Griechenland 2024 – Tag13 – 219 km – Nafplio

Erkenntnis des Morgens: Handtücher welche über Nacht draußen hängen sind wieder feucht. Okay, die Nächte hier sind inzwischen auch wieder so frisch dass es feucht wird. Wir schlafen immer noch bei komplett offenen Fenstern / Balkontüren weil wir es hier als warm empfinden. Wir kommen mal wieder nicht so recht in die Puschen, schreiben noch Berichte nach und genießen den Ausblick vom Balkon. Ich koch mir erstmal nen Espresso und zack schon ist es „spät“. Was wir durch das fehlende Frühstück einsparen vergammeln wir in der Regel. Gerade, als ich das hier schreibe, sitze ich in Nafplio im Bett, schau zum riesigen Balkonfenster raus und vergammel den nächsten Morgen *g* Die Hausherrin Helen ist völlig überrascht als sie Anja sieht. So ein großes Motorrad und dann kommt so eine zierliche Frau aus dem Zimmer. Das kann nicht sein. Wir bekommen noch Feigen aus ihrem Garten und selbst gebackene Orangenkekse. Lecker! Um 10:15 sind wir dann endlich fertig und rollen los.

Download file: GR241009_Tag13.gpx

Wir verlassen heute die Finger der Peloponnes. Der südlichste Punkt dieser Reise ist erreicht und jetzt geht es grundsätzlich wieder in Richtung Heimat. Erstmal geht es ein bisschen in die Höhe – habe ich eigentlich schon erwähnt dass Griechenland bergiger ist als ich erwartet hatte? Obwohl es sehr kurvig ist kommen wir gut voran. Die Straße ist besser ausgebaut als anhand des Kartenmaterials gedacht. Zack – schon haben wir die knapp 70km nach Monemvasia geschafft. Aus der Ferne sehen wir schon die Reflexionen der parkenden Autoschlange welche sich die komplette kleine Insel entlangzieht bis zur Altsstadt. Wir erinnern uns – es ist Saisonende in Griechenland! Was zur Hölle ist hier im Sommer erst los? Mit den Moppeds fahren wir an der kompletten Parkschlange vorbei und haben Motorradstellplätze direkt vor dem Altstadteingang. Leider sind diese voll, aber wir finden ein paar Meter weiter genug Platz für unsere zwei Dicken. Nacheinander laufen wir in die Stadt und sehen uns ein bisschen um. Einer bleibt immer bei den Moppeds und dem Gepäck. Zwei Franzosen sind da deutlich befreiter. Ihre Moppedstiefel, die kompletten Klamotten und das offen zugängliche Softgepäck sind vollständig an den Bikes. Mich würde es nicht wundern wenn auch noch der Schlüssel steckt.

Die Steine in Monemvasia sind glatt poliert von den vielen Menschen welche täglich darüberlaufen. Direkt nach dem Eingang gibt es erstmal eine Strasse mit lauter Touriramsch, dann kommen die Tavernen und erst dahinter wird es ruhig und die Unterkünfte beginnen. Wenn man an der ersten Abzweigung direkt nach unten schwenkt ist man gleich in ausgestorbenen kleinen Gassen und einem Gewirr aus Treppenstufen. Ich glaube hier unten wohnen auch noch Griechen. Monemvasia erinnert ein bisschen an Mont St. Michel in Frankreich. Großer Unterschied ist, dass es an einer Hangseite klebt und nicht wie Mont St. Michel rundherum geht. Die Sonne brennt uns auf den Pelz und das Treppen rauf und runter macht zusätzlich warm. Verschwitzt ziehen wir die Jacken wieder an und machen uns auf den Weg. Ich habe Hunger! Anja hört in sich und findet dieses Gefühl auch. Wir wollen aber nicht direkt im touristischen Bereich anhalten und Essen daher fahren wir erstmal von der Küste weg.

Dann kommt lange nix. Also außer flott zu fahrenden kurvigen Strassen und unmengen Olivenbäumen. Irgendwo in einem kleinen Dorf sitzen dann Leute auf einem Platz und trinken Ouzo. Hier stoppen wir und setzen uns dazu. Der Wirt spricht kein Wort Englisch, ein anderer Gast wird dazu gerufen und übersetzt. Es gibt kein Pita Gyro – obwohl einer der Gäste Gyro isst… komisch … später sehe ich dass es daran liegt dass die Frau des Hauses auf dem Grill steht und heftig putzt. Mit Händen und Füssen und der Hilfe des anderen Gastes bestellen wir Brot und Käse. Was wir bekommen ist Geschmack Pur! getoastetes Brot mit Knoblauch und Olivenöl, dazu Käsebrocken. Ein Traum! Mit Sicherheit tausendmal besser als die Pizza welche uns der Wirt die ganze Zeit anbieten wollte. Dazu gibt es zwei eiskalte Cola. Wenn wir jetzt anfangen Ouzo zu trinken oder Wein, wie die anderen Gäste hier, dann wäre es vorbei mit Moppedfahren. Der übersetzende Gast erklärt uns noch dass das Knoblauchbrot „Kapsala“ heisst – keine Ahnung ob ich es richtig geschrieben habe.

Der erste Hunger ist weg und wir fahren weiter. Wir kommen in einen Tunnel ähnlichen Flow. Die Strassen heute sind wirklich flott zu fahren. Wir sind aber spät los, waren lange in Monemvasia und fast eine Stunde beim Essen, das bedeutet wir sind trotzdem spät dran. Achja zum Thema Beschilderung und Begrenzungen in Griechenland – 50 Schilder hat es einen ganzen Haufen, nur interessieren tun die keinen, also uns auch net. Mit 90 Sachen brettern wir meistens an Ihnen vorbei. Wo die Häuserdichte höher wird sind es dann nur noch 70 Sachen und da werden wir dann überholt. Kurz bevor wir wieder an die Küste kommen legen wir nochmal einen Halt in einer Kurve ein und setzen uns auf einen Steinhubbel und genießen den Ausblick. Es geht tief hinab und wenn man hier fallen würde, dann würde man bis ins Meer hullern. Die Hügel sind bewaldet und gehen in einer sanften Kurve nach unten in die Tiefe bis sie im Meer auslaufen. Es ist still hier und einfach schön!

Wir beschließen nochmal einen Stop zu machen, um noch eine Kleinigkeit zu essen und vielleicht einen Kaffee zu trinken, also ich. Aber der Tunnel fängt uns wieder ein und es kommt auch einfach keine Gelegenheit anzuhalten. So fliegen wir förmlich auf Nafplio zu. Die Küstenstraße ist wie ein Sog in den Tunnel. Links, rechts, links, rechts, hoch, rechts, runter, links, immer weiter! Rechts von uns das tiefblaue Wasser, links die bewaldeten Berge. Dann sehen wir mitten in Orangenplantagen einen Obststand und stoppen. Vier Orangen gönnen wir uns und kaum berührt man sie riechen schon die Hände ganz intensiv nach Orange. Frisch vom Baum schmecken sie bestimmt viel intensiver und besser als bei uns zu Hause. 1kg Orangen für 1 Eur und das noch dazu in der Qualität. Genial!

Als wir um die Bucht vor Nafplio fahren wird es dreckig. Sowohl der Strand hier sieht ranzig aus, als auch die „Music-halls“ auf der anderen Seite der Straße, welche nur noch verfallene Ruinen sind und von einer 80er Jahre Disco Ära erzählen. Selbst die Wellen im Meer sind braun und dreckig. In Nafplio fahren wir ins hinterste Ecke und da nochmal nen Betonweg steil ganz hoch zu unserem Hotel Vasilis. Direkt vor dem Haus sind Parkplätze und hierher verirrt sich garantiert niemand der nicht im Hotel nächtigt. Wir beeilen uns zwei der Orangen zu essen und dann geht es mit den Kameras bewaffnet ab in die Stadt. Auf dem Weg gibt es noch eine große Flasche Wasser, wir haben heute bisher wenig getrunken. An einem Bäcker gibt es für mich ein kleines herzhaftes Teil und für Anja ein süßes, damit der Magen erstmal ruhe gibt und wir uns was richtiges zu Essen suchen können.

Wir stolpern planlos durch die Altstadt, machen Bilder von zweien der drei Festungen, die dritte nehmen wir nicht so richtig wahr. Später am Hafen glaube ich zu erkennen dass sie quasi in die Stadt gewachsen ist. An einem Lederwaren Laden kauft sich Anja einen neuen Geldbeutel und an einer italienischen Eisdiele laufen wir voll auf – Tourinepp! 9 EUR für zwei Waffeln mit je einer Kugel Eis. Hätten wir mal die Google Bewertungen gelesen oder nach dem Preis gefragt. Das Eis war gut, der Beigeschmack übertönt dies allerdings deutlich! Wir schauen uns noch eine Kirche an und dann stehen wir zum Sonnenuntergang am Hafenbecken und setzen uns auf die Kaimauer. Wir wollen nicht im Tourigebiet Abendessen, da sind wir uns einig. Die ganzen schicken Restaurants am Hafen sind voll mit Deutschen und Holländern welche mit einem kleinen Kreuzfahrer hierhergekommen sind.

Wir machen uns auf den Rückweg in Richtung Hotel und landen letztendlich in einer kleinen griechischen Taverne in der kein einziger Ausländer sitzt. Hier fühlen wir uns wohl. Es sieht wieder nach „Strassenimbiss“ aus und es gibt Pommes 😀 Wir bestellen griechischen Salat, Tzaziki, zwei Souflaki und ein halbes Hähnchen vom Grill. Das Essen ist saulecker und wieder deutlich günstiger als der Tourinepp vorne am Hafen. Der alte Chef der Taverne der sie 1946 gegründet hat setzt sich selbst unter die Gäste, empfängt einen alten Freund und lässt sich mit dem gleichen Essen bedienen. Wenn das mal kein Zeichen ist. Nafplio ist sehr touristisch geprägt, das hatten wir nicht so krass erwartet nachdem es auf den Peloponnes bisher eher ruhig war. Im Hotel angekommen sichere ich noch die Bilder des Tages und wir überlegen wie wir morgen weiter machen. Wir suchen uns eine kleine Ferienwohnung am Meer und Garmin Basecamp darf die Route dorthin festlegen, dann geht es ab ins Bett und noch vor 22 Uhr schlafen wir beide erschöpft aber glücklich ein.

Unterkunft: Hotel Vasilis Nafplio

Griechenland 2024 – Tag12 – 207 km – Plitra

Das Rauschen des Meeres hatte eine beruhigende Wirkung – wir haben wunderbar geschlafen. Nach dem Aufwachen mach ich mir erstmal nen Espresso. Auch wenn wir nicht oft (bisher 1x) Campen kommt die Wacaco häufig zum Einsatz. Ich mag dieses Ritual einfach – Wasser kochen, Bohnen abwiegen, mahlen, dann den gemahlenen Kaffee mit der Nadel auflockern, Tampen und dann den Espresso durchdrücken -> mit Meerblick genießen! Nach einer Yoga Session packen wir unsere Sachen und rollen um kurz nach halb 10 los. Im Ort kaufen wir direkt noch Wasser und füllen die Trinkrucksäcke auf.

Download file: GR241008_Tag12.gpx

Spontan entscheiden wir den Finger nicht abzufahren, sondern abzuschneiden – welch ein Wortspiel *g* Um das zu tun geht es ein bisschen in die Höhe. Und in die Höhe heißt Kurven. Achja…hab ich schon erwähnt dass es hier Olivenbäume gibt. Also nicht nur so 2-3 Stück sondern Unmengen…also eigentlich ist hier Monokultur angesagt es gibt NUR Olivenbäume. Und ich Frage mich immer wieder ernsthaft wer zum einen die ganzen Oliven ernten soll und zum anderen wer die alle Essen soll bzw. wieviel Olivenöl das gibt. Gegen 11 Uhr halten wir dann an einem kleinen Bäcker und kaufen zwei Blätterteigteile, 1 süßes Teil und einen Espresso. Wir sollen uns noch zwei Flaschen Wasser aus dem Kühlschrank nehmen, dann setzen wir uns und essen in Ruhe. Hinter uns lassen wir ein Blätterteigbröselmassaker auf dem Boden als wir gehen.

Dann geht es durch Kalamata – Stadtverkehr ist so garnet unseres. Die Griechen fahren wie die Irren und überholen völlig sinnbefreit und ohne einen Nutzen davon zu haben. Diese Griechischen Städte sind ein Phänomen – gefühlt fahren hier alle nur im Kreis. 1km vor und 1km nach der Stadt ist plötzlich nahezu keinerlei Verkehr mehr! Ja wo kommen die denn dann alle her, bzw. wo fahren sie hin? Ich sag es doch… immer im Kreis! Kaum sind wir draußen aus Kalamata schon geht es wieder in die Höhe. Und es geht schön hoch. Dann folgen Täler welche einfach traumhaft sind! Und es ist nichts los. Bis auf einen weit entfernten Motor ist absolute Stille. Wir halten immer wieder für Fotostopps und einmal muss ich über unsere „alten“ italienischen Kekse herfallen – ich habe Hunger.

Die gewählte Reisezeit war goldrichtig. Wir haben Bombenwetter! Blauer Himmel, strahlende Sonne und angenehm warme Temperaturen. Bis auf 1300 Höhenmeter steigen wir bevor es wieder abwärts geht. Kurz vor Mystras wollen wir mal gucken ob es Sinn macht die alte byzantinische Festung und die Kirche anzuschauen. Die Anlage ist größer als erwartet und in völliger Hanglage wäre sie eine echte Herausforderung mit Moppedklamotten und den Moppedstiefeln. Wir begnügen uns mit Blicken von außen. Außerdem wollen wir für einmal schnell durchrennen keine 12 Eur ausgeben. Wir fahren lieber ins Dorf runter und halten an einem Cafe. Anja findet endlich Galaktaboureko und ich bekomme mal wieder ein Spinat Feta Blätterteigteil. Dazu gibt es Cappuccino und Pepsi. Die Ebene vor Mystras besteht mal wieder nur aus Olivenbäumen. Anja ist Fassungslos. Was man da alles mit kochen könnte… also mit dem Öl.

Als wir durch Sparta fahren bemängelt Anja dass sie gar keinen echten Spartaner gesehen hat. Nur verweichlichte Nachfolger davon. Sparta ist auch nicht mehr das was es mal war. Der folgende Weg – mal wieder durch Olivenbaumplantagen – ist wenig abwechslungsreich und eher langweilig. Noch dazu geht es relativ geradeaus. Wir haben ein Hotel in Plitra direkt am Meer gebucht. Dazu müssen wir ein Stück den Finger runter fahren. Zusätzlich zu den Olivenbäumen gibt es hier Orangen. Die Ernte hierfür läuft schon und wir sehen immer wieder LKWs voll mit Orangenkisten. In unserem Hotel ist niemand da, aber ein Zettel mit einer Telefonnummer klebt an der Tür. Ich rufe an und bekomme die Anweisung Zimmer Nr. 1 im 1. Stock zu nehmen, der Schlüssel steckt.

Das Zimmer ist klein, aber schön und der Balkon geht direkt zum Meer raus. Wir verwüsten es binnen Sekunden und ziehen uns um für eine Runde am Strand. Nachdem wir die Lage erkundet haben holen wir Badesachen und ziehen nochmal zum Strand und direkt ins Meer. Leider dauert es nicht mehr lange bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet und der Wind kühler wird. Wir überlegen ob wir im Wasser bleiben weil es da wärmer ist als draußen im Wind. Der Hunger siegt aber und so trocknen wir uns ab und laufen zurück zum Hotel. Die heiße Dusche tut gut.

Hier in Plitra ist der Hund begraben – wobei nein der Hund steht beim Essen neben unserem Tisch und schaut hungrig, genauso wie 5 Katzen. Aber wir geben nichts ab. Wenn man da einmal anfängt… Zu Essen gibt es Tzaziki, Tomaten-feta bällchen, fritierten Tintenfisch, Bifteki mit Schinken, Tomate und Käse überbacken, dazu Pommes und Brot. Die Portionen heute waren übersichtlich – Anja teilte ihre noch mit mir. Wir sind satt aber nicht überfressen, was auch mal ein guter Zustand ist. Zurück im Hotel suchen wir noch eine Unterkunft in Nafplio für morgen Abend und schlafen dann ein.

Unterkunft: Costa Rampane Plitra

Griechenland 2024 – Tag11 – 208 km – Marathopoli

Aufgrund unserer Vorbereitung von gestern ist das Packen heute schnell erledigt. Wir waren bald im Bett, also sind wir auch früh wach. Ich mach mir noch einen Espresso, dann gibt es eine Yoga Session und schon geht es los. Klingt irgendwie flowig… isses aber net. Wir sind gerade so wieder fit dass es wieder geht. Also ich ein bisschen mehr als Anja. Als die Moppeds startklar aufgepackt sind, sind wir eigentlich fertig. Aber nix gibs, jetzt geht es endlich wieder weiter. Wir rollen durch die Stadt, welche wir bereits mehrfach durchlaufen haben. Am Montag morgen ist der Verkehr hier viel mehr als am Wochenende. Raus aus der Stadt geht es auf eine größere Straße (Kategorie Bundesstrasse in D) und somit flott voran.

Download file: GR241007_Tag11.gpx

Wir hatten uns überlegt ob wir die Brücke oder eine Fähre nehmen. Für Autos kostet die Brücke fast 15 EUR Maut. Für Moppeds nur 2 EUR. Da stellt sich die Frage nach der Fähre nicht mehr. Es ist schon der Wahnsinn was man hier in einem Erdbebengebiet gebaut hat. Die Charilaos-Trikoupis-Brücke über die 2,5km breite Meerenge von Rio Andirrio ist beachtlich. Auf der Basis der Länge der Hauptbrücke ist sie mit 2252m die zweitlängste Schrägseilbrücke der Welt. Wir kommen heute flott voran, was an der Strassenkategorie liegt. Um Patras fahren wir mautfreie Autobahn und dürfen stellenweise sogar 110km/h genießen. Nachdem wir diese verlassen haben stoppen wir auf der Staumauer eines Sees und ich mache ein paar Bilder. Anja befreit nochmal Ihre Nase. Sie hat heute zum Schutz der Nebenhöhlen ihr Tuch bis knapp unter die Augen hochgezogen obwohl es schön warm ist.

Heute zeigt sich Griechenland wieder von verschiedenen Seiten. Wir überqueren den ersten „Hügel“ und tauchen ein in grüne, saftige geschwungene Landschaften welche von Landwirtschaft und Schafzucht geprägt sind. Nicht mehr trocken, verdorrt und karg. Die „Bundesstraße“ lässt uns weiterhin gut vorankommen, auch wenn sie inzwischen wieder eher einer kleinen Staatsstraße gleicht und auch schön kurvig ist. Links von uns liegt Gebirge – kein Wunder dass hier in der Gegend keinerlei Hotels auf booking.com zu finden waren. Das ist definitiv keine Urlaubsregion und auch nicht wirklich dicht besiedelt. Im nächsten größeren Dorf sehen wir einen Bäcker und haben sofort Keksnotstand. Also halten wir an und kaufen mit Händen und Füßen zwei Blätterteigteile mit verschiedenen Käsefüllungen und eine Tüte voll Kekse. Zwei bekommen wir vom Bäcker noch direkt in die Hand gedrückt als Geschenk. Die Gastfreundschaft der Griechen sucht definitiv ihresgleichen. Wir setzen uns auf eine Bank in der Sonne und vespern.

Die Pause tut gut und das Essen liefert Power um weiterzufahren. Wir verlieren wieder etwas an Höhe und die Landwirtschaft wandelt sich. Gefühlt besteht ganz Griechenland nur aus Olivenbäumen. Sie beherrschen hier wirklich fast jede Gegend welche wir bisher gesehen haben. Teils kultiviert, teils wild stehen sie überall rum. Wir kehren zurück an die Küste und legen am Kaiafas See nochmal eine kleine Pause ein. Der See ist bei weitem nicht so toll wie erwartet, was aber vielleicht auch am Blickwinkel und dem Zugang zum See liegt. Wir sind aber auch gerade unmotiviert uns einen anderen Zugang zu suchen. Hier machen wir mal eine kurze Bestandsaufnahme wie weit wir bisher gekommen sind und wie weit wir heute noch fahren wollen. Wir entscheiden uns in ca. 60km für ein Hotel und buchen dieses. Das sind dann gute 200km für heute.

Die nächste Stunde Fahrt ist „unspektakulär“ naja die Küste ist schon schön und die Strasse lässt sich gut fahren, wenn da nicht die ganzen 50km/h Schilder wären, welche eh jeder ignoriert. Hier an der Küste entlang ist es relativ bebaut und die Strasse ziemlich gerade, so dass es fahrtechnisch einfach nix dolles ist. An einer Tankstelle welche echt günstig ist lassen wir uns noch die Moppeds auffüllen. Komischerweise ignorieren die beiden Damen welche die Tankstelle betreiben Anja einfach weg. Anja war die erste welche mit offenem Tankdeckel an einer Säule stand, wird aber erst bedient nachdem alle anderen (nach ihr angekommenen Autos) fertig sind. Und dann wird ihr noch Benzin über den Tank geschüttet. Sowas hat sie gefressen. Das darf ich mir dann die nächsten km lautstark und vehement übers Sena anhören.

An einem kleinen Hafen stoppen wir nochmal für ein paar Bilder und ich stelle fest dass meine Kamera den ganzen Tag schon auf -3 Blenden Belichtung eingestellt war – alle Bilder zu dunkel! Mal sehen was Lightroom da noch retten kann, ich hoffe auf den Dynamikumfang der alten Nikon D750. In unserem Hotel ist nichts los. Das Restaurant wird gerade winterfest gemacht und in einem Großputz gereinigt. Die Hausdame spricht keinerlei Englisch und so bekomme ich mit der Aussage: „Tobias Booking“ einen Schlüssel. Google Translate übersetzt einen Teil Ihres Griechischen Wortschwalls mit „Kind später“, was ich so interpretiere dass wir später mit Ihrem Kind den Checkin machen sollen.

Die Suite ist riesig und die Dachterrasse fast noch größer als die Suite. Wir gammeln uns erstmal aufs Bett und chillen. Das tut gut und ist nötig. Der Tag war anstrengend weil unsere Körper einfach noch net wieder bei 100% sind. An einem normalen Tag hätten wir heute sicher 100km mehr gemacht. Gegen 18 Uhr raffen wir uns dann auf noch einen Spaziergang zu machen bevor wir uns an der „Promenade“ ein Fischrestaurant suchen. Die Auswahl an Etablissements ist groß und alle sind super bewertet. Wir wählen nach Windschutz und Ausblick aus. Als Vorspeise gibt es Tzaziki und Talagani Käse vom Grill. Dann genießen wir einen Steira vom Grill mit Pommes. Gibt es in Griechenland eigentlich eine andere Zubereitungsform für Kartoffeln? Wenn ja dann sollte man das mal den Restaurants sagen. Der Nachtisch aus Panna Cotta, Grieskuchen, dazu eingemachte Birne mit Karotten (klingt komisch, war aber gut!), Yoghurt mit kandierter Wassermelone und einem Mastix Likör ist saulecker und rundet das Essen super ab! Wir haben keine Ahnung ob das üblich ist, aber es passiert uns jetzt zum wiederholten Male dass wir den Nachtisch ungefragt bekommen und auch nichts dafür bezahlen.

Zufrieden und gut gesättigt wandern wir zurück zur Unterkunft, genießen noch ein wenig den Sternenhimmel über dem Meer und gehen um kurz vor 21 Uhr ins Bett. Hoffentlich schlafen wir wieder so gut wie die letzte Nacht und erholen uns weiter.

Unterkunft: Faros Luxury Suites Marathopoli

Griechenland 2024 – Tag08/09/10 – 164 km – Nafpaktos

Das Bett war super! Das Zimmer auch! Die Nacht war trotzdem unruhig und nicht so erholsam wie sie sein sollte und dringend nötig wäre. Ich stecke mitten in der Erkältung, bei Anja steigert es sich erst. Wir brauchen ziemlich lang um in die Gänge zu kommen. Frühstück ist für 8:30 angesagt und ehrlich gesagt haben wir das heute auch nötig. Anja schaut mich ein bisschen komisch an als ich Tee statt Kaffee ordere. Ich ergebe mich. Ich bin krank! Aber was ist der Tee geil! Einfach ein paar lokale Kräuter aus den Bergen ins Wasser geworden und aufgebrüht, dann gesiebt und uns serviert. Bombe! Das Frühstück weckt ein paar verbliebene Lebensgeister und den Blick für das Schöne hier.

Download file: GR241004_Tag08.gpx

Die Sonne kämpft sich über die Berge und strahlt Stück für Stück mehr Fläche des Tales an. Der Nebel steigt die Hänge hoch und man fühlt richtig wie Leben ins Tal kommt. Wir beschließen eine etwas kürzere Tagesetappe zu fahren und buchen uns eine Ferienwohnung in Nafpaktos für 2 Nächte. Wir brauchen beide eine Auszeit und viel Schlaf um diese f%&§k Erkältung wieder los zu werden! Außerdem soll es am Samstag sowieso den ganzen Tag regnen. Das ganze ist also eine win – win Situation. Wir starten direkt wieder mit Kurven und Kurven und noch viel mehr Kurven! Und dazwischen Fotostopps! Es könnte einem ganz schwindelig werden vor lauter Kurven. Wir fahren durch Schluchten die Frankreich in den Schatten stellen, klettern Berge hinauf und gewinnen Ausblicke in Täler welche die Dolomiten neidisch werden lassen. Versteht mich net falsch. Überall auf der Welt gibt es Schönes zu entdecken! Was wir bisher aber noch nirgends gefunden haben ist so eine Stille und Einsamkeit dazu. Wir sind gerne außerhalb der Saison unterwegs, so auch diesmal. Aber so krass nichts los hatten wir echt noch nie.

Nach knapp 60km Kurven und auf und ab ist irgendwie die Luft raus und wir brauchen ne Pause und was zu Essen. Gut dass wir in Thermo auf dem Marktplatz aus dem vollen Schöpfen können. Unzählige Restaurants stellen sich zur Wahl und wir haben die Qual der Wahl. Wir tun uns ja viel leichter damit uns auf das eine was es halt gibt einzulassen als aus 20 Möglichkeiten auszuwählen. Drei Damen sprechen Anja an und fragen sie ob das ihr Motorrad ist. Dann kommt die Frage auf: Can you handle it? Und sie antwortet „sometimes“ – ich hätte ja „mostly“ geantwortet. Nachdem erst Anja eine Runde um die linke Hälfte des Platzes und dann ich eine um die rechte Hälfte gedreht haben setzen wir uns in eine Taverna und bestellen Pita mit Gyros und „Kartoffelstampfpommes“. Auch hier ist es wieder saulecker!

Als wir wieder weiter wollen quatscht uns dann nochmal eine Dreiergruppe an, wir müssen unbedingt in die entgegengesetzte Richtung fahren und wir sind auf ein Bier eingeladen und müssen im Fluss baden. Das ist alles nett gemeint, aber mit unserer Erkältung wollen wir gerade nicht im Fluss baden, Bier hindert uns am weiterfahren und überhaupt wollen wir genau in die entgegengesetzte Richtung. Sich aus solchen Gesprächen elegant zu lösen ist eine echte Herausforderung. Nun geht es am Trichonida See entlang, dem größten natürlichen See Griechenlands. Wir schwenken mit dem Seeufer wieder nach Süden und unser nächstes Ziel ist Messolonghi. Vorher drehen wir aber nochmal kurz um und fahren ein paar Meter zurück zur günstigsten Tankstelle seit ein paar Tagen.

Die Salinen von Messolonghi erscheinen am Horizont. Unendliche Wasserbecken in welchen nach dem verdunsten das Salz übrig bleibt. Weiße Berge aus dem kostbaren Produkt, ohne welchem jegliches Essen fad schmecken würde. In den Becken stolzieren Flamingos durch die Gegend und ein paar Becken weiter sulen sich Menschen in der Salzlake – Moment? In den Salinen baden Leute? Korrekt an einer Saline sind Umkleiden und es baden Leute darin. Ist wahrscheinlich gut für die Haut. Wir lassen das mal mangels Duschmöglichkeiten aus. Noch ein Gedanke den Anja dazu hat… Ob das Salz wohl nochmal gewaschen wird? Erst hocken Menschen mit Schuppenflechte drin, dann kacken Flamingos rein und wir kaufen es dann extra teuer als Fleur de Sel…

In Messolonghi halten wir dann bei einem Bäcker und ich probiere endlich griechischen Frappe – garnet mal so gut. So ein Espresso ist da halt doch was anderes. Wir kaufen und essen Kekse. Dann kontaktieren wir den Vermieter um anzukündigen, dass wir in einer Stunde da sind. Nun kommt die Rio Andirrio Brücke in unser Blickfeld. Sie überspannt den Golf von Patras/Golf von Korinth und wird uns in ein paar Tagen auf die Peloponnes bringen. Heute lassen wir sie rechts liegen und fahren weiter bis nach Nafpaktos. Hier treffen wir Mr. Spyro welcher uns zeigt wo wir die Motorräder parken können (Innenhof) und uns dann die Wohnung im 3. Stock aufsperrt, welche wir für 2 Nächte gebucht haben. Wir schaffen unser Gepäck hoch, duschen, stopfen die Waschmaschine voll, ziehen uns um und laufen mit den Kameras los in Richtung Altstadt. Auf dem Weg kaufen wir noch ein paar Kekse und neue Hustenbonbons. Am Strand machen wir ein paar Bilder, ebenso von der alten Hafenanlage und der Mauer. Dann gehen wir in einem Mezze Restaurant essen. Das mit den Griechischen Kleinigkeiten haben wir falsch interpretiert und viel zu viel Essen bestellt, aber wir sind gegen Lebensmittelverschwendung, also wird aufgegessen. Mit MRS (maximale Ranzen Spannung) schleppen wir uns zurück zur Unterkunft und fallen nach dem Wäsche aufhängen in einen unruhigen Schlaf.

Die folgenden zwei Tage sind schnell erzählt. Bei mir lässt die Erkältung nach, bei Anja geht’s so richtig los. Am Samstag früh sind wir wie erschlagen. Wir verbringen die meiste Zeit des Tages im Bett. Mittags spazieren wir eine Runde um drei Blocks und kaufen Wasser, mehr Kekse, Obst und Blätterteiggebäck – währenddessen kontaktiere ich unseren Vermieter und verlängere den Aufenthalt um einen Tag. Ab Mittags regnet es immer wieder und wir sitzen auf dem Balkon und genießen die kühlere Luft welche das Atmen mit den dichten Nasen einfacher macht.

Samstag Abend gehen wir nochmal eine Runde spazieren und essen Pita mit Suvlaki und Pita mit Gyros. Die Bedienung erklärt uns die restlichen Essen und wir versprechen am Sonntag Abend wieder zu kommen. Vor dem Schlafen gibt es noch chilliges Entspanungsyoga. Die Nacht zum Sonntag war dann hervorragend! Endlich mal wieder gut geschlafen! Auch Anja hat wesentlich besser geschlafen, ist aber bei weitem noch nicht fit. Wir bleiben bis 11 Uhr im Bett, dann gibt es das restliche Obst und die noch übrigen Kekse. Mittags verlasse ich die Wohnung kurz um eine Rolle Klopapier aus dem Moppedkoffer zu holen. Ansonsten verbringen wir den gesamten Nachmittag auf dem Balkon. Wir schreiben Berichte nach und machen uns ein bisschen Gedanken wie die nächsten Tage aussehen könnten. Lassen aber alles unverbindlich und flexibel um je nach Energielevel agieren zu können. Das chillen tut gut! Nachmittags essen wir dann nochmal ein Gebäckstück welches Anja gestern beim Bäcker gejagt hatte. Gefühlt ist es Baklava mit Schokoladenganache oben drauf – echt heftig! Irgendwann legt jeder von uns ne Yoga Session ein und wir genießen den Tag auf dem Balkon.

Gegen 18 Uhr ziehen wir uns um, packen schonmal paar Sachen in die Motorräder und dann laufen wir noch ein bisschen über den Strand, durch die Altstadt, wieder über den Strand, schauen noch eine Kirche an und gehen dann wieder in die Taverna Ο ΠΑΝΟΣ essen wo wir gestern schon waren. Die Betreiber freuen sich unglaublich dass wir wieder da sind und gestern keine leeren Versprechungen gemacht haben. Wir gönnen uns heute gegrillten Feta mit Paprika und dann zwei Fleischgerichte vom Spieß welche den ganzen Tag über den Kohlen hingen. Anja hat Kontosouvli (marinierte Schweineschulter mit Schwarte) und ich habe Exohiko (ausgebeintes Hähnchenbein gerollt mit Käse, süßen roten Paprikas und Bacon), dazu gibt es Tzaziki, Pommes und Tomaten. Das Fleisch ist einfach der Hammer! Man merkt einfach immer wenn Zeit in nem Essen steckt! Als Nachtisch bekommen wir Wassermelone und Zuckermelone. In diesem Laden würden wir gerne noch öfter Essen, aber morgen wollen wir endlich weiterfahren und die Erkältung hinter uns lassen.

Unterkunft: Liros House Nafpaktos (leider nicht mehr verfügbar)

Griechenland 2024 – Tag07 – 249 km – Neo Mikro Chorio

What a day! Aber fangen wir mal von vorne an. Wir sind relativ früh aufgestanden, haben noch eine kurze Yoga Session eingelegt, dann gepackt und um 9:30 rollen wir vom Hof. Heute wieder ohne Frühstück. Es ist einfach zu früh für uns um was zu essen. Auch wenn wir immer so verfressen wirken, im Alltag haben wir einen ziemlich gepflegten Rhythmus, welcher uns im Urlaub immer etwas verloren geht. Bei angenehmen Temperaturen und leicht bewölktem Himmel verlassen wir Lefkadas, nachdem wir an einem Supermarkt Wasser und Hustenbonbons gekauft haben. Meiner Erkältung geht es leider nicht besser, aber es ist okay. Während dem Fahren wird mir so bewusst dass ich jetzt schon seit 27 Jahren Zweirad fahre. Manchmal tu ich mich schwer mich auf den Beinen zu halten, aber Moppedfahren funktioniert gut. Dieser Gedanke wird mir in den nächsten zwei Tagen noch öfter kommen…

Download file: GR241003_Tag07.gpx

Wir tauchen sofort wieder in kleinste Sträßchen ein. Durchqueren ein altes Dörfchen welches scheinbar einem Erdbeben zum Opfer gefallen ist. Dann kommt Landwirtschaft und unglaublich dreckige Landschaft. Überall liegt Müll rum. Nach einer guten Stunde schlechten kleinsten Wegen halten wir an und schauen uns eine kleine Kirche auf einem Hügel an. Ein Schäfer wartet hier bis seine Herde von selbst (ohne Hütehund!) kommt. Nachdem sie da sind und er die Tür vom Gehege hinter ihnen geschlossen hat fährt er wieder davon. Dass das Meer wieder näher kommt erkennen wir als erstes am touristischen Baugebiet. Lauter kleine Bungalows mit 2-4 Ferienwohnungen werden hier aus dem kargen Boden gestampft. Zweihundert Meter weiter ist dann die Küstenlinie und wir stellen fest dass es ganz schön windig und kühl zum Baden ist. Wir würden nicht mit den Leuten am Strand tauschen wollen.

Im nächsten Ort halten wir an einem Bäcker und frühstücken herzhaftes Blätterteig Zeugs mit Käse-Paprika Füllung, kleine käsegefüllte dreieckige Gebäckstücke und eine Art griechischer Flan wandern in unsere Mägen. Dazu gibt es Cappuccino und Tee. Ich fühl mich so richtig zerknautscht und überhaupt net fit. Aber Moppedfahren funzt, also geht es erstmal auf einer etwas größeren Straße an der Küste entlang weiter. Hier kann man es „fliegen“ lassen. Der Fahrtwind tut gut und mein Kreislauf fängt sich. Links von uns liegen Berge und rechts von uns geht es steil hinab zum Meer. Auf den Wellen tanzen Segler und schippern zwischen Fischzuchtfarmen hindurch. Wir biegen wieder nach links ab in Richtung Landesinneres. Dabei folgen wir weiten Täler durch den Gebirgskamm hinter der Küstenlinie. Dann kommt der Ethniko Parko Mesolongiou. Eine landwirtschaftlich geprägte Grünfläche. Das Gebiet ist umgeben von Seen und Flüssen und ist somit sehr feucht. Citrusbaumplantagen mit Orangen und Zitronen säumen die Straße. Mittendrin finden wir dann in einer kleinen Ortschaft endlich eine Tankstelle. Elli blinkt bereits seit 30km und fordert Sprit.

In Agrinio parken wir dann an einem Kreisverkehr auf dem Gehweg und holen uns in einem Imbiss zwei Cola. Kurzfristig entscheiden wir uns auch noch für ein Pita mit Gyros. Also eigentlich entscheide ich mich dafür und Anja isst es dann als ob sie am verhungern wäre… Mir bleiben nur ein paar Reste davon. Aber Sie hat ja keinen Hunger…Nein…. sie doch net.
Ich zitiere sie mampfend mit vollem Mund: “ Woah düüü Bommes dopf drümmm sin wie stobbfaaa pfoll geil!“ Wer es nicht lesen kann: Die Pommes in dem Pitabrot hatten eine sehr weiche und mehlige Konsistenz und waren daher ein bisschen wie Kartoffelpüree, was Anja wohl sehr ansprechend fand. Beim Essen entscheiden wir auch welche Unterkunft wir heute nehmen und dass wir die kürzere Streckenoption wählen.

Weiter geht es an den größten Stausee Griechenlands, den Limni Kremston. Ein Stausee für den unzählige Dörfer und sogar eine Byzantinische Kirche aus grauer Vorzeit versenkt wurden. Zehn Fotostopps reichen uns nicht bis wir an der großen Brücke über den See angekommen sind. Zum einen ist die Strecke einfach genial zu fahren und zum anderen kommt man fast nicht dazu auf die Straße zu schauen so genial sind die Ausblicke. Der See leuchtet so Blau wie ein 4-jähriger einen See auf einem Buntstiftbild malen würde. Nachdem wir die Brücke überquert haben müssen wir dann mal bisschen Strecke machen. Jetzt beginnt eine Kurvenhatz. Ca. 50 km eine Kurve nach der anderen! Und das in einer Gebirgslandschaft die Ihresgleichen sucht. Wir sind einfach nur begeistert! Die Erkältung tritt hier völlig in den Hintergrund.

In Karpenisi, kurz vor unserer Unterkunft stoppen wir spontan noch an einer griechisch Orthodoxen Kirche. Der Priester spricht weder Deutsch noch Englisch, gibt uns aber per Google Translate an seinem Smartphone eine Privataudienz. Er schaltet extra die komplette Beleuchtung in der großen Kirche ein und es fällt uns ziemlich schwer uns nach langer Zeit wieder loszureißen. Er hat noch so viel zu erzählen und zeigen, aber wir haben Hunger, sind erschöpft und so im stehen und gehen drängt sich auch die Erkältung wieder in den Vordergrund.

10km weiter spannen wir dann noch schnell Anjas Kette bevor es aufs Zimmer geht. Ein kleiner Spaziergang durch den Ort bringt die Hüften wieder in Bewegung bevor es dann zum Abendessen im Restaurant unserer Unterkunft geht. Brot, Kräuterbutter, Olivenpaste, ein regionaler Käse mit einer Tomatenmarmelade und dann gibt es als Hauptgang Souflaki für mich und Kebab für Anja. Das bisher beste Essen in Griechenland! Die Unterkunft ist ein absoluter Glücksgriff! Vom Balkon aus haben wir einen Traumausblick in die Berge. Ich überlege ob wir hier einen Pausentag machen aber die Unterkunft ist übers Wochenende ausgebucht. Also wird dieser noch zaghafte Gedanke sowieso sofort begraben. Zur Verdauung bekommen wir noch einen Mandel-Feigen Likör welcher einfach nur nach mehr schmeckt!

Wir sind beide so erschöpft dass wir ohne zu schreiben und ohne Routenplanung direkt nach dem Essen einschlafen.

Unterkunft: Rizoma Guesthouse Neo Mikro Chorio

Griechenland 2024 – Tag06 – 148 km – wieder Lygia

Die Entscheidung ins Hotel zu gehen war gut – meine Erkältung wird schlechter, aber wir haben wunderbar geschlafen. Das sollte der Genesung helfen. Ich bin nach dem Aufstehen noch nicht so wirklich sicher ob ich heute Moppedfahren will. Erstmal gehen wir frühstücken. Baguette, Eier mit Gemüse, Feta, Salami, Nektarine, Joghurt, Honig, Kuchen, Blätterteigtaschen und Salat – es fehlt an nichts und doch sind die Stücke klein genug dass man nach dem Verzehr der ganzen Kleinigkeiten nicht Gnadenlos überfressen ist. Also bitte nicht falsch verstehen, es war wirklich viel! Aber eben irgendwie nicht so schwer dass man bewegungsunfähig davon wird. Mein Allgemeinzustand ist inzwischen ein bisschen besser und so beschließen wir die geplante Rundtour (im totalen Zickzack) über die Insel zu starten. Abbrechen / Abkürzen können wir immer noch.

Download file: GR241002_Tag06.gpx

Um kurz vor 10 Uhr sitzen wir auf den Moppeds starten direkt auf kleinsten (also wirklich kleinsten!) Sträßchen in die Berge. Es ist brutal anstrengend die 1000er um die engen Kehren und Kurven (Stilfser oder Vrsic sind da Kindergarten gegen) zu bugsieren. Die meiste Zeit im 2ten Gang, oft sogar nur im ersten Gang bei Steigungen jenseits der 10%. Ich zweifle ob ich das heute lange durchhalte, will aber noch nicht klein beigeben. In der ersten halben Stunde schwitze ich ordentlich! Der Lohn für die Mühen: Wir gewinnen sauschnell an Höhe und damit Hammer Ausblicke! Anhalten zum fotografieren ist aber schwierig. Wir drehen dann sogar einmal um und fahren 3 oder 4 Kehren zurück um ein paar Fotos zu machen. Die Windmühle welche wir anschauen wollten erreichen wir nicht weil zum Schluss noch ca. 1km übelster Geröllweg gewesen wäre. Das ist uns heute zu heftig. Später sehen wir dann von einem anderen Aussichtspunkt dass die Windmühle sowieso nur noch eine aus ca. 10 Steinreihen bestehende Turmruine ist. Wir drehen einen Halbkreis und fahren wieder wie geplant zur Küste runter. Die Kehren flutschen langsam und die Arme und Schultern werden lockerer. Das Wissen dass jetzt dann mal ein paar lockere km kommen tut sein Übriges.

Auf der Ringstraße angekommen kaufen wir Wasser und befüllen die Trinkrucksäcke. Dann beschließen wir die zweite „Bergetappe“ auszulassen und ein bisschen mehr Ringstraße an der Küste entlang zu fahren. In Vasiliki halten wir die Augen offen nach einem Cafe / Bäcker. Und werden trotz zweier Runden durch den Ort erst kurz vor Ortsausgang fündig. Naja die anderen hatten mich einfach net angesprochen. Ich gönn mir ein Blätterteigteil mit Feta. Anja nimmt zwei kleine süße Teilchen. Dazu eine Flasche Limo und ein Cappuccino. Immer wieder fährt ein Jugendlicher auf seiner 50er vorbei. Das Ding hat nen Auspuff dran welcher den Sound einer 1400er verbrüllt! Man meint echt da kommt was ganz dickes und dann ist das so ein schwindsüchtiges größeres Mofa.

Dann gehen wir den Abstecher zum Kap mit Leuchtturm an. Die Straße ist größer / besser als erwartet und wir kommen flott voran. Es tut gut nen Flow zu finden und immer mal wieder Fotostopps machen zu können. Insgesamt merke ich aber deutlich dass die Energie heute sehr endlich ist. Am letzten Aussichtspunkt vor dem Leuchtturm sehen wir Wasser das so krass blau ist, wie wir es noch nie erlebt haben! Der Hammer! Kennt Ihr noch das Blau der Honda X11, genau so hat das Meer gestrahlt, wie so ne X11 in der prallen Sonne! Da kann man den Blick fast nicht abwenden. Am Leuchtturm angekommen drehen wir direkt wieder um und fahren die Stichstraße wieder zurück.

Als wir wieder auf der Ringstrasse ankommen folgen wir dieser wie geplant für ein Stück und halten nochmal an einer Taverne. Cappuccino, Cola und Fanta -> doppelt Koffein und einfach Zucker für mich, nur Zucker für Anja. Das sollte uns wieder ein bisschen Energie geben für den Rückweg. Ich schau mir die Strecke nochmal auf Googlemaps an und plane kurzerhand etwas um. Was das Navi sagt ignoriere ich ab jetzt und fahre frei Schnauze. Etwas direkter, aber nicht die gelbe Ringstrasse ist die Devise. Wir überqueren nochmal die Inselkuppe auf kleinen (nicht kleinsten) sehr flowig zu fahrenden Strecken. Die Ausblicke von hier oben nötigen uns nochmals zu einigen Fotostopps und wir sind fein mit dem was wir spontan aus dem Tag gemacht haben. Es fühlt sich einfach gut an. Beim letzten Stopp essen wir noch ein paar der Kekse welche Anja gestern gekauft hat. Dann rollen wir um ca. 16 Uhr wieder auf den Hotelparkplatz.

Wir kriechen energielos aufs Zimmer und lassen die verschwitzten Klamotten von uns fallen. Ich schneide mir noch schnell die Haare und gehe direkt unter die Dusche. Das weckt die Lebensgeister wieder ein bisschen auf. Nachdem Anja auch noch Duschen war essen wir die restlichen Kekse von gestern und machen uns über die Planung für morgen. Das chillen auf dem Zimmer hat die Batterien wieder ein bisschen geladen und so spazieren wir mit den Kameras bewaffnet um ca. 19 Uhr los. Wir wollen noch ein bisschen die Gegend erkunden bevor wir Abendessen gehen. Die Lichtstimmung zum Sonnenuntergang und danach lädts uns dazu ein den Auslöser noch ein paarmal zu betätigen. Dann kommen wir in der Taverna Seven Islands an. Unsere Hausherrin hatte uns diese Taverne für Fisch empfohlen.

Als Vorspeise gönnen wir uns heute zur Abwechslung mal Tzaziki und eine Fetacreme (Tirosalata?), ich nehme als Hautgericht frittierte Kalamari und Anja nimmt den Schwertfisch vom Grill. Alles ist lecker und heute nicht ganz so viel und schwer wie gestern. Tsipouro oder Ouzo gibt es heute keinen, was uns auch nicht weiter stört. Um kurz nach 21 Uhr sind wir dann wieder im Zimmer. Während ich diese Zeilen tippe schläft Anja bereits tief und fest. Ich kuschle mich jetzt auch dazu und hoffe dass meine Erkältung bis morgen ein bisschen abklingt.

Unterkunft: Hotel Avra

Griechenland 2024 – Tag05 – 232 km – Lygia

Die erste Nacht im Zelt war alles andere als toll! Ich habe total unruhig geschlafen, musste zweimal auf Toilette und hab mich gefühlt alle 20 Minuten rumgedreht. Die Schlafüberwachung der Garmin Uhr spiegelt dies deutlich wieder. Ich wache mit Kopfschmerzen auf und meine Nase und der Rachen sind völlig im Arsch! Das ist auf jeden Fall noch von der klimatisierten Luft auf der Fähre. Wir lagen fast 11 Stunden im Zelt und sind nur sehr begrenzt erholt. Anja geht es ähnlich wie mir. Wir beschließen den Tag gaaaanz langsam zu beginnen. Erstmal nen Espresso machen. Inzwischen ist es 10 Uhr als ich diese Zeilen und die Berichte der letzten beiden Tage tippe. Anja hat schon ein bisschen zusammengepackt und macht jetzt Yoga. Wir haben für heute ca. 250 km geplant mit der Option deutlich abkürzen zu können. Je nachdem wie fit wir uns im Tagesverlauf fühlen. Das Zelt steht immer noch im Schatten und ist feucht von der Nacht – Sonnenausrichtung vorausplanen haben wir echt voll raus – NICHT! Aber egal, meine Kopfschmerzen sind nach dem Espresso weg. Die Camper um uns werden weniger und die Backpacker haben auch schon den Platz geräumt… dabei haben sie uns noch die drei Liter Wein angeboten. Scheinbar haben sie sich mit der Menge etwas übernommen. Wir lehnen dankend ab. Ein Gläschen geht gerne mal, aber 3 Liter??? Was sollen wir damit?

Download file: GR241001_Tag05.gpx

Die Backpacker sind weg und wir kommen nicht so richtig in die Gänge. Wir brauchen fast bis 12 Uhr um startklar zu sein. So langsam waren wir glaube ich noch nie. Wir rollen weiter die Küste entlang in Richtung Süden. Die Straßen lassen sich flott fahren, der Verkehr hält sich in Grenzen und das Wetter ist super. Nach ein paar Kilometern füllen wir die Tanks – Anja will nicht dass der Tankwart ihr Mopped anfasst. Sie ist da sehr eigen und sofort Eifersüchtig. In Griechenland ist Tankservice aber scheinbar Standard. Sie wird sich dran gewöhnen. Wir machen einen Abstecher zu einer Ausgrabungsstätte – den Eintritt sparen wir uns dann aber und drehen wieder ab. An einem Cafe stoppen wir und kaufen uns ein großes Blätterteiggebäck welches mit Schinken und Käse gefüllt ist und einige Kekse – überhaupt haben es uns diese griechischen Kekse sehr angetan. Dazu noch Tee und Cappuccino und die Welt ist toll! Ein Sportlerfahrer zieht im Wheelie am Cafe vorbei, natürlich ohne Helm. Hier fällt man schon direkt als Touri auf wenn man Helm und Schutzkleidung trägt.

An der Küste entlang ist es schön und lässt sich gut und flott fahren. Vom Gefühl her sind wir noch nicht so richtig angekommen. Die lange Fährüberfahrt steckt uns noch in den Knochen und ich glaube dass sich eine leichte Erkältung ankündigt. Als wir auf den Ambrakischen Golf zufahren müssen wir von der geplanten Route abweichen und ich übersehe es von der „Schnellstrasse“ runterzufahren, welche unter dem Gold hindurchführt, zack schon sind wir unter dem Meer durch und zahlen 70 cent pro Mopped an der Mautstelle. Dann drehen wir um und zahlen nochmal um wieder zurück zu kommen.

Hätten wir gewusst wie öde die erste Hälfte des Weges um den Golf wird, dann hätten wir uns das umdrehen zweimal überlegt. Kerzengeradeaus geht es um die erste Hälfte des Gewässers. Die Ausblicke sind auch nicht so reizvoll wie erwartet. Aber man kommt flott voran. Ab Menidi wird es dann endlich kurvig und man ist näher am Wasser, so dass auch was fürs Auge geboten ist. In Amfilochia stoppen wir an der Strandpromenade. Es ist 15 Uhr und ich habe ein klein wenig Hunger und weiß dass wir so langsam mal etwas essen sollten. Anja ist noch unmotiviert dazu und meint dass sie die Restaurants weiter vorne mehr angesprochen haben. Bauchgefühl auf das man hören sollte… Ich esse das schlechteste Souvlaki meines Lebens! Und das in Griechenland… Die Google Bewwertungen des Ladens wären auch eindeutig gewesen, wenn man sie vorher gelesen hätte. Zitat: „Das Beste an dem Laden ist der Löffel den man kriegt“. Anja isst ein paar Pommes und selbst diese sind einfach nur mehlig.

Dann geht es kurvig weiter in Richtung Lefkada. Wir wollen heute auf die Insel und Campen. Just in dem Moment, als ich überlege ob wir den Weg zum Campingplatz abkürzen und statt heute schon einmal um die Insel zu fahren, den direkten Weg die Ostküste runter nehmen, höre ich Anjas Stimme: „Lass uns heute ein Zimmer nehmen. In Lefkada halten wir an einem Cafe und gönnen uns zwei Cola. Wir sind beide nicht 100% fit und deswegen schauen wir auf booking.com nach Unterkünften in der Nähe. Ich bin wieder einmal überrascht über die Preisstruktur hier in Griechenland. Damit hatte ich mich im Vorfeld kein bisschen beschäftigt. Wir finden in 5 km Entfernung das Hotel Avra welches 38 EUR pro Nacht für das Doppelzimmer möchte. Sicherer Parkplatz, Pool, Meernähe, Restaurants in Laufreichweite und super Bewertungen. Das wird es. Schnell die Adresse ans Navi geschickt und in der Bäckerei gegenüber nochmal ne Tüte voll mit Keksen gekauft. Anja kommt mampfend und strahlend zurück. Sie hat noch einen Keks zum gleich essen geschenkt bekommen.

Die 5km sind schnell abgerissen und wir sind froh um ca. 18 Uhr an der Unterkunft zu sein. Mit unserem kleinen Umweg unter dem Meer hindurch wurden es heute 232 km statt der geplanten 250 km. Als wir auf dem Zimmer sind werfen wir den Laptop an und beschließen spontan noch eine zweite Nacht hier zu bleiben. Wir planen eine Route kreuz und quer über die Insel für morgen. Dann gehen wir zur Rezeption und Fragen ob es möglich wäre um eine Nacht zu verlängern. Wir bekommen ein strahlendes Lächeln und ein „Yes“. Fürs Frühstück wählen wir die Griechische Variante und zum Abendessen lassen wir uns heute eine Empfehlung geben . Da ist gerade einfach kein Spielraum für eine Enttäuschung nach dem Mittagessen.

Wir drehen noch eine kleine Runde am Strand entlang um die Beine auszuschütteln, dann kehren wir um 20:15 im The Koutouki ein und ordern unser Essen. Vorneweg gibt es Tzaziki und marinierte Anchovies. Als Hauptgang nehme ich Bifteki mit Feta und Anja ein Stifado. Das Essen war saulecker und die Portionen viel zu groß! Wir sind pappsatt als die Kellnerin uns noch ein Stück Kuchen aufs Haus bringt. Der Tsipouro wird der Verdauung schon helfen. Wir bringen unsere vollen Bäuche direkt ins Bett und schlafen sofort ein.
Unterkunft: Hotel Avra Lygia

Griechenland 2024 – Tag03/04 – Fähre und erste km in Griechenland – Parga 12km/49km

Wir haben wieder super gut geschlafen. Und heute gibt es Frühstück für uns 😀 Croissant, Käsekuchen und italienische Kekse, dazu Saft und Cappuccino/Tee. Was will man mehr? Das Agriturismo Corte Del Brenta kann man als Unterkunft für einen Venedig Besuch definitiv empfehlen. Wir sitzen hier in Poleposition zur Fähre, der Bus hat uns in 30 Minuten direkt nach Venedig rein gebracht, sicherer Parkplatz, super Abendessen und ein solides italienisches Frühstück. Noch dazu saubere Zimmer und bequeme Betten. Das ganze in ruhiger Lage.

Download file: GR240929_Tag03.gpx

Auf dem Weg zur Fähre machen wir noch einen kleinen Umweg über eine Pasticceria – die leider kein Brot hat, dafür aber unmengen Tartelettes – Moment falsches Land. Es gibt aber neben Cornetti auch Sfogliatta – wie macht man uns happy? Genau so! Wir kaufen zwei Cornetti Crema und zwei Sfogliatta und dann geht es ab an den Fährhafen. Um ca. 10 Uhr stehe ich am Schalter mit meinem Din A4 Blatt mit der Reservierung und unseren zwei Ausweisen. Alle um mich rum haben Mappen mit Papieren dabei – irgendwie habe ich das Gefühl ich habe was vergessen/übersehen. Das Gefühl bestätigt sich aber nicht. Ich habe alles was ich brauche um die Tickets zu bekommen. Wir fahren direkt durch bis in den Laderaum – naja okay, dreimal werden unsere Tickets und Ausweise noch kontrolliert. Die Fähre ist halb leer. In der Hauptsache sind LKW Trailer geladen. Ein paar Camper und noch 8 weitere Motorräder.

Wir laufen mit unseren vorbereiteten Rucksäcken los, als mich einer der BMW Fahrer noch fragt ob ich mein Lenkradschloss rein hab – wozu? Damit ein potentieller Dieb auf der Fähre nur im Kreis fahren kann??? Wir checken ein, verwüsten das Minizimmer und machen uns auf nach außen. Zur Fährüberfahrt gibt es nicht viel zu sagen – 27h Stunden sind ewig, Klimaanlagen sind einfach net unseres, das Essen sieht besser aus als gedacht und ist nicht so teuer wie erwartet. Wir haben aber genügend zu Essen dabei und vespern mittags und abends. Nachmittags gibt es das Zeug aus der Pasticceria – es ist langweilig auf der Fähre. Wir sitzen lange im Salon, als ich endlich den Weg auf das „Sonnendeck“ gefunden habe, sitzen wir endlich an der frischen Luft – frische von Schwerölrauch geschwängerte Luft. Der Sonnenuntergang ist toll und als es dunkel wird gehen wir in unsere Kabine. Ich leg mich sofort zum schlafen hin, Anja liest noch Reiseführer.

Wir haben lange geschlafen, fast 12 Stunden – trotzdem fühle ich mich eher wie nach 6 Stunden Schlaf. Die Klimatisierung macht mir zu schaffen, ich freue mich auf die erste Nacht im Zelt an der frischen Luft. Aber erstmal sind noch einige weitere Stunden Fähre angesagt. Wir sind allerdings schon auf Höhe Albanien und es gibt Küstenlinie zu sehen. Wir sitzen wieder an der „frischen“ Luft und genießen die Sonne. Heute brauchen wir auch keine Softshelljacken mehr. Die Sonnenstrahlen wärmen und der Wind hinterm Schiff hält sich in Grenzen. Am Bug kann sich Anja in den Wind lehnen ohne umzufallen.

Um 14 Uhr griechischer Zeit packen wir dann unser Zeug und verlassen langsam die Kabine. Wir warten bis die Aufforderung kommt zu den Fahrzeugen zu gehen und sind mal wieder organisierter als die anderen Moppedfahrer (Bei unserer ersten Fährüberfahrt waren wir auch noch völlig chaotisch), inzwischen ist da eine gewisse Routine eingekehrt. In aller Ruhe verstauen wir unser Zeug und verlassen die Fähre. Das Navi zeigt schon die Route zum heutigen Campingplatz in ca. 50 km.

Download file: GR240930_Tag04.gpx

Wir biegen direkt nach rechts ab an der Küste entlang. Die meisten anderen fahren erstmal nach Igoumenitsa rein – ich vermute bei den Moppeds dass sie nach Albanien fahren. Die Küstenstrasse ist kurvig und macht Laune. Wir finden schnell in einen Flow und kommen unerwartet flott voran. Einen Fotostopp später rollen wir schon durch ein kleines Dörfchen in einer Bucht zum Campingplatz. Direkt an einem Sandstrand der voller Touri-Liegen ist checken wir ein. Die „Zeltwiese“ ist ganz hinten auf dem Platz und außer uns steht nur noch das Zelt eines jungen Backpackerpärchens. Sie haben heute wohl noch was vor mit ihren 3 Liter Rotwein in PET Flaschen.

Anja geht es nicht so gut – ihr Magen macht ein wenig Probleme. Während sie im Helinox dahinvegetiert baue ich das Zelt auf und kümmere mich um das drum herum. Nach dieser Pause stellt sie genauso wie ich fest dass wir heute fast nix gegessen haben und wir inhalieren erstmal unser restliches Brot und zwei Landjäger. Vom Minimarket, wo wir Wasser und Cracker kaufen geht es an den Strand. Auf zwei Liegen sitzend gratulieren wir Sunny zum Geburtstag. Sie feiert in Amsterdam bei Regen. Dann beschließen wir direkt am Strand essen zu gehen. Vorher tragen wir unsere Einkäufe noch zum Zelt und holen uns was langes zum Überziehen. Unser Restaurant liegt im Schatten und das merkt man deutlich an der Temperatur.

Auch mir ist irgendwie bissl komisch im Kopf während wir so hier sitzen und auf unser Essen warten. Da fragt Anja mich ob der Boden schwankt – und genau das ist es. Jetzt wo es ausgesprochen ist wird mir erst so richtig bewusst dass dies wohl nachwehen von den 27 Stunden Fährüberfahrt sind. Ich fühle mich beschwipst und alles schwankt ein wenig. Jetzt wo mir das bewusst ist nehme ich es noch viel stärker wahr. Wir haben Tzaziki und Saganaki als Vorspeise bestellt. Das Tzaziki ist gut, der Saganaki ist unerwartet – nicht schlecht, aber er hat deutlich potential nach oben. Der Hauptgang ist dann Bombe! Anja hat eine Seebrasse mit Zucchini und Aubergine, ich habe Sardinen vom Grill. Während dem Essen fällt uns auf dass wir quasi keine Kohlenhydrate haben. Das werden wir morgen früh merken. Naja dann geht es halt früher zu einem Bäcker 😀

Nach dem Essen gehen wir noch duschen und dann direkt ins Zelt. Wir planen noch eine Route weiter die Küste hinab und dann legen wir uns ab. Die erste Nach im Zelt wird bestimmt wieder toll!

Unterkunft: Valtos Camping Parga

Griechenland 2024 – Tag02 – viele Schritte in Venedig

Wir haben wundervolle 10 Stunden geschlafen und springen förmlich aus dem Bett… nicht 😀 Also wir haben wirklich wundervoll geschlafen und auch über 10 Stunden. Trotzdem könnten wir direkt liegen bleiben und einfach einen faulen Tag einlegen. Im Agriturismo frühstücken, Pasta zu Mittag und Abends nochmal diese wundervolle hausgemachte Pasta genießen. Aber wir wollten ja eigentlich ein bisschen nach Venedig rein und die Kanäle, Gondeln und Brücken bestaunen. Also raffen wir uns auf und machen uns fertig. In den Bewertungen der Unterkunft hatte ich etwas von Buslinie direkt vor dem Haus gelesen. Google Maps bestätigt das und schlägt eine Abfahrt um 9:47 vor. Jetzt müssen wir doch noch ein bisschen Gas geben. Rein in den Bus, 2x die Kreditkarte an den NFC Automaten gehalten und ab geht die Fahrt. Nach 30 Minuten stehend im vollen Bus werden wir auf dem Piazzale Roma ausgespuckt und laufen direkt mal über die erste Brücke in Richtung „Altstadt“. Wir haben exakt Null, Null Plan, also können wir völlig befreit drauf los laufen.

Über Brücken, an Kanälen entlang, durch kleine Gasse, über grössere Strassen finden wir immer wieder Plätze und schauen uns dabei die ganze Zeit neugierig um. In einer kleinen alten Bäckerei gönnen wir uns Tee, Espresso und zwei Brioche (eine mit Mandeln und eine mit Creme). Wir finden immer wieder Motive für unsere Kameras und schauen uns die Auslage der Läden welche links und rechts der Wege sind. Bei einem Buchmacher schlagen wir dann zu. Anja sichert sich ein kleines Andenken an diese Stadt in Form eines neuen Reisetagebuchs. Liebevoll verpackt der Buchmacher es wie ein kleines Geschenk. Die Basilika Santa Maria Gloriosa dei Frari ist leider aktuell aufgrund einer Beerdigung geschlossen. Wir beschließen einen Platz weiter etwas zu essen und so die Zeit verstreichen zu lassen bis wir in die Basilika können. Panini mit Mortadella ist unsere Wahl. Italienisches Essen ist einfach genial! In einem kleinen Supermarkt kaufen wir noch 1,5l Wasser bevor wir dann in die Basilika können. Die 5 EUR Eintritt pro Person kosten wir voll aus und schauen uns jedes auf dem Flyer erwähnte Kunstwerk genau an…also Anja tut das. Ich habe den Flyer nicht gesehen.

Eine Stunde später erkunden wir dann wieder Kanäle und Gassen. Auf ein paar Treppen zum Wasser setzen wir uns und schreiben eine Postkarte welche direkt in den Briefkasten daneben wandert. Mal sehen wie lange sie braucht bis daheim. In einer weiteren alten Pasticceria gönnen wir uns wieder zwei süße Teilchen und einen Cappuccino. Nun überqueren wir den Grande Canal über die Rialto Brücke. Bisher hielten sich die Menschenmassen echt in Grenzen, ich hätte Venedig fast als leer betitelt. Auf der bekanntesten der Brücken ist dann schon ein bisschen mehr los. Aber trotzdem sind wir überrascht wie wenig an einem Samstag bei bestem Wetter los ist. Während wir den Canal überqueren schießen unter uns Polizeiboote vorbei und stoppen in waghalsigen Anlegemanövern direkt nach der Brücke. Was da wohl los ist? Okay, beim verzurren und aussteigen lassen sie sich dann Zeit.

Nun gibt es einen kleinen Canoli Pistachio Mignon – für jeden exakt ein Bissen, dann tauchen wir wieder in die kleinen Gassen ein. Hier gibt es keine Radfahrer, keine E-Roller – einfach alle sind zu Fuss unterwegs. handwerker fahren Ziegelsteine mit Sackkarren zu ihren Baustellen. Die Läden mit Tourischrott werden mehr je näher wir dem Markusplatz kommen. In manchen Strassen sieht man kein grünes Blättchen und dann kommt wieder ein Haus welches über und über voll mit Blumetöpfen ist und eine ganz andere Stimmung in die Gasse zaubert. Immer wieder schauen wir uns Kirchen an, deren Namen wir uns nicht merken können. Am Markusplatz angekommen sind auch die besucher Venedigs definitiv mehr geworden. Kein Wunder bei dem genialen Wetter. Unter strahlend blauem Himmel strawanzen wir über den Platz und denken an das Schwäbische Motto – Nett hier! Das wars aber auch. Venedig ist nett, catcht uns aber nicht so richtig. Wir verlassen die Promenade wieder und landen im Modeviertel. Eine Boutique reiht sich an die andere. Sicherheitspersonal entscheidet wer eingelassen wird und wer nicht. Das ist nicht unsere Welt. Anja stellt fest dass Ihre schwedische Fjällraven Hose auch teuer war 😀

So langsam kriege ich richtig Hunger und 5 Minuten später bestätigt Anja dies. Es ist 15 Uhr uns so richtig was zu Essen hatten wir heute noch nicht. Auf einem kleinen relativ menschenleeren Platz entscheide ich mich spontan für ein kleines Restaurant. Der Kellner zeigt noch kurz auf den inzwischen ziemlich dunklen Himmel und fragt ob wir rein oder raus wollen. Wir entscheiden uns für draußen. Nach der Caprese wechseln wir dann nach innen weil es inzwischen schüttet wie aus Eimern. Kaum sind wir drinnen legt der Wolkenbruch nochmal einen Zahn zu und es blitzt und donnert. Wir teilen uns Lasagne und Ravioli mit Spinat Ricotta Füllung. Die Dolci essen wir dann wieder sortenrein. Ich Tiramisu und Anja eine Crema Catalana welche am Tisch karamellisiert und mit Grand Manier flambiert wird. Unser Timing war perfekt. Wir sind fertig mit Essen und der Regen hört wieder auf.

Ein paar Pfützen sorgen für Spiegelungen der Gebäude auf den Plätzen. Sie trocknen aber auch relativ zügig ab. Nachdem wir noch einen kleinen Kreis durch einige Gassen gelaufen sind beschließen wir wieder in Richtung Busparkplatz zu gehen. In einem Feinkostladen kaufen wir noch Parmesan, Peccorino Pistachio und eine Knoblauchsalami zum vespern auf der Fähre morgen. Von der Spitze der Rialtobrücke genießen wir die Lichtstimmung der untergehenden Sonne, welche einige Häuserspitzen noch golden Leuchten lässt. Ich gönne mir noch ein Stück Pizza an einem Strassenstand, Anja hat keinen Hunger mehr. In einem Coop kaufen wir noch Wasser bevor wir den 19:27 Uhr Bus nehmen und um 20 Uhr wieder am Agriturismo sind. Wir gehen direkt aufs Zimmer, springen noch unter die Dusche und halten dann die Erinnerungen des Tages fest bevor wir erschöpft aber glücklich einschlafen.

Griechenland 2024 – Tag01 – 642 km – Venedig

So langsam wird es mal wieder Zeit für ne Mopped Reise. Korsika im April ist schon wieder ewig her. Im Sommer waren wir zwar mehrfach verlängerte Wochenenden unterwegs (3 Tage Frankreich, 3 Tage Österreich, 3 Tage Süddeutschland), aber das ist halt kein wirklicher Urlaub. Die Probezeit im neuen Job geht auch langsam aufs Ende zu und das Halbzeitgespräch war durchweg positiv, so dass nichts gegen drei Wochen Ausszeit spricht. Balkan war gesetzt, die Frage war nur welche Länder und wie fahren wir. Kurzerhand buchen wir relativ spontan eine Fähre von Venedig nach Griechenland und fügen noch einen freien Freitag vorne an die drei Wochen an. Der Plan ist jetzt klar. Wir fahren nach Venedig, schauen die Stadt an, dann auf die Fähre. Klar definierte 3,5 Wochen. Was wir dann ab Tag 4 in Griechenland machen und in welche Richtung wir fahren überlegen wir uns wenn wir da sind. Wie wir wieder nach Hause kommen lassen wir auch noch offen. Sicher ist, am 21.10. müssen wir wieder auf die Arbeit. Der Plan reift noch ein bisschen weiter und wir haben die Idee Donnerstag nach der Arbeit bereits bis Kufstein zu fahren. Am Donnerstag regnet es heftig, also lassen wir es bleiben und packen lieber ganz in Ruhe die Moppeds.

Download file: GR240927_Tag01.gpx

Es ist Freitag der 27.09.2024 und wir starten um kurz nach 8 Uhr auf den gestern bereits gepackten Moppeds in Richtung Süden. Der Weg aus Deutschland raus ist einfach -> Autobahn bis Kufstein. Noch vor Ingolstadt kostet uns ein Stau mehr als 30 Minuten Zeit. Nach München ist dann die A8 völlig dicht und wir umfahren diesen Stau. An einem Rewe legen wir eine Pause ein und Anja kauft uns beim Bäcker etwas zu Essen. Dann geht es in stockendem Verkehr nochmal zurück auf die Autobahn um ca. 1,5 Stunden später als angepeilt die Grenze zu überqueren.

 Ab Kufstein Süd verlassen wir die Autobahn und folgen Bundesstrassen in Richtung Felbertauerntunnel. An einer Tankstelle gönnen wir uns neben Benzin auch noch ein Twix und eine Cola. Koffein und Zucker gegen das Mittagstief. Wir kommen wie erwartet gut vorwärts, allerdings sind wir fürs Wetter einfach ein bisschen zu spät dran und bekommen ordentlich Regen ab. Den Felbertauern können wir im Regen nicht so richtig genießen, kommen aber äußerst Flott über die Berge. Schnell die Maut bezahlt und wieder runter in Richtung besseres Wetter. Kurz vor der italienischen Grenze tanken wir dann nochmal. Wir müssen zwar noch nicht, aber immerhin 15 Cent pro Liter ist der Sprit in Österreich billiger als in Italien.

Die Lichtstimmung in den Dolomiten, die Ausblicke auf die Bergbaugegend hier und das triste Wetter lassen auch unsere Stimmung nicht ganz so „happy“ sein wie sie zu Urlaubsbeginn eigentlich sein müsste. Uns beiden stecken die letzten Monate in den Knochen und wir brauchen sicherlich ein paar Tage um im Reisen anzukommen. Anja fällt dazu ein Zitat von Margot Flügel-Anhalt ein: „Der Aufbruch ist das Schwierigste. Das Unterwegssein ist leicht und schön.“ Wie treffend. Es gibt keinen Grund zu klagen für uns, trotzdem fehlt die Leichtigkeit noch. Bevor wir den Kreuzbergpass (Passo Monte Croce die Comelico 1636m) überqueren stoppen wir noch bei einem Bäcker und gönnen uns drei Croissant. Eines mit Pistazienfüllung, eines mit Creme und eines mit Marmelade. Dazu heiße Schokolade und Espresso.

Der Pass ist dann schön zu fahren und wir spüren dass wir die Strecken gut gewählt haben. D – Autobahn, A – Bundesstrassen, Italien erstmal bissl kurviger durch die Berge. Die Berge verlassen wir dann allerdings auf der Autobahn. Die letzten 100km im Dämmerlicht rollen wir zügig und unspektakulär in Richtung Venedig. Nur der Himmel gibt ein kleines Spektakel ab und leuchtet in diversen Rottönen. Anjas Sena verabschiedet sich nach 10 Stunden Dauerverbindung und meldet Akku leer. Um Venedig rum schaltet sie es dann nochmal an und quetscht das letzte Prozent Akku raus während wir uns nochmal 5 Minuten austauschen. Die letzten 3 Minuten bis zu unserer Unterkunft müssen wir dann wieder getrennt verbringen. Um 19:30 rollen wir auf den Hof und stellen die Moppeds hinter dem Haus ab. Nach 642 Tageskilometern sind wir erschöpft und hungrig. Die Frage ist nur ob erschöpft das hungrig schlägt und wir ohne Essen ins Bett gehen.

Die Mägen gewinnen den Kampf. Wir ziehen uns schnell um und gehen direkt im Haus was essen. Erst eine gemischte Vorspeisenplatte – Burratta, Tomaten und Crudo, dazu Baguette. Dann Spaghetti Carbonara für mich und für Anja Spaghetti Ragu (vom Büffel). Als Nachtisch teilen wir uns noch ein Tiramisu. Zurück im Zimmer schaffe ich es nichtmal mehr Anja gute Nacht zu wünschen, so schnell ist sie eingeschlafen. Ich stecke noch alle Elektrogeräte zum Laden an und sichere die Bilder des Tages auf den Laptop, dann schließe auch ich die Augen und falle in einen tiefen zufriedenen Schlaf.

Unterkunft: Agriturismo Corte del Brenta