Rumänientour 2019 – Tag 02 – Trenčín – 659 km

Tag 2 und wir waren immer noch daheim… immer noch? Nein, wieder. Aber das sollte sich heute ändern. Wir wachten auf und der Blick zum Dachfenster steigerte die Motivation loszufahren ins Negative. Es regnete. Wir trödelten rum und kamen nicht so richtig in die Gänge. Duschen, Müsli, Sachen die wir gestern ausgepackt hatten wieder verstauen… Regenklamotten anziehen. Schon war wieder fast 9:30 Uhr. Da heute nicht mehr Sonntag war durften wir uns auf LKWs auf der Autobahn freuen und rechneten damit schlechter voranzukommen als gestern.

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Das genaue Gegenteil war aber der Fall. Ruck Zuck waren wir an unserem gestrigen Wendepunkt vorbei und machten den ersten kurzen Stopp an einer Tankstelle. Dank des Regens und der kühlen Temperaturen waren die Finger steif und wir wollten uns einfach ein bisschen bewegen. Nachdem wir ein paarmal im Kreis gelaufen waren ohne die Moppedklamotten auszuziehen fuhren wir wieder weiter.
Kurz vor Prag dann der nächste Stopp. Wir brauchten Benzin für die Moppeds und etwas warmes für die Fahrer. Eine Rindersuppe und einmal Rindergulasch mit Serviettenkloß für insgesamt 5,20 EUR. Das waren mal Tankstellenpreise! Unser Sitzplatz war zu einem kleinen See geworden als wir die Tankstelle frisch gestärkt wieder verließen.

Der nächste Orientierungspunkt für uns war Brno. Nachdem wir daran vorbei waren verließen wir die Autobahn und folgten der E50 in Richtung Slowakei. Teilweise echt öde und hinter LKWs. Dann nach einem weiteren Tankstop beim Einhorn ging es erstmal ziemlich genial kurvig dahin. Wir ließen für ein paar km fliegen, bis uns Blaulicht ausbremste. Die Straße war vollgesperrt und wir sahen im weiteren Verlauf einen Autokran und ziemlich viel Feuerwehr. Den Blick aufs Navi um eine Umfahrung zu suchen konnte ich mir schenken da ein hilfsbereiter Tscheche uns anhupte und anzeigte dass wir ihm folgen sollen. Wir hatten ja nix zu verlieren, also fuhren wir ihm nach und tatsächlich nach ein paar Kilometern waren wir wieder auf unserer Route und hatten den Unfall umfahren. Sehr freundlich von dem Autofahrer!

Der Grenzübertritt in die Slowakei war unspektakulär und wenn da nicht ein Schild gestanden hätte, dann wäre es uns nicht aufgefallen. Wobei sich die Landschaft ein wenig verändert hatte. Es wurde hügeliger und die Wälder wurden mehr und dichter. Wäre es nicht schon so spät gewesen hätte ich noch einen Fotostopp eingelegt. Zwischen den grünen Hügeln war gerade der Nebel am aufsteigen. Aber nach dem langen Tag im nassen hatte ich einfach keine Lust anzuhalten.

In Trenčín führte uns das Navi zielstrebig zu unserer Unterkunft (Penzion Tiberia). Der Besitzer Mario ist redselig und fragt mich über meine Revit Klamotten und den Garmin inReach Mini aus. Nachdem wir unsere Sachen zum trocknen aufgehängt und uns mit einem heißen Tee aufgewärmt hatten befragten wir Mario nach Empfehlungen für ein Abendessen. Die Pivovar Lanius erreichten wir dann nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadtmitte Trenčín’s. Auf dem Weg hatten wir noch die Lichtstimmung genutzt um ein paar Bilder der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten zu machen.

Im Lanius gab es dann für mich Kartoffelspätzle mit einen slowakischen Käse und Speck, für Anja Schweinefleisch mit Gemüse auf getoastetem Brot. Die Portionen waren für uns genau richtig und so wanderten wir gut gesättigt wieder zurück zur Unterkunft um noch ein bisschen Routenplanung für den kommenden Tag zu machen bevor wir in unseren Einzelbetten 🙁 einschliefen.

Anmerkung: Von Reise zu Reise denke ich mir man kann sich nicht noch weniger vorbereiten… Für Sardinien hatte Anja den Reiseführer gelesen und wir machten die Routenplanung auf der Fähre. Für Schottland hatten wir lediglich die Northcoast 500 als Routenidee und planten dann von Tag zu Tag. Diesmal hatten wir einen Rumänien Reiseführer gekauft. Dieser begleitet uns ungelesen und wir werden versuchen ab und an mal etwas nachzuschlagen zu den Regionen in denen wir gerade eben sind. Wir wollen grob die Karpaten als Orientierung nutzen und Julia (Varatweety aus dem V-Stromforum) von Maedchenmotorrad.de fährt auch gerade in Rumänien rum und veröffentlicht täglich ihre Tracks., das ist dann unsere zweite Ideenquelle. Das muss reichen *g*

Rumänientour 2019 – Tag 01 – Zurück auf Start – Zuhause – 414 km

Die Motorräder hatten frische Reifen und frische Ketten drauf. Der Ölstand war geprüft und das Öl für die Kettenöler war aufgefüllt. Die Bremsbeläge hatten noch ordentlich Material drauf. Die Wohnung war aufgeräumt und geputzt. Die Koffertaschen waren gepackt und das Zeugs fürs Topcase war in einer Klappkiste. Wir waren quasi startklar. Um 7 Uhr klingelte der Wecker. Allerdings weckte er mich nicht auf, ich war nämlich schon wach. Fünf Minuten vor 7 Uhr war ich bereits aufgewacht. Die Vorfreude sorgte dafür dass meine innere Uhr mich weckte.
Wir ließen es gemütlich angehen. Erstmal wurden noch die Blumen mit Wasser versorgt, dann ein Müsli und zu guter letzt die Taschen und den Kleinkram auf den Moppeds verstaut. Um 9:30 waren wir dann soweit und verließen den heimischen Hof. Tag 1 sollte wie immer unspektakulär werden. Bis Schwabach Landstraße, dann ab auf die A6 und über Prag bis in die Slowakei. Auf Höhe Nürnberg war dann erstmal Stau angesagt und wir stellten uns brav mit an. Die A9 war vollgesperrt und deshalb war die A6 ein bisschen überlastet. Nachdem der Stau vorüber war hatten wir die Autobahn dann fast für uns allein. An einem Sonntag Autobahn in Richtung Tschechien fahren macht einfach Spass. Wir rollten gemütlich mit konstanten 130 km/h dahin. Der Himmel war bewölkt, die Temperaturen gerade so zweistellig aber es war immerhin trocken. Um ca. 11 Uhr überquerten wir dann die Grenze und nach weiteren 30 km stoppten wir an einer Shell um uns etwas warmes zu trinken zu holen und die Benzinvorräte aufzufüllen.

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Einen Cappuccino, eine heiße Schokolade und einen Toilettengang später fiel mein Blick dann in meinen Unterfahrschutz… da glänzte doch etwas feucht… Erstmal der Standard V-Strom Griff an den Kupplungsnehmerzylinder um zu prüfen ob er noch dicht war….Nein… Nasse Finger… ABER, das war doch keine Bremsflüssigkeit… genauer hingeguckt… Öl!!! Wo zum Teufel kam da Öl her?
Also Werkzeug raus, den Kupplungsnehmerzylinder (KNZ) abgebaut, die Ritzelabdeckung weggeschraubt und Getriebeausgangswelle und Kupplungsdruckstange geprüft. An der Kupplungsdruckstange kommt Öl raus. Die passende Dichtung hierfür hätte ich zuhause liegen. Man muss aber um sie wechseln zu können das Ritzel ausbauen. Um die Ritzelmutter zu lösen braucht man einen Schlagschrauber.

Was tun? Bei einer Distanz von 200 km bis nach Hause und voller Flexibilität da nichts gebucht war (fast nichts, nur die Unterkunft für heute Abend) fiel uns die Entscheidung nicht schwer. Nachdem wir der heutigen Unterkunft eine kurze Email mit der Bitte um eine Verschiebung der Buchung um einen Tag geschrieben hatten fuhren wir noch bis zur nächsten Ausfahrt und drehten um. 200 km später um ca. 14:30 rollten wir wieder auf den heimischen Hof.
Alles wieder auf Null. Nachdem Elli von den Koffern befreit war machte ich mich auf die Suche nach der Dichtung. Zwei Stück fand ich in der V-Strom Teilekiste, also konnte die Operation beginnen. Eine gute Stunde später war wieder alles dicht und wir machten uns auf zu einer Probefahrt. Zum Abschluss ebendieser wurden die Maschinen nochmal vollgetankt und startklar wieder in die Garage geschoben. Statt Slowakischer Hausmannskost gab es dann Salat und Lasagne a lá Mama und dann ging es nicht ins fremde sondern ins eigene Bett.
Morgen werden wir dann den zweiten Anlauf starten um unsere Tour nach Rumänien zu beginnen.

Schottland 2019 – Tag 16-18 – 182km, 21km, 704km – Sunderland, Fähre, daheim

Nur weil man mit dem Zelt Campen ist muss man auf nichts verzichten. Immer wieder gucken uns Wohnmobilisten an und sind erstaunt wie bequem wir es mit unseren Helinox Stühlen und dem Benzinkocher haben. Wenn dann der Laptop rauskommt und Anja in Ihrer Hängematte abhängt sind die Leute endgültig verblüfft. Heute hatte uns beim Frühstück zwar keiner zugeschaut, aber wenn dann hätten wir wahrscheinlich mal wieder einige offene Münder gesehen. Wir hatten Räucherlachs gekauft, diesen angebraten und darüber dann die Rühreier. Dazu gab’s Gurke, Tomate, Paprika und Avocado. Den Abschluss des Frühstücks bildete dann der restliche Kuchen der Teatime von gestern. Und dann mussten wir so vollgefressen zusammenpacken und Moppedfahren…

Nachdem wir in Melrose auf dem Campingplatz nicht mehr untergekommen waren fuhren wir erstmal zurück bis in eben diesen Ort. Die Melrose Abbey sollte uns mit dem Thema Sightseeing versöhnen. Wir haben uns den Eintritt gegönnt und den ganzen Audioguide mit allen extra Kapiteln angehört. Über zwei Stunden waren wir in der Melrose Abbey total entschleunigt unterwegs. Hier war aber auch echt wenig los, so dass man entspannt auf dem Gelände des ehemaligen Klosters herumspazieren konnte. Die wichtigste Info aus dem Audioguide war dass die Mönche schon sehr früh sehr reinlich waren und man deshalb eine „Spühltoilette“ über eine Umleitung des Flusses gebaut hatte.

Die Dryburgh Abbey ließen wir dann wieder links liegen. Nochmal 2 Stunden Kultur wäre einfach zuviel gewesen für einen Tag. Die Jedburgh Abbey konnte man dann ganz gut von außen umrunden und so haben wir uns hier eine kleine Pause gegönnt um dies auch zu tun. Wir waren leider eine Woche zu früh in Jedburgh… am nächsten Wochenende wären Highlandgames gewesen. Martialische Schotten in Röcken die Baumstämme werfen hätten wir uns schon ganz gerne mal angeguckt. 

Nun endet unser Aufenthalt in Schottland. Über einen Pass geht es zurück nach England. Exakt auf der Grenze schlägt das Wetter um. Hinter uns in Schottland bewölkt mit Fetzen blauen Himmels und vor uns in England dunkelgrau, windig und Regen. Griffheizung an, Lüftungen an den Klamotten zu und los geht es.

Bis Sunderland ist eigentlich nichts besonderes mehr passiert. Der Verkehr wurde wieder dichter als es um Newcastle ging, das war es auch schon. Das Abingdon & St. George’s Guest House liegt in wenigen Metern Distanz zum Strand und bietet für Motorräder Parkplätze auf einem umzäunten Grundstück. Die Eigner wollten uns sogar Ihre Garage überlassen was wir aber dankend ablehnten. Weggesperrt waren die Moppeds ja und unter freiem Himmel stehen sie auf Reisen eh meistens. Nach dem Check-in nutzten wir den Abend um noch zum Strand zu laufen und uns ein letztes Mal Fish and Chips zu gönnen. Danach hab ich mich im Zimmer über die Bilderflut der Reise hergemacht und diese grob vorsortiert. Im TV lief dabei ein Sender der den ganzen Tag nur Hits der 90er spielt. 

Um 9 Uhr gibt es heute endlich ein Full English Breakfast. Das hatte uns bisher noch gefehlt. Vorher spazieren wir nochmal mit den Kameras an den Strand und auf die Mole zum Leuchtturm. 

Dann gab es endlich gebackene Bohnen, Spiegelei, warme Tomaten, Kartoffelrösti, gebratene Champignons, Speck, ein Würstchen, dazu Toast und schwarzen Tee mit Milch. Mir sagt das ja voll zu. Anja ist eher der Meinung dass man das schon einmal machen kann… aber nicht muss. Bis 11 Uhr machten wir uns dann gemütlich fertig und dümpelten noch ein wenig auf dem Zimmer. Auf dem Weg zur Fähre gingen wir nochmal fürs Abendessen einkaufen. Dann ging es durch gefühlte 100 Kreisverkehre zur Fähre. Wir durften ewig in der prallen Sonne warten weil diesmal die Motorräder als letzte auf die Fähre durften. Dafür klappte das Boarding tadellos und zügig. Wieder hatten wir einen Satz nagelneue Spanngurte bekommen die wir behalten durften. 

Die Zeit bis zum Ablegen vertrieben wir uns mit Eis essen, Chai Latte vom Starbucks trinken und auf Deck in der Sonne sitzen. Sobald wir auf See waren begaben wir uns wieder in die Kabine wie auch schon auf der Anreise. Zum Abendessen gab es Brot, Salami und Fischdosen. Die Fähre schwankte diesmal ganz schön und wir brauchten ein bisschen bis wir uns drangewöhnt hatten und einschlafen konnten.

Um 6 Uhr (lokale Zeit (Amsterdam) klingelte der Wecker. Unser Körper war noch der Meinung dass 5 Uhr war. Wir plünderten das umfangreiche Frühstücksbuffet und tankten nochmal Energie für die heutige lange Autobahnfahrt. Pünktlich legten wir an und fuhren von der Fähre. Anja nutzte erstmal die linke Fahrbahnseite korrigierte aber gleich wieder. Ab der Deutschen Grenze fuhr dann Anja voraus und gab das Tempo vor. Zumindest so lange bis wir im Stau standen. Mit vollem Gepäck ist das mit dem durchschlängeln auch nicht so einfach deshalb waren wir einfach geduldig und legten erstmal noch eine Pause ein. Die letzten Kilometer in der fränkischen Heimat waren ein Genuss bei bestem Wetter. Es war warm und sonnig, das Getreide leuchtete golden und wir genossen die Kurven nach der langen Autobahnetappe.

Sonntag Abends zuhause ankommen bedeutet am nächsten Tag wieder auf die Arbeit zu müssen. Aber wir wollten jeden Tag dieses „kurzen“ Urlaubs ausnutzen was uns auch sehr gut gelungen war. 

Wie immer brauchten die Eindrücke ein wenig sich zu setzen und zu „entwickeln“ und beim Schreiben der Berichte, dem Sichten der Bilder und Entwickeln erlebt man die Reise noch ein zweites Mal. Es rücken plötzlich ganz andere Dinge in den Fokus welche man während der eigentlichen Reise unter Umständen gar nicht richtig wahrgenommen hat. Anja schreibt ja parallel zu meinen Berichten ein eigenes Reisetagebuch (in Papierform) welches mir auch immer wieder andere Aspekte aufzeigt und neue Blickwinkel auf die selbst erlebte Reise bietet. 

In diesem Sinne:

„When we travel, we are like a film at the moment of exposure. It is memory that will develop it.“ (Max Frisch)

Schottland ist definitv eine (oder auch mehrere Reisen wert). Man sollte Schottland allerdings vor Norwegen oder Island besuchen. Wenn man anfängt zu vergleichen sind die Superlativen in den beiden genannten Ländern einfach mehr WOW.

Und hier noch die letzten Tracks:

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Schottland 2019 – Tag 1-3 – 665km, 21km, 254km – Amsterdam, Fähre, Moffat

Es geht mal wieder los. Dran geglaubt hab ich die letzten Wochen nicht immer. Hat uns doch meine 1000er ein bisschen Sorgen bereitet. Sämtliche Lager der Federbeinumlenkung hinten waren defekt, das Federbein selbst verliert Öl und bei den Reparaturarbeiten ging dann auch noch so einiges schief. Aber just in time wurde alles fertig bis auf das neue Wilbers Federbein, das wird erst nach dem Urlaub verbaut. Falls sich mal jemand überlegt die Nadellager der Federbeinumlenkung selbst zu wechseln… das ist die Nerven nicht wert! Die Lager haben den neuen Lagerinnenausziehern von Kuko standgehalten und erst eine völlige Zerstörung der Lagerschalen mit Hilfe des Dremels führte zum Erfolg!
Donnerstag der 20.06. ist in Bayern ein Feiertag was uns sehr zu Gute kam, da wir diesen und den Brückentag zum Urlaub addieren konnten und so etwas mehr Luft hatten. Ich hab dann spontan am Mittwoch auch noch frei bekommen, so dass ich in Ruhe schonmal alles zusammensuchen und die Bude in Ordnung bringen konnte, während Anja noch auf der Arbeit saß.

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Donnerstag früh um kurz nach 9 Uhr ging es dann los. Bis Würzburg über Land und dann ab auf die Autobahn nach Amsterdam. Langweilig ist das Gegurke ja schon. Aber was will man machen? Zwei Tage alleine schon für die Anfahrt zur Fähre opfern? Nein danke. Wir hatten uns über Booking.com eine Unterkunft in Laufreichweite zur Zaanse Schans gesucht. Ein historisches Freilichtmuseum welches durch die Grachten (Kanäle) und Windmühlen geprägt ist. Hier wollten wir ein wenig fotografieren und uns auf die Reise einstimmen. Unsere Unterkunft (Bed and Breakfast De mallemolen) war so ein richtiges „Tiny House“ ganze drei Räume gibt es in dem Gebäude. Zwei Gästezimmer und eine Gemeinschaftsküche. Wir teilten uns die Unterkunft mit einem anderen deutschen Pärchen. Den Abend verbrachten wir mit Essen gehen und fotografieren. Die Spiegelungen der Windmühlen und die Ruhige Stimmung hatten es nicht nur uns angetan. Man merkte auch sofort dass wir in Holland sind. Die Gruppe italienischer Fotografen neben uns chillte beim „knipsen“ bei einem Joint.

Den Wecker um 3:55 Uhr machten wir aus und beschlossen den Sonnenaufgang nicht zum Fotografieren zu nutzen. Wir sind schließlich im Urlaub. Dafür gab es dann noch ein bisschen lokale Schokolade auf dem Weg zur Fähre. Die Kakao Fabrik neben unserer Unterkunft hatte uns mit dem angenehmen Duft schon lange genug gequält. Um 12 Uhr kamen wir am Fährterminal an und reihten uns in die Wartenden ein. 13 Uhr Check-in und um kurz nach 14 Uhr begann das beladen. Bei DFDS Seaways bekommt man einen Satz Spanngurte pro Motorrad geschenkt, sprich man darf diese nach der Überfahrt behalten. Das hat gleichzeitig den Charme, dass man nagelneue Spanngurte bekommt und keine uralten, dreckigen benutzen muss. Die Moppeds waren schnell verzurrt und wir in der Kabine erstmal duschen. Dann ab aufs Deck und noch bisschen in der Sonne hocken bis wir ablegten. Sobald wir den Hafen verlassen hatten (kurz nach 18 Uhr) begaben wir uns wieder in die Kabine und machten uns endlich mal über ein wenig Routenplanung. Eine Stunde später fielen mir dann beim Lesen die Augen zu und Anja drehte nochmal eine Runde über Deck bevor auch sie früh zu Bett ging. Die Nacht verlief ruhig und wir wachten gut ausgeruht aber mit Rückenschmerzen (verfluchte Matratze auf der Fähre) um kurz nach 6 Uhr auf. Zum Frühstückbuffet waren wir dann die ersten und konnten die Ruhe vor dem großen Ansturm noch etwas genießen.
Im Vergleich mit der Mobyline Fähre vorletztes Jahr (Sardinien – 2 Stunden auf dem Gepäck im Treppenhaus sitzen!) war die DFDS Seaways genial organisiert. Es kam der Aufruf dass Deck 3 zu den Fahrzeugen soll und wir konnten direkt mit dem Gepäck durchgehen, aufpacken und die Fähre verlassen.

Jetzt begann das Abenteuer LINKSVERKEHR!!! Unglaublich was der Mensch doch für ein Gewohnheitstier ist. Die Fahrt durch Newcastle war die Hölle. Jeder Ablauf an einer Kreuzung ist so ganz anders! Man muss höllisch aufpassen was man tut und wo man hinfährt, da blieb nicht viel Zeit sich umzusehen. Noch schnell an einem ATM gestoppt und ein paar Pfund gezogen – ich kam mir vor wie ein Bankräuber – lauter kleine unsortierte Scheine. Sobald wir Newcastle hinter uns gelassen hatten wurde es einfacher mit dem Verkehr. Lediglich in Kurven gab es manchmal noch Schreckmomente wenn plötzlich auf der rechten Fahrbahn ein Fahrzeug entgegenkommt. Man selbst braucht einen Moment um zu begreifen, dass man ja nicht auf Kollisionskurs ist, da man links fährt.

Der erste Tag lieferte genau das Bild von Schottland was wir erwartet hatten. Grün, hügelig, Wiesen wechseln mit Wäldern, einsame große Landhäuser, viele Schafe und wenig Verkehr. Am Anfang noch viel gerade aus, im Verlauf des Tages immer kurvigere Strecken. Was uns auffiel, in Schottland ist alles entweder von einer Mauer oder einem Zaun umgeben. Das Anhalten auf den schmalen, oft nur einspurigen Sträßchen war schwierig und so machten wir nur wenige Fotostopps. Wir kamen schon an einigen „Löchern“ (Seen) vorbei und sahen immer wieder Leute beim Wildcampen. Das Wetter war super, auch wenn die Temperaturen relativ frisch waren. Wir kamen gefühlt etwas langsamer voran als wir gedacht hatten und so suchten wir uns gegen 16:30 in Moffat nach dem Tanken eine Einkaufsmöglichkeit und steuerten dann den großen Campingplatz an.

Hier fanden wir ein Plätzchen auf feinstem „englischen“ Rasen und schlossen sofort Freundschaft mit einem schottischen Pärchen, welches fasziniert war was man so alles auf einem Motorrad transportieren kann. „Lovely“ wird mein neues Lieblingswort. Überhaupt bin ich mal wieder begeistert von der „politeness“ der Nativespeaker hier. Apropos Politeness: Wir hatten heute auf einem Parkplatz ein Auto gesehen welches keinen Parkschein hatte. Überall auf der Welte würde man wohl einen Strafzettel bekommen oder gar abgeschleppt werden. Nicht so hier, es hing ein Hinweis am Fahrzeug:
„Reminder to pay for parking notice. Thank you for visiting Kielder Water & Forest Park, we hope you have enjoyed your time with us. We are sorry to notice that you haven’t paid your car parking fee and would aks that you purchase a parking ticket.“
Ich liebe diese Umgangsformen!!!

dav

Nachdem wir uns auf dem Kocher Nudeln mit Spargel, Champignons und Tomaten in einer Frischkäsesoße gebrutzelt hatten, ließen wir den Tag im Campingstuhl ausklingen und freuen uns schon morgen an die Westküste Schottlands zu kommen. Mal sehen ob wir dort auch wieder so einen netten Campground finden.

Ein Güldenes Oktoberwochenende im Karwendel

Der wunderschöne Herbst dieses Jahr lud uns ein noch einen kleinen Ausflug in die Berge zu machen. Zu dritt sollte es auf den Weg gehen um ein (neudeutsch) “Microadventure” zu erleben.

Am Freitag dem 5.10. fuhren Anja, meine Omi und ich, mit einem kleinen Stop in der Schaukäserei in Ettal, mit dem Auto per Bundesstrassen nach Klais und quartierten uns im Berghaus Alpenland ein. Super Ferienwohnungen die alle (bis auf eine Stufe) ebenerdig sind. Schnell das Gepäck ausgeladen und dann nochmal auf einen Sprung los zum 5 Minuten entfernten Geroldsee (Wagenbrüchsee). Hier kann man zum einen gut parken und nach den 4 Stunden sitzen im Auto noch einen kleinen Spaziergang einlegen. Anja und ich haben dabei das eine oder andere Foto gemacht während wir zu dritt den Sonnenuntergang und das Alpenglühen genossen.

Den Abend schlossen wir dann mit dem Käse welchen wir gekauft hatten und einigen Runden Rummykub ab. Der Samstag Morgen trotzte den Wettermeldungen und begrüsste uns mit Kaiserwetter. Während dem reichhaltigen Frühstück in der Ferienwohnung lugten wir immer wieder aus dem Fenster und freuten uns über den Ausblick auf die Berge.

Nach dem Frühstück packten wir die Fotos und fuhren nach Mittenwald zur Karwendelbergbahn um uns auf 2244m zu begeben.  Nachdem wir den Ausblick von der Bergstation genossen (dieser ist allerdings finde ich recht beschränkt) und die Ausstellung angeschaut hatten standen wir dann vor dem Rundweg, welcher uns einen Blick auf die andere Seite in Richtung Österreich ermöglichen sollte.
Schritt für Schritt und immer wieder die Aussicht genießend arbeiteten wir uns dann zum Blick nach Österreich hoch.

Es gibt Momente im Leben die sind einfach unbezahlbar und das ist wenn du einem lieben Menschen ins Gesicht schaust und ihn einfach nur Strahlen siehst! Als wir auf ca. 2300 Metern endlich über den Karwendel hinweg nach Österreich blickten war meine Omi glaube ich der glücklichste Mensch der Welt und Megastolz dass sie das nochmal geschafft hat. Sie hätte das niemals geglaubt nochmal in die Berge zu kommen geschweige denn auf diese Höhe!

Den Nachmittag beschlossen wir dann nach einem kurzen Stopp am Walchensee mit einer entspannten und ruhigen Schifffahrt auf dem Kochelsee, bevor wir noch in Block’s Post in Krün zum Abendessen gingen. Der Tag hat hungrig gemacht. Schweinshaxen waren genau das richtige für uns nach der “Besteigung” (Befahrung) des Karwendel.

Nach den Anstrengungen des Samstags wollten wir auf dem Heimweg noch ein bisschen Entspannung einbauen. In Ettal machten wir nochmals halt um eine kleine Runde durchs Kloster zu drehen und uns mit Käse für zuhause einzudecken. Danach ging es nach Bad Wörrishofen in die Therme und wir enstpannten die Beine im warmen Wasser. Gegen 18 Uhr am Sonntag waren wir dann mit vielen frischen Erinnerungen von unserem “Microadventure” wieder daheim

Balkantour 2018 – Tag 21 – 437 km – Daheim und Fazit

Der letzte Tag des Urlaubs steht an. Das Aufstehen ist zäh, aber das Frühstück entschädigt dafür. Das Gasthaus Jägerhof ist absolut ruhig am Rand von Mallnitz gelegen. Nur ab und an hört man mal einen Zug vorbeifahren. Wir lassen uns das Frühstück ganz in Ruhe schmecken und packen noch viel ruhiger unsere Sachen zusammen. Knapp 400km Bundesstraßen stehen heute an um nach Hause zu kommen.

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Aber bevor wir Gas geben können steht die Bahnverladung in Mallnitz an. Wir fahren pünktlich zum Bahnhof und dürfen als erste auf den Zug. Das Personal verzurrt die Motorräder während wir uns in den Waggon setzen. Nur wenige Minuten später fahren wir auf der anderen Bergseite in den Bahnhof in Böckstein ein und fahren die Motorräder wieder vom Zug. Bei Schneizlreuth überqueren wir die Grenze nach Deutschland und unsere Laune lässt immer mehr nach. Irgendwie geht es uns jedesmal gleich wenn wir von einer Reise nach Deutschland zurück kommen. Der Verkehr in der Heimat nervt! Man freut sich dass man endlich wieder 100km/h fahren darf und vom Fahrbahnzustand her auch könnte, aber der Verkehr in Deutschland ist einfach nur Krieg. Kurz vor Traunstein schauen wir uns beide an und entscheiden dass wir für den restlichen Heimweg die Autobahn nehmen. Hier kann man sich noch halbwegs in den Verkehrsfluss einordnen und mitschwimmen. Der restliche Weg ist dann unspektakulär.

Nach 5700km durch 13 Länder rollen wir wieder durchs Gartentor und werden von unserer Familie mit einem angeschürten Grill erwartet. Der Kopf ist wiedermal voll mit Eindrücken und wir haben einige tolle Leute kennengelernt. Unsere Meinungen über manche Länder wurden durch Wissen ersetzt und wir wurden einigemale echt überrascht. Alle Unterkünfte welche wir uns in der Regel mit 24 Stunden Vorlaufzeit über Booking.com gesucht hatten waren Klasse und wir können sie definitiv weiterempfehlen.

Hier noch eine Auflistung der Unterkünfte in der Reihenfolge in der wir sie besucht hatten:

Noch ein paar kurze Worte zur Reiseroute. Der Weg über Österreich nach Ungarn an den Balaton war für uns nur Anreise. Bis Österreich war uns die Strecke bereits bekannt. Der Plattensee ist in unseren Augen kein lohnenswertes Ziel. Der Weg vom Balaton nach Serbien rein ist auch noch relativ öde. Ab der Strecke an der Donau entlang in Serbien war es dann echt reizvoll! Die Vila Dunavski Raj ist un seine extra Empfehlung wert da Mina und Ihre Eltern sich hier unwahrscheinlich um ihre Gäste bemühen.  Serbien an der Donau entlang und dann weiter im östlichen Teil in Richtung Süden zu fahren war definitiv eine gute Entscheidung. Die Landschaft hier ist einfach der Hammer. Unser Abstecher in den Kosovo hat uns davon überzeugt wieder zu kommen! Hier müssen wir definitiv noch mehr Zeit verbringen. Mazedonien hat uns ebenfalls in seinen Bann ziehen können und auch hier gibt es eine besondere Empfehlung für das Hotel Korab Trnica. Perfekte Lage und super Essen! Griechenland werden wir wohl mal mit der Fähre angehen müssen um etwas mehr Zeit zu haben. Auf dieser Reise war hier unser Wendepunkt. Hier haben wir die einsamsten Strecken auf der Reise gefunden. Das Hotel Kristal in der nähe von Ksamil in Albanien war eine goldrichtige Wahl um einen Tag Pause zu machen. Ein kleiner Familienbetrieb der viel Wert auf Qualität legt und das etwas abseits vom Trubel in Ksamil. Die Streckenwahl um in den Norden Albaniens zu kommen würden wir evtl ein wenig anders machen. Der Weg nach Durres war etwas eintönig. Der Weg von Durres zum Komanstausee allerdings war erste Sahne uns wir würden ihn wieder exakt genau so fahren. Auch die Überfahrt über den Komansee empfehlen wir klar in dieser Richtung. Es war einfach entspannt vom Hotel zur Fähre in 20 Minuten zu fahren und dann den Rest des Tages in Shkodra zur Verfügung zu haben. Wenn man die Runde andersrum fährt und die Trageti Alpin als Fähre wählt. Dann kommt man erst so gegen 16 Uhr in Fierza an. Maxmoto war etwas früher im Jahr auf dieser Strecke unterwegs. Bei ihm fuhr die Trageti Alpin noch früh ab Komani und Nachmittags ab Fierza. Das Red Bricks in Shkodra ist ein Muss wenn man in dieser Stadt verweilt! Montenegro hat unsere Erinnerungen an 2015 perfekt aufgefrischt und den Drang geweckt wieder zu kommen. Vielleicht dach einmal mit leichteren Maschinen und noch ein wenig mehr Offroad 😉 Unser kurzer Abstecher nach Dubrovnik hätte nicht sein müssen, aber wenn man schonmal Jahrestag hat und die Frau Geburtstag hat dann muss es auch was besonderes sein und da war das Restaurant Horizont . Wir waren ja 2015 bereits ausführlich hier, aber dieser Kurzbesuch hat definitiv auch Spass gemacht. Der eigentliche Heimweg hat uns dann ein wenig ins Hinterland Kroatiens geführt, so dass wir Boris und Gordana im Apartment Ada kennenlernen durften. Die beiden sind alleine schon ein Grund hier mal wieder vorbeizufahren! Eine super Unterkunft! Die Tropfsteinhöhle in Postojna hat uns im wahrsten Sinne des Wortes die Augen geöffnet. Es ist unglaublich was unsere Natur zu bieten hat. Den Mangart werden wir irgendwann auch noch bezwingen und der Rest des Weges war dann mehr oder weniger nur noch absitzen. Wir würden es zu 98% wieder so machen. Manche Plätze erfordern einfach mehr Zeit und Ruhe um sie intensiver zu erkunden.

Balkantour 2018 – Tag 1 – 370km – Steinbach an der Steyr

Tag 1 einer Reise ist so wie Tag 1 einer Reise halt ist… langweilig. Zumindest ist das bei unseren Motorradreisen in der Regel so. Wir haben diesmal nicht den Samstag gewählt um loszufahren, sondern den Sonntag. Den Samstag haben wir damit verbracht in Ruhe zu packen, unsere Wohnung auf Vordermann zu bringen und nochmal ganz gemütlich mit der Familie zu grillen. Na gut, man hätte wenigstens am Samstag ein bisschen Routenplanung machen können. Routenplanung am Tag vor dem Trip? Sind wir krank? Nein! Aber wir sind so unvorbereitet wie noch nie. Ins Auge gefasst hatten wir eigentlich Rumänien, die Transfagarasan und dann ab ans Schwarze Meer. Zufällig hab ich dann gelesen dass die Transfagarasan noch gesperrt ist. Also tendieren wir jetzt mehr nach unten. Das war es aber auch schon an Planung. Das Campingzeug bleibt diesmal daheim. Wir wollen uns das auf und abbauen mal sparen.

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Am Sonntag früh schnell noch zwei Semmeln inhaliert und die gepackten Taschen in die Koffer gesteckt, schon geht es los. Was geht los? Ja genau die elende Fahrerei auf deutschen Bundesstrassen. Man kommt ja halbwegs zügig voran, aber der Spassfaktor ist auch nicht viel höher als auf der Autobahn. Mittags ein kurzer Stopp an einem Cafe. Ich kaufe mir nach dem Cappuccino Desaster in Island (ich hab ihn mir in den Schoß geschüttet) diesmal extra keinen Kaffee, sondern nur was zu essen. Doch auch dazu bin ich scheinbar nicht fähig. Ich will Anja eine Erdbeere meiner Plunder abgeben und kippe mir diese mitsamt dem Pudding der oben drauf ist in den Schoss. Ich rette was zu retten ist indem ich den Pudding mit der hohlen Hand aus meinem Schoss kratze und, wie ein Maurer den Verputz an die Wand, auf meine Plunder zurück klatsche. Um Anja ist es geschehen… Fast zehn Minuten Lachkrampf. Naja, wenigstens hat sie Spass.

Nachdem wir endlich die Grenze nach Österreich überquert haben wird es etwas kurviger und es kommt ein wenig Fahrfreude auf. Aber irgendwie ist meine Stimmung heute doof. Ich fühl mich sooo allein auf dem Mopped. Nach dem Roadtrip in Island, mit dem Mietwagen, während dem wir den ganzen Tag reden konnten ist es auf dem Motorrad ganz schön einsam. Aber das holen wir heute Abend nach. Die Unterkunft heute kennen wir bereits von unserem letzten Trip in diese Richtung. Das Hotel Sandner Linde in Steinbach an der Steyr hat uns damals schon vollends überzeugt, so dass wir dieses bereits für die erste Nacht gebucht haben.
Wir beziehen unser Zimmer und setzen uns an den Laptop um mal die nächsten 2-3 Tage zu planen. Morgen geht es an den Plattensee und dann weiter nach Serbien. Schnell auf booking.com noch eine Unterkunft am Plattensee klar gemacht und schon gehen wir zum Abendessen. Ein Carpaccio von Semmelknödeln mit Schweinebraten und Kraut später ist der erste Hunger bekämpft und wir können in Ruhe unsere Hauptspeisen genießen: Maibock Hascheeknödel mit Mostkraut und Braterdäpfel / Fiaker Gulasch vom Biorind mit Serviettenknödel, Würstel, Spiegelei und Gurkerl. Das Dessert lassen wir aus.

Zurück im Zimmer noch schnell die Route aufs Navi, den Bericht reingehackt und jetzt geht es ab ins Bett. Morgen haben wir nochmal 370km vor uns bevor wir dann ein wenig die Geschwindigkeit rausnehmen.

Sardinien 2017 – Tag 1 & 2 – Reschenpass & Lago d’Iseo – 678 km

Urlaubsplanung, das ist normalerweise ein Thema in dem wir fast schon Weltmeister sind. Anja liest Reiseführer, ich lese Foren und tüftle Routen aus. Wochen vor einem Trip haben wir dann meistens ziemlich genaue Vorstellungen was wir im Zielgebiet sehen wollen und wie die geplante Route grob aussehen soll. Hat das heuer in den Pyrenäen gerade noch so ganz gut geklappt, so ist es diesmal für unseren geplanten Sardinien Trip ganz anders. Anja hat den Reiseführer zwar gelesen, wir haben aber noch nicht ein Wort darüber gesprochen. Wir haben Fährtickets ab Genua nach Olbia und auch wieder zurück. Eine Route um nach Genua zu kommen war mit Basecamp schnell gestrickt. Augenmerk auf nicht zu hohe Pässe. Das Stilfser Joch z. B. liegt schon im Schnee. Ein obligatorischer Halt im Garni Wallnöfer am Reschensee bei Elisabeth bietet sich an. Also dort noch ein Zimmer für den ersten Abend klar gemacht. Und das war es dann auch schon. Weiter sind wir nicht mehr gekommen. Wir sind beide aktuell jobtechnisch so eingebunden dass wir abends (wenn wir mal daheim sind) einfach völlig platt umfallen. Gut, dann agieren wir diesmal eben spontaner.

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Pünktlich zum Start am 23.09.2017 hat Anja sich noch eine Grippe eingefangen und schnieft nur so vor sich hin. Die Motorräder packen wir Freitag Abends um 22 Uhr – früher hat das einfach nicht geklappt – und den Rest am Samstag morgen. Wir lassen es langsam angehen. Das Zimmer für den Abend ist gebucht und die 400km bis zum Reschen sitzen wir normalerweise auf einer Arschbacke ab. So läuft es dann auch. Um kurz vor 11 starten wir nachdem wir in einem Anflug von Aktionismus noch die Wohnung geputzt hatten. Die Strecke durch Deutschland und Österreich langweilt uns. Wir kennen sie quasi auswendig und der dichte Verkehr in Österreich trägt nicht dazu bei dass wir sie ansprechender finden. Über Füssen und den Fernpass geht es dem Tagesziel – Pizzaessen entgegen.

Kurz nach 18 Uhr rollen wir direkt in die Garage bei Elisabeth – dies führt direkt zu Verwirrung bei der Gruppe BMW Fahrer welche erstmal ein Ankunftsbier getrunken hat und nun die Motorräder nach uns in die Garage sortieren darf. Kurz umgezogen und schon sind wir dank Taxiservice auf dem Weg in die Pizzeria Hans direkt am Pass. Eine Suppe, Pizza für mich und Gnocchi für Anja später warten wir wieder auf den Fahrservice welcher um 20 Uhr die BMW Fahrer bringen sollte und uns mit zurück nehmen soll. Die Gruppe hatte wohl aber ein oder zwei Bierchen mehr und war 20 Minuten zu spät dran. Egal, wir sind im Urlaub und auf uns wartet heute eh nur noch das Bett. Anja kann den Schlaf gut gebrauchen um gegen die Grippe anzukämpfen.

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Um 7 Uhr klingelt der Wecker und schickt uns unter die Dusche. Gemütlich frühstücken und die paar Sachen welche wir ausgepackt hatten wieder verstauen. Um kurz nach 9 Uhr sitzen wir wieder im Sattel und starten in Richtung Meran. Endlose Apfelplantagen im Val Venosta und wieder sehr dichter Verkehr heben die Stimmung immer noch nicht wirklich an. Anjas Nase läuft schneller als wir fahren können. Ab Lana wird die Verkehrsdichte dann endlich besser. Wir fahren über den Passo delle Palade und den Passo del Tonale. Auf 1800 Meter kommen wir der Schneegrenze schon ziemlich nahe. Die Strecke wird jetzt noch langweiliger und die Straßen größer. Die letzten 50km bis zum Lage d’Iseo sind schon fast autobahnähnlich. Ich habe heute massive Probleme zu erkennen, wie schnell ich eigentlich fahren darf. Die Beschilderung ist sehr lückenhaft, nur aufs Garmin Navi will ich mich nicht verlassen und nach den Italienern kann man sich nicht mal ansatzweise richten. Der eine krabbelt mit 30 km/h dahin während der andere bei jeder Gelegenheit mit 100 km/h überholt. Wir sind froh als wir heute nach knapp 280 km auf den Campingplatz Covelo am Lago d’Iseo rollen.

Anja ist der Meinung dass die Temperaturen okay sind um mit Grippe die Nacht im Zelt zu verbringen. Ich kann auf dem Campingplatz irgendwie nix mit mir anfangen. Wir sind es nicht gewohnt um 15 Uhr schon Zelt aufzubauen und quasi noch den halben Tag Zeit zu haben. Meist nutzen wir die Tage um vorwärts zu kommen. Diesmal haben wir uns aber bewusst 3 Tage Zeit genommen für den Weg nach Genua, da wir nicht abschätzen konnten welche Wege uns eventuell der Schnee madig macht. Zum Sonnenuntergang bekommen wir noch die Gelegenheit die Kameras zum Einsatz zu bringen. Direkt danach legen wir uns ab.

Morgen haben wir nur 230km bis nach Genua, das sollte in guten 4 Stunden erledigt sein. Das heisst wir lassen uns früh auf jeden Fall viel Zeit. Unsere Fähre geht um 21:30 Uhr, so dass wir in diesem Urlaub definitiv entschleunigt unterwegs sein können. Wie wir nun Sardinien erkunden, lassen wir auf uns zukommen. Vielleicht haben wir ja auf der Fähre noch Lust auf ein wenig Routenplanung, sonst gehts einfach der Nase nach.

Pyrenäentour 2017 – Tag 20 – 22 – 596 km – Geroldsau, Baden Baden und der Heimweg

Tag 20 unserer Tour begann total entspannt im Zelt. Es ist einfach geil schön eingemummelt im Schlafsack mit dem Zelt im Schatten aufzuwachen, aber bereits durch die Zeltplane zu sehen dass die Sonne scheint. Du weisst das Zelt wird trocken sein wenn du es in 2 Stunden einpackst, du kannst dich zum Frühstücken in die Sonne oder in den Schatten setzen und es folgt ein Tag mit Motorradfahren. Was kann es besseres geben? Richtig, Rühreier am Morgen! Wenn der Drecks Primus Omnilite Ti Kocher denn mal mag… Warum das Ding bei uns mit Reinbenzin immer so schnell verrusst das weiß der Teufel. Düse raus und reinigen, Spindel raus und reinigen – alles wieder zusammen und schon brennt das Ding wieder wie das ewige Höllenfeuer. Ist ja kein großes Ding, aber eigentlich will ich das nicht in 3 Wochen 4 mal machen müssen. Naja die Eier waren trotzdem super und so kann der Tag losgehen.

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Prio hat das zügige vorankommen. Heute Abend haben wir ein Hotel in Geroldsau bei Baden Baden reserviert. Hier bleiben wir zum Abschluss nochmal zwei Nächte. Die Straßenwahl von Basecamp ist heute wieder besser als gestern. Zügig, kurvig geht es voran. Allerdings nicht weit, dann sticht mir eine Mühle an einem Fluss ins Auge. Eine traumhafte Spiegelung, also Warnblinker rein, wenden, parken, Stativ und Filter raus. Anja mag irgendwie noch nicht so recht, das Motiv sagt ihr nicht so zu. Ich bin voll in meinem Element. Soviel zum Thema zügig vorankommen. Es sollte einer von zwei Fotostopps am heutigen Tag sein. Also kann man den schonmal ausdehnen.

Wir fliegen heute erstmal an Flüssen entlang. Das bietet zum einen viele Kurven und zum anderen einen schönen Ausblick. Und so geht die Zeit schnell dahin. Den zweiten Fotostopp legen wir in Clerval ein, auch hier bietet sich eine glasklare Spiegelung im Fluss direkt an. Durch Belfort zieht es sich verkehrsmäßig ein wenig und die steigenden Temperaturen machen es nicht besser. Bald darauf kommen wir an den Rhein. Hier geht es schnurgerade entlang bis wir auf eine Fähre stoßen welche wir zum Übersetzen nach Deutschland nutzen. Endlich wieder 100km/h auf der Landstrasse…denkste. Feierabendverkehr in Richtung Offenburg, das zieht sich. Wir beschließen auf die A5 zu fahren um das ganze zu beschleunigen. Ob wir jetzt B3 oder A5 fahren ist auch schon egal. Die letzten 13km geht es dann nochmal auf kleinen Straßen bis nach Geroldsau. Hier checken wir im Schwarzwaldhotel Sonne ein welches uns schon 2015 als Basis für eine Woche Schwarzwald/Frankreich gedient hatte.

Schnell geduscht und angezogen und zum uns gut bekannten Landgasthof Hirsch zum Abendessen gelaufen. Wir hatten die Hoffnung auf das badische Grillbuffet, dieses findet aber leider immer Freitags und Sonntags statt. Heute ist Dienstag. Also gabs erstmal Carpaccio und dann für mich Lende mit Pfifferlingen und Spätzle vom Brett. Anja hatte eine Perlhuhnbrust auf einer Mango Zwiebel Soße mit Kroketten. Ein Schokotörtchen und eine Käseplatte später waren wir dann endgültig bewegungsunfähig. Der Rückweg gestaltete sich mühsam.

Den folgenden Pausentag am Mittwoch nutzten wir für zweierlei Dinge. Zum einen fuhren wir mit dem Bus zum Friedrichsbad nach Baden Baden. Dieses römisch-irische Bad zeichnet sich durch 17 Stationen von Heißluft über Dampf, eine Seifenbürstenmassage, Warmwasserbecken, Sprudelbad, kühles Bewegungsbecken, Kaltwasserbecken, eine Crememassage bis hin zum Ruheraum und einem Lesebereich aus. Wenn man hier 4 Stunden gechillt hat dann ist man danach auch noch grundgereinigt wie es die antiken Römer schon in den Caracalla Thermen getan hatten. Wer mal hier in der Gegend ist sollte sich das definitv gönnen! Erst recht nach gut 5000km auf dem Motorrad.

Wieder mit dem Bus zurück haben wir den Fotorucksack gepackt, die Five Fingers angezogen und uns auf den Weg zum Geroldsauer Wasserfall gemacht. Hier waren wir auch schon 2015, damals allerdings noch mit ganz anderer Kameraausstattung und vor allem anderem Wissensstand. Wir laufen direkt zum Wasserfall und fotografieren uns dann den Weg zurück. Die Five Fingers (Zehenschuhe) ermöglichen es uns ganz unbedarft  bis zu den Knien im Bach rumzulaufen. Einen anderen Fotografen beobachten wir dabei wie er tunlichst versucht von Stein zu Stein zu kommen und ja keine nassen Füsse zu kriegen. Uns ist das Egal. Was tut man nicht alles für die richtige Perspektive. 3 Stunden und 45 Minuten später ist es 20 Uhr und wir sitzen auf dem Balkon und essen Abend. Die Stative und unsere Schuhe trocknen hinter uns.

Die letzte Nacht auswärts ist nochmal sehr erholsam. Das lange Baden und der Spaziergang an der frischen Luft lassen uns tief und fest schlafen. Das Frühstücksbuffet im Hotel ist wie schon bei unserem letzten Aufenthalt genial und so genießen wir es nochmal in Ruhe zu schlemmen. Die letzten ca. 250 km Landstrasse sind auch ganz schön, können uns aber keine AAAhs und OOOhs entlocken. Zu oft sind wir diese Strecken bereits gefahren. Fotostopps gibt es keine mehr. Wenn man so am Ende einer Reise ist will man dann auch mal ankommen. So geht es zumindest uns immer wieder, wenn man mal im Umkreis von 300km um das heimische Bett ist und es unvermeidlich ist dass man die Reise beendet dann werden wir zielstrebig.

Zuhause angekommen freuen sich alle dass wir wieder gut zurück sind… was hätte uns denn passieren sollen? Die Reiseutensilien sind schnell überall verstreut. Die Waschmaschinen gefüllt und so klingt dieser Urlaub aus wie es so jeder Motorradurlaub tut. Erstmal erzählen und dann die Ausrüstung wieder auf Vordermann bringen. Ein Haufen Bilder wartet darauf gesichtet zu werden, die Berichte wollen veröffentlicht werden und ich hoffe sie haben auch ein wenig Anklang bei euch gefunden.

Die Pyrenäen sind auf jeden Fall einen oder auch mehrere ausgiebige Touren mit dem Motorrad wert und ich glaube auch wir werden irgendwann noch einmal eine Tour dorthin fahren um noch ein paar mehr kleine Strässchen und den einen oder anderen Schotterweg zu erkunden.

Pyrenäentour 2017 – Packen & Tag 1 – 639km – Col de la Faucille

Es ist Mittwoch der 14.06.2017 ca 15 Uhr und ungewöhnlicherweise beginnen wir zu Packen. Wir haben es beide frühzeitig von der Arbeit nach Hause geschafft und nutzen die Zeit um es gemütlich anzugehen. Kurz keimt in mir die Idee auf heute noch zu starten und über Land bis in den Schwarzwald zu fahren. Da bremst mich aber auch schon Anja aus. Wir starten diesmal gemütlich. Um kurz nach 22 Uhr fallen wir ins Bett. Die Motorräder stehen fertig beladen in den Garagen und warten darauf dass wir sie starten. Wir stellen uns den Wecker auf kurz vor 7 Uhr. Noch schnell Duschen, etwas frühstücken und dann soll es um 8 Uhr losgehen.

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Donnerstag morgen 6:55 der Wecker klingelt, 7:00 Uhr der Wecker klingelt wieder, 7:05, 7:10,… okay vergiss 8 Uhr starten. Wir haben ja locker Zeit. Sind heute ja nur 640 km, davon knapp 400 km deutsche Autobahn um erstmal ein Stück voranzukommen. Um 8:45 Uhr haben wir es dann tatsächlich geschafft. Wir sitzen auf den Motorrädern und beginnen unseren Trip nach Frankreich und Spanien. Wir fahren Bundestrasse bis Aurach, dort geht es dann auf die A6 welche ungewöhnlich leer ist. Wir genießen es frei fahren zu können und legen die Distanz bis zur A5 ohne Auffälligkeiten zurück. Es wird immer wärmer und die Sonne brennt unerbittlich auf den Asphalt. In der Gegend um Karlsruhe kommt es dann zum Stillstand. So leer die A6 war, so voll ist die A5 und hier gibt es eine massive Baustelle welche zu einem noch massiveren Stau führt. Über eine Stunde benötigen wir um dieses Hindernis zu überwinden. Als Ziel hatten wir uns eigentlich 12 Uhr = Französische Grenze gesetzt. Das wird nix. Der Stau und unser behäbiger Start in den Tag führen dazu dass wir erst um 14 Uhr die Grenze passieren.

Ab hier geht es nun über Land weiter. Aber zuerst müssen wir das Ballungszentrum um Mulhouse irgendwie überleben. Wir haben uns entschieden in Frankreich zu bleiben und keinen Abstecher durch die Schweiz zu fahren. Zu schlecht sind unsere Erinnerungen an den Verkehr bei den Eidgenossen. Wir kommen zügig voran und die Straßen werden immer kleiner und kurviger. Wir genießen es die schwer bepackten Maschinen von links nach rechts und wieder zurück zu werfen. Ein Stop bei Aldi um die Trinkrucksäcke wieder zu füllen (sie sind unser Lebensretter bei Temperaturen um die 35 Grad! Kann man echt jedem empfehlen der ein bisschen weiter als nur eine Feierabendrunde fährt), ein Tankstopp und ein Toilettenstop sind unsere einzigen Pausen. Dies ist wohl auch der Tatsache geschuldet dass wir das getrunkene Wasser direkt wieder rausschwitzen.

Die letzten 80 km des Ersten Tages führen uns durch den Parc naturel régional du Haut-Jura. Kurven hats hier! Eine wahre Pracht! Das entschädigt vollends für die Autobahnfahrt während der ersten Tageshälfte. Wir gewinnen auch immer mehr an Höhe und Anja vergleicht die Landschaft mit einer Mischung aus Allgäu und Auenland. Alles ist grün und bewaldet. Unser heutiges Tagesziel ist das Hotel La Petite Chaumiere in einem Skigebiet am Col de la Faucille. Nach 640km wollen wir heute kein Zelt aufstellen und auch nicht selbst kochen. Der erste Abend soll völlig entspannt sein. Wir gönnen uns noch ein 3 Gänge Menü im Restaurant und sind hin und weg von der Qualität des Essens bevor wir uns aufs Zimmer zurückziehen und nach einer Dusche noch den Tag Revue passieren lassen. Jeder auf seine Weise, ich hier mit diesen Worten, Anja in einer Art Reisetagebuch welches letztes Jahr schon in Norwegen Ihre doch sehr zwiespältigen Gefühle aufgenommen hat. Heute, da bin ich mir sicher, steht nur positives darin und vor allem dass es schön warm war.

Morgen geht es weiter bis nach Valensole. Hier legen wir gleich einen ersten Pausentag ein um ein wenig zu fotografieren.