Über Tobias Seidel

Tobias Seidel wurde 1981 geboren und hat sein Hobby IT zum Beruf gemacht. In seiner Freizeit beschäftigt er sich viel mit den Themen Reisen, Triathlon, Motorräder, Fotografie und Tanzen (Standard).

Projekt Flachköpper: Mal schnell nen Tag ans Meer – Tag 1 – 426km

Da Ostern für uns krankheitsbedingt nicht ganz so ideal verlaufen war planten wir eine weitere Testtour für unsere runderneuerte Campingausrüstung. Pfingsten bot sich dank dem verlängerten Wochenende dafür an. Erste Ideen waren schnell erdacht und so wollten wir zu dritt für 5 Tage nach Österreich an den Thiersee fahren. Ein entscheidender Satz sollte diese Planung nochmals ein wenig ändern: “Ich hab noch nie das Meer gesehen.” Das kann man doch nicht so stehen lassen dachte ich mir und so kam mir spontan der 4. Werner Film – “Gekotzt wird später!”  in den Sinn und das Projekt „Flachköpper“ war geboren. Fünf Tage Zeit, zwei Motorräder, zwei Zelte und damit zu dritt mal schnell  für nen Tag ans Meer. Wo fährt man an Pfingsten hin wenn man auch im Meer baden will und nur begrenzt Zeit hat? Richtig: Kroatien!
Die Routenplanung konnte beginnen und es wurde der Campingplatz Finida Umag als Ziel am Meer auserkoren. Das ganze natürlich noch als Überraschung unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.

Am Freitag vor Pfingsten versammelten wir dann alle Ausrüstungsgegenstände und uns selbst zum gemeinsamen Packen. Die Anspannung der letzten Wochen zeigte sich beim Taschen- und Koffertetris deutlich und führte dazu dass wir das Packen auf Samstag morgen vor der Abfahrt vertagten. Der Wecker holte uns viel zu früh aus dem dringend benötigten Schlaf, aber das Wetter stimmte uns versöhnlich. Die Vorhersagen schwankten in den Tagen vor der Abfahrt doch sehr bedenklich und so waren wir hocherfreut dass es trocken war und die Sonne uns begrüßte. Nach einem kräftigen Frühstück verstaute sich das Gepäck fast schon von alleine und wir konnten endlich aufbrechen um nach Österreich zu fahren (noch war das Endziel ja geheim).

Der erste Tag war, so wie die meisten ersten Tage einer Tour, von Bekanntem geprägt. Erstmal grob in Richtung Landshut und Strecke machen. Anvisiert hatten wir heute die Tauernschleuse zu schaffen. Ab Berching folgten wir wie schon häufiger auf dem Weg gen Süden der B299. Mit dem Motorrad eine angenehm zu fahrende Strecke um zügig voranzukommen ohne Autobahn zu fahren. Den Chiemsee ließen wir rechts liegen und überquerten die erste Landesgrenze bei Schneizlreuth. In Österreich folgten wir der Saalach bis Saalfelden. Das Wetter überrascht uns bisher mit angenehmen Temperaturen und wir kommen dem ersten Tagesziel flott näher. Wir wollen etwas neues versuchen. Bisher haben wir noch nie die Tauernschleuse genutzt um die Berge zu überwinden. Die Fahrzeuge werden auf einen Zug verladen und durch den 8.371m langen Tauerntunnel befördert. Dies hat mehrere Vorteile. Zum einen kommt man ohne Nutzung der Autobahn über die Berge, zum anderen meist ohne Stau (dieses Problem hätten wir an Pfingsten ohnehin nicht) ein weiterer Vorteil ist nicht höher als 1200 m.ü.A. fahren zu müssen und somit die noch winterlichen Witterungen zu meiden. An der Tauernschleuse angekommen waren wir überrascht wie wenig Fahrzeuge wir vorfanden obwohl der Zug in weniger als 15 Minuten fahren sollte. Die Verladung verlief unspektakulär – drauffahren – 1.Gang – Seitenständer – das Personal verzurrt die Bikes – wir setzen uns in den Personenwaggon.

12 Minuten nach Abfahrt kommen wir in Mallnitz an, wo die Entladung genauso easy erfolgt wie die Verladung. Nur noch wenige km trennen uns nach heute gut 400 gefahrenen Kilometern vom Aktiv-Sport-Erlebnis-Camp in Obervellach. Ein Naturcampingplatz mit relativ neuen Sanitäranlagen der idyllisch im Mölltal direkt am Flussufer gelegen ist. Hier schlagen wir zum ersten mal unsere Zelte auf, packen den Kocher aus und genießen ein Gösser Kracherl (alkoholfreies Naturradler). Der erste Tage klingt bei Nudeln aus und es wird Zeit das Geheimnis zu lüften. Auf die Frage warum wir hier nur eine Nacht bleiben folgt kurzes Staunen und dann unbändige Freude. Nach dem anstrengenden Tag liegen wir relativ bald in unseren Schlafsäcken und freuen uns schon auf die noch anstehenden Länder auf unserer kurzen Tour.

Track zum ersten Tag:

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gröberer Reifen – Mitas E07

Der ambitionierte Motorradfahrer ist wohl immer auf der Suche nach dem perfekten Reifen. Zum einen soll er Grip bieten, zum anderen soll er wenig Verschleiß zeigen, auf Asphalt genauso funktionieren wie auch auf Schotter. Diese eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Man muss immer einen Kompromiss eingehen. Trotzdem arbeiten die Hersteller genau daran den perfekten Reisereifen zu entwickeln. Continental z.B. hat letzte Saison erst den TKC70 auf den Markt gebracht. Ich bin gespannt wie die ersten Laufzeitberichte dazu sind.
Nach meinen bisherigen reinen Straßenreifen wollte ich nun einen etwas gröberen Vertreter der schwarzen Gattung testen. Die erste Hürde bei dem gewählten Reifen ist der Bezugsweg. Sämtliche lokal ansässigen Händler können den Reifen nicht liefern. Nach einem Tipp wurde ich dann bei Reifendirekt.de fündig. Der Mitas E07 ist in den passenden Dimensionen vorrätig. Nach nun inzwischen 15000km mit diesen Reifen ist es Zeit ein Fazit zu ziehen.

Es ist erstaunlich wie ruhig ein so grober Reifen eigentlich läuft. Man kann ihn mit Sicherheit nicht mit einem Michelin Pilot Road vergleichen welcher ganz klar seine Stärken auf der Straße hat. Ich fühle mich aber auch nicht unsicherer auf Asphalt als mit eben diesem. Sowohl hohe Temperaturen als auch Regen brachten den Mitas bisher nicht aus der Ruhe. Der Vorderreifen zeigte nach 9500km deutlich abgeschrägte  und abgenutzte Profilblöcke und wurde daher ausgetauscht. Der Hinterreifen wurde nach 11100km getauscht da er unseren Balkantrip nicht mehr überstanden hätte. Für gute 1000km wäre er wohl noch gut gewesen. Seine große Stärke spielt der Mitas auf Schotter aus. Hier gräbt er sich griffig in den Untergrund und vermittelt einem die nötige Sicherheit.

Aktuell zur Saison 2016 bringt Michelin nun einen neuen Reifen in diesem Segment auf den Markt welcher noch ein wenig gröber ist und am Hinterreifen keinen durchgehenden Steg bietet. Der Michelin Anakee Wild wird in den nächsten Tagen den Weg auf meine V-Strom finden um ausgiebig getestet zu werden bevor es heuer im Juli für ca. 9000km nach Norwegen geht.

Mal wieder Glück gehabt – Gewinnspiel auf Foxitastic.de

Lange ist es her, dass ich mal wieder was gewonnen habe. Aber gestern war es soweit. Auf Daniela’s Blog Foxitastic.de lernte ich nicht nur, dass der Schokoladenproduzent Riegelein in Cadolzburg auch ein Cafe und einen Outlet hat, sondern wurde bei Ihrem Gewinnspiel auch als Gewinner gezogen. Heute war es dann soweit und ich konnte ein bunt gemischtes Schokoladenpaket in Empfang nehmen.

Besonders toll finde ich, dass Daniela spontan noch auf unser Zweiradinteresse eingegangen ist und einen rollerfahrenden Osterhasen mit ins Sortiment genommen hat. Ein erster Geschmackstest ergab aufjedenfall Begeisterung bei Anja und mir!

Danke nochmal an Daniela von Foxitastic.de für die Gaumenfreuden.

 

Kurztrip: Pizzaessen am Reschenpass – 1120km

2015 war das Jahr mit unseren meisten Touren bisher. Genau aus diesem Grund hinke ich mit den Berichten ein wenig hinterher. 3 Wochenenden nacheinander unterwegs und dann eine drei Wochen Tour. Das genießen war mir dann doch wichtiger als das Bloggen *g* Überhaupt eine interessante Perspektive die Rolf Henniges in seinem Buch Endstation Abfahrt aufgreift. Ist das Posten tatsächlich wichtiger als das Erleben? Für mich ist das Posten eigentlich eine Art zu reflektieren und Erinnerungen zu bewahren. So eine Art Tagebuch an dem ich euch teilhaben lasse.
Pizzaessen – das kann man einfach beim Italiener um die Ecke, oder man kann es auf einer Tour mit Freunden weit weg tun. Der Begriff „Pizzaessen“ stand für einen Freund immer für eine Tour zur Pizzeria Hans am Reschenpass. Leider fanden wir nie die Zeit diese Tour mit ihm zu fahren. Dieses Jahr traten wir sie in einer bunt zusammengewürfelten Gruppe aus seinen Freunden an. Nur einer fehlte. Er selbst. Wir hatten zu lange gewartet bis wir die Zeit fanden diese Tour zu fahren, er konnte uns leider nicht mehr begleiten.

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Wir starteten am Freitag den 4.9.2015 um 13 Uhr in Richtung Reschenpass. Als Treffpunkt hatten wir die Aral Tankstelle in Merkendorf auserkoren. Hier trafen wir uns zu fünft, um über Donauwörth, Augsburg, Landsberg am Lech und Füssen zügig Deutschland hinter uns zu lassen. 3 Mann waren bereits unterwegs, mit Ihnen wollten wir uns dann am Reschenpass treffen. Das Wetter war uns hold. Wir hatten zwar keinen Sonnenschein, aber es blieb trocken. Seit langem führte ich mal eine Ausfahrt nicht an, sondern reihte mich brav hinter unserer perfekten Reiseleiterin Sandra ein. Der späte Start erforderte zügiges Vorankommen, trotzdem wollten wir nicht stur die schnellste Route fahren. Sie hatte dies perfekt berücksichtigt. In Österreich folgten wir erstmal dem Lechtal, um dieses dann übers Hahntennjoch in Richtung Imst zu verlassen.

Von Imst nach Landeck fuhren wir parallel zur Autobahn, um uns dann von der B180 über Prutz und Nauders bis zum Reschensee bringen zu lassen. Das Hallo im Hotel Garni Wallnöfer war dann groß, als wir zum einen auf die drei Vorangefahrenen trafen und zum anderen auf Wirtin Elisabeth. Jeder von unserer Gruppe war bereits mindestens einmal hier eingekehrt und daher bereits bekannt. Da es inzwischen 20 Uhr war, zogen wir uns nur noch schnell um und starteten auch gleich mit dem hoteleigenen Bus zur Pizzeria Hans am Reschen. Nach einem ausgelassenen Abendessen sammelten wir noch Ideen, was wir am Samstag so tun wollten.

Samstag morgen beim Frühstück kam dann die wettertechnische Ernüchterung. Es regnete und alle waren irgendwie träge. Nach einigem Hin und Her starteten dann Stelli, Michl, Bernd und ich um die Kaunertalergletscherstrasse zu fahren. Der Rest der Truppe blieb erstmal im Hotel um zu chillen. Stelli übernahm die Führung und so tauchten wir über Prutz ins Kaunertal ein. Hier empfing uns Nebel und immer wieder Kühe auf der Fahrbahn, da scheinbar gerade Almabtrieb war. Eine echt praktische Kombi – schlechte Sicht, extrem verschmutzte Fahrbahn, kombiniert mit einer hohen Anzahl an mobilen Hindernissen. Egal der Gletscher rief. Die letzten 300 Höhenmeter der insgesamt an diesem Tag erreichten 2750 Meter über Null, begleitete uns dann einsetzender Schneefall. In der Talstation der Gletscherbergbahn kehrten wir ein, um uns was warmes zu Trinken und einen kleinen Snack zu gönnen. Die Blicke hier waren göttlich. Weit und breit keiner zu sehen, außer uns vier Motorradfahrern. Für den Rückweg beschlossen wir, noch ins schweizerische Zollausschlussgebiet Samnaun zum Tanken zu fahren, bevor wir wieder in Richtung Hotel durchstarten wollten.

Hier erreichte uns eine Nachricht, dass unsere Mädels und Rainer inzwischen auch zu einer kleinen Runde über den Ofenpass aufgebrochen waren. Wir beschlossen, spontan entgegengesetzt Ihrer Route zu fahren. Das Wetter klarte auf und so konnten wir noch einige schöne km genießen. Tatsächlich begegneten wir auch unserer anderen Hälfte, was ein wenig zu Verwirrungen bei Ihnen führte. Kurz nach 18 Uhr endete dann die Tour des Tages wieder am Hotel und der Abblauf von Freitag Abend wiederholte sich. Duschen, umziehen, Taxibus zur Pizzeria, Essen, Route für den nächsten Tag planen, schlafen.

Den Sonntag begannen wir nach einem regionalen Frühstück und der Verabschiedung von Wirtin Elisabeth mit ein paar wenigen Kilometern zum Kirchturm im Reschensee. Hier nutzte jeder den Aufenthalt um einige Erinnerungen an unseren gemeinsamen Freund aufleben zu lassen. Es war nochmal eine Art Abschied zu nehmen. Nachdem wir heute keinen Zeitdruck hatten, sollte der Rückweg etwas gemütlicher ausfallen, als der Hinweg. Der Weg von Prutz nach Imst führte uns diesmal über die Pillerhöhe und den Gacher Blick.

Eigentlich hatten wir geplant, über den Fernpass in Richtung Garmisch zu fahren. Diese Idee hatten aber scheinbar einige Leute mehr als wir. Kurzerhand wichen wir über Mittenwald aus, ich übernahm für den ungeplanten Teil die Führung der Gruppe. Kurz vor der deutschen Grenze, um 13:56 nahm dann das Übel seinen Lauf. Bisher hatte ich den Mitas E07 immer für den Grip in jeder Lage und auf jedem Untergrund gelobt. Gusseiserner Gullideckel, im nassen Zustand, in Schräglage bringt auch diesen Reifen an seine Grenzen… oder darüber hinaus. So schnell ich dalag, stand ich auch schon wieder. Bisschen ungläubig, dass es mich – also ausgerechnet mich – gelegt hatte. Kurzer Check ob alles ok ist, Koffer wieder anhängen, mit Spanngurt sichern, Krönchen richten, und weiter gings. Ein bisschen zaghafter jetzt und mit mehr Vorsicht vor den Gullideckeln.

 

Ab Garmisch übernahm wieder unsere Reiseleiterin Sandra die Führung und brachte uns unspektakulär, bei aufklarendem Wetter, über angenehm geschmeidig zu fahrende Strecken nach Hause. Insgesamt ein echt schönes Wochenende mit einer saucoolen Truppe.

Ein Fazit bleibt:
Aus einem „bald“ sollte man viel öfter ein „jetzt“ machen, bevor daraus ein „Nie“ wird!

Kurztrip – Erzgebirge – 715km in zwei Tagen

Große Dinge geschahen 2015. Nunja so groß auch wieder nicht…aber was besonderes war es schon. Damals mit 18 war ich einer der wenigen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis der gleich den Motorradschein machte und sich auch ein Motorrad kaufte. Jahrelang war ich damit ziemlich alleine und dann machte einer nach dem anderen plötzlich auch seinen Schein und stattete sich dementsprechend aus. Trotzdem kam es nie zu einer größeren, gemeinsamen Tour. Hier mal ne Feierabendrunde, da mal ne Tagestour, aber nie mit allen sondern immer nur vereinzelt. Heuer hatte dann Frank aufgrund einer anderen für Ihn geplatzten Tour, die Aussage gemacht wir könnten doch nochmal wenigstens nen Tag oder so. Ich griff die Ansage auf und kramte zwei Touren raus, die wir in den letzten Jahren so ähnlich schon gefahren waren und hatte auch gleich noch eine Unterkunft parat. Also flugs ne kleine Whats App Gruppe gegründet, mal den ganzen Haufen reingeworfen und zwei Termine genannt. Das Hotel hätte an den Terminen auch noch 5 Doppelzimmer frei, also warten wir mal ab ob so 4-6 Mann gemeinsam starten. Und dann kam erstmal der Schreck… Zusage folgte auf Zusage. Ein zugegebenermaßen positiver Schreck, der aber eine hektische Anfrage beim Hotel auslöste, ob denn noch mehr Zimmer verfügbar wären. Nach einigen wenigen Tagen stand es dann fest: vom 22.08. auf den 23.8.2015 sollte die „Tour de Frank“ mit 14 Teilnehmern auf 11 Motorrädern stattfinden. Lediglich ein Motorradfahrer unserer Clique konnte nicht und zwei Partnerinnen nahmen Ihren Männern das Kinderhüten ab. WOW wer hätte damit gerechnet?

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Am Samstag den 22.08. trafen sich dann alle nicht Nürnberger um 9 Uhr bei uns zu Hause, um gemeinsam zum Treffpunkt an einem MC Donalds in Nürnberg zu fahren. Die erste große Stadt wollten wir so in zwei Gruppen durchqueren, um uns das Ganze ein wenig zu erleichtern. Einen letzten Tankstop legten wir noch ein, bevor wir um 9:45 auf die zweite Hälfte der Truppe stießen und mit einem großen Hallo begrüsst wurden. Noch schnell kleinere Raparaturen (H7 Birne an der F800GS wechseln), ein Kaffee und ein paar Zigaretten zur Stärkung, dann ging es pünktlich um 10 Uhr auch schon los. Ziel Nummer 1 für heute: das Land verlassen. Die geplante Route sollte uns heute ein schönes Stück durchs benachbarte Tschechien führen. Um zügig voran zu kommen, nutzten wir die B2 bis kurz vor Pegnitz. Meine Bedenken, wie das Fahren in der großen Gruppe wird, zerstreuten sich allmählich, wir harmonierten ziemlich gut für die bunte Mischung. Ein Stück vor der Grenze in Waldershof legten wir einen Stopp ein um zu besprechen, wie wir unsere Mittagspause gestalten. Einstimmig wurde entschieden, hier nur einen kurzen Stop mit Imbiss aus dem Tankrucksack einzulegen und dafür heute Abend ausgiebig zu schlemmen. Ein angrenzender Kinderspielplatz sorgte für einige erheiternde Fotos und schon ging es wieder weiter in Richtung Grenze.

Diese überquerten wir bei Schirnding und legten an der ersten Tankstelle in Tschechien gleich noch einen kurzen Halt ein. Die ersten km im Nachbarland fuhren wir auf der E48 und E49, bevor wir uns auf deutlich kleinere Straßen begaben. An der Tschechisch-Deutschen Grenze entlang ging es auf kleinsten Strässchen voran. Die Qualität des Asphalts ließ teilweise zu wünschen übrig, dies wurde aber durch den Ausblick kompensiert. Kleine Ortschaften wechselten sich mit Wäldern ab. Eine Hochebene öffnete sich nach einer Holperstrecke vor uns. Kurz vor Jeleni legten wir nochmals eine Pause ein. Es waren Raucher dabei, eine für uns eher ungewohnte Tatsache. Seit wir Trinkrucksäcke haben, fahren wir oftmals 250-300km am Stück zwischen unseren Pausen. Ich musste mich dazu anhalten, bewusst mehr Pausen einzulegen. Wir wollten ja auch nicht nur stur Mopped fahren, sondern auch quatschen. Sonst hätten wir diese Tour nicht zusammen antreten brauchen.

Nach einem weiteren Holperstück, auf dem mich so mancher ohne Reiseenduro für die Routenplanung ein wenig verfluchte, kam dann die Entschädigung für die Straßenmaschinen. Nagelneue Straßen, wunderschöne Kurven durch weite Wälder. Über den Fichtelberg geht es weiter an der Grenze entlang bevor wir endgültig wieder Richtung Norden zurück nach Deutschland abbogen. Ziemlich genau um 16 Uhr legten wir kurz vor der Grenze noch einen Tankstop ein, um den günstigen Spritpreis zu nutzen. Die letzten km nach Marienberg flogen nur so an uns vorbei. Herr Knab der Eigner vom Hotel Drei Brüder Höhe erwartete uns bereits. Während die einen erstmal ein Ankunftsbierchen schlürften, bezogen andere schonmal ihr Zimmer. Letztendlich fanden wir uns alle wieder im Garten zusammen, um realtiv früh zu Abend zu essen. Frisch gestärkt wollten wir heute noch die Bowlingbahnen des Hotels nutzen und den Abend gemeinsam ausklingen lassen.

Den Sonntag morgen begann ich mit dem Sonnenaufgang auf dem Aussichtsturm vorm Hotel. Alle anderen zeigten mir dafür den Vogel, *g* teilweise erntete ich Unverständnis. Aber der Ausblick bestätigte, dass es richtig war in Herrgottsfrüh auf den Turm zu steigen. Wir trafen uns alle beim Frühstückbuffet, welches es an nichts fehlen ließ. So gestärkt legten sich manche nochmal ins Bett, um die letzten Minuten des Aufenthaltes auszukosten, während andere bereits fertig angezogen bei den Motorrädern standen und mit den Hufen scharrten. Letztendlich starteten wir wie angedacht um 10 Uhr, auf den Weg an der Grenze entlang, gen Heimat. Heute allerdings auf der Deutschen Seite. Reini hatte noch die Idee geäußert, am Ehrenzipfel einen Stop einzulegen, falls es sich ergibt. Eine kleine Umleitung nötigte uns ein paar Extrakurven mitzunehmen, was nicht weiter tragisch war. Auch heute streiften wir den Fichtelberg und nach einer guten Stunde Fahrt legten wir unseren ersten Stop des Tages am Bikertreff Ehrenzipfel ein. Hier war auch gerade eine Gruppe mit ihren Simsons und ließ sich einen Kaffee schmecken.

Trotz des Frühstücks vor knapp 1,5 Stunden verspürten manche schon wieder Hunger und stillten diesen mit einer Breze. Ein Gruppenfoto wurde auch noch gemacht bevor es weiterging. Weiter mit Kurven satt und heute deutlich besserem Fahrbahnbelag als gestern. Von großen Städten hielten wir uns heute fern und genossen die Landstrassen. Die erste Hälfte des Tages ging es in Richtung Hof, bevor wir einen Schwenk nach Süden machten, um Bayreuth weiträumig zu umgehen und uns durchs Pegnitztal weiter gen Süden voranzuarbeiten. Bei Hersbruck trennten wir uns dann auf. Die Nürnberger Fraktion beschloss noch eine Pause am Happurger Stausee einzulegen und die Tour ausklingen zu lassen. Der Rest der Truppe fuhr wie geplant weiter bis zum Biergarten Pflugsmühle, um dort auf eine der zu Hause gebliebenen Ehefrauen zu treffen. Bei einer ausgiebigen Brotzeit ließen wir das Wochenende nochmals Revue passieren und freuten uns über das perfekte Wetter auf den gut 700 gefahrenen Kilometern.

Danke nochmal an meine Mitfahrer für die Geduld mit mir als Eurem Tourguide. Ich fand die Aktion aufjedenfall Megaklasse und würde mich freuen wenn wir das in ein paar Jahren mal wieder mit der GANZEN Truppe hinkriegen!

Touratech oder SW Motech Schalthebel? Oder doch original?

Seit ich denken kann stöbere ich durch den Zubehörkatalog von Touratech. Ja ich bin anfällig für die Teile welche sie anbieten. Aber ich kaufe auch nichts völlig ohne Grund. In diesem Fall ging es mir wie mit der Scheibe für die V-Strom. Ich durchlief einen Findungsprozess. Im ersten Schritt tauschte ich nicht den Schalthebel sondern die Umlenkung. Der Umlenkhebel der TL1000 sorgt für einen kürzeren und direkteren Schaltweg. Hiermit war ich rundum zufrieden bis ich mir neue Stiefel anschaffte. Anfang 2015 hatte ich mir die Alpinestars Toucan gekauft und festgestellt dass diese zu massiv für den Original Schalthebel in Verbindung mit den Pivot Pegz Mark III Fussrasten sind.

Touratech bietet einen Schalthebel an welcher nicht umgelenkt wird, sondern direkt auf der Schaltwelle montiert wird. Leider war dieser nicht lieferbar. Also suchte ich nach einer Alternative. Fündig wurde ich bei SW-Motech. Hier wird für die neue 1000er V-Strom (ab 2014) ein verstellbarer Schalthebel angeboten. Der Preis für diesen treibt einem Tränen in die Augen, aber Louis hatte gerade eine Gutscheinaktion parat. Der Schalthebel passt entgegen der Aussage von SW-Motech auch an das alte Modell der 1000er. Schnell war dieser angebaut und funktionierte mit den Endurostiefeln sehr gut. Nachdem ich mich nach gut 1000km wieder von den Stiefeln getrennt hatte und zurück zu Daytona fand baute ich den Schalthebel wieder zurück auf Original, da ich die Verstellung nicht mehr benötigte.

Knapp einen Monat später war dann endlich der Touratech Schalthebel lieferbar. Dieser kann zwar nicht in der Länge verstellt werden und auch die Höheneinstellung ist wesentlich gröber als mit der Umlenkung, aber er sitzt schon gut 2 cm weiter vorne als der Originale und ist nochmal ein ganzes Stück direkter als der Umbau der Umlenkung auf den Hebel der TL 1000 da er direkt auf der Schaltwelle sitzt. Außerdem ist er klappbar (der Originale ist dies nicht), sollte also im Sturzfall einfach ausweichen.

Nachdem ich alles ausprobiert hatte was der Zubehörmarkt hergibt habe ich nun endlich meine ideale Lösung gefunden.

 

Kroatientour 2015 – Tag 21 – 334km – wieder daheim

Der letzte Tag brach an. Wenigstens tat er das mit blauem Himmel. Ein letztes Frühstück im Hotel. Ein letztes Mal die Rollen packen und auf den Motorrädern festschnallen. 21 Tage waren wir nun unterwegs. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, vor allem, weil wir nicht 21 Tage an einem Ort waren, sondern doch ein wenig herumgekommen sind. Um 20 nach 9 waren wir startklar und starteten in die letzte Etappe.

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Zuerst hieß es Salzburg zu durchqueren, da umfahren zu aufwändig wäre. Immer wieder hatten wir aha-Effekte und erinnerten uns zurück an unseren Adventstrip 2013. Die Oberleitungsbusse prägen das Stadtbild, Hohen Salzburg tront über der Stadt im Sonnenlicht und wir stehen im Stau. Am Grenzübergang nach Freilassing fanden lockere Kontrollen durch die Deutsche Bundespolizei statt, wir wurden wie alle anderen, die wir sehen auch einfach durchgewunken. Von der in den Medien groß propagierten Flüchtlingswelle haben wir auf unserer kompletten Reise nicht einen einzigen gesehen. Irgendwie finden wir das ein wenig komisch. Ein Stück geht es noch an der Grenze entlang bevor wir für ein ganzes Stück die B299 als Leitlinie hernahmen. Ab und an verließen wir die Bundesstrasse um ein paar Kurven drum herum mitzunehmen, aber im Großen und Ganzen wollten wir heute zügig vorankommen. Der Herbst hat Deutschland inzwischen fest im Griff, wir haben aber einen tollen Tag erwischt. Der Himmel ist weitestgehend blau, nur ab und an in einigen Niederungen durchquerten wir einige Nebelfelder. Die Strecke ist weitgehend unspektakulär, wir müssen erst wieder einen Blick für die eigene Heimat gewinnen. Unsere Köpfe sind noch voll mit wahnsinnig aufregenden Eindrücken aus Slowenien und Montenegro. Bei diesen Landschaften geht einem ein wenig der Blick für Deutschland verloren.

Eines fällt uns massiv auf. Das Sicherheitsgefühl auf deutschem Asphalt steigt unwahrscheinlich und damit auch die unbewusst gefahrene Geschwindigkeit. Man mümmelt sich bequem in den deutschen Schilderwald und verlässt sich darauf dass vor jedem Schlagloch gewarnt wird. Ein Stück Bundesstrasse, welche auf 80 beschränkt ist und mit einem Schild Strassenschäden gekennzeichnet ist, nehmen wir nicht einmal wahr. Ist doch bester Asphalt 😉

Gegen 16 Uhr kamen wir zu Hause an, aus der Ein Stop Strategie war doch wieder eine Drei Stop Stragie geworden, nachdem wir noch an einem Edeka das Nötigste für den ersten Tag mitgenommen haben. Einen Ausklang für den heutigen Tag liefert uns das A life divided Konzert in Nürnberg, für das wir bereits seit Monaten Karten haben.

3753 km in 21 Tagen klingt nicht so wahnsinnig viel, sind ja im Schnitt nur 178km pro Tag. Wenn man bedenkt dass wir auf dieser Reise allerdings vieles kombiniert haben. Motorradurlaub, 1 Woche Badeurlaub, 2 Tage Städtetrip dann relativiert sich das ganze wieder ein wenig. Bei 12 Fahrtagen sind es dann schon wieder 313km pro Tag die wir vorangekommen sind. Besonders angetan haben es uns die Schluchten in Montenegro. Dieses Land wollen wir definitiv noch intensiver erkunden, außerdem haben wir die Küstenregion komplett außen vor gelassen. Ein besonderes Erlebnis war auch der Regentag in Dubrovnik, welcher es uns ermöglicht hat, die Stadt weitestgehend ohne Kreuzfahrttouristen zu besichtigen. Eines ist uns auf dieser Reise aber wieder einmal besonders deutlich aufgefallen. Wie herzlich und vorbehaltlos die Menschen in den Balkanländern auf uns zugegangen sind. Wie bemüht wir als Gast behandelt wurden. Und wie entspannt das Fahren in anderen Ländern sein kann. Zurück in Deutschland (auch schon in Österreich) kehrt eine Hektik und ein Stressfaktor in den täglichen Umgang mit Menschen ein, welcher uns extrem ermüdend vorkam. Man muss nur in die Gesichter der Menschen blicken und vermisst das allgegenwärtige Lächeln. Die Menschen am Strassenrand welche von Ihrer Arbeit aufblicken und einem zuwinken und einem ihr lächeln schenken.

Eine kleine Besonderheit, die wir aus diesem Urlaub mitgenommen haben, lag unserer Rechnung im Restaurant Nishta in Dubrovnik bei. Eine Smilie Bean, die einen immer daran erinnern soll mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen:


Wir sagen „hvala“ (Danke) für das Erlebte und Danke fürs mitlesen/reisen.

Gesamtstrecke:

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Kroatientour 2015 – Tag 19/20 – 297km – Golling an der Salzach

Mittwoch morgen hatten wir uns den Wecker wesentlich später gestellt, da den ganzen Tag Regen gemeldet war. Wir standen erst um 9 auf und ließen uns beim Frühstück so richtig Zeit. Der Blick aus dem Fenster bestätigte unsere Befürchtung, wir „müssen“ einen faulen Tag einlegen 🙂 wie schrecklich. Es schüttete was runtergeht. Anja begab sich nach dem Frühstück mit dem ebook reader aufs Sofa und ich mich mit dem Laptop in den Sessel. So verbrachten wir nahezu den ganzen Tag. Wir haben es genossen nochmals einfach nichts zu tun. Abends gönnten wir uns nochmal was zu Essen im Restaurant unserer Unterkunft. Aus dem Mengenerlebnis von Dienstag Abend haben wir gelernt und bestellen wesentlich zaghafter. Diesmal konnten wir dann alles aufessen, so dass wir am Donnerstag wieder mehr Glück mit dem Wetter haben sollten. Nach dem Essen dann noch bissl zusammengepackt und ab ins Bett.

Donnerstag früh, der 20ste Tag unserer Reise begann mit dem Wecker um 7:30 Uhr. Um 8 saßen wir beim Frühstück und versuchten durchs Fenster zu erkennen ob es regnet, oder nicht. Die Strasse ist aufjedenfall noch nass. Der Wirt meint es gut mit uns. Weil es kalt war und wir heute ja fahren hat er uns eine Gemüsesuppe mit Kalbfleisch und geräucherter Wurst gekochte… zum Frühstück…zusätzlich zum normalen Frühstück… wir konnten die Massen mal wieder nicht aufessen. Aber wir gaben alles! Nach dem Essen schnell fertig gepackt und die Taschen runtergetragen. Wir gingen zur Tür raus und es fing an zu regnen. Naja gut, dann eben die Membranhandschuhe. Als ich die Motorräder aus der Garage geholt hatte, kam nochmal der Wirt und schenkte uns noch ein T-Shirt. Wir müssen hier nochmals eine Lanze für die Location brechen! Absolute Spitzenklasse!!! Wenn ihr mal Zeit in Slowenien verbringen wollt, unser Tipp: www.cerkno.com

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Bis wir dann tatsächlich endlich losgekommen sind, hatte es fast wieder aufgehört zu regnen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge brachen wir nun endgültig auf in Richtung Heimat. Der restliche Weg durch Slowenien führte uns erstmal wieder auf traumhaften, kleinen Strassen in Richtung Grenze. Der aufsteigende Nebel passte so richtig zur herbstlichen Stimmung. Immer wieder hielten wir an und ich packte die Kamera aus, um zu fotografieren. Die Grenze überquerten wir dann über den Loiblpass. Und direkt nach der Grenze wurden wir „sanft“ daran erinnert, dass wir uns jetzt wieder im „zivilisierten“ Westen befinden. 3 Wochen waren wir nun in Balkanländern unterwegs und hatten auf den Strassen immer eine entspannte Haltung erlebt. Durchweg freundliche Menschen die lächelten und teilweise sogar gewunken haben. Nicht mal 15 Minuten in Österreich und schon bedrängte uns von hinten eine BMW Fahrerin und nicht nur das. Die Gelegenheit vorbeizufahren, welche wir ihr boten, nahm sie nicht wahr, aber 3 Minuten später überholte sie Anja in einer Spitzkehre auf der Innenbahn… Die entspannte Grundhaltung war erstmal dahin. Am liebsten hätte ich der Dame die Tür eingetreten für diese Aktion, welche Anja zum Anhalten mitten in der Spitzkehre gezwungen hatte. Und zu allem Überfluss zeigte sie mir noch deutlich den Scheibenwischer, als ich sie passieren lies. Aber wie heisst es so schön, der klügere gibt nach. Ich beschloss erstmal nen Entspannungsabstecher zu machen und verließ die geplante Route, um noch den steinernen Golf in Reifnitz am Wörthersee zu besuchen. Hier legten wir einen kurzen Stopp ein und Anja fragte was wir hier jetzt wollen… Banause!


Also wieder ab auf die Moppeds und weiter. Den höchsten Punkt des heutigen Tages erreichten wir auf der Turracher Höhe mit 1795m. Hier spürte man deutlich, dass Innenfutter heute eventuell doch eine gute Wahl gewesen wäre. Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Mit 2 Grad Plus wurde es in Obertauern auf 1664m Höhe noch kälter als auf der Turracher Höhe und wenn es nicht nur noch ein paar km gewesen wären, hätte ich gehalten um das Futter in die Klamotten zu bauen. Die Abfahrt nach Golling an der Salzach, wo wir heute im Hotel Garni Ramsl unsere Unterkunft haben, wurde nur noch von einem Tankstopp unterbrochen. Als ich die Helmkamera am Hotel abnahm wunderte ich mich noch, dass 0% Speicher angezeigt wurde. Am Laptop klärte sich das Ganze dann in der Form, dass ich nach unserer Slowenien Runde die Videos nicht verschoben, sondern nur kopiert hatte. Da die Speicherkarte nun schon den halben Tag voll war, sind uns so einige Herbstbilder entgangen, welche ich eigentlich gemacht hatte. Aber wiedereinmal lerne ich etwas daraus. Ab sofort wird die Karte immer formatiert, wenn sie zurück in die Kamera kommt.

Morgen liegt noch ein letzter Grenzübertritt und 320 km vor uns, bis wir wieder daheim sind. Dann brauchen beide Motorräder dringend einen großen Kundendienst und einige Verschleißteile. Wie wir heute deutlich gemerkt haben, rückt der Winter näher und die eingeschränkte Zeit was Motorradfahren angeht kommt in großen Schritten auf uns zu. Wie gerne wären wir noch in Montenegro und würden bei sommerlichen Temperaturen die Schluchten intensiver erkunden…

Kroatientour 2015 – Tag 18 – 236km – Slowenienrundtour

Nach dem Aufwachen ging heute der erste Blick sofort zum Fenster raus. Noch ists trocken. Der Wetterbericht verspracht für heute Regen. Der Himmel schaute nach Regen aus und die Bedienung beim Frühstück weist uns auch unaufgefordert darauf hin, dass es heute regnen wird. Ein schlechtes Omen? Ist die Wirkung meiner Huldigung vorbei? Haben wir in den letzten Tagen irgendwann einmal nicht aufgegessen? Nunja wir werden sehen, ob es Regen gibt. Angedacht war für heute eine Runde von ca. 320 km, welche uns auch auf den Mangart führen sollte. Einen Plan B mit einer verkürzten Route hatten wir in der Hinterhand. Das Frühstück haute uns dann erstmal vom Hocker. Frischgebackenes, heisses Brot aus dem Holzofen, Käse und Wurst aus eigener Produktion, sogar der Saft ist hausgemacht. Damit hätten wir nicht gerechnet. Wer hier zu portioniert verpackter Marmelade oder Nutella greift ist selbst Schuld! Allerdings konnten wir der Menge nicht Herr werden und so wird es wohl tatsächlich regnen da wir nicht aufgegessen hatten.

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Wir starteten um kurz vor 10 Uhr, nachdem wir unsere Seitenkoffer abgeschnallt hatten. Auf den kleinen Straßen sind die Koffer bei Gegenverkehr eher hinderlich und wir brauchen den Inhalt (Strandtücher, Schnorchelzeugs, Campingstuhl,…) ja unterwegs nicht. Moppeds raus, Garage zu und schon ging es los. Von Cerkno aus starteten wir in Richtung Bled. Immer wieder kamen ein paar vereinzelte Tropfen vom Himmel, aber insgesamt blieb es vorerst trocken. Die Straßen sind klein und kurvenreich. Einige Fotostops ließen die Zeit schnell vergehen, während wir am Triglav Nationalpark entlang fuhren. Schneller als gedacht waren wir in Bled und immer noch trocken. Hier legten wir eine längere Pause ein, um die kleine Insel im See auf uns wirken zu lassen und einige Fotos zu machen.

Über Jesenice fuhren wir nach Kranjska Gora, wo uns der einsetzende Regen dann zu einem Stop zwang. Im Schutz einer Tankstelle machten wir uns „Wasserdicht“. Andere Handschuhe, noch eine Weste unter die Jacke und alle Lüftungen schließen. Wir wendeten uns gen Süden und drangen in den Triglav Nationalpark vor. Meine Idee den Vrsic Pass zu überqueren, hinterfrage ich als die ersten Kehren mit Kopfsteinpflaster in Sicht kamen. Das macht bei diesem Wetter (es schüttete inzwischen was runtergeht) nicht wirklich Laune. Wenigstens waren wir in der angenehmeren Richtung unterwegs und fuhren die Nordrampe mit dem Kopfsteinpflaster hinauf. Auf der Passhöhe (1611m N.N.) sah das Wetter nicht besser aus, weshalb wir direkt durchziehen und uns so gut es geht beeilten wieder hinab zu kommen. Als wir die 50 Kehren endlich geschafft hatten und im Socatal am Fluss entlangcruisten, ließ auch der Regen wieder nach und wir legten erstmal einen kurzen Stopp an einem Dixie ein und schießen ein paar Fotos von der Soca. Direkt neben unserem Pausenplatz war auch eine der vielen Hängebrücken, die in Slowenien über die Flüsse gespannt sind. Ich bin gestern schon der Versuchung erlegen eine dieser Brücken zu überqueren. Heute kann ich aufgrund der nassen und rutschigen Holzdielen auf diese unnötige Querung verzichten.

Mangart fahren oder nicht, das war keine Frage bei diesem Wetter. Wir hatten beide bereits auf der Passhöhe des Vrsic entschieden dass wir Plan B, die verkürzte Tour wählen. Wir sind nicht mehr in einem Alter in dem wir uns etwas beweisen müssen und über den fehlenden Ausblick wollen wir uns erst garnicht ärgern. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Vielleicht klappt es ja irgendwann im dritten Anlauf dann endlich, mit uns und der höchsten Straße Sloweniens.

Tolmin umfuhren wir unterhalb um dann bei Postaja links abzubiegen und nicht den bequemsten Weg (die 102 an der Idrijca entlang welche wir letztes Jahr bereits gefahren sind) zu wählen. Bei Grahovo ob Baci führte uns das Kartenmaterial von Garmin auf eine „kleinste“ befestigte Strasse, welche sich auf einen Berg hinauf windet. Verkehr gibt es hier quasi keinen mehr, aber immer wieder stehen links oder rechts bewohnte Häuser. Langsam aber sicher meldete sich auch mein Tank und hätte gerne Nachschub. Aber laut Navi war es nicht mehr weit bis Cerkno zu unserer Unterkunft. Wir kamen allerdings nur sehr langsam voran und so zogen sich die letzten 15km gefühlt ewig dahin. Als es endlich bergab auf Cerkno zuging, wunderte ich mich schon warum Elli so pfopfert. Als ich dann die Kupplung ziehen musste ist es vorbei, sie stirbt ab. Gut, dass der Ersatzkanister an den Koffern hängt, die wir zurückgelassen haben. Aber es ging ja Gott sei Dank steil bergab, also konnte ich rollen lassen. Als wir dann endlich auf Höhe Cerknos angekommen waren und Elli wieder gerade stand, sprang sie auch wieder an. Noch drei Kilometer bis zu unserer Unterkunft, aber wo ist die nächste Tankstelle. Das Garmin Zumo 590 konnte weiterhelfen. 2 km in die Gegenrichtung. Also flux zur Tanke und 21 Liter ins 22 Liter Fass gekippt. Der Rest welcher noch im Tank war kam bei der starken Bergabfahrt nicht mehr an die Pumpe, deshalb war Schicht im Schacht. Die letzten 20 km war der Regen wieder stärker geworden, so dass unsere Klamotten nun doch eine gewisse „Feuchte“ inne hatten. Wir durften sie zum trocknen auf dem Kachelofen in der Gaststube unserer Unterkunft platzieren. Hier nahmen wir heute auch unser Abendessen ein. Allerdings muss man sagen, dass die Küche wohl vorhatte uns zu töten. Völlerei ist eine Sünde! Und wir hätten heute viel zu beichten! Zwei Suppen und eine Platte für 2 waren bestellt. Insgesamt ergab das 8 Teller Suppe und vier volle Hauptgerichte. Wir drohten zu platzen. Die Bedienung lächelte amüsiert und kommentierte: „We know we have big portions.“

Das Essen war qualitativ ein absolutes Highlight. Wie schon zum Frühstück gab es frisches, selbstgebackenes Brot zu der Knoblauchsuppe und der Rinderbrühe mit Nudeln. Ein Wildgulasch mit gefüllten Teigtaschen, zwei mit Käse überbackene panierte Putenschnitzel und langsam geschmortes Schweinefleisch garniert mit Polenta und Kartoffeln. Dazu noch ein gemischter Salat. Direkt nach dem Essen befanden wir uns im glückseligen Fresskoma, die MRS (Maximale Ranzen Spannung) war erreicht. Wir teilten der Bedienung noch mit, dass wir morgen eine Stunde später frühstücken. Wir werden aufgrund der bescheidenen Wetteraussichten und des tollen Zimmers einfach noch einen faulen Tag einlegen, bevor wir wieder weiterziehen.

Kroatientour 2015 – Tag 17 – 276km – Cerkno

Eine lange Nacht lag hinter mir als, heute morgen der Wecker klingelte. Zuerst der Besuch bei Franjo und als wir wieder in unserer Unterkunft waren, noch das Schreiben des Berichts. Trotzdem fühlte ich mich relativ frisch und erholt. Die Auszeit zeigt so langsam, wozu sie gut ist. Schnell noch den Korrektur gelesenen Bericht online gestellt und schon gings ab zum Frühstück. Seit wir 2011 hier waren, wurde massiv gebaut. Zwei Bungalows und ein eigenes Gebäude nur fürs Frühstück, mit extra Küche und Toiletten… und das für 3 Gästezimmer und zwei Bungalows. Nachdem wir das Essen verdrückt hatten, packten wir mal wieder die Moppeds auf, inzwischen geht das quasi Blind. Um 10 Uhr konnte es dann losgehen. Die Straßen waren noch nass, der Himmel war grau in grau und es sah nach Regen aus. Tagesziel heute: Cerkno in Slowenien. Dort wollen wir nochmals ein paar Tage bleiben, um in Slowenien noch die eine oder andere Runde zu drehen.

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Die Gegend in der wir heute starteten ist uns bereits von unseren Flitterwochen bekannt. Diverse Werbetafeln am Strassenrand wecken unsere Erinnerungen wie z.B. die Tropfsteinhöhlen von Baraceve Spilje oder auch der Ort Slunj Rastoke. Beides sollte man mal gesehen haben, wenn man die Plitvicer Seen besichtigt. Aber heute war kein Sightseeing angesagt, sondern Motorradfahren. Wir hatten letztes Jahr einen super Eindruck von Slowenien gewonnen, den wir nun weiter ausbauen wollen. Direkt nach Slunj verließen wir die gut ausgebaute Strasse und biegen in Richtung Ogulin auf kleinste Sträßchen ab. Kurve reihte sich an Kurve. Der Himmel war nach wie vor grau, die Fahrbahn immer wieder gut nass, so dass wir es eher gemütlich angehen ließen. Wir befanden uns in einer von Wäldern geprägten Gegend (was sich heute nicht großartig ändern sollte) und so langsam aber sicher zeigte sich endlich der Herbst in seiner Farbenpracht. Auf der aktuellen Strasse legten wir einen kurzen Fotostopp ein und konnten gerade so vor einem 40 Tonner wieder starten. Einige km weiter konnten wir nicht mehr glauben, dass der LKW hier entlangfahren will. Engste Kurven und eine minimale Fahrbahnbreite werden dem Fahrer mit Sicherheit einige graue Haare verpassen.

Nachdem wir Ogulin hinter uns gelassen haben, nähern wir uns schon der Grenze, noch aber wollten wir sie nicht überqueren, sondern auf der kroatischen Seite noch ein wenig die genialen Strassen genießen. Geniale Strassen? Zu meiner Freude ist das Kartenmaterial von Garmin nicht sonderlich deutlich wenn es um den Begriff befestigte Strasse geht. Auch heute landeten wir wieder auf einem Weg, der wie gemacht für unsere Motorräder ist. Inzwischen brachen immer wieder Sonnenstrahlen durch die Blätter und die Feuchtigkeit verdampfte auf dem Asphalt. Eine geniale Lichtstimmung, die für super Laune bei uns sorgte. Zwei besondere Leckerbissen lagen noch auf dem Weg innerhalb Kroatiens. Zuerst der Nationalpark Risnjak, in dem wir uns aber nur kurz befanden. Hier begann bereits der Wunsch in mir zu reifen, ein anderes Motorrad unter mir zu haben. Er sollte sich ins Unermessliche steigern. Ich liebe meine Elli, aber auf einer Bergrennstrecke ist eine vollbepackte Reiseenduro mit Mitas E07 einfach nicht das, was man sich in diesem Moment wünscht.

Richtig gelesen in Smrecje findet alljährlich ein Lauf zur kroatischen Bergmeisterschaft statt und die Strecke hat es in sich. Im normalen Alltag erkennt man sie nur an den rot-weißen Markierungen der Bordsteine. Man hat das Gefühl den Berg hinauf zu fliegen. Hier mal ein kleiner Eindruck, wenn auch aus einem Auto bei einem der Rennen.

Hier wäre eine Supermoto genau das richtig *g* Aber man kann nicht alles haben, also freuten wir uns einfach, dass uns niemand in die Quere kam und wir die Strecke so genießen konnten. Der folgende Grenzübertritt gestaltete sich wiedermal völlig unspektakulär und schon waren wir in Slowenien. Nur einige km weiter legten wir eine kurze Kaffeepause an einer Tankstelle ein und machten gleich noch die Motorräder voll. Uns fiel eine 1200er GS auf, welche in vollem Touratech Ornat in die Tankstelle gefahren kam. Der Fahrer selbst hatte nagelneue Bekleidung von Touratech an, die noch keine einzige Fliege gesehen hatte und sprach uns direkt an wo wir denn herkommen würden. Er selbst stand gerade am Anfang seines 14-tägigen Urlaubes und wusste eigentlich nur, dass er nach Kroatien will. Wir gaben ihm noch den Tipp mit der Bergrennstrecke und schon zog der Schweizer wieder von dannen. Er hätte wunderbar auf einen Messestand des besagten Ausrüsters gepasst, lediglich das Glänzen der gesamten Ausrüstung erschien irgendwie unwirklich. Bei mir sieht nach drei Tagen Fahren irgendwie schon immer alles aus wie Sau…

Anja übernahm nun die Führung auf dem Weg durch Cerknica ins Tal des Flusses Idrijca. Bei Straza wichen wir vom Lauf des Flusses wieder ab und folgten seinem Zufluss der Cerknica bis zu unserem heutigen Tagesziel in Cerkno. Unsere Unterkunft haben wir aufgrund einer Empfehlung in Mikemotos Reiseforum ausgewählt und können diese nach unserem ersten Eidnruck sehr gut nachvollziehen. Falls ihr auch mal etwas hier in der Gegend sucht, findet ihr mehr Infos unter http://www.cerkno.com. Wir werden hier für drei Nächte verweilen und je nach Wetterlage Slowenien erkunden bevor es wieder weiter in Richtung Heimat geht.