Über Tobias Seidel

Tobias Seidel wurde 1981 geboren und hat sein Hobby IT zum Beruf gemacht. In seiner Freizeit beschäftigt er sich viel mit den Themen Reisen, Triathlon, Motorräder, Fotografie und Tanzen (Standard).

Städtetrip: Adventszeit in Dresden

Das diesjährige Auszeit Wochenende in der Adventszeit sollte uns nach Dresden bringen.

Geplant war eine Anreise am Donnerstag direkt nach der Arbeit und eine Abreise im Laufe des Sonntags. Ein Hotel in guter Lage war schnell gefunden. Mit dem Kandler’s kann man nix verkehrt machen. Das Denkmalgeschützte Würfelhaus welches im Jahre 1895 erbaut wurde befindet sich in Familienbesitz und ist mit einem Hotel und einem Restaurant ausgestattet. Eine Haltestelle der Straßenbahn liegt direkt vor der Tür. In der direkten Umgebung findet man Bäcker, Metzger und Einkaufsmöglichkeiten. Hier ist also ein perfektes Basislager für einen Städtetrip.

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Wir kamen Donnerstag Abend gegen 21 Uhr an und begaben uns direkt aufs Zimmer, um noch letzte Pläne für Freitag zu schmieden. Um 7 Uhr klingelte der Wecker und wir durften ein bodenständiges Frühstück (z.B. Pressack) dem es an nichts mangelte genießen. Die Tramlinie 12 sollte uns heute mit einer Familientageskarte für 9 Eur bis zum Postplatz bringen. Hilfreich bei der Navigation im Netz der Öffentlichen in Dresden ist die App der Dresdner Verkehrsbetriebe. Wir schlenderten erstmal durch die Altmarktgalerie um direkt aus dieser heraus in den berühmten Striezelmarkt einzutauchen. 2014 fand der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands bereits zum 580sten Mal statt. Wir hangelten uns von Bude zu Bude. Die Vielfalt der hier vertretenen Waren kennt keine Grenzen und jede Bude sieht anders aus. Die Gassen sind angenehm breit angelegt und so rempelt man nicht ständig mit anderen Besuchern zusammen. Man hat auch nicht das Gefühl, dass man durch den Markt geschoben wird. Die Kulinarische Vielfalt der dargebotenen Speisen sucht Ihresgleichen. Wir müssen tatsächlich feststellen dass dies der vielseitigste Weihnachtsmarkt ist welchen wir bisher besucht haben.

Direkt vom Striezelmarkt begeben wir uns in die Kreuzkirche und halten erst einmal inne. Wir setzen uns und lassen die Schlichtheit dieser Kirche auf uns wirken. Zum ersten Mal fühle ich mich in einer Kirche dieser Größe wohl. Der Altar sticht deutlich hervor, ist aber auch eher schlicht gehalten. Vergoldete Decken oder bunte Fresken sucht man hier vergebens, selbst bunte Glasfenster sind hier Mangelware. In dieser Kirche steht tatsächlich der Mensch und sein Glaube im Mittelpunkt. So stelle ich mir eine Kirche vor. Ein massiver Bau, ein Bollwerk des Glaubens, der nicht protzt sondern durch seine Schlichtheit eine Ruhe ausstrahlt welche einen innehalten lässt.

Wir besichtigen noch den Turm der Kreuzkirche und genießen den Ausblick über Dresden. Das 12 Uhr Geläut erleben wir auf dem Weg nach Oben. Unser weiterer Weg führt uns in Richtung Frauenkirche. Vor dieser findet sich ein kleinerer etwas mittelalterlich angehauchter Weihnachtsmarkt. Hier finden wir eine Baumstriezelbäckerei und gönnen uns einen solchen mit Zimt und Zucker.

Die Frauenkirche ist ein totaler Kontrast zur Kreuzkirche. Hier findet sich wieder der komplette Prunk und Protz welchen die Kirchen so gerne präsentieren. Ein imposantes Kunstwerk in welchem man allerdings keine Ruhe findet. Die Touristenströme zeigen hier keinerlei Respekt und die Stimmung in dieser Kirche ist eher gehetzt. Wir verlassen die Frauenkirche auch recht schnell wieder und wandern durch den kleinen Weihnachtsmarkt welcher uns zu den Brühlschen Terrassen führt. Hier eröffnet sich uns der Blick auf die Elbe und die Erinnerung an die Bilder vom Hochwasser kommen hoch. Wir wandern in Richtung der Kathedrale Ss. Trinitatis des Bistums Dresden-Meißen, welche ehemals als Hofkirche bekannt war. Auch hier fällt uns der Kontrast zur Kreuzkirche auf. Obwohl auch diese Kirche relativ schlicht gehalten ist fesseln einen viele prunkvolle vergoldete Ornamente. Die Kanzel fängt einen regelrecht ein mit Ihrem Glanz. Wir finden wieder ein wenig mehr Ruhe als in der Frauenkirche, die Besinnlichkeit der Kreuzkirche wird aber auch hier nicht einmal ansatzweise erreicht.

Direkt gegenüber liegt die berühmte Semperoper, auf welche wir nur einen kurzen Blick im vorübergehen werfen. Den Zwinger umrunden wir erstmal und sammeln dabei zwei Geocaches mit ein. Viel des Flairs der barocken Zwingeranlage vermitteln die Wasserspiele, welche logischerweise im Dezember trockengelegt sind. So begeben wir uns zügig auf die Dächer der Galerien und umrunden den Zwinger ein zweites Mal. Ein optisches Highlight sind die Fremdenführer in der Anlage welche sich im barocken Stil gekleidet haben.

Wir wollen heute noch die Pragerstraße erkunden und durchqueren auf dem Weg dorthin noch einen weiteren kleinen Weihnachtsmarkt am Schlossplatz. Hier lassen wir uns ein Stück Eierschecke, eine Dresdner Kuchenspezialität, und eine Tasse Punsch schmecken. Die Pragerstraße glänzt im weihnachtlichen Dekor mit Ihren vielen Läden, Hotels und dem Rundkino. Am Ende der Prager Straße tauchen wir ein in die Dresdner Winterlichter, einen weiteren Markt. Dieser ist stark geprägt von sich wiederholenden kulinarischen Angeboten. Bisher der ernüchterndste Markt. Ebenso schnell wie wir gekommen sind verlassen wir diesen auch wieder um nochmal bei Dunkelheit über den Striezelmarkt zu schlendern. Unser Abendessen finden wir hier auch in Form von Dresdner Handbrot. Absolut lecker und zu empfehlen! Die Straßenbahnlinie 12 bringt uns zurück zum Hotel und wir fallen erschöpft in unsere Betten und beschließen am Samstag die Neustadt zu erkunden.

Der Samstag beginnt mit dem selben deftigen Frühstück wie auch schon der Freitag. Heute nehmen wir die Tram Linie 7 bis zum Carolaplatz. Wir begeben uns von der Haltestelle aus hinab ans Elbufer und kundschaften schonmal grob einen günstigen Standort für eine kleine Fotosession am Abend aus. Dann folgen wir dem Elbufer unter der Albertbrücke hindurch und am Rosengarten vorbei. Der eine oder andere Geocache welcher direkt am Weg liegt wird dabei gehoben. Am Diakonissenkrankenhaus verlassen wir das Elbufer und begeben uns in die Neustadt. In der Bautznerstraße betrachten wir Pfunds Molkerei, welche sogar einen Guinessbuch der Rekorde Eintrag als schönster Milchladen der Welt hat.

An der Martin Luther Kirche vorbei geht es zum alten jüdischen Friedhof. Dieser ist leider geschlossen. Üblicherweise kann man hier eine Führung in Anspruch nehmen. Dies ist allerdings in der Adventszeit nicht möglich. Nach einem kurzen Blick durchs Tor begeben wir uns auf den Weg zur Kunsthofpassage. Auch hier finden wir einen gut versteckten Geocache und so einiges an optischen Eindrücken. Man kann es ein wenig mit den Hundertwasserhäusern vergleichen was sich einem in diesen Innenhöfen bietet. Belebt werden die Höfe von zahlreichen Handwerkern und Cafes. Alles in allem eine sehr bunte und interessante Ansammlung an Geschäften. Diese sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, wenn man mal in Dresden ist.

Über den Albertplatz mit seinem Artesischen Brunnen gelangen wir zum Augustusmarkt, einem internationalen Weihnachtsmarkt welcher am Goldenen Reiter endet bzw. beginnt. Das Schlendern über diesen unterbrechen wir für einen Abstecher in die Markthalle wo am heutigen Tage ein Trödelmarkt stattfindet. Ein wenig aufgewärmt begeben wir uns auf den Weg durch die zweite Hälfte des Weihnachtsmarktes, welcher durch seine Internatonalität hervorsticht. Afrikanische Kost neben Finnischem Lachs und Tschechischen Baumstriezeln. Wir entscheiden uns für eine Sächsische Kartoffelsuppe da diese ein wenig von innen heraus wärmt. Am Goldenen Reiter finden wir den Beweis, dass ein Geocache in einer stark bevölkerten Gegend kein Micro oder Nano sein muss!

Nach diesem schönen Fund folgen wir der Meißner Straße zum Japanischen Palais und begeben uns wieder ans Elbufer. Der starke Wind treibt uns in Richtung Augustusbrücke und über diese zurück in die Altstadt. Im Stallhof begeben wir uns ins Getümmel der Mittelalterweihnacht. Hier wird ein Wegezoll von 3 Euro pro Person erhoben, es werden aber auch viele Darbietungen angepriesen. Wir erleben gerade noch das Ende einer Mittelalterlichen Musikgruppe, welche direkt von einem mit dem Feuer spielendem Gaukler abgelöst wird. Die kulinarischen Köstlichkeiten der mittelalterlichen Küche haben es mir angetan und so genehmige ich mir ein mit Bohnen und Campignons gefülltes Hanfbrot. Anja bleibt bei heißer dunkler Schokolade. Wir verbringen hier noch einige Zeit und beobachten die Handwerker bei ihrer Arbeit bevor wir uns mit der Tram Linie 8 wieder zum Carolaplatz begeben.

Heute will ich noch die Gunst der blauen Stunde nutzen um vielleicht ein oder zwei Bilder der Dresdner Altstadt zu machen. Der Wind pfeift uns um die Ohren, die Temperaturen lassen uns frösteln und mit dem Auspacken des Stativs beginnt es zu regnen, beste Voraussetzungen. Wir harren trotzdem aus und packen erst nachdem die Lichtstimmung gekippt ist wieder zusammen und begeben uns mit der Straßenbahnlinie Nr. 7 wieder zurück zum Hotel.

Nach einer heißen Dusche wollen wir heute das Restaurant des Kandler’s testen und werden nicht enttäuscht. Bodenständige Dresdner Küche welche exzellent zubereitet ist zu moderaten Preisen. Nach dem Essen ist vor dem Bericht. Hier sitze ich nun und halte das erlebte der ersten beiden Tage fest.

Der Sonntag beginnt mit packen. Immer wieder erschreckend wieviel unnützes Zeugs man mitnimmt wenn man den Platz dazu hat. Nach dem Frühstück checken wir aus und fahren erstmal wieder mit der Tram Nr. 12 in Richtung Innenstadt. Eigentlich wollten wir heute noch das Grüne Gewölbe besichtigen, aber das Wetter hält uns davon ab uns nach Innen zu begeben. Wir verbringen nochmal gut 2 Stunden auf dem Striezelmarkt und machen uns dann mit der Linie 12 auf zum Blauen Wunder, der Loschwitzer Brücke. Diese überqueren wir zu Fuss um uns noch den Weihnachtsmarkt am Elbhang anzusehen. Das Highlight hier war für uns der Messermacher mit seinen vielen Handgefertigten Werkstücken.

So langsam aber sicher geht unser Wochenende zu Ende. Wir nehmen die Linie 6 um zum Hotel zurück zu kommen und treten den Heimweg an. Nach gut 3 Stunden Fahrtzeit sind wir wieder zu Hause. Zeit die Eindrücke zu verarbeiten und die Bilder zu sortieren.

 

Weihnachtsmarkt in Spalt (Mittelfranken)

Jedes Jahr nehmen wir uns den einen oder anderen besonderen Weihnachtsmarkt vor. So ein typischer Dorfweihnachtsmarkt ist ja meist geprägt von den Glühwein und Essensbuden der Vereine. Hier gibt es meist wenig beeindruckendes für die Besucher zu sehen, im Vordergrund steht der Umsatz für die Vereine. Vor wenigen Tagen erhielten wir von einem Freund den Tipp uns doch den Spalter Weihnachtsmarkt am Wochenende des Ersten Advents anzuschauen, dieser sei hier ganz anders ausgerichtet.

Der Werbeslogan “Der Weihnachtsmarkt mit dem gewissen Etwas mehr…” und die Empfehlung bauten eine gewisse Erwartungshaltung auf und so machten wir uns am 1. Adventssonntag gegen 15 Uhr auf, den Markt zu erkunden.

Die erste Hürde war die Suche nach einem Parkplatz. Die Flut an Autos zeigte deutlich dass wir nicht als einzige eine Empfehlung bekommen hatten. Wir parkten direkt am Ortsschild in einer Wiese und legten einen kleinen Marsch zum Beginn des Marktes zurück.

Der erste Blick fiel auf die üblichen Buden der Vereine und die Teelichter in Einmachgläsern welche am Straßenrand den Marktbetrieb umsäumten. Ein Schild zu einem Rundgang lud uns ein sofort abzubiegen und von der Hauptstrasse in die kleineren Gassen einzutauchen. Genau hier fanden wir auch was uns vielfach angekündigt wurde, viele verwinkelte Gassen mit heimeligen Nestern. Gewölbekeller und Scheunen welche die Künstler und Handwerker zu Ateliers oder Arbeitsplätzen ausgestaltet hatten um Ihre Werke zu präsentieren. Von Malern, über Töpfer bis hin zu Schnitzern und noch viele andere Künstler und Handwerker zeigten teilweise live wie Ihre Kunstwerke entstehen. Weit über 100 Aussteller zählt der Weihnachtsmarkt. Diesen in einigen wenigen Stunden vollständig zu erkunden ist völlig unmöglich. Das Gedränge und die Enge welche ein Nürnberger Christkindlesmarkt am Abend bietet vermisst hier keiner, denn hier findet man ihn, den Flair von Weihnachten, das entschleunigte Dahingleiten der vorweihnachtlichen Zeit, immer wieder innehalten und bestaunen was Menschenhände erschaffen können.

Beim Abstieg in die Gewölbekeller musste man sich gewaltig Bücken und den Kopf einziehen. Dafür wurde man z.B. mit dem Anblick eines Rechenmachers bei der Arbeit oder von den Düften der kulinarischen Leckereien welche feil geboten wurden in den Bann gezogen. Kinderherzen erfreuen sich am Streichelzoo und an den Kutschfahrten im Planwagen. Das Angebotene Repertoire an Speisen reicht durch die ganze bandbreite der fränkischen Leckereien. Am Weihnachtsmarkt beteiligen sich teilweise auch die ganzjährig hier angesiedelten Geschäfte. So kann man auch bei mehreren Konditoreien einkehren und sich mit Lebkuchen und besonderen Stollenkreationen eindecken.

Der letzte Gang führte uns durch die Hauptstrasse und hier findet man sie dann tatsächlich noch, die Glühwein und Essensbuden der Vereine.

Viel zu schnell war die Zeit bis 19 Uhr und dem Ende des Weihnachtsmarktes vergangen. Man hätte ihn durchaus intensiver erleben können, dazu reichen 4 Stunden aber definitiv nicht aus.

Leider findet dieser Markt nur am ersten Adventswochende statt, so dass ihr erst 2015 wieder die Chance habt diesen zu erleben.

Neuer Helm – Die Qual der Wahl – Ergebnis: BMW und Thor

Mein Schuberth S1 war inzwischen deutlich in die Jahre gekommen. Immerhin trage ich ihn nun seit gut 8 Jahren. Zum damaligen Zeitpunkt war dieser Helm die obere Spitzenklasse und gewann alle Tests um längen. Bei einem Neuerwerb möchte man sich selten verschlechtern, daher haderte ich bereits seit einiger Zeit damit welche Modelle und Hersteller ich in die Auswahl nehmen sollte. Ich war mit dem Schuberth bis zum Kauf der V-Strom absolut zufrieden. Nachdem ich die Scheibe als Windabweiser hatte war mir der Helm im Sommer oftmals zu warm und zu „dicht“, daher liebäugelte ich mit einem Modell welches mehr in die Richtung Crosshelm geht, oder aber mit einem Klapphelm. Aber meist kommt es doch anders als man denkt.

Zufällig stolperte ich Mitte des Jahres bei Motorrad Taf in Nürnberg über den Thor Quadrant Pro Circuit.
Ein günstiger reiner Crosshelm aus Polycarbonat mit Doppel-D Verschluss. Haltbarkeit also so ca. 3-4 Jahre. Aufgrund des Preis-Leistungsverhältnisses schnappte ich mir diesen. Noch eine Scott Brille dazu und das Belüftungsproblem im Sommer war gelöst. Der Helm hat sich bisher bei warmem Wetter bewährt. Ich habe lediglich noch Gummidichtungen unter die Schrauben für das Sonnenvisier gelegt um dieses besser gegen verrutschen zu sichern. Somit hatte ich eine Lösung für 1-2 Tages Touren mit absehbarem Wetter gefunden. Was dieser Helm zweifellos nicht bietet für knapp unter 100 EUR sind Komfortfunktionen und Nässeschutz.

 

Nach unserer Kroatientour unterzog ich den alten S1 einer Komplettreinigung und machte eine Bestandsaufnahme welche Teile ich ersetzen müsste. Leider ergab ein Anruf bei Schuberth dass die benötigtne Teile (Backenpolster, Kopfpolster) nicht mehr alle verfügbar sind. Nun begann die große Suche. Diverse Recherchen führten mich zu Caberg Tourmax (Klapphelmkonzept mit Enduroform), Schuberth C3Pro (reiner Klapphelm) oder X-Lite X-551 (Endurohelm mit Visier). Eine ausführliche Anprobe bei Louis in Nürnberg viel leider nicht zufriedenstellend aus. Wenn ich schon bereit bin für einen Helm und vor allem für die Komforfunktionen über 500 Euro zu investieren dann muss auch alles passen. Der Caberg lies sich nicht schließen da mein Kinn im Weg war, der C3Pro hat keine Zulassung als Jethelm und klappt daher bei leichter Erschütterung direkt wieder zu und beim X-Lite überzeugte das Visier und die Passform nicht. Mit dem Anspruch Pinlock Visier, Sonnenblende und passen muss er, wanderte ich dann durch die meisten der vorrätigen Hersteller (Shoei, Nolan, Schuberth, X-Lite, Nishua, Caberg,…) nichts zu finden. Ich resignierte für diesen Tag.
Mein Fokus wurde ein paar Tage später durch einen Bekannten auf die BMW Helme gelenkt. Als nicht BMW Fahrer hatte ich diese bisher nicht wirklich wahrgenommen. Also auf zum BMW Händler. Freundliche Beratung im Hause Cloppenburg und sofort das Angebot eine Probefahrt mit dem BMW Systemhelm 6 Evo zu machen regten mein Interesse an.

Eigenschaften des BMW Systemhelm 6 EVO:
– Klapphelm mit Jethelm Zulassung
– Gewicht 1.595 Gramm
– Pinlock Visier
– Sonnenblende
– Kinnteil öffnet über Zetrale Taste welche in Bewegunsrichtung zu drücken ist (jeder der einen Klapphelm hat weiß was ich damit meine!)
– geniale Kopf und Visierbelüftung
– kein Verriegelungsmechanismus nötig um den hochgeklappten Kinnteil zu halten, aber er bleibt auch bei starker Erschütterung stabil in Position
– sehr leise für eine Klapphelm
– Raststeckschloss

Helme (8)

Nach einer Probefahrt waren ein Kumpel und ich uns einig, das wird unser neuer Helm. Nach kurzem Gespräch kam uns auch noch der Händler mit dem Preis entgegen und so hatte die Suche ein Ende.

Nach nun gut 5000 km mit den Helmen konnte ich noch keinen Makel entdecken und bin mit dem Kauf zu 100% zufrieden. Ich bin überzeugt ein Helm Duo für die nächsten Jahre und viele km gefunden zu haben.

Ortlieb Sturzbügeltaschen für die SW-Motech Sturzbügel an V-Strom

Für BMW bietet Touratech und Wunderlich ein breites Sortiment an Zubehör an, so auch passgenaue Taschen für die Sturzbügel. Für Suzuki sieht die Auswahl hier etwas beschränkter aus, wobei es auch hier mehrere Anbieter gibt.

– Macel Surab: www.marselus.com
– Trailmaster Adventure Gear: http://www.tmadvgear.com/v-strom-bags/

Leider baut weder Marselus noch Trailmaster Taschen für die SW-Motech (original Suzuki) Sturzbügel. Insofern musste ich mich nach dem Wechsel der Sturzbügel um eine andere Lösung bemühen. Bereits vor einiger Zeit stolperte ich über eine Idee zur Befestigung von Ortlieb Taschen im GS-Forum.eu.  Allerdings gefielen mir die Aluplatten zwischen den Rohren des Sturzbügels nicht so gut und ich hatte Bedenken dass die Abstände der Rohre zu eng sind.
Also im ersten Schritt die Bohrschablone für die Befestigung der Ortlieb Außentaschen von der Homepage des Herstellers geholt. Damit ab zum Motorrad und ein glücklicher Zufall, der Abstand der beiden Halter stimmt exakt mit dem Abstand der Rohre überein. Also müssen nur irgendwie die beiden Halteschienen an die Sturzbügel rangetüdelt werden. Frei nach Werner sollte das mit ein bisschen Draht schon machbar sein.
Ich wählte dann doch ein paar Befestigungsschellen 20mm Durchmesser welche ich mir bei Louis besorgte.

 

Insgesamt eine absolut einfach zu befestigende, aber genial robuste Lösung. Die Wasserdichtigkeit und Qualität der Ortlieb Taschen steht denke ich nicht zur Diskussion und benötigt keine Erläuterung. Anfänglich hatte ich aufgrund des Befestigungssystems noch Bedenken wie Geschwindigkeitsstabil diese Lösung wohl ist. Nach inzwischen über 3000km mit den Taschen sind diese völlig zerstreut. Außerdem gibt es eine einfache Möglichkeit die Taschen mit einem Stück Klettband oder einem Kabelbinder zu sichern. Man muss nur die am Motorrad verankerte Schiene und die an der Tasche befestigte Schiene damit umwickeln.

Nun noch einige Bilder der Taschen:

Warum die Drift Ghost-S die bessere Actioncam für Motorradfahrer ist

Ich hatte mir Anfang des Jahres eine gebrauchte GoPro Hero 2 für meine ersten Schritte mit einer Actioncam gekauft. Nun da ich den Verwendungszweck und mein Nutzungsprofil ausgetestet hatte war es Zeit ein passendes Top Modell anzuschaffen. Meine Entscheidung fiel hierbei nicht auf die Produktpalette von GoPro sondern auf die Drift Ghost-S. Nun nach über 3000 km möchte ich einige Worte zur Ghost-S verlieren.

Warum nicht den Markführer nehmen? Warum ein wesentlich unbekannteres Modell? Und das noch dazu kurz vor Veröffentlichung der GoPro Hero 4?

Ein erster Grund für mich ist Lieferumfang und Preis. Die Hero 3+ in der Black Edition kostet immerhin knapp über 400 EUR. Die Gopro 4 knapp unter 500 EUR. Drift bietet sein Top Modell für knapp über 300 EUR an. Hierbei wird quasi alles mitgeliefert was man benötigt.

Lieferumfang:
– Kamera inkl. Display und Wifi
– abgedichteter Deckel
– Deckel mit Kabeldurchführungen
– 2 Klebepads + Steckhalter
– Halterung für Motocrossbrille
– Fernbedienung inkl. Armband
– Akku

Ein zweiter Grund ist das System zur Befestigung und Ausrichtung. Der integrierte Monitor erleichtert das positionieren. Es sind keine Anschlussadapter für Stative nötig, da direkt an der Kamera ein Stativgewinde aus Metall vorhanden ist. Außerdem erleichtert die drehbare Linse die Ausrichtung enorm! Keine dreidimensional einstellbaren Haltearme mehr, welche erst zuverlässig gegen verstellen gesichert sind wenn man die Kontaktflächen mit Schleifpapier aufraut, oder die Schrauben so fest anzieht dass man Werkzeug hierfür braucht.

Ein dritter Grund ist die Ergonomie der Kamerabedienung. Die Menüführung ist wesentlich eingängiger als bei den GoPro Modellen und das Bedienkonzept mit 4 Tasten (Enter, Cancel, Vor, Zurück) erleichtert die Bedienung um ein vielfaches gegenüber der 2 Tasten Bedienung der GoPros.

Der absolut entscheidende Grund für mich war aber die Fernbedienung und die Akkulaufzeit. GoPro koppelt seine Fernbedienung via WLAN was zwar eine sehr hohe Reichweite hat (welche ich nicht auf dem Motorrad benötige) aber auch sehr viel Akku kostet. Drift nutzt für die Fernbedienung nicht die stromintensive WIFI Verbindung. Die Reichweite beschränkt sich daher auch auf nur ca. 10 Meter. Allerdings liegt die Akkulaufzeit der Fernbedineung bei 8 Stunden PLUS! Eines meiner Probleme mit der Gopro war die immer wieder nach spätestens einem halben Tag leere Fernbedienung mit einem sehr speziellen Ladekabel. Die Drift Remote wird einfach per Micro USB geladen. Über verschiene LED Farben gibt sie Rückmeldung was die Kamera gerade tut. Absolut perfekt und praktikabel! Noch dazu ist die Fernbedinung größer und dadurch wesentlich besser mit Handschuhen zu bedienen. Bei der GoPro ist eine Umschaltung zwischen Remote und APP nötig wenn man das Kamerabild via Handyprüfen möchte, bei der Drift kann die App via Wifi und die Fernbedienung gleichzeitig genutzt werden!
Im Internet gefundene Tests zur Akkulaufzeit der Ghost-S kann ich nur bestätigen. Zwischen 3 und 5 Stunden mit einem Akku ist je nach Nutzung möglich. Mit einer GoPro undenkbar!

Bild und Videoqualität nimmt sich zwischen Gopro 3+ Black und Ghost-S meiner Meinung nach nichts. Am häufgsten nutze ich den Timelapse Modus um während dem Motorradfahren Bilder über eine gefahrene Strecke verteilt zu machen. Inzwischen habe ich auch meine ersten Versuche mit Filmen gemacht.

Fazit:
Insgesamt war ich mit der GoPro nicht wirklich zufrieden. Die Ghost-S gleicht alle Schwächen welche mich gestört haben aus und übertrifft meine Erwartungen deutlich. Man muss aber auch dazu sagen dass ich die Kameras aus der Sicht eines Motorradfahrers betrachte. Das Wasserdichte aber nicht zum Tauchen geeignete Gehäuse der Drift ist ein Vorteil für mich, für andere ist es ein Nachteil. Die aufgrund des Mini-USB Anschlusses (Gummidichtung schützt bei Regen) nicht tauchfähige Fernbedienung stellt eventuell auch eine Einschränkung bei einem anderen Nutzungsprofil dar. Solltet ihr nun Blut geleckt haben und auch eine Drift Ghost-S kaufen wollen schaut doch mal bei Amazon vorbei, wenn ihr über diese Link (Amazon Affiliate Link) kauft unterstützt ihr mich ohne mehr für die Kamera zu bezahlen:

Zusätzliches Zubehör welches ich einsetze:
– Für die Befestigung am Motorrad nutze ich Klemmhalterungen der Firma Ram-Mount
– Zwei zustätzliche Akkus und ein externes Ladegerät der Firma Patona erhöhen die Laufzeit -> Amazon Link
– zusäztliche Klebepads um meine beiden Helme auszustatten -> Amazon Link
– Joby Gorillapod als flexible Kleinstativ Lösung -> Amazon Link

Links zu anderen Tests und Berichten:
http://www.helmkamera-test.de/index.php/helmkamera-tests/75-drift-ghost-s-besser-als-gopro-black-edition-und-actionpro-x7
http://actioncam-freestyle.de/drift-ghost-s-vs-gopro-hero3-black-edition-vergleichstest/
http://freiheitenwelt.de/drift-ghost-s-im-test-beste-kamera-fuer-motorradfahrer/

Hier nun noch ein paar Bilder welche mit der Ghost entstanden sind und ein Video:

[vimeo http://vimeo.com/109762306]

Tessintour 2014 – Tag 4 – Heimweg – 585 km

Aufrgund der Wetterlage in den Bergen haben wir gestern beschlossen heute bereits den Heimweg anzutreten. Wenn man zum Fenster rausschaut kann man schwer glauben dass in wenigen Kilometern Distanz bereits Schnee liegen soll. Stahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Kaum geht man um die Hausecke und schaut in Richtung Norden sieht man Schneebedeckte Berge, und die Schneegrenze ist erschreckend tief. Wir haben uns den Wecker auf 6:30 gestellt um möglichst bald los zu kommen. Wir wollen unterwegs entscheiden ob wir in einem Rutsch durchfahren oder noch eine Übernachtung einlegen. Soviel vorweg, wir sind durchgefahren.

Download file: Tessin_2014_Tag4.gpx

Für den Anfang starten wir in Richtung Süden am Lago di Como entlang. Der Weg heute führt uns wieder nach Lugano, allerdings queren wir weiter nördlich als gestern. Wir fahren den Lago di Lugano von oben an. Der Plan ist in Lugano zu tanken und Vignetten zu erwerben und dann auf die Autobahn zu fahren. Der San Bernardino und der Gotthard Pass sind aufgrund des Schneefalls geschlossen. Die Tunnel allerdings sind offen. Wir entscheiden uns für den Bernardino. Die Anfahrt gestaltet sich äußerst windig. Die Schneegrenze nähert sich unausweichlich, so langsam sieht es neben der Straße aus wie gezuckert. Nur der Bernardino Tunnel verbirgt noch vor uns wie es wohl auf der Nordseite aussehen mag?

Wir durchqueren ihn und genießen das warme Klima im Tunnel in dem Wissen dass es am Ende der Röhre deutlich kühler sein wird. Am Tunnelausgang angekommen tauchen wir ein ins Winterwonderland. Die Bäume ächzen unter der Schneelast. Eine Traumumgebung für Weihnachten. Aber was tun wir gleich nochmal hier? Motorradfahren!!! Gott sei dank sind die Strassen frei. Wir cruisen lässig die Autobahn hinab. Wobei Autobahn hier nicht mit einer 6-spurigen Deutschen Autobahn verwechselt werden darf. Wir bewegen uns auf einer eher mit einer Bundesstraße vergleichbaren Route. Dementsprechend hoch ist eigentlich der Fahrspass. Die Höhenmeter purzeln und der Schnee lässt langsam, ganz langsam nach. Nachdem wir unterhalb der Schneegrenze sind legen wir einen Stopp ein und ich darf mir erstmal anhören dass wir nie mehr in die Berge fahren! Und dass die Schweiz wettermäßig (wir erinnern uns an unseren Kurztrip 2013) einfach nicht für Aufenthalte mit dem Motorrad geeignet wäre.

Eine Tasse Tee und ein wenig Nougat später fahren wir gen Grenze. Um in Österreich die Autobahnmaut zu vermeiden quälen wir uns mal wieder durch Bregenz, nehmen noch eine günstige Tankstelle in Anspruch und fahren in Lindau auf die Deutsche Autobahn. Es regnet gerade was runtergeht, lässt aber erfreulicherweise nach. Ein paar Kilometer weiter wird es endlich trocken und wir beschließen keine Übernachtung mehr einzulegen. Wir ziehen es durch, noch ein kleiner Stopp an einem Subway um den knurrenden Magen zu besänftigen. Einige Baustellen später zieht Anja vor mir in Aurach von der Autobahn runter. Wir drehen noch eine kleine Abschlussrunde um die eckigen Reifen wieder ein wenig in Form zu bringen. Ein wundervoller Sonnenuntergang schließt diesen Tag und damit den Ausflug ins Tessin (ohne längeren Aufenthalt im Tessin) ab.

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Fazit der Tour: Wir wohnen auf der falschen Seite der Alpen! Macht aber nix in 1,5 Wochen sind wir wieder im Süden, dann allerdings ohne Motorräder.

Daten zur Tour: 1.520km in 4 Tagen, Tiefster Punkt: 188m, Höchster Punkt: 2.737m, Anstieg/Abstieg je 15.890m

P.S. Anja findet meine Sicht des heutigen Tages sehr beschönigend, sie fand die Wetterlage am Bernardino eher nervenaufreibend und wollte mich kurzzeitig für diese Tour auf einem Scheiterhaufen abfackeln!

Tessintour 2014 – Tag 3 – Drei Seen Tour – 276 km

Der Tag heute begann am Laptop. Wetter checken, Webcams checken. Der San Bernardino ist schneebedeckt, damit fällt die Tour nach Bellinzona flach und wir fahren die Tour über die Seen Lago di Como, Lago di Lugano und Lago Maggiore. Die Gedanken an den Heimweg lassen sich auch nicht mehr verdrängen, einen Pass wie den Flüelapass bei Schnee fahren, ob das so eine gute Idee ist? Naja erstmal ist heute wieder blauer Himmel angesagt. Zumindest wenn man gen Süden schaut. Im Norden sieht das ganz anders aus. Gestern Abend wütete hier noch ein Sturm dessen Spuren zu sehen sind. Die Bäume haben alle Blätter verloren.

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Wir gehen erstmal frühstücken und freuen uns über reginalen Käse und luftgetrocknete Salami. Nach dem Frühstück ab in die Klamotten und auf die Moppeds. Wir fahren am Ufer des Lago die Como entlang nach Süden. Wie erwartet ist der Weg geprägt von vielen Ortschaften und Begrenzungen auf 50 km/h. Ein paar Fotostopps und einige Tunnel (um das vorankommen etwas zu beschleunigen, man könnte auch komplett am Ufer entlangfahren) später geht es schon nach rechts weg in Richtung Lugano.

Auf dem Weg in die Schweiz erreichen wir den heutigen höchsten Punkt mit fast 900 Höhenmetern. Einige Kehren versüßen uns den Weg. Die Grenzer sind entspannt und winken uns durch. Der Abstieg zum See gestaltet sich als wahre Freude, wird aber jäh eingebremst durch eine Vollsperrung welche von zwei Polizisten durchgesetzt wird. Wir müssen einen anderen Weg wählen, was sich allerdings nicht als Nachteil herausstellt. Kleinste Gassen und einige Serpentinen später kommt der Lago Lugano in Sicht. Schnell überquert und in die Großstadt gestürzt. Unsere Tanks verlangen zwar noch nicht nach Füllung, aber in der Schweiz ist das Benzin deutlich günstiger als in Italien. Wir legen einen kurzen Stop ein um dies auszunutzen.

Hier ein erster Versuch eines Videos:

Beim verlassen von Lugano biege ich falsch ab und wir drehen eine Ehrenrunde um den Laghetto di Muzzano. Nachdem wir den richtigen Weg wieder gefunden haben bewegen wir uns an der Landesgrenze entlang in Richtung Lago Maggiore. Das Ufer des selbigen lässt unseren Weg gen Süden schwenken und das Drama nimmt seinen Lauf. Was heisst Drama, schlimm ist es eigentlich nicht, aber unsere Vorstellung war ein wenig anders. Wir hatten viele bewohnte Gebiete erwartet, und somit ein langsames vorankommen, aber nicht soviele! Es ist eher eine Plage als eine Freude am Lago Maggiore entlang zu schleichen. Die Verkehrsdichte ist relativ hoch und das höchste der Gefühle sind einige wenige Passagen mit 70km/h für wenige hundert Meter. Den Weg um den Lago di Garda habe ich da wesentlich schöner in Erinnerung. Es zieht sich auf jeden Fall ewiglich bis wir am Südende des Lago Maggiore endlich wieder abdrehen und zurück zum Lago di Como streben.

Aber auch dieser Weg hat es in sich. Haben wir letztes Jahr noch über die Schweiz geflucht, so schlägt diese Gegend Italiens die Erinnerungen haushoch. Eine einzige nicht enden wollende Ortschaft. Wir halten Ausschau nach etwas essbarem und werden endlich auch in einer Gelateria fündig. Hier essen wir zwei Panini mit Schinken, Mozarella und Feldsalat – ein Genuss. Durch den Feierabendverkehr der Stadt Como kämpfen wir uns wieder ans Seeufer zurück. Ums mit Obelix worten zu sagen: Die spinnen die Italiener! Zweispurige Kreisverkehre welche vierspurig befahren werden. Jeder fährt wie er will. Rote Ampeln werden komplett ignoriert. Wir Deutschen sind da sehr verwöhnt von unseren strikten Regeln und Ihrer akribischen Einhaltung (bis auf wenige Ausnahmen).

Das Ostufer des linken Ausläufers des Sees hingegen erfreut uns mit einer anspruchsvollen und sehenswerten Straßenführung. Wir wollen nach Bellagio um per Fähre nach Varenna überzusetzen. Die Straße ist schmal und kurvenreich. Der Verkehr ist quasi plötzlich versiegt und wir stoßen nur hin und wieder auf ein Auto. 50km/h sind eine angenehme Geschwindigkeit, die V2 Motoren ziehen im dritten Gang sauber aus den Kurven raus und wir genießen die Strahlen der untergehenden Sonne. In Bellagio an der Fähre sprechen uns zwei ältere Kölner Pärchen an. Die Frauen sind begeistert dass Anja so ein schweres Motorrad so weit durch die Gegend bugsiert. Die Herren interessieren sich für den Touratech GPS Halter und die LED Tagfahrlichter. Um 17:30 befahren wir die Fähre und starten mit der 15 minütigen Überfahrt. Es war den ganzen Tag schon sehr windig, aber hier auf dem See erreicht die Brise ihren Höhepunkt. Wir stehen mit Helm auf dem Kopf und geschlossenem Visier neben den Motorrädern um sie zu sichern.

In Varenna angekommen sind es nicht mehr ganz 30km bis zum Hotel Maloia. Wir erfahren die letzten Kurven des Tages und blicken Sorgenvoll gen Norden in die Berge. Die dunklen Wolken haben sich noch nicht verzogen. So schön das Wetter auf der heutigen Tour war, so schlecht ist das Wetter auf den Pässen. Direkt nach der Ankunft im Hotel und kurzer Recherche der aktuellen Webcambilder und des Wetterberichtes im Internet beschließen wir morgen den Heimweg anzutreten. Wir wollen versuchen von Lugano aus per Autobahn durch die Berge zu kommen. Ob wir dann direkt durch fahren oder nochmal einen Zwischenstop einlegen, werden wir spontan entscheiden.

Tessintour 2014 – Tag 2 – Lago di Como – 235 km

Nach einer ruhigen Nacht freuten wir uns beim ersten Blick aus dem Fenster über den blauen Himmel. Wir trödelten ein wenig herum da wir im Hinterkopf hatten dass heute nur gute 200 km geplant sind.

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Das Frühstück begeisterte uns mit geräuchertem Schinken und frischen Vinschgauern. Der erneute Blick aus dem Fenster offenbarte uns dicke Regentropfen. Egal wir trödelten weiter und so kam es dass der Regen über uns hinweg war als wir endlich die Motorräder beluden um zu starten. Ich wollte nochmal einen kurzen Stop am Kirchturm einlegen um den dortigen Cache zu heben. Nach diesem Stop ging es dann endlich richtig los. Den Reschenpass runter und ab in Richtung Passo di Stelvio (Stilfserjoch).

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Die Nordrampe des Stilfserjochs ist bekannt für Ihre engen Kehren und so kommen wir auch nicht sonderlich schnell vorwärts. Ein Erlebnis ist die Auffahrt allerdings definitiv und dies nicht nur aufgrund des gesichteten Erlkönigs auf Testfahrt. Am Pass angekommen folgt der obligatorische Fotostopp und ein Tässchen Tee. Hier oben sind wir ziemlich froh unsere Mützen mitgenommen zu haben. Ohne Helm ist es ganz schön kalt an den Ohren.

Die Südseite hinab ist wesentlich flüssiger und vor lauter Fahrfreude verpasse ich den Abzweig in Richtung Passo di Foscagno. Mir war bei der Planung gar nicht bewusst dass die Gegend um Livigno ein Zollfreies Gebiet ist. An der ersten Tankstelle haue ich dementsprechend kurzfristig den Blocker rein – Super 1,09 EUR!!! Erstmal Volltanken, wenn nicht der rein italienische Kassenautomat wäre. Dank der Hilfe einer Italienerin konnte auch dieses Problem gelöst werden. Es folgt der Passo Eira und dann gehts ab nach Livigno. Über den Forcola di Livigno machen wir nochmal einen Abstecher in die Schweiz. Hier begleitet uns beim konstanten Höhenmeter Verlust der Bernina Express,eine der Rhätischen Bahnen. Irgendwann müssen wir diese auch einmal in Anspruch nehmen und diese andere Art des Reisens testen. Ein besonderer Augenschmauß ist das Kreisviadukt Brusio. Wir ziehen langsam vorbei und nähern uns dem nächsten Länderwechsel um endgültig in den Süden einzutauchen. Der Verkehr wird dichter, die Temperaturen steigen (26° Grad um 17 Uhr).

Das Tagesziel rückt in greifbare Nähe, ein Highlight sollte aber noch kommen. In Sondrio verlassen wir die Hauptstrasse und folgen Serpentinen den Berg hinauf um auf der Höhe ein wenig parallel zur Hauptstrasse zu fahren. Aber nur ein wenig, der Abstieg folgt sehr schnell wieder und führt uns durch typische Italienische Gassen mit engen Kehren. Ein Genuss ist diese Straßenführung. Allerdings ist sie nicht geeignet um zügig voranzukommen.

Trotz der kilometertechnisch relativ kurzen Tagesstrecke ist es inzwischen kurz nach 16 Uhr und wir müssen uns noch eine Unterkunft als Basislager für die nächsten Tage suchen. Der Anspruch ist also ein wenig höher als bei einer einzelnen Übernachtung. Enige vorab im Internet recherchierte Adressen sollen uns dies erleichtern. Das auffinden des ersten Hotels gestaltet sich nicht ganz trivial, dafür ist dieses bereits ein Volltreffer. Wir checken im Hotel Maloia in Dubino für die nächsten Tage ein. Ein kleiner Pizzaimbiss nebenan sorgt mit Holzofen für unser Abendessen.

Noch sind wir unentschlossen wie es weitergehen soll. Der Wetterbericht sieht nicht wirklich gut aus. Eine Tour um die oberitalienischen Seen wollen wir drehen und einen Abstecher ins Tessin (das eigentliche Ziel unserer Reise) nach Bellinzona steht auch noch auf dem Programm. Der Weg dorthin ist eigentlich über den San Bernadino angedacht, dort aber soll es morgen schneien. Nunja erstmal eine Nacht drüber schlafen, dann sehen wir was wir machen.

Tessintour 2014 – Tag 1 – Reschenpass – 425 km

Der letzte längere Trip ist schon wieder 1,5 Wochen her, der Entzug steigt. Um uns auf den langen Urlaub einzustimmen starteten wir am Samstag mit den Motorradfreunden zur Herbstparty des MC Hüttenberg. Mal schnell Samstag und Sonntag 600 km runtergerissen, eine Nacht im Zelt verbracht und viele Freunde getroffen. Nach dieser kurzen Aufwärmrunde sollte es nun wieder etwas weiter weg gehen. Die Grobe Richtung: Tessin – Bellinzona. Aber da der Weg das Ziel ist dachten wir uns es muss doch irgendwann auch endlich mal mit dem Reschen klappen. Anja wollte schon immer den Kirchturm im Wasser sehen. In Dänemark hatten wir immerhin schon eine Kirche in einer Wanderdüne gesehen. Die grobe Planung stand und so konnten wir Montag morgen um 9:30 in Richtung Reschenpass starten.

Download file: Tessin_2014_Tag1.gpx

Der Wetterbericht sagte uns blendenden Sonnenschein voraus, aber erst wenn wir ein Stück weg wären. Und so kam es wie es kommen musste. Auf den ersten Metern regnete es ein wenig. Die Strecke bis Gunzenhausen war schnell abgesessen. Viele bekannte Strassen ließen noch kein Reisegefühl aufkommen. Als wir dann durch Oettingen (bekannt durch seine Brauerei) in Richtung Nördlingen fuhren stellte sich das Gefühl des „Wegfahrens“ so langsam ein. In Höchstädt an der Donau legten wir einen ersten kurzen Stopp ein als wir das verhüllte Schloss (keine Aktion von Christo, sondern nur Renovierungsarbeiten) entdeckten.

Das Wetter war uns wohlgesonnen, inzwischen blendete die Sonne und der Himmel erstrahlte in sattem Blau. Die Umleitungen hielten sich in Grenzen und so hoffte ich mit dem angebrochenen Tank bis über die Grenze nach Österreich zu kommen. Schnell an Augsburg vorbei in Richtung Kaufbeuren. Das Allgäu erstrahlte in sattem Grün, die Bauern brachten das letzte Gras nach hause und die Polizei laserte fröhlich, gut dass wir im Blümchenpflückermodus unterwegs waren. Trotzdem ging es flott vorwärts und als wir das Ziel vor Augen hatten – bei Füssen über die Grenze um zu tanken – holten uns auch wieder die Umleitungen ein. Von diesen gequält mussten wir dann doch noch einen Stopp innerhalb Deutschlands einlegen.

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Danach schnell über die Grenze und ab in Richtung Reutte. Die Straßen hier waren uns von früheren Aufenthalten wieder gut bekannt und bald lachte uns der erste MPreis an. Das besondere hier ist dass es RINGO zu kaufen gibt. Ein Oreo ähnlicher Keks, nur besser! Ich ignorierte diesen sehr zu Anjas Leidwesen und wir bogen nicht ins wohl bekannte Lechtal ab sondern orientierten uns in Richtung Fernpass. Am Blindsee kurz unterhalb von eben diesem Pass legten wir eine kurze Mittagspause mit Schokobananenpudding ein. Man konnte von hier aus einen wunderbaren Blick auf die Zugspitze werfen. Ein leichtes Lächeln umspielte unsere Lippen als wir viele Menschen aus Fernost mit Handys auf Selfiestativen erblickten. Aber mal ehrlich? Sind wir anders? Nein, also schnell die Ghost gekrallt und ein Selfie geschossen.

Ein großer Teil des heutigen Planes war nun schon geschafft. Also ab über den Pass und ab in Richtung Reschen. Wir wollten schließlich noch Pizza essen und da wir gut in der Zeit lagen heute noch einen Blick auf den berühmten Kirchturm werfen. An den Temperaturen merkte man langsam dass wir an Höhenmetern gewannen. Allerdings zeigten auch die in allen Farben leuchtenden Bäume dass es erst Herbst ist und so durften wir immer noch 16 Grad genießen. Am Reschenpass kurzer Stopp fürs Obligatorische Foto und dann ab zum Pizza essen… verdammt… warum hat die Pizzeria geschlossen? Naja dann eben keine Pizza. Als ab zum Turm, kurzer Fotostopp und weiter ins Hotel (Garni Wallnhöfer – eigentlich auch geschlossen, aber ein Zimmer für uns haben sie schon… Das nenn ich Service).

Zimmer bezogen, umgezogen und auf die Jagd nach Abendessen einen kleinen Spaziergang durch den Ort gemacht. Wir fanden ein Restaurant mit angeschlossener Konditorei. Die Kuchenauswahl überzeugte uns dass wir hier richtig sind. Nach dem Essen fanden wir noch einen Verdauungsschnaps und die Wlan Zugänge am Hoteltresen vor. Und nun ist es wieder soweit. Ich sitze hier und beginne einen Bericht über eine kurze Reise. 6 Tage soll es diesmal dauern und wir wollen doch so einiges sehen. Deutschland, Österreich und Italien haben wir heute befahren. Morgen geht es weiter in Richtung Tessin, wobei wir auf der Italienischen Seite bleiben wollen, nahe am Lago di Como. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr.

Heimweg Erzgebirge 2014 – Tag 5 – 359km

Nun stand also schon wieder der Nachhauseweg an. Wie schnell doch 5 Tage vergehen. Der erste Blick aus dem Fenster hielt heute einen Atemberaubenden Sonnenaufgang für uns bereit. Der Versuch schnell in die Schuhe und mit dem Foto auf den Aussichtsturm zu sprinten scheiterte an der Drehtür des Turmes mangels eines 50 Cent Stückes. Es gibt diese Momente im Leben, in denen hast du die Kamera in der Hand und könntest…ja wenn du könntest…

Für heute war die Wegstrecke bereits durch drei Punkte festgelegt. Das Hotel, Bürglein und wir wollten unbedingt noch an der Göltzschtalbrücke vorbeischauen. Das ganze ergab dann eine geplante Strecke von ca. 340 km. Dank der wieder zahlreich vorhanden Umleitungen wurde es auch heute wieder etwas mehr. Die erste halbe Stunde verloren wir direkt durch die erste Umleitung ab Marienberg und mussten nochmal eine Schleife am Hotel vorbei fahren.

Download file: Erzgebirge_2014_Tag5.gpx

Der Weg bis zur Brücke war noch geprägt von Chemnitz, Zwickau, einem blauen Himmel und strahlendem Sonnenschein. An der Brücke machten wir einen Fotostop und staunten über die unglaublichen Zahlen, welche diesem Bauwerk zugrunde liegen.

Kaum unter der Brücke durch, genießen wir wieder kleine Straßen entlang von Flussläufen in Tälern. Wir gleiten durchs Vogtland und müssen leider feststellen dass der Himmel uns heute wohl nicht den ganzen Tag so wohlgesonnen sein wird. Es wird zunehmend dunkler, der Wind wird stärker und es beginnt zu regnen. Irgendwo im Nirgendwo legen wir noch einen Tankstop ein. Die letzten Tage stecken uns in den Knochen und die zunehmend kühleren Temperaturen fördern die Freude am fahren nicht wirklich. In Schesslitz legen wir den dritten Stopp des Tages ein um in einer kleinen Bäckerei etwas warmes zu trinken und etwas zu essen. Bei der Fahrt durch Bamberg kommen Erinnerungen an das Buch (und den Film) Resturlaub von Tommy Jaud in uns hoch. Auf dem Weg nach Höchstadt an der Aisch fällt uns die Veränderung in der Landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen auf. Die Felder werden kleiner und bunter. Das ganze sieht etwas mehr nach Patchwork aus. Mir kommt in den Sinn, dass die Landwirtschaft in unserer fränkischen Heimat nicht halb so effektiv sein kann wie weiter im Norden. Die Landschaft hingegen ist viel Abwechslungsreicher und ansprechender für den Betrachter. Auf den letzten Kilometern bemerkt man an der sich leicht steigernden Geschwindigkeit das Bedürfnis endlich anzukommen. Raus aus den feuchten Klamotten, rein ins Warme.

Wir sind in 5 Tagen 1537 km in zwei Ländern gefahren. Haben völlig verschiedene Landschaften gesehen, sind ein wenig wandern gewesen, haben eine vorzügliche Küche genießen dürfen und konnten ein wenig vom Alltag abschalten. Trotzdem freuen wir uns schon wieder auf den nächsten Urlaub.