Motorradstrasse Deutschland Westroute Tag 1 – 389km

Der Entzug hat ein Ende! Endlich wieder auf Tour. Die erste längere Tour diesen Jahres führt uns wieder auf die Motorradstraße Deutschlands. Wir hatten 2013 bereits die Ostroute erkundet. Jetzt nehmen wir die Westroute (bzw. eine Anlehnung daran) unter die Räder. Die Daten sind ins GPS gehackt, die Koffer ungewöhnlicherweise am Vortag fertig gepackt. Wir können ausschlafen, keinerlei Hektik am Abreisetag. Ganz in Ruhe frühstücken wir und hängen danach die Koffer an die Motorräder.

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Um kurz nach 9 geht es los. Wir begeben uns auf den Weg zum Einstieg in die MSD. Richtung Würzburg sind wir schon oft gefahren, daher wählen wir erstmal einen Weg der uns auf unübliche Routen führt. Über Cadolzburg fahren wir auf die B8. Wir wollen halbwegs zügig vorankommen.
Neustadt Aisch zieht an uns vorbei, Moment wo ist eigentlich der angekündigte Regen? Idealerweise nicht hier! Soviel vorweg. Das Wetter heute war bestens! Die kommenden Tage können sich also durchaus ein Beispiel am Starttag nehmen. Über Kitzingen geht es bis Würzburg weiterhin zügig voran. Der 6. Gang ist unser Freund, der Spritverbrauch dankt es uns. Die großen Straßen sind wenig reizvoll, aber führen uns zügig voran. Auch Würzburg lassen wir schneller als Gedacht hinter uns. Im Spessart freuen wir uns, endlich wieder auf Kurven zu stoßen. Wir haben es nicht mehr so eilig, das Tempo sinkt ein wenig, dafür schweift der Blick mehr in die Gegend. Der Main begleitet uns zur linken und gibt die Straßenführung vor. In Gemünden trennen wir uns von dem Fluss. In Schotten wäre der offizielle Einstige in die MSD, wir lassen es links liegen und stoßen erst ein Stück weiter Nordwestlich von Marburg auf die MSD. Ich kämpfe mal wieder mit der neuen Technik. Das Garmin 590LM ist wunderbar abzulesen, das Navigieren funktioniert tadellos, ich stelle aber erst jetzt am Laptop fest, dass wir teilweise nicht die geplante Route gefahren sind. Ich bin gespannt, wann ich die Garmingeräte endlich vollständig in den Griff bekomme, so dass sie mich auch genau dorthin lotsen wo ich geplant habe.


Ein Straßenstück bei Eifa fahren wir doppelt. Die Planung für den ersten Tag sah vor, dass wir ca. 330 km fahren wollten. Da wir aber super voran gekommen waren, beschlossen wir heute noch ein wenig dranzuhängen. Durch die Abweichung von der geplanten Route für den ersten Tag ergibt sich nun diese Doppelung. Das Rothaargebirge hat es uns angetan. Ewige Wälder, Kurven Satt, traditionsreiche Fachwerkhäuser und Schieferdächer prägen diese Gegend. Wir beschließen uns langsam nach einer Unterkunft für heute umzusehen. Bisher hatte ich immer mehrere Möglichkeiten vorab geprüft und wir haben dann je nach Lust selektiert. Diesmal fahren wir komplett ins Blaue. Das erste angesteuerte Hotel entpuppt sich als Schicki-Micki Schuppen und wir drehen ab um weiter zu suchen. In Oberhundem werden wir fündig, der Gasthof Zu den Linden sagt uns zu. Leider ist hier kein Zimmer mehr frei, wir werden aber an ein Nachbarhaus vermittelt und nutzen das Angebot in der Pension Tillmann.
Zimmer abchecken, Sachen rein bringen, umziehen und dann erstmal ne kleine Runde spazieren gehen und den Ort erkunden. Wir würden gerne einen genaueren Blick auf bzw. auch in Schloss Adolfsburg werfen, dies ist allerdings nicht möglich da deutliche PRIVAT Schilder uns den Zugang verwehren. So entscheiden wir uns umzukehren und begeben uns zum Abendessen in den Gasthof Zu den Linden.

 

Der Rheinische Sauerbraten mit Klößen, Apfelkompott und Preiselbeeren verführt Anja zu einem wundervollen Geschmackserlebnis. Ich bleibe bodenständig bei einem Schnitzel mit Bratkartoffeln. Solltet Ihr mal hier vorbeikommen, können wir den Gasthof definitiv empfehlen. Schneller als Gedacht ist nun schon wieder der erste Tage vergangen. 389 km sind gut 60 km mehr als wir ursprünglich geplant hatten. Aber das Wetter war heute einfach zu gut um früher eine Unterkunft zu suchen. Morgen geht es dann weiter durchs Ruhrgebiet um die großen Städte herum.

Ancampen 2015 – Fortuna Camping Binau am Neckar

Traditionen muss man pflegen. Mit diesem Motto ging es auch heuer wieder über die Ostertage mit Freunden zum Ancampen. Vorrangig Autos mit Wohnwagen und dann noch wir mit Motorrädern und Zelt. Unser Ziel war heuer ein Campingplatz am Neckar: Fortuna Camping, ein familiengeführter Platz in schön sonniger Lage direkt am Ufer des Flusses.

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Wir starteten am Karfreitag recht gemütlich in die Tag. Erstmal alles zusammen suchen, feststellen dass wir eigentlich für 4 Tage Camping viel zu viel Platz auf den Motorrädern haben und deshalb mal wieder lauter unnötige Sachen mitnehmen würden. Insgesamt habe ich auf der DL 1000 3 Koffer à 45 Liter + Tankrucksack 22Liter + 2 Ortlieb Taschen à 3,2 Liter also in Summe 163,4 Liter Packvolumen. Anja hat auf der Dl 650 immerhin auch noch 134 Liter Volumen, welche sich aus 3 Koffern (45l, 37l und 38l) und Tankrucksack 14l zusammensetzen. Aufgrund der Campingausrüstung entschied ich mich allerdings anstelle des Topcase eine Ortlieb Rack Pack zu nehmen. Geplant waren für die Anfahrt ca. 190km welche wir in ca. 3 Stunden bewältigen sollten. Eine Einfahrt auf dem Campingplatz ist bis 13 Uhr bzw dann wieder ab 15 Uhr möglich. Wir entschieden uns für die Anreise nach der Mittagsruhe.

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Unser Weg führte uns auf gut bekannten Straßen nach Rothenburg. Das Wetter meinte es gut und versüßte uns mit Sonne und blauem Himmel den Weg. Die erste größere Tour nach dem Winter stellt auch immer gleich einen Test der Neuanschaffungen des Winters dar. Dieses Jahr waren dies besonders viele. Neuer Anzug (Rev`it Poseidon), Stiefel (Alpinestars Toucan), Navi (Garmin Zumo 590LM), Schalthebel (Sw Motech), Trinkrucksack (Camelbak Classic), kurze Brems- und Kupplungshebel und die neuen Reifen (Mitas E07) mussten zeigen ob sie in der Praxis das hielten was sie in der Theorie versprachen. Das Zusammenspiel mit dem neuen Navi lief noch nicht ganz reibungslos. Irgendwie wollte es nicht die Tour fahren welche ich laut meiner Erinnerung geplant hatte. Bad Mergentheim schwirrte mir im Kopf herum, das ließen wir aber völlig abseits liegen. Egal, das Wetter war zu gut um sich zu ärgern. Im Nachhinein erschloss sich mir auch was ich falsch gemacht hatte. So fuhren wir nicht die geplante Route sondern eine welche sich das Navi selbstständig ausgedacht hatte. Wir streiften die Jagst und freuten uns schon auf Kurven entlang dieser, aber den Plan hatten wir ohne Garmin gemacht. Man kann aber auch nicht behaupten dass die gewählte Route keinen Spass gemacht hätte. Das Fazit war lediglich dass wir uns zeitlich verschätzt hatten und eine Stunde zu früh am Campingplatz ankamen.

Was soll’s, gleich die Gelegenheit genutzt und die Funktion für eine Rundtour getestet. Also schnell ins Navi gehackt: Rundtour 1 Stunde Dauer und los. Tatsächlich waren wir nach einer kurzweiligen und kurvigen Runde um kurz nach 15 Uhr wieder am Eingang des Platzes. Also ab zum Check In und nach großem “Hallo” erstmal das Zelt aufgestellt. Die ganzen Wohnwagenfahrer waren mal wieder erstaunt was man so alles auf dem Motorrad unterbringt und wir erkannten wie erwartet wie viele unnötige Sachen wir dabei hatten. Den Karfreitag ließen wir bei Fischsemmeln gemütlich im Freien ausklingen und legten uns relativ früh schlafen. 

Der Samstag begann mit Regen. Aber egal, wir wollten heute eh nur alle Fünfe gerade sein lassen und fürs abendliche Grillen ins Einkaufen fahren. Genau so verlief der Tag dann auch. Spät aufstehen, ausgiebiges Frühstück, kurze Runde zum Lidl und dann wieder alle Fünfe strecken. Spontan wurde Abends dann doch nicht gegrillt sondern der Tag mit einer anständigen Brotzeit und ein paar Spielen beendet. Der Regen verzog sich zum Ende des Tages auch wieder.

Sonntag morgen – Sitzbank gefroren – wie angenehm es doch ist zum Frühstücken in einem warmen Wohnwagen zu sitzen. Aber der Wetterbericht versprich für heute sehr viel, also das Garmin raus und eine kleine Runde geplant. Funktion Rundtour – Dauer ca. 3 Stunden. Das Gerät spuckt was aus und wir düsen los. Kleine Straßen, viele Kurven einmal Übersetzen mit der Fähre Neckarhausen – Neckarhäuserhof der letzten Gierfähre auf dem Neckar – das Garmin macht seinen Job sehr gut. Wir haben Spass kommen langsam aber sicher wieder in die Routine des Fahrens und lassen’s fliegen. Aber man sollte immer bedenken dass wir hier im Odenwald sind und das an einem Wochenende. Und schon ereilte uns eines der Probleme der Motorradfahrer. In Beerfelden war Schluss. Wir standen vor einer am Wochenende für Motorradfahrer gesperrten Strecke. Wir versuchen sie zu umgehen und landeten an einer zweiten gesperrten Strecke.

Ich muss hier kurz abschweifen. Ich war tatsächlich ein wenig erregt in dieser Situation. Man kommt als Tourist in die Region, bringt Geld, zahlt die gleichen Steuern wie jeder Autofahrer für den Unterhalt der Straßen und dann darf man sie nicht fahren. Ich muss gestehen ich kann auch jeden Anwohner an so einer Strecke – die meist nicht ohne Grund gesperrt ist – verstehen dass er ein Anrecht auf Ruhe haben möchte. Aber das Problem ist ja nicht derjenige welcher die Strecke einmalig entlangfährt. Das Problem sind die Brülltütenfahrer welche die Strecke immer und immer wieder fahren. Ich finde persönlich den Ansatz der Streckensperrungen falsch. Ich bin der Meinung dass hier massiv kontrolliert werden müsste und entsprechende Sanktionen verhängt werden müssten. Wer sein Kurvenkönnen durch stete Wiederholung verbessern will soll auf die Rennstrecke. Dort hat er die passenden Bedingungen und wird schnell lernen dass auch dort Brülltüten nicht geduldet werden. Soweit dazu.

Unser Fazit war erstmal frei der Nase nach einen legalen Weg gesucht ohne auf die Richtung zu achten. Zu einem späteren Zeitpunkt dann das Navi beauftragt den kurvigsten Rückweg zum Campingplatz zu finden. Wir wollten schließlich nicht zu spät zum Grillen kommen. Nach 165km in 3 Stunden rollten wir wieder zum Zelt, stellten die Bikes ab und verbrannten den Ärger über die Streckensperrungen auf dem Grill! Der Ausklang des Abends gestaltete sich wieder in Form von Brettspielen im Wohnwagen. 

Montag morgen wollten wir einfach nicht von Frühstückstisch aufstehen, war uns doch bewusst dass wir alles zusammenpacken mussten und am nächsten Tag wieder auf die Arbeit durften. Trotzdem verließen wir um 11 Uhr den Campingplatz und einmal mehr gab es staunende Blicke wie man das ganze Gepäck auf dem Motorrad unterbringt. Teile unserer Gruppe blieben noch den Rest der Woche am Platz und genossen die Ruhe welche nach den Feiertagen einkehrte. Insgesamt ist der Fortuna Campingplatz eine Empfehlung Wert. Günstige Lage zum Odenwald, eine angenehme Atmosphäre, saubere sanitäre Einrichtungen und ein sehr netter Betreiber laden zu einem weiteren Aufenthalt ein. Der Nachhause Weg war wieder geprägt von blauem Himmel und vielen Kurven. Wieder cruisten wir phasenweise an der Jagst entlang und doch lernten wir dank der kreativen Planung des Garmin neue Ecken in der schon oft befahrenen Gegend kennen. Diesmal ging es unterhalb Rothenburgs vorbei und das wohl flüssigste Stück Kurvengestöber lieferte uns eine Neubaustraße von Kirnberg in Richtung Leutershausen. Lange Kurven, auf bestem Belag, genial einsehbar luden dazu ein am Gashahn zu ziehen und kurzzeitig mit der Straße zu verschmelzen. Leider führte dies auch dazu dass wir umso zügiger dem Ziel näher kamen. 

Viel zu schnell waren die vier Tage mit Freunden vergangen. Ancampen an Ostern, eine schöne Tradition welche hoffentlich noch ein paar Jahre anhält.

Nicht alle neuen Anschaffungen haben den ersten Praxistest bestanden. So habe ich mich z.B. bereits wieder von den Alpinestars Toucan getrennt und mir wieder Daytonas angeschafft. In wenigen Wochen steht nun ein weiterer Teil der Motorradstrasse Deutschlands für uns an. Anfang Mai wollen wir die Westroute unter die Räder nehmen. Schaut doch mal wieder vorbei, dann gibt es hier auch darüber was neues zu lesen.

 

Städtetrip: Budapest im Februar

Die spontanen Dinge im Leben sind meist die Interessantesten. So auch dieser kurze Städtetrip. Anja hatte die Idee vor ein paar Wochen und begrüsste mich nach der Arbeit mit einem Browser voller Tabs zu Budapest. Sie hatte die Rechnung nur leider ohne meinen Urlaub gemacht, dies lies sich aber regeln. Fast hätte uns nun noch die Influenza einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber auch dies regelte sich gerade noch rechtzeitig. Also ging es am Mittwoch den 11.02. ab nach Budapest.

Wir hatten den Direktflug mit Lufthansa von München aus gewählt, da dies vom Zeitaufwand her das wirtschaftlichste war. Andere Alternativen, wie selbst mit dem Auto zu fahren oder von Nürnberg aus über Paris zu fliegen, hätten wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen. So war es uns möglich, zu luxuriösen Tageszeiten völlig entspannt hin und zurück zu fliegen. Diesen Artikel schreibe ich übrigens vom Flughafen Liszt Ferenc Budapest aus, während wir aufs Boarding für den Rückflug warten (kostenlosem Wlan sei Dank).

Während unseres Aufenthaltes bezogen wir Quartier im Ibis Budapest City, welches direkt an der Metrolinie 2 liegt und auch mit mehreren Straßenbahnen sehr gut ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist. Auf Städtereisen legen wir Wert auf günstige Zimmer, in verkehrstechnisch guter Lage. Dies ist bei den meisten Ibis Hotels mit einem gleichbleibenden Standard gewährleistet. Da wir uns die wenigste Zeit im Hotel aufhalten, legen wir hier keinen Wert auf Besonderheiten.

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Wie auch schon auf unseren bisherigen Städtereisen setzten wir voll auf die Öffentlichen Verkehrsmittel. Diese werden von den Budapesti Közlekedési Központ betrieben. Wir deckten uns direkt nach der Landung in Budapest mit zwei 7 Tage Tickets ein, welche mit ca. 17 EUR pro Ticket zu Buche schlagen, absolut angemessen für das perfekt ausgebaute Netz an Verkehrsmitteln. Man kann damit sämtliche U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse, O-Busse und sogar drei Schiffslinien auf der Donau nutzen. Zwei Besonderheiten fallen hierbei auf. Zum einen sollte man das Ticket immer griffbereit haben da hier noch manuell und das sehr häufig kontrolliert wird. Zum anderen die U-Bahnlinie 1 welche Unesco Weltkulturerbe ist.

Nachdem wir am Mittwoch um kurz nach 18 Uhr im Hotel eingecheckt hatten und noch geschwächt von der Grippe waren, suchten wir uns nur noch kurz etwas zu Abendessen in einem türkischen Imbiss und deckten uns mit Getränken ein bevor wir den Tag bei einem Kürtöskalacs (ungarischer Baumkuchen) für beendet erklärten und die Hotelbetten ausgiebig testeten.

Für Donnerstag hatten wir uns einiges vorgenommen und starteten mit einer kleinen Straßenbahnfahrt bis zum Clark Adam Ter um dort die Siklò (Standseilbahn) auf den Burgberg zu nehmen. Nach einer Runde um den Burgpalast wanderten wir die Theaterstrasse bis zur Matthiaskirche. Das Wetter war uns wohlgesonnen und wir hatten strahlendblauen Himmel bei ca. 5 Grad. Nach der Besichtigung der Matthiaskirche und einem Blick auf die Dreifaltigkeitssäule widmeten wir unsere Aufmerksamkeit der Fischerbastei. Unser weiterer Spaziergang führte uns zum Turm der Maria Magdalena Kirche welche mit einem Glockenspiel alle 15 Minuten angepriesen wird. In freudiger Erwartung eben jenes wurden wir beinahe ein wenig enttäuscht, jede fränkische Kirche läutet (auch zum Leidwesen mancher Anwohner) lieblicher. So machten wir uns durch die Parlamentstrasse auf den Weg zum Alten Rathaus von Buda. Die Promenade auf der Befestigungsmauer des Burgbergs mit Aussicht über die Budaer Stadtviertel bietet bei diesem grandiosen Wetter eine beeindruckende Skyline von Buda. Bänke laden zum Verweilen ein.

Den Weg den Burgberg hinab treten wir zu Fuss an.
Um unser Sightseeing auf dieser Seite der Donau zu vervollständigen nehmen wir noch die Tram und den Bus 27 auf den Gellert Berg. Der Ausblick von der Citadel und der Freiheitsstatue ist den restlichen Fußweg allemal Wert. Nachdem wir den Berg wieder mit dem Bus verlassen haben begeben wir uns noch in die 1. Markthalle von Budapest. Diese hat insgesamt eine Fläche von 25.000 qm und benebelt die Sinne mit ihren vielfältigen Eindrücken. Unmengen Metzger, Gemüsehändler, Gewürzhändler, Bäcker und viele mehr sorgen dafür, dass nicht nur die Augen Eindrücke sammeln können. Im oberen Stockwerk finden sich Essenstände mit allen möglichen ungarischen Gerichten. Heute schlagen wir bei den Langosch zu. Einer ungarischen Brotspezialität welche in Fett gebacken wird. Zur blauen Stunde machen wir uns auf, die Kettenbrücke ins Visier zu nehmen. Als letzte Aktion des Donnerstags kaufen wir uns kurz vor dem Hotel an einem kleinen Stand noch einen Kürtöskalacsn (ungarischer Baumkuchen) und lassen mit diesem den Tag ausklingen.

Den Freitag morgen begannen wir am Donauufer auf der Pester Seite mit einer Runde um das Parlament. Von hier aus erkundeten wir den Weg über den Freiheitsplatz bis hin zur St. Stephans Basilika. Um den Turm dieser zu erkunden, ist ein kleiner Obulus fällig, dafür darf man sich auch gerne die zahlreichen Stufen sparen und wird mit zwei Aufzügen hinaufbefördert, um die Ausicht zu genießen.

Nach einem kurzen Stop bei einem Starbucks genossen wir die Sonne auf dem Erzsébet Ter und entdeckten den Liebesbaum. Wir haben bisher schon nicht die Tradition verstanden Schlösser an Brücken zu hängen, aber dasselbe mit einem Baum zu tun finden wir irgendwie noch seltsamer. Wir erkundeten weiter die Straßen der Pester Donauseite und begegneten erstmals auch der Földalatti (Metro 1), allerdings erstmal nur Oberirdisch. Die Váci Utca bietet mit ihren vielen Läden ein ähnliches Bild wie eine Deutsche Shoppingmeile. Wir beschließen nach der Universitätskirche den Weg zur Földalatti anzutreten, um dieses Unesco Weltkulturerbe näher zu erkunden. Sowohl die U-Bahnlinie als auch die Andrássy Ut (Straße darüber) sollen etwas ganz besonderes sein. Wir wechseln immer wieder, fahren ein Stück, dann laufen wir wieder ein Stück. Wir sehen uns fast jeden Bahnhof der Linie an.

Wir waren noch nie in einer so kleinen U-Bahn gesessen. Die Bahnhöfe sehen aus wie Miniaturmodelle. Sie sind fast alle verklinkert und mit Holz vertäfelt. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. Entlang der Földalatti begegnet uns die Oper, der Liszt Ferenc Ter (Budapester Broadway), der Oktogon Platz und der Hösök tere (Heldenplatz). Am Heldenplatz genießen die Menschen die Sonne und wir laufen weiter zum Vajdahunyadvár – dem Märchenschloss. Der See ist teilweise abgelassen um einer gigantischen Eisfläche Platz zu schaffen, welche gerade für die Schlittschuhläufer aufbereitet wurde. Das Märchenschloss macht seinem Namen alle Ehre und begeistert mit seinen klischeehaften Türmchen nicht nur kleine Prinzessinnen. Nach einer Runde durch ebendieses ziehen wir unsere Bahn in Richtung Zoo und Széchenyi gyógyfürdő dem größten Heilbad seiner Art in Europa welches im Stadtwäldchen gelegen ist.

Den Rückweg treten wir wieder mit der Földalatti an und stoppen diesmal am Vörösmarty Utca um die Markthalle am Hunyadi Ter aufzusuchen. Diese fällt deutlich kleiner aus als die 1. Markthalle. Auch finden wir hier nicht wirklich etwas Essbares, was unsere Gelüste befriedigt. So fahren wir mit der Földalatti weiter um uns zum Batthyany Ter aufzumachen auf der anderen Donauseite des Parlaments, um hier die heutige Blaue Stunde zu nutzen. Eine weitere Markthalle welche an diesem Platz gelegen ist, erweist sich leider als größerer Supermarkt und enttäuscht uns eher. Aber direkt daneben ist der Non Stop Palatschinken Shop. Hier gönnen wir uns das heutige Abendessen und treten danach den Rückweg zum Hotel an welchen wir – wie sollte es anders sein – mit Kürtöskalacsn (ungarischer Baumkuchen) von unserer Stammbude ausklingen lassen.

Unseren letzten Sightseeing Tag starteten wir an der Dohany Utca, an welcher die größte Synagoge Europas liegt. Wie wir mit Bedauern feststellen mussten, ist diese Samstags geschlossen, so dass wir uns mit einigen Blicken von außen begnügen mussten. Im Innenhof der Synagoge befindet sich ein Holocaust Mahnmal.

Im Laufe des Vormittags und frühen Nachmittags erkundeten wir das jüdische Viertel. Der Wechsel aus Ruinen und renovierten Gebäuden prägt diesen Stadtteil. Besonders angetan hatte es uns die Ruinenkneipe Szimpla Kert und der im krassen Gegensatz stehende sanierte Gozsdu Hof, welcher heute einen Trempelmarkt zu bieten hatte. Unseren Weg säumten noch die Rumbachsynagoge und die renovierte Orthodoxe Synagoge. Insgesamt beeindruckten uns im jüdischen Viertel die Gegensätze und die Freundlichkeit der Menschen. Wir wurden an mehreren Straßenecken angesprochen, ob man uns helfen kann da wir mit unserer Straßenkarte wohl manchmal etwas hilflos wirkten.

Die Metro brachte uns nun zum Beginn der Raday Utca, welche eine Restaurantmeile darstellt. Warum sind wir eigentlich immer da wo es was zu essen gibt, wenn wir keinen Hunger haben? Alle Nationalitäten sind hier in der Straße vertreten und bieten ihre Köstlichkeiten feil. Die Tram bringt uns noch zum Kunstgewerbemuseum, auf welches wir einen kurzen Blick im Vorbeigehen werfen. Immer wieder war uns das Gebäude mit dem grünen Dach bereits aufgefallen wenn wir einen Blick von oben auf Pest geworfen haben.

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Wir begeben uns nochmal kurz in die 1. Markthalle und kaufen noch etwas Paprikapulver an einem der Stände, bevor wir uns zweien der Donaubrücken widmen. Der erste Gang führt uns über die Freiheitsbrücke, welche nicht nur von Autos sondern auch von der Straßenbahn befahren wird. Da es nicht sein kann, dass man in Budapest war und die Kettenbrücke nicht überquert hat, drehen wir auch noch eine Runde über diese, bevor wir uns mit der Tram auf den Weg in Richtung Margareteninsel machen. Hier wollen wir noch eine Runde durch den Japanischen Garten drehen, welcher sich im Winter als ziemlich unspektakulär darstellt. So kehren wir relativ zügig zum Donauufer zurück, um noch einen Blick auf das Mahnmal der Schuhe am Donauufer zu werfen, welches an die Progrome an den Juden während des zweiten Weltkrieges erinnern soll. Hier genießen wir den Sonnenuntergang über Buda und erwarten die Blaue Stunde um noch einige Photos zu ergattern.


Mehr aus Zufall begeben wir uns zum ersten mal seit 9 Jahren am Valentinstag zu einem gemeinsamen Dinner. Das Restaurant unserer Wahl ist das Menza am Liszt ferenc ter, welches im Stil der 1970er und 1980er Jahre gehalten ist. Der ganz eigene Flair hier hat uns sofort in seinem Bann. Ich erinnere mich beim Bestellen an den Bericht von Travelita über Budapest und greife ihre Suche nach dem Best Burger in Town auf. Auch wir können leider keinen Vergleich anstellen, aber mit Sicherheit sagen, dass der Burger hier absolut Klasse ist! Anja wählte die Ente mit Kartoffelgratin an einer Kastaniensoße. Vorneweg gönnten wir uns eine Gulaschsuppe und eine Kürbissuppe, beide absolute Empfehlungen. Insgesamt können wir jedem Besucher Budapests eine Einkehr hier im Menza empfehlen. Wir fanden hier einen perfekten Abschluss für unseren Städtetrip. Der Rückweg zum Hotel war noch vom üblichen Baumkuchen geprägt und wir fielen völlig erschöpft von drei Tagen voller Eindrücken ins Bett.

Der Sonntag sollte uns eine entspannte Rückkehr ermöglichen. Mithilfe von Tram, Metro und Bus erreichten wir den Flughafen und konnten während der Wartezeit auf den Flug diesen Artikel fertigstellen. Der kurze Aufenthalt in Budapest hat noch viele Ziele offen gelassen, so dass wir gerne noch einmal einen Stop in dieser tollen Stadt einlegen wollen.

Städtetrip: Adventszeit in Dresden

Das diesjährige Auszeit Wochenende in der Adventszeit sollte uns nach Dresden bringen.

Geplant war eine Anreise am Donnerstag direkt nach der Arbeit und eine Abreise im Laufe des Sonntags. Ein Hotel in guter Lage war schnell gefunden. Mit dem Kandler’s kann man nix verkehrt machen. Das Denkmalgeschützte Würfelhaus welches im Jahre 1895 erbaut wurde befindet sich in Familienbesitz und ist mit einem Hotel und einem Restaurant ausgestattet. Eine Haltestelle der Straßenbahn liegt direkt vor der Tür. In der direkten Umgebung findet man Bäcker, Metzger und Einkaufsmöglichkeiten. Hier ist also ein perfektes Basislager für einen Städtetrip.

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Wir kamen Donnerstag Abend gegen 21 Uhr an und begaben uns direkt aufs Zimmer, um noch letzte Pläne für Freitag zu schmieden. Um 7 Uhr klingelte der Wecker und wir durften ein bodenständiges Frühstück (z.B. Pressack) dem es an nichts mangelte genießen. Die Tramlinie 12 sollte uns heute mit einer Familientageskarte für 9 Eur bis zum Postplatz bringen. Hilfreich bei der Navigation im Netz der Öffentlichen in Dresden ist die App der Dresdner Verkehrsbetriebe. Wir schlenderten erstmal durch die Altmarktgalerie um direkt aus dieser heraus in den berühmten Striezelmarkt einzutauchen. 2014 fand der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands bereits zum 580sten Mal statt. Wir hangelten uns von Bude zu Bude. Die Vielfalt der hier vertretenen Waren kennt keine Grenzen und jede Bude sieht anders aus. Die Gassen sind angenehm breit angelegt und so rempelt man nicht ständig mit anderen Besuchern zusammen. Man hat auch nicht das Gefühl, dass man durch den Markt geschoben wird. Die Kulinarische Vielfalt der dargebotenen Speisen sucht Ihresgleichen. Wir müssen tatsächlich feststellen dass dies der vielseitigste Weihnachtsmarkt ist welchen wir bisher besucht haben.

Direkt vom Striezelmarkt begeben wir uns in die Kreuzkirche und halten erst einmal inne. Wir setzen uns und lassen die Schlichtheit dieser Kirche auf uns wirken. Zum ersten Mal fühle ich mich in einer Kirche dieser Größe wohl. Der Altar sticht deutlich hervor, ist aber auch eher schlicht gehalten. Vergoldete Decken oder bunte Fresken sucht man hier vergebens, selbst bunte Glasfenster sind hier Mangelware. In dieser Kirche steht tatsächlich der Mensch und sein Glaube im Mittelpunkt. So stelle ich mir eine Kirche vor. Ein massiver Bau, ein Bollwerk des Glaubens, der nicht protzt sondern durch seine Schlichtheit eine Ruhe ausstrahlt welche einen innehalten lässt.

Wir besichtigen noch den Turm der Kreuzkirche und genießen den Ausblick über Dresden. Das 12 Uhr Geläut erleben wir auf dem Weg nach Oben. Unser weiterer Weg führt uns in Richtung Frauenkirche. Vor dieser findet sich ein kleinerer etwas mittelalterlich angehauchter Weihnachtsmarkt. Hier finden wir eine Baumstriezelbäckerei und gönnen uns einen solchen mit Zimt und Zucker.

Die Frauenkirche ist ein totaler Kontrast zur Kreuzkirche. Hier findet sich wieder der komplette Prunk und Protz welchen die Kirchen so gerne präsentieren. Ein imposantes Kunstwerk in welchem man allerdings keine Ruhe findet. Die Touristenströme zeigen hier keinerlei Respekt und die Stimmung in dieser Kirche ist eher gehetzt. Wir verlassen die Frauenkirche auch recht schnell wieder und wandern durch den kleinen Weihnachtsmarkt welcher uns zu den Brühlschen Terrassen führt. Hier eröffnet sich uns der Blick auf die Elbe und die Erinnerung an die Bilder vom Hochwasser kommen hoch. Wir wandern in Richtung der Kathedrale Ss. Trinitatis des Bistums Dresden-Meißen, welche ehemals als Hofkirche bekannt war. Auch hier fällt uns der Kontrast zur Kreuzkirche auf. Obwohl auch diese Kirche relativ schlicht gehalten ist fesseln einen viele prunkvolle vergoldete Ornamente. Die Kanzel fängt einen regelrecht ein mit Ihrem Glanz. Wir finden wieder ein wenig mehr Ruhe als in der Frauenkirche, die Besinnlichkeit der Kreuzkirche wird aber auch hier nicht einmal ansatzweise erreicht.

Direkt gegenüber liegt die berühmte Semperoper, auf welche wir nur einen kurzen Blick im vorübergehen werfen. Den Zwinger umrunden wir erstmal und sammeln dabei zwei Geocaches mit ein. Viel des Flairs der barocken Zwingeranlage vermitteln die Wasserspiele, welche logischerweise im Dezember trockengelegt sind. So begeben wir uns zügig auf die Dächer der Galerien und umrunden den Zwinger ein zweites Mal. Ein optisches Highlight sind die Fremdenführer in der Anlage welche sich im barocken Stil gekleidet haben.

Wir wollen heute noch die Pragerstraße erkunden und durchqueren auf dem Weg dorthin noch einen weiteren kleinen Weihnachtsmarkt am Schlossplatz. Hier lassen wir uns ein Stück Eierschecke, eine Dresdner Kuchenspezialität, und eine Tasse Punsch schmecken. Die Pragerstraße glänzt im weihnachtlichen Dekor mit Ihren vielen Läden, Hotels und dem Rundkino. Am Ende der Prager Straße tauchen wir ein in die Dresdner Winterlichter, einen weiteren Markt. Dieser ist stark geprägt von sich wiederholenden kulinarischen Angeboten. Bisher der ernüchterndste Markt. Ebenso schnell wie wir gekommen sind verlassen wir diesen auch wieder um nochmal bei Dunkelheit über den Striezelmarkt zu schlendern. Unser Abendessen finden wir hier auch in Form von Dresdner Handbrot. Absolut lecker und zu empfehlen! Die Straßenbahnlinie 12 bringt uns zurück zum Hotel und wir fallen erschöpft in unsere Betten und beschließen am Samstag die Neustadt zu erkunden.

Der Samstag beginnt mit dem selben deftigen Frühstück wie auch schon der Freitag. Heute nehmen wir die Tram Linie 7 bis zum Carolaplatz. Wir begeben uns von der Haltestelle aus hinab ans Elbufer und kundschaften schonmal grob einen günstigen Standort für eine kleine Fotosession am Abend aus. Dann folgen wir dem Elbufer unter der Albertbrücke hindurch und am Rosengarten vorbei. Der eine oder andere Geocache welcher direkt am Weg liegt wird dabei gehoben. Am Diakonissenkrankenhaus verlassen wir das Elbufer und begeben uns in die Neustadt. In der Bautznerstraße betrachten wir Pfunds Molkerei, welche sogar einen Guinessbuch der Rekorde Eintrag als schönster Milchladen der Welt hat.

An der Martin Luther Kirche vorbei geht es zum alten jüdischen Friedhof. Dieser ist leider geschlossen. Üblicherweise kann man hier eine Führung in Anspruch nehmen. Dies ist allerdings in der Adventszeit nicht möglich. Nach einem kurzen Blick durchs Tor begeben wir uns auf den Weg zur Kunsthofpassage. Auch hier finden wir einen gut versteckten Geocache und so einiges an optischen Eindrücken. Man kann es ein wenig mit den Hundertwasserhäusern vergleichen was sich einem in diesen Innenhöfen bietet. Belebt werden die Höfe von zahlreichen Handwerkern und Cafes. Alles in allem eine sehr bunte und interessante Ansammlung an Geschäften. Diese sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, wenn man mal in Dresden ist.

Über den Albertplatz mit seinem Artesischen Brunnen gelangen wir zum Augustusmarkt, einem internationalen Weihnachtsmarkt welcher am Goldenen Reiter endet bzw. beginnt. Das Schlendern über diesen unterbrechen wir für einen Abstecher in die Markthalle wo am heutigen Tage ein Trödelmarkt stattfindet. Ein wenig aufgewärmt begeben wir uns auf den Weg durch die zweite Hälfte des Weihnachtsmarktes, welcher durch seine Internatonalität hervorsticht. Afrikanische Kost neben Finnischem Lachs und Tschechischen Baumstriezeln. Wir entscheiden uns für eine Sächsische Kartoffelsuppe da diese ein wenig von innen heraus wärmt. Am Goldenen Reiter finden wir den Beweis, dass ein Geocache in einer stark bevölkerten Gegend kein Micro oder Nano sein muss!

Nach diesem schönen Fund folgen wir der Meißner Straße zum Japanischen Palais und begeben uns wieder ans Elbufer. Der starke Wind treibt uns in Richtung Augustusbrücke und über diese zurück in die Altstadt. Im Stallhof begeben wir uns ins Getümmel der Mittelalterweihnacht. Hier wird ein Wegezoll von 3 Euro pro Person erhoben, es werden aber auch viele Darbietungen angepriesen. Wir erleben gerade noch das Ende einer Mittelalterlichen Musikgruppe, welche direkt von einem mit dem Feuer spielendem Gaukler abgelöst wird. Die kulinarischen Köstlichkeiten der mittelalterlichen Küche haben es mir angetan und so genehmige ich mir ein mit Bohnen und Campignons gefülltes Hanfbrot. Anja bleibt bei heißer dunkler Schokolade. Wir verbringen hier noch einige Zeit und beobachten die Handwerker bei ihrer Arbeit bevor wir uns mit der Tram Linie 8 wieder zum Carolaplatz begeben.

Heute will ich noch die Gunst der blauen Stunde nutzen um vielleicht ein oder zwei Bilder der Dresdner Altstadt zu machen. Der Wind pfeift uns um die Ohren, die Temperaturen lassen uns frösteln und mit dem Auspacken des Stativs beginnt es zu regnen, beste Voraussetzungen. Wir harren trotzdem aus und packen erst nachdem die Lichtstimmung gekippt ist wieder zusammen und begeben uns mit der Straßenbahnlinie Nr. 7 wieder zurück zum Hotel.

Nach einer heißen Dusche wollen wir heute das Restaurant des Kandler’s testen und werden nicht enttäuscht. Bodenständige Dresdner Küche welche exzellent zubereitet ist zu moderaten Preisen. Nach dem Essen ist vor dem Bericht. Hier sitze ich nun und halte das erlebte der ersten beiden Tage fest.

Der Sonntag beginnt mit packen. Immer wieder erschreckend wieviel unnützes Zeugs man mitnimmt wenn man den Platz dazu hat. Nach dem Frühstück checken wir aus und fahren erstmal wieder mit der Tram Nr. 12 in Richtung Innenstadt. Eigentlich wollten wir heute noch das Grüne Gewölbe besichtigen, aber das Wetter hält uns davon ab uns nach Innen zu begeben. Wir verbringen nochmal gut 2 Stunden auf dem Striezelmarkt und machen uns dann mit der Linie 12 auf zum Blauen Wunder, der Loschwitzer Brücke. Diese überqueren wir zu Fuss um uns noch den Weihnachtsmarkt am Elbhang anzusehen. Das Highlight hier war für uns der Messermacher mit seinen vielen Handgefertigten Werkstücken.

So langsam aber sicher geht unser Wochenende zu Ende. Wir nehmen die Linie 6 um zum Hotel zurück zu kommen und treten den Heimweg an. Nach gut 3 Stunden Fahrtzeit sind wir wieder zu Hause. Zeit die Eindrücke zu verarbeiten und die Bilder zu sortieren.

 

Weihnachtsmarkt in Spalt (Mittelfranken)

Jedes Jahr nehmen wir uns den einen oder anderen besonderen Weihnachtsmarkt vor. So ein typischer Dorfweihnachtsmarkt ist ja meist geprägt von den Glühwein und Essensbuden der Vereine. Hier gibt es meist wenig beeindruckendes für die Besucher zu sehen, im Vordergrund steht der Umsatz für die Vereine. Vor wenigen Tagen erhielten wir von einem Freund den Tipp uns doch den Spalter Weihnachtsmarkt am Wochenende des Ersten Advents anzuschauen, dieser sei hier ganz anders ausgerichtet.

Der Werbeslogan “Der Weihnachtsmarkt mit dem gewissen Etwas mehr…” und die Empfehlung bauten eine gewisse Erwartungshaltung auf und so machten wir uns am 1. Adventssonntag gegen 15 Uhr auf, den Markt zu erkunden.

Die erste Hürde war die Suche nach einem Parkplatz. Die Flut an Autos zeigte deutlich dass wir nicht als einzige eine Empfehlung bekommen hatten. Wir parkten direkt am Ortsschild in einer Wiese und legten einen kleinen Marsch zum Beginn des Marktes zurück.

Der erste Blick fiel auf die üblichen Buden der Vereine und die Teelichter in Einmachgläsern welche am Straßenrand den Marktbetrieb umsäumten. Ein Schild zu einem Rundgang lud uns ein sofort abzubiegen und von der Hauptstrasse in die kleineren Gassen einzutauchen. Genau hier fanden wir auch was uns vielfach angekündigt wurde, viele verwinkelte Gassen mit heimeligen Nestern. Gewölbekeller und Scheunen welche die Künstler und Handwerker zu Ateliers oder Arbeitsplätzen ausgestaltet hatten um Ihre Werke zu präsentieren. Von Malern, über Töpfer bis hin zu Schnitzern und noch viele andere Künstler und Handwerker zeigten teilweise live wie Ihre Kunstwerke entstehen. Weit über 100 Aussteller zählt der Weihnachtsmarkt. Diesen in einigen wenigen Stunden vollständig zu erkunden ist völlig unmöglich. Das Gedränge und die Enge welche ein Nürnberger Christkindlesmarkt am Abend bietet vermisst hier keiner, denn hier findet man ihn, den Flair von Weihnachten, das entschleunigte Dahingleiten der vorweihnachtlichen Zeit, immer wieder innehalten und bestaunen was Menschenhände erschaffen können.

Beim Abstieg in die Gewölbekeller musste man sich gewaltig Bücken und den Kopf einziehen. Dafür wurde man z.B. mit dem Anblick eines Rechenmachers bei der Arbeit oder von den Düften der kulinarischen Leckereien welche feil geboten wurden in den Bann gezogen. Kinderherzen erfreuen sich am Streichelzoo und an den Kutschfahrten im Planwagen. Das Angebotene Repertoire an Speisen reicht durch die ganze bandbreite der fränkischen Leckereien. Am Weihnachtsmarkt beteiligen sich teilweise auch die ganzjährig hier angesiedelten Geschäfte. So kann man auch bei mehreren Konditoreien einkehren und sich mit Lebkuchen und besonderen Stollenkreationen eindecken.

Der letzte Gang führte uns durch die Hauptstrasse und hier findet man sie dann tatsächlich noch, die Glühwein und Essensbuden der Vereine.

Viel zu schnell war die Zeit bis 19 Uhr und dem Ende des Weihnachtsmarktes vergangen. Man hätte ihn durchaus intensiver erleben können, dazu reichen 4 Stunden aber definitiv nicht aus.

Leider findet dieser Markt nur am ersten Adventswochende statt, so dass ihr erst 2015 wieder die Chance habt diesen zu erleben.

Tessintour 2014 – Tag 4 – Heimweg – 585 km

Aufrgund der Wetterlage in den Bergen haben wir gestern beschlossen heute bereits den Heimweg anzutreten. Wenn man zum Fenster rausschaut kann man schwer glauben dass in wenigen Kilometern Distanz bereits Schnee liegen soll. Stahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Kaum geht man um die Hausecke und schaut in Richtung Norden sieht man Schneebedeckte Berge, und die Schneegrenze ist erschreckend tief. Wir haben uns den Wecker auf 6:30 gestellt um möglichst bald los zu kommen. Wir wollen unterwegs entscheiden ob wir in einem Rutsch durchfahren oder noch eine Übernachtung einlegen. Soviel vorweg, wir sind durchgefahren.

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Für den Anfang starten wir in Richtung Süden am Lago di Como entlang. Der Weg heute führt uns wieder nach Lugano, allerdings queren wir weiter nördlich als gestern. Wir fahren den Lago di Lugano von oben an. Der Plan ist in Lugano zu tanken und Vignetten zu erwerben und dann auf die Autobahn zu fahren. Der San Bernardino und der Gotthard Pass sind aufgrund des Schneefalls geschlossen. Die Tunnel allerdings sind offen. Wir entscheiden uns für den Bernardino. Die Anfahrt gestaltet sich äußerst windig. Die Schneegrenze nähert sich unausweichlich, so langsam sieht es neben der Straße aus wie gezuckert. Nur der Bernardino Tunnel verbirgt noch vor uns wie es wohl auf der Nordseite aussehen mag?

Wir durchqueren ihn und genießen das warme Klima im Tunnel in dem Wissen dass es am Ende der Röhre deutlich kühler sein wird. Am Tunnelausgang angekommen tauchen wir ein ins Winterwonderland. Die Bäume ächzen unter der Schneelast. Eine Traumumgebung für Weihnachten. Aber was tun wir gleich nochmal hier? Motorradfahren!!! Gott sei dank sind die Strassen frei. Wir cruisen lässig die Autobahn hinab. Wobei Autobahn hier nicht mit einer 6-spurigen Deutschen Autobahn verwechselt werden darf. Wir bewegen uns auf einer eher mit einer Bundesstraße vergleichbaren Route. Dementsprechend hoch ist eigentlich der Fahrspass. Die Höhenmeter purzeln und der Schnee lässt langsam, ganz langsam nach. Nachdem wir unterhalb der Schneegrenze sind legen wir einen Stopp ein und ich darf mir erstmal anhören dass wir nie mehr in die Berge fahren! Und dass die Schweiz wettermäßig (wir erinnern uns an unseren Kurztrip 2013) einfach nicht für Aufenthalte mit dem Motorrad geeignet wäre.

Eine Tasse Tee und ein wenig Nougat später fahren wir gen Grenze. Um in Österreich die Autobahnmaut zu vermeiden quälen wir uns mal wieder durch Bregenz, nehmen noch eine günstige Tankstelle in Anspruch und fahren in Lindau auf die Deutsche Autobahn. Es regnet gerade was runtergeht, lässt aber erfreulicherweise nach. Ein paar Kilometer weiter wird es endlich trocken und wir beschließen keine Übernachtung mehr einzulegen. Wir ziehen es durch, noch ein kleiner Stopp an einem Subway um den knurrenden Magen zu besänftigen. Einige Baustellen später zieht Anja vor mir in Aurach von der Autobahn runter. Wir drehen noch eine kleine Abschlussrunde um die eckigen Reifen wieder ein wenig in Form zu bringen. Ein wundervoller Sonnenuntergang schließt diesen Tag und damit den Ausflug ins Tessin (ohne längeren Aufenthalt im Tessin) ab.

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Fazit der Tour: Wir wohnen auf der falschen Seite der Alpen! Macht aber nix in 1,5 Wochen sind wir wieder im Süden, dann allerdings ohne Motorräder.

Daten zur Tour: 1.520km in 4 Tagen, Tiefster Punkt: 188m, Höchster Punkt: 2.737m, Anstieg/Abstieg je 15.890m

P.S. Anja findet meine Sicht des heutigen Tages sehr beschönigend, sie fand die Wetterlage am Bernardino eher nervenaufreibend und wollte mich kurzzeitig für diese Tour auf einem Scheiterhaufen abfackeln!

Tessintour 2014 – Tag 3 – Drei Seen Tour – 276 km

Der Tag heute begann am Laptop. Wetter checken, Webcams checken. Der San Bernardino ist schneebedeckt, damit fällt die Tour nach Bellinzona flach und wir fahren die Tour über die Seen Lago di Como, Lago di Lugano und Lago Maggiore. Die Gedanken an den Heimweg lassen sich auch nicht mehr verdrängen, einen Pass wie den Flüelapass bei Schnee fahren, ob das so eine gute Idee ist? Naja erstmal ist heute wieder blauer Himmel angesagt. Zumindest wenn man gen Süden schaut. Im Norden sieht das ganz anders aus. Gestern Abend wütete hier noch ein Sturm dessen Spuren zu sehen sind. Die Bäume haben alle Blätter verloren.

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Wir gehen erstmal frühstücken und freuen uns über reginalen Käse und luftgetrocknete Salami. Nach dem Frühstück ab in die Klamotten und auf die Moppeds. Wir fahren am Ufer des Lago die Como entlang nach Süden. Wie erwartet ist der Weg geprägt von vielen Ortschaften und Begrenzungen auf 50 km/h. Ein paar Fotostopps und einige Tunnel (um das vorankommen etwas zu beschleunigen, man könnte auch komplett am Ufer entlangfahren) später geht es schon nach rechts weg in Richtung Lugano.

Auf dem Weg in die Schweiz erreichen wir den heutigen höchsten Punkt mit fast 900 Höhenmetern. Einige Kehren versüßen uns den Weg. Die Grenzer sind entspannt und winken uns durch. Der Abstieg zum See gestaltet sich als wahre Freude, wird aber jäh eingebremst durch eine Vollsperrung welche von zwei Polizisten durchgesetzt wird. Wir müssen einen anderen Weg wählen, was sich allerdings nicht als Nachteil herausstellt. Kleinste Gassen und einige Serpentinen später kommt der Lago Lugano in Sicht. Schnell überquert und in die Großstadt gestürzt. Unsere Tanks verlangen zwar noch nicht nach Füllung, aber in der Schweiz ist das Benzin deutlich günstiger als in Italien. Wir legen einen kurzen Stop ein um dies auszunutzen.

Hier ein erster Versuch eines Videos:

Beim verlassen von Lugano biege ich falsch ab und wir drehen eine Ehrenrunde um den Laghetto di Muzzano. Nachdem wir den richtigen Weg wieder gefunden haben bewegen wir uns an der Landesgrenze entlang in Richtung Lago Maggiore. Das Ufer des selbigen lässt unseren Weg gen Süden schwenken und das Drama nimmt seinen Lauf. Was heisst Drama, schlimm ist es eigentlich nicht, aber unsere Vorstellung war ein wenig anders. Wir hatten viele bewohnte Gebiete erwartet, und somit ein langsames vorankommen, aber nicht soviele! Es ist eher eine Plage als eine Freude am Lago Maggiore entlang zu schleichen. Die Verkehrsdichte ist relativ hoch und das höchste der Gefühle sind einige wenige Passagen mit 70km/h für wenige hundert Meter. Den Weg um den Lago di Garda habe ich da wesentlich schöner in Erinnerung. Es zieht sich auf jeden Fall ewiglich bis wir am Südende des Lago Maggiore endlich wieder abdrehen und zurück zum Lago di Como streben.

Aber auch dieser Weg hat es in sich. Haben wir letztes Jahr noch über die Schweiz geflucht, so schlägt diese Gegend Italiens die Erinnerungen haushoch. Eine einzige nicht enden wollende Ortschaft. Wir halten Ausschau nach etwas essbarem und werden endlich auch in einer Gelateria fündig. Hier essen wir zwei Panini mit Schinken, Mozarella und Feldsalat – ein Genuss. Durch den Feierabendverkehr der Stadt Como kämpfen wir uns wieder ans Seeufer zurück. Ums mit Obelix worten zu sagen: Die spinnen die Italiener! Zweispurige Kreisverkehre welche vierspurig befahren werden. Jeder fährt wie er will. Rote Ampeln werden komplett ignoriert. Wir Deutschen sind da sehr verwöhnt von unseren strikten Regeln und Ihrer akribischen Einhaltung (bis auf wenige Ausnahmen).

Das Ostufer des linken Ausläufers des Sees hingegen erfreut uns mit einer anspruchsvollen und sehenswerten Straßenführung. Wir wollen nach Bellagio um per Fähre nach Varenna überzusetzen. Die Straße ist schmal und kurvenreich. Der Verkehr ist quasi plötzlich versiegt und wir stoßen nur hin und wieder auf ein Auto. 50km/h sind eine angenehme Geschwindigkeit, die V2 Motoren ziehen im dritten Gang sauber aus den Kurven raus und wir genießen die Strahlen der untergehenden Sonne. In Bellagio an der Fähre sprechen uns zwei ältere Kölner Pärchen an. Die Frauen sind begeistert dass Anja so ein schweres Motorrad so weit durch die Gegend bugsiert. Die Herren interessieren sich für den Touratech GPS Halter und die LED Tagfahrlichter. Um 17:30 befahren wir die Fähre und starten mit der 15 minütigen Überfahrt. Es war den ganzen Tag schon sehr windig, aber hier auf dem See erreicht die Brise ihren Höhepunkt. Wir stehen mit Helm auf dem Kopf und geschlossenem Visier neben den Motorrädern um sie zu sichern.

In Varenna angekommen sind es nicht mehr ganz 30km bis zum Hotel Maloia. Wir erfahren die letzten Kurven des Tages und blicken Sorgenvoll gen Norden in die Berge. Die dunklen Wolken haben sich noch nicht verzogen. So schön das Wetter auf der heutigen Tour war, so schlecht ist das Wetter auf den Pässen. Direkt nach der Ankunft im Hotel und kurzer Recherche der aktuellen Webcambilder und des Wetterberichtes im Internet beschließen wir morgen den Heimweg anzutreten. Wir wollen versuchen von Lugano aus per Autobahn durch die Berge zu kommen. Ob wir dann direkt durch fahren oder nochmal einen Zwischenstop einlegen, werden wir spontan entscheiden.

Tessintour 2014 – Tag 2 – Lago di Como – 235 km

Nach einer ruhigen Nacht freuten wir uns beim ersten Blick aus dem Fenster über den blauen Himmel. Wir trödelten ein wenig herum da wir im Hinterkopf hatten dass heute nur gute 200 km geplant sind.

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Das Frühstück begeisterte uns mit geräuchertem Schinken und frischen Vinschgauern. Der erneute Blick aus dem Fenster offenbarte uns dicke Regentropfen. Egal wir trödelten weiter und so kam es dass der Regen über uns hinweg war als wir endlich die Motorräder beluden um zu starten. Ich wollte nochmal einen kurzen Stop am Kirchturm einlegen um den dortigen Cache zu heben. Nach diesem Stop ging es dann endlich richtig los. Den Reschenpass runter und ab in Richtung Passo di Stelvio (Stilfserjoch).

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Die Nordrampe des Stilfserjochs ist bekannt für Ihre engen Kehren und so kommen wir auch nicht sonderlich schnell vorwärts. Ein Erlebnis ist die Auffahrt allerdings definitiv und dies nicht nur aufgrund des gesichteten Erlkönigs auf Testfahrt. Am Pass angekommen folgt der obligatorische Fotostopp und ein Tässchen Tee. Hier oben sind wir ziemlich froh unsere Mützen mitgenommen zu haben. Ohne Helm ist es ganz schön kalt an den Ohren.

Die Südseite hinab ist wesentlich flüssiger und vor lauter Fahrfreude verpasse ich den Abzweig in Richtung Passo di Foscagno. Mir war bei der Planung gar nicht bewusst dass die Gegend um Livigno ein Zollfreies Gebiet ist. An der ersten Tankstelle haue ich dementsprechend kurzfristig den Blocker rein – Super 1,09 EUR!!! Erstmal Volltanken, wenn nicht der rein italienische Kassenautomat wäre. Dank der Hilfe einer Italienerin konnte auch dieses Problem gelöst werden. Es folgt der Passo Eira und dann gehts ab nach Livigno. Über den Forcola di Livigno machen wir nochmal einen Abstecher in die Schweiz. Hier begleitet uns beim konstanten Höhenmeter Verlust der Bernina Express,eine der Rhätischen Bahnen. Irgendwann müssen wir diese auch einmal in Anspruch nehmen und diese andere Art des Reisens testen. Ein besonderer Augenschmauß ist das Kreisviadukt Brusio. Wir ziehen langsam vorbei und nähern uns dem nächsten Länderwechsel um endgültig in den Süden einzutauchen. Der Verkehr wird dichter, die Temperaturen steigen (26° Grad um 17 Uhr).

Das Tagesziel rückt in greifbare Nähe, ein Highlight sollte aber noch kommen. In Sondrio verlassen wir die Hauptstrasse und folgen Serpentinen den Berg hinauf um auf der Höhe ein wenig parallel zur Hauptstrasse zu fahren. Aber nur ein wenig, der Abstieg folgt sehr schnell wieder und führt uns durch typische Italienische Gassen mit engen Kehren. Ein Genuss ist diese Straßenführung. Allerdings ist sie nicht geeignet um zügig voranzukommen.

Trotz der kilometertechnisch relativ kurzen Tagesstrecke ist es inzwischen kurz nach 16 Uhr und wir müssen uns noch eine Unterkunft als Basislager für die nächsten Tage suchen. Der Anspruch ist also ein wenig höher als bei einer einzelnen Übernachtung. Enige vorab im Internet recherchierte Adressen sollen uns dies erleichtern. Das auffinden des ersten Hotels gestaltet sich nicht ganz trivial, dafür ist dieses bereits ein Volltreffer. Wir checken im Hotel Maloia in Dubino für die nächsten Tage ein. Ein kleiner Pizzaimbiss nebenan sorgt mit Holzofen für unser Abendessen.

Noch sind wir unentschlossen wie es weitergehen soll. Der Wetterbericht sieht nicht wirklich gut aus. Eine Tour um die oberitalienischen Seen wollen wir drehen und einen Abstecher ins Tessin (das eigentliche Ziel unserer Reise) nach Bellinzona steht auch noch auf dem Programm. Der Weg dorthin ist eigentlich über den San Bernadino angedacht, dort aber soll es morgen schneien. Nunja erstmal eine Nacht drüber schlafen, dann sehen wir was wir machen.

Tessintour 2014 – Tag 1 – Reschenpass – 425 km

Der letzte längere Trip ist schon wieder 1,5 Wochen her, der Entzug steigt. Um uns auf den langen Urlaub einzustimmen starteten wir am Samstag mit den Motorradfreunden zur Herbstparty des MC Hüttenberg. Mal schnell Samstag und Sonntag 600 km runtergerissen, eine Nacht im Zelt verbracht und viele Freunde getroffen. Nach dieser kurzen Aufwärmrunde sollte es nun wieder etwas weiter weg gehen. Die Grobe Richtung: Tessin – Bellinzona. Aber da der Weg das Ziel ist dachten wir uns es muss doch irgendwann auch endlich mal mit dem Reschen klappen. Anja wollte schon immer den Kirchturm im Wasser sehen. In Dänemark hatten wir immerhin schon eine Kirche in einer Wanderdüne gesehen. Die grobe Planung stand und so konnten wir Montag morgen um 9:30 in Richtung Reschenpass starten.

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Der Wetterbericht sagte uns blendenden Sonnenschein voraus, aber erst wenn wir ein Stück weg wären. Und so kam es wie es kommen musste. Auf den ersten Metern regnete es ein wenig. Die Strecke bis Gunzenhausen war schnell abgesessen. Viele bekannte Strassen ließen noch kein Reisegefühl aufkommen. Als wir dann durch Oettingen (bekannt durch seine Brauerei) in Richtung Nördlingen fuhren stellte sich das Gefühl des „Wegfahrens“ so langsam ein. In Höchstädt an der Donau legten wir einen ersten kurzen Stopp ein als wir das verhüllte Schloss (keine Aktion von Christo, sondern nur Renovierungsarbeiten) entdeckten.

Das Wetter war uns wohlgesonnen, inzwischen blendete die Sonne und der Himmel erstrahlte in sattem Blau. Die Umleitungen hielten sich in Grenzen und so hoffte ich mit dem angebrochenen Tank bis über die Grenze nach Österreich zu kommen. Schnell an Augsburg vorbei in Richtung Kaufbeuren. Das Allgäu erstrahlte in sattem Grün, die Bauern brachten das letzte Gras nach hause und die Polizei laserte fröhlich, gut dass wir im Blümchenpflückermodus unterwegs waren. Trotzdem ging es flott vorwärts und als wir das Ziel vor Augen hatten – bei Füssen über die Grenze um zu tanken – holten uns auch wieder die Umleitungen ein. Von diesen gequält mussten wir dann doch noch einen Stopp innerhalb Deutschlands einlegen.

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Danach schnell über die Grenze und ab in Richtung Reutte. Die Straßen hier waren uns von früheren Aufenthalten wieder gut bekannt und bald lachte uns der erste MPreis an. Das besondere hier ist dass es RINGO zu kaufen gibt. Ein Oreo ähnlicher Keks, nur besser! Ich ignorierte diesen sehr zu Anjas Leidwesen und wir bogen nicht ins wohl bekannte Lechtal ab sondern orientierten uns in Richtung Fernpass. Am Blindsee kurz unterhalb von eben diesem Pass legten wir eine kurze Mittagspause mit Schokobananenpudding ein. Man konnte von hier aus einen wunderbaren Blick auf die Zugspitze werfen. Ein leichtes Lächeln umspielte unsere Lippen als wir viele Menschen aus Fernost mit Handys auf Selfiestativen erblickten. Aber mal ehrlich? Sind wir anders? Nein, also schnell die Ghost gekrallt und ein Selfie geschossen.

Ein großer Teil des heutigen Planes war nun schon geschafft. Also ab über den Pass und ab in Richtung Reschen. Wir wollten schließlich noch Pizza essen und da wir gut in der Zeit lagen heute noch einen Blick auf den berühmten Kirchturm werfen. An den Temperaturen merkte man langsam dass wir an Höhenmetern gewannen. Allerdings zeigten auch die in allen Farben leuchtenden Bäume dass es erst Herbst ist und so durften wir immer noch 16 Grad genießen. Am Reschenpass kurzer Stopp fürs Obligatorische Foto und dann ab zum Pizza essen… verdammt… warum hat die Pizzeria geschlossen? Naja dann eben keine Pizza. Als ab zum Turm, kurzer Fotostopp und weiter ins Hotel (Garni Wallnhöfer – eigentlich auch geschlossen, aber ein Zimmer für uns haben sie schon… Das nenn ich Service).

Zimmer bezogen, umgezogen und auf die Jagd nach Abendessen einen kleinen Spaziergang durch den Ort gemacht. Wir fanden ein Restaurant mit angeschlossener Konditorei. Die Kuchenauswahl überzeugte uns dass wir hier richtig sind. Nach dem Essen fanden wir noch einen Verdauungsschnaps und die Wlan Zugänge am Hoteltresen vor. Und nun ist es wieder soweit. Ich sitze hier und beginne einen Bericht über eine kurze Reise. 6 Tage soll es diesmal dauern und wir wollen doch so einiges sehen. Deutschland, Österreich und Italien haben wir heute befahren. Morgen geht es weiter in Richtung Tessin, wobei wir auf der Italienischen Seite bleiben wollen, nahe am Lago di Como. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr.

Heimweg Erzgebirge 2014 – Tag 5 – 359km

Nun stand also schon wieder der Nachhauseweg an. Wie schnell doch 5 Tage vergehen. Der erste Blick aus dem Fenster hielt heute einen Atemberaubenden Sonnenaufgang für uns bereit. Der Versuch schnell in die Schuhe und mit dem Foto auf den Aussichtsturm zu sprinten scheiterte an der Drehtür des Turmes mangels eines 50 Cent Stückes. Es gibt diese Momente im Leben, in denen hast du die Kamera in der Hand und könntest…ja wenn du könntest…

Für heute war die Wegstrecke bereits durch drei Punkte festgelegt. Das Hotel, Bürglein und wir wollten unbedingt noch an der Göltzschtalbrücke vorbeischauen. Das ganze ergab dann eine geplante Strecke von ca. 340 km. Dank der wieder zahlreich vorhanden Umleitungen wurde es auch heute wieder etwas mehr. Die erste halbe Stunde verloren wir direkt durch die erste Umleitung ab Marienberg und mussten nochmal eine Schleife am Hotel vorbei fahren.

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Der Weg bis zur Brücke war noch geprägt von Chemnitz, Zwickau, einem blauen Himmel und strahlendem Sonnenschein. An der Brücke machten wir einen Fotostop und staunten über die unglaublichen Zahlen, welche diesem Bauwerk zugrunde liegen.

Kaum unter der Brücke durch, genießen wir wieder kleine Straßen entlang von Flussläufen in Tälern. Wir gleiten durchs Vogtland und müssen leider feststellen dass der Himmel uns heute wohl nicht den ganzen Tag so wohlgesonnen sein wird. Es wird zunehmend dunkler, der Wind wird stärker und es beginnt zu regnen. Irgendwo im Nirgendwo legen wir noch einen Tankstop ein. Die letzten Tage stecken uns in den Knochen und die zunehmend kühleren Temperaturen fördern die Freude am fahren nicht wirklich. In Schesslitz legen wir den dritten Stopp des Tages ein um in einer kleinen Bäckerei etwas warmes zu trinken und etwas zu essen. Bei der Fahrt durch Bamberg kommen Erinnerungen an das Buch (und den Film) Resturlaub von Tommy Jaud in uns hoch. Auf dem Weg nach Höchstadt an der Aisch fällt uns die Veränderung in der Landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen auf. Die Felder werden kleiner und bunter. Das ganze sieht etwas mehr nach Patchwork aus. Mir kommt in den Sinn, dass die Landwirtschaft in unserer fränkischen Heimat nicht halb so effektiv sein kann wie weiter im Norden. Die Landschaft hingegen ist viel Abwechslungsreicher und ansprechender für den Betrachter. Auf den letzten Kilometern bemerkt man an der sich leicht steigernden Geschwindigkeit das Bedürfnis endlich anzukommen. Raus aus den feuchten Klamotten, rein ins Warme.

Wir sind in 5 Tagen 1537 km in zwei Ländern gefahren. Haben völlig verschiedene Landschaften gesehen, sind ein wenig wandern gewesen, haben eine vorzügliche Küche genießen dürfen und konnten ein wenig vom Alltag abschalten. Trotzdem freuen wir uns schon wieder auf den nächsten Urlaub.