Über Tobias Seidel

Tobias Seidel wurde 1981 geboren und hat sein Hobby IT zum Beruf gemacht. In seiner Freizeit beschäftigt er sich viel mit den Themen Reisen, Triathlon, Motorräder, Fotografie und Tanzen (Standard).

Pyrenäentour 2017 – Tag 2 + Tag3 – 431km Saint Martin de Bromes + Pausentag

Planen kann man viel… sich etwas nur grob vorzunehmen reicht in der Regel auch schon aus, damit es nicht klappt. Nunja, dazu aber später mehr. Der Wecker holte uns um 7:30 aus dem erholsamen Schlaf. Die Temperatur draußen war auf dem Col de la Faucille äußerst angenehm und ließ noch nicht erahnen was uns heute noch blühen sollte. Wir gingen gemütlich zum Frühstück, welches um 8 Uhr beginnen sollte und mussten feststellen dass ein Bus voller Senioren wie ein Heuschreckenschwarm über das Buffet hergefallen war. Semmeln? Fehlanzeige! Für uns wurde dann extra Baguette aufgebacken. Das sollte aber bei 11 Eur pro Person fürs Frühstück auch selbstverständlich sein. Der Bus fuhr jedenfalls um 8:15 ab und wir konnten in aller Seelenruhe die Reste vom Buffet genießen. Um 9:30 saßen wir dann gut gestärkt und voller Tatendrang auf den Motorrädern und starteten die Motoren.

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Wo man hochfährt muss man auch wieder runter. Die letzten km gestern waren schön, und die ersten heute wurden es auch. Lediglich die Kurven gingen noch nicht ganz so flüssig am frühen Morgen. Aber das wurde mit jeder besser. Nach ca. 50 km verlassen wir bei Bellegarde sur Valserine den Parc naturel régional du Haut-Jura und folgen der Rhone. Ein Fluss bedeutet automatisch immer Kurven. So auch hier. Der Verkehr fließt in angenehmer Geschwindigkeit und die Temperaturen steigen so langsam aber sicher an. Immer wieder bildet die Rhone natürliche Seen aus oder wird durch die Energiegewinnung zu künstlichen Seen gestaut. An einem dieser natürlichen Seen erblicken wir eine Kolonie von Schwänen. Man kann das wirklich nicht anders sagen. Es waren geschätzt so um die 70 Tiere die hier im seichten Wasser nach Nahrung tauchten. Man sah Schwanenhinterteil neben Hinterteil in die Höhe gereckt. Nur zum Luftholen kamen die Köpfe kurz nach oben. Ein Schauspiel dass wir so noch nie gesehen hatten.

Nachdem wir die Rhone verlassen hatten ging es direkt in Richtung Parc naturel régional du Vercors. Kurz vor dem Erreichen desselbigen säumten den Fahrbahnrand unendliche Reihen von Bäumen in gepflegten Plantagen. Während ich mich noch fragte was hier angebaut wird hatte Anja die Antwort schon parat: Walnüsse. Sauber gepflegt in Reih und Glied stehen sie hier in schier unendlicher Anzahl und spenden riesigen Arealen Schatten. Wie gerne hätten wir uns für ein Stündchen ins Gras gelegt und ein kleines Schläfchen gehalten. Aber wir haben heute noch etwas vor und wir kommen deutlich langsamer voran als gedacht. Die schönen kurvigen Straßen fordern ihren Tribut und das sollte nicht besser werden… wobei doch eigentlich wurde es besser. Nur nicht für unsere Zeitplanung.

Direkt nach dem Erreichen des Parc naturel régional du Vercors wurden die Straßen noch kleiner und führten uns wieder in die Höhe. Höhe bedeutet angenehmere Temperaturen und das begrüßen wir sehr. Wir kommen nach vielen kleinen Kurven plötzlich an einem Wasserfall an. Der schreit danach das Stativ rauszuholen und Anja ihre ND Filter ausprobieren zu lassen. Leider schleicht sich ein Franzose ins Bild und Anjas Laune sinkt. Außerdem steigen die Temperaturen auch hier stetig an und so fahren wir nach ein paar wenigen Fotos wieder weiter. Ein kritischer Blick auf die Uhr ermunterte uns zusätzlich. Immerhin ist die Unterkunft für die nächsten beiden Tage bereits gebucht und wir wollen heute Abend und Nacht noch die Lavendelfelder und eventuell die Milchtstrasse in Valensole ablichten. Soviel zum Plan…

Der Parc naturel régional du Vercors wäre aufjedenfall mal ein paar Tage mehr Wert. Eine wunderschöne Gegend um Motorrad zu fahren oder zu wandern. Unser heutiges Tagesziel ist aber der Parc naturel régional du Verdon. Und bis wir diesen erreichen vergeht noch viel Zeit. Als wir den Parc naturel régional du Vercors verlassen ist es bereits 17 Uhr. Wir brauchen dringend eine Tankstelle und etwas zum Abendessen wollten wir auch noch einkaufen. Als wir dann einen Intermarche gefunden haben meint Anja noch, dass wir einkaufen lieber später erledigen damit wir das Zeug nicht so lange in der Sonne rumfahren… Das klingt nach einem Plan. Allerdings kommen wir nur sehr langsam voran und so halten wir um kurz nach 19:30 wieder an einem Intermarche nur um festzustellen dass dieser bereits um 19:30 geschlossen hat. Der nächste Stop ergab das gleiche Problem. Um 19:55 stoppten wir dann an einem Contact Markt nur um festzustellen, dass dieser 10 Minuten vor Ladenschluss bereits die Türen verschlossen hatte. Zum Ausgang ließ man uns nicht mehr rein und um 19:58 wurde auch dieser verschlossen. Soviel zum Plan… naja wir haben ja genug haltbare Sachen dabei, dann gibt es halt nix Frisches.

Um 20 Uhr ging es dann endlich in den Parc naturel régional du Verdon und die ersten Lavendelfelder kamen in unser Blickfeld. Allerdings hatte uns auch eine unwahrscheinliche Erschöpfung gepackt. Es hatte immer noch um die 35 Grad, wir schwammen in unseren Klamotten und wollten erstmal nur Duschen und etwas Essen. Um 20:30 Uhr erreichten wir endlich das Hotel La Fontaine in Sant Martin de Bromes. Der Check In erfolgte mit Händen und Füßen da hier niemand Englisch spricht. Das 2 Sterne Hotel ist sehr einfach und man darf sich mit den anderen Gästen eine Toilette auf der Etage teilen. Trotzdem ist das Haus in der Altstadtlage ein echtes Kleinod und wir fühlten uns hier direkt wohl. Nachdem wir unser Gepäck einmal ums Haus und dann noch 2 Stockwerke in die Höhe getragen hatten tropfte uns der Schweiß aus allen Poren. Schnell unter die Dusche und etwas gegessen. Der Plan um 0 Uhr zu den Lavendelfeldern zu fahren wurde einstimmig verworfen da wir stehend KO waren. Unsere Priorität in diesem Urlaub liegt auf dem Motorradfahren. Fotgrafieren läuft nebenher. Wir fielen sofort in einen totengleichen Schlaf der 11 Stunden andauerte.

1080 km in 2 Tagen und das bei Temperaturen nahe der 40 Grad fordern einfach Ihren Tribut. Das war letztes Jahr in Norwegen einfacher. Aber immerhin friert es Anja diesmal nicht. Und wehe sie meckert weil es zu warm ist!!! Direkt neben dem Hotel ist ein kleiner Tante Emma Laden in welchem ich Baguette, Croissants und eine Guadeloupe Melone holte, was unser Frühstück darstellte. Wir ließen es extrem langsam angehen. Erstmal die Funktionswäsche rauswaschen. Der Geruch war selbst mir zuviel. Dann gammelten wir noch ein bisschen im Zimmer rum bis die größte Mittagshitze vorbei war. Nachmittags unternahmen wir einen kleinen Spaziergang mit den Kameras durch den Ort. Hier ist man nicht dem Massentourismus erlegen. Der historische Kern der Ortschaft Sant Martin de Bromes ist extrem ruhig und das Zentrum stellt der Platz vor unserer Unterkunft dar. Hier genießen wir dann auch noch einen Smoothie und einen Frappe bevor um 16:30 der kleine Laden wieder öffnet in welchem wir uns mit Käse und Baguette eindecken um ein frühes Abendbrot zu uns zu nehmen. Zum Sonnenuntergang soll es heute nämlich wirklich zu den Lavendelfeldern um Valensole gehen. Bevor wir uns hierfür wieder in die Moppedklamotten werfen entstehen aber noch diese Zeilen.

Morgen soll es wieder weitergehen in Richtung Mittelmeerküste. Wir hoffen dort in der Carmargue wilde Flamingos zu sehen und vielleicht auch das ein oder andere Foto zu schießen, bevor es dann in die Berge geht.

Pyrenäentour 2017 – Packen & Tag 1 – 639km – Col de la Faucille

Es ist Mittwoch der 14.06.2017 ca 15 Uhr und ungewöhnlicherweise beginnen wir zu Packen. Wir haben es beide frühzeitig von der Arbeit nach Hause geschafft und nutzen die Zeit um es gemütlich anzugehen. Kurz keimt in mir die Idee auf heute noch zu starten und über Land bis in den Schwarzwald zu fahren. Da bremst mich aber auch schon Anja aus. Wir starten diesmal gemütlich. Um kurz nach 22 Uhr fallen wir ins Bett. Die Motorräder stehen fertig beladen in den Garagen und warten darauf dass wir sie starten. Wir stellen uns den Wecker auf kurz vor 7 Uhr. Noch schnell Duschen, etwas frühstücken und dann soll es um 8 Uhr losgehen.

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Donnerstag morgen 6:55 der Wecker klingelt, 7:00 Uhr der Wecker klingelt wieder, 7:05, 7:10,… okay vergiss 8 Uhr starten. Wir haben ja locker Zeit. Sind heute ja nur 640 km, davon knapp 400 km deutsche Autobahn um erstmal ein Stück voranzukommen. Um 8:45 Uhr haben wir es dann tatsächlich geschafft. Wir sitzen auf den Motorrädern und beginnen unseren Trip nach Frankreich und Spanien. Wir fahren Bundestrasse bis Aurach, dort geht es dann auf die A6 welche ungewöhnlich leer ist. Wir genießen es frei fahren zu können und legen die Distanz bis zur A5 ohne Auffälligkeiten zurück. Es wird immer wärmer und die Sonne brennt unerbittlich auf den Asphalt. In der Gegend um Karlsruhe kommt es dann zum Stillstand. So leer die A6 war, so voll ist die A5 und hier gibt es eine massive Baustelle welche zu einem noch massiveren Stau führt. Über eine Stunde benötigen wir um dieses Hindernis zu überwinden. Als Ziel hatten wir uns eigentlich 12 Uhr = Französische Grenze gesetzt. Das wird nix. Der Stau und unser behäbiger Start in den Tag führen dazu dass wir erst um 14 Uhr die Grenze passieren.

Ab hier geht es nun über Land weiter. Aber zuerst müssen wir das Ballungszentrum um Mulhouse irgendwie überleben. Wir haben uns entschieden in Frankreich zu bleiben und keinen Abstecher durch die Schweiz zu fahren. Zu schlecht sind unsere Erinnerungen an den Verkehr bei den Eidgenossen. Wir kommen zügig voran und die Straßen werden immer kleiner und kurviger. Wir genießen es die schwer bepackten Maschinen von links nach rechts und wieder zurück zu werfen. Ein Stop bei Aldi um die Trinkrucksäcke wieder zu füllen (sie sind unser Lebensretter bei Temperaturen um die 35 Grad! Kann man echt jedem empfehlen der ein bisschen weiter als nur eine Feierabendrunde fährt), ein Tankstopp und ein Toilettenstop sind unsere einzigen Pausen. Dies ist wohl auch der Tatsache geschuldet dass wir das getrunkene Wasser direkt wieder rausschwitzen.

Die letzten 80 km des Ersten Tages führen uns durch den Parc naturel régional du Haut-Jura. Kurven hats hier! Eine wahre Pracht! Das entschädigt vollends für die Autobahnfahrt während der ersten Tageshälfte. Wir gewinnen auch immer mehr an Höhe und Anja vergleicht die Landschaft mit einer Mischung aus Allgäu und Auenland. Alles ist grün und bewaldet. Unser heutiges Tagesziel ist das Hotel La Petite Chaumiere in einem Skigebiet am Col de la Faucille. Nach 640km wollen wir heute kein Zelt aufstellen und auch nicht selbst kochen. Der erste Abend soll völlig entspannt sein. Wir gönnen uns noch ein 3 Gänge Menü im Restaurant und sind hin und weg von der Qualität des Essens bevor wir uns aufs Zimmer zurückziehen und nach einer Dusche noch den Tag Revue passieren lassen. Jeder auf seine Weise, ich hier mit diesen Worten, Anja in einer Art Reisetagebuch welches letztes Jahr schon in Norwegen Ihre doch sehr zwiespältigen Gefühle aufgenommen hat. Heute, da bin ich mir sicher, steht nur positives darin und vor allem dass es schön warm war.

Morgen geht es weiter bis nach Valensole. Hier legen wir gleich einen ersten Pausentag ein um ein wenig zu fotografieren.

V-Strom kurzer Kupplungs- und Bremshebel

Warum wechselt man Kupplungs- und/oder Bremshebel?

1. ) Weil sie durch einen Sturz beschädigt sind –> Nein, sie sind absolut intakt

2.) Weil sie nicht einstellbar sind –> Nein, die originalen der V-Strom sind einstellbar

3.) Weil man sich erhofft die Hebelkräfte zu verändern –> JA!

Ich habe die original Hebel der Maschine gegen günstige Hebel des Herstellers AVDB Moto ausgetauscht. Diese sind voll einstellbar in 6 Stufen. Außerdem habe ich die kurze Variante der Hebel gewählt welche super mit 2 Fingern zu bedienen sind. So verbleiben Ring und kleiner Finger am Lenker und sorgen für mehr Halt. Die Kröpfung der AVDB Hebel erleichtert außerdem die Betätigung der Hebel und steigert somit den Komfort und die Langstreckentauglichkeit.

Ein weiterer Vorteil ist das im Falle eines Sturzes die kürzeren Hebel nicht so gefährdet sind was das Abbrechen angeht.

Nach nun über 10.000km mit den neuen Hebeln und einem massiven Sturz kann ich die Vorteile definitiv bestätigen. Gerade auf längeren Etappen sind die anders gekröpften Hebel wesentlich angenehmer zu bedienen. Bei meinem Sturz im Oktober 2015 musste zwar der Handprotektor gewechselt werden da er gebrochen war. Der Kupplungshebel war aber gänzlich unversehrt.

My EDC – 2016

Im Mai 2013 hatte ich einen Artikel über meine EDC Tools geschrieben. So langsam aber sicher ist es Zeit für ein Update. Aber auch hier erstmal die Frage: Was ist eigentlich EDC?

Everyday Carry (EDC) oder every day carry bezieht sich auf eine kleine Sammlung von Werkzeugen, Instrumenten und Ausrüstungen, die auf einer täglichen Basis mitgeführt werden, um bei der Bewältigung von allgemeinen oder speziellen Aufgaben hilfreich zu sein.“

Es gibt viele mögliche Tools und auch viele Webseiten die darüber berichten. Die Zusammenstellung der Werkzeuge richtet sich immer nach den persönlichen Vorlieben und erwarteten Aufgaben.

Meine 2016 täglich am Mann getragenen Tools sind:

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Ergänzt wird das ganze dann je nach Situation durch weitere Tools:

Endurobrille – alternative Befestigung Quick Straps

Wer einen Crosshelm im Alltag fährt hat sich mit Sicherheit auch schon einmal geärgert wie unpraktisch es ist die Brille unter der Fahrt aufzusetzen oder abzunehmen. Genau diese Thematik adressieren die Quick Straps.

Setzt man die Brille mit dem normalen Brillengummi einfach nach unten aufs Kinnteil leiert der Brillengummi auf Dauer aus. Zieht man die Brille mit einer Hand runter bis man sie um den Hals hat kriegt man sie mit einer Hand nicht mehr in Position. Die Quick Straps bestehen aus vier Teilen. Ein runder 3M Klettkleber, ein Kunststoffhalter mit 3M Kleber und die beiden Gummis für links und rechts. Man befestigt die Kleber entsprechend der Anleitung am Helm nachdem man die Klebestellen entfettet hat. Nun muss man noch den Gummi der Brille gegen die beiden Quick Straps austauschen und schon ist man die Probleme los. Auf der rechten Seite ist die Brille drehbar eingeclipst so dass sie auch ganz entfernt werden kann. Sie hängt dann einfach auf der rechten Seite am Helm herunter. Wenn man sie aufsetzen will führt man sie einfach in Position und klettet sie auf der linken Seite fest. Die 3M Klettflächen sollten auch auf Dauer guten Halt garantieren. Erste Probefahrten steigerten die Begeisterung über das System enorm!

Zelt: Vaude Chapel L 3P unser Raumwunder für Unterwegs

Für unsere Skandinavientour 2016 suchten wir ein neues Zelt. Unser Mc Kinley Katmai 3 ist zwar weder defekt noch haben wir den Gefallen daran verloren. Aber ein Geodät Zelt mit 1,2o Sitzhöhe und zwei nicht nennenswerten Apsiden ist nicht das richtige für eine drei Wochen Tour. Wir setzen dieses Zelt weiterhin auf kürzeren Touren ein.

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Vaude Chapel L 3P in Schweden im Einsatz

Erwartungen

Die Suche nach einem Zelt beginnt man am besten damit einige Erwartungen zu klären:

  1. Wir wollten einen niedrigen Schlafraum, welcher uns noch Platz für ein zwei Taschen bietet –> also ein 3 Personen Zelt
  2. Eine Apside (Vorzelt) in der wir zu zweit sitzen und mit dem Benzinkocher Essen zubereiten können
  3. Qualität: Das Zelt soll uns mehrere Jahre begleiten und bei Regen auch nicht im Stich lassen
  4. Packmaß: Gewicht und Gestängesegmentlänge spielt hier eine große Rolle, wir wollen das Zelt ja auf dem Motorrad mitnehmen
  5. Man sollte das Zelt auch mal alleine aufbauen können
  6. komplett außenliegendes Gestänge zwecks Aufbau im Regen

Lange haben wir gesucht und verglichen. Zwangsläufig landet man bei diesen Anforderungen erstmal bei reinen Tunnelzelten. Wenn man nun in der Apside noch stehen können möchte dann wird sowohl Packmaß als auch Gewicht schnell zu hoch. Ein Tunnelzelt mit 1,20 Höhe sagt uns aber auch nicht so richtig zu. Der Wunsch mit den Helinox Chair One in der Apside sitzen zu können steht dem entgegen. Irgendwann stolperte ich dann auf der Homepage von Vaude über das Chapel L 3P. In der Folgezeit galt es mehr Informationen zu diesem Zelt zu sammeln. Viel war da leider nicht zu finden. Also galt es das Zelt im Fachhandel zu erwerben und selbst zu testen.

Es zeichnet sich durch seine besondere Konstruktion aus, welche es deutlich von anderen Zelten am Markt abgrenzt. Geführt wird es als Tunnelzelt, diese Zeltkategoriebasiert normalerweise auf Gestängebögen, welche abgespannt werden müssen. Beim Vaude Chapel L 3P ist die Gestänge Konstruktion des Vorzeltes selbststehend. In der Apside wird dadurch eine Stehhöhe von 1,70 m erreicht, während der Liegebreich maximal eine Höhe von 1,20m bietet. Die Hybridkonstruktion mit einem Schlafbereich und dem geräumigen Vorbau mit Stehhöhe ist ideal um auch mal einen Regentag aussitzen zu können. Dabei hat das Zelt ein Packmaß von 55 x 30 cm bei 3,9kg Gewicht. Das erinnert eher an ein günstiges Igluzelt.

Aufbau

Wer schon einmal ein Tunnelzelt aufgebaut hat wird mit dem Chapel sofort zurechtkommen. Die Gestängebögen für den Schlafbereich werden durch Kanäle geschoben, am Gestänge für die Apside wird das Zelt mit Clips befestigt. Selbst Anja mit ihrer Körpergröße 1,68 m kommt noch gut an die oberen Clips, wenn der mittlere als erster eingehängt wird. Das Abspannen des Zeltes mit Hilfe der Schnüre ist nur bei absehbar schlechtem Wetter nötig. Für die Befestigung am Boden werden zehn Heringe benötigt.

Innenzelt/Schlafraum

Mit einem Maß einer Liegefläche von 1,65 m x 2,20 m ist das Zelt komfortabel für zwei Personen plus Bekleidung/Taschen geeignet. Die Innenhöhe beträgt im Kopfbereich 1,20 m und im Fußbereich immerhin noch 0,95 m. Selbst große Personen stoßen so nicht an die Grenzen dieses Zeltes. Das Innenzelt kann beim Auf- bzw. Abbau eingehangen bleiben, dies erleichtert und beschleunigt dies enorm. Die Aufhängungen sind robust und auf breiter Fläche vernäht. Im Bedarfsfall trennt man das Innenzelt vom Außenzelt in weniger als 2 Minuten.

Apside

Der Vorraum zeichnet sich durch seine Größe aus. 2 m x 2 m misst die Fläche welche abgedeckt wird. Die abgeschrägten Ecken sind hierbei vernachlässigt. Der Platz reicht auf jeden Fall aus um sich zu zweit mit Helinox Chair One und einem Tisch gemütlich zum Essen zu setzen. Besonders angenehm ist dabei die Höhe von 1,70 m. So muss man sich beim vorwärmen des Benzinkochers nicht gleich Gedanken um die Flammenhöhe machen, oder man kann sich gemütlich im Stehen an- oder ausziehen.

Zubehör

Die Anzahl der mitgelieferten Y-Heringe genügt nicht ganz um das Zelt vollständig abzuspannen. Man sollte sich noch 4 weitere Heringe zulegen.
Der optional angebotene passgenaue Footprint ist für uns ein Muss. Hierdurch erhält man nicht nur einen angenehmen Boden im Vorraum und einen zusätzlichen Schutz für den Boden des Innenzeltes. Man reduziert auch die Menge der aus einer Wiese aufsteigenden Kondensfeuchte die sich morgens am Außenzelt anlegt.

Bergzeit.de

Fazit und weitere Details

Das Zelt hat ein super Packmaß und ist dafür ein wahres Raumwunder. Im regnerischen Norwegen ließ es uns nicht im Stich und lieferte einen bequemen Aufenthaltsraum. Selbst bei Regen kann man die beiden Fenster in der Apsis öffnen und dem Treiben draußen zusehen. Die Insektengitter werden von Außen durch kleine Dächer vor dem Regen geschützt. Vaude begeistert mit kleinen sehr praktischen Detaillösungen. So gibt es im Innenzelt und auch in der Apside je eine Wäscheleine auf der man seine Sachen zum trocknen/lüften aufhängen kann. Die Reißverschlüsse des Einganges können durch Kunststoffclips verriegelt und damit entlastet werden. Auch die Organizertaschen im Innenzelt (3 Stück) sind an den richtigen Stellen. Die Packtasche erfordert kein Stopfen und wird mit einem Rollverschluss geschlossen. Die Spanner an den Leinen dienen gleichzeitig als Aufwickler für diese beim Transport.
Wir sind nach drei Wochen Tour mit diesem Zelt rundum zufrieden und können es guten Gewissens weiterempfehlen.

Herstellerlink zum Vaude Chapel L 3P

Skandinavientour 2016 – Tag 20 – 22 – 1180 km – Bürglein

Wir wachen heute in Dänemark auf. Hier waren wir 2012 bereits für zwei Wochen mit dem Auto. Haben damals das Land von oben bis unten und von links nach rechts durchgemacht. Die Erinnerung an die langweiligen Straßen war wohl etwas verblasst als wir auf die Idee kamen durch Dänemark nach Hause zu fahren. Eine Fähre von Oslo nach Deutschland wäre wohl doch eine sehr gute Alternative gewesen. Das Interessanteste auf der Strecke war noch eine Fährüberfahrt. Ansonsten geht es mit sturen 80 km/h äußerst zäh durch dieses Land. Irgendwann hatten wir es dann geschafft. Die ersten km in Deutschland zaubern ein Lächeln auf unsere Lippen. Endlich wieder 100 km/h auf Landstrassen. An unserem zwanzigsten Reisetag rollen wir noch bis Friedrichstadt. Nach 346 km werden wir auf der Suche nach einem Campingplatz auf dem Eider & Treenecamp Nordfriesland fündig. Wir stellen das Zelt auf und kochen uns Nudeln.

Einmal mehr wird uns bewusst, wie gut ausgerüstet wir sind. Bequem sitzen wir in unseren Helinox Chair One an unserem Tisch aus Koffern vor dem Primus Benzinkocher mit unserem Trangiageschirr. Das Wasser kommt aus dem Ortlieb Wasserbeutel, das dreckige Geschirr kommt in die Ortlieb Faltschüssel. Bei Regen können wir im Vorzelt des Vaude Chaple L3p sitzen. Unsere Exped Matten sind saubequem und jeder hat zwei Kopfkissen dabei. Uns gegenüber das genaue Gegenteil. Ein älteres dänisches Pärchen, beide schon mit grauen Haaren. Sitzen am Boden, kochen auf einem Spirituskocher, essen direkt aus dem Topf und schlafen in einem uralten einfachen Igluzelt. Aber sie albern rum wie zwei 18-jährige. Liegen gemeinsam auf dem Bauch vor dem Zelt und lösen Kreuzworträtsel. Zwei Junge Kerle teilen sich neben uns ein – unserer Meinung nach – 1-Mann Zelt, essen die Ravioli kalt aus der Dose und ihre Isomatten sind gefühlt so voluminös wie unsere komplette Campingausrüstung. Da hat sich über die Jahre so einiges an Ausrüstung bei uns angesammelt. Und wir wollen auch nicht wirklich auf diesen Luxus beim Campen verzichten.

Die Nacht war trocken, aber unruhig. Der Platz liegt direkt an einer Hauptstrasse und Tankstelle, was für einen gewissen Lärmpegel sorgt. Wir müssen leider auch sagen, dass wir bereits deutlich ansprechendere Plätze gesehen haben. Die sanitären Einrichtungen sind schmutzig und werden auch während unserem Aufenthalt nicht einmal gereinigt. Der Platzwart ist bemüht und äußerst freundlich. Die Besitzerin unfreundlich und nicht wirklich kundenorientiert. Wir dürfen für 2 Zelte und 2 Autos bezahlen da wir ja zwei Motorräder dabei haben. Das soll mir mal einer erklären. Naja Schwamm drüber. Der nächste Platz wäre 50 km entfernt gewesen. Wir starten gemütlich um 10 Uhr in Tag 21. Das heutige Ziel heißt Königslutter am Elm. Die größten Hürden des Tages sind die Elbe und Hamburg. Der Tag beginnt mit Temperaturen um die 30 Grad. Wir schwitzen uns einen ab, während wir auf kleinsten Landstraßen in Richtung Hamburg fahren. Wiedermal setzen wir mit einer Fähre über. Und wir hatten gedacht, dass wir die letzte Schifffahrt für diese Reise längst hinter uns hatten. Wir kommen aufgrund der kleinen und kleinsten Strassen nur sehr langsam vorwärts und beschließen daher Hamburg per Autobahn zu umfahren.

Diese Idee ist auch mal wieder ein Zeichen dafür, dass wir unser Gedächtnis im Urlaub mit lauter frischen Erinnerungen gefüllt haben. Hätten wir ein wenig nachgedacht, wäre uns die Baustelle vor Hamburg auf der A7 in Erinnerung gekommen und wir hätten das bleiben lassen. Wir entkommen dem Stau über einen Rastplatz und fahren doch wieder die geplante Route. Leider habe ich nicht weit genug um Hamburg herum geplant. Es zieht sich wie Kaugummi. Bei Start hatte uns das Navi noch eine Ankunftszeit um kurz nach 15 Uhr prognostiziert. Als wir Hamburg endlich hinter uns lassen sieht es nach einer Ankunft gegen 19 Uhr aus. Kurz vor 17 Uhr gönnen wir uns eine Bockwurst und lassen das Navi die schnellste Route planen. Lüneburg umfahren wir und dann geht es zügig die B4 Richtung Königslutter. Der bisher warme sonnige Tag ändert seine Meinung und weicht uns so richtig ein. Die Landschaft gerät mal wieder in den Hintergrund. Um kurz vor 19 Uhr sind wir dann endlich in Königslutter. Noch schnell Abendessen einkaufen und dann geht es zur Unterkunft, der Alten Mühle. Wir waren hier schon für eine Nacht als wir 2013 die Ostroute der Motorradstrasse Deutschland gefahren sind. Frau Schön bietet uns einen Kellerraum an um die tropfenden Klamotten aufzuhängen, dann können wir aufs Zimmer. Zu Essen gibt es nur ein wenig vesper. Wir wollen den Kocher hier im Zimmer nicht anschüren. Den Tag lassen wir mit ein wenig TV Programm ausklingen.

Der Duft des Frühstücks weckt uns und wir genießen das mit viel Liebe zubereitete Essen. Einfach mal nichts selber machen müssen ist auch schön. Wir haben ja schließlich Urlaub. Die Sachen sind heute schnell gepackt und so sitzen wir schon bald auf den Motorrädern. Nun gilt es für uns nur noch zügig heimzukommen. Gefühlt ist der Trip bereits zuende. Zu gewohnt ist die Umgebung. Wir setzen uns auf die Autobahn und hoffen trocken bis nach Hause zu kommen. Ganz bleibt uns dieser Wunsch nicht gegönnt. Eine gute Stunde in strömendem Regen müssen wir noch durchstehen bevor es dann in Gollhofen von der BAB runtergeht und wir die letzten km wieder durch uns gut bekannte Kurven cruisen. Zuhause heisst es dann: Alles abpacken, Sachen trocknen, Eindrücke sacken lassen, Viel Erzählen und Pizza essen!

Hier noch die restlichen drei Tage auf der Karte und zum Download als gpx-Datei.

Download file: 20160723_Norwegen_Tag20-22.gpx

Noch ein paar Daten zur Tour:

Gesamtstrecke: 8532km (inkl. Fähren)
Fahrtage: 21
Pausentage: 1
Anzahl Fährverbindungen: 16
Gefahrene Reifen: Dl1000 – Mitas E07 / DL650 – Michelin Pilot Road 4 beide haben noch locker Reserve
Liter Benzin: DL1000 – 507 Liter / DL650 – 348 Liter
Ölverbrauch: DL 1000 – ca. 1 Liter / DL 650 – 0,0 Liter

 

 

Skandinavientour 2016 – Tag 19 – 274 km – Dänemark

Aufwachen und freuen. Alles trocken heute. Das Zelt steht in der Sonne es strahlt der blaue Himmel. Moment mal warum ist das Zelt nass? Und wo ist die Sonne? Das Zelt neben uns steht doch auch in der Sonne. Wir waren so intelligent und haben das Zelt in den Schatten gestellt. Naja die Sonne kommt schon noch rum. Und tatsächlich um kurz vor 10 Uhr ist es endlich soweit. Die Sonne scheint aufs Zelt. Einerseits ist das gut, weil wir so nicht in dem von der Sonne aufgeheizten Zelt aufgewacht sind. Andererseits ist halt noch alles nass. Uns bleibt dann auch nichts anderes übrig, als das Zelt noch feucht zusammenzupacken. Auf Umbauen hatten wir keine Lust.

Download file: 20160720_Norwegen_Tag19.gpx

Um kurz nach 11 Uhr starten wir also von unserem letzten Zeltplatz in Norwegen zur Fähre nach Kristiansand. Die restlichen 30 km sind völlig unspektakulär. Der Checkin für die Fjordline Fähre geht flott und ohne Wartezeiten. Wir werden direkt nach vorne durchgewunken. Die Fjordcat – unsere Fähre – ist ein Katamaran und legt gerade an. Schnell entlehren sich Massen an Fahrzeugen in den Hafen. Wir hätten nicht gedacht dass so viele Fahrzeuge und Menschen auf dieses „kleine“ Boot gehen. Wir fahren die Rampe hoch und blicken ins innere der Fähre. Jetzt wird mir so einiges klar. Der Laderaum ist aufgebaut wie ein Parkhaus mit engen Auf- und Abfahrten. Hier wird auch vom Personal akribisch geschlichtet, nicht wie auf der Stenaline Kiel – Göteborg. Die Motorräder stehen Koffer an Koffer. Mehr Platz geben die Stellplätze nicht her. Um sie abzuspannen müssen wir die Koffer abhängen und nach dem Verzurren wieder anbauen. Wir schnappen uns zwei Basic Sitze, strecken die Beine aus und üben uns 2 Std und 15 Minuten in Geduld.

Unvorteilhaft ist, dass auf der Fjordline Fähre nur DKK oder Karten als Zahlungsmittel aktzeptiert werden. Wir hätten noch NOK die wir sinnlos verfressen hätten, aber so sparen wir uns das Geld. Auf der Stenaline Fähre hätte man in Euro und Schwedischen Kronen bezahlen können. Viel flexibler. Es geht mehr Leuten so wie uns. Die restlichen NOK wären sinnlos verbraten worden. So kauft man nichts. Nach einer Stunde werden die Kinder auf der Fähre unruhig, was zu einem deutlich gestiegenen Lärmpegel führt. An dösen ist nicht mehr zu denken. Eine Mutter mit Kind die uns gegenüber sitzt hat die Situation vorbildlich im Griff und ist vorbereitet. Ihr Kleiner sitzt gefesselt neben ihr und lauscht den Geschichten die sie ihm vorliest. Nach dem Anlegen geht alles ganz schnell. Die Spanngurte sind schon gelöst. Die Autos stehen kreuz und quer, wir haben das Gefühl, dass es Stunden dauern wird bis dieses Gewirr gelöst ist, dem ist aber nicht so. Nach wenigen Minuten können wir schon die Fähre verlassen. Willkommen Dänemark.

Hier hatten wir vor einigen Jahren schon einmal Urlaub gemacht und der Funke zwischen uns und diesem Land war nicht wirklich übergesprungen. Heute wollen wir noch ca. 100 km gut machen bevor wir uns einen Platz für die Nacht suchen. Stur gerade aus mit 80 km/h. Das ist extrem nervig. Das Land ist flach wie eine Flunder. Wir tanken nochmal voll, kaufen Wasser und schon sind wir auf dem angepeilten Platz. Schnell ne ruhige Stelle fürs Zelt gesucht, den Kocher angeschürt und wir schaffen es tatsächlich mal vor 22 Uhr in die Schlafsäcke.

Morgen steht uns eine der langweiligsten Etappen bevor. Schnurgerade durch Dänemark runter.

Skandinavientour 2016 – Tag 18 – 362 km – Irgendwo im Nirgendwo kurz vor Kristiansand

Heute ist es zum ersten Mal passiert. Und nicht nur zum ersten Mal auf diesem Trip, nein auch zum ersten Mal überhaupt soweit ich mich erinnere. Wir mussten ein komplett nasses Zelt einpacken. Unser Plan mit dem Vaude Chapel L3P ging voll auf. Im Vorzelt kann man bequem zu zweit mit den Helinox Chair One (Affiliate Link) Stühlen sitzen. Die Koffer nutzen wir hierbei als Tisch. Die Rühreier brutzeln in der Pfanne während der Tee gerade durchzieht. Es ist ungemütlich kühl, aber der Kocher strahlt bereits nach kurzer Zeit eine angenehme Wärme aus. Die Leute neben uns in Zelten mit ca. 1 m bis 1,20 m Höhe fluchen. Vor allem gibt es auf diesem Campingplatz nur eine kleine Kochgelegenheit, aber keinen Aufenthaltsraum. Die meisten trinken nur schnell was, packen zusammen und verschwinden. Wir genießen unser Frühstück. Der Anruf bei Fjordline klappt auch endlich und die Plätze auf der Fähre für Morgen sind gebucht. Die Online Buchung hatte da gestern Abend zicken gemacht. Dann packen wir im Vorraum alles zusammen und hängen die Koffer nur noch ans Mopped. Lediglich das Zelt müssen wir dann im nassen zusammenlegen und just in diesem Moment hat auch der Himmel ein einsehen und der Regen lässt nach.

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Wir starten in Richtung Odda. Auf der anderen Seite des Fjordes als geplant, da ja die angedachte Fährverbindung nicht existiert. Der Regen ist uns inzwischen irgendwie egal. Wir fahren heute die E134 welche in unserem Reiseführer als Haukelistraße bezeichnet wird und als „besonders“ gilt. Warum konnten wir nicht so richtig erkennen. Es ist zwar landschaftlich schön und es kommen immer wieder große Wasserfälle in Sicht, aber so besonders ist das hier in Norwegen nun ja auch nicht. Auf über 1000 Höhenmeter kommen wir heute und fahren auch wieder zwischen Schneefeldern dahin.

Hier ist es echt kalt und ausgerechnet hier meint Petrus auch mal wieder, dass wir es nötig haben. Man könnte glatt meinen, Norwegen will sich von uns reinwaschen. An einer Baustelle kommen wir mit dem „Verkehrsregler“ ins Gespräch. Ich finde dieses Prinzip sowieso witzig. Statt zwei Ampeln wie in Deutschland stehen oft zwei Personen mit Funkgeräten vor und hinter einer Baustelle. Sie halten den Verkehr auf und können auch Auskunft geben wie lange es dauert. Dann kommt ein Fahrzeug welches die wartende Kolonne durch die Baustelle führt, wieder wendet und das selbe Spiel von vorne. Drei Personen mit nem Ganztagsjob. Alle drei spechen perfekt Englisch und sind top gepflegt. Wie klappt das in Norwegen? In Deutschland wäre das ein Hilfsarbeiterjob mit einem Bildungsniveau das weder Deutsch noch Englisch voraussetzt. Aber wir stellen ja eh Ampeln hin.

Wir biegen ab auf die Straße mit der Nummer 9. Wie uns der Bauarbeiter versprochen hat wird das Wetter umso besser, je weiter wir gen Süden kommen. Gegen 17 Uhr und ca. 70 km vor Kirstiansand gehen wir einkaufen und beginnen nach einem Campingplatz zu suchen. Wir wollen eine gute Startposition für die Fähre morgen um 13:30 Uhr ab Kristiansand haben. Das Wetter schreit nach Zelten und so suchen wir uns einen abgelegenen mini Campingplatz. Die sanitären Einrichtungen sind alt aber top gepflegt. Die Übernachtung kostet 100 NOK. Warmwasser kostet nichts extra. Der Platz ist absolut ruhig gelegen und aufgrund dessen, dass er so abseits liegt auch recht wenig frequentiert. Ein Traum!

Wir haben uns heute zum Abschluss des Norwegenkapitels zwei Rinderfilets gegönnt welche wir uns auf dem Einweggrill schön medium zubereiten. Ein wenig Salz und Pfeffer und ein Stück Brot und glücklich grinsen wir beide bei blauem Himmel, Sonnenschein, 20° C und einem traumhaften Ausblick auf einen kleinen See vor uns hin. So kann man es aushalten.

Morgen wird ein ruhiger Tag. Um 11 Uhr wollen wir los nach Kristiansand zur Fähre. Das lässt uns aufjedenfall genug Zeit, ganz in Ruhe zu Frühstücken.

Skandinavientour 2016 – Tag 17 – 326km – Utne

Anja war heute irgendwie so wach und wuselig während ich noch voll faul am rumwanzen war. Schnell packen, schnell noch duschen, schnell frühstücken, schnell los – und alles nur um unseren Rhythmus wieder gerade zu biegen. Das klappt eh net! Das Resultat war, dass wir um kurz nach 10 auf trockenen Straßen unterwegs waren. Eigentlich alles super. Für heute sind gut 300 km angedacht und wir wollen eine kleine Runde in Bergen drehen. Mit diesem Plan sollten wir spätestens um 17 Uhr nach einem Platz für die Nacht suchen können. Sollten…

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Wir sind noch nicht lange unterwegs, da fällt mir ein Haufen Reisebusse am Straßenrand ins Auge. Wo Busse sind, gibt es was zu sehen. Und was das war. Ein schöner großer Wasserfall, direkt neben der Straße mit Parkplatz. Und dieser hier sah mir sofort nach Langzeitbelichtung mit Graufilter aus. Bisherige Fälle erschienen mir immer zu gewaltig, zu roh für diese Verweichlichung durch das glatt ziehen der Wasserspritzer. Also Stativ raus, ND-Filter und Kamera gepackt und losmarschiert. Nachdem ich aufgebaut hatte, wurde es auf einmal ruhig. Alle Busse waren weg. Perfektes timing. Na gut dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 17:30.

Die Straßen sind immer noch trocken wir genießen das Fahren, der Klapphelm bleibt heute offen! In Voss biegen wir rechts ab auf die E16 und lassen fliegen. Es läuft. Immer schön der lila Linie auf dem Navi nach…Moment wo ist die lila Linie? Hmpf, vor lauter Gute Laune fliegen lassen hab ich ne Abzweigung verpasst und das schon vor einiger Zeit. Kurz anhalten und sortieren. Wir entscheiden zurück zu fahren. Na gut dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 18 Uhr.

Wir biegen von der E16 ab auf eine kleine Nebenstraße und landen im Paradies. Niemand außer uns fährt hier. 50 km lang begegnen uns vielleicht 2 Autos und zwei Radfahrer, das wars. Ein Wasserfall reiht sich an den nächsten. Natur, völlig unberührt ist um uns. Wir nehmen uns einmal die Zeit anzuhalten und in Ruhe zu fotografieren. Ansonsten genießen wir das Fahren. Unebene rissige Straßen, sanfte Kurven bis hin zu Spitzkehren, bergauf und bergab geht es dahin. Dieses Revier ist wie gemacht für uns und unsere V-Stroms. Ich möchte behaupten, das war das schönste Stück Norwegen, welches wir erlebt haben. Und das beste, fast völlig im Trockenen. Gut wir sind langsamer vorangekommen als geplant, aber was solls wir sind ja auch im Urlaub und dann suchen wir den Campingplatz halt erst um 18:30.

Nun aber flott ab nach Bergen. Die E39 bringt uns zügig zu dieser Touri-Metropole. Unmengen an Menschen schieben sich durch diese Stadt. Das ist eigentlich nicht unsere Welt. Mehrere große Kreuzfahrtschiffe liegen vor Anker. Unter anderem eine Aida und eine von den Hurtigruten. Wir parken nicht ganz legal direkt am Fischmarkt. Uns war bewusst, dass hier zu essen kein Schnäppchen wird. Aber die Preise waren dann doch der Hammer. Wir gönnten uns eine halbe Semmel mit Räucherlachs und einen Fischburger mit gegrilltem Gemüse und Dorsch. Geschmacklich der Hammer. Preislich aber mit 220 NOK auch. Gut dass selbst am kleinsten Straßenstand eine Kreditkartenzahlung möglich ist. Plastikgeld senkt die Hemmschwelle. Wir sitzen beim Essen so gut, dass wir den Campingplatz dann wohl doch erst um 19 Uhr suchen werden.

Schnell wieder raus ist das Motto nachdem wir noch eine kleine Fotorunde durch den Markt und den Hafen gedreht haben. Im Randgebiet von Bergen tanken wir noch schnell und dann geht es ab in Richtung Hardangerfjord. Je näher wir dem Fjord kommen desto besser wird das Wetter. Es wird doch nicht? Tatsächlich als wir ihn erreicht haben strahlt uns die Sonne vom blauen Himmel aus an, als ob sie nie weg gewesen wäre. Zuletzt hatten wir sie zu Mitternacht auf den Lofoten gesehen… Wir legen noch den einen oder anderen Fotostopp ein, bevor wir zur Fähre nach Ullensvang rollen. Moment die ist hier gar nicht angeschrieben. Es steht nur die Fähre nach Utne auf den Schildern. Wir fragen den Kassier der am Anleger die Autoschlange durchmacht. Wenn wir nach Ullensvang wollen müssen wir erst nach Utne fahren, dort die Fähre wechseln und dann geht es ans eigentliche Ziel. Aber er würde gleich von Utne aus nach Odda fahren, die Straße ist schöner als die von Ullensvang aus. Alles klar, dann brauchen wir ein Ticket für die Fähre nach Utne.

Inzwischen ist es 19 Uhr und wir sollten dann langsam mal nach einem Campingplatz suchen. Das tun wir während der Fährüberfahrt und finden einen Platz nur 6 km neben Utne. Auch wenn wir diese morgen wieder zurückfahren müssen ist die Verlockung groß, da er heute noch etwas länger Sonne abkriegen sollte als die Plätze welche in Richtung Odda liegen. Wir nehme den kleinen Umweg in Kauf und haben ihn auch nicht bereut. Ein absolut ruhig und idyllisch gelegener kleiner Platz direkt am Fjord lädt uns ein unser Zelt aufzuschlagen. Wir genießen das Abendessen unter blauem Himmel mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages bevor diese hinter den Bergen verschwindet. Das eine oder andere Foto wird noch geschossen und unser Tag/Nachtrhythmus wird wohl nochmal mindestens einen Tag warten müssen bis wir ihn wieder gerade rücken.

Eigentlich wollten wir heute noch die Fähre von Kristiansand nach Hirtshals buchen. Das geht aber aufgrund technischer Probleme nicht. Ich werde wohl morgen um 9 Uhr direkt mal anrufen statt über die Homepage zu gehen. Tagesziel für morgen ist es bis ca. 50 km vor Kristiansand zu kommen um eine gute Ausgangsposition für die Fähre am Mittwoch zu haben.