Balkantour 2018 – Tag 18 – 348 km – Gradac

Da bei der Unterkunft kein Frühstück enthalten war brechen wir heute etwas früher auf. Es ist bewölkt und bei weitem nicht mehr so heiss wie gestern. Das Gewitter heute Nacht hat die ersehnte Abkühlung gebracht. Um 8:50 Uhr schieben wir die Motorräder aus der Garage und begeben uns noch zu einem Bäcker um etwas zu essen (natürlich Burek) für unterwegs mitzunehmen.

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Wir folgen bis Ploce der Küstenstrasse. Es ist angenehm zu fahren obwohl viel Verkehr ist. Der kurze Abstecher durch Bosnien Herzegowina ist ziemlich unspektakulär. Am ersten Grenzübergang schaut der Beamte wenigsten noch kurz den Reisepass an. Am zweiten werden wir direkt weitergewunken. Wozu setzt man dann überhaupt jemanden an die Grenze? Nachdem wir die Küste verlassen haben werden die Straßen erstmal wieder klein und kurvig. Wir fahren durch Weinfelder (Berge sind es nicht wirklich. Nennt man es dann Weinplantagen?) Die Wolken werden immer dunkler und vor uns braut sich was zusammen. Wir ziehen schonmal die Regenhauben über die Tankrucksäcke und machen unsere Klamotten dicht. Als dann zwei fette Blitze vor uns runtergehen und die Sintflut zu fallen beginnt drehen wir kurzentschlossen um und kehren in einem Cafe ein welches wir kurz davor passiert hatten. Wir trinken eine Cola und sitzen den Regen aus. Nicht ganz aber zumindest bis es nur noch ein tröpfeln ist.

Der weitere Tagesverlauf ist relativ unspektakulär. Die Straßen werden etwas größer und wir kommen flott voran. Die Landschaft ist hügelig bis bergig. Alles ist satt grün. Dank des zügigen vorankommens ist auch das fahren kurzweilig. Trotzdem merke ich heute das mir der Hintern vom sitzen weh tut. Ich glaube der Gegenverkehr amüsiert sich über meine Turnübungen auf dem Mopped. Die weiteren Unwetter streifen wir wenn dann nur kurz, so dass wir maximal ein paar Tropfen Regen abbekommen. Dank der Wolken und dem Regen ist es merklich heruntergekühlt was uns sehr entgegenkommt.

Unsere Unterkunft (Apartment Ada) finden wir heute erst auf den zweiten Anlauf und mit Hilfe der Handynavigation. Boris und Gordana haben ein mega schnuckeliges Grundstück. Sie halten selbst Schweine und Geflügel und versuchen sich weitestgehend selbst zu versorgen. Boris arbeitet als Fahrdienstleiter bei der kroatischen Bahn und Gordana bei Gericht. Aber die 4 Söhne sind entweder schon am studieren oder auf dem besten Weg dorthin und so müssen sie sich mit der Unterkunft etwas dazu verdienen. Sie bieten uns ein Abendessen an welches wir trotz unserer bereits gekauften Bureks annehmen. Gordana flitzt sofort in die Küche und fängt an zu werkeln. Die Bureks können wir auch morgen noch essen.

Auf Selbstgemachte Tomatensuppe mit Nudeln und Brot folgen Ofenkartoffeln, roter Krautsalat und panierte Geflügelschnitzel. In der Panade findet sich Sesam und das Essen ist einfach nur lecker! Wir bedanken uns nochmal und begeben uns in unsere Wohnung – Wir haben nicht nur ein Zimmer bekommen. Nein wir haben eine komplette Einliegerwohnung für uns zur Verfügung. Noch kurz den Laptop angeworfen und die Route für morgen klar gemacht. Dann geht es auch schon ab ins Bett.

Balkantour 2018 – Tag 16 – 248 km – Podgorica

War das eine Nacht! Das Red Bricks in Shkodra ist einfach der Hammer. Die Mitarbeiter bemüht ohne Ende. Die Zimmer riesig. Das Bett gigantisch groß und mega Matratzen. Die Minibar ist im Preis inkludiert. Ne große Dusche mit ordentlich Wasserdruck. Wir haben geschlafen wie Könige! Das Frühstück stand dem in nichts nach. Wir kamen daher nicht in die Pötte und trödelten ewig rum. Um 10:30 zuckelten wir dann endlich los. Aber erstmal nur zum Postamt. Wir brauchten noch Briefmarken für die Ansichtskarten. Danach drehten wir noch eine Runde im Kreisverkehr vor dem Hotel bevor wir noch Wasser kauften und tankten. Dann hatten wir Shkodra wieder verlassen.

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Jetzt wo wir langsam begannen den albanischen Verkehrsfluss, der für einen Deutschen wie Chaos aussieht, zu verstehen. Es befindet sich alles in einem stetigen Fluss. Langsam und manchmal sah es aus wie drängeln, aber es hat auch etwas mit Rücksichtnahme zu tun. Viel flüssiger als in Deutschland. Und keiner regt sich auf. Alles fügt sich ineinander wie langsam laufende Zahnräder.
Erstmal ging es noch ein Stück auf gut ausgebauter Straße SH1 in Richtung Podgorica dahin bevor wir nach rechts auf die SH20 abbogen. Garmin behauptet immer noch dass dies ein unbefestigter Weg ist. Wir können mit Sicherheit sagen dass es das nicht ist. Die Straße ist nagelneu perfekt ausgebaut! Die Italiener in den Dolomiten wären mal wieder neidisch. Die SH20 schraubt sich zügig in die Höhe und liefert perfekte Aussichtspunkte! Es kommen einem plötzlich überdurchschnittlich viele Motorräder entgegen. Wenn man dann die Passhöhe des Leqet e Hotit hinter sich hat folgt in der ersten Kehre abwärts ein Parkplatz mit Aussichtspunkten.

Wir trafen hier ein deutsches Pärchen mit zwei großen Hunden im Kleinbus. Irgendwie haben wir uns dann mit denen ewig unterhalten. Sie kamen vom Wandern aus Montenegro und waren hin und weg von dem Land. Jetzt ist für sie Albanien dran. Bei uns ist es genau umgekehrt. Während wir so dastanden kamen immer wieder Gruppen von Motorradfahrern. Vorrangig Italiener, diese scheinen Albanien schon länger für sich entdeckt zu haben. Sie kommen aber auch relativ unkompliziert mit der Fähre über Igoumenitsa ins Land. Die Temperaturen waren heute sehr hoch und wir schwitzten nur einmal, dafür aber heftig.

Nach der Abfahrt vom Pass legten wir gleich den nächsten Stopp an einem kleinen Cafe ein. Zwei eiskalte Cola gönnten wir uns von unseren letzten LEK. Während wir hier saßen durften wir zusehen wie Albaner mit Fischen handeln. In gefühlten 5 Minuten hat die Händlerin 7 frische Fische erschlagen, ausgenommen und gewaschen und verkauft. So langsam sollten wir mal weiter. Das Navi gibt als Ankunftszeit bereits 18 Uhr aus. Die Straße ist weiterhin perfekt aber wir lassen uns auch weiterhin Zeit. Es dauert trotzdem nicht mehr lange bis die Grenze in Sicht kommt. Bevor dies aber geschieht endet plötzlich die Straße. Den letzten km bis zur Grenze geht es über Schotter. Bei der Passkontrolle treffen wir wieder Motorradfahrer. Ein Deutscher der vor uns herfährt und drei Tschechen in Gegenrichtung auf alten Africa Twins mit TKC80 Bereifung die bedauern dass in Albanien immer mehr asphaltiert wird.

In Montenegro fühlen wir uns sofort wieder wohl. Die bewaldeten Hügel und Berge sind einfach schön. Am Fahrbahnrand verkaufen Kinder Walderdbeeren. Wenn ich denke wie lange man für so ein Schüsselchen pflücken muss. Wir gönnen uns eines und sind begeistert. Die drei Kids sind begeistert von uns und unseren Motorrädern. Dann geht es wieder in die Höhe. Serpentine um Serpentine schrauben wir uns hoch, überholen einen Radfahrer mit vollem Gepäck. Dann machen wir halt an einer Bergwiese. Es ist unglaublich wie viele verschiedene Blumen hier blühen. So sieht gesunde Natur aus. Der Radfahrer holt uns ein und entpuppt sich als Belgier. Wir halten einen kurzen Plausch während Anja die Blumenvielfalt fest hält. Nachdem wir über diesen Pass sind geht es weiter auf kleinen Straßen in Richtung Kolasin. Dort biegen wir auf die E-65 ab welche uns durch die Taraschlucht nach Podgorica führen wird.

Wir legen nochmal ein paar Stopps ein. Es ist einfach gigantisch. Dieses Land zieht uns immer wieder völlig in seinen Bann. Gestaffelte Hügelketten im Gegenlicht. Da ist er wieder der Bernd Römmeltsche Moment. „Und wenn du meinst dass du fertig bist mit fotografieren, dann bleib noch 5 Minuten, es wird sich rentieren“… so vergehen 5 Minuten um 5 Minuten. Irgendwann müssen wir uns losreißen.

Podgorica ist uns gleich wieder vertraut. Das Hotel Bambis kennen wir von unserer Tour 2015. Wir checken ein, planen noch den morgigen Tag und suchen uns was zu essen. Wir finden einen kleinen Pizzastraßenverkauf mit wenigen Sitzgelegenheiten und lassen uns hier nieder. Anja gönnt sich anlässlich ihres heutigen Geburtstages noch ein Stück Napoleon Torte nach der Pizza. Zurück im Hotel springen wir noch schnell unter die Dusche. Es war ein mega anstrengender Tag voller toller Eindrücke. Wir fallen glücklich ins Bett und schlafen wie erschlagen.

Balkantour 2018 – Tag 15 – 107 km – Skhodra

Der Wecker klingelt heute schon um 6 Uhr. Wir wollen um 7 Uhr schon beim Frühstück sein und spätestens um 8 Uhr los. Geschlafen haben wir super. Es war nicht sonderlich warm, das Bett war klasse und überhaupt hatte uns der Tag ganz schön geschafft. Unser Plan geht gut auf und so fahren wir um 8 Uhr los noch Wasser kaufen für die Trinkrucksäcke. Danach geht es auf direktem Weg zum Fähranleger der Trageti Alpin. Am Anleger herrscht heilloses Chaos. Die Autos stehen kreuz und quer und immer wieder hupt jemand. Wir stellen die Motorräder ab und ich gehe zum Ticketverkäufer. Dieser findet die Reservierung und gibt mir für 46 EUR zwei Tickets für die Überfahrt. Ein Motorrad mit Fahrer kostet also 23 Eur. Von Maxmoto aus dem Mimoto Reiseforum weiß ich dass ein Motorrad mit Fahrer und Sozia 30 Eur kostet. Wir quetschen uns mit den Motorrädern an den Autos vorbei und stellen sie seitlich auf der Fähre ab. Ausziehen, Fotos schnappen und nach oben. Schnell noch den Kapitän auf Englisch angequatscht was diesen etwas verunsichert da er kein Wort Englisch spricht. Ich zeige ihm kurz die Actioncam und Frage in Zeichensprache ob es okay ist wenn ich diese am Geländer vor der Brücke befestige. Ein Nicken und Daumen nach oben sind die Antwort. Ich richte die Kamera aus und starte kurz vor dem Ablegen die Timelapse Aufnahme. 2500 Bilder macht die Kamera während der fahrt, welche ich zu einem kleinen Video zusammenfüge. Dieses gibt es am Ende des Artikels.

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Insgesamt 2 Stunden dauert die Fahrt über den Komanstausee. In dieser Zeit erschlagen einen die Eindrücke. Einer der mir mehr als die Natur an sich in Erinnerung geblieben ist, war der ganze Müll der auf dem See schwimmt. Es ist unglaublich wieviele Platsikflaschen auf einem nicht mit dem Auto umfahrbaren Stausee im Gebirge schwimmen. Die aus Deutschland bekannten Werte zum Thema Umgang mit Müll gibt es hier nicht. Fast jeder wirft seinen Müll einfach an Ort und Stelle weg. Auch das Abwasser der Fähre von den Toiletten wird direkt in den See geleitet.
Die Landschaft ist atemberaubend. Sind anfänglich noch hohe schroffe Felsen an den Ufern wird es je weiter wir kommen immer flacher und grüner. Die Leute auf der Fähre tanzen, singen und klatschen. Es dröhnt Lautstark Musik aus den Boxen und wir gleiten ziemlich schnell dahin. Um kurz nach 11 Uhr legen wir in Koman nahe der Staumauer an. Es entsteht wieder ein kleines Chaos da der Anleger nicht sonderlich Groß ist, jeder aber nochmal halten will und man vom Anleger nur durch einen einspurigen Tunnel weg kommt. Wir fahren als letzte von der Fähre und reihen uns hinter den Autos ein. Nach dem Tunnel ist die Straße auf einen Schlag Grottenschlecht. Schlagloch an Schlagloch. Der Teer meist kaum zu erahnen. Die Autos werden über jedes Loch in der Strasse getragen. Wir überholen ein Auto nach dem anderen, so dass wir zügig vorankommen.
Achtung, jetzt kommt ne riesen Bildergalerie, danach gibt es noch Text…

Wir haben uns auf 2 Stunden Fahrt bis Shkoder eingestellt, sind aber schon nach 45 Minuten am Red Bricks, unserem heutigen Hotel. Dort steht schon jemand bereit der uns einweist und Willkommen heisst. Ein Rollerfahrer aus Nürnberg spricht uns an. Er ist mit Frau hinten drauf mit einem 125er Piaggio Roller bis hierher gefahren. Jetzt ist seine Gabel undicht und er versucht eine Reparatur zu organisieren. Wir unterhalten uns ein wenig und checken dann ein. Das Zimmer ist der Wahnsinn! Riesengroß, mit einem gigantisch großen Bett. Der Inhalt der Minibar ist im Preis inkludiert so dass wir nicht lange zögern und sie leer Essen. Wir dümpeln 4 Stunden im Bett rum. Ich mache die Speicherkarten leer und beginne das Timelapse Video zusammenzusetzen. Um ca- 17:30 machen wir uns dann nochmal auf die Socken.

Eine Runde mit den Fotos durch Shkodra und dann gehen wir in die Vila Bekteshi zum Abendessen. Hier fällt einem auf dass eine Moschee direkt neben zwei Kirchen steht. Ganz friedlich ohne irgendwas in die Luft zu jagen. Es geht also auch so. Das Abendessen war ein Gedicht, danke nochmal für den Tipp an Maxmoto. So gestärkt geht es zurück ins Zimmer und ich mache das Video fertig während Anja Ihre Gedanken über den Tag zu Papier bringt. Nach dem Duschen schreibe ich dann auch noch ein paar Zeilen und bin froh dass wir heute einen kurzen Fahrtag gemacht haben.

Timelapse Video vom Komansee: 2 Stunden Fährüberfahrt in 2500 Bildern

Balkantour 2018 – Tag 14 – 270 km – Bayram Curri

Die Nacht war nicht gerade erholsam. Die Klimaanlage brachte nicht wirklich Leistung, daher haben wir die Balkontüren offen gelassen – großer Fehler. Von 2 Uhr bis ca. 3 Uhr war Anja damit beschäftigt Schnacken zu erschlagen und die Hoheit in unserem Zimmer zurückzugewinnen. Gekratzt hat mich das zwar erstmal nicht. Ich hab einfach weiter geschlafen. Bei mir war es dann um 5 Uhr rum, da hat es mich dann gekratzt und zwar ganz gewaltig!!! Gejuckt hat alles an mir. Meine Beine sind eine einzige Mondlandschaft von den vielen Stichen. Naja um 7:30 war dann trotzdem die Nacht rum und wir haben zusammengepackt. Noch schnell ein spartanisches Frühstück und um kurz nach 9 Uhr saßen wir dann auf den Böcken.

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Die ersten Kilometer ging es durch die Stadt. Durres wirkt wie eine reine Hotelstadt. Der Verkehr wirkt chaotisch und die Gefährte welche einem begegnen teilweise abenteuerlich. Vorne eine Pritsche und hinten dran das Rückteil eines frisierten Mofas, oder andersum einfach an ein Mofa ne Pritsche und ne Achse mit zwei Rädern hinten dran. Und die Dinger fahren Höllengeschwindigkeiten. Tirana haben wir großzügig ausgelassen und bewegen uns auf Schnellstraßen und dann sogar einem kurzen Stück Autobahn ins Landesinnere. Autobahn? Was heisst hier Autobahn? Fußgänger, Eselskarren entgegen der Fahrtrichtung sogar Hühner laufen hier rum.

Immer wieder fällt uns auf dass es viele Polizeikontrollen gibt. Wir werden glücklicherweise immer freundlich durchgewunken. Bei Milot verlassen wir dann die Autobahn und biegen ab auf die Sh30 welche parallel zur Autobahn verläuft aber in wesentlich schlechterem Zustand ist, dafür aber auch Kurven zu bieten hat. Wir kommen gemütlich voran und haben Zeit in der Gegend herumzuschauen. Auf der Nebenstraße ist quasi Null Verkehr. Wir folgen auch einem Fluss welcher aktuell wohl Niedrigwasser hat. Man kann direkt auf den Grund des Flusses schauen so klar ist das Wasser. Allerdings findet sich am Ufer jede Menge Müll. Gestern hat vor mir ein Albaner eine Getränkedose aus dem fahrenden Auto geworfen, ca. 100 m bevor er an einer Tankstelle gehalten hat um sich eine neue zu kaufen. Kann man die dann nicht einfach an der Tanke in den Müll werfen? Dieses Verständnis ist in Albanien nochh nicht angekommen.

Wir schrauben uns langsam ein wenig in die Höhe während die Autobahn weiter im Tal bleibt. Der Ausblick ist Atemberaubend und wir sehen deutlich dass wir heute viel Glück haben. Vor uns, hinter uns und neben uns sind Gewitterzellen am werkeln. Nur über uns ist es halbwegs ok. Wir schaffen es den ganzen Tag irgendwie zwischen den Gewittern durchzuschlüpfen. Mehr als ein paar Tropfen Regen bekommen wir nicht ab. Wir sind langsam unterwegs. Hinter jeder Kurve könnte eine Kuh, eine Ziege, ein Schaf, ein wilder Hund, eine Schotterpiste, ein LKW, das Straßenende, oder sonstwas auf uns warten. Immer Brems- oder Ausweichbereit sein ist auf Dauer anstregend. Hier merkt man erst wie bequem der deutsche Straßenverkehr ist. Urplötzlich nach einer Kurve geschieht etwas völlig unerwartetes. Die SH30 ist frisch geteert und mit sauberen weißen Straßenmarkierungen versehen. Und das bleibt auch so. In den Dolomiten wären sie neidisch auf so eine Strecke. Wir gewinnen immer mehr vertrauen und ziehen voller Freude am Gas. Allerdings bleibt der kleine mahnende Schhutzengel auf der Schulter der immer wieder flüstert da könnte ne Ziegenherde stehen. Nach einigen Kilometern purem Fahrspass stoppen wir an einem Straßencafe und gönnen uns zwei eiskalte Colas. Hier ist auch noch ein Tschechisches Pärchen mit zwei Enduros um Pause zu machen. Er fährt eine 701er Husquvarna welche dezent umgebaut wurde um Reisetauglich zu werden. Das ist schon ein Leckerbissen. Und so leicht im Vergleich zu meiner V-Strom. Aber wo würde ich da die Fotoausrüstung hinpacken? Anja zersticht die aufkommende Luftblase eine Husqvarana zu kaufen gleich wieder.

Noch zweimal wechseln wir heute die Straße. Zuerst auf die SH5 und dann nach nur wenigen Kilometern auf die SH22. Diese führt uns am Hotel Alpin vorbei direkt nach Fierze. Diese Straße ist der absolute Hammer! Ich lass einfach Bilder sprechen. Wir legen soviele Fotostopps ein wie an keinem Tag auf dieser Reise. Landschaft vom feinsten!

In Fierze fahren wir zuerst an eine Tankstelle – geschlossen – und dann weiter zum Fähranleger der Trageti Alpin um mal zu gucken wo wir morgen früh hinmüssen. Den kann man nicht verfehlen. Danach fahren wir nach Bayram Curri und finden dort eine Tankstelle welche auch Visa nimmt. Wir sind früh genug dran um noch einen Abstecher ins Valbona Tal zu machen – wenn wir eh grad schonmal hier sind. Es beginnt mit einer engen Schlucht und wird weiter je tiefer man reinfährt. Die Straße ist übersäht mit Steinbrocken. Ein uns viel zu schnell entgegenkommender Mercedes kann einem dieser Brocken nicht mehr ausweichen und es zerreißt ihm den rechten Vorderreifen. Der Fahrer hat seine liebe Mühe das Auto abzufangen weil er viel zu schnell war, aber er schafft es. Da ist es wieder das Bewusstsein dass nach der nächsten Kurve alles auf einen warten kann. Wir legen noch ein paar Fotostopps ein und wenden nach ca. 10 Minuten fahrt ohne das Ende des Tales erreicht zu haben.

Unsere Unterkunft heute das Hotel Turizem Shkelzeni ist voll schnicke. Endlich mal wieder ein großes Bad! Die letzten waren doch immer sehr klein. Wir duschen und gehen noch im Restaurant essen. Die Streckenplanung für morgen steht dank der Fährfahrt auf dem Komansee auch schon fest und die Unterkunft in Shkodra wird das Hotel Red Bricks sein welches uns von Maxmoto im Mimoto Resieforum empfohlen wurde.

Balkantour 2018 – Tag 13 – 321 km – Golem

Es ist einfach schön mit dem Rauschen des Meeres aufzuwachen. Dann gemütlich Zeugs zusammenzupacken und um 8 Uhr mit Meerblick beim Frühstück zu sitzen. Was könnte es schöneres geben? WINTER!!! Winter wäre gerade echt schön! Es ist sauwarm hier und wir müssen die Moppedklamotten anziehen. Wer ist eigentlich so bescheuert und fährt im Juni nach Albanien? 33 Grad soll es heute werden… Naja es hat auch seine schönen Seiten hier 😉

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Wir starten um kurz nach 9 Uhr am Hotel Kristal. Unser erster Stopp ist nach wenigen Kilometern bereits in Sarande. Wir brauchen noch Wasser für die Trinkrucksäcke. Es erst am Morgen zu kaufen macht absolut Sinn weil es dann frisch aus dem Kühlschrank kommt und davon hat man den ganzen Tag was! Naja außer es hat 33 Grad, dann reichen die 3 Liter in meinem Trinkrucksack vielleicht bis Mittag. Zuerst geht es weg von der Küste, hier steht die Luft und wir können fast nicht atmen. Echt heftig. Der Fahrtwind bringt auch erstmal nichts. Erst als wir ein paar Höhenmeter machen wird es besser. Dann geht es in ein Tal und hier gibt es Stellen an denen ist es den ganzen Tag schattig. Hier kann man atmen! Nachdem wir über einen Bergkamm gefahren sind biegen wir nach links ab auf eine Schnellstraße in Richtung Gjirokastra. Die Stadt der tausend Stufen. Die Schnellstraße ist nicht wie auf Wikipedia beschrieben eine vierspurige autobahnähnliche Strasse. Sie ist nur zweispurig und wir zuckeln LKWs hinterher. In Gjirokastra lege ich einen Tankstopp ein. Anja kommt ja wesentlich weiter mit ihrem Tank und wird erst beim nächsten Mal wieder auffüllen. Dann fahren wir in der Stadt den Berg hoch um uns einen kurzen Überblick zu verschaffen. Um die Moppeds stehen zu lassen und die Stadt zu Fuss zu erkunden ist es definitiv zu heiß. Hab ich schon erwähnt wie toll Winter ist?

Von Gjirokastra wollen wir nach Berat – die Stadt der tausend Fenster. Da gibt es nur einen Haken, die Strasse welche wir uns ausgesucht haben ist keine Strasse und es ist warm – sauwarm und unsere Motorräder sind keine leichten 250er Enduros, sondern vollbepackte Eisenschweine. Wir fahren nach Ballaban und versuchen unser Glück, aber die zwei möglichen Wege sind zu schlecht für uns. Wir drehen um und fahren 25 km zurück bis zur Schnellstraße. In Fratar starten wir den nächsten Versuch die Schnellstrasse zu verlassen, aber auch hier scheitern wir nach wenigen Kilometern. Der weitere Weg sieht zwar fahrbar aus, aber nachdem wir mit Ortsansässigen gesprochen haben beschließen wir dass heute nicht der richtige Tag ist für 25 km schwere Dirtroad. Wir kehren wieder um und legen in Fratar einen Shopping- (Trinkrucksäcke auffüllen) und Colastopp (wir trinken ja keinen Kaffee) ein. Wiedermal wird Anja beäugt wie ein Alien. Wir fahren zurück auf die SH4 und lassen dem Rest des Tages seinen Lauf.

Die Schnellstrasse führt uns inzwischen durch eine Ebene und die Sonne brennt gnadenlos. Wir haben keinen Blick mehr für die Landschaft um uns. Trinken – fahren – trinken – fahren – trinken – ohne unsere Trinkrucksäcke wären wir sowas von erledigt. Um 17 Uhr rollen wir an unser Hotel im Umkreis von Durres und sind froh die Motorräder in einer Tiefgarage abstellen zu können. Eine Dusche weckt unsere Lebensgeister wieder. Wir gehen noch ein wenig am Strand spazieren bevor wir uns in einer Bäckerei mit Bureks zum Abendessen versorgen und im hoteleigenen Supermarkt Wasser kaufen. Inzwischen ist ein wenig Wind aufgekommen der die Temperaturen erträglich macht. Wir lassen den Abend auf dem Balkon ausklingen bevor wir uns um kurz nach 22 Uhr ablegen. Hoffentlich wird es morgen nicht wieder so heiss und hoffentlich geht sich unserer Tourenplanung morgen aus.

Balkantour 2018 – Tag 11 & 12 – 325 km & 0 km – Ksamil

Nach dem griechischen Abendessen waren wir eigentlich tot, trotzdem wurde es eine unruhige Nacht. Eine der Balkontüren konnte nicht festgeklemmt werden und schlug immer wieder im Wind. Bis wir realisiert hatten wo der Lärm herkam waren wir bereits mehrfach aufgewacht. Das Frühstück um 8 Uhr hätten wir fast verschlafen, aber nur fast. Es gab Brot, Marmelade, Feta, Spinatgefüllte Blätterteigrollen, Oliven und Kuchen. Alles was das Herz begehrt. Es muss nicht immer ein gigantisches Buffet sein. Die Zeitverschiebung um eine Stunde macht mich mal wieder ein wenig wirr, aber das wird heute Abend ja wieder vorbei sein.

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Wir starten direkt mit Kurven und die gehen uns heute auch nicht aus. Wir sind in den griechischen Bergen und bewegen uns immer wieder etwas höher und tiefer so ca. in einem Korridor zwischen 800 und 1600 Höhenmeter. Während der ersten 100km begegnen wir:

  • 3 autos
  • 2 lkw
  • 2 Schildkröten
  • 1 VW bus
  • 1 Gruppe rennradfahrer
  • 2 Schäfer
  • 1 Herde Schafe

Wir sind hier quasi alleine unterwegs. Die Straßen sind mal besser und mal schlechter, aber immer kurvig. Die Ausblicke von den höheren Punkten sind immer wieder gigantisch und verzaubern uns. Licht und Schattenspiele, ziehende Wolken und der Blick in schier unendliche Ferne lösen Glücksgefühle aus. Es gibt hier auch nicht wirklich viele Dörfer oder Häuser. An manchen Punkten sieht man aufkeimenden Tourismus in Form von Hotels. Diese scheinen aber momentan alle noch geschlossen zu haben. Oder sind sie hier auf Wintersport ausgelegt? Ich glaube nicht da nirgends Skilifte zu sehen sind. Die Gipfel der Berge zeigen stellenweise noch Schneefelder, Skifahren wäre also definitiv möglich. Die Berge sind hier auch nicht wie auf dem bisherigen Verlauf nur bewaldet. Es gibt auch schroffe Felsen oder an einer Stelle so etwas wie schwarzen Sand zu sehen. Die Fotostopps sind heute definitiv sehr häufig.

Anja hatte gestern ja bereits eine Schildkröte über die Straße getragen. Heute waren es dann insgesamt 3 von den Dingern. Wir haben zwar keine Ahnung ob das richtig ist, aber es kann definitiv auch nicht gut sein wenn ein Auto sie erwischt. Eine Schildkröte ist gefangen zwischen steiler Felswand auf der einen Seite und Betonbarriere auf der anderen Seite. Diese setzen wir hinter der Barriere wieder ab.

Auf einem geraden Stück in einem Tal wo es echt drückend heiss ist hält Anja unerwartet an. Sie hat etwas ins Auge bekommen und braucht eine kurze Pause. Wir stehen nur kurz da hält ein Camper mit zwei Deutschen neben uns und sie fragen ob wir Hilfe benötigen. Wir bedanken uns und verneinen. Kurz darauf lassen sie uns freundlich wieder überholen und wieder ein paar km weiter sitzen wir dann zufällig im gleichen Cafe. Hier lernen wir auch Niko kennen. Ein ca. 8 jahre alter Junge der keinerlei Berührungsängste hat und ein paar Brocken Englisch spricht und auch versteht. Er verstellt alles was geht an meiner Smartwatch und fragt immer wieder verwundert wo denn die SIM Karte ist. Seine Mama (die Wirtin) schimpft weil er eigentlich Hausaufgaben machen sollte.

Kurz vor Igoumenitsa erreichen wir dann die Adria Küste. Wir biegen ab in Richtung Albanien und folgen erstmal der Küste bis zur Grenze. Der Übertritt war wie bereits gewohnt ein klacks und jetzt kann es richtig losgehen mit Albanien! Aufgrund einiger Fotostopps brauchen wir für die 29 km bis zum Hotel Kristal dann noch eine gute Stunde. Die Sonne steht bereits tief und das Licht schreit einfach nach anhalten und fotografieren. Außerdem ist die Landschaft hier einfach nur geil!!!

Unsere Unterkunft liegt nicht direkt in Ksamil wo sich Hotel an Hotel reiht und die Touris wie Ölsardinen in der Büchse am Strand liegen sondern einige km dahinter. Es ist die einzige Unterkunft in einer kleinen Bucht und hat nur 8 Zimmer. Wir gönnen uns heute noch ein opulentes Abendmahl (Salat, Tsatsiki, Fisch, Fleisch, Pommes, Brot) und lassen den Tag schnell ausklingen. Wir sind völlig platt. Anja schläft relativ früh. Ich sitze mich irgendwie am Laptop fest und mache mir Gedanken über die restliche Route. Aber macht ja nix wenns heute bissl später wird, morgen ist ja Pause angesagt.

Tag 12

Tag 12 beginnen wir um 9:15 mit einem einfachen Frühstück. Schafskäse, Marmelade, Butter, Brot, gekochtes Ei, Saft und Wasser sind vollkommen ausreichend. Nach dem Frühstück waschen wir mal ein paar Klamotten und hängen sie zum trocknen auf bevor es an den Strand geht. Wir faulenzen, lesen und baden den ganzen Tag. Abends dann nochmal einen Scrubba (Waschsack) voll Klamotten gewaschen und für die Nacht zum trocknen aufgehängt, dann geht es schon wieder zum Essen. Es sind noch zwei GS Fahrer (Schweizer und Deutscher) angekommen die morgen in Igoumenitsa auf die Fähre nach Hause wollen. Beim Abendessen (heute für beide Fisch, Salat, Pommes, Brot und Tsatsiki) unterhalten wir uns ein wenig mit ihnen. Sie hatten nur 7 Tage Zeit für den Trip… das wäre uns zu stressig um mit der Fähre hier runter ein paar Tage rum und dann wieder mit der Fähre zurück zu fahren… da bist ja fast schon mehr auf der Fähre als auf dem Mopped. Nicht unser Fall. Ne so lange Fährüberfahrt muss sich schon rentieren. Nach dem Essen noch schnell Routenplanung für morgen, dann noch den Bericht fertig tippen und ab ins Bett. Morgen geht es bald raus. Wir müssen viel packen und wollen zügig los.

Balkantour 2018 – Tag 10 – 257 km – Nestorio

Ich wache auf und schwitze nicht! Ein Zustand den ich von den letzten Tagen nicht gewohnt bin. Es ist so kuschelig hier im Bett dass ich einfach nicht raus will. Anja sitzt schon seit ner Ewigkeit auf dem Balkon und beschäftigt sich still um mich nicht zu wecken. Wir sind auf 950 Meter Höhe in einem Tal neben einem Fluss und hier hat es echt angenehme Temperaturen. Zum Frühstück bestellen wir eine Portion Wurst und Käse und einen „Pie“. Der Cheesecake outet sich sehr zu unserer Freude als Burek mit Käse. bevor wir losfahren noch kurz ein Basischeck an den Moppeds – beide brauchen Öl. Nachdem das erledigt ist können wir starten – huch schon 10:15 Uhr.

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Die Schlucht zieht sich sehr zu unserer Freude ewig hin. Überhaupt ist heute das Thema Wasser irgendwie immer in unserer Nähe. Am Ende der Schlucht wird der Fluss zu einem riesigen See aufgestaut, dem Debarsko Ezero. Immer wieder geht es ein paar Meter in die Höhe, nur um dann in das nächste Tal hinab zu fahren. Urwald zu beiden Seiten und immer einen Fluss neben uns sind Kurven garantiert. Mazedonien ist perfekt zum Motorradfahren! Unser nächster Halt liegt am Ohridsee der zu den ältesten Seen der Welt gehört. Sein Alter wird auf 2 bis 5 Millionen Jahre geschätzt, das Vorkommen bestimmter Fischarten lässt auf eine Entstehung vor mehr als 2,6 Millionen Jahren, schließen. Der See entstand durch einen Grabenbruch. Die auch heute auftretenden tektonischen Aktivitäten bedingen wahrscheinlich auch die Existenz eines etwa 100 Meter hohen subaquatischen Berges. Wir hatten von vielen den Hinweis bekommen dass es hier besonders schön sein soll. Wir finden erstmal aber nur viel Tourismus und Hotelbunker um den See vor. Das ist nicht unser Verständnis von Schön. Als wir den See dann nach links in einen Naturpark verlassen erschließt sich uns die Schönheit.