Island Tag 10 – 237 km – Borgarnes

Wir hatten das Gästehaus mal wieder (fast) für uns alleine. Ein anderer Gast war noch da, der kam aber erst so um 23 Uhr und war um 7 Uhr schon wieder weg, wir haben ihn also fast komplett verschlafen. Gemütlich setzten wir uns in die Küche und frühstückten bevor wir – wiedermal – unser ganzes Zeug ins Auto schafften. Auto beladen geht irgendwie schneller als Mopped packen, dafür sieht es im Auto auch deutlich chaotischer aus. Um 9:30 Uhr starteten wir unsere Snæfellsnes Runde.

Die ersten drei Wasserfälle ließen wir gleich mal aus. Sjavarfoss, Svödufoss und Kerlingarfoss sagten uns irgendwie nicht zu oder waren nicht zugänglich. Sprich wir betrachteten sie aus der Ferne und hielten die Erinnerungen in unseren Köpfen fest, statt mit der Kamera. Am Hólahólar Krater legten wir dann den ersten bewussten Stop ein. Wir waren etwas verwundert, dass man mit dem Auto in den Krater fahren konnte und dieser als Parkplatz für die Besichtigung genutzt wird. Naja so ein weißer Skoda Octavia macht sich doch auch ganz gut auf dem Panorama.

Am Djúpalónssandur Strand legten wir eine kleine Pause ein, liessen uns auf einer Bank nieder und genossen die Ruhe. Auf dem Strand liegen die Trümmer eines englischen Fischkutters der 1948 vor der Küste verunglückt war. An der Vatnshellir Höhle hielten wir kurz an, stellten aber fest dass bereits über 20 Mann für die stündliche Führung bereitstanden. Das war uns zu viel Rummel, wir fuhren weiter. Immer wieder hielten wir heute direkt an der Küste um uns Klippenformationen anzuschauen. Wieder einmal war es sehr beachtlich was die Natur hier geschaffen hat. Zwei Kirchen liessen wir uns auf dem weiteren Weg nicht entgehen. Einmal die weiße Hellnakirkja und dann im Kontrast dazu die schwarze Budirkirkja.

Wir haben heute deutlich gemerkt dass nach 10 Tagen Sightseeing in einer atemberaubenden Natur so langsam aber sicher eine gewisse Sättigung eintritt. Jetzt wären mal zwei, drei Tage Pause gut, um die ganzen Eindrücke setzen zu lassen. Leider haben wir nur noch 2 Tage auf der Insel, so dass wir diese noch nutzen wollen.
Snæfellsnes hat es uns nicht so sehr angetan wie die Gegend um den Myvatn. Die Halbinsel ist für uns vergleichbar mit den Lofoten in Norwegen. Nicht ganz so wild wie der Rest des Landes. Alles ein bisschen gemäßigter. Die Berge nicht ganz so hoch, die Küsten nicht ganz so steil, die Berge nicht ganz so karg. Insgesamt ist Snæfellsnes farbiger – grüner als der Rest Islands. Ich glaube auch dass die Wahrnehmung eine andere ist, wenn man die Runde um die Insel in der anderen Richtung fährt und Snæfellsnes zuerst erkundet.
Morgen geht es noch den berühmten „Golden Circle“ angucken. Eine Rundfahrt welche eigentlich von Reykjavík aus startet, an vielen bekannten Spots vorbei.

Hier noch der GPX Track des Tages:

Herunterladen

Island Tag 9 – 335 km – Grundarfjörður

Nachdem wir gestern Abend im Zimmer auf dem Gaskocher Nudeln mit einer Soße aus Knoblauch und einigen wenigen Tomaten (die war so fertig im Glas) gekocht hatten, war der erste Gedanke nach dem Aufwachen… boah geil Knobi! Naja oder so ähnlich. Wir frühstückten zügig unser letztes Brot, nachdem ich es ja gestern verbummelt hatte, rechtzeitig einkaufen zu gehen konnten wir unsere Vorräte nicht auffüllen. Dann hieß es ab in Richtung Snæfellsnes. Naja so grob, wir wollten ja noch ein paar Sehenswürdigkeiten mitnehmen.

Unser erster Stop führte uns zu einer kleinen Kirche und dem zugehörigen Friedhof. Die Hvítserkur Steinformation vor der Küste, wegen der wir eine ewig lange Schotterpiste fuhren, konnte uns nicht so sehr begeistern wie die Islandponys auf dem Rückweg zur Ringstrasse. Die Ponys wollten sich allerdings nicht mit Ihrem Modeldasein abfinden und ignorierten uns weitestgehend. Der Kolugjúfur Wasserfall hielt uns dann allerdings fast eine Stunde auf. War aber auch wirklich sehenswert.

Einen weiteren Abstecher von der Strasse Nr. 1 machten wir nach Hvammstangi um einkaufen zu gehen. Aus gestern hatten wir gelernt und deckten uns heute frühzeitig mit dem Nötigsten ein. Hmm, das Nötigste 🙂 da wir noch Kartoffeln hatten benötigten wir eine Beilage dazu. Und wir fanden hier ein schönes Stück Lachs, welches wir uns auch gönnten. Heute Abend sollten wir im Gästehaus eine Küche haben in der wir uns diesen in der Pfanne machen können.
Nun ging es erstmal lange dahin. Wir bogen von der 1 ab auf die 68 welche wieder eine Dirtroad ist. Wir fuhren heute bestimmt 1/3 auf Schotterpisten. Diese Straßen sind auf 80 km/h beschränkt und lassen sich deutlich besser fahren als ich im Vorfeld vermutet hätte. Nur ab und an muss man mal einem größeren Schlagloch ausweichen…oder verschläft das so wie ich und dann wackelt es halt mal kurz im Auto.

Endlich auf der Halbinsel Snæfellsnes angekommen wollen wir an der Küste ein Schiffswrack fotografieren, der Weg zu diesem wird uns aber durch einen Wassergraben versperrt, so dass wir leider umkehren müssen. Die Wiesen welche wir bis zu dem Graben überquert hatten waren sehr sumpfig und immer wieder von größeren Pfützen oder kleineren Seen durchzogen welche wir umgehen mussten. Auf diesen Pfützen war ein dicker Ölfilm erkennbar. Woher dieser hier kommen mag? Wieder zurück auf der Schotterpiste ging es dann zügig zum nächsten Wasserfall. Dieser hat eigentlich keinen offiziellen Namen und ist auch nicht wirklich touristisch erschlossen. ABER bisher ist er unser Favorit unter den Wasserfällen Islands. Er hat mehrere Stufen fällt in vielen Kaskaden und ist wunderschön in die grüne Landschaft eingebettet, Unterhalb des Falles mündet der Fluss in einen See, welcher neben einem Lavafeld liegt. Auch hier verbringen wir wieder über eine Stunde mit fotografieren. Das beste dabei ist, dass wir die komplette Zeit alleine sind.

Den Gundar- und den Kvernafoss lassen wir im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und fahren direkt weiter zum Kirkjufell. Wiedermal haben wir keine Ahnung von Ebbe und Flut und somit auch keine Ahnung, wann es eine perfekte Spiegelung des Berges in der Bucht gibt. Aber manchmal braucht man einfach Glück, wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt da. In aller Ruhe machen wir unsere Fotos, am Wasserfall gegenüber steht noch ein Bus mit Asiaten. Als dieser dann abfährt begeben auch wir uns zum Kirkjufellfoss und bauen hier die Stative auf. Nachdem wir uns am Wasserfall ausgiebig ausgetobt haben fällt unser Blick wieder auf die Bucht vor dem Berg. Das Wasser steht nun deutlich höher und kräuselt sich in Wellen – an eine Spiegelung wäre im Traum nicht mehr zu denken. Man muss auch mal Glück haben! Ünerhaupt haben wir heute mit dem Wetter extrem Glück. Immer wieder blauer Himmel zwischen den Wolken, kein Regen und ab und an sogar ein wenig Sonne.

An unserer Unterkunft müssen wir noch einige Minuten auf die Hausherrin warten, die gerade mal kurz unterwegs ist. Die Küche ist super und wir freuen uns schon auf das Essen. Anja zaubert Kartoffeln mit in Butter gebratenem Lachs, dazu karamellisierte Zwiebeln. #foodporn Noch schnell die Planung für morgen erledigt und den Bericht getippt, das Fresskoma schlägt nämlich gnadenlos zu.

Hier der GPS Track zu Tag 9:

Herunterladen

Island Tag 8 – 370 km – Blönduos

So schön das lange Schlafen gestern war, so unsanft klingelte der Wecker heute. Es soll ja schließlich weitergehen. Bevor wir aber packen und ins Auto steigen, müssen wir nochmal ans Frühstücksbuffet. Die Option sich selber Waffeln zu machen finden wir genial und haben wir zum Abschluss des Frühstücks auch noch ausgiebig genutzt. Dann schnell die Koffer und Rucksäcke ins Auto gebracht und los geht es.
Der Godafoss, unser erstes Ziel heute, ist bereits nach einer guten halben Stunde erreicht. Er wird dank der guten Erreichbarkeit auch direkt von einer Schulklasse belagert. Wir sitzen diese im wahrsten Sinne des Wortes aus und genießen die Ruhe nachdem die pubertären Kids wieder weg sind. Ich habe keine Ahnung mehr wie viele Wasserfälle wir inzwischen gesehen und fotografiert haben, aber jeder ist auf seine Weise einzigartig und ein Wunder der Natur.

Das nächste Ziel kommt erst in 140 km, aber das ist noch lange kein Grund nicht immer wieder anzuhalten um das gute Wetter zu nutzen und die Küste festzuhalten. Wenig Wind, blauer Himmel und Sonne bei bis zu 12 Grad. So kann man es aushalten. In Akureyri durften wir einem Flieger von WOW Air dabei zusehen wie er immer wieder ansetzte um auf dem Flughafen zu landen, im letzten Moment aber wieder durchstartete. Der Sinn dieser Übung ist uns nicht klar geworden, dafür aber umso mehr die Spiegelung des landenden Flugzeuges im Wasser um die Landebahn.

Der nächste geplante Stopp Mígandi ist mal wieder, wie sollte es auch anders sein, ein Wasserfall. Dieser stürzt allerdings direkt ins Meer und ist somit wieder ganz anders als die bisher gesehenen. Man kann diesen nun auch nicht frontal festhalten da wir sonst irgendwie aufs Meer raus müssten. Eine interessante Herausforderung, welche wir mit den Teleobjektiven lösen.
Nun folgen einige Tunnel und wir wechseln von Fjord zu Fjord. Den folgenden Wasserfall (Leyningsfoss) lassen wir aus da wir keine Lust haben durch den tiefen Schnee zu stapfen. Stattdessen sehen wir uns das Skigebiet an welches auf knapp über 100 Höhenmeter beginnt. Sowas findet man in Deutschland auch nicht. Ein Skilift fast am Meer. In Hofsós steigen wir eine Treppe an die Küste hinab um uns die Basaltsäulen anzuschauen welche dort an der Küste entlang entstanden sind. Faszinierend was die Natur so alles für Formen hervorbringt. Warum nun erkaltende Lava zu 5- oder 6- eckigen Säulen erstarrt ist, uns immer noch nicht klar.

Schon ist der letzte Stopp für heute in erreichbarer Nähe. Zum Reykjafoss laufen wir über eine Pferdekoppel nachdem wir 5 verschiedene Wege ausprobiert hatten, bis wir den offiziellen Parkplatz gefunden haben. Wenn kein Schild an der Koppel gewesen wäre, wären wir wieder umgedreht. Aber hier ist es ausdrücklich erlaubt die Zäune zu öffnen und durchzugehen (selbstverständlich auch wieder zu schließen). Dieser Wasserfall war für uns nochmal ein echtes Highlight! Kein schmales Rinnsal sondern ein breiter mächtiger Fall über mehrere Stufen. Wir verbringen hier nochmal einige Zeit mit fotografieren, bevor wir den heutigen Endspurt antreten.

Als wir endlich in Blönduos ankommen, ist der Himmel wieder hinter einer dichten Wolkendecke versteckt und wir müssen feststellen dass der örtliche Supermarkt (trotz Öffnungszeit bis 19 Uhr) bereits um 18:30 geschlossen hat. Das Frühstück morgen wird nun etwas spärlicher ausfallen.

Hier noch der GPX Track des Tages:

Herunterladen

Island Tag 7 – 72 km – immer noch Myvatn

Tag 7 lassen wir extrem chillig angehen. Um 9 Uhr sind wir beim Frühstück und hauen uns erstmal so dermaßen den Bauch voll, dass wir uns direkt danach am liebsten gar nicht mehr bewegen wollen. Die Neugierde treibt uns dann aber doch raus. Unser erster Stopp am Skútustaðagígar, einer Ansammlung von Pseudo-Kratern, welche durch Dampfausbrüche entstanden sind ist ein super Verdauungsspaziergang. Danach sind unsere Lebensgeister wieder so richtig geweckt.

Den zweiten Halt legen wir am privaten Höfði Naturpark ein. Eine kleine bewaldete Halbinsel welche von lustigen Gesteinsformationen im Wasser umgeben ist. Hier schlängeln wir uns auf kleinen Pfaden durch den Wald und machen ein paar Bilder, bevor es weitergeht zu Dimuborgir. Das ist nicht nur eine Metal Band aus Norwegen. Nein, diese Band hat sich Ihren Namen anhand dieses Lavafeldes in Island gegeben. Wir drehen auch hier eine ruhige Runde und nehmen ein wenig die Details ins Visir.

Weiter geht es zum Hverfjall Krater. Wir halten in relativ großer Distanz und beschließen es dabei zu belassen. Über 2 Stunden hätte uns die Wanderung gekostet. Mal sehen ob wir am Ende des Tages noch Zeit haben, wir fahren hier ja noch einmal vorbei. Auf dem Weg zum Námafjall Bergrücken klettern wir noch kurz in die Grjotagjá Höhle hinab und staunen mal wieder über die Wunder dieser Erde. Bis zu 60 Grad heisses Wasser drückt es hier aus dem Boden und bildet einen unterirdischen kleinen See. Vor einer Verschiebung von irgendwelchen Erdplatten war das Wasser deutlich kühler und die Höhle wurde als natürliches beheiztes Schwimmbad genutzt. Inzwischen ist dies leider nicht mehr möglich.

Das geothermische Areal Hverarönd am Námafjall riecht man, bevor man es sieht. Schwefel ist einfach unangenehm für die menschliche Nase. Hier drückt es sogenannten Solfataren Wasserdampf, Schwefelwasserstoff, elementaren Schwefel und andere Mineralien aus der Erde. Auch gibt es zahlreiche langsam oder heftig kochende Schlammtöpfe und Fumarolen. Spannend was hier so abgeht. Überall zischt, dampft und brodelt es. Die Erde hat lustige Farben, von Ocker über giftgrün bis gelb reicht die Farbpalette.

Nun kommt das Highlight des Tages. Wir fahren zur Hölle. Zumindest wenn man den Namen des vulkanischen Sees Viti übersetzt. Am Parkplatz am Fuße des Kraters angekommen machen wir uns wetterfest und schnallen die Rucksäcke auf. Es ist hier schon extrem windig, am Rand des Kraters entlang zeigt sich der Wind aber nochmal von einer viel hässlicheren Seite. Wir erklimmen den Kraterrand und stoppen immer wieder um unsere Eindrücke auch mit den Kameras festzuhalten. Einfach Wahnsinn, was für Naturgewalten hier vorherrschen die solche Phänomene erschaffen. Der vulkanische See liegt am isländischen Zentralvulkan Krafla. Er entstand 1724 bei einer Dampfexplosion zu Beginn einer ca. fünfjährigen Ausbruchsserie die man Mývatnfeuer nennt und die bis 1729 andauerte. Der See misst 320 m im Durchmesser und ist etwa 33 m tief.

Nach dieser Wanderung haben wir für heute erstmal genug und fahren erschöpft aber glücklich zurück zum Hotel. Um kurz nach 18 Uhr begeben wir uns ins Restaurant, welches am Hotel angeschlossen ist und wollen uns heute mal etwas gönnen. Vorneweg gibt es Tartar von der Gans mit getrockneten Auberginenstreifen und dazu Baguette mit Skyr. Ein Gedicht! Als Hauptgänge haben wir uns eine isländische Forelle auf Kartoffelpüree mit karamelisierten Zwiebeln und isländisches Lamm mit Kartoffeln und Pilzen an einer Rote Beete Soße ausgesucht. Wir haben unsere Entscheidung nicht bereut. Gut gesättigt beschließen wir nicht nochmal loszuziehen um eine Fotolocation für den Sonnenuntergang zu suchen. Wir begeben uns aufs Zimmer und genießen einfach den Abend. Durch unser Panoramafenster haben wir einen super Ausblick als der Himmel zu leuchten beginnt und wir ärgern uns doch ein bisschen, dass wir nicht mehr losgezogen sind. Manchmal muss man aber auch einfach zufrieden sein. Wir haben heute so viele spannende Naturphänomene gesehen und erleben dürfen, dass es uns leicht fällt zufrieden einzuschlafen.

Hier noch der GPX Track des Tages:

Herunterladen

Island Tag 6 – 226 km – Myvatn

Wir werden überhaupt nicht richtig wach. Ich quäl mich dann doch als Erster raus und beginne Frühstück zu machen. Eier kochen, Tee kochen, Brot, Käse, Marmelade herräumen. Irgendwann kommt Anja dann doch aus dem Bett gekrochen. Der Tag gestern war definitiv erschöpfend. Heute muss es etwas entspannter zugehen – ist ja schließlich Urlaub hier.

Nachdem wir gegessen und die Ordnung im Auto wiederhergestellt haben, fahren wir noch zum Arctic Henge. Ein Kunstwerk welches nicht einmal ansatzweise vollendet ist, nur erschaffen um mehr Touristen nach Raufarhöfn zu locken. Die Vision eines Hotelmanagers und eines Künstlers. Von Weitem denkt man sich erstmal – naja da stehen halt ein paar Steine rum. Wenn man die 5 Tore welche aktuell fertiggestellt sind dann aus der Nähe sieht sind sie ziemlich beeindruckend. Die vier äußeren Tore zeigen die Himmelsrichtungen an. Wir machen ein paar Fotos, dann flüchten wir vor dem brutalen Wind wieder ins warme Auto und begeben uns auf den Weg nach Myvatn. Halt einen kurzen Stop legen wir noch an der Postfiliale ein um eine Ansichtskarte nach Hause zu schicken. Die Postmitarbeitern nutzt die Gelegenheit und bindet uns in einer Unterhaltung…wenn schonmal jemand vorbeikommt.

Unsere ersten zwei geplanten Stops lassen wir ausfallen, da Aufgrund des Nebels sowieso nichts zu sehen wäre. Am Asbyrgi Canon biegen wir ab und fahren diesen soweit es geht rein. Naja eine beeindruckende Wand links und eine beeindruckende Wand rechts von uns. Das war es. Wir fahren weiter. Einmal halten wir noch an der Küste um zu gucken ob schon wieder Puffins (Papageientaucher) da sind. Ich glaube allerdings dass wir hierfür einfach zu früh dran sind. In Husavik parken wir direkt am Hafen und versuchen die aktuelle Regenwolke auszusitzen. Nach 10 Minuten wird uns das zu doof und wir schlendern eben im Nassen mit den Kameras durch den Hafen. Im Anschluss gibt es noch einen Hotdog im örtlichen „Grill“. Die Strecke heute ist lediglich eine Wiederholung der gestrigen und noch dazu ist das Wetter heute deutlich schlechter als gestern. Wir sitzen die km einfach ab und freuen uns, dass wir bereits am frühen Nachmittag im Hotel Laxa am Myvatn einchecken können. Auf dem Zimmer dümpeln wir ein wenig und planen die nächsten Tage. Wir haben uns hier für 2 Nächte einquartiert, da wir die POIs um den Myvatn in Ruhe erkunden wollen.

Um 18:30 Uhr werden wir dann doch nochmal agil. Wir fahren zum nahe gelegenen Natur Bad und begeben uns ins Mineralienhaltige warme Wasser. 10% Rabatt bekommen wir da die Lagune aufgrund von kalten Winden nicht die übliche Temperatur hat, was man auch deutlich spürt. Noch viel mehr bemerkt man allerdings den Geruch des Wassers. Eine LKW Ladung faule Eier kann nicht mehr stinken. Aber das soll gesund sein und was tut man nicht alles für die Gesundheit. Das große Becken bietet einen tollen Ausblick auf die Landschaft und den Sonnenuntergang – leider ist es auch das Becken, das am stärksten vom Wind abgekühlt wurde. Das kleine Becken, naja eigentlich eher ein Trog hat 41 Grad, das ist dann schon ganz angenehm. Ein Chinese übertreibt es allerdings mit der Aufenthaltsdauer darin und sein Kreislauf gibt nach. Die Mitarbeiter gehen mit der Situation aber äußerst routiniert und cool um. Scheinbar haben sie Übung darin. Nach dem Baden vespern wir noch im Hotelzimmer und legen uns ab.

 

Hier noch der GPX Track des Tages:

Herunterladen

Island Tag 5 – 520 km – Raufarhöfn

Um 6:30 klingelt der Wecker… ist das Urlaub? Ja ist es, wir wollen schließlich was sehen. Im Herbst gibt es noch einen Urlaub zum Faulenzen, da wird länger geschlafen. Es war echt angenehm das ganze Gästehaus für uns alleine zu haben. So schön ruhig. Das Gemeinschaftsbad gehört einem auch alleine und in der Küche gibt es auch kein Gedrängel. Ich möchte echt nicht in der Hauptsaison hier unterwegs sein.

In Island wird wahnsinnig viel mit Geothermie gemacht. Naja, die wären ja auch doof, wenn sie die heißen Quellen und die Erdwärme nicht nutzen würden. Man hat hier aber an manchen Orten beim Duschen das Gefühl man sitzt in einem Haufen faulige Eier. Der Schwefelgehalt des heißen Wassers ist ziemlich hoch und es riecht für uns einfach extrem gewöhnungsbedürftig. Im Gästehaus Olga in Egilsstaðir war das extrem. Ich habe einfach wesentlich kälter geduscht als normalerweise um dieses Geruchsproblem zu lösen.

Nach dem Frühstück fahren wir los in Richtung Gufufoss. Um diesen zu erreichen müssen wir wieder einige Höhenmeter überwinden, wobei immer mehr Nebel aufkommt je höher wir fahren. Die Sichtweite beschränkt sich auf ca. 25 Meter und wir befürchten, dass wir die angepeilten Wasserfälle gar nicht zu Gesicht bekommen. Der Gufufoss liegt dann allerdings exakt an der Nebelgrenze. Hier im Osten der Insel haben wir die meisten Locations um diese Jahreszeit für uns alleine. Wenn dann noch so ein Wetter dazukommt sowieso.

Nach einer kurzen Fotopause fahren wir zurück zum Fardagafoss an welchem wir uns aber entscheiden die Wanderung von ca. 1 Stunde nicht auf uns zu nehmen, da dieser höher und somit im Nebel liegt. Wieder zurück in Egilsstaðir fuhren wir diesmal in Richtung Litlanes- und Hengifoss. Vom Parkplatz (mit beheizter Toilette) bis zu den Wasserfällen ist es eine stattliche Wanderung die steil Bergauf geht. Insgesamt 1 Stunde und 45 Minuten waren wir unterwegs bis wir zurück am Parkplatz waren. Die beiden Fälle sind absolut beeindruckend und jeden Höhenmeter wert! Der Litlanesfoss ist von senkrecht stehenden Basaltsäulen umgeben welche ihn regelrecht einrahmen.

Nun ging es wieder zurück nach Egilsstaðir, welches wir nun aber endgültig hinter uns lassen wollen. Noch schnell einen kurzen Stopp im Bonus Supermarkt und ein bisschen Lebensmittel gekauft, dann geht es weiter. Den Rjúkandi Wasserfall können wir leider beim besten Willen nicht erkennen da es so neblig ist dass wir maximal 20 Meter Sichtweite haben. Das macht auch das Fahren sehr anstrengend. Wir befinden uns inzwischen auch einige Meter höher, was man sehr gut daran erkennen kann dass um uns herum noch alles voller Schnee ist. Über eine Stunde fahren wir quasi im Blindflug im dichten Nebel dahin bevor es endlich aufreißt.

Noch sind wir auf der auch als Ringstraße betitelten 1 unterwegs. Wir wollen aber bald nach rechts abbiegen auf eine Schotterpiste um zum Detti- und Selfoss zu kommen. Leider müssen wir feststellen, dass die 284 gesperrt ist. Das hatte ich auf road.is schlichtweg übersehen bei der Planung. Wir nehmen also auf der anderen Flussseite die 282, welche leider aber auch ab dem Dettifoss gesperrt ist. Das bedeutet für uns einen Umweg von zusätzlichen 150 km um zum Arctic Henge zu kommen. Dort haben wir heute Nacht ein Zimmer in einem Gästehaus gebucht. Das würfelt unsere Zeitplanung ganz schön durcheinander. Ich schreibe der Hausdame schnell noch eine SMS, dass wir etwas später kommen als geplant und dann stapfen wir los zu den Wasserfällen.
Eine mühselige Angelegenheit durch den tiefen schmelzenden Schnee zu laufen. Immer wieder sacken wir unverhofft ein oder stehen knöcheltief in Wasserlachen. Aber die beiden Naturschauspiele sind es wert! Der Dettifoss, an welchem wir zuerst Halt machen stürzt mit einer Gewalt in die Tiefe, dass einem ganz Angst werden kann. Die Gischt des Wasserfalles macht es uns unmöglich die ND Filter zum Einsatz zu bringen. Zu diesem Wasserfall passt es aber auch nicht ihn „weich zu malen“. Auf dem Programm steht also Foto – Objektiv abwischen – Foto – Objektiv abwischen – Foto – abwischen…

Nach einem weiteren Fussmarsch stehen wir noch ziemlich weit vom Selfoss entfernt und müssen feststellen dass wir nicht näher ran dürfen, da der Weg auf den lockeren Eisplatten zu gefährlich wäre. Gut, dann packen wir eben das Tele aus. Hier haben wir wenigstens keine Probleme mit der Gischt. Der Weg zum Auto zurück raubt unseren Füssen dann die letzten Kräfte für den Tag. Das Laufen in dem sulzigen Schnee ist echt anstrengend. Nun beginnt der langweiligste Teil des Tages. Aufgrund meiner Unachtsamkeit bei der Planung stehen uns noch 240 km bis zur Unterkunft bevor. Einen Großteil dieses Weges werden wir morgen wieder zurück fahren, um zum Myvatn zu gelangen an welchem wir heute einfach vorbeidüsen.

Das Wetter hält sich lange Zeit trocken und mit guter Sichtweite. Einen Tankstop legen wir noch ein um unsere Restreichweite nicht unter 200km fallen zu lassen. Auf den letzten 40km zieht der Himmel dann wieder zu und es gibt interessante Lichtstimmungen. Vergleichbar mit dem Weißabgleich der Kamera ergibt sich alle paar km ein völlig neuer Anblick. Von warmweiß (welches ins Orange geht) bis hin zu kaltweiß (welches eher bläulich wirkt).

Um kurz nach 19 Uhr kommen wir nach 520 gefahrenen Kilometern am Gästehaus Solsetur in Raufarhöfn an. Die Hausherrin zieht kurz und schmerzlos den Checkin mit uns durch und teilt uns mit, dass wir das ganze Haus für uns alleine haben. YES!!! Noch schnell was zu Essen gekocht, den Plan für den Rückweg zum Myvatn nochmal durchgegangen (das wird deutlich entspannter) und schon liegen wir völlig erschlagen im Bett. Diesen Bericht schreibe ich erst am Folgetag da ich einfach zu platt war.

Hier noch der GPX Track des Tages:

Herunterladen

Island Tag 4 – 315 km – Egilsstaðir

Irgendwie wollte ich heute morgen nicht aufwachen. Nachdem Anja mich dann genötigt hatte wach zu werden, trabten wir erstmal in die Frühstückshalle des Hotels. Und das war endlich mal wieder ein Frühstücksbuffet, das es wert war BUFFET genannt zu werden. Teller voll – Teller leer gemacht – Magen voll gemacht – wieder müde…

Naja hilft ja alles nix, wir wollen ja auch was sehen, wenn wir schon in Island sind. Für unseren ersten Fotostopp des heutigen Tages hielten wir spontan an einer Bucht, in welcher sich wunderbar die umliegenden Bergketten spiegelten. Ein bisschen rumschlendern und knipsen. Die Zeit vergeht schnell. Weiter geht es zum ersten geplanten Stop, dem Vestrahorn. Nachdem wir 1600 ISK (ca. 13 EUR) für den „Naturschutz“ bezahlt haben, dürfen wir direkt bis zum perfekten Fotopunkt durchfahren. Was an dieser Gebühr Naturschutz ist, weiß ich zwar net, den unternehmerischen Profit Gedanken dahinter kann ich dafür umso mehr nachvollziehen. Wir parken und wandern durch die schwarzen Dünen an den Strand. Stative raus, Filter auf die Linse und los geht es. Verschiedene Standorte ausprobiert und dann ist es auch schon passiert… Der Schuh ist voll Wasser, weil man nach dem fünften Bild eben nicht mehr an die Wellen denkt, welche heranrollen. Aber egal, das trocknet wieder.

Wir trödeln rum und die Zeit vergeht wie im Flug. Noch ein paar Bilder mit den Dünen im Vordergrund und dann noch auf die andere Seite der Landzunge, mal gucken ob es außer Möwen noch andere Vögel gibt. Mit Robben rechnen wir nicht. Schnell mal das große Tele (150-600) an die Kamera geschraubt und kurz die Felsen abgesucht. Ein Schuss – nur Möwen, alles klar lass uns gehen… Abends am Computer hab ich dann FÜNF ja, ganze FÜNF Robben auf dem schnellen Testschuss entdeckt. Betriebsblind wie ich war hab ich die natürlich vor Ort nicht mal ansatzweise wahrgenommen.

Unser nächster geplanter Halt kam bereits nach 16 km. Der Skutafoss hat es uns auch sehr angetan. Wieder vertrödelten wir über eine Stunde beim Fotografieren von insgesamt 3 Wasserfallstufen. Als wir endlich wieder vorwärts kamen, war es bereits 14 Uhr. Ganze 72 km der geplanten 370 hatten wir bisher geschafft. So wird das heute nix. Die nächsten zwei angedachten Spots ließen wir mangels Inspiration ausfallen und so kamen wir endlich etwas voran

Heute war auch mal ein Tankstop fällig. Automatentankstelle, sogar mit deutscher Sprache. Easy! Ein anderer Kunde kam damit allerdings garnicht klar. Ich verstehe nicht was so schwer daran ist – Karte rein, Pin eingeben, Volltanken auswählen, Nummer der Zapfsäule drücken und das war es.

Nun kam lange Zeit nichts. Wobei, nichts ist die falsche Aussage. Absolut beeindruckende Natur konnten wir bestaunen. Alle 500 Meter hätten wir anhalten können, aber dann kämen wir in einem Jahr nicht um die Insel rum. Also ab zum nächsten Wasserfall. Der Sveinsstekksfoss ist super mit dem Auto zu erreichen. 2 Minuten zu Fuss vom Parkplatz bis zum Aussichtspunkt. Hier arbeiteten wir ausnahmsweise mal hochkonzentriert und effektiv. Nur 10 Minuten, dann waren die Bilder im Kasten…und es begann mal wieder zu Regnen. Vielleicht waren wir auch deshalb so zügig.

Die restlichen 140 km bis zur heutigen Unterkunft im Gästehaus Olga in Egilsstaðir vergingen dann wie im Fluge. Einen Halt legten wir noch ein als Anja eine Robbe in einem Fjord entdeckte.

Wir erreichten noch ungeahnte Höhen und fuhren von Schneebedeckten Gipfeln umgeben über einen Pass (keine Ahnung wie der hieß). Das Gästehaus haben wir vollkommen für uns allein, einer der Vorteile wenn man abseits der Saison unterwegs ist. Für morgen haben wir wieder ein paar km mehr geplant da wir eine nette Unterkunft am Arctic Henge gefunden haben. Mal sehen wie wir das mit dem Zeitmanagement hinkriegen.

Hier noch der GPX Track des Tages:

Herunterladen

Island Tag 3 – 260 km – Smyrlabjörk

Irgendwie ist unser Rhythmus immer noch nicht mit der Zeitverschiebung angeglichen. Um 7 Uhr sind wir hellwach und begeben uns so langsam in die Gemeinschaftsküche des Gästehauses um zu Frühstücken. Käsebrote und Tee, mehr gibt es heute nicht. Um 8:40 sitzen wir im Auto und erfreuen uns daran, dass es uns nicht vollregnet. Bei diesen Wetterbedingungen ist es doch ganz angenehm mal nicht mit dem Motorrad unterwegs zu sein.

In Vik legen wir am Strand den ersten Stop ein. Anja hätte den ganzen Tag nasse Schuhe gehabt, wenn ich sie nicht vor einer Welle gewarnt hätte. Aber so ist das, wenn man mit dem Foto beschäftigt ist… man vergisst alles um sich herum. Den schwarzen Strand verlassen wir relativ zügig wieder. Der waagrecht fallende Regen macht einfach keinen Spass.

Am Uxarafoss stellen wir fest, dass alles drum herum Privatgelände ist und man nicht ganz so einfach an diesen rankommt. Also „nur“ ein Erinnerungsfoto mit den Augen gemacht und weiter. Den nächsten POI sehen wir schon von Weitem. Laufskálavarða – hier findet man viele kleine und größere Steinhaufen, welche von Reisenden aufgetürmt wurden, um sich eine gute Reise zu sichern. Alle paar Kilometer verändert sich nun das Landschaftsbild. Von schwarz und gänzlich unbewachsen zu knubbeligen Lavafeldern welche vollständig grün bemoost sind oder gelbem Gras. Immer wieder gibt es etwas Neues zu sehen.

Am Stjórnarfoss legen wir wieder einen verregneten Fotostopp ein. Anja hat mit Ihren Schraubfiltern hier bessere Karten als ich mit meinem 150er Stecksystem. Ich packe mein Zeug garnicht erst aus, da die Regentropfen eh alles zu Nichte machen würden. Die Zwergenklippe – Dverghamrar war früher angeblich ein Wohnort für Zwerge. Wir finden hier leider keine mehr vor. Ein paar Bilder dieser beachtlichen Säulen halten wir aber trotzdem fest.