewechselt und alles auf 3 Personen ausgelegt.

Wir starteten am Donnerstag Abend nach der Arbeit, das hatte sich die letzten Jahre bewährt. Um kurz nach 21:00 Uhr rollten wir – durch unendliche Einbahnstraßen – in die Altstadt und damit vor unserem Hotel ein. Laut Booking.com und der Homepage des Hotels seien Parkplätze vorhanden, eine Reservierung nicht erforderlich.
Ich staunte nicht schlecht, als Tobi nach dem Check In wieder am Auto war und uns in unseren Parkplatz stauchte: die Lücke zwischen zwei Häusern – das eine wegen Einsturzgefahr abgestützt – war mit einem Eisentor verschlossen. Voila, ein privater Parkplatz für 3 Autos. Unseres war das dritte. An der Rezeption checkte 10 Minuten nach uns jemand ein, der sich auch darauf verlassen hatte, einen abgesperrten Parkplatz zu bekommen… Sie bekam die Aussage, alles sei voll und sie müsse sich auf der Straße irgendwo was suchen. Tja, da erschien mir unser aktuelles Problem, wir sollten für die drei Tage unseren Autoschlüssel hinterlegen, weil wir nun ganz vorne stünden und der BMW hinter uns evtl. raus muss, gar nicht mehr so dramatisch. (Zu diesem Problem sei schon mal gesagt, der von uns eingeparkte BMW stand nach 3 Tagen bei unserer Abreise noch immer unangetastet auf seinem Platz, alle Aufregung umsonst).

Wir schleppten den Inhalt des Superb-Kofferraums auf einmal in unser Hotelzimmer – nach uns wurde ja wieder abgesperrt und packten erst mal aus.

Der erste Tag startete gut gestärkt nach dem Frühstück mit dem Gang zur U-Bahnstation und der Suche nach einem Fahrkartenschalter, an dem wir ein 3 Tagesticket für 310 Kronen erwerben können… Fehlanzeige! Nach längerem Suchen fanden wir in einem Kiosk, welcher in einer Art unterirdischen Einkaufszentrum gelegen war, eine Ticketverkaufsstelle.
Danach folgte nahtlos das nächste Dilemma: wir stiegen in die falsche U-Bahn, stiegen an der nächsten Haltestelle wieder um, hielten an einem U-Bahnhof, der eine Info haben sollte um endlich an einen brauchbaren Plan der Öffentlichen Verkehrsmittel zu kommen, fuhren bis zur Haltestelle an der wir in die Tram wechseln wollten, kamen an einer Stelle wieder ans Tageslicht, an der keine Tramhaltestelle war, liefen wieder in die falsche Richtung, korrigierten 2 Mal die Richtung und konnten dann endlich bis zum Petrin – dem Hausberg – gelangen, wo uns eine Standseilbahn nach oben bringen sollte.

Ich dachte ja immer, einen recht guten Orientierungssinn zu haben. In Prag hatte ich den irgendwie daheim vergessen. Insgesamt 2 Tage lief ich grundsätzlich in die entgegengesetzte Richtung, in die wir eigentlich wollten. Das ist echt frustrierend. Es wollte sich aber auch kein anderer bereit erklären, die Führung zu übernehmen…

Endlich auf dem Petrin angelangt, haben wir wegen des vielen Desorientiert-Seins gleich mal vergessen, ein Bild von diesem Berg aus auf die Stadt zu machen. Wir liefen schnurstracks durch die Parkanlage, am Eifelturm (eine Kopie des Pariser Originals) vorbei bis zum Strahov Kloster. Hier drehten wir wieder ein paar Runden, bis uns Google Maps die richtige Richtung verraten hatte.
Ein bisschen außer Puste kamen wir am Hradschin um Punkt 12 Uhr zum Wachwechsel an. Menschenmassen drängten sich vor dem Tor, hätten wir ein bisschen schneller geschalten und den Wachwechsel sein lassen, hätten wir ohne Anstehen in den Burgkomplex gelangen können. Kaum war das Spektakel zu Ende formte sich aus der unförmigen Masse an Menschen eine 100 m lange Schlange. Wir statteten dem Weihnachtsmarkt direkt nebenan noch einen Besuch ab und reihten uns danach in die Schlange der Wartenden ein. Während des Wartens nahmen wir einen Stehimbiss in Form von mitgebrachten geräucherten fränkischen Bratwürsten zu uns. Da kann man sagen was man will, die sind halt einfach gut.

Der Burgkomplex an sich ist kostenfrei zu betreten, hier wurden nur Sicherheitskontrollen durch die Polizei durchgeführt. Im Innenhof angekommen wollten wir uns die sehenswerten Highlights nicht entgehen lassen. Um in den Sankt-Veits-Dom und das Goldene Gässchen zu kommen benötigt man eine Karte, die den Eintritt in alle Gebäude auf dem Hradschin beinhaltet.
Gerade heute war der Dom für Besucher geschlossen. Was nun?
Die Karte kaufen und den Dom (weswegen wir hauptsächlich hier herauf sind) weglassen? Morgen wiederkommen? Dafür was anderes weglassen?
Nachdem ich meinen inneren Choleriker wieder unter Kontrolle hatte, entschieden wir uns dafür, die Gebäude nur von außen zu betrachten und gelangten auf der anderen Seite des Bergs wieder nach unten.

Von hier aus zogen wir uns in die Kleinseite und fanden uns an der St.-Niklas-Kirche wieder. Am Turmaufgang war nichts los und schon machten wir uns über die 303 Stufen auf den Weg nach oben. Hier war kein Gedränge und so konnten wir uns Zeit lassen, während wir unseren Blick über Prag schweifen ließen und das erste Mal die Karlsbrücke in Augenschein nahmen. Der Kirche selbst hätten wir auch noch einen Besuch abgestattet, aber sie war zu…. Das schien uns irgendwie zu verfolgen…

An der Karlsbrücke auf der Kleinseite angekommen erspähten wir noch die letzten Straßenkünstler und Ramschverkäufer, die in der Dämmerung ihre Stände zusammenpackten. Sunny und ich schlenderten über den Weihnachtsmarkt unterhalb der Brücke, während Tobi sich schon am Ufer der Moldau für die Blaue Stunde einrichtete.

Ziemlich durchgefroren machten wir uns auf die Suche nach was Essbarem. Wir überquerten die Moldau auf der Karlsbrücke und liefen geradeaus durch die Karlova. Vorbei an kleinen Geschäften und den ersten (und fast auch einzigen) Anzeichen von Weihnachten. Das Weihnachtsfeeling fehlte hier ein bisschen. Es waren fast keine Straßen und Gassen geschmückt oder von Lichterketten erleuchtet.

Ich glaube, dass der Weihnachtsmarkt, auf dem wir Prager Schinken gegessen haben, auf dem Marianske namesti war… Sicher bin ich mir aber nicht, das mit der Orientierung war ja nicht so einfach.
Irgendwann fanden wir uns auf dem Altstädter Ring wieder. Genau zur vollen Stunde drängten wir uns mit hunderten von Leuten vor dem Altstädter Rathaus zusammen, um – wenn wir gerade schon mal da sind – die 12 Apostelfiguren sehen zu können, die jede volle Stunde aus zwei Luken in der Astronomischen Uhr schauen. Das ist aber auch schon alles, was dabei passiert, die Uhr bzw. um die Uhr herum bewegt sich sonst nichts.
Die Menschenmassen verschoben sich daraufhin geballt auf den Platz, auf dem der größte und bekannteste Weihnachtsmarkt Prags stattfindet. Wir hatten ja zum Glück schon den größten Hunger gestillt, wollten aber nicht ohne einen Trdelnik ins Bett. Die Baumkuchen haben mich schon in Budapest jeden Abend bis zu meinem Bett begleitet. Auch hier fanden sie sich an jeder Ecke, vor allem auf den Weihnachtsmärkten.
Tobi ist da eher der herzhafte und hat sich noch mit einer Tüte frittierter Kartoffelspiralen für den Rückweg zum Hotel eingedeckt.

Der zweite Tag begann zögerlich, die Füße taten schon vom ersten Tag weh, die Schultern wollten nicht wieder den Rucksack tragen und das Bett wäre auch noch schön warm gewesen.
Heute starteten wir am Wenzelsplatz. Die U-Bahn brachte uns direkt dorthin und wir verschafften uns auf der Seite des 750 m langen Platzes, an der die Wenzel-Statue steht, einen Überblick.
Wir schlenderten durch den kleinen Weihnachtsmarkt und so langsam kam auch die Enttäuschung etwas durch. Die Buden, die Langos, Trdelnik, Prager Schinken, Würstchen und Maronen verkauften waren alle gleich. Gleiches Essen, gleiche Preise, gleiche Aufmachung, sogar die Klamotten der Belegschaft sahen aus, wie auf den anderen Weihnachtsmärkten auch. Also alles von einem Händler. Sehr Schade, lieben wir doch gerade das individuelle, einzigartige und traditionelle. Das haben wir auch letztes Jahr schon in Straßburg festgestellt, mit dem Striezelmarkt in Dresden kann selten einer mithalten.
Nichtsdestotrotz haben wir zumindest Sunny wieder was Neues zeigen können: Langos! Auseinander gezogener Hefeteig, im Fett gebacken, mit Knoblauch, Käse und normalerweise Schmand, wurde hier mit Ketchup ausgegeben. Machte nichts, schmeckt trotzdem lecker.
Sunny hat zuhause direkt den nächsten Weihnachtsmarkt aufgesucht und sich gleich nochmal einen geholt… ohne Ketchup, dafür mit ordentlich Knoblauch und Schmand.

Der Reiseführer sah jetzt die Erlebnistour „Wie man durch Häuser geht – Ein Passagenbummel“ vor. In Prag sind in vielen der Häuser Innenhöfe angelegt, oder einfach nur Gänge, um in die nächste Parallelstraße zu kommen. Manchmal ungeschmückt, manchmal mit kleinen Läden, manchmal finden sich ganze Einkaufscenter. Coole Sache… wenn man den Eingang zu diesen Durchgängen findet… Nach ein bisschen Suchen fanden wir in die Lucerna-Passage, in dem Eisenbetonbau befindet sich neben Kinos, Gaststätten und Geschäften auch der ironische Kontrapunkt zum Heiligen Wenzel auf dem Wenzelsplatz. Der Heilige Wenzel sitzt bäuchlings auf einem an den Beinen aufgehängten Pferd.
Von da aus ging es direkt weiter in die Svetozor-Passage und durch den Franziskanergarten bis zur gotischen Kirche Maria Schnee. Nach einem Besuch in dem eigentlich als Krönungskirche geplanten Gotteshaus zogen wir uns zum Jungmannovo namesti und in die Adria Passage. Ging es bisher noch relativ ruhig zu, so fanden wir uns jetzt wieder im Großstadttrubel wieder. Am Kohlenmarkt angekommen ließen wir uns auf einer der Bänke nieder, genossen die Sonne und überlegten, wie wir den restlichen Tag gestalten wollten.
Wir schlenderten durch die Gassen, ließen uns treiben, schauten in die Schaufenster der Geschäfte. Das Gedränge wurde immer dichter, je näher wir dem Altstädter Ring kamen. Auf dem Platz war nachmittags schon fast kein Durchkommen mehr möglich. Unser eigentliches Ziel, die Teynkirche, hatte noch geschlossen und würde erst wieder in einer halben Stunde öffnen. Wir setzten uns in ein Cafe, tranken was Warmes und ließen den Trubel Trubel sein.
Nach dem Besuch der Teynkirche war es schön wieder draußen zu sein. In den Kirchen ist es eisigkalt, da geht man gerne wieder raus.

Die Goldene Stunde stand an, heute schien sogar die Sonne und wir wollten die Chance nutzen, ein paar Bilder der Goldenen Stadt machen zu können, wenn sie auch gerade golden funkeln sollte. Wir machten uns auf den Weg zum Pulverturm, schauten ohne Eile noch einem Straßenkünstler zu und stiegen die Stufen auf die Aussichtsplattform empor. Auch hier hatten wir Glück, nur Wenige hielten sich mit uns zusammen auf dem Turm auf. Wir sahen der Sonne beim Untergehen zu und Tobi hatte plötzlich die Erkenntnis des Tages! Zur Blauen Stunde auf dem Brückenturm stehen zu wollen.
Von hier oben aus, sah der Turm gar nicht so weit weg aus…. Wir stolperten also die Stufen wieder nach unten, stürmten dann der hakenschlagenden Sunny, die unermüdlich wie ein Duracell-Hase durch die Menge pflügte hinterher und konnten mit viel Hetzerei ein wunderschönes Abendrot am Ufer der Moldau sehen. Danach liefen wir nahtlos weiter zum Brückenturm und eilten die Stufen empor. Da oben ist es echt eng, will man dann auch noch in Ruhe ein paar schöne Bilder machen, verliert man ziemlich schnell die Geduld. Der Ausblick auf die in der Nacht erleuchteten Bauwerke ist wunderschön, aber der Holzboden bewegt sich bei jedem Schritt, damit ist ein ruhiger Stativstandpunkt nicht so einfach zu finden.
Bezüglich des Abendessens hatten wir – noch – die Ruhe weg. Das sollte sich bald als Desaster entpuppen. Wir wollten zum Abschluss noch landestypisch Abendessen gehen. In Ermangelung eines Platzes in einem Lokal fanden wir uns irgendwann auf dem Altstädter Ring wieder. Wir aßen uns durch die Buden und hatten das Essen im Gasthaus auf den nächsten Tag verschoben.

Unser letzter Tag begann – man soll es kaum glauben – mit nur einem mal Verlaufen in der Josefstadt. In dem alten jüdischen Viertel finden sich mehrere Synagogen. Mit dem Eintritt von 480 Kronen ist der Eintritt in allen Synagogen und dem alten jüdischen Friedhof abgedeckt. Sunny konnten wir noch zu einem Schülertarif durchbringen und so reichte unser Bares gerade so – eine Kartenzahlung ist dort nicht möglich.
Unsere erste Synagoge ist die wunderschön in Gold- und Brauntönen verzierte Spanische Synagoge, ein warmes und einladendes Gotteshaus. Der darauffolgende Besuch der Pinkassynagoge war beklemmend, erschütternd und traurig. Die Wände der Synagoge wurden mit 77 297 Namen, Geburts- und Sterbedaten von ermordeten Juden aus Böhmen und Mähren beschrieben. Die Ausstellung im ersten Stock zeigt Tagebücher, Briefe und Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt.

Danach führte der Weg durch den alten Jüdischen Friedhof, ein über die Jahre wegen Platzmangels aufgehäufter Friedhof. Die Toten liegen in mehreren Lagen übereinander, die verwitterten Grabsteine reihen sich dicht an dicht. Wer hier Ruhe sucht, wird sie nicht finden. Es schlängelt sich ein einziger Weg hindurch bis zur Zeremonienhalle, den jeder Touri und jede Reisegruppe nehmen muss. Neben der Zeremonienhalle befindet sich die Klausensynagoge, sie ähnelt – wie auch die Maiselsynagoge mehr einem Museum. Dafür ist die Altneusynagoge eine kleine aber authentische Synagoge in der man auch sieht, dass noch Gottesdienste gehalten werden. Männer bekommen übrigens eine mit Werbung bedruckte Einmal-Kippa, die auf haarlosen Köpfen nicht so richtig halten will…

Als nächstes fuhren wir einfach noch ein bisschen mit der Tram durch Prag, Sightseeing ohne schmerzende Füße. Unser letzter Stop bevor wir die Heimreise antreten konnten war ein Besuch im „Lokal“. Hier gibt es einfache böhmische Küche aus regionalen Zutaten – ein guter Abschluss unserer Prag-Reise.

Skandinavientour 2016 – Tag 20 – 22 – 1180 km – Bürglein

Wir wachen heute in Dänemark auf. Hier waren wir 2012 bereits für zwei Wochen mit dem Auto. Haben damals das Land von oben bis unten und von links nach rechts durchgemacht. Die Erinnerung an die langweiligen Straßen war wohl etwas verblasst als wir auf die Idee kamen durch Dänemark nach Hause zu fahren. Eine Fähre von Oslo nach Deutschland wäre wohl doch eine sehr gute Alternative gewesen. Das Interessanteste auf der Strecke war noch eine Fährüberfahrt. Ansonsten geht es mit sturen 80 km/h äußerst zäh durch dieses Land. Irgendwann hatten wir es dann geschafft. Die ersten km in Deutschland zaubern ein Lächeln auf unsere Lippen. Endlich wieder 100 km/h auf Landstrassen. An unserem zwanzigsten Reisetag rollen wir noch bis Friedrichstadt. Nach 346 km werden wir auf der Suche nach einem Campingplatz auf dem Eider & Treenecamp Nordfriesland fündig. Wir stellen das Zelt auf und kochen uns Nudeln.

Einmal mehr wird uns bewusst, wie gut ausgerüstet wir sind. Bequem sitzen wir in unseren Helinox Chair One an unserem Tisch aus Koffern vor dem Primus Benzinkocher mit unserem Trangiageschirr. Das Wasser kommt aus dem Ortlieb Wasserbeutel, das dreckige Geschirr kommt in die Ortlieb Faltschüssel. Bei Regen können wir im Vorzelt des Vaude Chaple L3p sitzen. Unsere Exped Matten sind saubequem und jeder hat zwei Kopfkissen dabei. Uns gegenüber das genaue Gegenteil. Ein älteres dänisches Pärchen, beide schon mit grauen Haaren. Sitzen am Boden, kochen auf einem Spirituskocher, essen direkt aus dem Topf und schlafen in einem uralten einfachen Igluzelt. Aber sie albern rum wie zwei 18-jährige. Liegen gemeinsam auf dem Bauch vor dem Zelt und lösen Kreuzworträtsel. Zwei Junge Kerle teilen sich neben uns ein – unserer Meinung nach – 1-Mann Zelt, essen die Ravioli kalt aus der Dose und ihre Isomatten sind gefühlt so voluminös wie unsere komplette Campingausrüstung. Da hat sich über die Jahre so einiges an Ausrüstung bei uns angesammelt. Und wir wollen auch nicht wirklich auf diesen Luxus beim Campen verzichten.

Die Nacht war trocken, aber unruhig. Der Platz liegt direkt an einer Hauptstrasse und Tankstelle, was für einen gewissen Lärmpegel sorgt. Wir müssen leider auch sagen, dass wir bereits deutlich ansprechendere Plätze gesehen haben. Die sanitären Einrichtungen sind schmutzig und werden auch während unserem Aufenthalt nicht einmal gereinigt. Der Platzwart ist bemüht und äußerst freundlich. Die Besitzerin unfreundlich und nicht wirklich kundenorientiert. Wir dürfen für 2 Zelte und 2 Autos bezahlen da wir ja zwei Motorräder dabei haben. Das soll mir mal einer erklären. Naja Schwamm drüber. Der nächste Platz wäre 50 km entfernt gewesen. Wir starten gemütlich um 10 Uhr in Tag 21. Das heutige Ziel heißt Königslutter am Elm. Die größten Hürden des Tages sind die Elbe und Hamburg. Der Tag beginnt mit Temperaturen um die 30 Grad. Wir schwitzen uns einen ab, während wir auf kleinsten Landstraßen in Richtung Hamburg fahren. Wiedermal setzen wir mit einer Fähre über. Und wir hatten gedacht, dass wir die letzte Schifffahrt für diese Reise längst hinter uns hatten. Wir kommen aufgrund der kleinen und kleinsten Strassen nur sehr langsam vorwärts und beschließen daher Hamburg per Autobahn zu umfahren.

Diese Idee ist auch mal wieder ein Zeichen dafür, dass wir unser Gedächtnis im Urlaub mit lauter frischen Erinnerungen gefüllt haben. Hätten wir ein wenig nachgedacht, wäre uns die Baustelle vor Hamburg auf der A7 in Erinnerung gekommen und wir hätten das bleiben lassen. Wir entkommen dem Stau über einen Rastplatz und fahren doch wieder die geplante Route. Leider habe ich nicht weit genug um Hamburg herum geplant. Es zieht sich wie Kaugummi. Bei Start hatte uns das Navi noch eine Ankunftszeit um kurz nach 15 Uhr prognostiziert. Als wir Hamburg endlich hinter uns lassen sieht es nach einer Ankunft gegen 19 Uhr aus. Kurz vor 17 Uhr gönnen wir uns eine Bockwurst und lassen das Navi die schnellste Route planen. Lüneburg umfahren wir und dann geht es zügig die B4 Richtung Königslutter. Der bisher warme sonnige Tag ändert seine Meinung und weicht uns so richtig ein. Die Landschaft gerät mal wieder in den Hintergrund. Um kurz vor 19 Uhr sind wir dann endlich in Königslutter. Noch schnell Abendessen einkaufen und dann geht es zur Unterkunft, der Alten Mühle. Wir waren hier schon für eine Nacht als wir 2013 die Ostroute der Motorradstrasse Deutschland gefahren sind. Frau Schön bietet uns einen Kellerraum an um die tropfenden Klamotten aufzuhängen, dann können wir aufs Zimmer. Zu Essen gibt es nur ein wenig vesper. Wir wollen den Kocher hier im Zimmer nicht anschüren. Den Tag lassen wir mit ein wenig TV Programm ausklingen.

Der Duft des Frühstücks weckt uns und wir genießen das mit viel Liebe zubereitete Essen. Einfach mal nichts selber machen müssen ist auch schön. Wir haben ja schließlich Urlaub. Die Sachen sind heute schnell gepackt und so sitzen wir schon bald auf den Motorrädern. Nun gilt es für uns nur noch zügig heimzukommen. Gefühlt ist der Trip bereits zuende. Zu gewohnt ist die Umgebung. Wir setzen uns auf die Autobahn und hoffen trocken bis nach Hause zu kommen. Ganz bleibt uns dieser Wunsch nicht gegönnt. Eine gute Stunde in strömendem Regen müssen wir noch durchstehen bevor es dann in Gollhofen von der BAB runtergeht und wir die letzten km wieder durch uns gut bekannte Kurven cruisen. Zuhause heisst es dann: Alles abpacken, Sachen trocknen, Eindrücke sacken lassen, Viel Erzählen und Pizza essen!

Hier noch die restlichen drei Tage auf der Karte und zum Download als gpx-Datei.

Download file: 20160723_Norwegen_Tag20-22.gpx

Noch ein paar Daten zur Tour:

Gesamtstrecke: 8532km (inkl. Fähren)
Fahrtage: 21
Pausentage: 1
Anzahl Fährverbindungen: 16
Gefahrene Reifen: Dl1000 – Mitas E07 / DL650 – Michelin Pilot Road 4 beide haben noch locker Reserve
Liter Benzin: DL1000 – 507 Liter / DL650 – 348 Liter
Ölverbrauch: DL 1000 – ca. 1 Liter / DL 650 – 0,0 Liter

 

 

Skandinavientour 2016 – Tag 19 – 274 km – Dänemark

Aufwachen und freuen. Alles trocken heute. Das Zelt steht in der Sonne es strahlt der blaue Himmel. Moment mal warum ist das Zelt nass? Und wo ist die Sonne? Das Zelt neben uns steht doch auch in der Sonne. Wir waren so intelligent und haben das Zelt in den Schatten gestellt. Naja die Sonne kommt schon noch rum. Und tatsächlich um kurz vor 10 Uhr ist es endlich soweit. Die Sonne scheint aufs Zelt. Einerseits ist das gut, weil wir so nicht in dem von der Sonne aufgeheizten Zelt aufgewacht sind. Andererseits ist halt noch alles nass. Uns bleibt dann auch nichts anderes übrig, als das Zelt noch feucht zusammenzupacken. Auf Umbauen hatten wir keine Lust.

Download file: 20160720_Norwegen_Tag19.gpx

Um kurz nach 11 Uhr starten wir also von unserem letzten Zeltplatz in Norwegen zur Fähre nach Kristiansand. Die restlichen 30 km sind völlig unspektakulär. Der Checkin für die Fjordline Fähre geht flott und ohne Wartezeiten. Wir werden direkt nach vorne durchgewunken. Die Fjordcat – unsere Fähre – ist ein Katamaran und legt gerade an. Schnell entlehren sich Massen an Fahrzeugen in den Hafen. Wir hätten nicht gedacht dass so viele Fahrzeuge und Menschen auf dieses „kleine“ Boot gehen. Wir fahren die Rampe hoch und blicken ins innere der Fähre. Jetzt wird mir so einiges klar. Der Laderaum ist aufgebaut wie ein Parkhaus mit engen Auf- und Abfahrten. Hier wird auch vom Personal akribisch geschlichtet, nicht wie auf der Stenaline Kiel – Göteborg. Die Motorräder stehen Koffer an Koffer. Mehr Platz geben die Stellplätze nicht her. Um sie abzuspannen müssen wir die Koffer abhängen und nach dem Verzurren wieder anbauen. Wir schnappen uns zwei Basic Sitze, strecken die Beine aus und üben uns 2 Std und 15 Minuten in Geduld.

Unvorteilhaft ist, dass auf der Fjordline Fähre nur DKK oder Karten als Zahlungsmittel aktzeptiert werden. Wir hätten noch NOK die wir sinnlos verfressen hätten, aber so sparen wir uns das Geld. Auf der Stenaline Fähre hätte man in Euro und Schwedischen Kronen bezahlen können. Viel flexibler. Es geht mehr Leuten so wie uns. Die restlichen NOK wären sinnlos verbraten worden. So kauft man nichts. Nach einer Stunde werden die Kinder auf der Fähre unruhig, was zu einem deutlich gestiegenen Lärmpegel führt. An dösen ist nicht mehr zu denken. Eine Mutter mit Kind die uns gegenüber sitzt hat die Situation vorbildlich im Griff und ist vorbereitet. Ihr Kleiner sitzt gefesselt neben ihr und lauscht den Geschichten die sie ihm vorliest. Nach dem Anlegen geht alles ganz schnell. Die Spanngurte sind schon gelöst. Die Autos stehen kreuz und quer, wir haben das Gefühl, dass es Stunden dauern wird bis dieses Gewirr gelöst ist, dem ist aber nicht so. Nach wenigen Minuten können wir schon die Fähre verlassen. Willkommen Dänemark.

Hier hatten wir vor einigen Jahren schon einmal Urlaub gemacht und der Funke zwischen uns und diesem Land war nicht wirklich übergesprungen. Heute wollen wir noch ca. 100 km gut machen bevor wir uns einen Platz für die Nacht suchen. Stur gerade aus mit 80 km/h. Das ist extrem nervig. Das Land ist flach wie eine Flunder. Wir tanken nochmal voll, kaufen Wasser und schon sind wir auf dem angepeilten Platz. Schnell ne ruhige Stelle fürs Zelt gesucht, den Kocher angeschürt und wir schaffen es tatsächlich mal vor 22 Uhr in die Schlafsäcke.

Morgen steht uns eine der langweiligsten Etappen bevor. Schnurgerade durch Dänemark runter.

Skandinavientour 2016 – Tag 18 – 362 km – Irgendwo im Nirgendwo kurz vor Kristiansand

Heute ist es zum ersten Mal passiert. Und nicht nur zum ersten Mal auf diesem Trip, nein auch zum ersten Mal überhaupt soweit ich mich erinnere. Wir mussten ein komplett nasses Zelt einpacken. Unser Plan mit dem Vaude Chapel L3P ging voll auf. Im Vorzelt kann man bequem zu zweit mit den Helinox Chair One (Affiliate Link) Stühlen sitzen. Die Koffer nutzen wir hierbei als Tisch. Die Rühreier brutzeln in der Pfanne während der Tee gerade durchzieht. Es ist ungemütlich kühl, aber der Kocher strahlt bereits nach kurzer Zeit eine angenehme Wärme aus. Die Leute neben uns in Zelten mit ca. 1 m bis 1,20 m Höhe fluchen. Vor allem gibt es auf diesem Campingplatz nur eine kleine Kochgelegenheit, aber keinen Aufenthaltsraum. Die meisten trinken nur schnell was, packen zusammen und verschwinden. Wir genießen unser Frühstück. Der Anruf bei Fjordline klappt auch endlich und die Plätze auf der Fähre für Morgen sind gebucht. Die Online Buchung hatte da gestern Abend zicken gemacht. Dann packen wir im Vorraum alles zusammen und hängen die Koffer nur noch ans Mopped. Lediglich das Zelt müssen wir dann im nassen zusammenlegen und just in diesem Moment hat auch der Himmel ein einsehen und der Regen lässt nach.

Download file: 20160719_Norwegen_Tag18.gpx

Wir starten in Richtung Odda. Auf der anderen Seite des Fjordes als geplant, da ja die angedachte Fährverbindung nicht existiert. Der Regen ist uns inzwischen irgendwie egal. Wir fahren heute die E134 welche in unserem Reiseführer als Haukelistraße bezeichnet wird und als „besonders“ gilt. Warum konnten wir nicht so richtig erkennen. Es ist zwar landschaftlich schön und es kommen immer wieder große Wasserfälle in Sicht, aber so besonders ist das hier in Norwegen nun ja auch nicht. Auf über 1000 Höhenmeter kommen wir heute und fahren auch wieder zwischen Schneefeldern dahin.

Hier ist es echt kalt und ausgerechnet hier meint Petrus auch mal wieder, dass wir es nötig haben. Man könnte glatt meinen, Norwegen will sich von uns reinwaschen. An einer Baustelle kommen wir mit dem „Verkehrsregler“ ins Gespräch. Ich finde dieses Prinzip sowieso witzig. Statt zwei Ampeln wie in Deutschland stehen oft zwei Personen mit Funkgeräten vor und hinter einer Baustelle. Sie halten den Verkehr auf und können auch Auskunft geben wie lange es dauert. Dann kommt ein Fahrzeug welches die wartende Kolonne durch die Baustelle führt, wieder wendet und das selbe Spiel von vorne. Drei Personen mit nem Ganztagsjob. Alle drei spechen perfekt Englisch und sind top gepflegt. Wie klappt das in Norwegen? In Deutschland wäre das ein Hilfsarbeiterjob mit einem Bildungsniveau das weder Deutsch noch Englisch voraussetzt. Aber wir stellen ja eh Ampeln hin.

Wir biegen ab auf die Straße mit der Nummer 9. Wie uns der Bauarbeiter versprochen hat wird das Wetter umso besser, je weiter wir gen Süden kommen. Gegen 17 Uhr und ca. 70 km vor Kirstiansand gehen wir einkaufen und beginnen nach einem Campingplatz zu suchen. Wir wollen eine gute Startposition für die Fähre morgen um 13:30 Uhr ab Kristiansand haben. Das Wetter schreit nach Zelten und so suchen wir uns einen abgelegenen mini Campingplatz. Die sanitären Einrichtungen sind alt aber top gepflegt. Die Übernachtung kostet 100 NOK. Warmwasser kostet nichts extra. Der Platz ist absolut ruhig gelegen und aufgrund dessen, dass er so abseits liegt auch recht wenig frequentiert. Ein Traum!

Wir haben uns heute zum Abschluss des Norwegenkapitels zwei Rinderfilets gegönnt welche wir uns auf dem Einweggrill schön medium zubereiten. Ein wenig Salz und Pfeffer und ein Stück Brot und glücklich grinsen wir beide bei blauem Himmel, Sonnenschein, 20° C und einem traumhaften Ausblick auf einen kleinen See vor uns hin. So kann man es aushalten.

Morgen wird ein ruhiger Tag. Um 11 Uhr wollen wir los nach Kristiansand zur Fähre. Das lässt uns aufjedenfall genug Zeit, ganz in Ruhe zu Frühstücken.

Skandinavientour 2016 – Tag 17 – 326km – Utne

Anja war heute irgendwie so wach und wuselig während ich noch voll faul am rumwanzen war. Schnell packen, schnell noch duschen, schnell frühstücken, schnell los – und alles nur um unseren Rhythmus wieder gerade zu biegen. Das klappt eh net! Das Resultat war, dass wir um kurz nach 10 auf trockenen Straßen unterwegs waren. Eigentlich alles super. Für heute sind gut 300 km angedacht und wir wollen eine kleine Runde in Bergen drehen. Mit diesem Plan sollten wir spätestens um 17 Uhr nach einem Platz für die Nacht suchen können. Sollten…

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Wir sind noch nicht lange unterwegs, da fällt mir ein Haufen Reisebusse am Straßenrand ins Auge. Wo Busse sind, gibt es was zu sehen. Und was das war. Ein schöner großer Wasserfall, direkt neben der Straße mit Parkplatz. Und dieser hier sah mir sofort nach Langzeitbelichtung mit Graufilter aus. Bisherige Fälle erschienen mir immer zu gewaltig, zu roh für diese Verweichlichung durch das glatt ziehen der Wasserspritzer. Also Stativ raus, ND-Filter und Kamera gepackt und losmarschiert. Nachdem ich aufgebaut hatte, wurde es auf einmal ruhig. Alle Busse waren weg. Perfektes timing. Na gut dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 17:30.

Die Straßen sind immer noch trocken wir genießen das Fahren, der Klapphelm bleibt heute offen! In Voss biegen wir rechts ab auf die E16 und lassen fliegen. Es läuft. Immer schön der lila Linie auf dem Navi nach…Moment wo ist die lila Linie? Hmpf, vor lauter Gute Laune fliegen lassen hab ich ne Abzweigung verpasst und das schon vor einiger Zeit. Kurz anhalten und sortieren. Wir entscheiden zurück zu fahren. Na gut dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 18 Uhr.

Wir biegen von der E16 ab auf eine kleine Nebenstraße und landen im Paradies. Niemand außer uns fährt hier. 50 km lang begegnen uns vielleicht 2 Autos und zwei Radfahrer, das wars. Ein Wasserfall reiht sich an den nächsten. Natur, völlig unberührt ist um uns. Wir nehmen uns einmal die Zeit anzuhalten und in Ruhe zu fotografieren. Ansonsten genießen wir das Fahren. Unebene rissige Straßen, sanfte Kurven bis hin zu Spitzkehren, bergauf und bergab geht es dahin. Dieses Revier ist wie gemacht für uns und unsere V-Stroms. Ich möchte behaupten, das war das schönste Stück Norwegen, welches wir erlebt haben. Und das beste, fast völlig im Trockenen. Gut wir sind langsamer vorangekommen als geplant, aber was solls wir sind ja auch im Urlaub und dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 18:30.

Nun aber flott ab nach Bergen. Die E39 bringt uns zügig zu dieser Touri-Metropole. Unmengen an Menschen schieben sich durch diese Stadt. Das ist eigentlich nicht unsere Welt. Mehrere große Kreuzfahrtschiffe liegen vor Anker. Unter anderem eine Aida und eine von den Hurtigruten. Wir parken nicht ganz legal direkt am Fischmarkt. Uns war bewusst, dass hier zu essen kein Schnäppchen wird. Aber die Preise waren dann doch der Hammer. Wir gönnten uns eine halbe Semmel mit Räucherlachs und einen Fischburger mit gegrilltem Gemüse und Dorsch. Geschmacklich der Hammer. Preislich aber mit 220 NOK auch. Gut dass selbst am kleinsten Straßenstand eine Kreditkartenzahlung möglich ist. Plastikgeld senkt die Hemmschwelle. Wir sitzen beim Essen so gut, dass wir den Campingplatz dann wohl doch erst um 19 Uhr suchen werden.

Schnell wieder raus ist das Motto nachdem wir noch eine kleine Fotorunde durch den Markt und den Hafen gedreht haben. Im Randgebiet von Bergen tanken wir noch schnell und dann geht es ab in Richtung Hardangerfjord. Je näher wir dem Fjord kommen desto besser wird das Wetter. Es wird doch nicht? Tatsächlich als wir ihn erreicht haben strahlt uns die Sonne vom blauen Himmel aus an, als ob sie nie weg gewesen wäre. Zuletzt hatten wir sie zu Mitternacht auf den Lofoten gesehen… Wir legen noch den einen oder anderen Fotostopp ein, bevor wir zur Fähre nach Ullensvang rollen. Moment die ist hier gar nicht angeschrieben. Es steht nur die Fähre nach Utne auf den Schildern. Wir fragen den Kassier der am Anleger die Autoschlange durchmacht. Wenn wir nach Ullensvang wollen müssen wir erst nach Utne fahren, dort die Fähre wechseln und dann geht es ans eigentliche Ziel. Aber er würde gleich von Utne aus nach Odda fahren, die Straße ist schöner als die von Ullensvang aus. Alles klar, dann brauchen wir ein Ticket für die Fähre nach Utne.

Inzwischen ist es 19 Uhr und wir sollten dann langsam mal nach einem Campingplatz suchen. Das tun wir während der Fährüberfahrt und finden einen Platz nur 6 km neben Utne. Auch wenn wir diese morgen wieder zurückfahren müssen ist die Verlockung groß, da er heute noch etwas länger Sonne abkriegen sollte als die Plätze welche in Richtung Odda liegen. Wir nehme den kleinen Umweg in Kauf und haben ihn auch nicht bereut. Ein absolut ruhig und idyllisch gelegener kleiner Platz direkt am Fjord lädt uns ein unser Zelt aufzuschlagen. Wir genießen das Abendessen unter blauem Himmel mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages bevor diese hinter den Bergen verschwindet. Das eine oder andere Foto wird noch geschossen und unser Tag/Nachtrhythmus wird wohl nochmal mindestens einen Tag warten müssen bis wir ihn wieder gerade rücken.

Eigentlich wollten wir heute noch die Fähre von Kristiansand nach Hirtshals buchen. Das geht aber aufgrund technischer Probleme nicht. Ich werde wohl morgen um 9 Uhr direkt mal anrufen statt über die Homepage zu gehen. Tagesziel für morgen ist es bis ca. 50 km vor Kristiansand zu kommen um eine gute Ausgangsposition für die Fähre am Mittwoch zu haben.

Skandinavientour 2016 – Tag 16 – 257km – Myrkdalen

Kann man im Urlaub verschlafen? Falls ja haben wir das getan. Ich hab zwar den Wecker gestellt, aber nicht aktiviert. Irgendwas in mir wollte wohl länger schlafen. So um 9 Uhr sind wir dann auch mal aufgewacht. Wir haben dann ganz gemütlich gefrühstückt und uns auf den Tag vorbereitet. Den Jungs in der Nachbarhütte beim Packen zuzusehen war echt lustig. Jedes Teil – Pfanne, Topf, Schöpfer, Wodka Flasche, Handy, Ladekabel fürs Handy, usw. – wurde einzeln zum Auto getragen und verstaut. Bei denen passt das Feng Shui noch nicht so ganz. Um 11:15 Uhr waren wir dann auch soweit, richtig durchzustarten.

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Das Wetter hatte nur auf uns gewartet. Wir fahren los und es beginnt zu nieseln. Aber ganz ehrlich, man stumpft ab. Anja ist nicht mehr so kalt, obwohl es nicht wärmer geworden ist. Den leichten Regen nimmt man gar nicht mehr wahr. Ich glaube man kann sich an das Wetter gewöhnen. Nach gut 25 km sind wir in Lom. Hier ist eine der größten noch erhaltenen Stabkirchen. Wir legen einen ausgiebigen Stopp ein und besichtigen dieses Gotteshaus. Wieder wird Eintritt für eine noch aktiv in Betrieb befindliche Kirche kassiert. Das Thema hatten wir ja schon mal. Interessant sind diese Holzkirchen mit ihrer ganz eigenen Bauart aber trotzdem. Nach der Besichtigung unterhalten wir uns noch ein wenig mit einer Dreiergruppe Motorradfahrer, die wir schon auf dem Campingplatz in Oysand gesehen hatten. Erfahrungsaustausch über Ausrüstung und die gefahrene Route.

Ab Lom geht es nun bergauf. Wir fahren in das Jotunheimengebirge. Jotunheimen ist eine nahezu unberührte Bergregion in Ostnorwegen. Sie umfasst ein Gebiet von rund 3500 Quadratkilometern. Dazu gehören die höchsten Berge Norwegens, der Galdhøpiggen (2469 Meter über dem Meeresspiegel) und der Glittertind (2464 Meter über dem Meeresspiegel) sowie Wasserfälle, Flüsse, Seen, Gletscher und Täler. Eine eindrucksvolle Naturkulisse tut sich vor uns auf. Naja soweit wir bei dem Wetter halt blicken können. Es ist nass und kalt. Links und rechts der Straße sind Unmengen an Schneefeldern. Bei blauem Himmel und Sonnenschein muss das ein Funkeln ohne Ende sein. Wir lassen unsere Fanatasie spielen und versuchen die Kälte aus unseren Gliedern zu verdrängen.

Am Lustrafjorden stoßen wir wieder auf Meereshöhe und schlängeln uns am Ufer entlang. Der Regen heute fängt mal an, dann hört er wieder auf und dann schüttet es mal wieder wie aus Eimern. Über eine kleine Erhebung wechseln wir rüber an den Sognefjorden. Diesen wollten wir ursprünglich fast bis an die Küste folgen, haben diesen Plan allerdings aufgrund der Tagestrecke zu Campingplatzdichte Situation wieder verworfen und überqueren diesen bei Hella mit der Fähre nach Vangsnes. Wir folgen ihm noch ein wenig bevor es wieder auf fast 1000 Höhenmeter in den Schnee geht. Ein letztes Mal für heute wird uns kalt. Nach insgesamt nur 257 km am heutigen Tag finden wir in Myrkdalen einen super Campingplatz. Die Hütten sind top ausgestattet und das Sanitärgebäude ist nagelneu. Wir nutzen die Waschmaschine und bringen unsere Garderobe auf Vordermann für die letzte Woche auf Tour.

Morgen wollen wir eine Runde durch Bergen drehen. Mal sehen was diese Stadt so zu bieten hat.

Skandinavientour 2016 – Tag 15 – 324km – Ottadalen

Highlights, heute gibts Höhepunkte. Atlantikstraße, Trollstiegen und Geirangerfjord warten auf uns. Wir sollten aus dem Bett springen und losflitzen. Unmöglich! Die Erschöpfung ist zu groß. Wir überlegen, die Hütte für eine Nacht länger zu nehmen und einen Pausentag einzulegen. Ein Blick auf die Wetterapp sagt uns, dass wir nichts davon hätten, außer noch mehr Regen. Also doch aufstehen, frühstücken und packen. Je mehr wir ausgepackt haben desto schneller sind wir beim zusammenpacken und desto früher kommen wir los – komische Logik, ist aber so. Bei Regen werden die Moppeds beladen. Als wir dann um kurz vor 10 Uhr in Regenklamotten startbereit sind hört es auf.

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Zur Atlantikstraße ist es nicht weit, aber vorher entdecken wir noch einen Wegweiser zu einer Stabkirche. Also schnell die Route im Kopf geändert und links abgebogen. Der kleine Umweg führt dazu, dass wir die Insel Averoya auf einer kleinen Straße entlang der Küste quasi umfahren, statt den schnellen Weg über die 64 zu nehmen. Egal, wir haben heute dicke Zeit. Zahlreiche Fotostopps und kleine Ausreißer sind heute auch ok. Als wir dann auf den vielen Brücken der Atlantikstraße angekommen sind, regnet es wieder. Trotzdem wird ein Stopp eingelegt und ein Norweger bekommt auf Englisch eine Kaufberatung zur V-Strom. Fast hätte ich noch das Motorrad von Anja während ihrer Abwesenheit verkauft *g*. Ich muss gestehen, ich hatte mir die vielen Brücken imposanter vorgestellt. Ich glaube wir stumpfen hier ab. Fährüberfahrten sind nichts besonderes mehr. Unterseetunnel gibts täglich. Letztens war noch der alte Elbtunnel in Hamburg eine Attraktion. Jetzt ist er nur noch ein mickriges Ding. Und Brücken bauen das können die Norweger auch. Vielleicht ist es aber auch das schlechte Wetter, das schon wieder auf die Laune drückt. Wir kriegen fast jeden Tag ordentlich Regen ab.

Naja es gibt ja noch mehr Highlights heute. Der Trollstiegen steht als nächstes an. Wasserfälle, eine tolle Serpentinenstraße und es geht endlich mal richtig in die Höhe! Erstmal geht es nochmal mit einer Fähre über einen Fjord. Wir bekommen zusammen mit 4 Schweden einen Platz unter Dach zugewiesen und das Personal lässt das kassieren bei uns bleiben. Ob aus Mitleid, weil wir so nass sind oder weil sie uns schlicht vergessen haben bleibt offen. Nach der Fähre gibt sich das Wetter Mühe und wir kommen trocken am unteren Ende des Trollstiegen an. Ein heftig winkender Mann mit Fahne und Warnweste macht uns aufmerksam. Willkommen im heutigen Alptraum! Auf dem Trollstiegen ist ein Triathlon. Er ist aber nicht etwa gesperrt. Nein das wäre zu einfach. Reisebusse, Wohnmobile, Autos mit Wohnwagen, LKW, normale PKW und Motorradfahrer teilen sich die Serpentinen mit den im Wettbewerb befindlichen Radfahrern. Die Hölle bricht über uns herein. Mit schleifender Kupplung im 1. Gang geht es den Berg hoch. Von hinten drängeln Triathleten die sich ihre Zeit nicht versauen wollen. Die Straße ist völlig verstopft. Die Emotionen kochen hoch. Anfeuernde Leute die am Fahrbahnrand parken machen das Ganze nicht besser. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Endlich oben angekommen kochen die Motorräder und unsere Gemüter. Lust auf ein Foto vom Trollstiegen haben wir keine mehr, da am Aussichtspunkt auch noch die Wechselzone von den Fahrrädern zum Laufen ist. Ich kann mich nicht mehr zusammenreißen und blaffe die Ordner an uns durchzulassen damit wir von diesem „fucking mountain“ wieder runterkommen. Das was der Veranstalter hier fabriziert hat ist lebensgefährlich für alle Beteiligten.

Einige km weiter stoppen wir und zwingen uns zur inneren Ruhe. Emotionsgeladen Mopped zu fahren, in einer Kurvenlandschaft wie hier, ist nicht gut. Anja hat ihren inneren Pessimisten wiedergefunden und möchte am liebsten alle Fahrradfahrer der Welt anbrennen. Nach dieser Beruhigungspause geht es weiter zur nächsten Fähre. Den Norddalsfjorden überqueren wir gemeinsam mit einem deutschen Motorradfahrer, der sich wundert wie man mehr als 300km an einem Tag fahren kann. Ich glaube, er ist hier im falschen Land. Die Distanzen hier überwindet man nicht wenn man pro Tag nur 150km schafft. Soviel Urlaub haben wir leider nicht zur Verfügung, um so zu trödeln. Er verbringt 11 Tage hier. Weit kommt er da nicht.
Der Geiranger soll es nun also richten. Er muss den Tag retten. Nichtmal das Nordkapp und die Lofoten sind so touristisch überlaufen wie dieser Fjord. Sofort werden wir angequatscht ob wir ein Gruppenfoto von ein paar Deutschen machen können. Imposant ist der Fjord mit seinen steilen Wänden ja schon. Die Aida Sol liegt vor Anker und wirkt richtig mickrig wenn man so von oben in den Fjord hinabblickt. Wir kommen kurz auf den wahnwitzigen Gedanken hier zu übernachten, lassen diesen aber sofort wieder fallen als wir den ersten Campingplatz sehen.

Am Ende des Fjordes quälen wir uns hinter Reisebussen und mit den Handys aus dem Fenster knippsenden Japanern die Serpentinen hoch. Es geht auf über 1000m in die Höhe. Wir sind umringt von großen Schneefeldern, die Temperatur sackt ab und es schüttet. Es gibt tatsächlich angenehmere Momente als diesen. Die Highlights sind irgendwie alle nicht so toll, wie erwartet oder haben einen riesen Haken und dann noch das: Ewig kommt kein Campingplatz in Sicht und auch keine Einkaufsmöglichkeit. Als wir endlich einen Platz finden, hat dieser zwar eine Ferienwohnung frei, aber die nächste Shopping Möglichkeit ist erst in 25km. Wir beschließen weiterzufahren und diese Entscheidung war endlich mal gut. Wir kommen an einem Coop vorbei und einen km weiter ist eine Hütte für uns frei. Der Regen hat aufgehört. Und kaum sitzen wir bei unseren Nudeln im Warmen, kommt tatsächlich die Sonne raus als möchte sie uns nochmal foppen.

Morgen geht es in die alpinste Landschaft Norwegens mit den höchsten Bergen (bis 2468m über Null) Skandinaviens. Mal sehen wie es uns da ergeht.

Skandinavientour 2016 – Tag 14 – 332km – Kristiansund

In der Hütte neben uns haben heute Nacht auch mal wieder Moppedfahrer geschlafen. Einer hatte eine Honda NTV. Das weckt Erinnerungen. Immerhin hat uns unsere NTV auch so einige km getragen. Erst mich alleine, dann zusammen und zum Schluss hat Anja ihre ersten km damit gemacht. Auch diese Biker sind wieder früher aktiv als wir. Den ersten Wecker versuche ich zu ignorieren. Mal sehen wer das Klingeln länger „ausliegen“ kann – Anja oder ich – okay… sie scheint es gar nicht zu hören. Ich krabbel raus und mach ihn aus. 15 Minuten später das gleiche Prozedere nochmal. Wir bräuchten dringend mal wieder nen Tag an dem wir lange ausschlafen, aber das gibt es erst daheim wieder. Morgenrituale sind gut, sie laufen quasi noch im Schlaf ab. So auch das Rührei machen, Tee kochen und Frühstück zubereiten. Der Blick nach draußen senkt die Lust auf Moppedfahren. Es regnet – mal wieder. Wir packen zusammen und Anja geht noch duschen, während ich abspüle. Die Wartezeit hat gereicht, es trocknet ab.

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Zum Warmwerden geht es erstmal direkt an der Küste entlang und noch nicht die E39. Kurven und schöne Ausblicke belohnen uns für diese Routenplanung. Dann geht es kurz auf die E39, nur um möglichst schnell wieder von ihr runterzukommen auf die 463. Wenigstens mal ein paar kleinere Straßen mitnehmen. Irgendwie kriegen wir heute beide nicht so viel von der Landschaft mit, da die Straßen einfach geil zum fahren sind. Irgendwann treffen wir wieder auf die E39, aber auch diese macht hier in der Region so richtig Laune. Das Ufer des Vinjefjorden ist auch ein Kurvengarant und lässt den Fahrspaß nicht absacken. Der Valsoyfjorden wird schnell überquert und wir streben immer weiter in Richtung Kristiansund. Die Hinweisschilder am Straßenrand versprechen eine schnelle Ankunft, doch das trügt. Wir wollen noch eine Schleife ins Landesinnere fahren. Doch vorher fahren wir mal wieder mit einer Fähre. Den Halsafjord überqueren wir mit der M/F Rauma die im 20-Minuten Takt wechselweise mit einer anderen Fähre verkehrt.

Heute läufts. Wir liegen super in der Zeit und die Straßen wetteifern darum, welche uns mehr mit Kurven begeistern dürfen. Die Zusatzrunde entlang des Tingvollfjorden, Trangfjorden, Alvundfjorden, Sundalsfjorden und auf der anderen Seite des Tingvollfjorden wieder zurück ist ein echter Glücksgriff gewesen. Immer wieder durchsetzt mit Tunneln reiht sich eigentlich Kurve an Kurve. Immer noch keine Zeit großartig auf die Landschaft zu achten. Bei den Fjordwechseln fällt eigentlich nur so richtig auf, dass die Landschaft auch abwechselt von karg, schroff und hoch zu sanft bewaldet und relativ niedrig. Bevor wir wieder auf die E39 treffen, fahren wir noch die „Route“ 666. Von Bergsoya auf die Insel Frei führt einer der längsten unterseeischen Straßentunnel Norwegens. Es ist immer wieder imposant zu sehen was hier an Ingenieurskunst geleistet wurde.

Kurz vor Kristiansund biegen wir ab auf den Campingplatz Byskogen und fragen wie üblich auf Englisch nach einer Hütte. Die Antwort kommt in perfektem aktzentfreien Deutsch. Okay, dann halt so. Wir nehmen für unsere Verhältnisse eine Luxushütte mit zwei Räumen. Doppelbett, Sofa, Küche, Dusche, WC und großem Flatscreen TV. Eigentlich würden wir uns gerne sofort aufs Sofa legen und alle Fünfe von uns strecken. Unser Plan für heute sieht aber noch einen Abstecher nach Kristiansund mit leichtem Gepäck vor. Wir wollen im Restaurant Smia direkt am Hafen essen gehen. Also schnell die Koffer geleert und wieder auf die Maschinen geschwungen. Die 7,5 km sind schnell gefahren. Direkt neben dem Restaurant kann man wunderbar parken. Wir bekommen einen Tisch im 1. Stock und studieren die Karte. Als Vorspeise lassen wir uns Bacalao kommen. Diese Speise besteht aus Stockfisch der mit Olivenöl, Paprika und Tomaten zubereitet wird. Das war allerdings nur ein kleiner Vorgeschnack auf unsere beiden Hauptgerichte: Lachsfilet mariniert in Honig und Wacholdbeeren mit leckerem Gemüse, einer Apfelsoße und gerösteten Kartoffeln / Klippfisch von der Insel Averoy mit leckerem Gemüse, Erbsenpüree, einer Buttercremesoße und Kartoffelpüree mit Speck –> KULINARISCHER ORGASMUS!!!
Ein Dessert musste natürlich dann auch noch sein. Hier wählten wir eine Käseplatte mit lokalen Produkten.
Also solltet ihr irgendwann mal nach Kristiansund kommen, können wir das Smia nur wärmstens empfehlen! Das Ambiente in dieser alten Schmiede ist außerdem auch noch sehr gemütlich.

Als wir nach dem Essen einen kleinen Fotospaziergang am Hafen machen wollen, stelle ich fest dass ich zwar Objektive und Stativ dabei habe, die Kamera aber noch im Tankrucksack in der Hütte liegt. Naja dann muss es eben das Handy richten. Die Runde fällt sowieso recht kurz aus, bevor wir noch zu einem REMA1000 fahren um uns mit Getränken und Frühstückszutaten einzudecken. Wieder an der Hütte angekommen nehmen wir das Sofa in Beschlag und nutzen die super Internetanbindung.

Morgen sollen gleich drei Highlights kommen. Die Atlantikstraße, Trollstiegen und der Geirangerfjord. Mal sehen wie aufnahmefähig unsere Köpfe noch sind.

Skandinavientour 2016 – Tag 13 – 327km – kurz hinter Trondheim

Wir haben super geschlafen. Die dritte Nacht im Zelt in Folge und wir freuen uns, dass das Wetter gehalten hat. Es ist immer noch trocken, auch wenn es nicht mehr blau ist am Himmel. Wir belegen wieder Bank und Tisch vom Vorabend und kochen – unter Überwachung vom Nachbarwohnmobil aus – unsere Rühreier auf dem Benzinkocher. Die Motorräder sind frisch getankt, die Sachen zügig gepackt und so kann es losgehen, die E6 weiter gen Süd-Westen zu fahren. Der Spanier von nebenan erkundigt sich noch nach den Tankstellen in Richtung Norden und ist erstaunt, dass die nächste leer sein soll. Er glaubt uns aber und fährt die 600m zur Statoil zurück um zu tanken. Kurz vor 11 Uhr sind wir dann auch auf der Strasse und reihen uns hinter zwei anderen Motorrädern ein. Auf nach Trondheim!

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Und das wars auch schon fast mit der Geschichte für heute. Die E6 ist ja ganz nett um zügig (naja mit den Begrenzungen ist zügig relativ) von A nach B zu kommen. Paar Kurven sind eingebaut, damit man nicht einschläft. Größere Stopps gibts keine. Wir halten lediglich mal kurz damit ich Handschuhe wechseln und noch eine Weste anziehen kann. Ich fahre immerhin ohne Innenfutter. Ab und an regnet es ein paar Tropfen, aber nie so richtig. Irgendwann treffen wir auf den Trondheimsfjorden und folgen diesem. Moment mal, wollten wir nicht unten um den rum? Das Navi ist da anderer Meinung. Warum… keine Ahnung. Wir entscheiden uns dem Ratschlag des Gadgets zu folgen und die mit der 755 bezeichnete Straße ist tatsächlich eine Verbesserung zur E6. Auf Höhe Trondheim soll es mit der Fähre über den Fjord gehen. Kurz vorher bringt uns ein Schild zu einem kleinen Abstecher nach rechts. Hier finden wir unsere erste Stavkirke (Stabkirche). Die Hindrem Stabkirche kann leider nur gegen Gebühr, nach vorheriger telefonischer Absprache besichtigt werden. Es bleibt also bei einigen Bildern von außen.

Auf den letzten Metern zur Fähre sehen wir, wie diese ablegt und uns davonfährt. Diesmal schaffen wir also keine Punktlandung. Da hier aber aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens zwei Fähren im Pendelverkehr fahren müssen wir nur 20 Minuten warten. Wir sind mal wieder in der ersten Startreihe neben einem Ninja-Fahrer. Was bewegt einen Norweger dazu, sich eine großvolumige Sportler zu kaufen? Schneller als 90 durften wir bisher nirgends fahren. Und auch dieser Kawatreiber zieht nicht davon, sondern hält sich brav an die Beschränkungen.
Wir rollen nach Trondheim rein und suchen einen Parkplatz nahe dem Nidarosdom. Fotoausrüstung zusammen gepackt, Helme am Motorrad angehängt und schon stapfen wir los. Der Dom kostet 9 NOK pro Person Eintritt. Ich finde es ja ein Unding für ein Gotteshaus eine Gebühr zu verlangen. Aber diskutieren braucht man da nicht, wenn man rein will muss man eben zahlen. Der Nidarosdom ist recht eindrucksvoll. Vor allem seine leuchtenden Fensterbilder. Nach einer ausgiebigen Runde in und um den Dom laufen wir in Richtung der Säule mit dem Standbild von Olav Tryggvason. Hier biegen wir rechts ab und stellen fest, dass es fast alles zu Essen gibt in Trondheim, außer einem typisch norwegischen Restaurant. Pizza, Döner, Tapas, Asiatisch – alles kein Problem. Landestypisch sieht man leider nicht. Wir laufen weiter bis zur Bybrua einer roten Holzbrücke die den Nidelv überquert. Hier biegen wir wieder rechts ab und schließen somit den Kreis zu den Motorrädern.

Nachdem wir Trondheim wieder verlassen haben gibt es drei Prioritäten: 1. Tanken, 2.Einkaufen. 3. Hütte finden.
Innerhalb von wenigen km schaffen wir alles drei und sitzen nun in Oysand in einer kleinen Hütte. Der Platz hat leider seine besten Tage hinter sich und ist ziemlich groß. Aber wenn man nur eine Nacht bleibt, dann ist der Wohlfühlfaktor nicht ganz so wichtig. Was wir brauchen ist eine warme Dusche, etwas zu Essen und ein Bett. Und das gibt es hier.

Morgen wollen wir bis kurz vor die Atlantikstraße fahren. Mal sehen, ob uns das Wetter an der Küste jetzt etwas milder gestimmt ist.